Nichts über uns, ohne uns

Na? Kennst du diesen Spruch?
Wenn du mit einer Behinderung und/oder einer chronischen Erkrankung lebst, dann könnte er dir schon einmal begegnet sein.
Aber kennst du auch das Stück des Spruchs, das für ordentlich Sprengstoff sorgt?
Eigentlich geht der Spruch nämlich so: „Nichts über uns, ohne uns, ist für uns.“ und zeigt ganz deutlich auf eine Machtfrage. Genauer: einen Konflikt um Macht.

Natürlich habe ich einen aktuellen Anlass, mich an diesen Spruch zu erinnern. Und doch ist es nicht das erste Mal, dass ich im letzten halben Jahr in einer Sache, an genau diesen Spruch, an genau diesen Konflikt, diese offene Frage gebracht wurde. Nicht das erste Mal, dass ich mich über medizinische, psychologische, „heiltätige“ und journalistische Fachpersonen ärgere, die sich sowohl öffentlich als auch nicht öffentlich als Retter*innen oder Stimme von Be(Ge)troffenen (Ritueller) (organisierter) sexualisierter Gewalt in der Kindheit gerieren. Aber auch über Betroffene, die sagen: „Naja, aber es ist wenigstens was. Besser als wenn alles unterm Teppich bleibt. – Ist ja auch nett gemeint. Die wollen ja nur helfen.“

Ich komme mir inzwischen vor, als wäre ich eine Art Bewegungsarchivar_in, die an die absoluten Basics von Betroffenenbewegung und Emanzipation erinnern muss. Zu diesen Basics gehört das, was sich in diesem Spruch bündelt:
Egal, wie groß, wie schwer, wie umfassend deine (psychische, körperliche, chronische) Erkrankung (Behinderung) ist – du bist dadurch Teil einer überproportional und häufig intersektional diskriminierten Personengruppe. Wenn jemand über dich spricht – und das ohne jede direkte und in Wirkung gleichgestellte Einflussmöglichkeit –, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Ziel dieses Sprechens eines ist, das den Sprechenden dient. Du wirst in diesem Gespräch benutzt, damit andere zum Beispiel mehr sozialen Einfluss bekommen. Oder fachliche Reputation generieren. Oder dir in Rang, Klasse oder noch allgemeiner: Möglichkeiten der Machtausübung über dich und Menschen, die wie du diskriminiert werden, weiterhin überlegen bleiben.
Diese Sprechakte sind also in erster Linie für die Sprechenden gut, hilfreich, nützlich und sorgen für Stabilität im Machtverhältnis zwischen dir und ihnen.

Die Folgen dessen sind zum einen eine weiterhin bestehende Trennung zwischen dir (die_r Patient_in, Klient_in, behinderte Person) und ihnen (die_r Fachperson, die_r Behandler_in, Berufsbezeichnung XY). So geraten alle kranken und behinderten Fachpersonen zum Beispiel in einen dauerhaften Konflikt um ihre eigene Reputation, ihr berufliches Ansehen, ihre soziale Sicherheit und können deshalb nicht einmal unter ihren eigenen Kolleg_innen etwas dagegen tun. Sie wissen: „Mache ich mich hier sichtbar als jemand, über den sie sprechen, ist es vorbei für mich.“ Also sind sie still. Sie fallen den gleichdiskriminierten Menschen in den Rücken bei voller Solidarität. Auch sie sprechen über dich, ohne dich und damit nicht für dich. Auch wenn ihnen das ganz ganz ganz doll leid tut.

Was zudem passiert, wenn so eine Gruppenspaltung, so eine Machtungleichheit (und damit Unterdrückung einer Gruppe) aufrechterhalten wird, ist, dass Dritte davon profitieren. Das sind von jeher (scheinbar) konkurrierende Fachdisziplinen, aber überwiegend Quacksalber und Unternehmen, die Kapital aus Hilfsmitteln, Medikamenten, Kliniken, (geschlossenen) (Pflege)Heimen, Aus- und Weiterbildungsinstituten, therapeutischen Einrichtungen, Betreuungen und noch vielem mehr generieren. Seit der Privatisierung des Fernsehens gehören auch Medienhäuser dazu und in der Folge ebenso Journalist_innen.
Aber auch Menschen, denen es ganz persönlich gefällt, wenn es anderen Menschen schlechtgeht, profitieren davon. Also Menschen, die andere Menschen gern oder aus Gewohnheit oder aus Fetisch oder aus Spaß oder aus anderen, vielfältigen Motivationen heraus, verletzen, ausbeuten, entmenschlichen, unterversorgen, quälen, beschämen, entwürdigen … Aber auch Menschen, die sich gern als aktive Retter_in, als Held_in, als Sprachrohr, als Heilsbringer_in für die Schwachen wahrnehmen oder dieses Bild von sich bei anderen präferieren, da sie damit von mehr sozialer Zustimmung ausgehen können.
Warum? Weil die regelhafte Unterdrückung von bestimmten Personengruppen in unserer Gesellschaft eigentlich nicht als richtig, okay, in Ordnung wahrgenommen wird. Ganz eigentlich geht es für niemanden klar, zu wissen, dass die Nachbarin für dumm, unfähig und wertlos in ihrem Beitrag zur Gemeinschaft gehalten wird, nur weil sie mit ihrer Cerebralparese nicht so deutlich sprechen kann, wie andere. Ganz ganz eigentlich findet es in unserer Gesellschaft niemand okay, wenn Menschen als Kinder Gewalt üb.erleben mussten und davon krank werden. Und dann damit leben sollen, dass ihnen im Fernsehen jede Würde genommen, vor Gericht per se die Lüge unterstellt, von der Krankenkasse der Leidensdruck abgesprochen und von Behandler_innen meistens erst einmal jede Reflexionsfähigkeit über die eigene Krankheit abgesprochen wird.
Wenn Menschen damit so offen und klar konfrontiert werden, finden sie das alle, ganz klar und sofort, absolut scheiße.
Aber wenn der Fonds für Opfer sexuellen Missbrauchs nicht weitergeführt wird, stellen sie sich nicht offen an die Seite derer, die auf ihn angewiesen sind.
Wenn es Einzelpersonen oder Vereine gibt, die Narrative verbreiten, nach denen alle schändlich motiviert lügen oder komplett unzurechnungsfähig seien, die angeben, sie hätten sexualisierte Gewalt erfahren, gibt es keinen gesellschaftlichen Konsens darüber, dass das nicht mehr stattfinden darf.
Und das alles, weil die Abwehr von Krankheit und Behinderung zu tiefgreifender Abtrennung führt und auf allen Ebenen unserer Gesellschaft strukturell, kulturell und sozial aufrechterhalten wird. Die Annahme (temporär) Unbetroffener ist, dass sie mit dem, was diskriminierten Gruppen passiert, nichts zu tun haben. Und, dass sie von der Diskriminierung nicht auch profitieren. Sie also auch nicht aktiv dazu beitragen, zu unterdrücken, wenn sie sich aus möglichen Konflikten raushalten. Dass es reicht, wenn sie Mitleid äußern und sich vorstellen, dass das ganz doll doof ist, wenn für jemanden nur wegen einer Krankheit oder Behinderung nicht alle Menschenrechte gelten.

Diese und andere Fehlannahmen immer wieder aufzudecken, ist ein Kern der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die viele Inklusionsaktivist_innen, behinderte/chronisch kranke Selbstvertreter_innen, Blogger_innen, Mental Health Influencer_innen und wie man Bewegungsarbeiter_innen heutzutage sonst noch nennt, jeden Tag leisten.
Doch wie kommt die an? Über reichweitenstarke Aktivist_innen wie Raul Krauthausen oder Tanja Kollodzieyski habe ich schon mehrfach gehört, sie würden „irgendwie nerven“. Im aktuellen Kulturkampf um die Validität der DIS Diagnose und den Themenkreis (Rituelle) organisierter sexualisierter Gewalt wird diese Arbeit zu leisten mit krankhafter Gefallsucht und irrationaler Massenhysterie erklärt. Und niemand, der nicht selbst behindert, chronisch krank, gewaltbetroffen und erkrankt ist, widerspricht. Die Kritik an diesen Aussagen über die Aktivist_innen (und letztlich ja auch Vermittler_innen) als Sprechakt über sie, ohne sie und also nicht für sie – also als Sprechakt, der sie herabsetzt und damit neuerlich unterdrückt – verläuft sich wirkungslos in der eigenen Gruppe.

„Kann man halt nix machen. Die haben halt ihr Bild. Mach dir nix draus.“ soll Trostpflaster sein. „Mach weiter – das ist so wichtig. Es sind ja nicht alle so. Irgendwann ergibt sich mal ’ne Möglichkeit für Beteiligung und Veränderung“ soll motivieren. Tja, und dann sieht man einen Film wie Blinder Fleck durch Deutschland tingeln und kann als Betroffene_r nichts dagegen sagen, weil er ja extra für sie gemacht wurde. Und also Dankbarkeit abzwingt, obwohl er auf allen Ebenen genau gar nicht ist, was Betroffene brauchen. Vor allem jetzt nicht. Jetzt, wo ganze Redaktionen, scheinbar unfähig zur kritischen Verantwortungsreflexion, weitgehend unverschleierten False Memory-Unsinn veröffentlichen, den in seiner Gefährlichkeit für alle Betroffenen sexualisierter Gewalt, egal welcher Form und Schwere, aufzudecken bei denen bleibt, die sich sozial leisten können, das zu tun.

Die, um die es geht, werden in der aktuellen Konfliktsituation um (Rituelle) organisierte sexualisierte Gewalt und die DIS, über sich selbst ganz selbstverständlich als einverstanden mit dem Umgang von Behandler_innen mit ihnen gedacht – was schlicht anmaßend ist – und wie gewohnt in Passivität gehalten. Das aktuelle Beispiel dafür ist die geplante Fachtagung „DISkurs“, deren Name und Kernidee von Betroffenen geklaut wurde.
Ausgerichtet wird diese Tagung von den Kitzberg-Kliniken in Bad Mergentheim. Ein Haus, das bereits Anfang der 2000er in jeder Empfehlungsliste für Menschen mit DIS aufgeführt ist. Also eines, das Menschen mit DIS tendenziell eher nicht so leicht boykottieren oder meiden können wie die Privatklinik „Waldschlösschen“, um wenigstens durch ihren Einfluss als Verbraucher/Kund_innen ein Zeichen ihrer Kritik zu setzen. Was eine aktuell übliche Protestform von Menschen ohne strukturelle Einflussmöglichkeiten ist.
Besonders zynisch ist jedoch ihr Motto: „Dissoziative Identitätsstörung, Perspektiven verbinden, Komplexität verstehen“. Das wird nur noch davon überboten, dass die Anmeldung zu dieser Tagung für Patient_innen ausdrücklich nicht gestattet ist. Außer für Ramona Geupert, „Vertreterin der Selbsthilfe, Expertin aus Betroffenenperspektive“. Von der habe ich in 21 Jahren Aktivismus, Selbsthilfe und Netzwerkarbeit unter Menschen mit DIS und in diversen Vereinen noch nie gehört (Sorry Ramona, falls du das liest, bist bestimmte ne Nette, die alles richtig macht, aber ey, wenn du alle aus der Selbsthilfe vertrittst, sollten dich auch alle kennen).
Man hat sich also eine aus welchen Gründen auch immer naheliegende Betroffene als Feigenblatt ausgesucht. Wahrscheinlich steht deshalb sogar irgendwo was von „Betroffenenpartizipation“ in der internen Konzeption dieser Tagung, was ein aktuell absolut übliches und dennoch ausbeuterisches Vorgehen wäre.
Der Rest der Referent_innenliste ist das Pi mal Daumen-Who is Who der Konfliktberührten, die man hier zusammenbringt, „damit man mal beide Seiten hört“. Als wären wissenschaftliche Evidenz und juristische, therapeutische sowie gewaltkulturelle Praxis im Kern das Gleiche, weil es das Thema und die Personalien teilt.
Das ist einfach nicht der Fall.

Eins muss Betroffenen von (Ritueller) organisierter sexualisierter Gewalt, die in der Folge eine DIS entwickelt haben, komplett klar sein: Diese Tagung gibt es, damit über euch geredet wird. – Nicht, damit euch besser geholfen werden kann. Nicht, damit die Gewalt endet. Nicht, damit eure Lebens- und Behandlungsbedingungen verbessert werden. Nicht, damit eure Erkrankung besser verstanden wird. Nicht, damit sich im Fernsehen niemand mehr über eure Gewalterfahrungen lustig macht. Nicht, damit an euch in der Zukunft nicht das soziale Exempel statuiert wird, das dann auf alle Betroffenen sexualisierter Gewalt auch angewandt wird.
Nein – hier geht es um Machterhalt. Um Deutungshoheit. Die einen wollen von den anderen, dass sie aufhören zu sagen, dass sie keine richtig echte Ahnung haben. Und um das zu begründen, bekommen sie Bühne.
Die Besucher_innen können sich dann austauschen und vernetzen. Vielleicht entsteht daraus irgendwo ein mutiges Therapeut_innengrüppchen, das den Arsch zusammenkneift und dann irgendwann auch mal was mit und für Betroffene auf die Kette kriegt. Sich mal öffentlich neben uns stellt, den Rücken breitmacht und einen ganz konkreten Beitrag leistet, der dafür sorgt, dass mindestens mal mit uns und für uns gesprochen wird.
Aber die Chancen darauf, dass diese Veranstaltung dazu führt, sind gering.

Wenn wir als soziale Gruppe etwas davon lernen sollten, dann ist es Folgendes: Das sind im Moment nicht unsere Verbündeten. Nicht, weil sie nicht das Beste für uns wollen – sondern, weil sie das nicht Beste für uns tun.
Ich verstehe, dass das viele abwehren wollen oder sogar müssen. Es ist hart, anzunehmen, dass die, die uns qua Behandlungsvertrag und Selbstbeschreibung, Lebenswerk und öffentlichem Auftreten immer das Gegenteil vermitteln, dem gar nicht konsequent entsprechen. Dass die, von denen sich die absolut allermeisten als soziales Gegenüber, als privatpersönliches Individuum auch wirklich krass darum bemühen, dem zu entsprechen, letztlich nicht wirklich, nicht konkret, nicht politisch, nicht gesellschaftlich … irgendwas so richtig ändern helfen.
Und zwar nicht, weil sie nicht können, sondern, weil es mit Verlustrisiken einhergeht, die einzugehen sie nicht bereit sind. Es ist leichter, kranke Leute zu behandeln, zu bemitleiden oder für Medien, Reputation oder Forschung zu missbrauchen, als sie als gleichwertige, gleichstimmige Menschen auf allen Ebenen und unter allen Umständen zu behandeln.

Dafür kann man Verständnis aufbringen.
Das kann man als Begründung wahrnehmen.
Die Realität für erkrankte Opfer von Gewalt verändert sich dadurch kein Stück.

Inklusion ist radikal

Inklusion ist radikal.
Wer sie fordert, fordert, dass sich die Welt verändert.
Die Welt.
Also, alles.
Like: Ja wirklich, so richtig alles, was man kennt.

Inklusion ist unmöglich in einer Gesellschaft, die von *ismen, also abgeschlossenen, sich selbst am Leben erhaltenden, Wertkonzepten definiert wird.

Mir ist das klar. Aber vielen, vielleicht auch den meisten, anderen Menschen nicht.
Nicht einmal vielen behinderten Menschen. Nicht einmal den öffentlichkeitswirksam aktiven behinderten Menschen.
Und ja, das ist nicht hilfreich, wenn man die Inklusion aller Menschen will.

Hatte man sich zu Integrationszeiten noch hinstellen können und einfach den neuen Begriff erklären können, so ist es heute üblich, nach der Inklusion zu fragen. Zum Beispiel setzt sich Charlotte Zach im Online-Magazin „Die neue Norm“ mit der Frage auseinander, wie inklusiv Instagram ist und wie sie sich als behinderte Frau dort darstellen kann, um viele Menschen zu erreichen, ohne jedoch dabei zu wirken, als wäre sie keine behinderte Frau, weil genau das oft schlechter ankommt und zu weniger Reichweite beiträgt.
Ihr Text endet mit dem Entschluss für einen Mittelweg, was sich kaum neoliberaler und einer gesellschaftlichen Mitte gefälliger lesen lässt, als ein lapidares „You do you.“ und also nicht taugt für radikale Weltveränderung.

Die Systemfrage wird nicht gestellt – es wird die Frage gestellt, wie man sich als behinderte Person ins System hineinfügt.
Ein Problem für behinderte Menschen – für eine Gesellschaft, die kein aufrichtiges Interesse an der Inklusion aller Menschen haben muss, weil sie von der Exklusion profitiert, hingegen nicht.

Natürlich wird Inklusion und alles, was der vermeintlich nicht behinderte Mainstream dem Begriff zuordnet, auch nach wie vor erklärt. Mitten im Schwung von #AbleismTellsMe veröffentlichte Sukultur das Leseheft „Ableismus“ von Tanja Kollodzieyski, ihres Zeichens @Rollifräulein bei Twitter – und Initiatorin des „Satireprojektes“ „Nichtbehinderte und ihre Freunde“ (@nebhis_friends). Ein Account, der die Plattitüden und Mikroaggressionen, mit denen sich behinderte Menschen täglich konfrontiert erleben, auf vermeintlich nicht behinderte Menschen ummünzt. Ein harmloser Witz, ein Ventil für Frust über die eigenen Benachteiligungen als behinderte Person, der pfiffige Versuch Aggressoren mal zu zeigen wie das ist, wenn man so angesprochen wird, damit sie mal darüber nachdenken, dass sich etwas ändern muss – so wird der Account von vielen wahrgenommen und gefeiert.
Unter den Accounts, die Futter für den Account lieferten: Rebecca Maskos. Autorin des bei der Edition F erschienenen (ebenfalls bemerkenswert erklärbärerischen) Textes „#AbleismTellsMe: Behinderte Menschen teilen Diskriminierungserfahrungen“, mit dem im Zusammenhang mit dem Tweet zum „Satireprojekt“ doch ganz bemerkenswerten Satz: „Das Ideal des voll einsatzfähigen, autonomen, nichtbehinderten Menschen kann niemand wirklich erreichen – und dennoch ist es so wirkmächtig, dass wir uns alle danach ausrichten.“

Der Satz deshalb interessant, weil er wahr ist. So wahr, dass ich hier in meinem Büro saß und in Tränen ausbrach, weil die medial breit hörbaren Stimmen meiner Themen um Behinderung und Inklusion offenbar nicht eine Sekunde lang reflektiert hatten, dass sie mit ihrem „umgedrehten Spieß“-Spässken gerade genau das taten: sich nach dem Witz der Überlegenen, der Wirkmächtigeren ausrichten. Für Likes, für Spaß, für ein oberflächliches und absolut folgenloses, weil eben nicht gleichermaßen wirksames Stückchen vom Machtkuchen. Für dieses kurze Moment der Verbundenheit, weil man die Sprüche kennt und die Gefühle, die sie auslösen, schon zigfach durchlebte.

Das Problem: Gleichstellung ist nicht das Gleiche wie Gleichberechtigung. Und Gleichberechtigung allein bedeutet immer noch keine Inklusion in einer Gesellschaft, in der Gesetze von Autoritäten gemacht, gesichert und durchgesetzt werden.
„Wie du mir, so ich dir“ löst kein einziges Problem, ja, benennt es nicht einmal. Tatsächlich braucht es dieses Problem, um als Witz überhaupt verstanden zu werden.

In meiner ersten Kritik nannte ich den Account einen „reverse-ableism“-Witzaccount und verzichtete bewusst darauf, @Rollifräulein zu konfrontieren. Sie und auch sonst niemand, die_r zu dem Ding beiträgt, ist in meinen Augen das Problem und ich möchte auch nicht, dass meine Kritik darauf runtergebrochen wird. Das Problem ist, dass die Beiträge, die Likes, die Retweets, die Replies, das Gefühl der Verbundenheit und des „endlich mal was bewegen“-Eindrucks bei dieser Art von „Witz“ kommen und nicht bei Forderungen, Kritiken, Ideen, Vernetzungsaktionen, die explizit und ganz konkret einen Wandel der Politik, der Gesellschaft – der Welt, in der wir alle miteinander leben müssen, weil wir alle auf eben dieser Welt leben – in Gang setzen wollen oder könnten.

Auf meine Kritik reagierten etwa 5 Leute mit einem Like. Zwei schrieben mir in ihren Replies, warum der Account legitim sei. Mit ableistischer Logik. Natürlich.
Ich schrieb nichts mehr. Schaltete @Rollifräulein stumm, damit ich nicht 50 mal am Tag denke, sie hätte irgendetwas kaputt gemacht oder würde alles zerstören. Denn das ist einfach nicht wahr.
Ableismus, Mehrheitsdenken, „abled supremacy“, ausbleibende Herrschaftskritik, jeder *ismus und sich daraus ergebende Diskriminierungen zerstört alles. Es zerstört nicht nur den gemeinsamen Grund, auf dem wir einander verbunden fühlen und sein könnten, es zerstört auch alle Möglichkeiten, miteinander Konsens zu entwickeln und einander zu Macht zu verhelfen.
Es zerstört jede Möglichkeit auch nur in die Nähe von dem zu kommen, was der Begriff „Inklusion“ meint.

Inklusion ist radikal.
So zu handeln wie Leute, die sich für nicht behindert halten, ist es nicht. Es ist vielmehr die Weiterführung dessen, was Inklusion verhindert.

Das muss sich ändern.
Radikal.

Liebe, Hass und Eigenverantwortung

“Ich hasse Autisten”, schreibt Julia Booa unter ein YouTube-Video, in dem es um die Therapie eines Kindes geht.
”Dieser Kanal hat keine Inhalte”, steht in ihrem YouTube-Profil.

Hass im Netz ist im Moment ein großes Thema in meiner Netzumgebung und ich merke: Nur die wenigsten setzen sich damit auseinander, was Hass ist.

Ist Hass eine Tat? Wenn ich mir die Texte und Talks der letzten Monate (Jahre) ansehe, dann ist ein jeder Kommentar auf einen Tweet, ein Video, ein Foto, das man ins Netz gestellt hat, um etwas mit.zu.teilen, der nichts weiter tun soll, als weh zu tun, zu verunsichern, zu entmachten, der pure Hass.
Genauso schlimm wie Unterkünfte für Geflüchtete anzünden, Steine schmeißen oder den Kopf eines Schweins an eine Moschee oder Synagoge nageln.

Da ist sie. Die Schlimmskala unserer Gesellschaft.
Was am krassesten weh tut ist Hass und Gewalt. Wem was warum weh tut, spielt eine untergeordnete Rolle. Was zählt ist der Schaden und worin der Schaden liegt, das bestimmen jene, denen die Macht zur Bestimmung und Wertung verliehen ist. Autoritäten also. Nicht die zu Opfern gewordenen. Nicht die Verletzten.

Ich folge einigen Transpersonen auf Twitter.
Was ihnen entgegenschlägt ist Hass. Doch nicht jeder Tweet, der schmerzt – selbst mir, die_r überhaupt nicht gemeint ist – ist Hass an sich. Obwohl er aus Verachtung, Hass und Ignoranz heraus formuliert und adressiert wurde.

Das ist wichtig zu differenzieren, denn es bedeutet eine Verortung des Hasses weg von der Tat, hin auf die Person, die ihre Tat zur Kommunikation eines von ihr internalisierten und/oder anerzogenen und/oder aus Gründen proaktiv vorgegebenen Hasses gewählt hat.
Denn nicht die Tat verkörpert den Hass. Es ist die Person, die ihn in Wort und Tat kommuniziert, nachdem sie ihn – bewusst oder unbewusst, allein oder in Gruppenprozessen – in sich getragen hat, wo er zu etwas heranwachsen konnte, das als solcher mehr oder weniger klar als Hintergrund jeglicher Kommunikation erkennbar ist.

Ein Vorschlag zum Umgang mit Hass im Netz war Liebe. Und Zeugenschaft. Solidarität.
Als wäre das keine längst widerlegte Idee, mit dem Gegenteil von Irgendwas, Irgendwas anderes erreichen zu können.

Und überhaupt. Was ist denn Liebe?
Und wie wird diese kommuniziert?

Ist es Liebe, wenn ich nur noch ein Wassereis im Kühlschrank habe und auf die Erfüllung des Wunsches mit jemand anderer_m zusammen jeweils eins zu essen, verzichten kann, weil ich weiß, dass die Person Eis mag und sich freuen würde? Ist es dann keine Liebe mehr, wenn ich das Eis dann doch selbst aufesse, weil es draußen 38°C hat und die Person noch nicht da ist?

Wie auch immer die eigene Antwort auf die Frage danach, was Hass oder Liebe sei ausfällt, halte ich es für unübersehbar, dass es sich bei beidem um etwas handelt, das sowohl aus dem Sozialen entsteht, als auch damit kommuniziert wird.
Es sind Gefühle, die Menschen miteinander zeugen, gebären, entwickeln lassen.

Die Wikipedia schreibt zu “Hass”:

“Hass entsteht, wenn tiefe und lang andauernde Verletzungen nicht abgewehrt und/oder bestraft werden können. Hass ist somit eine Kombination aus Vernunft und Gefühl. Die Vernunft ruft nach dem Ende der Verletzung und nach einer Bestrafung des Quälenden. Laut Meyers Kleines Lexikon Psychologie ist das Gefühl des Hasses oft mit dem Wunsch verbunden, den Gehassten zu vernichten. Das Gefühl des Hassenden ist das des Ausgeliefertseins, der Gefangenschaft, der Wehrlosigkeit.”

Demnach ist Hass eine Traumafolge(“störung”), die sich in der Vernichtung eines als Aggressor_in gedachten/erlebten/eingeordneten Gegenübers ausdrückt.

Mir persönlich fällt es schwer, Menschen, die anderen Menschen über das Internet, aber auch über Strukturen und andere Kanäle verletzen, demütigen und diskriminieren, so zu sehen.
Ich kann die “tiefe und lang andauernde Verletzung” nicht erkennen, welche die schlichte Existenz von Transpersonen, Queers oder Nonbinarys, von Schwarzen, von WoC, PoC, von Autist_innen und anders Behinderten, von Armen, von Nichtheterosexuellen, von Juden, von Sinti und Roma, von Dicken und Fetten … you name it – für manche Menschen bedeuten soll, kann, will, muss.

Noch schwerer fällt es mir, die Phantasie dafür aufzubringen mir zu überlegen, was genau denn da verletzt werden könnte. Ist es ganz banal und einfach nur ein Selbstbild oder noch banaler das Ego? Oder ist es ganz kompliziert und das komplett Eigene, das in der Welt passieren will?

Ich habe mich im Zuge der Auseinandersetzung mit dem eigenen Autismus gefragt, wo der Hype um Liebesgeschichten mit autistischen Charakteren herkommt.
Ich brauchte nicht lange suchen, um den Hass zu finden.
Die Idee, dass Menschen, die keine (für unser Dafürhalten: offensive) Liebesperformance machen oder offensichtlichen Hass kommunizieren, absolut emotionsbefreit seien. Und damit: nicht menschlich. Kein empfindsames und gleichsam empfindliches Gegenüber. Ganz und gar anders.

Eine permanente Kränkung des Bedürfnisses/Wunsches nach Nähe, Einigkeit und Kongruenz, das die meisten Menschen, die nicht autistisch sind, mit unzähligen sozialen Normen, Gesten und Riten kommunizieren und produzieren.

Eine Kränkung, die auch egozentrisch ist, denn sie kann weder die Kränkung der autistischen Person, noch das Leiden an der manchmal absolut unmöglich zu überbrückend erscheinenden Kluft anerkennen oder ihr gleichermaßen Raum geben.

Wir haben unser Leben lang gelernt, mit eben jener Kränkung alleinverantwortlich leben zu müssen.
Hass, Entwertung, Verachtung oder absichtliche Verletzung aus der absolut gleichen Kränkung heraus, wie sie uns neurotypische Menschen so oft haben fühlen lassen, war zu keinem Zeitpunkt eine Option für uns. Niemals.
Was uns im Leben außerhalb der Herkunftsfamilie erlaubt wurde und wir uns als pathologisch beschreiben lassen durften war und ist bis heute das Leiden darunter. Die Ursache war und ist manchen Menschen zwar sehr fremd, doch zu leiden ist ein Beweis für Empfindsamkeit. Für Menschlichkeit.
Es ist die Art wie Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie als Autoritäten herausdeklinieren, was Seele ist.

Warum geht jemand wie Julia Booa oder der Mensch hinter dem Eieraccount bei Twitter nicht eigenverantwortlich mit dem eigenen Hass um? Und warum ist genau das überhaupt nie die Forderung, wenn es um Hass allgemein, oder im Netz im Besonderen geht?

Auch hier geht es meiner Ansicht nach wieder um Autoritäten. Um Macht. Um die Folgen mangelhafter bis autoritärer Erziehung zum Miteinander, das, wenn schon nicht von Liebe und Fürsorge, so doch von Respekt und Anerkennung geprägt ist.
Es geht darum, dass solche Menschen noch nie mit dem Anderen leben mussten. Noch nie das Andere, das Fremde als etwas akzeptieren mussten, das eine Rolle in ihrem Leben hat, die völlig außerhalb von Autorität steht.

Es geht um eine Konzentration auf einen Kränkungsschmerz, der absolut keinen Platz mehr für eine Wahrnehmung eigener Sicherheiten oder Privilegien übrig lässt.
Und um ein Umfeld, das diese Konzentration nährt, statt sie als etwas zu verhandeln, das durchaus veränderbar ist. Und dessen Veränderung durchaus einzufordern bzw. abzuverlangen ist.

Ich möchte an dieser Stelle keinen weiteren Abschnitt über die Rolle von Opfer(haltungs)mythen oder die Entwicklung des Inklusionsbegriffs eröffnen, jedoch soviel zum Ende dieses Textes sagen: Es gibt nicht DIE Lösung für Hass und erst recht nicht DAS Patentrezept dafür, wie er zu verhindern sei.

Aber es gibt die lohnenswerte Auseinandersetzung mit der Frage, warum man es einer maximal unsichtbaren Entität, wie zum Beispiel einem Algorithmus, überlassen will, Menschen vor Hass zu schützen, jedoch keinerlei Energien in die Entwicklung von Strukturen oder Mechanismen, die eigenverantwortlichen Umgang mit Gefühlen jeder Art belohnen, unterstützen und verteidigen, steckt.

vom Luxus über #armeLeuteessen zu fantasieren

Selbstversuche und Sozialexperimente – es gibt wenig mehr, das als Missachtung wie eine Ohrfeige auf konkret betroffene Menschen wirken kann.

Da ist das “einen Tag im Rollstuhl”-Experiment, von Menschen, die keinen Rollstuhl benötigen, um sich selbstbestimmt von A nach B zu bewegen, genauso unangebracht, wie der “eine Woche obdachlos”-Selbsterfahrungstrip von Menschen, die ein Obdach haben.
Es ist unangebracht, weil die sinnhaftere Variante ein “Ich höre den konkret betroffenen Menschen zu, die mir etwas über ihre Lebensrealität erzählen”-Experiment wäre, das bis heute noch viel zu wenig Medienmachende wagen.

Aktuell gibt einen Selbstversuch im Magazin “Biorama” für nachhaltigen Lebensstil.
Nachhaltig befeuert werden in diesem Selbstversuch vor allem Stereotype und Vorurteile. Schlagwortartige Phrasen werden recycled, um konkret Betroffenen die eigenen Argumente und Er_Lebensrealitäten abzusprechen und umzudeuten. Man will nicht glauben, dass Armut mehr sein könnte, als eine Frage des Geldes, des Bildungshintergrundes oder der allgemeinen kognitiv geprägten Entscheidungsfindung. Darum setzt sich nun also ein Mensch hin, gibt sich ein Budget für seine Mahlzeiten und hält das für den richtigen Weg sich Fragen nach Luxus zu stellen.

Der Mensch mit Gehalt denkt, Armut wäre das Gegenteil von Luxus beziehungsweise, Armut bedeute weniger davon.
Manchmal frage ich mich schon, wo solche Gedanken herkommen und brauche dann doch nicht lange für eine Idee. Ich merke ja selbst, wo mein Luxus beginnt. Er beginnt bei 2€ für Artikel, die ich nicht essen kann und 2,50€ bei Artikeln, die ich essen kann.
Luxus ist für mich (in Hartz 4 seit seiner Einführung) also eine Farbfilmentwicklung und ein Saint Albray-Käse.

Menschen mit mehr Geld kommt das traurig vor und ich empfinde das als eine Form von Missachtung meiner Luxusgefühle. Es fühlt sich an, als wäre mein Luxus peinlich oder falsch. Oder eben – so wie ich selbst für diese Gesellschaft – minder_wertig.

Der Selbstversuch im Biorama-Magazin zielt auf “bio ist aber so teuer” ab. Und schafft es nicht dann einfach bei dieser Frage zu bleiben und sich mit dem Geschäft hinter biologisch nachhaltiger Landwirtschaft zu beschäftigen. Nein – da muss noch “das echte Leben” mit rein.
“Teuer”, das gilt noch immer als ein zwangsläufig für arme bzw. einzig selbstversorgend wirtschaftende Haushalte auftauchendes Thema und wird in dem Experiment erneut aufbereitet.

Biologisch nachhaltig angebaute bzw. produzierte Lebensmittel zu konsumieren ist tatsächlich keine Frage des Geldes – es ist eine Frage des Konsums und damit eine Frage, die weit über akut verfügbare Mittel hinaus geht.
Ein Tweet, der sich lobend über den Selbstversuch unter #armeLeuteessen äußerte, rechnete einen Fertigjogurt zu 49 Cent gegen ein Glas Jogurt mit Zucker und Früchten auf das 51 Cent kam.
Als würde niemand auf Hartz 4 nicht darüber nachdenken, direkt 2 Jogurtbecher zu je 19 Cent kaufen, weil si_er dann 2 Jogurts hat und 11 bis 13 Cent spart. Also fast den Wert eines dritten Jogurts.

Der Selbstversuch ist Quatsch, weil die Personen kein Hungermanagment hat, das dem einer Person mit Mindestbudget nahe kommt. Man denkt natürlich auch als arme Person über Qualität nach. Natürlich kauft man lieber ausgesuchte Zutaten und möglichst ausgewogenes Zeug ein – aber wenn man Hunger hat, hat man Hunger und dann passiert etwas im Denken, das sich auf schnell verfügbare Masse, die nach irgendwas schmeckt, konzentriert.

Sich auf den eigenen Selbstwert zu berufen und zu argumentieren, man sei mehr wert als die Tüte Konservierungsstoffe mit Geschmacksverstärkern und angenehmer Konsistenz zu 99 Cent, hält niemand sehr viel länger, als einen Selbstversuche-Zeitraum mit einem selbst bestimmten Anfang und einem jederzeit absehbaren Ende, durch.

Hartz 4 funktioniert nicht so klar begrenzt. Vor allem nicht, wenn man zu den mehrfachdiskriminierten Personen gehört und “einen bezahlten Job finden” ein Synonym für “Sechser im Lotto” ist. Die durchschnittliche Zeit in Hartz 4 sind derzeit 4 Jahre. Tendenz steigend.
Hartz 4 ist eine Akutlösung. Und Akutlösungen sind nie nachhaltig. Nie.
Ein Beispiel:
Das erste Jahr Hartz 4.
Du bist jetzt mehr zu Hause als vorher. Du verbrauchst mehr Strom und heizt nun auch tagsüber. Dir kommt eine Energiekostennachzahlung ins Haus und darauf folgend passiert die erste Ratenzahlung abzüglich deiner Mindestsicherung.
Vielleicht (sehr wahrscheinlich) musstest du gerade noch umziehen, weil dein Wohngeld(zuschuss) nicht ausreichte. Umziehen ist teuer und dabei geht auch noch ein Möbel kaputt. Die Waschmaschine macht seitdem komische Geräusche und irgendwie riecht die Kleidung eklig. Es stellt sich heraus: ein Schimmel zerstört die Fasern – du musst alles ersetzen. Und deine neu bezogene Wohnung von Schimmelsporen befreien, die sich hinter dem Kleiderschrank bereits in aller Pracht zusammentun.
Es beginnt ein Gerangel mit der Wohnungsbaugenossenschaft, wer jetzt den Schimmel entfernen muss und währenddessen haucht die Waschmaschine mit einem heftigen Wasserschaden über die beiden Wohnungen unter deiner, ihr Leben aus.
Du stinkst und fühlst dich permanent unwohl. Deine Wohnung ist ein Quell von Stress, weil du nicht weißt, wie du die Kohle aufbringen sollst, alles auf ein übliches Level zu bringen.

Da du Hartzi bist und dein gesellschaftliches Ansehen irgendwo zwischen 0 und Mitleidsblinddarm im sozialen Gefüge rangiert, bist du aller Wahrscheinlichkeit nach allein mit der ganzen Scheiße. Du hast Stress. Tiefen Überlebensstress, weil deine ganze Situation deinem Neandertalergehirnteil zubrüllt, dass du existenziell gefährdet bist.
Das ist kein Stress, an den du aus deinem Arbeits- oder Schulleben vor ein-zwei Jahren gewöhnt warst und innerhalb dieser Sozialbezüge auch angemessen regulieren konntest. Das ist die Art Stress, die dich krank und hungrig macht.
Und zwar richtig hungrig.
Kohlehydrate-Salz-und-Fett-hungrig. Mehr-ist-mehr-hungrig.
Damit du eine Überlebenschance hast.

Gedanken an sportliche bzw. allgemein außerhäusige Aktivitäten versickern dort, wo die Mitglieds- und/oder Teilnahmebeiträge anfangen und die Ideen um nachhaltige produzierte Lebensmittel erstrecken sich auf die Frage, wie viele Tage 3 Liter Eintopf reichen.
Die Zeit, die man mit Kochen und dem stundenlangen Durchsuchen der Super_Märkte der Umgebung nach günstigen frischen und biologisch angebauten Lebensmitteln verbringen könnte, geht dann doch dafür drauf sich selbst irgendwie bei Verstand und Hoffnung zu halten. Sei es durch Eskapismus in Aktivitäten, die akut kostenlos sind (und ja – das ist dann eben auch Fernsehen, Facebookspiele spielen und was man sonst Hartzis gerne mal als einzige Beschäftigung unterstellt) oder die organisatorische Kompensation der Armutslücken: (Mini)Jobbeschaffung, Kinderbetreuung(sorganisation), Behördenkrempel, Beschaffung nötiger Gegenstände und Güter.

Der Selbstversucher von “Biorama” denkt, er landet im Restaurant, weil er so wenig Zeit zum Kochen hat – nicht etwa, weil er dort landen kann.
Ein Hartzi hat sein Brot mit Thermoskanne im Rucksack oder nimmt sich für 1€ einen Burger von McDonalds mit. Je nachdem was grad geht. Die meisten essen schlicht nie außerhalb. Die haben einfach Hunger bis sie wieder zu Hause sind.

Armut (in Deutschland) bedeutet “mit Geld rangieren” – nicht “kein Geld haben”. Auf Bioprodukte zu verzichten kann den schlichten Grund haben, dass es für weniger Geld mehr Masse gibt und der aktuelle Rangierplan viel Masse braucht.
Ich kenne arme Menschen, die sich bio-vegan-ernähren. Ich kenne arme Familien, wo es über Wochen jeden Tag die 49 Cent-Tütensuppe für die Eltern gab, damit die (Klein)Kinder im Haushalt frisches Obst und Gemüse, aber auch Geburtstagsgeschenke, Schulsachen, Kleidung, Musikunterricht… Bausteine für eine gute Zukunft bekommen konnten. Ich kenne arme Menschen wie mich, die neben der Armut auch noch Essstörungen, Unverträglichkeiten und seelische Belastungen jonglieren müssen.
Nachhaltiger Konsum funktioniert für “die armen Menschen” oft nicht, weil das Hier und Jetzt der Kampf ist, den sie überstehen müssen.
Ein gutes, ökologisch biologisch super mega tolles nachhaltiges Leben konzentriert sich auf ein Morgen, das man erst dann erahnen und planen kann, wenn man nicht mehr um seine Existenz kämpfen muss.

Aber ja – wenn man so wenig darum kämpfen muss, das einem vor lauter Langeweile nichts mehr einfällt, als Konsumselbstversuche zu veranstalten, statt sich aktiv gegen Armut und Benachteiligung armer Menschen einzusetzen, kann man schon mal so einen Quatsch anfangen.
Nachhaltig in Bezug auf den Wunsch nach einer guten Zukunft für alle Menschen ist das nur leider genau nicht.

[tl,dr: Selbstversuche wie #armeLeuteessen möchten bestimmte Menschen(gruppen) motivieren, Konsumentscheidung für sich zu begründen bzw. bestimmte Argumente bestimmter Menschen nicht gelten zu lassen, ohne zu hinterfragen, auf welcher Grundlage welche Entscheidungen getroffen werden. Das ist missachtende Kackscheiße und nicht nachhaltig.]

Betreuung

Nur noch 11 ein halb Tage bis zum Termin beim Betreuungsdienst der Wahl.
Getriggert ist inzwischen so ziemlich fast alles und wie Unkraut es so an sich hat, schießt das Zeugs im Kopf in alle Richtungen.

Es ist ein Moloch, den wir da vor uns sehen und das nicht, weil unsere Erfahrungen alle eher so semi bis grotte mit Aspekten von zart glitzerndem Wow waren.
Sondern, weil Betreuungen immer zwischen Kontexten der Wohlfahrt, wahrhaftiger Selbstlosigkeit, des schieren Kapitalismus und Not auf vielen Ebenen passieren.

Auf Flyern lachen die Menschen immer. Oder lächeln. Es gibt gegliederte Texte, frische Farben, samtweißen Hintergrund und fast sind selbst die Paragraphen am Ende der letzten Seite nicht schlimm.
Mit Beginn der Arbeitsgruppe “das Nachwachshaus” und im Verlauf unserer Krise haben wir eine ganze Menge von diesen Flyern angesehen und gelesen. Im Laufe des Jahres und mit zunehmendem Engagement in Sachen “Inklusion als Menschenrecht”, konnten wir uns diese Flyer aber auch mehr und mehr dekodieren und in einen Kontext mit unseren eigenen Wahrnehmungen und Einschätzungen in Bezug auf geschehene Betreuungen (und all die geschehenen Nichtbetreuungen) bringen.

Vor uns kann kein sozialpädagogisch arbeitender Mensch mehr stehen und sagen: “Ja aber…” oder “Was erwartest du denn?” und anderes reflexhaftes Derailing anbringen.
Sorry – not sorry.

So, wie wir lange vor der Krise schon darüber schrieben, dass keine einzige Form der Gewalt, die Menschen anderen Menschen antun, kontextlos passiert, so schreiben wir nun über Betreuungen als einen Aspekt der Gewaltenverteilungen und ihren Aus-Ein-Mit-Wirkmechanismen.
Die Wohlfahrt und ihr gesamtes System gehört zu einem Teil der Gewalt, die Menschen mit Behinderungen/Behinderte, Arme, Kranke, Unterstützungs- und Hilfebedürftige jeden Tag erfahren und gegen den sich zu wehren praktisch unmöglich für sie ist, ohne sich selbst einer sehr existenziellen Gefahr auszusetzen.

Klar könnte ich in eine Kommune irgendwo auf dem Land ziehen und schauen, ob meine Probleme sich von veganer Lebensweise, frischer Luft und absoluter Abschottung vom Rest der Welt verbessern. Für manche Menschen kann das ein Ding sein.
Für mich aber nicht. Und wieso sollte ich als Person, die sowieso schon unglücklich mit dem ständigen Außenseiter_in sein ist, außergerechnet als totale Aussteiger_in glücklich sein?

Um klar zu sein: ich suche keine Hilfen, die weder institutionalisiert sind, noch komplett außerhalb kapitalistischer Kontexte passieren. Wir leben im Kapitalismus und wir leben in einem System, das Strukturen eher anerkennt als fluide Existenzen. Deshalb ist der Mensch allein hier ja so wenig wert.
Aber, ich möchte nicht von Menschen betreut und unterstützt werden, die selbst, (und nicht zuletzt auch wegen der Arbeit an/mit mir) zu Personen werden, die Hilfe und Unterstützung brauchen, um am Leben sein zu können.

Ich möchte das zum Einen nicht, weil ich das für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit halte und zum Anderen, weil ich mich entwickeln möchte. Vielleicht auch an Beispielen und Vorbildern entlang.
Heimlich ist das ein Wunsch. Okay. Vielleicht ein naiver. Obwohl eigentlich nein. Die Glitzeraspekte von selbst den semihilfreichen Betreuungen, die wir so hatten, waren Menschen, die etwas an sich hatten/haben, das wir (bis heute) nicht verstehen und deshalb zu ergründen versuchen: die mochten uns und wollten uns helfen, weil “einfach so”.

Für uns ist das wie ein Ding, das aus dem Weltraum kommt.
Nicht, weil wir das gar nicht kennen, dass Menschen uns sagen, sie mögen uns – viel mehr, weil die meisten Menschen, die uns sagen, sie würden uns mögen, uns in Wahrheit einfach genau nur so lange mögen, wie ihre Vorstellungen und Erwartungen an uns erfüllt sind.
Wir sind so schlecht darin Erwartungen zu erfüllen. Vor allem, wenn die Menschen nicht einmal reflektieren, dass sie welche an uns haben oder herantragen. Dann merken sie oft nicht einmal, dass wir sie enttäuscht haben – dann merken sie nur, dass wir anstrengend, unverständlich, zeit-nerven-kraft-intensiv im Umgang sind.

Gerade Letzteres tut uns immer wieder weh zu merken. Und auch deshalb sind wir inkompatibel mit ambulantem betreuten Wohnen.
Da heißt es im Hilfeplangespräch, dass man sich in Ruhe um alles kümmert und sich auseinandersetzt und dann macht.
Am Ende sieht die Realität dann so aus, dass die Klientin vor mir einen Amtstermin hatte, der – konnte man ja nicht ahnen – länger dauerte – für mich also bedeutet 20-30 Minuten weniger Zeit mit der betreuenden Person zu haben, weil sie nach mir noch schnell einen Klienten vom Bahnhof drei Dörfer weiter abholen muss und der da ja nun nicht so lange warten soll (was er dann aber doch muss, weil ich nervigerweise vielleicht doch noch ein Problem geklärt haben muss, das schon seit fünf vorherigen Terminen geklärt werden will, die furioserweise alle ähnlich gequetscht und zeitlich ultraeng aussahen).

Klar seufzen Betreuende vor mir auf und sagen mir, dass sie schon viel Zeug heute hatten und grad ne Migräne anrollt und Fußschmerzen und das Auto ist ja auch fast kaputt und so ein langer Tag noch heute…
Na klar tun sie das. Weil sie Menschen sind und keine Maschinen.
Aber die Erwartung ist eine Reaktion von mir.

In meiner letzten ambulanten Betreuung hatte ich den Standartreaktionsspruch auf das “Uff- ist alles ganz schön viel” von meiner ehemaligen Therapeutin kopiert und blindlinks abgespult, während hinter mir natürlich alles durcheinander getriggert herumpurzelte und sich überlegte, wie man die Probleme, die eigentlich in aller Ruhe mit den betreuenden Personen angeguckt werden sollten, selbst klärt.

Ich hab mich dafür geschämt, als ich das gemerkt hab. Ich mag selbst keine vorgefertigten Sätze hören und mache das dann in solchen Situationen.
Warum? Weil ich überfordert bin. Weil ich keine Kraftreserven dafür habe Menschen individuell mit Lautsprache zu berieseln. Weil die soziale Interaktion schon total viel Kraft kostet. Weil sich den Problemen, bei deren Lösung ich Hilfe und/oder Unterstützung brauche, zu stellen Kraft zieht.
Weil es bei meinen Problemen immer und immer wieder um handfeste existenzielle Absicherungen bzw. den Verlust dessen dreht.

Wir haben die ambulante Betreuung verlassen, weil wir gemerkt haben, dass wir diese Kraft nicht mehr aufbringen konnten.
Muss man sich mal überlegen – eine Hilfe ablehnen, weil man keine Kraft für sie hat.
In anderer Menschen Leben würde das bedeuten, sich mehr Hilfen ranzuholen.

Aber dann – mehr Hilfen ranholen. Mehr einfordern, als eine Person, die eh schon immer zu viel ist. Zu viel kognitiver Aufwand. Zu viel Zeit-Kraft-Energiefraß.
Obwohl sie doch auch super alles allein geschafft hat. Weil sie das ja doch gar nicht anders wollte.

Am Ende ist es halt dieser Dreh, der uns vor ein paar Wochen das Genick gebrochen hat.
Die Erkenntnis, dass wir Marathon laufen und eigentlich einen Rollstuhl bräuchten. Das ist ein mieser Schlag in den Bauch und doch irgendwie typisch für unsere Reflektion und permanente Dekonstruktion der Blicke anderer auf uns. Wir sind nicht zimperlich oder die Art Person, die sich die netten Aspekte von Reflektion auf sich herauspickt und die bitteren Stücke liegen lässt.
Wir suchen die bitteren Stücke, weil sie in der Regel wahrhaftiger sind. Schmerz ist ehrlich. Schmerz ist unbestechlich. Schon immer gewesen.
Menschen, die uns weh tun, erleben wir als ehrlicher und sehr viel offener, als Menschen, die immer nur Honig für uns haben.

Leider sind Menschen, die uns weh tun, häufig auch selbstsüchtige Arschlöcher oder von Täter_innenintrojekten angestochene Hörnchen und deshalb nicht besonders geeignet für uns im täglichen Kontakt.

Und damit sind wir wieder bei den dauerlächelnden Prospektgesichtern für Betreuungsanbieter.

Es gibt die Angst in so einer furchtbar netten Umgebung zu landen, in der wir die einzige Person sind, die Kritik übt, Dinge kritisch betrachtet, Negatives auch offen kritisiert.
Es gibt die Angst wieder reinzufallen auf irgendein Lächelgesicht und Versprechen auf entspanntere Aussichten, die dann doch nie kommen.
Und es gibt die Erinnerungen, die heute noch einmal auf einen anderen Boden fallen. Heute turnen teilweise 12-13-14 jährige Innens in unserem (Schul/Bildungs-) Alltag herum  und ich merke, wie wir Rosenblätter anfangen sie zu merken. Was es ausmacht, wenn Worte wie “Es gibt eine Bekleidungspauschale und Verpflegungsgeld…” fallen. Das ist kein Teil unserer Jugend, der verarbeitet ist.

Wir wissen nicht, wie man sich betreuen lässt.
Wir wissen nur, wie es ist betreut zu werden und sich kaputt zu machen, während man versucht die Betreuenden zu entlasten und sie möglichst nicht mit der Hölle in einem drin in Berührung kommen zu lassen.

Wir schauen gerade nach einer Alternative zum stationären Wohnen in einer Wohngruppe.
Also denken wir gerade allen Ernstes darüber nach, uns irgendwie mehr als 4-6 Stunden pro Woche mit Menschen in Kontakt zu bringen. Und zur Berufsschule zu gehen. Gleichzeitig.
Wir.

Like: wirklich wir oder ein frisch aufgekeimter Blob irgendwo am Rande des Temporallappens?
Im Moment fühlt es sich für mich an, wie parasuizidale Ideen. Ernsthaft.

Es fühlt sich an, als würden wir uns mit der Umsetzung dieser Idee von Hilfe und Unterstützung an eine Art Suizid bringen, den keiner außen merken würde, weil wir ja gut versorgt wären und so.
Es ist auch eine ähnlich einsame Entscheidung.

Oder?

Lebenswert behindert sein

Monica Lierhaus sagte in einem Interview, dass sie heute verschiedene Entscheidungen anders treffen würde, als vor ein paar Jahren noch.
Wäre Frau Lierhaus nicht behindert, würde diese Aussage angehört und wieder vergessen.

Als Person aber, der eine Operation das Weiterleben ermöglichte und als Person, die in der Folge behindert ist, hat sie diese Entscheidung gefälligst nicht (öffentlich) zu bereuen und schon gar nicht hat sie ihr Leben danach als weniger lebenswert zu empfinden, weil das die Öffentlichkeitsarbeit anderer Behinderter untergräbt. So lese ich zumindest den Kommentar von Christiane Link in ihrem Blog.
Frau Link schreibt, dass sie öfter hört, Menschen könnten oder wollten an ihrer Stelle nicht leben und setzt dies in einen, vielleicht richtigen, vielleicht aber doch auch unvollständigen Kontext mit Bewunderung.

Und ich stehe neben diesem Disput und denke darüber nach, wann es denn erlaubt ist zu äußern, dass man sein Leben als behinderte Person nicht als lebenswert empfindet.
Darf man es äußern, wenn man nicht prominent ist? Darf man es äußern, wenn ein kleiner tragbarer Motor das eigene Herz ersetzt und man jede Woche zur Dialyse muss? Oder wenn der fünfte Versuch einer Behandlung mit Psychopharmaka zu massiven körperlichen Veränderungen und emotionaler Schmalspur verholfen hat? Oder einfach nie, weil das Leben so unfassbar kostbar wichtig ist, dass es, ohne jede Reflektion, jeden Preis kosten darf – und muss und soll?

Darf ich, wenn ich äußere, dass ich mein Leben als nicht lebenswert empfinde noch bitte selbst definieren was “Leben” und was “Wert” für mich ist? Darf ich bitte über meine Er-Lebensrealität und ihre Bewortung noch selbst bestimmen und nicht andere Menschen?
Darf in einer Zeitung auch mal eine beschissene Selbstansicht von Behinderten über sich selbst und ihr Leben stehen?

Warum ist es so wichtig, aus einer Behinderung etwas zu machen, was tragbar ist und, was das eigene Leben ja eigentlich nicht dann doch nicht behindert oder beeinflusst?
Manchmal ist sie das eben nicht.
Manche Barrieren und (Vor-) Urteile in Bezug auf das Leben mit Behinderungen gibt es auch im Kopf der Behinderten selbst und Interviews, wie das von Frau Lierhaus und auch der Text von Frau Link – genau wie meiner hier – tragen dazu bei, sie sichtbar zu machen.

Ich habe die abfällige Bezeichung “die Sonnenscheinbehinderten” für Menschen, die sich öffentlich ausschließlich so äußern, als wäre ihre Behinderung bzw. ihre chronische Erkrankung eigentlich gar nicht so schlimm. Und eigentlich auch gar kein Problem. Nie und nirgends und wenn doch: nicht lange und schon gar nicht unaushaltbar.
Für mich ist es so, dass ich mir an der Stelle denke: “Ah, okay cool – schön für diese Personen. Schade, dass ich es nicht auch so einstufen/erleben kann.”.
Was in etwa der gleiche Gedanke ist, wie ich ihn habe, wenn ich von hochbegabten Kindern in umfänglichen Förderprogrammen höre; von traumatisierten Menschen erfahre, die austherapiert mit ihrer selbstgegründeten Familie und halbwegs gesichertem Leben in den Sonnenuntergang schauen und von Menschen, die ihre Depressionen mit einer Tablette täglich als erträglich empfinden können.

Ich frage mich, was an mir falsch ist, dass ich nichts davon auch habe. Nicht mal nah dran bin.
Ich frage mich, was ich übersehe, welche Energie ich wo falsch hinpumpe, dass ich das nicht habe.
Ich schaue in unsere Gesellschaft und frage mich, was läuft da falsch, dass ich mich nicht glücklich optimieren kann– wo ist denn dieser verdammte Sonnenschein, der andere Behinderte in die Fernsehkamera lächeln lässt?!

Und was genau ist eigentlich der Lebenswert von dem da dauernd gesprochen wird? Wenn Leben so preislos anzunehmen ist – braucht es dann noch eine zusätzliche Aufladung mit Wert? Steht Leben dann nicht eigentlich absolut darüber und sollte gar nicht erst in einer Wortkombination mit “wert” erscheinen?

Mein Leben ist nicht wertvoll für mich und das habe ich schon 9 Jahren verstanden.
Man kann mich im Kopf erneut zum Opfer von Gewalt machen und sagen, in meinem Lebensumfeld hätte ich ja auch keinen Anlass gehabt davon auszugehen, dass das anders ist. Man kann mir aber auch glauben, dass ich durchaus auch von Menschen umgeben war, die mir vermittelt haben, dass es okay ist, dass es mich gibt.
Man darf mir auch zuhören und verstehen, dass es nicht andere Menschen sind, die mir definieren, was mir mein Leben wertvoll oder auch “lebenswert” macht.

Leben ist einfach, für mich. Leben will nichts und Leben braucht nichts. Es ist einfach nur da. Und, ob man sich damit verbindet oder nicht und wie man es für sich be_wert_et oder füllt, liegt an den Personen selbst und dem Umfeld, in dem sie leben.

Für den Lauf der Dinge (das Leben) ist es irrelevant, ob es mich gibt oder nicht.

Ich sehe mein Er-Leben nicht als wertvoll geschätzt für diese Gesellschaft. Ich werde als Person genauso weder gewollt noch gebraucht, wie ich einfach mit Lebensbewertungs-und –dankbarkeitszwang überfordert werde.
Ich bereue keinen einzigen meiner Suizidversuche, weil ich keine Schuld empfinde, etwas von mir zu nehmen, um das ich nicht gebeten habe.
Ich bewerte Dinge und Prozesse, die sind, nicht.
Entsprechend ist mein Leben für mich auch nicht lebens_wert, sondern lebbar, genau wie es nicht lebbar ist.
Diese Einordnung und ihre Definition, erlebe ich auch als Teil meines Lebens und meines Entwicklungsprozesses. Als etwas, was der Umstand zu leben eben auch impliziert.

Am Leben zu sein, bedeutet von einer Option definiert zu sein, die als einzige wirklich bedingungslos ist und in ihrer Entstehung unbeeinflussbar war.
Niemand kann etwas dafür geboren worden zu sein. Niemand kann sich dafür entscheiden geboren zu werden oder eben nicht.
Aber jede Person kann sich entscheiden, ob sie am Leben bleiben will oder nicht und wenn ja, wie sie das für sich bewertet.

Ich verstehe, dass es anstrengend und nervig ist, Menschen zu sagen, dass man das eigene Leben mit einer Behinderung nicht als Last oder Leidensquelle empfindet.
Doch meine Last daran, Menschen immer wieder klar machen zu müssen, dass es mir trotz viel psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfen und trotz viel beachtetem Potenzial in mir, eine Leidensquelle ist, eben doch nicht zu sein (und niemals werden zu können), wie Menschen, die diese Hilfen nicht brauchen um ihre Verbindung mit dem Leben auszuhalten und damit umzugehen, die wird genau in dem Moment ausgeblendet und zum Bedrohungsfaktor erklärt, wenn der Anspruch an alle heißt, niemals zu äußern, dass man sein Leben als nicht lebenswert empfindet.

Was ist das für ein mieser Schuldspruch, bei einer gesellschaftlichen und juristischen Sachlage, wie der, die wir aktuell in Deutschland und im Rest der Welt vorfinden? Was ist das für ein Anspruch auch an die Behinderten selbst, die jeden Unterstützungs- und Hilfebedarf über Nichtbehinderte definiert erfahren und daran nie eine Kritik äußern können, ohne ein bestimmtes (überlebenswichtiges) Anpassungslevel zu verlassen?

Wenn es heute noch Meinungen gibt, die besagen, das Leben von Behinderten wäre eine Last oder Behinderte sollten besser nicht leben, dann gibt es diese Meinungen zu allerletzt, weil Behinderte sich öffentlich zu ihrer Er-Lebensrealität äußern.
Menschen mit Behinderungen werden gehasst, ausgegrenzt, verachtet und zur Belastung erklärt, weil man es kann. Weil es dafür gesellschaftliche, wie bürokratische Strukturen und kulturelle Praxen gibt.
Um daran etwas zu ändern, braucht es Sichtbarkeit. Braucht es Ehrlichkeit. Braucht es Verstehen und Annahme von Unterschiedlichkeit.

Auch dann, wenn es anstrengend wird und eben nicht mehr nur der unproblematische Sonnenschein betont werden kann, der denen, die sich autark so weit selbst optimieren können, dass sie sich zur Norm erheben können, vermittelt es gäbe keine Unterschiede, wo doch permanent welche gemacht werden (müssen).

böse Mädchen

Malve3 Ich habe über “böse Mädchen” und “fehlende Opfersolidarität” nachgedacht.

Ich lese gerade eine Sammlung von Texten zur Frauenbewegung von 1887 und beobachte (und belächle) Parallelen, die sich mir dabei aufdrängen.
Es geht dabei viel um “du bist FeministIn- du MUSST das doch auch so sehen- das MUSS doch auch dein Ziel sein…” – es geht um den Wunsch/ die Forderung nach Solidarität (Loyalität) zueinander, wenn man das gleiche Ziel hat.

Letztlich scheint es ein grundlegendes Bewegungsproblem zu sein, die Gleichheit von Welt- und Meinungsbild als Grundlage für Loyalität und diese wiederum als Alleinstellungsmerkmal von Solidarität zu betrachten. Wird diese Gleichheit nicht gesehen bzw. anerkannt (oft genug ist sie grundsätzlich ja da, wird aber aufgrund diverser *ismen und ihren begleitenden (Fehl)Schlüssen als nicht geltend gelabelt), wird fast reflexhaft exkludiert.

Das Traurige dabei ist, dass das Ziel der Bewegung in aller Regel eines ist, das aufgrund verschiedener *ismen entstandene (und aufgrund verschiedener *ismen auch nur bestimmten Gruppen so sichtbare und/ oder erlebbare) Miss- Um- stände verändern möchte, doch zeitgleich wiederum in der Bemühung möglichst niederschwellig und „massekompatibel“ zu agieren, diverse (wenn auch andere) *ismen verwendet und in der Folge produziert, was *ismen eben so produzieren: Machtgefälle (Gewalten).
So kann keine 100%ige Loyalität erwartet werden, wenn eine Bewegung gesamtgesellschaftliche Veränderungen anstrebt.

Mir ist wieder eingefallen, was mir einen bitteren Geschmack in den Mund spülte, als ich die Phrase “fehlende Opfersolidarität- also da müssen wir auch hingucken” hörte.
Ich hörte sie nämlich nicht von einem Menschen, der einmal zum Opfer wurde und als solcher sprach, sondern von einer Psychotherapeutin, die eventuell vielleicht einmal zum Opfer wurde, aber als Psychotherapeutin redete, die statt des anderen Menschen davon sprach und von sich dachte/ denkt, sie würde für Menschen, wie den der einmal zum Opfer wurde, sprechen.

Ich hatte mich direkt in dem Moment flüchtig gefragt, ob es bereits “fehlende Opfersolidarität” sei, würde ich (als ehemaliges Opfer und auch offen so auftretend) sagen, dass ich nicht will, dass Menschen von “uns Opfern”, die wir überhaupt keine einheitliche Masse sind, untereinander Solidarität fordern, die selbst in der Verteilung ihrer Solidarität gar nicht hinterfragt werden (dürfen), weil es direkte, wie indirekte Abhängigkeiten von ihnen gibt.
Ich fragte mich, ob es als ein Loyalitätsbruch am gemeinsamen Ziel gelten würde, würde ich verlangen, dass alle FürsprecherInnen einmal bitte immer wieder überprüfen, ob sie in all ihrer Fürsprache, nicht vielleicht doch hier und da eine sehr ausführliche “statt der zu Opfern gewordenen Menschen – Sprache” praktizieren.

In den frühen feministischen Texten, die ich lese, ist ebenfalls eine ausgeprägte “statt- Sprache” zu finden, wie wir sie auch heute noch beim Kaptialfeminismus der A. Schwarzer und dem jüngeren Patriarchatsreproduktionsaktionismus mit Feminismussticker “Pink Stinks” erleben.
Wer eine eigene feministische Haltung und Entwicklungsgeschichte einbringen und mit gewichtet, mitbeachtet sehen will, wird als BewegungszerstörerInnen* markiert und in unzähligen Vorträgen als Negativbeispiel oder “bockiger Widerstand” dargestellt, ohne auf Inhalte einzugehen und diese reflektierend oder selbstkritisch zu diskutieren.
Im “günstigsten Fall” noch “darf” die exkludierte Gruppe dann zusehen, wie der Einfluss von Widerspruch und Aufklärungsarbeit negiert wird, wenn kritisierte Punkte doch verändert werden. Statt- Sprache ist ein Machtergebnis- selbstverständlich werden unterdrückte Stimmen ergo auch ausgenutzt zum eigenen Vorteil.

Wir erleben es, damals wie heute, dass Klassismus, Rassismus, Lookismus, Ableismus und der *ismus, der gesellschaftliche Positionen aufgrund der individuellen Aktivität bzw. Passivität festlegt, bedingte Begüterung zwar als Diskriminierungsfaktor “derer, für die man ja gerade eine Bewegung macht” gesehen wird, aber nicht als Grund und Grundlage dafür, wer Bewegungen jeder Art– das kann feministische, wie allgemein und global emanzipatorische Bewegungen oder auch nur Teilbereiche innerhalb des bestehenden Systems arbeitende betreffen- wie anführt, organisiert, strukturiert und somit definiert.

Ebenfalls unhinterfragt bleibt die inzwischen fast traditionelle Positionierung als FürsprecherInnen* bzw. ihr Einsatz in Gremien, Vorständen und sonstigen Entscheidungszelebrierungsgruppen.
FürsprecherInnen* bewegen sich ebenfalls in einem Abhängigkeitsverhältnis, von dem sie nur dann profitieren, wenn es jemanden gibt, der sonst nicht gehört wird- und auch nur so lange profitieren, bis diese Menschen auf die Idee kommen sich zu emanzipieren und einfordern selbst für sich sprechen zu dürfen.

Unsere Gesellschaft möchte sich auf den Weg in eine inklusive Gesellschaft machen, doch versäumt es tunlichst, die Mechanismen der Exklusion gänzlich und auch an sich selbst zu hinterfragen.
Irgendwann mal habe ich einen Artikel geschrieben, in dem ich unsere Gesellschafts- und Politikstruktur als monotheistisch entlehntes Modell skizziere, das ganz zwangläufig exkludiert, weil es sich pyramidenartig von unten nach oben zuspitzt (elitär wird).
Das heißt, dass wir alle es als selbstverständlich wahrnehmen exkludiert zu werden bzw. zu exkludieren, weil auf dem Weg nach oben selbstverständlich immer etwas verloren geht, was gerade Minderheiten und bereits Mehrfachdiskriminierte betrifft. So wird nur nach oben gerettet (zusammengestrichen), was der Masse, die sich aller *ismen entsprechend als eine solche artikulieren und einbringen kann, entspricht.
Der Rest hat FürsprecherInnen* bzw. die Möglichkeit Fürsprache zu erhalten, indem er sich auf das Grundgesetz beruft, wonach niemand aufgrund von (nicht ausreichend erfassten) Markern diskriminiert werden darf.
Somit wird klar: das System ist exkludierend (und weiß das auch!)- aber die Reißleine “Grundgesetz” bzw. “Menschenrecht”, soll dafür sorgen, dass es nicht zu schlimm wird.

Emanzipatorische Bewegungen, also Bewegungen, Initiativen, Aktionsbündnisse, die sich von etwas lösen möchten, haben einen hohen Abgrenzungsanspruch und definieren sich an oft (noch) nicht mehrheitlich anerkannten Systemen, Werte- und Normenkonstrukten und/oder sogar völlig neuen Definitionen von bestehenden Systemen, Normen und Werten.
Es gibt in aller Regel kein “so und so ist das”, sondern eine sich stetig und nicht überwiegend von Außen eingebrachte, sondern von innen wahrgenommene Weiterentwicklung, die anhand der eigenen Entwicklungsgeschichte und aller darin entstandenen Denk- und Schlussfolgerungsprozesse konstant nachgezeichnet werden kann.

So manches Mal denke ich “böse Mädchen” und möchte sie alle an mich drücken, wenn ich mir diverse Newsletter, Texte oder Vorträge in den Kopf tue und dort über mangelnden Zusammenhalt innerhalb verschiedener feministischer, aber auch anderer Diskurse in denen es um die Rechte diskriminierter Menschen geht, geklagt wird.
Wer klagen muss, der hat die Diskussion verloren- und damit zwar Grund zur Klage, doch nicht zur Kritik an den in der Diskussion aufgebrachten Punkten. Und schon gar nicht an den Persönlichkeiten der VertreterInnen der DiskutantInnen*partei.

Ich mag “böse Mädchen”, weil sie ihre Solidarität im Bezug zum Thema eben nicht an Personenloyalitäten hängen. Sie sprechen für sich, sie sprechen radikal und sie sprechen, obwohl und manche vielleicht auch weil, sie nichts davon haben, außer die Befriedigung nicht still zu sein, wie andere sie gerne (halten) wollen.
Gerade in Bezug auf emanzipatorische Auseinandersetzungen und Bestrebungen, die sich durch emanzipiertes Auftreten von Diskriminierten verändern würden, halte ich es für unabdingbar eben nicht abhängig von einer einzelnen Person oder einem festgesetzten Personenkreis zu sein- die zwar selbst emanzipiert oder weniger diskriminiert sein mag (und eben deshalb gut was an die Massen bringen kann), doch durch das Nutzen dieser Privilegien in die FürsprecherInnen*rolle geht und damit, ob gewollt oder nicht, die für die sie zu sprechen glaubt, zum Schweigen der Diskriminierten bringt und damit “statt- Sprache” übt.

Statt- wie Für- SprecherInnen*, AktionistInnen* mit Privilegien und sogenannte BewegungsanführerInnen* reproduzieren einen Dualismus, der zu weiteren Ausschlüssen führt.
Menschen, die Bewegungen unterstützen, in denen es diese Gefälle gibt, fallen dem Trugschluss anheim, nur als Masse auch zu Recht zu kommen und versäumen den Schritt in die Systemkritik, die ausschließlich auf der (demokratischen (Fehl-)) Annahme beruht, wonach “die Masse” gleich “alle” ist.
So kann jede Bemühung nur im Sand verlaufen, auslaugen, desillusionieren, verbittern lassen.

Jetzt steht es aber im öffentlichen Raum- das Wort “Inklusion”.
Das ist der Hit, mit dem Wort bekommt man die Bude voll. Eine irgendwie randomly mit Minderheitendiskriminierung in Verbindung stehende VertreterIn* ans RednerInnen*pult und bumms haben wir eine Wiederholung, die die Masse konsumieren kann, ohne sie zur Frage an sich selbst werden zu lassen.
Ich frage mich, warum kaum eine der RednerInnen* (bei den Vorträgen, Texten, Selbstdarstellungen von Vereinen, die ich so mitgenommen habe in der letzten Zeit) sich der Frage stellt: “Warum bin ich hier und rede über die Wichtigkeit von Inklusion- und nicht die, die davon profitieren sollen?”

Ich persönlich glaube, dass wahrhaftig emanzipatorische Bewegungen darauf verzichten können, sich mit dem Thema Inklusion auseinanderzusetzen, weil sie weder exkludieren noch inkludieren. Wer mitgeht, geht mit und wird in seinen Bemühungen von Teilhabe und Teilnahme unterstützt. Es gibt keinen Machtgewinn, wenn man folgt, es gibt keinen Machtverlust, wenn sich die Wege der Auseinandersetzung trennen.

Es geht um die Sache und hätte es nicht immer wieder “böse Mädchen” und “fehlende Opfersolidarität” mit Menschen, die Überlebende nur als Opfer wahrnehmen, gegeben, dann hätte so manch eine Bewegung nicht bis heute überdauert, allem fehlenden Kapital, allem fehlenden Standing in der Gesellschaft zum Trotz.

es gibt meine Schuld und ich will sie haben

rosenblüte Es gibt kein Wort, keine Wendung, die ich häufiger in meinem Alltag verwende als: “Entschuldigung” und kein häufiger von Abhängigkeit geleitetes Gefühl in mir, als das der Schuld.

Als unsere Welt geplatzt war, gab es diese Botschaft von “Es war nicht deine Schuld”. Ich weiß noch, dass mein erster Impuls einer Entgegnung war: “Doch doch, ich hab ja Mist gemacht. Es war mal meine, aber jetzt ist sie ja bei ihm.”.
Ich weiß noch, dass meine Vorstellung von Schuld damals, als ich noch mitten in der Dynamik von Gewalt war, sehr viel fluider war, als sie es heute ist, wo ich allein Dynamiken von Gewalt aufbauen (und reproduzieren und halten) muss. Ich sehe bis heute das Zentrum von Schuld in mir, bin aber gezwungen sowohl Schulddefinition, als auch Schuldabsolution allein zu erteilen und bin einer Zwickmühle, denn gelernt habe ich ja, sowohl in der Familie, als auch in anderen Kontexten, vor allem, dass ich mal so gar nichts zu definieren habe bzw. aufzuheben, weil [… beliebige Ohnmachtsrolle einsetzen…].
Und dort beginnt die Schwierigkeit im psychotherapeutischen/psychiatrisch-medizinischen Diskurs:

Selbstzerstörung und Selbstbestrafung wird für meine Begriffe oft mit einer “nicht echten” oder “nur eingebildeten” Schuld erklärt, weil es nur einen Punkt der Wirkung gibt und, weil Konzepte der Autonomie generell als “nicht echt”, weil “ja nur für einen Menschen gültig” betrachtet werden.
Das ist der Nährboden für die Pathologisierung von allem, was man wegen sich selbst für sich selbst tut: die Subjektivität auf allen Ebenen, obwohl man sich doch in einer sozialen Gesellschaft befindet, in der die objektive Sicht auf Subjekte allein als alles bestimmend gilt- heißt: Es ist pathologisch, weil Außenstehende nicht involviert sind bzw. sein dürfen – es gilt als krank, weil andere, die keine Rolle darin spielen, nicht mitmachen dürfen.

Das heißt: selbstverständlich erzählen mir alle TherapeutInnen, es sei nicht meine Schuld gewesen, wenn XY passiert ist- denn jede Bestätigung meines Komplexes könnte die Bestätigung von irgendwann mal in mich eingebrachte TäterInnenwillkür oder SadistInnenlogik bedeuten. Ob ich sie vielleicht als meine wahrnehme, und es völlig unerheblich für meine subjektive Schuld- Schulderlassungsdynamik ist, woher das nun kommt, spielt da erst mal keine Rolle.

PsychiaterInnen/PsychologInnen- objektiv betrachtet, spiele ich beendete Kindheitsgewalt (bei der sie weder damals noch heute dabei waren) nach und deshalb ist es krank, falsch, schlecht… und, ob ich mich dann schuldig fühle (weil ich diese Therapie falsch mache, weil ich das ja weder so fühle, noch so wahrnehme und deshalb eh alles eine einzige Lüge ist und böse böse böse und damit wiederum eine Bestätigung für mein Schuldzentrum), muss wiederum in mir drin bleiben, um dann in weiteren Schuldkomplexen seine Schneisen zu brennen bis ich sie irgendwie umgewandelt bekomme.

Ich glaube heute, dass alle unsere “Familientherapie”- sitzungen genau deshalb immer diesen total bekloppten Satz “Wir reden hier nicht über Schuld” hatten.
Denn doch- eigentlich haben wir ausschließlich über Schuld gesprochen, die wir uns reihum wie das Ringlein gereicht haben, weil wir sie alle gebraucht haben. Ich und meine Geschwister brauchten sie, um die Gewalt an sich bzw. die Zeugenschaft der Gewalt aneinander in einen Kontext zu bringen; mein Vater brauchte sie, um sein Handeln zu legitimieren und meine Mutter brauchte sie, um ihre Selbstzerstörung aufrecht zu erhalten.
Was es gebraucht hätte, wäre anzuerkennen, dass wir eine Misshandlungsfamilie waren, die (überlebens)abhängig von Schuld(bindung) war/ist und den Wunsch nach Autarkie von ihr zu wecken. Stattdessen wurde die Familie in Abhängigkeit von psychiatrischer/juristischer Deutungshoheit gebracht und völlig zerfetzt.

Und genau deshalb komme ich bis heute in Druck, wenn mir irgendjemand sagen will, ich hätte keine Schuld oder meine Schuldgefühle, die mir immer wieder hochkriechen wären nicht echt im Sinne von „nicht richtig begründet“: Was wenn nicht Schuld, ist denn sonst bitte die Ursache dafür, dass ich mich so grottenscheiße fühle und wer außer mir, soll das denn bitte objektiv (und damit gesellschaftlich konsensual) belegend bestätigen?

Mein Wunsch ist es, mich schuldig fühlen zu können (zu dürfen) ohne dem Reflex von Gewalt an mir folgen zu müssen, um mir auch autark verzeihen zu können.
Es ist mir egal, warum ich mich für Dinge schuldig fühle, die anderen eher egal sind. Es ist mir egal, warum ich die Dinge bewerte, wie ich sie bewerte- wichtig ist mir die Folge davon.
Ich lebe heute so autonom, wie ich das eben kann und möchte im Laufe des Lebens noch mehr Bereiche meines Lebens autonom tragen- dazu gehört auch, dass ich keine bzw. weniger Gewaltdynamiken (mit anderen Menschen) brauche um Verzeihen bzw. Absolution in mich einbringen zu können.
Das bedeutet auch, dass ich als Grundvoraussetzung meine Schuld haben muss- denn wenn da nichts ist, gibt es nichts zu tragen außer meiner sogenannten Krankheit und damit einhergehend aller Abhängigkeit von dem Kontext, der das so benennt.

Ehrlich gesagt erlebe ich “Es war nicht deine Schuld” heute wie eine Ohrfeige, die mich tiefer und unrettbarer fallen lässt, als jede Prügel früher.
Einfach, weil es von Menschen kommt, die einen Scheiß von meiner Schuld verstehen und vielleicht auch verstehen wollen. Es ist eben leichter über ein sogenanntes Opfer als “nicht schuldig” zu urteilen. Ist ja eh passiv so ein Opfer. Hat ja nix, kann ja nix, wird nix… so ein un_schuldiges Opfer.
Guck wie krank Gewalt macht- dieses Opfer will sogar seine Schuld haben – schlimm, ne?”


Es gibt sie aber, meine Schuld.
Es gibt sie, wie es die Schuld bei den TäterInnen gibt.
Sie steht neben dem Leiden, das ebenfalls nicht nur ich zu tragen und in mein Leben zu integrieren hab.
Von der Gewalt betroffen bin nämlich nicht nur ich, die Geschlagene, sondern auch die, die mich geschlagen haben (nachdem sie selbst als Kind von früher Geschlagenen geschlagen wurden…).

 

viel Einfalt bei Maischberger

Gänseblümchen2 Gibt es eine Möglichkeit die 60er Jahre nachzuempfinden? Oh ja- einfach mal dem Ersten dabei zusehen, wie er versucht sich dem Thema sexueller Vielfalt anzunehmen.
Gestern Abend bei “Menschen bei Maischberger”, gab es wieder eine Gelegenheit dazu. Unter dem, zumindest übers Internet, heiß diskutierten Titel “Homosexualität auf dem Lehrplan- droht die “moralische Umerziehung”?” sprachen der offen schwule gesundheitspolitische Sprecher der CDU Jens Spahn, die Travestiekunstfigur “Olivia Jones”, die Autorin Hera Lind, die Journalistin Birgit Kelle und Hartmut Steeb, der Generalsekretär der “evangelische Allianz” miteinander.

Ich hab mir die Sendung angesehen und zwischen “arrgh” und “äääächtz” und “noooiiiin” und “Boa geh weg du…” einen schweren Seegang empfunden.

Klar, sind solche Sendungen nicht der Hebel, der die Welt aus den Angeln hebt und natürlich war es wieder so klar, dass der Altersdurchschnitt (immerhin sind wir im Ersten) irgendwo in der Mitte des Durchschnittsalters von Deutschland liegt und jaaaa, es war auch sehr klar, dass es wieder keine offen lebende Lesbe, kein Mensch mit Transidentität, kein offen A- oder Pansexuell positionierter Mensch dort aufs Sofa schafft; dass das Konzept der Queerness nicht genannt wird und ach… das strahlend reine weiß aller Gäste- ph selbstverständlich.
Es geht darum, ob sexuelle Vielfalt in der Schule als Teil der Norm vermittelt wird und das Fernsehen pickt sich das Stück Norm raus, was am Genehmsten ist.

Ich hab keine Lust diesen ganzen Dreck nochmal wiederzugeben- und ja- es ist Dreck. Auf vielen Ebenen und mit viel zu wenigen Stellen an denen ich zustimmend nicken konnte.
Travestie ist nicht Transidentität/ Transsexualität, sondern Kunst. Die freie Entscheidung eines Menschen ein anderes Geschlecht dramaturgisch aufzugreifen und umzusetzen. Der Auftritt von Olivia Jones, hat Menschen mit Transidentität eher geschadet als geholfen- so sinnig ihre Beiträge zur Diskussion auch waren.

Jens Spahn ist ein offen lebender Schwuler, der es sich leisten kann, offen schwul zu sein. Viele tausend andere können das nicht- er wird nie derjenige sein, der das nach außen vertritt.
Mal abgesehen davon ist lesbisches Leben noch einmal ein ganz anderes, als schwules.

Birgit Kelle rechtfertigt ihre verachtenswerte Ignoranz mit einer Wortklauberei um die Begriffe “Akzeptanz” und “Toleranz” und argumentiert nicht sauber recherchiert. Peinlich.

Hera Lind fragt sich, wieso sich alle so aufregen (und haut damit ebenfalls in die Schneise der gesellschaftlichen Ignoranz für all jene Menschen, deren Verbindung zu Menschen, die nicht heteronormativ leben/wahrnehmen, nicht die ihre ist). Unangebracht auf vielen Ebenen.

Hartmut Steeb schießt den Vogel ab und kräht nach dem Kindeswohl, kurz bevor er Homosexualität als unnatürlich degradiert.
Homophob.
Irgendwann wird die gesamte Debatte von ihm als “überdreht” bezeichnet und die Ehe zwischen Mann und Frau- ja sogar der Fortbestand der Menschheit als bedroht eingestuft, nachdem der Schluss gezogen wird, dass Identität nicht anerziehbar sei. (Das war dann der Punkt an dem ich als Zuschauerin die Absurdität der Argumentation als überdreht empfand).

Bei mir blieb so ein Ding hängen, das Frau Kelle gerissen hat- ich mein- sie hat eine Menge gesagt, an das güldene Facepalmen zu tackern sind, aber da war der Nebensatz: “Es ist mir doch egal (was für eine Sexualität jemand hat)”, den ich wirklich gerne fett markiert aufgegriffen gehabt hätte.

Denn nein- es ist eben nicht egal. Das ist ein verlogener Satz- denn wenn es ihr egal wäre, dann hätte sie nicht da gesessen.
Wenn es wirklich egal wäre, dann würde “Elternrecht” nicht bedroht gesehen werden, weil in der Schule dann nichts einschneidend Wichtiges vermittelt wird.
Wenn es wirklich allen (cis- sexuellen) Menschen da draußen egal wäre, wie sich andere Menschen wahrnehmen und ihr Leben gestalten, dann würden wir ganz anders miteinander leben.

Am Ende blieb der Konsens, dass die Debatte noch nicht zu Ende sei, worin ich zustimme.
Ich aber wünsche mir eine andere Art Debatte. Es geht um Identität- nicht darum, wie wer mit wem wo und wann Sex hat.
Es geht darum einander frei und wertschätzend zu begegnen. Das fehlt der Debatte meiner Meinung nach als gemeinsame Grundlage bzw. gemeinsames Anliegen. Mit dieser Maischbergersendung wurde vorallem transportiert, dass es okay ist, wenn Hass im Fernsehen verbreitet wird und sich Minderheiten gefälligst selbst zu schützen haben. Ein Fail deluxe.

Ich denke: So lange es Eltern gibt, die ihren Kindern nur eine ausgesuchte Norm präsentieren, die es verdient hat, frei und wertschätzend wahrgenommen zu werden, so lange besteht der Bedarf, dass Bildungseinrichtungen die Vermittlung des gesamten Normspektrums übernehmen. Genauso wie es wichtig ist, als BloggerIn, als JournalistIn, als AutorIn, als KünstlerIn… als Mensch von nebenan, das Spektrum der Norm aufzuzeigen, zu kultivieren und nicht zuletzt offen und frei zu leben, welche das Fernsehen mit solchen Sendungen ausgrenzt.

Solange “Vielfalt” kein Synonym für “Norm” ist, ist es eben nicht egal!

Ein guter Artikel zur Sendung erschien auch auf queer.de. Leseempfehlung!

der Witz, der keiner ist

… geht so:
Kommt ein multipler Mensch in ein Selbsthilfeforum für Menschen mit Gewalterfahrungen: „Und dann… muahahaha… dann musst du, um der beste Multiple von allen zu sein, dies und das und jenes tun. Nur so wirst du überall akzeptiert und du bekommst was willst- auch wenn du nicht wirklich multipel bist.“
Kommt ein anderer multipler Mensch dazu und …

keine Pointe.
Obwohl der Saal zu brüllen scheint.

Humor kennt keine Grenze- schon gar nicht die des guten Geschmacks, die des Anstands, die der Empathie zu jenen Menschen, die irgendwo mitgemeint sind oder sich als mitgemeint empfinden müssen. Nun ja- darum geht es bei manch bissigem Humor vielleicht auch. So sind satirische Abhandlungen zwar immer wieder der Anstoß in kontroverse Debatten und formen immer wieder den Umgang mit gewissen Themenbereichen und sind damit letztlich eigentlich ein sehr gutes Mittel zu thematisieren und lösend zu debattieren, doch ist dafür, meiner Meinung nach, eine mehr oder weniger neutrale Umgebung notwendig.

Witze bzw. ihre Positionierung und ihr Inhalt sind, meiner Meinung nach, auch ein Herrschafts- und Machtinstrument.

Das Typische „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ zum Beispiel in der N-Wortdebatte, wie in der Z-Wortdebatte, wie eben überall dort, wo sich gegen eine Fremdbezeichnung verwehrt wird, kommt immer- immer!- von jenen, die darum gebeten werden, das Privileg der Verletzung und/ oder Diskriminierung (also eine Art der Gewaltausübung) anderen Menschen gegenüber aufzugeben.
Und genau diese Menschen sind es, die einen Witz auch dann noch für einen Witz halten, wenn das N-Wort darinnen ist oder die Pointe des Witzes purer Rassismus ist.

Genau diese Menschen, sagen den Menschen, die sie verletzen und auf etwas reduzieren das deren Menschlichkeit bewertet und jenen, die es genau so sehen und empfinden, dass ihre Empfindungen „humorlos“ sind. „Ach- is doch nicht so gemeint- ist doch nur ein Witz- stell dich mal nicht so an.“.
Ganz großartig ja auch, wenn dann noch jemand meint auf diesem momentanen Deutungshoheitenhochwasser mitfahren zu müssen und so Perlen wie: „Ich bin ja selbst auch irgendwie gemeint/könnte gemeint sein und finds total witzig. Und jeder Mensch, der das nicht so sieht, ist humorlos und hat hier eh nichts zu suchen.“ kommen.

Im Grunde läuft es darauf hinaus: Auf eine Gewaltanwendung, die genau das tut: Sie definiert, wer sich wie zu welchem Thema äußern darf und wer eben nicht.
Außerdem passiert Folgendes: Aufgrund solcher Äußerungen werden Wahrheiten produziert, die ausschließlich bestimmten Menschen dienen und bestehende Probleme im Miteinander noch weiter unterfüttern.

So wie jeder Witz diverse Rollen braucht, so zementiert er sie mit jeder Wiederholung.
Ich will keine Judenwitze mehr hören, weil ich sehr klar im Kopf habe, welche Kackscheiße gemeint ist.
Ich will keine Blondinenwitze mehr hören, weil mit jeder Entwertung nicht nur blonde Menschen, sondern weibliche Menschen gemeint sind und so weiter und so weiter.

So will ich eben auch keine witzigen Textchen über Menschen mit DIS oder solchen, die nur so tun als hätten sie eine DIS, lesen, weil eben bestehendes Faken, Vorurteile und Klischees, denen ich hier im Blog und auch sonst, wenn ich irgendwo offen als Menschen mit DIS lesbar bin, ausgesetzt bin, immer wieder aufs Tapet gebracht werden und wieder in irgendjemandes Kopf eine Schneise fahren, wo sonst gar keine weitere Schneise zum Thema DIS ist.

Solche „Nicht-Witze“ machen es sowohl mir, als auch anderen Menschen mit DIS, immer wieder schwer so wahrgenommen zu werden, wie wir sind- unabhängig von irgendwelchen Möglichkeiten und Klischees. Auch vor Menschen, die ebenfalls diese Diagnose erhalten haben, ist so kein unbelasteter Austausch mehr möglich.

Immer wieder kommt es so zu einem „Kampf“ um die Deutungsmacht über mich und mein Verhalten als Mensch mit Stempel: „Ist sie echt oder ein Faker?“- „Ist sie nur ein bisschen multipel oder ganz doll?“.

Ich finde es zum Kotzen überall dort, wo ich mich als multipel oute – vor allem in Selbsthilfeforen/ Selbsthilfegruppen- immer wieder und wieder durch dieses so called „Selbstschutzradar“ gejagt zu sehen, obwohl ich niemandem etwas getan habe und auch keine Verantwortung für die Verletzung durch andere Menschen trage.
Ich finde es zum Kotzen, dass ich mich inzwischen nicht einmal mehr in Schutzräumen wirklich traue offen zu sein, weil es genau solche Sprüche, Texte und „satirische Einwürfe“ gibt.
Ich finde es zum Kotzen, dass das Machtverlangen- das Kontrollbedürfnis- anderer Menschen über andere Menschen als legitimes Verhalten nach Verletzung gilt und ohne Widerrede erlaubt wird.
Undiskutierbar, weil jedes Aufbegehren zum Rütteln am Thron wird und damit ja eh schon etwas ist, was nur bedeuten kann, eben außerhalb der Gruppe zu sein, die geschlossen definiert was lustig ist und was nicht- was verbindend ist und was nicht- was wo von wem wie gefunden wird oder nicht. Innerhalb der Gruppe muss ja nicht gerüttelt werden- da ist ja alles klar.

Ich finde es bitter genau das jetzt gerade in einem – ja doch trotz allem- Schutzraum erleben zu müssen.
Feststellen zu müssen: „Oh ja, ist doch ganz gut, dass ich nicht sofort und offen als multipel lesbar bin.“, „Gut, dass ich von diesen Menschen nicht so abhängig bin, wie es sich durch ihr Verhalten manchmal anfühlt.“.

Dort ist nicht die Frage was Humor darf- dort ist die Frage, ob es sich überhaupt um Humor als Kommunikationsmittel und Anstoß einer (kontroversen) Debatte handelt, wenn die Auswirkungen solcher Texte/ „Nicht-Witze“ in anderen Bereichen (zum Beispiel eben dieser Selbsthilfeforen- eben jenen Freiräumen, in denen eine Abwesenheit solcher Inhalte als nötig und normal betrachtet werden sollte), diskutiert, beweint und beschimpft werden (müssen).

Ich habe hier im Blog mal ein „Ave Multipla“ veröffentlicht.
Als mir klar wurde, welche Art Diskurs ich damit verhinderte- nämlich den, in dem es um einen konstruktiven Austausch, Anerkennung der Menschen als Menschen, die sie sind- nicht als die Menschen, zu denen ich sie mit meinem Labeling mache- und die Möglichkeiten einander respektvoll zu begegnen, stellte ich ihn als „nicht mehr sichtbar“ ein.
Ja, ich habe auch meine Vorurteile- meine Klischees- sehe diverse Strukturen, die sich wiederholen.
Aber ich will sie immer wieder hinterfragen und tue das auch. Bei jedem Menschen neu.

Wer das nicht tut oder tun will (meistens hingegen: nicht tun muss), der nennt Kackscheiße einen Witz und jene, die nicht lachen humorlos.
Letztlich geht es dabei darum, sich über andere zu stellen, was eine schwierige Haltung ist. Denn wer sich nicht hinterfragt, ist in meinen Augen nicht derjenige Mensch an den ich mich halten oder mit dem ich mich austauschen möchte, wenn es um die Definition einer Situation oder (soziale Werte-) Konstellation geht.

rotesBlattIch möchte den Menschen offen begegnen.
Empfinde es als emanzipatorisch mir erlauben zu können, keine generalisierte Angst vor Menschen haben zu wollen und mich bei jeder Begegnung aufs Neue von dem was mir im Kontakt begegnet, beeinflussen zu lassen.
Das hat sich bisher als unglaublich wertvoll für mich herausgestellt.
So wertvoll, dass ich Nicht-Witze dann eben auch als solche benenne.

Manch ein „Witz“ ist eben keiner.
Egal, wie viele lachen.