das Reel – die Einleitung

Das Gesicht einer weißen Person mit Brille und grauer Kopfbedeckung füllt die Hälfte des Handydisplays. Darüber steht schwarz unterlegt: „Autistische und nicht-autistische Identitäten in unserem DIS-System“. Sie sagt: „ORG missbraucht ja vor allem Bindung, die menschliche Bindung … missbraucht oder … führt dazu, dass diese Bindung unerträglich werden kann … auch (…) der Körper unerträglich werden kann … Von daher finden wir das als absolut naheliegend, dass ORG Autismus produziert. Menschengemachter Autismus. Und das ist bei uns so im System. Wir haben eben viele Anteile, die im Alltag ganz normal funktionieren und auch in der Bindung gut sind. „Ich mein, wir haben ja als Psychologin auch gearbeitet, wir waren da auch sehr empathisch, mit Patienten, und wir haben aber auch Anteile, die eben auch sehr stark autistische Züge haben.“
Ich sehe das Reel 2 Minuten nach Veröffentlichung und schreibe: „Entschuldige – das ist Unsinn.“ Sie antwortet: „aus eurer Sicht.“
Im Verlauf veröffentlicht die Person in ihrem Account „Seelenstrukturen“ eine Story nach der anderen. Fügt Erklärungen hinzu, ergänzt und wiederholt sich inhaltlich. Zieht eine Supervisionssitzung mit E. Nijenhuis, eine Onlinebefragung unter Menschen, die sich als Viele erleben, einen psychologischen Ratgeber aus der Kategorie Lebenshilfe zu Neurodivergenz und allein den Titel „Gewalt erleiden“ von Tabea Koepp als Argumentation heran.
Am Abend bin ich mir gänzlich unsicher, was die Person eigentlich möchte. Sie schreibt, das sei ihre Hypothese, auch als studierte Person. Dann, dass es ihre persönliche Wahrnehmung sei. Am nächsten Morgen, dass es beides gleichzeitig sei. Inzwischen hat das Video 24 Kommentare, die meisten argumentieren gegen ihre Aussagen.

Ich denke darüber nach, ob ich hier darüber schreiben möchte.
Auf so ein Reel mit Richtigstellung und Einordnung zu reagieren, macht es unter Umständen relevanter, als es ist.
Unter dem Schlagwort „ORG“, also „organisierte rituelle Gewalt“, gibt es unheimlich viele Inhalte ohne jede faktische Grundlage, und praktisch immer wird die dissoziative Identitätsstörung (kurz DIS) mindestens erwähnt. Manchmal entsteht dabei der Eindruck, die Themenlage sei so diffus und unklar, so subjektiv und komplex, dass im Grunde alle alles jederzeit behaupten können, ohne Konsequenzen durch Falsifizierung erwarten zu müssen. Sagen ja alle nur ihre Meinung, ihre ganz persönlichen Ansichten.
Ein Kommunikationsverhalten, das mich verärgert, weil es jede Forschungs.Arbeit, jedes Ringen um Fakten, jede Anstrengung für allgemeine Klarheit abwertet und unsichtbar macht.
Und meine Solidarität gegenüber anderen Gewaltüb.er.lebenden untergräbt.
Denn nicht nur wirre Skeptiker_innen und False-Memory-Fans verbreiten Unsinn über ORG und DIS, sondern auch Menschen, die sich als Betroffene zeigen, und Fachpersonen, die Aussagen dazu schon qua Grundstudium und Ausbildung mindestens differenzierter einordnen können sollten. Das führt bei mir dazu, dass ich mich unter anderen Vielen oder in  Räumen, in denen diese Themen diskutiert werden, auf überhaupt keine Aussagen verlasse, die ich nicht sofort mit Quellen und Fakten überprüfen kann. Alles bleibt Behauptung oder These bis zum Beleg. Und das bedeutet eine ständig zu haltende Kontaktschwebe. Ich gehe nie näher dran, entferne mich aber auch nicht, denn es kann ja sein, dass stimmt, was mir erzählt wird. Das ist extrem anstrengend. Macht keinen Spaß. Und bringt mir letztlich nur eine gewisse Sicherheit darüber, dass ich weder aus Autoritätsrespekt noch aus Peer-Solidarität heraus von Unsinn, Falschinformation oder (gezielt) gestreuten Phantasieszenarien ausgehe. Und sie womöglich hier oder im Podcast oder in Vorträgen oder im direkten Kontakt weitergebe – und schwer erkrankten Menschen, von denen ein nicht unerheblicher Anteil mehrfachdiskriminiert ist, schade.

Dies – die Realität, dass Falschbehauptungen, Desinformation und Ausgedachtes erheblich schaden – ist für mich jedoch auch Anlass, zu reagieren. Und mich dann eben doch hinzusetzen und einen Text zu schreiben, der im Gegensatz zu Inhalten in social media Netzwerken, kostenlosen Blogplattformen oder Telegramgruppen, zukunftssicher zitierbar ist und einen direkten Kontakt zu mir als Diskutant ermöglicht.
Weil so viele Aspekte drinstecken, teile ich den Text auf.

drüber sprechen

„Und was genau soll man denn sagen, hm? Hm? Was solls denn bitte sein? Datenausgabe, emotionaler Tieftauchgang ins Drama der gequälten Seele, detaillierte Selbstauskunft – was zum Fick soll es denn sein, worüber man da reden soll?“ Es scheppert zwischen meinen Synapsen. Das dicke Seil um meinen Magen strafft sich. R. ist in Hochform, vibriert unter meiner Haut wie eine frierende Biene.
Wir hatten das Thema schon. Oft. Wirklich richtig oft. Das Schweigen der Opfer, die Ermutigung der Überlebenden, auszusprechen, was sie bedroht hat, die Anhörungen, die Frage, wer wann wozu genau eigentlich zuhört. Jedes Mal habe ich diese kleine Flipperkugel aus Titan in mir drin, die sich tobend gegen jede Wand schmeißt, als gäbe es dafür Punkte. Und jedes Mal baue ich ihr in Gedanken eine Art Durchknall-Labyrinth. „Nur weil dich niemand verstanden hat, als du geredet hast, heißt das nicht, dass das für alle gilt“ – Batsch – „Wenn niemand etwas sagt, wird ES für unsagbar gehalten.“ – Knall – „Worüber nicht geredet wird, bleibt unverändert.“ – Peng – Meine Phrasenkartei reicht, um ihr einen Sarg sicheren Raum zu zimmern. Irgendwann kann ich nicht mehr sagen, ob ich taub für sie bin oder sie mir gegenüber still.

Dann taumle ich mit Felice durch Bielefeld. Die erzählen, davon, dass sie noch nie in Worten über das gesprochen haben, was ich hier und immer ES nenne. Und ich teile mit ihr und allen, die uns später hören werden, dass ich vor allem über DAS, was Helfer_innen getan haben, spreche.
Später frage ich mich, ob ich da gelogen habe. Weil ich eigentlich nie darüber spreche, sondern vor allem darüber hinweg. Mit Substantiven wie Fixierung, Zwang(smedikation), Übertragung, Verstrickung, Projektion, Machtmissbrauch und anderen großen Phraselboxen, die für Lesende und Zuhörende greifbarer, anschlussfähiger, in autoritären Kontexten wie Akademik, Beruf und Behandlung besser einfügbar sind. Unbeeindruckt von Behandler_innen, die sich und ihre helfende Tätigkeit für richtig gut und fern jeglicher Gewalt halten. Mein Faktenwissen stützt mich. Ich brauche keine Ermutigung, keine Ermunterung und dank meiner Veröffentlichungsmöglichkeiten hier und im Podcast auch keine Erlaubnis, auszudrücken, was für ein bodenlos grausamer Zusammenhang sich aus Hilfe ergeben kann. Und warum es wichtig ist, sich damit zu befassen. Sowohl als Üb.er_lebende von Gewalt als auch als Mensch, der von sich selbst annimmt, das nie und nimmer je getan zu haben oder tun zu werden.

Wenn ich mit Helfer_innen spreche, die das Thema berührt, spreche ich auch nie ganz aus, was ich erlebt habe. Wenn es darum geht, Hilfe für jemanden zu reflektieren oder zu verbessern, dann würde ich damit Raum einnehmen, der für andere hergestellt wurde. Wenn es darum geht, Strukturen zu reflektieren oder zu verbessern, dann ist das Risiko hoch, dass meine Erfahrungen (unabsichtlich) bagatellisiert oder anders nicht angemessen beantwortet werden.
In der Realität ist es so: Ich teile meine Betroffenheit von (Helfer)Gewalt mit und meine Gegenüber reagieren darauf, als wäre das eine Art Outing. Radikale Offenlegung. Voll krass. Mutig. Und die Offenheit! – Und ich lasse das so stehen. Wir können Sinnvolleres tun, als darüber zu reden, dass eine Er.Lebensrealität zu teilen keineswegs Selbstoffenbarung ist. Dass es ihre Stigmatisierung von Opferschaft ist, die es ihnen mutig erscheinen lässt, sie sichtbar zu machen. Wir können uns auf unseren gemeinsamen Nenner konzentrieren und miteinander arbeiten. Und der gemeinsame Nenner ist nie DAS DA. Der gemeinsame Nenner ist, etwas dagegen tun zu wollen. ES als etwas aktiv und pragmatisch Verhinderbares verstehen zu wollen.

Ich finde mein zum Opfer von Helfergewalt geworden sein nicht peinlich. Ich schäme mich nicht dafür und halte nichts davon, jene gewaltvollen Helfer_innen für ihr zum_zur Täter_in geworden sein zu beschämen.
Ich weiß – und weiß, dass es alle Helfer_innen wissen –, dass es moralisch, ethisch, menschlich falsch ist, Menschen zu verletzen, die Hilfe brauchen. Es braucht mich und meine Erfahrungen überhaupt nicht ausbuchstabiert präsentiert, um darüber ins Gespräch und in den Prozess zu kommen. Deshalb kostet es mich so wenig Kraft. Deshalb kann ich mich in diesen Zusammenhängen ganz leicht bewegen. Ich kann über meine Erfahrungen sprechen, ohne über meine Erfahrungen zu sprechen. Lügen, ohne zu lügen. Verstecken vor aller Augen. Vermeiden, ohne zu vermeiden.

Und ja, das trägt überhaupt nicht dazu bei, dass ich überhaupt mal „richtig“ drüber spreche. Aber wenn mein wütendes Titanbienchen R. eins absolut offenlegt, dann ist es die blanke Überforderung vor so einem Unterfangen. Denn, was heißt denn „richtig drüber reden“ genau? Sie hat da auf jeden Fall einen Punkt. Gehts um die W-Fragen? Gehts um Gefühle, die ich damals gar nicht wahrnehmen konnte? Gedanken, die ich gar nicht als Gedanken fassen konnte? Was genau für ein Zauber soll denn passieren, wenn man sagt, was genau war? Und kriegt man von der Therapeutin einen Smiley-Stempel ins Therapiehausaufgabenheft, wenn mans richtig gemacht hat, oder wer genau bewertet eigentlich die Richtigkeit des Ausgesprochenen? Auf welcher Grundlage? Und wie genau ist genau?
Und das alles mal beiseite und rein in die Realität – wer geht in die Therapiestunde oder den Beratungstermin und befindet sich nicht in einer Gesprächssituation? Also einer beiderseits zu organisierenden Interaktion und Kommunikation? Niemand nirgendwo jemals würde in Kontakt treten mit: „Und dann hat mir einer die Schulter ausgekugelt – man, war ich froh, dass die mich eh sedieren wollten.“ Und zwar nicht aus Freundlichkeit oder Rücksicht, sondern, weil zum Reden und Schweigen über Gewalt einfach immer auch die Kommunikation von Kontext gehört. Etwas, das mich extrem anstrengt und häufig auch überfordert. Bis ich fertig damit bin, ist eine Therapiestunde einfach mal um. Und ich frage mich hinterher manchmal: „Hab ich da jetzt eigentlich drüber geredet oder nicht?“

Helfergewalt ist genauso komplex traumatisierend wie Gewalt in der Familie. Heim, Klapse, Knast sind einfach stigmatisiert und Familie nicht. Niemand hinterfragt, warum sie_r in eine Familie gekommen ist. Das macht den Kontext entdeckbar. Eroberbar. Deutbar. Heim, Klapse, Knast sind bereits definiert. In Bezug darauf gibt es selten Zweifel über Bezug und Kontextualisierung. So wenig, dass es mir oft widersinnig erscheint, überhaupt die Kraft aufzubringen, um meine Bezogenheit, den Zusammenhang meiner Verwundung, überhaupt zu benennen. Vor allem in der Psychotherapie, wo der Kontext faktisch weitgehend gleich ist.

„Es ist schwierig“, schreibe ich auf die Phrasenkiste, die ich für mich baue. „Es interessiert ja so jetzt akut auch niemanden“ – Bäm – „Windmühlenkampf“ – Bumm – „Was solls, geht auch ohne“ – Wumms.

„Die Wahrheit ist doch, dass niemand von den Beteiligten richtig mit mir darüber reden will.“

Gespräche im Spiegelkabinett

„Sei da ruhig klarer – denk nicht so viel an ‚Was denkt sie jetzt, was denkt sie jetzt, was denkt sie jetzt?‘.“
Mein Mann und ich sitzen auf der Couch. Krisensitzung, nach Achsbruch Autismus, Trauma, Kommunikation.
Ich bin seit Tagen niedergeschlagen, belastet, erinnert, unzufrieden mit mir. Ich muss etwas klären, doch bin hin- und hergeworfen von Wichtigkeiten und Relevanzen, Erinnerungen und Ängsten.
Es geht um etwas, das mir wichtig ist. Deshalb ist der Rahmen, in dem ich darüber nachdenke und fühle, extrem groß. Am dritten Tag wurde es mir zu groß, zu belastend. Ich merkte, wie sich das Zeitfenster für angemessene Lösungskommunikation schloss und ich immer mehr Spannung in mir sammelte. Zeit für eine Sitzung mit meinem Mann.

Mit ihm werden Situationen wie diese pragmatisch lösbare Kommunikationsherausforderungen, wie er sie jeden Tag bei seiner Arbeit und manchmal auch mit mir im Alltag hat. Er ist im Training, ich bin empfangsbereite Satellitenanlage, wenn er mir etwas davon vermittelt.
Durch seine Brille bekommt die Lage eine Art bewusste Untiefe. „Die Situation für dich sieht so aus, für sie andere Person sieht sie wahrscheinlich so aus. Was ihr verhandeln müsst, ist dies; was du bisher nicht klar genug vermittelt hast, ist das. Du könntest es so formulieren; du könntest auch das schreiben. Soll ich dir einen Aufschlag formulieren oder einen von dir anschauen oder willst du ab hier allein weitermachen?“
Mir tut das gut. Aus dem Wurschtelwust in meinem Kopf wird eine strukturierte Reaktionslandschaft auf Hypothesenbasis. Ich weiß ja nicht, ob er recht hat. Aber ich weiß ja auch nicht, ob ich recht habe, und traue mich gar nicht erst, überhaupt eine Hypothese zu entwickeln – weshalb ich in Stress spirale, dissoziiere und Faden und Form, Bezug und Kontaktsicherheit komplett verliere.

Das ist die Bruchstelle der Achsen.
Autismus und Kommunikation sind bereits schwierig. Auch schwierig zu kommunizieren.
Ich gerate dabei oft in die Situation, mich selbst zu erklären, statt die Kommunikationsprobleme. Denn es geht nicht immer nur um Wörter, Aussprache, Mimik und Gestik. Für mich geht es meistens um Bezug und Kontext. Warum sagt jemand dies und das; wozu bekomme ich diese und jene Information; weshalb und wofür macht mir jemand dies und das ganz besonders deutlich klar?
Gespräche mit nicht-autistischen Menschen sind für mich eine meist unklar begrenzte, uneindeutig bezugnehmende und in der Regel erst später in ihrem Ziel (manchmal auch Sinn und Zweck) nachvollziehbare Abfolge von Transitionen. Schon während die andere Person spricht, mache ich mehrere Dinge gleichzeitig: Geräusch von Wort unterscheiden, Worte verstehen und als Sätze in mir abbilden und begreifen – und dann merken, dass darin in der Regel nicht auch „drinsteht“, worum es der Person geht oder worauf sie sich bezieht oder reagiert. Also rufe ich mir in Erinnerung, was ich oder eine evtl. weitere Person im Gespräch gesagt hat, und überlege, ob davon etwas passen könnte. Ist die Person fertig mit Sprechen, bin ich meistens gerade fertig mit der Analyse des Sprachpakets. Was ich darauf antworte, eher nicht.
Manchmal geht das, was ich eigentlich sagen möchte, im wahrsten Sinne „lost in Transition zwischen Rede und Antwort“.

Und da greift die traumabedingte Dissoziation. Die nächste Achse. Die schützende Maske. Das reaktive Vorzeigen von bezogenem Kontaktverhalten. Ich konzentriere mich ausschließlich auf das, was die andere Person gesagt hat, und rate das beste hoffend oder faktisch orientiert abschätzend die Antwort. Ich bin nicht mehr bei mir, ich bin nicht mehr bei meinem Thema und kann selbst in der Rückschau nicht mehr sagen, worüber ich nachgedacht, was ich empfunden oder als Idee verfolgt habe. Es ist ein Nimbus, ein weißes Rauschen. Mein Körper antwortet. Ein anderes Innen. Irgendwas, das passt, dem Gegenüber ein gutes Gefühl macht, mit größter Wahrscheinlichkeit keinen Konflikt auslöst und inhaltlich die Funktion des Gesprächs bedient. Und dann beginnt das Gegenüber zu antworten. Und damit beginnt eine weitere Transitionsphase zum nächsten Sprechakt.

Das erschöpft. Es führt sehr oft dazu, dass ich ich-fremde Gespräche führe, wenn diese weder reiner Informationsaustausch noch oberflächliches Kontakten sind. Und der Hintergrund ist komplex.
Ich habe auditive Verarbeitungsstörungen, muss Bezug immer wieder konkret gesagt bzw. aufgezeigt bekommen, weil ich ihn nicht implizit „lesen/erfassen“ (und im Arbeitsgedächtnis halten) kann, und ich habe bis heute Angst, verletzt zu werden, weil ich nicht schnell genug (performativ „richtig“/wie vom Gegenüber gewünscht oder gewohnt oder erwartet) reagiere.
Gespräche sind bis heute nicht neutral für mich. Es sind neben jeder Bedürfniserfüllung immer auch Triggersituationen, mit denen ich je nach Inhalt, Kontext, Rahmen strukturell reaktiv dissoziierend umgehe.

Nach dem Gespräch, das ich nun mit meinem Mann besprach, lag ich abends im Bett und wurde Stückchen für Stückchen mit Fragmenten des Gesprächs konfrontiert. Die Verarbeitung setzte ein und zunehmend wurde mir selbst bewusst, dass wir weder über das geplante Thema gesprochen haben, noch, dass durchgehend ich gesprochen habe. Obwohl mir das so wichtig war. Ich so dankbar über das Interesse und die Bereitschaft der Personen war, mit mir zu sprechen. Obwohl es keine Gefahr gab. Ich selbst habe überhaupt nichts von meiner Angst gespürt. Habe in dem Kontakt überhaupt nichts von meinem Stress und der Reaktivität gemerkt.
Und wie fast immer in solchen Momenten haben es meine Gegenüber auch nicht gemerkt. Sie fanden das Gespräch gut. Sie haben mich als im Kontakt erlebt – faktisch betrachtet haben sie das ja auch. Nur eben doch auch nicht.

In einem Gespräch mit dem Begleitermenschen im Rahmen der Autismusdiagnostik habe ich dafür das Bild von einem Spiegelkabinett gefunden. Weil es mir oft so erschien, als würden die Menschen in meinem Leben immer mit einem Bild von mir sprechen. Also ihrer Wahrnehmung von mir und dem, was sie davon abgeleitet haben. Während ich sie nie sehen kann und meistens eher mit einer Idee von ihnen arbeite, die ich aus den Analysen dessen, was sie mir sagen, entwickle.
Das war das Problem, das ich in der Therapie damals als besonders belastend empfand. Es kam mir vor, als würde meine Therapeutin intensiv nach mir suchen – angestrengt auf ihr Bild von mir schauen – und ich nicht einmal ihre Spiegelung finden können, obwohl mir jedes Signal, jeder Reiz von ihr überdeutlich spürbar war.
Mir ist damals bewusst geworden, wie viel von meinen „Erkennungsproblemen“ überhaupt nicht oder eher subtil wahrnehmbar sind. Und wie groß die Rolle der DIS dabei ist. Ein autistischer Mensch ohne DIS oder extremen Maskierungswillen wäre damit auffälliger. Diese Art des Auffälligseins war aber nicht nur in meiner Herkunftsfamilie ein ernstes Problem, sondern auch überall sonst. Selbst in Kontexten, in denen meine Sicherheit und Fürsorge professionell sichergestellt wurden. Nirgends, in keinem Kontakt mit anderen Menschen, ist es für mich rückhaltlos, bedingungslos, konsequenzlos möglich, irgendetwas davon nicht zu verstecken oder zu verschleiern. Und zwar nicht, weil die Welt böse ist oder ich da irgendetwas Spezielles an mir habe, sondern weil es umfassend ANDERS ist. Weil man sich dem immer nur annähern kann und eine gewisse Lücke, einen Bereich der Inkompatibilität, stehen lassen und akzeptieren muss. Sowohl ich als auch meine Mitmenschen. In der Metapher vom Spiegelkabinett ist es der Umstand, dass ich mich mit anderen Menschen als in einem Spiegelkabinett erlebe – und sie das nicht auch tun. Ihre Wahrnehmung funktioniert anders als meine.

Und während ich das jeden Tag und immer immer immer merke – und sie nicht, ist es eine irritierende Sache, wenn ich es offenbare. Manche fühlen sich dann manipuliert. Als würde ich ihnen die Wahrnehmung von mir absprechen oder in Frage stellen. Als wolle ich ihnen unterstellen, sie würden sich gar nicht für mich interessieren oder würden mir absichtlich schaden wollen. Es gibt Menschen, die können solche Gefühle und Gedanken dann mit Worten ausdrücken. Sie sind neugierig, wollen verstehen, Beziehung, Kontakt bewahren. In meiner sozialen Welt sind das die absoluten Ausnahmen. Einhörner sozusagen.
Und es gibt Menschen, die können das nicht. Oder wollen es nicht. Oder halten es für einen Teil ihrer professionellen Abgrenzung, noch mehr Abstand zu mir herzustellen und sich praktisch völlig unsichtbar für mich zu machen. Es gibt Menschen, die sich verunsichert fühlen, wenn ich ihnen davon berichte. Die sich fragen, was an unserem Kontakt echt ist. Authentisch. Und ver.trauen mir dann einfach nicht mehr. Gehen also auch aus dem Kontakt. Das ist die häufigste Erfahrung, die ich mit der Offenlegung dieser Gesprächserfahrung gemacht habe. Entsprechend wenig öffne ich mich.

Doch diesmal nicht.
Diesmal habe ich es mitgeteilt und mehrere gute Erfahrungen gemacht.
Die Gesprächspartner haben es gehört und verstanden. Wir haben eine praktische Lösung gefunden.
Mein Mann hat mich verstanden und mir genau die Hilfestellung gegeben, die ich brauchte.
Meine Therapeutin hat mich verstanden und mich bestärkt, meine inneren Prozesse auf Möglichkeiten der Entlastung und Prävention zu erforschen.
Keiner der auslösenden Faktoren ist davon berührt. Es wird mir wieder passieren. Und es wird wieder schlimm für mich sein. Aber es bleibt nicht mehr so schlimm.

KI wird uns alle töten (wahrscheinlich)

Ich habe wieder das Podstock-Festival besucht.
Es war toll, hat Spaß gemacht und war wie immer mein Flauschtankpunkt.
Am letzten Tag gab es eine kleine Diskussionsrunde zum Thema der sogenannten „künstlichen Intelligenz“. Auslöser war ein Click-Adventure, das Teddy für Esel für ihren Podcast erstellt hatte. Toby, ein langjähriger Fan der „Esel und Teddy Show“ und ebenfalls Podcaster, hatte jeden Spaß an der Folge verloren, als klar wurde, dass das Adventure KI-generiert war.
Die Diskussion sollte Positionen klären. Ausloten: Wo stehen wir da eigentlich miteinander?
Mir war die Runde zu kurz. Und Jörn hat am Montag in seinem feinen Podcast auch noch seine Gedanken zu KI geteilt. Jetzt teile ich meine Gedanken hier.

Mir geht es wie Toby, wenn ich erfahre, dass etwas, das ich im weitesten Sinne mit Kunst verbinde, „mit Hilfe von KI“ entstanden ist. Der Spaß am Produkt ist sofort weg.
Und nicht nur das. Auch die Annahme, dass es bei der Funktion des Produktes um einen gezielten Kontaktversuch mit mir geht, wird enttäuscht. Ich fühle mich zum Konsumenten degradiert. Zum Vernutzungsendpunkt. Aufgrund meiner sinnlichen Täuschungsfähigkeit sogar missbraucht, wenn es um Videos geht, die sehr realistisch und emotional aktivierend sind. Und ich erlebe mich als Mitmensch ausgeklammert, ausgeschlossen, egalisiert, wenn es um den Akt der Produktion geht.

Hintergrund dieser Empfindungen ist mein Leben mit Behinderung, als Person im Kreativbetrieb, welcher heute im kommerziellen Bereich weitgehend digitalisiert ist.
Weil ich mit einer Behinderung lebe, war der kreative Bereich für mich gewissermaßen schon immer einfach „gebucht“. Da wird Leistung einfach anders bewertet und Anpassung eher individualisiert als in anderen Arbeitsbereichen. Bisher galt dort oft: Gut Ding will Weile haben. Die Muße muss kommen und angemessen wirken können, nicht alles ist Handwerk. Wenn etwas wirklich schön werden soll, dann funktioniert Zeitdruck nicht, sondern Auftrags- und Versorgungssicherheit. Raum. Zeit. Prozess. Kommunikation.

Diese Auffassung verändert sich seit der Industrialisierung immer mehr. Seit Maschinen Dinge produzieren, wird anders über Produktionszeit gedacht. Als schnell gilt heute zum Beispiel nicht mehr die Erstellung eines Logos oder einer Wortmarke in einer Woche, sondern innerhalb weniger Stunden, wenns denn nicht in wenigen Minuten geht.
Ich habe schon mit einer Wochendeadline Probleme. Ich kann nicht jeden Tag die gleiche Anzahl Stunden in die Erstellung von Entwürfen, Einarbeitung von Verbesserungen oder Änderungen stecken. Habe nicht immer die gleichen Kapazitäten für die Entschlüsselung von Kundenkommunikation und das, was passiert, wenn die Adobe Creative Cloud, mein Hauptwerkzeugkasten, ihren Nutzer_innen mit dem neuen Update auch neue Funktionen und Ansprüche an deren Fähigkeiten aufdrängt.

Ich bin nicht nur in meiner Arbeitsfähigkeit stark begrenzt, sondern auch in meinen Lebensfähig- und ‑fertigkeiten. Daraus ergeben sich meine Grenzen der Produktivität. „KI“ wird mir diesbezüglich als etwas angeboten, das meine Grenzen erweitern könnte. Hinterfragt wird dabei nie, ob ich das überhaupt möchte. Ob meine Langsamkeit eventuell Vorteile hat oder Prozesse begünstigt, die unter anderen Umständen gar nicht erst entstehen würden.
Da ich langsam bin, entstehen für meine Kund_innen und ihre Mitarbeitenden freie Zeiträume. Manchmal entstehen so Räume zur Prüfung des Gesamtprojektes. Zeit und Raum dafür, die Kommunikation für mich leichter zu gestalten. Detaillierte Fehlersuchen zu begleiten. Entspannte Feierabende. Kürzere Listen für Tages-To-dos. Raum für Orgakram, der sonst zu kurz kommt. Solange meine Grenzen der Geschwindigkeit mit den Grenzen des Produktionsdrucks meiner Auftraggeber_innen zusammenpassen, kann die Zusammenarbeit gut gelingen. – Weil keine Grenzen überschritten werden müssen.
Das, was aktuell alles als „Künstliche Intelligenz“, kurz KI, bezeichnet wird, verschiebt diese Grenzen extrem durch eine scheinbar mühelose, verlustfreie und ständig bereitstehende Produktionsbereitschaft. Der Produktionsdruck erhöht sich bereits allein durch die inzwischen allgemeine Kenntnis von der Technologie, über die es heißt, sie könnte alles immer, schneller und besser. Denn wozu sich an Tageszeiten, menschlichen Grenzen und strukturellen Bedingungen orientieren, wenn etwas immer und überall von jedem gemacht werden kann? So ist ja im Grunde jede Konvention, jede Grenze obsolet – und hat ja eh auch immer hart genervt, wenn man nicht nur ableistisch, sondern auch ehrlich ist.

Auch was meine Grenzen bedingt sowie die grundlegende Motivation hinter meiner Arbeit bleiben vom Angebot, meine Arbeitsweise mit „KI“ zu ergänzen oder zu verändern, gänzlich ignoriert.
Wenn ich offensichtlich ineffiziente Arbeitsabläufe präferiere, dann ist das für viele nicht behinderte Menschen unverständlich oder schnell mit meiner Behinderung erklärt. Da gibt es die Annahme, ich wäre einfach nicht anpassungsfähig. Oder könnts halt einfach nicht. Da müsste irgendwie viel für mich angepasst werden oder extra sein.
Ob ich vielleicht einfach gerne jeden Schritt meiner Produktion selbst machen oder sehen möchte, weil es mir ein Genuss ist, verstehen in meiner Branche oft nur noch die älteren Menschen, die nie digitale oder mechanische Abkürzungen zur Verfügung hatten und ihre Arbeit einfach leidenschaftlich gerne gemacht haben. Ich scanne freudig stundenlang Dokumente. Ich klicke klaglos auch tage- und wochenlang Kästchen an. Es befriedigt mich enorm, aufzuräumen, zu sortieren, zu ordnen, mir Ordnungen auszudenken, zu kontrollieren und durchzusetzen, Effizienzstudien zu machen, Testreihen anzulegen, Abgleiche vorzunehmen, abzuzählen oder drei bis fünf immergleiche Handgriffe zu tun. Das sind alles Dinge, die überschaubar sind. Vorhersehbar. Und heutzutage nun leider auch weitgehend automatisierbar.
Aufgrund dieser Automatisierbarkeit verkommen Arbeiten dieser Art zu „nix“. Waren es mal „geringfügige Arbeiten“ oder „leichte Tätigkeiten“, sind sie inzwischen fast überall komplett im Aufgabenkatalog von Maschinen verschwunden. Für Menschen bleibt nur noch, was die Maschine nicht kann. Das betrifft häufig Sonderfälle, Ausnahmen und spezielle oder komplexe Konstellationen. Das wiederum führt dazu, dass Arbeit im technischen Service etwa extrem anspruchsvoll wird. Hat man vor wenigen Jahren noch primär dazu angeleitet, ein Gerät aus- und wieder einzuschalten, hat man es jetzt überwiegend mit Kund_innen zu tun, die anstrengende Probleme haben. Auch hier also ein Schauplatz, der mich als behinderte Person bei der Arbeitssuche betrifft.

In der Kunst und freien Arbeit in der Text- bzw. Buchbranche hingegen liegt der Wert für mich nicht im Produkt, sondern in der Produktion (mit anderen Menschen). Ich selbst mache auch noch die in den Augen anderer Menschen bekloppteste Kleinteil-Wurschtelarbeit in der Regel deshalb, weil ich mich selbst dabei fühlen kann, wie ich etwas tue, das etwas ist. Ich mag das Gefühl. Selbst dann, wenn mir dabei langweilig wird oder ich merke, dass ich damit jetzt nicht gerade die ganz großen Schrauben der Welt bewege. Solange ich nicht als Verbesserungstool einer Maschine benutzt oder ökonomisch als weniger wertvoll behandelt werde, bin ich zufrieden. Einfach, weil ich mich als ich selbst erleben kann, während ich in Kontakt mit anderen Menschen bin. Etwas, das für mich aufgrund meiner Behinderung einen extrem hohen Stellenwert hat. Ich bin nicht gut im sozialen Einblenden. Ich halte oberflächliches Geplänkel nicht lange durch. Ich verpasse soziale Hinweise, verletze manchmal unabsichtlich, irritiere praktisch immer mit irgendwas – all das rückt sehr in den Hintergrund, wenn ich mit Menschen zusammen an etwas arbeiten kann. Wenn unsere Kommunikationen einen gemeinsamen Bezugspunkt hat.

Diesen kommunikativen Aspekt von Produktion finde ich in allen Auseinandersetzungen mit „KI“ unterbeleuchtet und auch unterschätzt. Denn was bei der Erstellung KI-generierten Inhalten passiert, ist sowohl gewisse Abtrennung vom Selbst bei der Produktion als auch von anderen Menschen bei ihrer Anbahnung.
Benannt wird häufig, dass Menschen verdummen, wenn sie sich Wissen nicht mehr durch Selbst.Erfahrung aneignen, sondern stets kurzfristig leihen und ohne Anspruch auf Aneignung nutzen. Diese sogenannte Verdummung allein verhindert aber nicht, dass Menschen ein erfülltes Leben führen können.
Was aber dazu führt, ist Vereinzelung und die konstante Überschreitung natürlicher Grenzen. Die bei „digital verdummten“ Menschen immer enger werden, obwohl sie immer kompetenter erscheinen. Und zwar, weil sie nicht mehr kooperieren. Und die Lust dazu oder die Einsicht in die Sinnhaftigkeit dessen immer weiter abnimmt. „Ich kann was nicht, ich weiß was nicht – ich frag mal ChatGPT, bevor ich ein Gespräch oder Treffen mit jemandem anstoße, die_r es mir sagen, mir beibringen kann.“ – das ist der Pfad weg von anderen Menschen und zusätzlich auch von sich selbst. Über die Erkenntnis, dass man selbst ungenügend ist oder etwas weder weiß noch kann, hinaus passiert in der Person nur noch die Wahrnehmung des Unwillens, sich mit anderen Menschen dazu auszutauschen, (neu) zu lernen oder etwas dafür zu tun, dass Lernverhalten und soziale Kooperation stattfinden.
Die KI-gestützte Wissens- oder Kunst- oder Textproduktion funktioniert in diesen Fällen kompensierend. Nicht perfekt, aber besser als nichts – und alles, was man früher, in vordigitalen Zeiten, als selbstverständliche Arbeit verrichtet hat. Hauptsache, es ist was da. Das hilft enorm dabei, das Unwohlsein über die eigene Unzulänglichkeit oder Unfähigkeit zu überdecken.

In meiner Welt ist „Hauptsache, es ist was da“ das Stück, das mir zeigt, was ich kann, was ich noch lernen oder üben muss, aber auch, ob meine verfügbaren Ressourcen reichen. Es ist eine erste Markierung an dem, was ein Bezugspunkt werden kann. Es ist niemals genug, um als fertig eingeordnet zu werden. Oder eben: genug.
Ich verstehe, dass Menschen unterschiedliche Ansprüche an ihre Produkte und Werke haben. Nicht jedes Gebrauchsobjekt muss die Qualität eines Meisterstücks haben. Aber wenn der Anspruch so weit runtergeht, dass etwas nur aussehen oder wirken muss, als sei es ein Gebrauchsobjekt, dann ist das ein Problem. Dann verkennen wir den kommunikativen Wert der Dinge, die uns umgeben und Wirkung auf uns haben.
Teddy beschrieb zum Beispiel, dass er auch mal ein Bingo „mit KI“ generiert hat, weil er jemandem eine Freude machen wollte. Er konnte es schön machen, konnte jemandem auch eine Freude machen – aber Zeit und groß Gedanken oder Energie hat er nicht dafür aufgebracht. Das sind zwei einander widersprechende kommunikative Signale. „Ich mache gerne was für dich, du bist ja mein_e Freund_in“ einerseits und „Ich mache das nicht selbst, nicht investiert, nicht mit echter Aufmerksamkeit (Ich räume dem Akt keinen oder nur sehr wenig Platz neben meinen eigenen Interessen ein)“ andererseits.

Kommunikative Signale wirken immer. Vor allem, wenn wir sie einmal bewusst wahrgenommen haben.
Als Mensch im Kreativbetrieb und in der Textproduktion spüre ich aktuell hauptsächlich das Signal der Ablehnung und Abwertung. „Nein, dich frag’ ich nicht – ich frag’ die Maschine, die mir eine Antwort ohne Profession und ausgebildete Perspektive errechnet.“, „Mit dir red’ ich nicht – ich lass’ mir lieber was erzählen, das wie etwas wirkt, das jemand wie du sagen würde.“, „Ach, das, womit du Stunden verbringen würdest, bevor du es (aufgrund deiner Expertise und Fachkenntnis) für fertig hältst – ist mir 10 Minuten wert, weil ich es am Ende eh gar nicht weiter beachte und entsprechend eigentlich gar nicht wertschätze. (Ich will hier eigentlich nur verdecken, dass ich’s für unnötig halte.)“

Die Abwertung der Dinge und unserer Bezug nehmenden Kommunikation schreitet voran. Und damit wird uns KI meiner Ansicht nach töten.
Wer die starre Heuristik dem fluiden Prozess menschlichen Miteinanders vorzieht, wird über kurz oder lang nicht mehr angemessen auf Gefahren und Herausforderungen reagieren können, die über längere Zeit nicht eindeutig sind. Sei es, weil wir einander einfach zu lange vermitteln, dass weder wir einander wirklich wichtig sind, noch die Dinge, die wir einander geben und zeigen – oder sei es, weil es zu lange dauert, bis genug Menschen an den relevanten Stellen verstanden haben, dass Intelligenz wenig mit korrekter Faktenwiedergabe zu tun hat.
Ich spreche hier nicht davon, dass man verhindern muss, dass „der KI“ „zuviel“ Macht gegeben wird oder dass man sie nur als Werkzeug betrachten darf. Ich bin der Ansicht, dass wir besonders LLMs (also ChatGPT und ähnliche Apps und Komponenten) und Mediengeneratoren in ihrer Wirkung als Gegenspieler zu unserer zwischenmenschlichen Kommunikation begreifen müssen. Und entsprechend begrenzt einsetzen.

Da wir allerdings in der Endphase des Turbokapitalismus leben – und das auf einem Planeten, der diese Phase wahrscheinlich nicht auf eine Art überleben kann, die vereinbar ist mit dem menschlichen Leben – wird eine solche Entscheidung extrem erschwert.
Viele Menschen sind sogar überzeugt, man könne „der KI“ heute nicht mehr entkommen. Und bitte allein diese Formulierungen. „Wir kommen da nicht mehr drumrum“, „Wir können uns dem nicht entziehen“ – würden wir so über etwas sprechen, von dem wir das Gefühl haben, es wäre wirklich gut für uns?
Die für mich logische Reaktion auf solche Aussagen ist Alarmierung.
Doch gesamtgesellschaftlich sehe ich diese Reaktion nicht.
Ich sehe Besorgnis über den Ressourcenverbrauch der Datenzentren und ableistische Argumentation gegen die Nutzung. Aber Angst darüber, wie einverstanden die Menschen damit erscheinen, sich mit immer mehr Müll und langfristig unnützlichem Kram, eingebettet in eine nicht zur Kooperation und gegenseitigen Ver.Bindung führenden Kommunikation, zu umgeben – die sehe ich nicht.

Und das kann ich wirklich nicht verstehen. Wie können wir das nur zulassen? Liegt es daran, dass nicht-autistische, nicht behinderte Menschen so wenig Probleme damit haben, sozial passend zu kommunizieren? Ist da die Ansicht: „Och das kriegt man schon schnell genug wieder hin“? Was ist da los? Woher kommt dieses mir schlafwandlerisch anmutende Einverständnis in die gegenseitige Isolation für leere, lose, unnütze Müllproduktion?
Ich habe viele Ideen dazu, nicht alles, werde ich mir im Leben wohl erklären können.
Sicher bin ich mir aber darüber, dass Menschen an KI und ihren Folgen sterben werden, wenn sich das Nutzungs- und Anspruchsverhalten nicht verändert. Einfach, weil das schon jetzt passiert und im Hinblick auf das, was nötig ist, um KI bereitzustellen (Wasser, Strom, Hardware zum Beispiel), eine Frage der Zeit ist.
Es ist nur noch nicht klar, ob es uns irgendwann wirklich alle erwischt.

Überraschung

Überraschung ist eine Grundemotion, die ich erst im Zusammenhang mit der Autismusdiagnose näher erforscht habe. In meiner Traumatherapie ging es nie um Überraschung. Es ging um mein Kontrollbedürfnis, meine Ängste. Mein kompensierendes Vermeidungsverhalten. Überraschung und Schockerleben waren dabei nie Thema. Mir war selbst überhaupt nicht klar, dass ich Todesängste habe, wenn ich überrascht werde. Dass ich Überraschung vermeide, weil sie mir Angst macht. Dass ich Kontrollgefühle vor allem dafür brauche, um mit meiner Angst vor der Todesangst auf eine Art umzugehen, die unauffällig ist. Angepasst. Nicht peinlich. Sondern ruhig, rational, beherrscht, bewortbar. So, dass mich niemand verletzt.

Man kann Überraschung nicht vermeiden. Aber man kann die Wahrscheinlichkeit dafür absehen. Mustererkennung hilft dabei. Aktives Dauerscannen, traumareaktive Hypervigilanz. Katastrophisieren. Permanente Reaktionsbereitschaft. Hold-the-line-Modus, wann immer Quellen für Unvorhersehbares in der Nähe sind. Anderen Menschen mitteilen, dass man Überraschungen – auch die lieb gemeinten – nicht mag, nicht möchte, nicht schätzt.

*

Die Sonne schien. Die Wärme im Auto bildete eine Glocke um mich.
Ich faltete den Brief zusammen und versuchte, meinen Partner anzurufen. Keine Antwort. Bubi legte den Kopf auf die Rückbank und beobachtete das Treiben auf dem Parkplatz. Der Verlust meines Arbeitsplatzes, die Lüge der Vertrauten hinter der Ermutigung, mich um meine Gesundheit zu kümmern, schwemmte über mich hinweg. „Wusst ichs doch“, stand auf jedem Stachel, der sich aus meiner Panzerhaut schob, um alles Panische vom Jetzt abzutrennen.
Nach der Angst, die Härte. Der Haken aus Stahl, der die Unwürdigkeit jeder Form von Zutrauen und Glauben an die Aussagen anderer Menschen, bestätigt.
Als ich nach Hause fahre, kommt die Trauer. Die Trauer um eine Zukunft, um die ich seit Dezember ringe. Auch das also, kaputt. Kein Kind, kein Job, keine Kraft, keine Hoffnung.
Es hätte so anders werden sollen.
Auf dieses Ist bin ich nicht genug vorbereitet.

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Überraschungen gehören zu dem, was ich als Alltagsterror empfinde. Sie sind der trauma-re.aktivierende Bestandteil meines Lebens mit anderen Menschen, mit dem ich am häufigsten konfrontiert werde. Nicht, weil Menschen nie tun, was ich sage oder will, sondern, weil Menschen für mich nicht eindeutig vorhersehbar tun, was sie sagen; sagen, was sie tun, und es meistens ein unausgesprochenes Rätsel ist, warum, wozu und welchem logischen Schluss folgend sie es tun oder sagen.
Und es ihnen egal ist.
Sie mich nicht trösten. Selten beruhigen. Die wenigsten sich die Arbeit machen, sich mir zu erklären. Nur manche nah genug an mich herantreten, um mich zum Teil ihres Er.Lebens zu  machen.

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Mein Partner liest den Brief. Atmet ein und sagt: „Ja, scheiße.“
Ich weine, weil ich begreife, dass ich mich nicht verlesen oder in meiner negativen Annahme geirrt habe.

Sie haben mich angelogen. Alle.
Und weil ich ihnen geglaubt habe, wähnte ich mich in einer Sicherheit, die mir jetzt, ohne jede Vorbereitung, ohne jede Chance auf Widerrede, Beeinflussung oder Zugang zu Verständnis, genommen ist.

Ab jetzt er.lebe ich parallel. Gespalten. Gleichzeitig in unterschiedlichen Dimensionen.

*

Überraschung, Schock, ist ein zentrales Element vieler Traumatisierungen.
Wer überrascht wird, kann sich nicht selbstwirksam erleben. Es gibt kein Kontrollgefühl. Keine Sicherheit über die eigene Existenz.
Überraschung kann nur Spaß bereiten, wenn dieses Sicherheitsgefühl grundlegend da ist. Ich habe dieses Gefühl nie. Selbst dann nicht, wenn ich viel Kontrolle habe.
Jede Überraschung rührt direkt an ein Gefühl von realer Existenzbedrohung.
Und jedem Gefühl der Bedrohung folgt die Dissoziation.

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Ich scanne den Brief und plane die Einberufung aller nötigen Helfer_innen.
Bahne ein Gespräch beim Verlag an.
Speichere die erste Stellensuche auf der Webseite der Arbeitsagentur.

Spüre, wie sie das letzte Jahr resümiert.
Beobachte, wie er versucht abzuschätzen, ob unsere Kraft für psychiatrische Krisenintervention und ihre erwartbar problematischen Folgen reicht.
Höre ihr beim Sprechen ins Mikrofon zu, während die Hände einer anderen vereinzelte Kröten aus Eimern hervorholt.
Registriere Kämpfe um Essen, Schlafen, Lebenswillen und ‑ziele. Notiere ihre Gewinner und Verlierer.

Als ich einen Tag früher als gedacht von meiner Menstruationsblutung überrascht werde, fühlt es sich an, als würde mir ein knöcherner Schalter im Inneren umgelegt werden.
Mein Partner sagt, es nutze nichts, wenn wir beide traurig seien. Ich spüre hinter mir alles zusammenbrechen und im Melt der letzten Tage versinken.

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Die Blätter einer Rose sind als sogenannte „Fiederblätter“ angeordnet. Ein Fiederblatt besteht aus mehreren Einzelblättern und trägt so zu einer stabilen Form der Pflanze, aber auch ihrer Gesamtfläche zur Fotosynthese bei. Fällt eines ab, gibt es genug andere. Zum Überleben des Organismus braucht es nur eins. Im Winter nicht einmal das.

Draußen beginnt der Frühling.
Ich organisiere an einem Sommer für mich.
Gestalte Ideen und Pläne für mögliche Verläufe im Herbst.
Den Winter in mir drin, blende ich dabei aus.
Ich weiß, dass er von alleine endet.

*

Das Mismatch mit meiner Umwelt über Überraschungen verlangsamt meine Verarbeitungsmöglichkeiten. Um den Kontakt zu meinen Mitmenschen nicht zu verlieren, kann ich mich nicht auf die Überraschung konzentrieren, sondern muss mich auf das fokussieren, was sie mir anbieten.
Die überraschende Nachricht von meiner Kündigung bedeutet für sie, dass wir über Kündigung und Arbeit sprechen – nicht über die Überraschung. Den Verrat. Den erschreckenden Verlust des Sicherheitsgefühls. Die unerwartete Unmöglichkeit aller Pläne für die Zukunft, die zum Sicherheitsgefühl über die Gegenwart führten. Wir reden nicht über Angst. Meine Todesängste sind einfach undenkbar für sie. Und übertrieben, als ich sie andeute.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Zukunft aussieht, weil ich nicht weiß, was dort möglich ist und was nicht. Man erwartet von mir ein Grundvertrauen in das Leben, das ich nicht habe. Ich kann nicht „einfach mal sehen“, „einfach mal abwarten, was sich ergibt“. Wenn ich nicht weiß, was ich sehen soll oder muss oder könnte, dann (vorher)sehe ich da nichts. Und wer nichts (vorher)sieht, kann von allem, was dann passiert, nur überrascht werden.

Das ist der absolute Horror.

klebriger Fokus

Und wieder sitze ich meiner Therapeutin gegenüber und esse.
Es ist 12 Uhr, wir wollen arbeiten, mein Treibstofftank ist leer.

Ich habs gewusst, ich hatte einen Timer und ein safe food dabei und hab’s trotzdem nicht gemacht. Mein Fokus hat noch an einer Aufgabe geklebt, die ich unterbrechen musste, um zu ihrer Praxis zu laufen. Der Timer ist an mir vorbeigeflogen. Ich weiß nicht, wie ich zur Praxis gekommen bin. Aber ich weiß, dass ich darauf geachtet habe, dass ich so pünktlich da sein würde, dass ich die Aufgabe noch zu Ende bringen konnte, damit ich vor der Therapie aufhören kann, daran zu denken.
Meine Therapeutin fragt, ob ich im Hyperfokus war. Ich verneine.
Das Wort finde ich ungünstig. Es legt eine Übertriebenheit nahe, eine Obsession, die ich nicht hatte und bewusst auch noch nie erlebt habe.

Ich verstehe meine Aufmerksamkeit als Folge einer Verklebung. Als „klebrigen Fokus“. Ich gehe durch die Welt und habe so etwas wie geistig adhäsionsfreudige Fäden, die sich an Themen, Dingen, Leuten, Stimmungen, Gefühlen, Gedanken, Geräuschen … allem Möglichen anheften, bis es fertig ist. Fertig erfasst, fertig verstanden, fertig verlaufen, abgeschlossen, vergangen. Ich kann nur bedingt steuern, woran sie sich anheften, und überhaupt nicht, wie lange. Und ziemlich sicher bin ich mir, dass meine Fadenklebrigkeit mitunter sehr viel stärker ist, als die vieler meiner Mitmenschen. Manchmal habe ich den Eindruck, sie hätten nur Post-it-Klebezettel-Klebrigkeit, während es bei mir die Art Leim ist, die man bei Fehlern innerhalb eines kleinen Zeitfensters zwar noch korrigieren kann, aber nicht ohne eine erhebliche Macke zu produzieren.
Bin ich stabil und gut drauf, hat dieser Leim etwas mehr Flexibilität – bin ich drauf wie im Moment, kann davon keine Rede sein.

Nach der Stunde denke ich weiter darüber nach.
Essen ist eine andere Aufgabe, als das, was ich noch fertig machen wollte. Und etwas anderes als Therapiearbeit. Sie hat mit weder mit dem einen noch dem anderen zu tun. Solche Wechsel bereiten mir immer Schwierigkeiten. Das sind die „Gleiswechsel“, von denen ich in „Starre unterscheiden“ geschrieben habe. Je komplexer die neue oder auffolgende Arbeit ist, desto schwerer ist so ein Wechsel für mich.
Und Essen ist ultrakomplex für mich. Da sind 28 Jahre Essstörungsmurks, diffus erinnerter Traumashit, Sensorik und Unverträglichkeiten mysteriöser Natur mit einem kaum vorhersehbaren Lauf der Dinge zusammenzubringen. Klar bringe ich für einen solchen Gleiswechsel tendenziell eher nicht die Kraft auf, meine Aufmerksamkeitsfäden von etwas anderem abzureißen – vor allem nicht, wenn die noch gar nicht „fertig sind“ und sich noch gar nicht von allein auf meine Körperwahrnehmung geheftet haben.

Ich denke aber auch an die Leute bei Instagram, die von einem Hyperfokus sprechen, wenn sie sich obsessiv zügellos rücksichtslos intensiv in Dinge einarbeiten. Und die paar Leute, die dazusagen, welchen Preis so ein Zustand hat, wenn man aufgrund einer Neurodivergenz dazu neigt. Und darüber, dass ein sogenannter Hyperfokus sich auch auf destruktive oder unsinnige, unproduktive, überhaupt nicht nützliche Dinge legen kann, die das gesamte Umfeld (über)belasten, habe ich bisher nur eine Person reden hören.

Dann kommen Erinnerungen an meine Eltern auf. Meine Mutter, die mir nicht glaubt, dass ich sie nicht gehört habe, weil mein Gehör in Ordnung ist. Mein Vater, der mich durch die Luft wirft und verprügelt, weil ich nicht gehört habe, dass er mir gesagt hat, was ich noch erledigen soll. Oder, weil ich etwas erst fertig machen wollte, bevor ich tat, was er wollte. Oder, weil es ihm zu lange gedauert hat, bis ich etwas so fertig hatte, dass ich selbst auch das Gefühl hatte, dass es fertig war. Oder, weil ich, während ich tat, was er mir aufgetragen hatte, nicht hörte, dass er oder meine Mutter oder andere Autoritätspersonen mit mir gesprochen haben.
Ich kann nicht wissen, wann ich früher immer dissoziiert habe und wann meine Kapazitäten zur Verarbeitung von Reiz-Input zu fragmentiert waren, weil „meine klebrigen Fäden“ ausschließlich auf einer Sache lagen. Aber ich finde es eine bemerkenswerte Redundanz in meinem Leben, dass auch mein Mann inzwischen aufgegeben hat, mich zu rufen, weil ich ihn einfach nicht höre, wenn ich nicht darauf eingestellt bin, ihn hören zu müssen.
Und, dass zu dieser Redundanz gehört, dass ich in diesen Momenten überhaupt gar nicht hyper bin, sondern einfach ich selbst. Entspannt, selbst.sicher, beschäftigt.

Ich nenne es „hold the line“, wenn ich weiß, dass ich spontan für alles Mögliche mit aufmerksam sein muss. Andere autistische Menschen nennen es „Servicemodus“. „Mom on the spectrum“ hatte zu dem Thema neulich einen Livestream bei YouTube. Dort wurde es als Überlebensstrategie besprochen.
Wenn ich im „hold the line“-Modus bin, dann ist es, als würde ich mit beiden Händen jeweils ein Büschel dieser klebrigen Fäden festhalten, auffächern und auf mögliche Ansprachequellen richten.
Das hat ganz eigene Konsequenzen. Meistens die, dass das, was ich eigentlich machen möchte, gar nicht richtig oder nur unter großer Anstrengung funktioniert. Vernünftig laufen, zielgerichtet und selbst.bewusst sprechen, feinmotorisch tätig sein, rechnen, Entfernungen abschätzen, mich örtlich zurechtfinden, sensorischen Input diskriminieren, andere Menschen sozial „lesen“, Dinge aus dem Kurzzeitgedächtnis abrufen, zum Beispiel. Wie auch – ich halte ja wichtige Kanäle belegt, über die ich den Datendown- und ‑upload meiner Lebensinteraktion erledige.

Polly Samuel hat das unter dem Namen Donna Williams schon 1996 in ihrem Buch „Autism, An Inside-Out Approach“ mit einer Metapher, ähnlich wie meine mit den klebrigen Fäden, beschrieben. Für sie war Autismus eine gemischte Tüte einander bedingender und beeinflussender Verarbeitungsprozesse. Sowohl sensorisch als auch psychisch und emotional. So betrachtet, war meine Lage nicht nur: „Ich hatte da ein Ding, das ich fertig haben wollte, und Essen vor dem Termin war keine Priorität.“
Sondern: Ich war in der Stadt, in der Bücherei, da darf man nicht essen. Dort war es ruhig genug, dass ich mit meinen Noise-Cancelling-Kopfhörern ohne Anstrengung meine Aufgabe machen konnte und auch den „Gleiswechsel“ in die nächste Aufgabe, nämlich den Weg zur Praxis, anstoßen konnte. Aber die Aufgabe war noch nicht fertig (meine klebrigen Fäden hatten sich noch nicht vollständig gelöst). Ein Büschel klebte noch daran, während ich mit dem Rest losmusste. Entsprechend fragmentiert war meine Wahrnehmung des Weges, entsprechend stressend waren Lärm, Leute, Umgebungsfaktoren wie Wind, Licht, Temperatur, Gerüche und Zeitdruck. Was wiederum mein Konzept über meinen Tagesablauf berührt hat. Ich wusste ja, warum ich die Aufgabe fertig haben wollte. Sie jetzt nicht passend fertig zu haben, bedeutete, dass ich mir nicht sicher darüber sein konnte, was nach der Therapiestunde passieren würde. Das bedeutete für mich noch mehr Stress und auch Angst, die reguliert werden muss. Dadurch stieg das Risiko, noch früher noch müder vom Tag zu werden als eingeplant und entsprechend noch viel mehr Stress zu erleben, weil die Verarbeitung des Inputs immer anstrengender und fragmentierter wird. Also noch mehr, wofür ich eigentlich „alle meine Fäden“ zur Kompensation brauchen würde.
Ich war in einem Verarbeitungsdelay und wusste, dass meine Möglichkeiten, das aufzuholen, an dem Tag sehr begrenzt waren. Und in all dem Stress und der aufbrandenden Angst zu essen, hätte meinen Delay, meinen „geistigen Stau“, nur eskaliert. Obwohl es Teil meines Tagesplans war, obwohl ich weiß, dass es wichtig ist, obwohl ich weiß, dass Therapiearbeit ohne Energie eher belastend als hilfreich ist.

Gleichzeitig, war es keine bewusste Entscheidung von mir, das Essen auszulassen. Vielmehr wurde die Handlungskette fragmentiert und der Punkt „Essen“ wurde zu einer Information mit unvollständigem Bezug. Genauso wie der Timer, der mich zum Essen prompten sollte. Ich konnte damit nichts anfangen. Ich habe ihn wahrgenommen, habe gewusst, dass es wichtig ist – aber wofür, wieso und wann und wie ich das umsetzen muss/kann/soll/darf, war für mich nicht mehr beisammen. Die Sache, die ich noch fertig machen wollte, und der nächste Termin hingegen waren mir noch klar. Also habe ich sie weiterverfolgt.
An der Stelle finde ich außerdem noch wichtig zu erwähnen, dass ich innerlich keinen Konflikt hatte. Keine traumapanischen Inneren, keine strengen Antreiber*innen, keine überhungrigen Kinder. Ich habe mich nicht gegen den Hunger gezwungen oder war eingenommen von Katastrophenszenarien, die passieren könnten, würde ich das nicht fertig machen. Ich habe nur gedacht: „Boah nee, ich will nicht an diese Aufgabe denken, wenn ich in der Therapiestunde sitze, und ich habe heute einen ganzen Tag im ‚hold the line‘-Modus, ich kann nicht noch mehr davon abgeben (ohne Anlass zu tatsächlich begründeten Ängsten vor Katastrophen aller Art zu geben).“

Den inneren Konflikt hatte ich erst, als ich im Therapiesetting und bei mir selbst ankam. Die Aufgabe fertig war, der Termin lief und der Tag für mich geistig wieder in überschaubare Ordnung zusammenrückte. Da kam das Hungergefühl wie eine Abrissbirne, während ich eigentlich etwas anderes zu tun hatte.
Und jemand anderes auch. Meine Therapeutin nämlich. – Sowas stresst und ängstigt mich unheimlich tief. Da kommen die Kinderängste raus, die brettharten Bestimmer*innen, der Druck, der Zwang, die Not, die Wirrheit, weil sich keine mögliche Lösung aus mir selbst heraus wirklich sicher anfühlt. Dann wird gekreiselt, gehasst, gekämpft, gequält, gelitten und ich fühle mich dem immer noch schneller ausgeliefert als lösungserfahren kompetent. Obwohl ich schon öfter (immer in Krisenzeiten) wenige Minuten nach Beginn der Stunde essen, trinken, zur Toilette gehen, unbequeme Sachen umziehen oder herausfordernde Momente auf dem Weg zur Praxis besprechen musste. Meine Therapeutin hat mir immer vermittelt, dass das in Ordnung ist, weil auch das dazu beiträgt, dass die Arbeit hilfreich ist.
Doch auch in diesen Momenten greift die Adhäsionsfreudigkeit meiner Geistesfäden. Die liegen im Therapietermin überwiegend auf dem Thema der Stunde, nicht beim Ankommen im Kontakt zu meiner Therapeutin, die erst einmal meinen aktuellen Zustand abfragt. Also muss ich wieder Fäden abreißen … die nächste Wolke fragmentierter Informationen verarbeiten … hinnehmen, dass auch das Thema der Stunde in Teilen oder komplett fragmentiert, bei mir ankommt … hoffen, dass ich in der Folge genug Ruhe habe, zu prozessieren … und gleichzeitig wissen, dass ich diese Ruhe immer nur dann habe, wenn ich ganz mit mir allein bin. Ohne „meine Fäden“ zu kontrollieren.

Wenn meine Therapeutin mir eine gute Erfahrung ermöglicht, passiert das meistens schon in einem Moment, in dem ich fragmentiert wahrnehme und innerlich kampfkreisle. Dann kann es sein, dass ich höre und kapiere: „Okay, ich kann hier essen“, aber alles andere, was zu einer Sicherheitserfahrung gehört, ist unter Umständen noch gar nicht bei mir angekommen, sondern sickert in Momenten wie diesem hier, wenn ich davon schreibe (allein und abgeschirmt in meinem Büro), nach. In der Situation bin ich nicht dazu fähig, einzuschätzen, in was für einer Lage ich gerade bin. Welche Emotionen in mir wirken. Ob ich gerne da bin oder nicht. Ob mir schmeckt, was ich esse. Obwohl ich räumlich und zeitlich absolut orientiert bin. Was mir dann klar ist, mache ich bis es fertig ist. Und dann geht es weiter mit dem einen nächsten Ding.

„Ach Frau Rosenblatt, wo fangen wir denn da an?“, hat meine Therapeutin in der Stunde an einer Stelle geseufzt, an der ich sie ein wenig in diese Dynamik habe blicken lassen. Stellt sich raus, dass ich tatsächlich mit komplexen Abläufen arbeite, erheblichen mental load in meinen sozialen Kontakten jongliere und die Folgen meiner Traumatisierungen das alles sehr stark stören und immer behindern.
Egal, wo man da anfängt, ist es komplex und schwer.
Aber um ehrlich zu sein, bin ich im Moment auch froh, dass meine aktuelle Krise meine Kompensation so sichtbar macht. Es ist heute viel leichter für mich, mit meiner Therapeutin darüber zu sprechen. Es ist mir trotzdem noch peinlich, vor ihr zu essen oder zuzugeben, an was für basalen Stellen ich gerade nicht gut zurechtkomme. Aber es ist leichter für mich, meine geistigen Fäden von diesen Gefühlen und Ängsten abzutrennen, bevor sich alle gleichzeitig drauflegen und gar nichts mehr bei mir ankommen kann.

die Nachwirkungen

„Mir ist Professor Doktor im Traum erschienen“, sagt mein Mann und reibt sich mit der Hand durchs müde Gesicht. „Gut oder schlimm?“ – „Schlimm“.
Wir sitzen auf dem Sofa und merken, dass die ganze Sache doch sehr heftig nachwirkt. Dass wir ein gewaltvolles Gespräch hatten. Dass ein Stachel stecken geblieben ist und sich nicht durch das konstruktive Ende löst.

Mein Mann hat eine Vergangenheit als Krankenpfleger. Seine Einsichten in Krankenhausabläufe und die Dinge, die Behandler_innen tun, wenn (Wider)Wille, Macht und Befähigung zusammenkommen, sind erschütternd.
Und bringen mich dazu, über meine Einsichten neu nachzudenken.

Meine Erfahrungen mit Machtmissbrauch im Behandlungskontext erstrecken sich von der Pflegeperson, die einen Behandlungsplan ausfüllte und behauptete, ich hätte das getan, bis zu Behandler_innen, die mir sagten, sie würden mich auch einfach in die Familie entlassen können, wenn ich nicht mitmache (und artig bin). Die Ärztin, die den Klinik-GAU 2016 ausgelöst hatte, war in der Reihe eigentlich noch harmlos. Da hat man mich einfach in totaler Not allein gelassen und mir vermittelt, ich hätte sowohl die Not als auch die Entlassung selbst zu verantworten. Das ist im Grunde Alltagsgewalt für chronisch kranke Menschen. Ein Klassiker. Der Klassiker für Menschen mit seltener Erkrankung oder zusätzlicher Behinderung.

Mein Mann kennt andere Geschichten. Schlimmere. Geschichten, aus denen übergriffiger Paternalismus spricht. Behandlungsverweigerung. Verschleierung von Tatsachen.
Geschichten, die sich in unserem Fall, in der Klinik, in dem Szenario, in dem wir da sind, mit einer Leichtigkeit umsetzen ließen, sodass weder wir noch irgendjemand anders im Raum irgendetwas davon mitbekommen würden.

Es dauert nicht lange, da sind wir beim Thema „Vertrauen“.
Haben wir bisher hauptsächlich Vertrauen in die Profession aufbringen müssen, so müssen wir jetzt jemandem vertrauen, die_r unseren Wunsch persönlich möglicherweise doch für unangemessen hält und zusätzlich auch noch die Möglichkeiten (die Macht) hat, die Erfüllung dessen zu sabotieren.
Wir haben keine Kontrollmöglichkeiten. Wir haben überhaupt nichts, womit wir uns im Verlauf der gesamten Zeit zu 100 % darüber versichern können, dass unsere Behandler_in wirklich für uns und unser Anliegen ist. Wir sind gezwungen, ihren Aussagen zu glauben und unseren Eindruck immer wieder damit abzugleichen. Und Eindrücke können täuschen.

Und Täuschung – denken, alles ist gut, und dann stellt sich raus, dass plötzlich ganz global und bis ins Existenzielle rein überhaupt gar nichts gut ist – da sind mein Mann und ich sehr empfindlich. Da haben wir beide wunde Punkte und schmerzende Stellen. Wir nehmen sehr weite Umgänge in Kauf, um da nicht berührt zu werden.

Daneben bringt die Situation Verarbeitungsimpulse für mich selbst und mein ganzes Helfer_innen-Thema mit. Denn jetzt beobachte ich meinen Mann in der Belastung, mit der ich vom 15. bis ins 30. Lebensjahr weitgehend allein war.
Ich sehe jetzt, wie brutal es ist, anzunehmen, irgendwas davon wäre von ihm selbst ausgelöst gewesen. Oder, dass er nur irgendwie lieber, passender, angenehmer hätte sein müssen. Er war in dem Gespräch richtig gut. Da war überhaupt nichts falsch oder zu viel. Und hätte es einen unsichtbaren doppelten Boden auf sozialer Ebene gegeben, dann hätte er ihn gesehen und beachtet. Er ist da nicht so tüfflig wie ich.

Und ich sehe eine Angewiesenheit, die ich in Bezug auf meine Situationen immer für überzogen hielt, weil ich sie in Teilen als traumareaktiv verstärkt eingeordnet – also abgewertet – habe.
Klar, unsere Behandlung heute ist etwas anderes, als meine Traumatherapie früher. Andererseits war es zwischen 2002 und 2016 auch so, dass ich mit der DIS-Diagnose nicht ohne Weiteres in jede x-beliebige Klinik oder zu Behandler_innen jedweder Profession gehen konnte. Jedenfalls nicht ohne erhebliches Risiko der Falschbehandlung mit allen Konsequenzen.
Für mich ist es bis heute so, dass ich angewiesen sein mit kindlich sein gleichstelle. Und meine Kindlichkeit abwehren und unterdrücken muss, weil sie für mich Traumanähe bedeutet. Und zwar nicht geordnet mit nachvollziehbaren Tathergängen oder Szenen, die beschreibbar sind, sondern unkontrollierbar und fragmentiert mit Flashbacks, Zustandswechseln, Ängsten und allem, was Körper in diesem Zusammenhang machen.

Die reale, faktische Angewiesenheit von Patient_innen generell habe ich bisher nur abstrakt betastet. Als ich zum Beispiel recherchierte, ob ich die Klinik anzeigen oder verklagen könnte. Oder als ich recherchiert habe, wie meine so frühe DIS-Diagnose und die Behandlung in der KJP damals rechtlich abgedeckt war. Ob meine Eltern hätten klagen können.
Und natürlich jedes Mal, wenn ich versuchte, die Situationen zu analysieren.
Ich weiß, dass meine Texte darüber oft so gelesen werden, als hätte ich durch die klare Zuordnung der Macht auch eine klare Zuordnung von Opferschaft und in der Folge eine eindeutige Selbstpositionierung. Für mich ist das nicht so.
Ich arbeite nicht mit dem Schema „Macht = Täter_in = Böse/Schuldig = Schlecht = jedes Recht auf Annahme, Fürsorge … Menschlichkeit verloren“ und entsprechend auch nicht mit dem Schema „Ohnmacht = Opfer = Lieb/Unschuldig = Gut = ausschließlich Recht auf Annahme, Fürsorge … jedes Recht auf Menschlichkeit“
Für mich ist Gewalt keine dichotome Sache. Also etwas, bei dem es ausschließlich 2 Seiten, Aspekte, Urteile oder Bewertungen geben kann.

Das heißt nicht, dass ich mich nie als Opfer von irgendwas wahrgenommen hätte. Das heißt vor allem, dass ich mich nie ausschließlich als Opfer wahrgenommen habe. Obwohl ich es in manchen Situationen möglicherweise doch ziemlich eindeutig war.
Und mir heute bewusst zu machen, dass ich meine Selbstpositionierung in Bezug auf den Klinik-GAU zum Beispiel oder frühere Behandlungskontexte an der falschen Stelle vorgenommen habe – nämlich in diesen furchtbaren Gesprächen und nicht schon an dem Punkt, an dem ich aufgrund meiner Angewiesenheit überhaupt in diese Gespräche geraten bin –, das ist gerade sehr erhellend für mich.

Ich konnte und kann auch heute – genau wie mein Mann und andere Menschen – überhaupt nichts anderes machen, als in Kontakt zu gehen. Selbst wenn ich die Phrase „Wenn was ist, melden Sie sich“ nicht als Kontakt-/Beziehungsangebot eingeordnet hätte. Selbst wenn ich nie geglaubt hätte, dass sich, wenn ich dann komme, Wege und Möglichkeiten finden würden. In dieser Konstellation war auf die Behandler_innen zuzugehen und zu sagen, was ist, das Einzige, was ich aktiv einbringen konnte.
Und das ist keine gewaltvolle Handlung. Vielleicht ist es eine Reizung. Eine Herausforderung. Eine Überraschung. Eine Unbequemlichkeit. Etwas, das unerwartet (Arbeits‑)Kraft erfordert. Ja, vielleicht ist es auch eine Art „zu nahe treten“ gewesen. Oder eine Überforderung. Aber zu keinem Zeitpunkt war es etwas, das meine Angewiesenheit „genullt“ hat. Nur weil ich etwas sagen konnte, war ich nicht ermächtigt.
Kein stummes oder passives Opfer gewesen zu sein, bedeutet nicht, Tatverantwortung übernehmen zu müssen.

Dass die Ärztin (und ihre Chefin sowie alle ihre Kolleg_innen) hingenommen haben, dass mir der GAU überhaupt passierte und ich mich im Nachgang als tatverantwortlich empfunden habe, ist schon eine sehr spezielle Verweigerung der Anerkennung des Machtverhältnisses. Und eine Abwehr jeglicher Mitverantwortung für meinen Zustand zu dem Zeitpunkt.
Wäre meine ambulante Therapeutin nicht eingesprungen, hätte ich mich noch am gleichen Tag suizidiert und die ganze Sache wäre zu einer Schuldfrage geworden. Was ja noch weiter vom eigentlichen Problem weggeführt hätte.

Am Ende muss man anerkennen, dass eine Behandler_in-Patient_in-Beziehung eine Beziehung ist, die bestimmte Beziehungsfähig- und ‑fertigkeiten erfordert.
Komplextrauma passiert in Beziehung und beeinflusst diese Fähig- und -fertigkeiten.
Mein Autismus beeinflusst massiv, wie ich in Beziehung trete und wie ich sie gestalte.
Meine Angewiesenheit und die Ermächtigung meiner Behandler_innen führen zu einer Beziehung, die effektiv nur von einer Seite gestaltet werden kann. Und das ist nicht meine Seite.

Für mich ist es krass, so über den Klinik-GAU bzw. die Ärztin und ihre Team-Eminenz zu denken. „Sie_r war (in dem Moment) einfach nicht fähig, verantwortlich mit der Situation bzw. dem, was sie von mir gehört/verstanden hat, umzugehen. Sie hat inkompetent gehandelt.“
Dabei hatte ich exakt den gleichen Gedanken in Bezug auf Professor Doktor im Zusammenhang mit meinem Mann. Und hatte 0,0 Skrupel oder Zweifel oder Angst dabei, sondern eher Ärger. Enttäuschung. Denn aufgrund ihrer Kompetenzen hatten wir sie ja als Behandler_in ausgesucht.

Jetzt lassen wir es weiter wirken.
Überlegen, ob wir wirklich da bleiben.
Ich muss mich mit einem Inneren befassen, das sagt: „Nee Fräulein, du bleibst da jetzt – du hast dir das selbst eingebrockt, du frisst das jetzt.“ und einem anderen, das sagt: „Ja ja traumabedingte Vermeidung – du willst dich ja gar nicht stellen. So kommst du nie vorwärts.“
Und ich muss mich damit befassen, dass uns das auch in einer anderen Praxis passieren kann. Dass wir letztlich gar nichts machen können, um das zu verhindern – außer wir meiden Kontakt. Machen uns stumm. Sind passiv, wenn uns etwas belastet oder verletzt, was in der Behandlung passiert. Dann wird uns solch ein Gespräch nicht passieren. Aber schützen vor Schmerz, Belastung oder Not kann es uns auch nicht.
Wenn das passiert, sind wir immer Opfer. Es sind immer die Be.Handelnden und ihre (Beziehungs)Kompetenzen, die darüber bestimmen.

Das Vertrauen, das wir aufbringen müssen, ist enorm.

das Gespräch

Um 4 Uhr 40 halte ich das Handy vor meine Augen.
Gut, dass ich früh ins Bett gegangen war.
Ich trinke etwas und teste vorsichtig meine Stimme, während der Wasserkocher läuft. Heute ist der Termin in der Klinik zur Nachbesprechung der Ereignisse, die sich seit einigen Wochen in Flashbacks und Albträumen neu aufdrängen. Mal vermischt mit früheren Erfahrungen, mal pur. Mal so, dass ich an der Tragfähigkeit der Gegenwart zupfen muss, mal so, dass ich in der Vergangenheit gesäte Zweifel an meiner Existenzberechtigung ernte. Auch diese Nacht endet verfrüht mit verzweifeltem Weinen und Hechtsprung in die Skillskiste.
In den letzten Tagen arbeitete sich ein fiebriger Infekt von meinem Kopf in meine Bronchien, meine Stimme war an einem Tag fast ganz weg. Und nun würde ich für mich sprechen können. Wollen. Müssen. Dürfen. Ich will klar sein. Und stabil. Mich wenigstens kurz so fühlen.

Mein Mann und ich haben das Gespräch oft vorbesprochen. An diesem Morgen sitzen wir ein letztes Mal zusammen und notieren uns beide die Liste der Punkte. Später wird er sagen, dass er in dem Moment seinen Vater gechannelt hat. Auch der kam immer mit einer Liste zum Arzt. Für meinen Mann ist es ungewöhnlich, sich für solche Termine derart zu wappnen. Obwohl er mit seiner Krankheit durchaus auch mit einem Stapel Papier und Datenträgern in Arztkontakt kommt.
Im gleichen Später wird er sagen, dass dieses Gespräch der tiefste Einblick in meine kommunikativen Schwierigkeiten und alle Probleme, die damit einhergehen – „Ey, das hat so viele Ebenen!!!“ – war, den er bisher hatte.
Und ich werde deshalb ein enormes Triumph-Glücks-Dankbarkeits-Gesehenheits-Gefühl in meiner infektiös schmerzenden Brust haben.

Doch zuerst fahren wir in die Klinik.
Merken, dass meine Stimme noch geschont werden muss. Wir uns also nicht ablenken, in seichte Stimmung bringen können. Ich bin unruhig, weil ich mich so okay damit finde, dass ich eine Liste habe. Und einem Angebot, einem Auftrag, glaube, dem ich nie wieder glauben wollte – „Wenn was ist, sprechen Sie uns an“.
„Es ist ein Lernfeld“, so ordne ich das ein, um mich zu beruhigen. „Diese Situation passiert zwar an meinem Körper, ich bin die_r Patient_in, aber mein Mann hängt da auch mit drin. Es ist nicht wie in der Psychiatrie, nicht wie bei allen anderen Behandler_innen. Nicht nur ich habe dieses Angebot, diesen Meldeauftrag bei „Wenn was ist“ erhalten, sondern auch auch mein Mann. Und auch der hat gesagt: sammeln, aufschreiben, auf Zuständigkeit und reale Umsetzbarkeit prüfen, auf den Punkt bringen und damit ins Gespräch gehen. Wir machen nichts Falsches, nichts Dummes, nichts Anmaßendes. Es hat überhaupt nichts mit unserer Persönlichkeit oder Krankheit zu tun, dass wir das so machen, und das, was wir vorbringen, berührt in keiner Weise das Individuum, mit dem wir sprechen, und auch nicht dessen Würde. Die Belastungsstörung, die ich gerade habe, ist nicht Folge meines Versagens oder Absicht von jemandem, sondern Folge der Ereignisse im Zusammenhang mit meinen individuellen Verarbeitungskapazitäten in dem Moment.
Verarbeitung bedeutet Arbeit. Es bedeutet: hingehen statt weggehen, machen statt halten, Integration statt Dissoziation
Wir gehen in den Termin, gehen in Kontakt und schauen dann weiter. Nicht jetzt. Jetzt schaue ich nur in meine Idee von der Zukunft, aufgrund der Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. Wenn das Gespräch war, dann habe ich eine Erfahrung mehr und was gerade Zukunft ist, ist dann Jetzt.“

Und dann ist es, wie es ist.
Wir sind pünktlich, die_r Behandler_in nicht. Wir haben keinen Zeitdruck, registrieren aber doch die Respektlosigkeit unseren Ressourcen gegenüber. Nach 20 Minuten kommt eine Behandlerin. Nicht die, bei der mein Mann um den Termin gebeten hatte. Die wird dann geholt. Spontan kommt sie aus dem Termin eines_r Patient_in raus. Sie hat etwa eine halbe Stunde und fordert uns auf, unsere Punkte anzubringen.
Kurz darauf liegt „das Schiff mit einer Seite fast waagerecht auf den Wellen“. Es passiert, was mir immer passiert. Aus Verwirrung wird Anklage, aus Erklärung Begründung, aus Idee, Vorschlag, Anfrage wird Forderung. Ich merke sofort, dass wir in dem sind, was Schulz von Thun „das Teufelskreis-Modell“ nennt. Ich merke, wie ich mich in die_n Patient_in verwandle, die Schülerin, die Kundin, die Mitarbeiterin, die Tochter.

Und das, was ich „das Opfer“ nennen würde. Würde ich mich damit nicht selbst zum Opfer erklären.
Während ich das auch in diesem Moment nicht tue, sondern wie gewohnt abwehre, um mein Ich zu erhalten und funktionell im Kontakt bleiben zu können, habe ich einige Stunden später ein neues Gefühl.
Denn da sagt mein Mann, der seit Verlassen des Klinikgeländes die gleichen Brandreden ausspricht, wie ich sie sonst nach so einer Erfahrung im Kopf habe: „Ey, und wenn jedes Gespräch dieser Art so abläuft, wenn einem das das ganze Leben in allen möglichen Situationen immer wieder passiert – da kriegt man ja jedes Mal brutal die Hucke voll. Oh G’tt.“
„Ja“, denke ich, „brutal die Hucke vollkriegen, trotz aller Vorbereitung, allem Anstrengen, allem Bemühen, allem Liebsein, allem Nettssein, aller Achtung von Form und Anstand. – Wenn jemandem so etwas passiert, dann sind diese Dinge auch nie relevant gewesen. Dann war die Performance scheißegal. Dann ging es nie um Form und Fakten, sondern um Gefühle und Erwartungen, Intentionen und Ansprüche. Also etwas, das sich hinter einer im Behandlungskontext (im Kontext einer Autorität) ganz besonderen Grenze befindet.
Das ist eine Grenze, hinter der man als Patient_in aus sehr vielen sehr guten und richtigen Gründen überhaupt nicht sein soll. Damit ist der Rahmen, in dem Patient_innen gehört werden müssen – in dem auch ihr Sprechen in eigener Sache grundsätzlich verortet werden muss – total klar und auch, wessen Aufgabe es ist, diesen Rahmen zu verantworten. Und es ist total klar, dass jede Verteidigung persönlicher Grenzen in diesem Zusammenhang von vornherein unter unfairen, weil ungleichen Voraussetzungen passiert. Patient_innen können gar nicht umfassend wissen, wann sie ihre Behandler_innen persönlich berühren. Klar, können sie wissen, dass Behandler_innen zu beleidigen zum Beispiel auch persönlich verletzt oder dass die gleichen allgemeinen Grenzen, die Menschen als allgemeine Gemeinschaft haben, auch auf Behandler_innen anzuwenden sind. Aber da sich Behandler_innen als Privatpersonen nicht so öffnen dürfen, wie Patient_innen, können Patient_innen Grenzberührung oder auch -bedrohung und -verletzung einfach nicht immer verhindern.
Das ist unmöglich.

Mein Mann moderiert und ordnet das Gespräch immer wieder. Missverständnisse werden dadurch offenbar und können geklärt werden. Ungeprüfte Vorannahmen der Behandlerin werden offensichtlich. Wir drei auf diesem Schiff unseres Gesprächs, im Wellengang der Gefühle, schwanken in einem erheblichen Ausmaß. Es gibt einen Moment, in dem sie sagt, sie hielte eine Weiterbehandlung für fraglich.
Mein Mann sagt spät am Abend, als wir zwischen zwei Fernsehsendungen pausieren, dass es ihn erstaunt und anfasst, wie schnell und bereitwillig der Kontaktabbruch aufgebracht wurde. Wie einfach die Lösung erscheint: „Naja, dann machen wirs halt nicht mehr“, um sich abzusichern und zu entlasten. Während das für uns bedeuten würde, dass wir mit unserem Anliegen in seiner Legitimität infrage stehen und mit dem Eindruck zurückbleiben, es sei ein Irrtum, ein Fehler gewesen, uns überhaupt zu behandeln.
Und auch das ist etwas, in dem Patient_innen ungleichgestellt sind. Wenn die Behandlerin in ihre Akte schreibt, dass eine Weiterbehandlung medizinisch nicht indiziert sei, dann ist das eine andere Aussage als „Die haben mich persönlich belastet und ich hab Besseres zu tun – an Patient_innen, die besser raten können, wann sie mich aus welchen Gründen, wie und womit belasten dürfen“. Dann wird ein persönlicher Beziehungsabbruch professionell begründet, die Folgen davon betreffen aber in Person und Sache komplett die Patient_innen. Wer so etwas macht, benutzt die Autorität der Profession als Waffe. Das ist Machtmissbrauch. Die Gewalt der Helfer_innen. Das, was den Klinik-GAU und sehr viele andere Behandlungserfahrungen in meinem Leben zu einem Trauma gemacht haben.

Das ist aber auch der Grund, weshalb ich in dem Gespräch auch das D-Wort gesagt habe. Diskriminierung.
Obwohl ich weiß, dass dieser Begriff, diese Thematik, hochemotional aufgeladen ist. Vor allem bei Menschen in Machtpositionen. Also Menschen, die üblicherweise nicht diskriminiert werden und von bestehenden Diskriminierungen profitieren.
Sachlich, faktisch, inhaltlich jedoch ist es eindeutig diskriminierend, Menschen eine Behandlung zu verweigern, weil sie eine Behinderung haben. Auch und gerade dann, wenn die Behandler_innen sich (aufgrund unhinterfragter oder falscher Vorstellungen über den behinderungsbedingten Grad der Einschränkung) überfordert fühlen, mit diesen Menschen gemeinsam zu schauen, wie die gemeinsame Zusammenarbeit aussehen kann.
An einem Punkt, an dem Menschen, die keinerlei Einblick in mein Leben mit Behinderung und meine Ressourcen zur Kompensation haben – und diesen auch gar nicht bekommen wollen! – Zugang und Rechte verweigern wollen, ist es sachlich, faktisch, inhaltlich absolut richtig und auch wichtig für mich persönlich, diese Verweigerung als Diskriminierung zu benennen.
Ich kann nichts dafür, dass das als Powermove gelesen wird. Als Angriff, als „die Keule schwingen, um die Debatte zu gewinnen“.
Für mich ist das wichtig zur Einordnung der Situation. Werde ich diskriminiert, bemühe ich mich nicht mehr um den Kontakt. Dann sind die Verhältnisse für mich klar. Dann geht es nicht mehr darum, wie wir gut miteinander arbeiten können, weil Diskriminierung einfach auch Autorität bedeutet. Dann bestimmt eine Partei und die andere hat das hinzunehmen.

Vielen Menschen, die keine Behinderung kompensieren oder nur in einer bestimmten (autoritären, machtvollen) Rolle mit behinderten Menschen zu tun haben, fehlt oft das Bewusstsein dafür, dass die Dinge, die sie schützen und stützen, die sie befähigen und ermächtigen, nicht für alle Menschen gleich zugänglich sind und selbst wenn, dann nicht auch zwingend die gleichen Effekte haben. So kommt es nämlich beispielsweise dazu, dass Behandler_innen zwar allen Patient_innen sagen: „Wenn was ist, melden Sie sich“, aber meistens überhaupt keinen Gedanken daran verlieren, was „was“ für wen in welcher Situation und aus welchen Gründen ist.
Selbst für meinen Mann ist dieser Satz, der für mich ein Kontaktangebot ist – etwas, das mir den Eindruck vermittelt, dass ich aufkommende Probleme nicht allein lösen muss – nichts weiter als eine prosoziale Phrase. Etwas, das man einander sagt, um ein Bild von sich bei der anderen Person herzustellen. Ein Bild – nicht die Realität. Für ihn ist beiderseits klar, dass „was“ überhaupt nicht definiert ist, aber im Notfall spontan definiert werden kann, weil die Annahme ist, dass beide Seiten, die gleichen Erfahrungen, Probleme oder Perspektiven auf Dinge haben.
Meine Erfahrungen, Probleme und Perspektiven sind aber aufgrund meines Autismus und der Traumafolgestörung in manchen Dingen ganz extrem anders. Nicht immer ist das ein Problem oder erfordert auch ganz andere Lösungsansätze als allgemein üblich, aber immer bin ich darauf angewiesen, dass andere Menschen ihre Ideen und Erwartungen an meine Fähig- und Fertigkeiten hinterfragen, weil sie nicht von sich auf mich schließen können. Das kann ich umgekehrt ja auch nicht. Wir müssen uns beide in ein Lernfeld begeben und das ist – auch wenn es einen professionellen Rahmen für unseren Kontakt gibt – auch Beziehungsarbeit.

Und Beziehungsarbeit ist krass. Krass anstrengend. Umfassend. Bringt oft mehr was fürs Gefühl als für die Arbeit oder irgendwas messbar Konkretes. Jedenfalls am Anfang.
Klar wird das vermieden, wenn man es ohne Verluste auch einfach kann. Klar denkt man sich: „Boah, wenn ich das für alle Leute leisten muss, dann bin ich schnell am Ende.“ Da gibts offenbar selten den Gedanken: „Hm, wenn ich das jetzt mache, wirds beim nächsten Mal wahrscheinlich leichter.“ Und so bleiben die Vorurteile, die falschen Ideen, die Einschätzung, dass Barrierenkompensation aufwendig und wertlos ist. Und damit kommen dann die Vermeidung, die generalisierte Abwehr, die „professionelle Begründung“ dafür, warum bei Patient XY die Behandlung AB nicht indiziert sei.
Man versichert sich damit in einer Position, in der man ganz rationale und legitim erscheinende Begründungen dafür findet, den Kontakt extrem zu limitieren oder eben einfach abzubrechen. Diskriminierung in dem Zusammenhang überhaupt erkennen und begreifen zu können, wird dadurch sehr sehr schwer.
Auch das ist ein Grund, weshalb ich sie benenne. So auch in dem Gespräch.

Für mich hat das auch etwas mit Erwachsensein zu tun.
In jedem Kontakt, den wir eingehen, haben wir die Verantwortung, ihn zu erhalten, zu schützen und angepasst zu gestalten. Diese Verantwortung will ich nicht einseitig übernehmen müssen. Schon gar nicht im Zusammenhang mit einer Behandlung, die für meinen Mann und mich so wichtig ist.

Als wir im Auto sitzen und mein Mann seine Gedanken sortiert, fühle ich mich richtig richtig gut.
Er hat alles gesehen. Er hat alles bezeugt. Und jetzt fühlt er auch noch alles mit.
Er fühlt sich nicht gut und das ist kacke – aber ich bin so entlastet und glücklich. Zum ersten Mal habe ich nach einem Gespräch dieser Art nicht das Gefühl, kein Recht auf Leben zu haben, sondern als wärs total okay alles zu fühlen und zu denken und meinen und glauben und anzunehmen was einfach gerade da ist. Und das ist so cool.

Wir sind mit gemischten Absprachen aus dem Gespräch gegangen. Formal ist alles gut. Wir werden weiter behandelt, nächstes Mal mit einer Narkose. Sozial gehe ich von zukünftig verkrampfter Fern-Freundlichkeit aus. Denke, dass sie uns das nie sagen werden, doch froh sind, wenn wir da einfach nie wieder hingehen. – Eine Traumawahrheit, die ich natürlich überprüfe. Aber etwa 20 Stunden nach dem Aufwachen an diesem Tag, erstmal glaube und beweine.
Ich habe keinen Grund, von etwas anderem auszugehen.
Andererseits habe ich auch mein Leben lang gedacht, ich würde meinen Schmerz in solchen Gesprächen, meine Not, dieses ganze bekackte Elend mit all seinen Ebenen, diese Ohnmacht, die Hilflosigkeit, die Wut ohne Ventil – alles DAS DA – mein Leben lang immer allein erleben müssen.

Krise

„Wie habe ich früher Situationen wie diese gelöst?“
Für mich gibt es auf diese Frage eine Antwort.
Seit ich Krisen nicht einfach nur überlebe. Durchstehe. Mich halt einfach durchkämpfe. Seit ich „Konzentrier dich doch auf die schönen Dinge“ als Verführung in die Vermeidung erkannt habe. Das ist wichtig dazu zu sagen. Denn wer sich durch die Krise dissoziiert, kann hinterher oft kaum sagen, was da eigentlich genau war und was geholfen hat. Eine durchdissoziierte Krise bietet keinen Raum zur Aus- und Weiterentwicklung von Fähigkeiten der Selbstberuhigung bzw. Stabilisierung. Eher das Gegenteil. Dazu später mehr.

Jetzt gerade ist bei mir Krise.
Schon länger. Viele Ereignisse haben mich getroffen, manche sehr. Von keinem konnte ich mich wirklich erholen. Keins davon war selbstbestimmt oder in Form und Folgen beeinflussbar oder sicher vorherzusehen.
Mein Körper reagiert. Magenschleimhautentzündung, Blasenentzündung, Trigeminusschmerzen, Schlafprobleme, Albträume, Ängste und Depression – meine Gedanken finden sichereren Tritt auf traumawahren Wegen, als im uneindeutigen Dickicht des Hier und Jetzt. Ich esse und trinke auf Verdacht, meine Wahrnehmung dafür ist praktisch kaum noch vorhanden. Es hat keinen Sinn mehr, mich auf Signale von Überreizung zu scannen. Ich muss einfach drauf klarkommen, dass mir von jetzt auf gleich der innere Akku zur Kompensation ausgehen kann und mir aktiv in Erinnerung halten, wie ich mich in solchen Momenten verhalte. Wie ich mich schütze, wenn mir das außerhalb von zu Hause passiert. Was ich machen muss, wenn mir niemand Hilfe oder Unterstützung anbietet.

Seit März 2025 geht es mir öfter schlecht als gut. Da war der Konflikt, der entstand, weil es mir seit Sookies Tod öfter schlecht als gut ging.
Und immer war da etwas, das mich getragen hat. Das Schwimmen. Das Handballspielen. Bubi. Mein Mann. Freund*innen. Die Selbsthilfegruppe. Das Schreiben. Die Arbeit. Die Möglichkeit, mit meiner Therapeutin immer wieder neu zu sortieren und aufzuarbeiten. Die Natur. Das Fotografieren. Die Handarbeit. Die Ziele für mein Leben.

Jetzt bin ich einfach müde. Kann keinen Sport machen, solange ich Medikamente brauche. Kann die mentale Kraft, die es für meine Arbeit braucht, nicht mehr aufbringen, weil ich sie benötige, um den Kontakt zu meinem Mann und meinen Freund*innen zu navigieren. Um meine Routinen der Körper- und Haushaltspflege aufrechtzuerhalten. Mich selbst als Körper in Zeit und Raum einordnen zu können. Mich für die Arbeit in der Therapie zu befähigen. Zu bemerken, wann ich Dinge über die Welt und mich denke, die heute zu unwahrscheinlich sind, um sie als relevant für heutige Entscheidungen einzuordnen.

Früher hätte es mir geholfen, mich abzuschießen, wie ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie abgeschossen wurde. Zwei Tavor, drei Zop abends, Neuroleptika morgens. Tavor drübergestreuselt, wenn nötig. Das ging. Sookie trieb mich trotzdem noch raus und hielt mich im Rhythmus ihrer Bedürfnisse.
Heute habe ich die Erinnerungen an Fixiersituationen. An Gewalterfahrungen, für die ich betäubt worden bin. Ich kann die dumpfe Abgeschossenheit haben, aber irgendwann kommt das Erinnern eben auch dazu. Nicht immer. Nie immer. Aber sicher irgendwann.
Es ist keine echte Option mehr, um innerlich auf „Pause“ zu klicken. Mal kurz sicher daran gehindert zu sein, nicht ständig in unklare Zukünfte oder unvorhersehbare Entwicklungen hineinzuorakeln, um sich möglichst gut darauf einzustellen. Wenigstens nicht geschockt überrumpelt überrascht zu werden.
Es war auch nie wirklich eine Option, um sich zu beruhigen.
Es ist nur ein Abschuss. Ein eindeutiger Kontaktabbruch mit bestimmbarem Anfang.

Am Ende hat mir aber immer Kontakt geholfen.
Vor allem Kontakt, der stabil ist. Vorhersehbar. Klar. Eindeutig in Form und Intention. Geregelt. Strukturiert.
Nicht: liebevoll, fürsorglich, nah, helfend, „mich sehend“, „mich verstehend“.
Sondern: präsent, orientiert daran, was tatsächlich ist und was nicht (oder sehr unwahrscheinlich), (selbst)sicher, verbindlich in Bezug auf Absprachen und das kontinuierlich zu jedem Zeitpunkt.

Gerade jetzt brauche ich Kontakte zu Menschen, die sagen, was sie meinen. Die aussprechen, was sie denken, möchten, wünschen, befürchten, bezweifeln, überlegen, wollen.
Genau jetzt sind witzige Doppeldeutigkeiten, „nicht so gemeinte Sprüche“, Metaphern, die implizite Schlüsse erfordern, oder hilflose Phrasen („Das wird schon“) ein Problem. Sie erfordern zu viel mentale Leistung von mir, um sie als die Bindungsverstärker zu erkennen, die sie für manche Menschen sind. Ich kann nicht mehr so tun, als könnte ich „viben“. Einfach „spüren, dass ich gut aufgehoben bin“, einfach „wissen, dass ich nicht allein bin“. Ich kann es mir nicht mehr leisten, anderen Menschen nicht zu sagen, dass sie mich möglicherweise an Verabredungen erinnern müssen, um die ich selbst gebeten habe. Ich muss darum bitten, dass sie mich an meine eigenen Vorhaben erinnern. Ich kann nicht mehr so tun, als bräuchte ich keinen graphischen Ablaufplan für meine Tagesstruktur. Keine Timer für mentale Gleiswechsel. Als wäre Alltag nicht die harte Arbeit, die Alltag für mich ist.

Diese Angewiesenheit ist ein unfassbar starker Trigger für mich.
Dieses ständige Verschleiern und Verharmlosen meiner Kompensationsleistung gehört schon immer zu meinem Leben. Die Unaufrichtigkeit, die damit einhergeht, ist dermaßen groß, dass wirklich gar kein Mensch, mich selbst, eingeschlossen, auch nur im Ansatz ahnen kann, wie ich bin, leiste ich sie nicht.
Krisensituationen oder krisenhafte Phasen wie jetzt sind entsprechend immer multifaktoriell. Da gibt es die Notwendigkeit der mentalen und psychischen Regeneration, die am besten mit körperlicher Aktivierung und psychotherapeutisch begleiteter Verarbeitung erreichbar ist – beides erfordert jedoch Kompensationsleistung, für die eine erhebliche Menge mentaler Kraft notwendig ist. Man wird ja nicht in die Schwimmhalle gebeamt. Da ist es nicht still. Man muss den Schrankcoin bekommen. Man muss sich umziehen. Das Wasser ist nass. Man spürt es überall am Körper. Damit der Sport psychisch aktiv wirkt, braucht es eine gewisse Anstrengung über mindestens 20 Minuten. Das Wasser rinnt in Tropfen über die Haut, wenn man rausgeht. Da sind andere Menschen. Man muss sich wieder umziehen. Nach Hause fahren … Das Gleiche bei der Therapie. – Diese so wichtigen Ressourcen erfordern von mir Ressourcen und die Leistung, sie zielgerichtet und effizient einzusetzen. Kann ich diese Leistung nicht erbringen, brauche ich Menschen, die mir helfen. Und da sitzt ein Trauma, das mehr Kontinuität hat als jede Misshandlungserfahrung in meinem Leben.
Ich sage Menschen nie, wobei ich wirklich Hilfe brauche. Ich sage, dass ich welche brauche und versuche dann herauszufinden, was sie mir (ohne Gegenleistung) anbieten wollen. Und damit arbeite ich dann. Ich halte mich fern von ihnen als Person, kläre Abhängigkeiten und Konsequenzen und tue im Zweifel auch so, als ob selbst die Dinge, die überhaupt nicht helfen, total helfen würden. Diese „besser als nichts“-Strategie ist total dumm. Und besser als nichts. Und Kontakt.
Die typische Gleichzeitigkeit von Vermeidung und Konfrontation, Funktion und Freeze.

Und so merkwürdig und kontraintuitiv wie das auch klingen mag: Das ist ein Fortschritt.
Weil ich es so mache, dissoziiere ich nicht mehr komplett, sondern spezifisch in Krisenphasen. Ich bin nicht mehr innerlich komplett kaltgestellt, weiß nichts, fühle nichts, will nichts, brauche nichts außer Abschaltung und Fremdbestimmung. Ich weiß, was ich wann wieso und wo fühlen müsste und passe mein Verhalten entsprechend an. Ich weiß, was ich üblicherweise wollen würde, bräuchte und worum ich mich kümmern muss, um sicher und in Kontakt zu sein, und konzentriere mich darauf.
Ich habe gerade keine Ahnung über mein Innenleben. Wer was wie findet, fühlt, einordnet, dies das. Das heißt, dass ich kein psychisches Feedback darüber bekomme, was meine Verhaltensanpassung und meine Konzentration für mich selbst bedeutet oder in mir auslöst. Aber ich weiß, was ich tue. Wofür ich es tue. Wann und wie ich es tue. Ich kann mir ein Protokoll anlegen, mich selbst beobachten und über diese Beobachtungsdaten nachvollziehen, wann wieder psychisches Feedback kommt. Und in welcher Form.
Das bedeutet: Ich bin jetzt, an dem Punkt, an dem man mich vor gut 20 Jahren verortet hat, was meinen Grad der Beeinträchtigung durch meine dissoziative Störung betrifft. Was, soweit ich das aus Klinikberichten von anderen Menschen mit DIS entnehme, bis heute so als Standard vorausgesetzt wird.

Ich muss diese Krise nicht „einfach überleben“. Jetzt kann ich tatsächlich anwenden, was in Selbsthilfebüchern steht. Und aus meinen Erfahrungen lernen.

*

Es hilft mir gerade, das alles aufzuschreiben.
Ich fürchte im Moment oft, dass meine ganze Anstrengung für alles, was mir in den letzten 14 Jahren wichtig war, umsonst gewesen ist. Dass ich mir was vorgemacht habe. Dass ich nichts davon schaffe. Dass meine Entscheidung für das Leben lächerlich, anmaßend und letztlich nur Ausdruck dessen war, was an mir das Abstoßendste ist.
Ich denke gerade oft so, als hätte sich in den letzten Jahren an mir selbst und meinen Möglichkeiten überhaupt nichts verändert. Als hätte ich meine Therapeutin für nichts und wieder nichts angestrengt, Strukturen beansprucht, ohne ihnen etwas zurückzugeben, mich in diese Welt gebohrt, obwohl ich doch ganz sicher weiß, dass sie mich nicht haben will.

In Wahrheit ist die Welt, das Universum, der Lauf der Dinge voll von Dingen, die ungewollt sind. Sie gehören dazu. Genauso wie die Leute, die nicht aus allem, was ihnen gegeben wird, etwas machen, das direkt wieder zurückfließen kann. Meine Therapeutin hätte sich auch für andere Menschen so angestrengt wie für mich. Ich habe Fortschritte gemacht. Ich habe die gleichen Wünsche ans Leben wie die meisten anderen Menschen auch. Manchmal ist es Glück, manchmal ist es Zufall, nur selten ist es ein komplett eigener Verdienst, dass sie sich erfüllen.
Ich muss nicht einfach irgendwie durch und weiter und nochmal und weiter und nicht nachlassen.

Ich kann hier sitzen, mit Bubis ruhigem Schlafatmen im Rücken, in der unaufgeregten Ländlichkeit um unser Haus herum und wissen, dass ichs aufgeschrieben hab. Dass da jetzt Worte sind statt wirre Impulse, die sich dann und wann zu Gedanken formen. Kann mich kurz darauf konzentrieren, dass mich das beruhigt. Ich muss diese Arbeit nicht nochmal machen. Sie steht hier. Ich kann den Link teilen und damit etwas von mir selbst. Ich kann damit Kontakt herstellen.

Fundstücke #93

Der Großteil meiner Traumatherapie bestand und besteht bis heute darin, meine eigenen Grenzen empfinden, einordnen, anerkennen und bewahren zu lernen. Immer wieder und auf allen Achsen ist das relevant. Manchmal, weil ich mit bestimmten Grenzen nicht aufgewachsen bin. Manchmal, weil mir Grenzen nicht erklärt oder aufgezeigt wurden (und werden). Manchmal, weil mir bestimmte Hinweise (etwa von meinem Körper) nicht oder nur unter bestimmten Umständen eindeutig interpretierbar gesendet werden.
Die eigenen Grenzen zu er.kennen und wahren zu können, ist eine unglaublich schwierige und vielschichtige Arbeit, wenn man sie bewusst vornehmen muss. Und meistens ist es eine eher nicht so tolle Erfahrung, mit eigenen Grenzen konfrontiert zu werden. Jedenfalls nicht für mich.

Es gibt Traumawahrheiten, die mich bis heute einigermaßen leistungsstark durchs Leben bringen. Im Text über den „Ich bin erwachsen-Kniff“ habe ich eine davon bereits beschrieben.
Was mich nun beschäftigt, ist die Frage, was man dem entgegensetzt. Und wozu. Und zu welchem Preis.
In der Aufarbeitung meines letzten Burnouts wurde mir beispielsweise klar, dass ich mich in vielen Lebensbereichen in Leistung quäle, weil es sich für mich sicherer anfühlt, schmerzerfüllt und ich-los zu leisten. Und zwar, weil ich generell eher selten Erfahrungen mache, in denen Schmerzfreiheit und Ich-Gefühl gleichzeitig bestehen. Es macht mir Angst, keinen Schmerz oder dissoziative Selbstempfindung zu haben. Weil das sehr eindeutige Grenzerleben von „gleich/jetzt geht hier gar nichts mehr“ so viel vertrauter und eindeutiger ist.
Hinzu kommt, dass es in Bezug auf meine Leistungsfähigkeit kaum einen Unterschied zwischen Traumawahrheit und Er.Lebenserfahrung gibt. Wenn ich nicht mehr kann, kann ich wirklich nicht mehr und bin wirklich existenziell gefährdet.

Was überhaupt nicht hilft, dieses Thema zu verändern, ist anzunehmen, ich hätte eine Intuition, ein Wissen ohne Denken, das mich schützen könnte, würde ich nur darauf hören.
Ja, ich gehöre zu den intellektualisierenden Menschen. Das kann ein intuitives Wahrnehmen von Gefühlen und „rohen Impulsen“ erschweren oder auch verhindern. Und gerade in Bezug auf Komplextrauma ist Intellektualisierung häufig ein Mittel, funktionellen Freeze aufrechtzuerhalten, um zu überleben. In diesem Zusammenhang wird Intellektualisierung als reiner Abwehr-(zum Schutz)‑Mechanismus verstanden. Als Option, sich vor großen Unkontrollierbarkeiten zu schützen oder sich die Illusion von Kontrollierbarkeit über Unkontrollierbares zu bereiten. In Bezug auf das Er.Leben chronisch traumatisierender Lebensumstände, halte ich diese Annahme für richtig.

In Bezug auf alltägliches Erleben hingegen nicht.
In meinem Alltag hat meine Intellektualisierung eher die Funktion, mir zwischenmenschlichen Kontakt und allgemeine Orientierung zu ermöglichen. Da sind meine Gefühle nicht unterdrückt oder abgewehrt, sondern primär reine, rohe, ungefilterte Körperempfindungen und -funktionen, die ich erst durch die intellektuelle Erfassung und Einordnung als solche identifizieren kann.

Ich weiß nicht, wie viel da dran ist, aber meine Annahme aktuell ist, dass dieses Moment etwas ist, bei dem andere Menschen auch einfach wieder schneller sind als ich und deshalb gar nicht bewusst merken, dass auch sie Gefühle nicht einfach mal eben so „einfach spüren“ und „einfach so wissen“. Ich stelle mir das so vor wie einen Arbeitsprozess, der durch Üben immer schneller wird und immer weniger gezieltes Nachdenken über einzelne Schritte erfordert und irgendwann mehr Körpererinnerung als bewusst angesteuertes Geschehen ist.
Und da gibt es einen Anknüpfungspunkt.
Viele autistische Menschen haben Schwierigkeiten damit, Abläufe zu lernen und erlernte Abläufe sicher im Gedächtnis zu behalten. In der wissenschaftlichen Literatur wird das mit „Defiziten im prozeduralen Gedächtnis“ beschrieben und teilweise erwähnt, um zu erklären, warum autistische Menschen den Erwartungen nicht-autistischer Menschen manchmal gar nicht entsprechen [1]. Etwa, wenn sie akademisch/schulisch schlecht performen, aber in ihrem Spezialgebiet jedes noch so kleine Detail beschreiben können. Oder, wenn sie sich nicht die Schuhe binden, aber jeden Dialog eines Films aufsagen können. Das Ding dabei ist, dass diese Aufgaben jeweils wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Um sich die Schuhe binden zu können, müssen Auge und Hand koordiniert werden, während gleichzeitig der Handlungsablauf Schritt für Schritt abgerufen, abgeglichen und ausgeführt werden muss. Und das ja in der Regel eingebettet in einen größeren Handlungsablauf (etwa das Haus verlassen). Um einen Dialog (oder reine Informationen) zu speichern, reicht es, einen Kanal zu öffnen (etwa nur das Hören oder nur das Sehen) und den Input innerlich/geistig abzubilden. Der Aufwand dafür, die Kraft, die dieser Vorgang erfordert, ist ein ganz anderer, weil der Prozess (und auch das prozessierende Hirnareal) ein anderes ist.

Ich lerne am besten, wenn ich erlebe. Wenn ich mich physisch konkret mit dem Lerninhalt befassen kann oder beim Lernen physisch aktiv(iert) sein kann. Große Gefühle aktivieren. Schmerz aktiviert. Stimming aktiviert.
Ich habe für manche Alltagshandlungen redundante Lieder bzw. Reime im Kopf. Zum Anziehen zum Beispiel „Kopf, Schulter, Knie und Fuß“ oder den Reim mit dem Häschen beim Schuhe binden (obwohl ich gar nicht nach der „Hasenmethode“ binde). Unterdrücke ich dieses „geistige Singen“ (etwa, weil ich von mir erwarte, mich gefälligst nicht mehr wie ein Kleinkind zu verhalten), wird die Handlung zum Krampf. Mir fallen die Bestandteile ein, aber nicht mehr die Reihenfolge, und es dauert ewig. Bin ich dann auch noch in einer Situation, die nicht typisch für diese Handlung ist, besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich es gar nicht hinkriege. Obwohl ich es schon unzählige Male geschafft habe.

Die geistige Energie, die ich für diese physischen Abläufe aufbringe, ist genauso groß wie bei psychischen Prozessen. Da passiert wenig „einfach so“ oder ohne eine Art „Überbrückung durch anderweitige Aktivierung“. Die Dissoziation ist eines dieser wenigen „einfach so“-Dinge. Wahrscheinlich, weil sie kein aktiver (bewusster) psychischer Prozess, sondern ein biologischer Reflex ist. Wenn etwas zu gefährlich, zu flutend, zu reizend ist, dann musste ich noch nie aktiv darüber Bescheid wissen.
Und machen wir uns doch ehrlich: Im Grunde wäre es doch auch scheiß egal, ob ich weit vorher schon weiß, dass irgendetwas zu viel für mich ist – meine Mitwelt teilt meine Wahrnehmung gar nicht. Ist überhaupt gar nicht darauf ausgelegt, dass irgendwas generell langsamer, weniger intensiv oder sonstwas ist. Entweder ich mache mit oder nicht. Entweder ich mache den Job oder nicht. Entweder ich leiste wie gewünscht, erwartet, erhofft oder nicht. Entweder ich funktioniere/leiste passend oder nicht.
Und jedes „Nicht“ in dieser Aufzählung führt zu Isolation. Zu einem „nicht dabei“, „nicht dazu“, „nicht mit“, „nicht auch“. Und in der logischen Konsequenz dann eben auch zur Notwendigkeit, mich immer bis auf die letzte Rille zu verausgaben, um meine Bindungs- (und also Sicherheits‑)bedürfnisse zu erfüllen.
Natürlich gibt es Verhandlungsspielraum, natürlich ist das alles nicht „schwarz oder weiß“ – aber irgendwann eben doch. Immer. In Bezug auf alles und alle.

Klar ist das total traurig. Und beschämend für unsere Gesellschaft, die so ja gar nicht sein will. Und dann irgendwann eben doch ist. Aber wiederkehrende Burnouts zu verhindern und meine Grenzen doch besser wahren zu lernen, ist im Hinblick darauf doch einfach hohl.
Oder?
Ich könnte effizientere Fürsorgeentscheidungen treffen, wenn ich mehr darüber wüsste, was ich innerhalb meiner Grenzen leisten kann – und wem das wann wie in welchem Zeitraum auch genug ist. Wer mir entgegenkommt, wenn ich nicht weiter kann. Wer mich bei „banalem Kleinscheiß“ unterstützt, auch wenn ich in „hyperkomplexem Metakram“ überlegen bin.
Und wenn es bei Grenzberührung nicht tatsächlich immer auch implizit um Leben und Tod ginge. Oder diese meine Beobachtung/Einordnung nicht mit einer Traumareaktion gleichgesetzt werden würde, die ich nur wegen meiner intellektuellen Fähigkeiten so benennen kann. Man muss nicht gut intellektualisieren können, um zu merken, dass man ein echtes, so richtig großes, Problem hat, wenn man keine Ver.Bindung zu anderen Menschen hinkriegt oder sich nie sicher sein kann, wie lange bestehende Ver.Bindungen halten. Wegen Grenzen.

[1] https://www.researchgate.net/publication/353658929_Autismus_Ein_Uberblick_uber_Lernvoraussetzungen_und_Fordermassnahmen