Kategorie: Fundstücke

Fundstücke #67

Ich hab geträumt, dass unser Buch falsch gedruckt würde. Dass W. uns das Buch in die Hand drückt und dann ist es ein foliiertes Softcover, Klebebindung, bunt von oben bis unten mit Worten anderer Leute darüber bedruckt.
In meinem Traum ist die soziale Awkwardness der Realität drin und es genauso unangenehm. W. lächelt uns an, denkt, wir wollten das vielleicht doch so haben und wir wissen nicht, was wir jetzt machen sollen. Lächeln oder Enttäuschung, Verwirrung, Abstoß ausdrücken.
Ich wache nicht mal davon auf, so wenig fremd ist das meiner Realität.

Auch nicht, als ich dann später zu einem ominösen Sportunterricht soll, aber da wird nur in fancy Sportkleidung abgehangen und ich vergesse ständig meine Sportsachen. Und dann nehme ich mir eine Hose vom Zaun, die eine Umstandshose ist und sie passt mir. Der Abnerv um meinen Stressspeck – sogar der ist zu normal um aufzuwachen. Ich entscheide mich gegen den Speckhass. Mein Speck ist okay, was mich nervt ist meine Unbeweglichkeit. Und dagegen können wir ja was machen.  Auch ein normaler Alltagsgedanke.

Später ist da, wo der Sportunterricht sein soll, irgendeine Berühmtheit, die trans ist und zu trans Leuten spricht und alle sind ganz aufgeregt und ich schleiche durch das Haus, das vorne in einer Großstadt und hinten auf einer texanischen Ranch mit bunten Klofliesen und stylischer Gartenbeleuchtung ist, um ein Versteck für mich zu suchen, denn niemand weiß, dass ich nicht binär und damit auch unter den Schirm des Transbegriffs passe.
Das ist dann aber doch far too alltagsfern.
Ich merke, dass ich träume, bin aber auch neugierig auf die Berühmtheit und was sie wohl so erzählt. Ich bin in dem bunte Fliesen-Klo als die Berühmtheit reinkommt und im Schlepptau viele Leute hat. Da bin ich still und mach mich unsichtbar, höre zu und bin enttäuscht, weil die Berühmtheit nur sagt: Glaub an dich selbst, born this way blablabla
Ich denke, dass ich hier nicht heulen will.

Ich entscheide aufzuwachen und als ich wach bin, will ich mich damit trösten, dass ich ja träume und entscheiden könnte zu fliegen.

Fundstücke #66

Als ich in den Abend mit seiner lauen Luft hinaustrete, fällt es mir auf. Das jetzt ist ein Abend mit mir allein. Morgen, im Zug nach Frankfurt, zusammen mit vielen Fremden, bin ich allein.

Jetzt bin ich schon müde, morgen früh werd ich es noch sein, morgen abend wieder. Ich habe Zeit für mich und doch nur Müdigkeit zwischen Auge und Lid.

Die ganze Woche war ich unter Strom. Gleichstrom in der Schule, Wechselstrom wann immer nötig. Oder, abgenötigt. In der Therapiestunde war es um Strom gegangen. Der früher. Damals. Früher. Vielleicht so weit in der Vergangenheit, dass das Ereignis vom Lauf der Dinge längst kleingemahlen und versandet ist. Wer weiß das schon. Mir ist das nicht passiert. Damals.

Heute ist mir das passiert. Montagabend. Mein Körper, der mich einmal mehr verriet, dem es egal ist, was ich denke, will und wünsche, der reagierte einfach. Wie früher, wie immer, wie logisch nachvollziehbar, wenn man versteht, worauf er sich bezieht.

Als ich nach Hause kam, war NakNak* da und das durchschießende Zucken im Arm wurde zu einem kaum greifbaren Simmern am Knochen entlang. Ich aß, trank, kroch unter die schwere Decke, stellt mir vor, aus unruhigen Träumen als Pflanze mit Wurzeln bis 20.000 Meilen unter dem Meer zu erwachen. Geerdet.

Aufgewacht war ich aber flirrig. Wach wach überwach mit schweren Gliedern und blindem Geist. Reaktiv. Im Hyperarousel ab dem ersten Augenaufschlag.

Für die Schule war das gut. Nicht denken, – machen, das wird einfach mehr belohnt. Die Druckfahne von „aufgeschrieben“ ist jetzt endgültig bei der Druckerei. Frei_gegeben. Ab jetzt geht nichts mehr. Außer da dadurch. Mit dem Arsch auf Grundeis. Gut, wenn man nicht alles von dem mitkriegt, was es macht. Dieses mutig sein.

Zu Hause ist es still und kühl. Die Heizung ist schon wieder kaputt. Aus der Therme tropft Wasser, für die Vermietergesellschaft ist das noch kein Notfall. Dass mir kalt wird, ist und bleibt. Dass ich so nicht allein sein sollte, mit mir, dem Strom und dem, was ich denken könnte, weil die Erinnerung gerade da ist wie ein Neugeborenes- nackt, hilflos, ein Bündel voller Bedürfnisse, die weder Aufschub erlauben, noch Zeit zum Verstehen lassen – das hat keinen Platz.

Ich hatte keine Zeit etwas aufzuschreiben. Keine Haut für mich selbst. Immer war da jemand oder etwas. Jetzt bin ich allein, jetzt schreibe ich Dinge auf. Jetzt müsste jemand da sein.

27

Früher hab ich mal gedacht, dass es die Uhrzeitbezeichnungen über 12 hinaus, erst seit Anfang der 2000er gab.
Dem Zeitraum, in dem wir um 7 frühstückten aber um 19 Uhr zu Abend aßen und nie um 3, sondern um 15 Uhr Behandlungstermin hatten, weil das zum Alltag einer Kinder- und Jugendpsychiatrie gehört.

Mir ist nie in den Sinn gekommen, ob mein früheres Umfeld vielleicht einfach näher an mir dran war. Einfach wie ich den Stunden folgte und sich nie mit mir über eine weitere Strecke hinweg verabreden musste, weil man ja eh im gleichen Haus, im gleichen Alltag, im gleichen Lauf der Dinge lebte.

Es ist so ein banales Stück. Könnte man einfach so drüber weggehen. Aber irgendwie packts mich dann doch.
Niemand von den Leuten in der Klinik hatte etwas mit meinem Lebensalltagsrhythmus zu tun. Obwohl sie alle bis zu 8 Stunden Alltags_Räume mit mir geteilt haben.

Das ist doch irgendwie auch eine Falle. Man denkt: “Ach ja, die Person ist ja auch immer hier, man kennt sich, braucht ja gar nicht so viel reden, man kriegt sich ja regelmäßig mit.”
Das ist wie bei Twitter, wo man immer versucht ist, zu glauben, alles aus den Leben aller zu wissen und mitzukriegen, weil man ihre Tweets immer wieder mal mitkriegt. Aber wenn man sich dann verabreden will, muss doch “13 Uhr” statt “um 1” sagen, weil man dann plötzlich doch nicht so sicher ist, ob es sich bei der Person um eine Person handelt, die sehr lange wach bleiben kann.

Erstaunlich und tragisch ist das.
Dass man sich so nah und so fremd sein kann.

6

Wie bin ich nur schon wieder in diesen Kreisel reingekommen. Das frag ich mich nach einem Tag, an dem ich um 8 bereits arbeite, obwohl mein Kaffee noch seine kleine Duftwolke in die Luft macht und mein Frühstücksteller danach schreit, von jemandem gemalt zu werden.
Das Klicken und Klacken, mein Regelschmerz, das Blut, die Zeit. Tick Tack, das hier ist toll, morgen wird kacke, morgen geht die Schule wieder los. Klicken. Klacken. Wörter, Satzzeichen, Inhalt. Lektorieren gefällt mir. Das ist für mich wie entlohntes Fressen. Könnt ich den ganzen Tag machen. Kann ich aber nicht.
NakNak* will raus. Es nieselt.

In den Ferien wollte ich Mathe üben. Wollte ich Informatik üben. Wofür? denk ich inzwischen. Scheiß egal das alles. So. scheiß. egal. Wir wollten einen Zettel, wir kriegen einen Zettel. So oder so. Was drauf steht, ist für unser Leben danach irrelevant. Egal, was wir wünschen, gerne würden oder sogar könnten.
Können und können, das sind zwei verschiedene Dinge. Und können muss man können können.

Wir können nur anders. Das aber ganz sicher. Immerhin.

Klick Klack, Tick Tack
Noch einen Kommafehler gefunden.

4

Morgen fang ich bestimmt an zu bluten und ich merks an dem Energieschub heute. Aufstehen, Wasser rein, Sportschuhe an, zum Bäcker laufen, special Nomnombrot kaufen und vor dem ersten Schluck Kaffee schon geduscht, angezogen, am laufenden PC mit Arbeit beschäftigt.
Stunde um Stunde vergeht. Reden, Denken, Arbeiten, mit NakNak* raus, in die Stadt eine neue Hose kaufen, nicht weinen um einen dicken Körper, nicht weinen um eine C&A-Filiale voll, laut, vielzuviel. Das Machen legt sich Handlung um Handlung zu einer neuen Schicht auf die Grenze zwischen innen und außen und am Abend, die eine Arbeit im kleinen Fenster, die andere in einer virtuellen “und dann mach ich das so und dann so und ja dann kommt das noch so…”-Schleife knapp über dem rechten Ohr, da frag ich mich, ob das vielleicht das gleiche Gefühl ist, wie Kontaktlinsen zu tragen.
So schalig. So schützend. So fokussierend.

3

Wir sitzen im Auto und fahren nach Hause. Das Auto fährt. Das Auto wird gefahren. Von J.
Wir sitzen darin und betasten mit den Augen die scharfen Wolkenränder vor der abendglühenden Sonne.

“Ich will, dass ihr euch verwirklicht”.

[“Und was, wenn wir schon wirklich sind?”]

2

Unter mir knirschen Schritte und von hinten spüre ich die kalte Schulter des Windes, der sich an mich lehnt. Der Himmel ist blankblau und von einer Farbe mit Namen. ‘Frotteeblau’ vielleicht.

Ich gehe keinen Weg. Ich habe keinen Weg. Wege macht man sich. Wege bringt man hinter sich. Obwohl man sie immer unter sich hat. Ich gehe nicht ‘meinen Weg’. Es geht einfach immer weiter und wenn da mal ein Weg ist, dann ist das der Lauf der Dinge.

Leben eben.

1

“Mund zu – es zieht!” Das kommt mir in den Sinn, wenn ich dem Fahrtwind meines rasenden Inneren nachspüre. Mach den Mund zu – es zieht. Mach ihn zu. Lass ihn zu. Es zieht.

Da war ein Silvester mit goldenen Blumen. Die wuchsen und wuchsen auf dem schwarzen Samt über der Welt und es ist das schönste Feuerwerkbild, das ich aus der dünnen Kinderjahreinjahrausalltagssuppe fischen kann. Vielleicht, weil es noch leichter war. Zeit weder Rahmen noch Bedeutung hatte. Vielleicht, weil ich mir damals nichts vornahm, was ich nicht auch sicher durchziehen würde. Vielleicht, weil damals nichts, einfach gar nichts vorhersehbar war.

Es zieht. Es zieht an mir und hat den Mund offen.

Fundstücke #67

Das Jahr geht zu Ende und es fühlt sich nicht danach an.
Alles ist anders, neu, komisch, schön, anstrengend. 2018 hat viel mit sich gebracht. Vieles verändert. Auch mich. Uns.
Wir hatten zu wenig Zeit für uns allein, mit uns allein, um alles zu integrieren, alles zu er.fassen und zu halten. Und vielleicht ist das die Essenz von Reichtum.

Das nächste Jahr steht bereits zur Hälfte fest und so beruhigend wie das ist, so sehr setzt es uns unter Druck.
Es ist keine Planung, die uns strukturiert und vorbereitet, um weniger Angst zu haben. Es ist der Versuch zu greifen, was da kommt. Das ist etwas anderes als sonst und so schwer zu kommunizieren in seiner gesamten Belastung.

Wir bemühen uns darum glücklich zu sein, dankbar, demütig und merken doch: Glück und Zufriedenheit ist Arbeit und irgendwann ist man einfach müde. Denn Energie ist begrenzt und wir ziehen unsere Kraft nicht aus Glück und Zufriedenheit, sondern aus Schlaf, guter Ernährung, Sport, Alleinzeit, der Möglichkeit zu schreiben, um sich selbst zu verstehen, zu verorten, zu spüren.

Das müssen wir 2019 wieder mehr machen. Egal wie egoistisch das wirkt, egal, wer sich das anders wünscht und warum.
Das ist auch eine Erkenntnis, die bestätigt. Wir sind nicht selbstbezogen, weil wir daraus einen sozialen Vorteil haben. Wir sind es, weil es für uns der Weg zu anderen Menschen und dem Leben selbst ist.

Ich glaube, dass das etwas ist, das wir den Menschen in unserem Leben zumuten müssen. Glaube, dass wir uns in einem Zutrauen üben müssen, in dem wir annehmen, dass die Menschen uns vertrauen. Was merkwürdig ist, denn das haben wir noch nie gemacht: Geglaubt, dass man uns glaubt; darauf vertraut, dass man uns vertraut.

Mal sehen wie das wird.
Im Jahr 2019.

Fundstücke #66

In den letzten drei Tagen haben wir eine Broschüre zum Thema “Zero Waste” zusammengestellt.
Eine Aufgabe aus dem Schulalltag, das Ergebnis von 3 Wochen Internetrecherche und etwas mehr als 2 Jahren Veganismus aus Gesundheits- und Klimagründen.
Um die Broschüre zu bebildern, durchsuchten wir wieder das Internet und stießen dabei auf verstörende, krasse, schlimme Bilder von Tieren mit Plastik im Bauch, Tieren mit Plastik in der Nase, Tieren, die nicht an Plastik gestorben sind, weil ihr Körper darum herum gewachsen ist. Bilder von Kindern knietief im Plastikmüll an ihrem Strand, Kindern auf Müllhalden, Kindern umringt von Plastikspielzeug, Plastikkleidung, Lebensmitteln in Plastik verpackt. Bilder von Natur, dabei zu ersticken – an Plastik-Müll.

Das Zeug ist einfach überall und nirgends wirklich so problematisiert, wie es sein müsste. Das ist belastend.
Doch noch belastender finde ich, dass die Welt sich einfach weiter dreht. Weiter in die Scheiße reindreht, wenn man so will.
Die einen halten zero waste, vegan, plastikfrei und nachhaltig für einen Trend, den sie einfach nicht mitmachen, weil sie zu cool für Trends sind. Die nächsten sind zu belastet dafür, die übernächsten wollen überlasteten Leuten nicht helfen, damit auch sie Dinge anders machen können. Meine Recherchen für Informationen zur Verweildauer von Gegenstand x aus Kunststoff y auf der Welt unter Umstand z, nehmen viel Raum ein und die Ergebnisse kann ich oft nicht teilen, weil sich jede_r gleich davon belehrt, gerügt, abgemahnt, gemaßregelt, beschämt, bedrängt, verängstigt fühlt. Und überhaupt: der Wissenschaft ist doch heute auch nicht mehr zu trauen. Alle gekauft. Schweineverein.

Neulich hab ich gelernt, dass ich ein Millenial bin. Ein Millenial aus der Generation Y.
Die Einen sagen, das bedeute was, die Anderen sagen, das ist alles Quatsch. Ich glaube, es bedeutet was, denn meine Generation und ich, wir sind mit Dingen aufgewachsen, die für ältere Menschen einzelne Stationen einer Entwicklung waren, während sie für uns direkt Alltag und Grundlage des heutigen Wertesystems wurden. Für mich gab es nie die DDR meiner Eltern, nie das Westdeutschland der Menschen, die mich heute mehrheitlich umgeben.
Ich erinnere mich an die Nachtbildkameraaufnahmen in der Tagesschau der mittleren 90er Jahre und meine Frage an die Mutterfrau, ob die Kinder in Bosnien-Herzegowina denn zur Schule gehen können. Erinnere mich an die – Plastik – Spielzeugsammlung, die wir in der Schule für die verlassenen Kinder in Rumänien gemacht haben. An die ersten Werbungen, in denen um Geld für hungernde Menschen in Somalia gebeten wurde. Erinnere mich an die Erzieherin der Wohngruppe, die mit uns am elften September das Flugzeug in den zweiten Turm hat fliegen sehen und nicht aufhören konnte zu weinen.

Für mich hat die Welt schon immer irgendwo gebrannt. Irgendwo war immer Krieg, hat immer irgendjemand Reiches irgendjemand Armes unterdrückt, ausgebeutet und um ein Leben mit Zukunft gebracht. Industrie war für uns nie ein Erfolgsversprechen oder eine Verheißung besserer Zeiten. Die besseren Zeiten waren immer schon da und sie rochen immer nach Plastik, Konsum und Ausbeutung. Wir wussten immer, dass wir früher oder später vor einer ökologischen Katastrophe stehen würden.

Das macht etwas aus. Es macht Fragen leicht. Leichter noch als für frühere Generationen, die so viel und vor allem sich selbst so dringend unhinterfragt haben wollen. Vielleicht auch: müssen. Denn wer keine Antworten hat, muss Fragen vermeiden.

Einen Text wie den hier, wollte ich hier nie schreiben, aber warum eigentlich nicht. Warum soll ich nicht auch das dokumentieren, berührt es doch nicht nur mich, die_r nun hier und heute ist, sondern auch die_r, die_r sich für dieses Leben entschieden hat, obwohl es auch diese Realität darin gibt.

Wir haben nur dieses eine Leben. Das sagt man doch so. Wir haben auch nur diesen einen Planeten. Dieses eine Jetzt und Hier. Das ist so wenig, wenn man mal darüber nachdenkt. Schau mal, wie kurz Jetzt ist. Und wie doch weit entfernt schon jetzt das Morgen ist. Obwohl Morgen nur Jetzt überhaupt sein kann, denn wenn Morgen ist, dann ist es bereits Jetzt.
Hirnqirl? – Sorry, aber so ist es doch.
Das ist auch Realität. Das ist auch, was Veränderung so wichtig und nötig macht.
Denn jetzt ist dein Handy noch ein Handy und wenn es kaputt ist, ist es schon Müll. Eben noch ein Papiertaschentuch, einen Schnäuzer später ist es Müll. Jetzt ist es noch eine leichte Flasche aus Kunststoff in 50 Jahren tötet es eine Fischlarve, weil sie die Kunststoffpartikel für Futter hält.
Dinge sind, wie das Leben, so vergänglich und zerbrechlich, sich darauf zu stützen ist “ein schmales Brett”, wie eine Gemögte von uns immer sagt.

Was uns wirklich wichtig ist, das haben wir seit Jahren in einer Zigarrenschachtel an einer Stelle an die wir im Notfall immer schnell drankommen. Warum? Weil wir mit Büchern wie “die Wolke” und “Die letzten Kinder von Schewenborn”, mit Filmen wie “The day after tomorrow” und Serien wie “Akte X” aufgewachsen sind und einen Notfall, eine Regierung, die auf uns scheißt, eine spontane Katastrophe außerhalb unseres kleinen Alltagskosmos mitzudenken so normal ist, dass es einfach nicht mehr für die Bezeichnung “neurotischer Spleen” reicht.
Eine beruhigende Erkenntnis übrigens, gehört doch auch das Katastrophisieren und Sorgen, Ängstigen und Immer-bereit-sein, irgendwie zum Biotop des posttraumatischen Klärschlamms in meinem Kopf, ist aber ganz klar etwas anders, als das, was mich dazu gebracht hat, unsere wenigen wirklich wichtigen Dinge so zu behandeln.

Vorhin habe ich die Rede von Greta Thunberg in Katowice angehört.
Ich fing an zu weinen, weil alles was sie sagte, einfach nicht neu ist. Es ist alles nichts Neues. Nichts, wovon man noch nie gehört hat. Es ist einfach wahr und real und Jetzt, wie Morgen.
Und trotzdem wird Morgen kommen und ich werde mich auf einem guten Weg fühlen, denn ich weiß, wo meine Sachen sicher sind und, dass ich viele Stoffbeutel für meinen fast ganz plastiklosen Einkauf habe und nur noch eine Zahnpasta aus Plastikverpackung ausbrauchen muss, um mein Badezimmer plastikfrei zu haben.
Morgen wird mein Jetzt sein und das Plastik in den Meeren, das Co2 in der Atmosphäre, der Kapitalismus und die Ignoranz anderer Leute für das, was Plastik und Abgase, Gier und Gewalt in dieser Welt bewirken, wird auch noch da sein.

Wir können, wie Greta sagt, die Veränderung wollen und machen, aber der Schaden ist da. Jetzt und Morgen und Übermorgen.
Und ich weiß nicht, ob es reicht, nur die Macht zu haben, die Dinge zu verändern.
Macht muss man auch können.