Abläufe

Ich hätte es lieber geübt. Den Ablauf geplant, im Kopf weitergeübt, mich so sehr in den Plan reingesteigert, dass er unumstößlich von Störungen und Ablenkungen klar und deutlich in mir drin bleibt.
Aber es ist eine Pandemie. Alle sind müde. Alle sind knapp. Ich kann auch anders und für „wie sonst“ fehlen die Kapazitäten von allen.

Und so flattere ich also in die Teststation der Apotheke. Bin zu spät, mit drei von vier Beinen noch in der Therapie und fühle mich so schutzlos, dumm und nutzlos für die in dieser Zeit nötige Effizienz des allgemeinen Krisenmanagements wie lange nicht mehr.
Aber es klappt.
Statt eines Würgereflexes unterdrücke ich einen Beißreflex, statt alles falsch mache ich alles awkward. Ist aber nicht schlimm, vorher war eine Omi da, die war auch nicht Erika Mustermann.

Okay, so geht das also. Diese Testerei, die wir bei uns mit wenig Wartezeit im Dorf 12 Kilometer weiter oder viel Wartezeit neben der Schwimmhalle haben können, während in Bielefeld praktisch überall kleine Rüsselhütten für einen Abstrich stehen.
Ich fühle mich wie in einer Realitätsspalte. Weiß, dass ich mich jetzt auf keinen Fall fragen darf, was echt ist und was nicht, denn sobald diese Frage Gewicht bekommt, ist der Weg zurück in die bedingungslose Akzeptanz des Moments tausend Tränen weit. In einer Stunde fährt mein Zug zurück, ich sollte etwas essen, mich aufwärmen, den größtmöglichen Umweg zum Bahnhof nehmen.

Die abgestrichene Stelle ist wie ein Punkt im Kopf, der versucht ein Zentrum zu werden. Ich schütte Kaffee drauf und drücke ein Brötchen hinterher. Stehe am Gleis, im Wind, denke über die Therapiestunde nach und finde das Beste, das ich machen konnte, ziemlich gut.
Irgendwann bald werde ich aufschreiben, wie das Autismuscoaching die Traumatherapie unterstützt – wie anders das jetzt alles ist, seit dem neuen Anfang im März. Das will ich unbedingt teilen, niemand soll so viele Jahre so leiden wie ich und denken, so geht Traumatherapie nun mal.

Im Zug gehe ich wieder Straßenverläufe durch. Übe Autofahren, überlege mir Strategien, um präsent und konzentriert zu bleiben. Weiß, dass ich mehr nicht tun kann, weiß, dass mein Bestes für 50 Minuten innerstädtische Reizüberflutung vermutlich einfach (noch) nicht reicht. Will aber doch am Montag die Prüfung versuchen. Will bestehen, will keine drei, vier Wochen bei zwei Grad über null und Gegenwind die fünf Kilometer zum Einkaufen radeln müssen.

Ich gehe schwimmen, bis ich nicht mehr kann, dann lasse ich meine Muskeln weichsprudeln und meine Gedanken vom Dröhnen der Düsen übertönen. Der Partner holt mich ab, wir schauen eine Serie, essen Abendbrot, ich gehe ins Bett und merke um Viertel nach drei, dass ich gar nicht wirklich sterbe, sondern nur jemandes Erfahrung erinnere.
Gut, dass ich schon weiß wie der Ablauf da heraus ist.

zum #TagDerMenschenMitBehinderung

Heute ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Laut Wikipedia geht es an diesem Gedenk- und Aktionstag darum, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung wachzuhalten und den Einsatz für die Würde, Rechte und das Wohlergehen dieser Menschen zu fördern.
An Tagen dieser Art heißt es für mich oft tapfer bleiben zu müssen, weil viele Organisationen und Institutionen, die sich heute zum Thema äußern, zwar ein Bewusstsein dafür haben, dass behinderte Menschen oft vor Problemen stehen, jedoch ebendiese Probleme oft (noch) nicht in allen Aspekten verstehen und deshalb Lösungsvorschläge oder -ansätze vertreten, die nicht hilfreich sind.

„Tapfer bleiben“ heißt es für mich deshalb, weil es allem Cringe zum Trotz eine Entwicklung gibt und diese vielleicht nun einmal leider damit anfängt, dass Bewusstsein überhaupt produziert wird. Es muss vielen Menschen einfach erst einmal bewusst gemacht werden, dass behindert zu sein oder, wie manche es lieber über sich sagen: mit einer Behinderung zu leben, kein Alleinstellungsmerkmal, kein spezielles Einzelfeature einer Person ist und entsprechend nie einfach nur über „die Behinderung“ oder „das Behindertwerden“ gesprochen und gedacht werden kann.
Behinderte Menschen haben auch ein Geschlecht, sind in Altersgruppen einteilbar, haben verschiedene Begabungen, verschiedene Potenziale, leben ganz verschiedene Leben, die allesamt nicht ausschließlich von ihnen, sondern auch von ihrer Umgebung und der Gesellschaft definiert werden.

Am internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen versucht man oft, sich auf einen Aspekt zu konzentrieren und von dem aus vieles zu vermitteln. So hat die Aufarbeitungskommission heute eine Menge Input zu sexualisierter Gewalt gegen behinderte Menschen vertwittert, die Regierungsparteien (und einige ihrer Mitglieder) haben geteilt, was sie sich als inklusiv vorstellen und auf dem offiziellen Account der DHL war man sich sicher, dass heute genau der richtige Tag war, um zu erzählen, dass man dieses Jahr mit dem Inklusionspreis der Wirtschaft ausgezeichnet wurde.
Diese Vermittlung lässt jedoch nur allzu oft die Verbindung dieser Themenkomplexe mit „nicht behinderten Menschen“ vermissen. So bleiben die Belange und Probleme der behinderten Menschen weiterhin ein Problem der behinderten Menschen, obwohl man sich mit einer Aktion für Inklusion oder Bewusstseinsbildung vielleicht genau an die Menschen richtet, die diese Probleme verursachen und/oder beheben könnten. Man muss sich sehr klarmachen, dass es nicht behinderte Menschen sind, die „Inklusionspreise“ vergeben, dass es nur sehr wenige behinderte Menschen gibt, die politische Entscheidungsmacht ausüben können und es auch kaum behinderte Forscher_innen zum Thema Gewalt und Behinderung gibt, die für einen Input wie dem der Aufarbeitungskommission, zitierbar sind.

Häufig bleiben die Aktionen derer, die „wir behinderten Menschen“ zur Lösung (der meisten) unserer Probleme brauchen, leider dabei, dass sie so etwas vermitteln wie: „Die Barrieren müssen weg!“, aber nicht, wer sie wie wegräumen soll. Und noch weniger, wer sie hat entstehen lassen.
An jeder Hilfsmitteldebatte ist zu erkennen, dass man sich immer wieder in Verteilungs- und Zugangsfragen begibt, als in die Aufgabe der Verantwortungsübernahme für alles, was damit zusammenhängt. Natürlich sieht es auch auf einem Promofoto einfach besser aus, wenn man einem blinden Kind einen Führhund übergibt – dem Kind und seiner Familie gegenüber wäre es allerdings nachhaltig hilfreicher, wenn man sich dafür einsetzt, dass Führ- und andere Assistenzhunde überall mit hingenommen werden dürfen, wo sie gebraucht werden. Oder dass solche Hunde nach internationalen Standards ausgebildet werden müssen. Dass es behinderte Menschen finanziell möglich gemacht werden muss, ihr Tier zu versorgen und und und

In Forderungen nach mehr Hilfsmitteln und weniger Barrieren zeigt sich für viele behinderte Menschen ein Hoffnungsschimmer – denn wo gezeigt wird, dass ein Mangel gesehen und als problematisch anerkannt wird, da kann doch die Problemlösung nicht weit sein?
In Deutschland, dem Sonderinklusionsland, aber leider doch. Denn an der Veränderung dessen, was der Inklusion im Wege steht, kann nicht gearbeitet werden, ohne behinderte Menschen als einen der Gesellschaft immanenten Teil anzuerkennen.
Was in unserer Gesellschaft nach wie vor oft nicht passiert. Ganz unbewusst manchmal, ganz diffus, ganz einfach so.

Und was nicht zu lösen oder zu verändern ist, wenn man nur so vielen Menschen wie möglich mitteilt, dass behinderte Menschen echt und wirklich Probleme haben, um die sich mal jemand kümmern sollte.
Wer das kann, kann so viel mehr tun.

Wenn das nur gewollt wäre.

„Viva la Internet“

Elfter Juli 2004
Zwei, drei Monate vorher hatten wir den Stadtausgang der KJP-Station dafür genutzt, ein Internetcafé zu finden und unser letztes Geld in eine E-Mail an jemanden zu investieren, von der_m wir nicht einmal wussten, ob sie_r sich noch an uns erinnern konnte. Und wenn ja, wie.

Zu der Zeit waren wir praktisch obdachlos, denn niemand wollte uns bei sich wohnen lassen. Ausnutzen, verletzen, ausbeuten, ja – wohnen, leben, betreut, unterstützt werden, nein. Wir waren in eine KJP geparkt worden, weil wir als zu gefährlich und allgemein einfach zu viel wahrgenommen wurden. Niemand außer Täter_innen und mit Täter_innen assoziierte Leute hat es interessiert, was mit uns werden würde, wenn wir volljährig sein würden. Wir würden definitiv aus dem Kinder- und Jugend-Klapsbereich rausfallen, ja, ganz sicher – aber wohin dann mit der Fracht, dem Ballast, dem heißen Eisen?

In der Klinik gab es einen übergriffigen Pfleger und eine Oberärztin, die eigentlich überhaupt nicht einsah, weshalb wir überhaupt auf ihrer Station und nicht auf einer in der Stadt der Herkunftsfamilie waren.
Wir hatten kein Geld, kannten uns weder in der Stadt noch dem Bundesland aus und wussten, dass praktisch alles, was wir anstoßen konnten, mehr oder weniger Griffe in den Nebel waren. Wir hätten weglaufen können, wir hätten sterben können, jemand aus dem Täter_innenkreis hätte uns mitnehmen können, es hätte nichts verändert und niemanden wirklich – like emotional for real as in „Oh scheiße nein!!!“ – angefasst.

Wir konnten nur die Mail wegschicken und hoffen. Darauf, dass wir irgendwann in den folgenden Wochen – Monaten – wieder irgendwo ins Internet kämen und eine Antwort mit Substanz erhalten hätten.

Viva la Internet!

In dem Sommer waren wir dann für eine Woche zur Probe in einer betreuten therapeutischen Wohngruppe. In der ein PC mit Internetanschluss stand. Wir hatten eine Antwort bekommen und waren so froh. Die Person hatte uns gehört. Sie hat uns geglaubt. Sie hat uns eine Klinik empfohlen. Schrieb, wir könnten uns auf sie beziehen, da könnten wir uns melden, es würde Hoffnung geben. „Viva la Internet“ notierte ich damals ins Tagebuch. „Viva la Internet“ und „Ich ruf da an, sobald ich Geld fürs Telefon hab.“

Wir entschieden uns gegen diese therapeutische Wohngruppe, die noch nie eine_n Jugendliche_n mit DIS betreut hatte, es sich aber vorstellen konnte (wie die Wohngruppen vorher es sich immer vorstellen konnten und noch gar keine Erfahrung hatten) – und stellten fest, dass uns die Empfehlung und der Bezug überhaupt nichts bringen würde. Wir waren noch nicht 18 und hatten keinen Wohnsitz.

Dennoch habe ich über viele Jahre an dem Bindungsangebot der Person festgehalten. Denn sonst hat es niemand gemacht. Sie_r war immer ein Backup, immer irgendwie im Hintergrund, immer eine Quelle für Gegenbeispiele meiner, unserer Lebensrealität im Ausstieg, aber auch in der Zeit danach.
Und heute, tja … viva la Internet …

Heute werfe ich diese Seite meines Tagebuches in den Müll.
Was einmal gut war, kann sich durch die Perspektive, die nicht aus der totalen Not kommt, ändern.
M. und C., die Innens, die sich damals praktisch allein gegen alle anderen von uns gestemmt haben, um unser Leben nicht nur zu erhalten, sondern auch zu verändern, sind heute „meine M.-Seite“ und „meine C.-Momente“. Die Person, die mir damals die einzige Verbindung zum Glauben an ein Leben ohne die Gewalt war, ist heute eine Verbindung zu Überzeugungen und Werten, die ich mit diesem meinem Leben nicht vereinen möchte.

Es tut gut, diese Verbindung loszulassen.
Heute ist es kein Verlust mehr.
Leider.

Kinderinnens reorientieren

Overme beschreibt es im Kommentar als „Baustelle“, M. hat es uns in der E-Mail beschrieben, die wir im letzten Beitrag erwähnten:
Wenn Kinderinnens schreien und alles damit fluten. Manchmal so stark, dass nichts mehr anzukommen vermag und man sich als erwachsener Mensch fragt: Wie soll das je enden? Da ist so viel Bedürftigkeit, so viel Not – und dann merken sie nicht mal, dass eigentlich alles ok ist – was doch DAS DING ist – das sollen sie doch merken und dann ist wieder Ruhe im Karton. Wieder alles gut, Reorientierung, yeah!

Das Problem haben Renée einmal in einer Podcastepisode mit uns angesprochen: Was heißt denn „RE – orientiert?“ Worauf soll denn zurück orientiert werden?
Ich, ein erwachsenes Innen, das überwiegend in Alltagssituationen mit anderen Menschen präsent ist, orientiert nie zurück auf einen Zustand, der ganz und gar sicher und entspannt ist. Ich orientiere immer in einen Zustand, in dem Fähigkeiten abgerufen werden können, um um Hilfe zu bitten, Situationen zu organisieren und Probleme zu intellektualisieren, aber sehr viel mehr auch nicht.
Auch ich muss mir meiner Orientierung bewusst werden, sein und bleiben und ich weiß, dass es anderen Innens ähnlich geht.

Ich bzw. das System aus dem Ich hervorging ist entstanden, weil man mich immer wieder als erwachsenen Pol in diesen Kindertraumafolgen gesehen und angesprochen und (therapeutisch) behandelt hat. Und das, obwohl ich meine Diagnose mit 16 erhielt und noch gar nicht erwachsen war. Ich hatte noch keine Kompetenzen überhaupt zu fühlen, was ich fühle oder zu begreifen, was meine Gefühle/Gedanken/Erinnerungen wann wie wo warum bedeuten, wie relevant sie wann wie für wen sind und wie ich ihnen „richtig“ begegne. Und wer eigentlich überhaupt über den richtigen Umgang damit bestimmen darf.

Es gibt viele Viele, die kompetente Erwachsene in ihrem System haben. Wo eine Reorientierung in das erwachsene Bewusst_Sein bedeutet, in einen Zustand der allgemeinen Lebensfähigkeit, der allgemeinen Selbst-Sicherheit und -Ver_bindung (zurück) zu kommen. Also nicht nur zu wissen, dass sie_r erwachsen ist, sondern auch über die Fähig- und Fertigkeiten von erwachsenen Menschen zu verfügen und diese allgemein angemessen anwenden zu können. Erwachsensein ist ja nicht nur, was man darf, wenn man volljährig ist, sondern auch wie vertraut man mit dem Leben ist. Welche Erfahrungen man wie oft schon gemacht hat, welche Strategien man wie oft mit welchem Erfolg genutzt hat, wie viel Basis die eigene Intuition hat, wie bewusst für welche Gefahren man sich in all dem bewegt.
Wenn man so ein erwachsenes Innen – mit Zugang zu einem Großteil dieser Fähig- und Fertigkeiten des Erwachsenseins – ist und es heißt, man solle sich aus der kindlichen Überflutung reorientieren, dann ist das wie die Referenz auf einen Rettungsanker. Festen Boden unter den Füßen. Die Erinnerung an eine Realität, in der existenziell abhängig zu sein (hoffentlich) die Ausnahme ist und Autonomie die Regel.
Dann bedeutet das geflutet werden von Kinderinnens oft wirklich schnell „nur“ eine Erinnerung an unangenehme Zustände früher oder Impulse, denen heute gar nicht mehr so unbedingt nachgegangen werden muss wie früher.

Wenn ich aber damit konfrontiert werde, Kinderinnens zu reorientieren, ist das wie eine Referenz darauf, dass ich kompensieren kann. Denn nichts anderes bin ich. Eine Coping-Strategie. Ein „vorzeigen, dass ich auch erwachsen kann“ – was wirklich wenig mit wahrhaftiger Reife oder dem zum Leben als erwachsene Person nötigen Kompetenzen zu tun hat. Ich bin ohne die anderen Inneren – andere Alltagsinnens oder Innens, die spezielle Funktionen für das System haben – einigermaßen nutzlos in Sachen Kinderinnens und deren Nöte und das sage ich nicht, um ermutigt zu werden, sondern weil es so ist.

Für diese Fälle ist es relevant zu begreifen, wie jemand Viele ist, also welches Ausmaß die Fragmentierung, die Dissoziation, hat. Sowohl als Behandler_in als auch man selbst.
Um genau das zu lernen und zu verstehen, braucht es die Auseinandersetzung mit den Inneren, mit inneren Landkarten, mit Situationsanalysen, mit Tagesprotokollen, mit Tagebüchern, mit der Dokumentation, was hilft und was nicht und all dem Kram, von dem man oft irgendwie denkt: „Meeh, damit mache ich ja gar nicht mein Trauma weg.“ und Außenstehende gerne mal denken, er wär unnütze Nabelschau und trage nur dazu bei, dass man um sich selbst kreist (statt um sie).

Tatsächlich macht die Kenntnis vom eigenen Funktionieren und Re_Agieren, den Umgang mit Traumafolgen erst einmal nicht leichter – aber logischer. Man bekommt einen Rahmen um etwas, auf das man vorher regiert hat, ohne genau zu wissen, wie und worauf eigentlich wirklich.
Ich habe so zum Beispiel verstanden, dass ich nicht das Innen war, auf das gut orientiert werden konnte, weil meine alleinige Anwesenheit einfach nicht bedeutet, dass alles gut ist und wir gut versorgt sind.
Seit das Alltagssystem um mich herum ein stabil in mir integrierter Bestandteil ist, ist das anders.
Ich kann Kinderinnens nach wie vor nicht versorgen und halten – und meine Funktion ist nach wie vor nicht das „happily ever after-Life“ – aber ich habe mein Helfertrauma soweit bearbeitet, dass Kinderinnens mir keine Todesangst mehr machen. Ich bin jetzt in einer Therapie, in der ich bestimmen kann, wann, wie und warum wir uns nähern – und in der ich nicht verletzt und bedroht werde, wenn ich sage, dass ich etwas im Zusammenhang mit ihnen nicht kann oder schaffe oder will.

Wenn ich heute von Kinderinnens geflutet werde, orientiere ich mich in mich selbst, um ihre Impulse zu distanzieren und mehr oder weniger gezielt wieder zu dissoziieren. Nicht, weil ich sie wertlos finde oder was sie mitbringen, irrelevant für mich ist, sondern weil ich sie in diesen Situationen nicht integrieren, nicht anhören, nicht aus_halten kann. Es hat überhaupt keinen Sinn zu versuchen, sie auf meine Er_Lebensrealität zu orientieren, weil sie damit genauso wenig anfangen können, wie ich mit ihrer und es hat genauso wenig Sinn außerhalb der Therapie, wo ich begleitet und unterstützt bin, irgendwelche Traumainhalte aufzunehmen und sie zu integrieren.
Ich bin in solchen Situationen genauso wichtig wie die Kinderinnens – auch wenn sie lauter, dringlicher, auf einer Ebene vielleicht auch berechtigter, schreien als ich. Ich bin in dem Moment die Person, die sie wahrnehmen kann, das macht mich aber nicht automatisch zu der Instanz, die immer sofort richtig und passend reagieren kann.

Wir haben uns in der Psychodynamisch Imaginativen-Therapie ein Innen eingefangen, das das kann.
Die innere Kraft, die weiche weite AllesgutmeinHerz-Wolke auf dem Rücken eines Schwans, in die alles Schwere, Verletzte, Kindliche hineingehen kann – das war der innere sichere Ort, meine Entlastung, meine sichere Bank im sonstigen Verlauf dieser Therapie, in der so vieles immer wieder so knapp an meinen Bedarfen und mir vorbeiging, dass man es kaum er_fassen und konkret kritisieren kann. Der gleiche Mechanismus, der früher geholfen hat überfordernde Anforderungen, Ängste, Empfindungen und so weiter zu kompensieren, hatte jetzt eine von Außen geforderte und unterstützte Form: Ein_e innere_r Helfer_in, die_r jederzeit und ohne eigene Stimme einfach immer alles und jeden schluckt, um mich, uns Alltagsinnens, die über Jahre mit nichts anderem beschäftigt waren, sich den Leuten um sie herum verständlich zu machen, zu entlasten und also weder das Personal noch die Therapeut_innen zu belasten. Etwa mit dem Auftrag, mir die Kompetenzen zu vermitteln, die es braucht, um sich selbst um die Entlastung kümmern zu können. Oder der Einsicht vielleicht gar nicht mal so wenig fragmentiert zu sein, wie man gedacht wird.

Heute wissen wir, dass wir das irgendwie wieder auflösen müssen, weil uns diese_r innere Helfer_in jetzt daran hindert Kontakt zu Kinderinnens herzustellen, wenn sie nicht gerade angetriggert und mitten in unser Er_Leben gespült sind. Aber in akuten Momenten, in Situationen, wo absolut gar nichts mehr geht, ist es das einzige, das funktioniert und hilft.
Wir kriegen schon mit, dass viele Viele genau das eigentlich immer nicht wollen. Weil die Kinder doch schon immer weggedrückt sind, weil sie eh nie raus dürfen, weil sie doch ihr ganzes Leben lang unerwünscht waren … und überhaupt, man soll doch endlich mal aufhören mit der ganzen Dissoziiererei, die ist doch das ganze Problem.

Wir für uns sehen nicht die Dissoziation als das Problem an – sondern die Vielzahl der Situationen, in denen sie gebraucht wird, um zu üb_er.leben bzw. die Chancen auf ein Überleben zu verbessern.
In einer Situation, in der ich verhindere, nicht bis 10 zählen zu können, nicht sagen zu können, wo ich wohne, aber, dass ich mache, was auch immer jemand von mir will, weil ich in einem kindlichen Selbstzustand bin, ist es eine gleichwertige Überlebensmaßnahme zu dissoziieren wie früher als die gleiche Reaktion verhindert hat, dass ich gefährdet bin zu sterben.

Wir können erst dann auf die Dissoziation verzichten, wenn wir in der Lage und dazu befähigt sind zu assoziieren.
Wenn das nicht vorhanden ist – wenn dafür nicht genug Kompetenz, Selbst, Funktion, Rahmen da ist – dann ist es selbst_quälerische Folter sich in die Assoziation zu zwingen. Es schadet. Und zwar ganz genauso wie die Gewalt, die früher passiert ist. Auch, wenn es in allerbester Absicht passiert.

Also – so machen wir das:
Wenn ich stark geflutet werde und nichts anderes machen kann, schiebe ich sie weg. Seit ich mehr mit anderen Innens verbunden bin und an meiner Perspektive auf Kinderinnens arbeite, hat sich der Rahmen, in dem ich das mache, stark verändert. Manchmal brauche ich sie nicht ganz wegschieben mitten ins Wolkennichts des Schwans rein auf Pseudo-Nimmerwiedersehen, sondern nur so weit wie ich es brauche, um funktional genug für eine Bedürfniserfüllung zu sein oder meiner Therapeutin mitzuteilen, was ich bemerke. Dann halte ich mich in mir orientiert und gebe das nach innen frei. Ob davon etwas bei Kinderinnens ankommt – keine Ahnung, das ist aber auch nicht relevant. Sie werden niemals Teil meines Alltags – sie müssen sich in meinem Leben nicht zurechtfinden. Ich bin in Traumatherapie, um ihr Leben als meins zu erleben. Ich muss mich in ihrem zurechtfinden.

Wie im Umgang mit Außenkindern geht es mir also nicht darum, mir die Kinder hinzubiegen, wie ich sie will, um zu kriegen, was ich will (und zu vermeiden, was ich nicht will), sondern dafür zu sorgen, dass ich in Umständen und mit Kompetenzen lebe, die mich darin bestmöglich stützen und halten, mit allem umzugehen, was das Leben mit Kindern, die ihre eigenen Fähig- und Fertigkeiten zu üb.er.leben erst entwickeln, erkunden, ausprobieren, so mit sich bringt. Und zwar ohne mich (und andere) zu zerstören oder zu gefährden.

schreiende Kinder(innens)

Ich kompensiere Vorbehalte bezüglich meines Kinderwunsches mit Information. Wann immer jemand um die Ecke getrollt kommt, um mir zu sagen, ich sollte mir aus dem Kopf schlagen, eigene Kinder zu bekommen, will ich vorbereitet sein. Wenn schon nicht zeigen, so doch wenigstens sagen können, dass ich weiß, was Kinder brauchen, was in der Schwangerschaft, unter der Geburt, im Wochenbett, im ersten Jahr, in allen Jahren danach für mich und ein, zwei, drei … Kinder (zwingend) nötig ist – und was nicht.
In dieser Auseinandersetzung kann ich meine Traumatisierung nicht ausblenden und tue das auch nicht. Warum auch immer ist es bei diesem Thema gar nicht so furchtbar unaushaltbar für mich, sie anzuerkennen und in mein Selbstbild zu integrieren. Und seit ich das tue, verändert sich meine Perspektive auf und darüber auch meine Beziehung zu den Kinderinnens in meinem Er_Leben.

Ich habe darüber nachgedacht, was mir am meisten Druck machen wird, wenn ich ein Kind zu versorgen habe.
Und natürlich ging es dabei viel um meine Genderthemen, um finanzielle Sicherheiten, um Sorge darum, wie sich die Beziehung zum Partner entwickelt, wenn sich unser beider Leben durch Schlafentzug, 24/7 zwingend notwendiger Verfügbarkeit für das Kind und der Anforderung immer wieder Entscheidungen fällen zu müssen, die niemand vorgeben, aber alle kritisieren können wollen, verändert.
Mir ist aber auch aufgefallen, dass der Umgang mit Kindern und viele der Probleme und Anstrengungen sich aus einem scheinbar ungeschriebenen Anspruch der Kontrolle ergeben. Es wird erwartet, dass man als Elter alles vorgibt, alles bestimmt – und vor allem deshalb alles über alles wissen muss, damit im Falle eines Kontrollverlustes mit Nachsicht vom Umfeld gerechnet werden kann. Denn Un- oder Zufälle, die kann man nicht verhindern – aber dass das Kind nicht jeden Tag nackte Nudeln isst oder 3 Wochen die gleiche Hose trägt, dass es gefälligst immer Bitte und Danke sagt, dass es nicht widerspricht, dass es in der Schule die Klappe hält und nur auf Verlangen von Autoritäten sein Wissen auskotzt … das scheint irgendwie das Mindeste des Elternjobs zu sein. Und das ist etwas, von dem ich jetzt schon weiß, dass ich es gar nicht erst als Ziel annehmen will.

Erstens, weil ich weiß, dass meine Kraftreserven nicht dafür ausreichen werden – zweitens aber auch, weil ich merke, dass ich genau so seit tausend Jahren versuche, mit meinen Kinderinnens umzugehen. Ohne jeden Erfolg und ohne mehr Sinn als den, mich von meinem Trauma und damit der Realität meiner damals unerfüllten Bedürfnisse fernzuhalten.

Und wo kommt das her? Wie komme ich denn darauf, dass ich meine Kinderinnens – kindliche Selbstzustände – kontrollieren (können) muss (um zu heilen = in Frieden leben zu können)? Weil ich sie als Fehler begriffen habe. Weil mein Umfeld auf sie als Fehler reagiert, den ich mache. Jeder Flashback, jeder Wechsel zu einem Kinderinnen durch eine Fehlinterpretation der äußeren Umstände gilt als Dysfunktion. Als Teil meiner Krankheit genannt „dissoziative Identitätsstörung“. Als gefährlich, als falsch, als unangemessen und deshalb als zu kontrollieren bis zu einer veränderten Funktion, die möglicherweise so nahtlos reinpasst, dass man mich als geheilt einordnen kann.

Seit ich die Diagnose habe, wende ich unfassbar viel Energie dafür auf, bloß nichts Kindliches nach außen zu bringen. Nichts und niemand bedürftiges, unfähiges, traumatisiertes – nichts und niemand kompromisslos existenziell abhängiges. Ich habe mit jeder Therapie neue und engere Mittel und Möglichkeiten aufgebaut, um ein Regime der Kontrolle über mich aufzubauen und damit aber vor allem dafür gesorgt, dass die Kinderinnens immer so bleiben, wie sie vom Außen wahrgenommen werden: chaotisch und unberechenbar, fremd und gefährlich. Ein Unfall, eine Ausnahme in meinem sonst so kontrollierten Auftreten und Sein. Eine einzige Katastrophe.

Und was macht man nach Katastrophen. Man räumt auf. Beseitigt die Spuren. Wischt alles weg, baut irgendwas drüber, richtet neue Kontrollen ein, macht sich vielleicht noch eine Gedenknotiz. Ein Ermahnmal, um ja nicht zu vergessen, wie unfassbar wichtig es ist, hier alles im Griff zu haben, alles und alle zu kontrollieren – damit man sich gleich noch schlechter, schwächer, unfähiger fühlt, wenn es doch wieder zu einem Kontrollverlust kommt. Es reicht ja nicht, wenn es ist, wie uns M. in einer E-Mail schrieb. Dass man sich fragt, was man macht, wenn da so viel Weh und Bedürftigkeit ist, so viel Schreien nach Ver_Bindung, dass es auch eine Unfähigkeit zur Wahrnehmung der aktuell bestehenden Ver_Bindungen und Sicherheiten gibt.

Ich will meine Zeit als Elter nicht darauf verschwenden, meine eigenen Kinder als so unberechenbar und deshalb zwingend in allem zu kontrollieren zu denken, wie Kinder im Allgemeinen gedacht und behandelt werden. Ein vielversprechender Ansatz dazu ist das bindungs-und bedarfsorientierte Elternsein. Darin ist die Grundlage des Eltern-Kind-Miteinanders nicht die Frage nach individuellen Ressourcen und sozialem Status, sondern die nach den Bedürfnissen aller und dem Verständnis dafür, dass die Bindung zueinander bestimmt, was wann wie wo warum artikuliert wird.
In diesem Modell ist ein Kind, das irgendeine Schulaufgabe nicht macht, kein Kind, das Bock auf Stress hat und sich als Klassenclown gefällt (also gerne die Ressourcen anderer Leute wegfrisst und so eine soziale Position für sich produziert), sondern ein Kind, dem möglicherweise etwas abverlangt wird, dass es (gerade oder noch) nicht kann und versucht eine wahrgenommene Enttäuschung des Gegenübers mit Witzen und Lachen aufzufangen (also versucht zu zeigen: „Mieh, ich kann das nicht – aber guck, wir können immer noch gemeinsam (verbunden) lachen.“)

Übertragen auf meine Kinderinnens ist diese Perspektive insofern hilfreich, als dass ich aufhöre zu glauben, dass mein Bedürfnis nach Sicherheit durch Unauffälligkeit wichtiger oder relevanter ist als mein Bedürfnis nach Sicherheit durch Ver_Bindung (oder auch Versorgung), wenn ich in einem kindlichen Zustand bin. Denn nichts anderes sind Kinderinnens. Sie sind ich in einem mehr oder weniger funktionellem Zustand der Traumatisierung. Also einem Zustand, in dem eins bis alle der essenziellen Grundbedürfnisse nicht erfüllt wurden, negiert wurden, ausgenutzt wurden.
Es ist logisch, dass ich mich bodenlos hilflos, ohnmächtig, schwach, haltlos, zu Tode verängstigt, verlassen, schmerzerfüllt und ohne jede Hoffnung fühle, wenn sie mir sehr nah sind. Und es ist logisch, dass ich sie getrennt von mir erlebe. Denn ich bin hier und heute gut versorgt. Ich bin in äußerer Sicherheit, kann mir selbstbestimmt zu essen und zu trinken nehmen, kann mich versichern, kann mich halten lassen, meine Schmerzen behandeln, ein Leben führen, dessen Sinn und Inhalt ich selbst gestalte.
Aber die Trennung zwischen uns macht weder mich realer als sie, noch ihre Bedürfnisse weniger real als meine. Und das zu akzeptieren hilft mir gerade sehr, mich in meinem Vermeidungsverhalten zu beobachten und viel weniger pauschal und grob vorzugehen, wenn ich sie spüre oder höre.

Auch im Umgang mit Außenkindern ist es wichtig, wie man über Bedürfnisse spricht – wie man Kindern überhaupt vermittelt und bewusst macht, welche Empfindungen und Wünsche aus welchen Bedürfnissen heraus entstehen und wie sie ihnen sicher und nachhaltig entsprechen können. Das kann man als Elter lernen.
Und als traumatisiertes Elter, das ich gerne sein möchte, lerne ich dabei doppelt, denn intuitiv einfach so weiß ich selbst oft nicht, was ich wann wie wo für Bedürfnisse habe und wie ich ihnen nachhaltig entspreche. Unter anderem, weil ich immer nur in Situationen des Kontrollverlustes Kontakt zu Kinderinnens, aber auch jugendlichen Innens, habe und dann weder ihnen noch mir einfach so den Raum nehme zu fühlen, was gebraucht wird und selbst wenn ich weiß, was gebraucht wird, noch zig Extraschleifen fahre, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich diesen Bedarf wirklich (like: for real) habe, ob ich berechtigt bin ihn zu haben, ob es angemessen ist ihm nachzugehen, was es für alle anderen außer mich bedeutet, wenn ich dem nachgehe.
Um das zu ändern, fange ich jetzt nicht an Kindersocken zu tragen oder eskaliere auf einem Kinderspielplatz herum – es auch wird nie soweit kommen, dass ich Kinderinnenzeit im Außen freimache oder irgendwelche Außenpersonen anweise, doch bitte meine Kinderinnens zu beruhigen, weil sie so dringend Sicherheitsgefühle brauchen. Aber ich höre auf immer nur mich zu versorgen, wenn ich merke, dass mir – uns allen – etwas fehlt. Unsere Bedürfnisse stehen sich nicht in Wichtigkeit oder Relevanz gegenüber, sondern bedingen einander.

Auch das eine Parallele zum Umgang mit Außenkindern. Ich muss keins meiner Grundbedürfnisse negieren, nur weil die kleinen und großen anderen Menschen in meinem Leben auch welche haben und es vielleicht einigermaßen anstrengend wird, die alle miteinander zu befriedigen.
Kontrolle ist nur möglich durch Negierung von Aspekten ihres Ziels. Schreiende Kinder(innens) zu kontrollieren bedeutet also immer irgendein Bedürfnis zu negieren. Für mich ist das eine Wiederholung eines Aspektes meiner Traumatisierung.

Was ich jetzt also zum Beispiel bei einem Flashback oder nach einem Wechsel zu einem Kinderinnen herauszufinden versuche, ist (nach wie vor) nicht: „Was ist damals passiert?“ – denn mit dieser Frage rolle ich mir quasi den Teppich aus in Folgefragen wie: „War das wirklich so?“ um von der Antwort dann abhängig zu machen, wie berechtigt ist, was ich dazu denke, fühle oder im späteren Verlauf noch erinnere – was für mich einfach unnützer Quark ist, der mich überhaupt gar nicht weiterbringt, aber krank, leidend und vor allem dissoziiert hält.

Ich frage mich jetzt: „Welches Bedürfnis ist jetzt da?“ und prüfe, ob es etwas ist, dass ich selbst erfüllen kann oder ob es etwas ist, dass ich als erwachsene Hannah, die jetzt da steht, wo sie_r steht, wie sie_r ist, schon als erfüllt empfindet.
Da ich erwachsen bin, kann ich jetzt viele meiner Bedürfnisse einfach erfüllen und diskutiere das auch nicht mehr. Denn einfach alles worüber diskutiert wird, stellt die Legitimation eben jener Sache infrage. Grundbedürfnisse sind nicht diskutabel. Weder meine aktuellen noch meine früheren. Ich habe Grundbedürfnisse, weil ich existiere und um zu existieren. Sie gehen nicht weg, nur weil ich oder irgendjemand anderes meint, sie seien nicht angemessen oder real.
Wenn ich den Eindruck habe, dass eigentlich alles um mich herum meine Grundbedürfnisse erfüllt, erkläre ich das nach innen, in dem ich mich so sinnlich wie möglich dessen versichere. Meine Kinderinnens sind so viel mehr Körper als ich, die überwiegend Kopf bzw. Gedanke ist – es ist völlig logisch, dass ihnen die Info, dass alles ok ist, weil ich das weiß, überhaupt nichts sagt. Sie müssen fühlen, dass sie satt, sauber, unberührt, frei beweglich, warm und verbunden mit Menschen sind, die unsere Grenzen wahren. Ich muss mich dafür mit meinem Körper verbinden, muss mich anfassen, muss abchecken, in welchem Rahmen ich verdeutlichen kann, was jetzt gerade spürbar ist, ohne weitere Erinnerungskaskaden auszulösen. Und ich muss darauf achten, was diese Empfindungen in mir verändern.

Auch das ist ein Aspekt, den Kontrolle von Kinderinnens allein verhindert. Wenn ich sie nur kontrolliere, dann merke ich ausschließlich (aber das immerhin dann sehr eindeutig), ob sie mir nah sind oder nicht. Ich fühle mich sicher, wenn sie mir fern sind und Punkt. Dann fühle ich nicht, ob irgendwas von meinem Reorientierungszauber überhaupt gewirkt hat. Ob da irgendwer innen kapiert hat, dass es vorbei und alles ok ist – oder ob ich mich im Grunde schon mal drauf einstellen kann, dass ich immer wieder mit diesem Kinderinnen zu tun haben werde oder nicht.

Wie die Empfindungen erfüllter Grundbedürfnisse etwas in mir verändern, das ist ganz interessant eigentlich. Endlich habe ich kapiert, warum Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen in psychosomatischen Kliniken und eigentlich jeder Therapie so ein übliches Element sind.
Erfüllte Grundbedürfnisse entspannen. Unerfüllte Grundbedürfnisse sorgen für Anspannung (weil der Körper drauf eingestellt ist, etwas für seine Grundbedürfniserfüllung zu machen, denn das ist ja seine primäre Funktion: zu leben und dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt 🤯).
Es ist also auch völlig sinnlos, wenn ich meine Kinderinnens – oder auch Außenkinder – ausschließlich frage, wie es ihnen jetzt geht, wo sie fühlen, dass alles ok ist und mir das anhöre. Ich muss nach Zeichen der aktiven Entspannung schauen. Nicht: reglos, schlaff und stumm „Ja ja alles ok – ich hab mich tot gestellt und empfinde gar nichts, was mich irgendwie anspannen könnte“, sondern: Präsent, stabil, beweglich, reagibel „Jupp, mich gibts. Ich bin hier – die Welt ist da, ich kann alles überschauen, ich bin versorgt, jetzt könnte ich irgendwas anderes machen als essen, trinken, schlafen, von jemandem gehalten werden – wie wärs mit Entdecken? Jemanden kennenlernen? Irgendwas erschaffen?“ Der ganze Entspannungstherapiezenober soll dabei helfen, ein Gespür dafür zu bekommen, wie sich Entspannung anfühlt bzw. sich daran zu erinnern, wie man sich in diesem Zustand anfühlt, damit man in schwierigen Situationen nicht erst überlegen muss: „Ok ok ich muss mich entspannen – Äh… wie ist das noch gleich?“
Für meinen Geschmack bin ich schon viel zu lange in Traumatherapie,  um das erst jetzt zu verstehen – aber es hat mir auch nie jemand gesagt.
Naja.

Zurück zur Entspannung von Kinderinnens.
Es ist für mich leichter auf Entspannungszeichen zu achten, weil ich mich dazu nicht so sehr ihren Inhalten nähern muss. Ich kann so ganz bei der Realität bleiben, dass jedes Kinderinnen ich selbst in einem angespannten Zustand aufgrund unerfüllter Bedürfnisse ist und mich um mich selber kümmern. Ich kann jedes meiner Gefühle, das ich in dem Moment mit meinem erwachsenen Bewusstsein spüren kann, ernst nehmen und überlegen, wie ich ihm begegne. Und ja, das ist nach wie vor oft die Entscheidung, dass ich mich davon entferne, weil ich mich zu unsicher fühle sie aufzufangen, aber ich weiß jetzt ganz sicher, dass ich nicht einfach traumaphobisch bin und sie deshalb in ihrem Zustand belasse, sondern, dass ich mich selbst noch nicht genug darin gehalten/gestützt/versichert fühle mit allem umzugehen, was ich (hauptsächlich im Flashback oder im kindlichen/jugendlichen Zustand) fühle. Das bedeutet für mich eine Baustelle und die nehme ich ernst. Denn so wie es ist, soll es nicht bleiben.

Auch das eine Entscheidung, die man nicht treffen muss, wenn man sich für 24/7 Kontrolle über sich entscheidet (und das auch hinkriegt).
Man kann sich gegen die Ver_Bindung mit den eigenen Kinderinnens entscheiden, wie man sich gegen die Ver_Bindung mit Außenkindern entscheiden kann. Manchmal ist das nötig und manchmal das einzige, was eine_n selbst am Leben erhält.
Aber schön, erfüllend – ganz – ist es eben nicht.

Nachtrag: Vergebung

Der Begriff „Vergebung“ kreuzte nochmal unseren Weg. Im SWR Nachtcafé vom Freitag ging es um die Frage „Vergeben und vergessen?“ und jemand fragte uns in einer E-Mail nach unserem Bezug zu dem Begriff.
Dazu einige Worte.

In Bezug auf die Gewalt, die uns willentlich und wissentlich angetan wurde, ist Vergebung die einzige Möglichkeit der mentalen Emanzipation von den Täter_innen in Bezug auf ebenjene Gewalttaten an uns.
Vergebung setzt in dem Kontext das umfassende Begreifen der Unveränderbarkeit dessen, was passiert ist, voraus. Und das ist extrem schwer. Vor allem, wenn ein gutes Drittel der Inneren noch gar kein lineares Verständnis von Zeit und sich selbst, also uns – mir – haben. Also Dinge weder als beginnend noch endend begreifen (können).

Aber da, wo diese Anerkennung funktioniert – alles, was ich als jeden Veränderungswunsch und -willen vergebens anerkennen kann – da kann ich Vergebung schaffen und er-tragen.
Vergebung ist etwas, das die Täter_innen nicht braucht. Und alles, bei dem ich die Täter_innen heute nicht brauche, will ich in meinem Leben haben. Ich will nicht über meine Erfahrungen schweigen, weil sie das (vielleicht) wollen – ich will aber auch nicht offensiv darüber reden, weil sie das vielleicht stört. Ich will mein Leiden unter der Gewalt früher ausdrücken, weil es etwas mit mir gemacht hat, mein Ich, mein Sein, einfach alles, was mit mir zu tun hat, geformt hat – aber nicht, um sie zu beschämen, sie bloßzustellen oder sie irgendeiner Verurteilung zuzuführen (und mich damit über sie zu erheben oder mich in einem Opferstatus zu versichern), sondern, weil ich es erlebt habe und das nicht mehr zu ändern ist. Weder von mir noch von den Täter_innen.

Ich habe es sehr leicht dabei, denn mir ist die Gewalt als Kind, Jugendliche_r und junge Erwachsene_r passiert.
Wann immer ich damals glaubte, dass ich die Täter_innen brauchte, dann war das auch so, denn die Täter_innen waren mir ganz real immer überlegen, selbst wenn sie nicht von meinem Leiden unter ihrer Gewalt profitiert haben. Ich wurde nicht besiegt. Ich wurde nicht gebrochen. Ich war nie ein Gegner, ich war nie ein vollständiges, heiles, identes Selbst. Es ging niemandem jemals um mich, sondern immer nur um das, wozu mein Körper und meine Körperfunktionen be_nutzbar waren.
Das, was mir passiert ist, hat niemals je ein persönliches Band, eine innige seelische Verbindung hergestellt, sondern immer eine dingliche, sachdienliche. Ich war nicht mehr als ein Objekt für sie und sie kaum mehr als eine Macht über mich für mich.
Wenn ich die Taten vergebe, dann muss ich nicht viel persönliches dissoziieren, um mir auf meine Akzeptanz der Unveränderbarkeit des schrecklichen Geschehens keine Reaktion der Täter_innen zu wollen oder zu wünschen, denn da war nie viel assoziiert.

Für mich ist Vergebung ein mentaler Modus, in den ich mich bringe, um mich meines Erwachsenseins und meiner Selbstbestimmung über mich zu versichern. In oder kurz nach Flashbacks wie dem, den ich im letzten Text andeutete, bin ich definitiv nicht in diesem Modus. Da bin ich klein, ohnmächtig, zerstört, in Todesangst und brauche (eine Erinnerung an und allgemeine Sicherheit über) (innige seelische) Ver_Bindung. Da höre ich Kinder nach einer bindungsbereiten Person schreien, da spüre ich, wie Schreien überhaupt alles ist, was überhaupt drin ist. Da ist nichts mit „Ich erwarte keine Reaktion“ oder „Ich kann auch ohne Reaktion von außen akzeptieren, dass alles ist, wie es ist.“

*

An der Stelle lohnt sich auch ein Blick darauf, dass der Begriff der Vergebung manchmal auch missbraucht wird. Besonders wenn Gewaltüb.erlebende dazu aufgefordert werden, doch endlich zu vergeben, findet man in der Situationsanalyse vor allem die Vermeidungs- und Abwehrstrategien der Fordernden vor dem Bindungsbedarf der Üb.erlebenden. Und zwar oft aus dem Unwillen zu akzeptieren, dass sich die Üb.erlebenden (noch) mit den Täter_innen verbunden fühlen und zwar so sehr, dass sie bestimmte Dinge nicht schaffen (können). Zum Beispiel die Gewalt als Gewalt und damit falsch anzu.erkennen oder die Täter_innen als Täter_innen und damit als Menschen, die (falsches) getan haben. Oder dass sie nur Dinge tun, von denen sie wissen, dass die Täter_innen, sie tolerieren (würden). Und wenn das Dinge sind, die die persönliche Integrität weder fördern noch intakt lassen, dann kann es für Außenstehende, welche die Problematik dieser Verbindung (die in dieser Konstellation auch eine Abhängigkeit ist) mit.erleben, unaushaltbar schwer sein, im Kontakt mit den Gewaltüb.erlebenden zu sein oder zu bleiben.
Also denken sie an Optionen, es der betroffenen Person (und sich selbst) leicht.er zu machen und fordern oder schlagen vor doch zu vergeben, weil es ja nun auch nicht mehr zu ändern sei oder das die einzige Möglichkeit sei „damit abzuschließen“.
Da missbraucht man also ein Konzept der Bewältigung durch Akzeptanz von Vergangenem als Konzept der Beendigung von Aktuellem. Was vielleicht oft in Hilflosigkeit begründet, aber deshalb nicht weniger falsch ist.

In diesem Verhalten zeigt sich auch die falsche Annahme, dass sich traumatisch bedingte Zustände, Krankheiten, Ängste, Empfindungen und Wahrheiten auflösen, wenn man das Trauma nur als vergangen und die heutigen Reaktionen darauf als unnötig oder schädigend oder problematisch (für die Leute um sich herum und das Leben, das man heute führt) begreift.
Tatsächlich aber ist für viele Gewaltüb.erlebende – besonders für die Menschen, die in einem 24/7 (potentiell) traumatisierenden Umfeld aufgewachsen sind – die mit „ihren Täter_innen“ Bett, Nahrung, Wohnraum teilen mussten – nicht unbedingt das Trauma das, was es zu begreifen gilt, sondern das Leben. Ihr Leben. Ihre Grundbedürfnisse, ihr Selbst, ihr Sein und ihre Möglichkeiten darüber zu bestimmen.
Ja, sie müssen ihre Traumatisierung auch an.erkennen und begreifen, aber da das so üblich war, so normal eingebacken in ihre Existenz, ist das oft gar nicht „der Knoten, der alles zum Problem werden lässt“, sondern der Umstand, dass sie etwas darüber fühlen, denken, annehmen oder auch ablehnen könnten. Dass sie ihr Trauma als etwas einordnen könnten, dass gar nichts mit ihnen zu tun hat bzw. als etwas, das nicht sie ist, sondern etwas, das ihnen passiert ist und etwas mit ihnen gemacht hat.

Sollte man verstanden haben, wenn man mit komplex traumatisierten Menschen zu tun hat.

*

Anders stehe ich zu Vergebung um Gewalt, die verhinderbar ist.
Ich weigere mich zu akzeptieren, dass die Gesellschaft, in der ich lebe, hinnimmt und davon profitiert andere Menschen, Gesellschaften, Kulturen, Länder, Staaten auszubeuten und gewaltvoll zu unterdrücken.
Das ist verhinderbar – das ist veränderbar.
Entsprechend vergebe ich mir nicht, wie ich konsumiere, wie und mit wem ich wann wie wo nicht aktiv genug geholfen habe, die Dinge zum Besseren zu bewegen oder wenn ich Unrecht nicht mindestens angesprochen habe.
Manchen Menschen erscheint das schräg, denn in dieser Gewaltdynamik bin ich weder offensichtliche_r Täter_in noch Opfer. Aber ich bin darin verwickelt – damit verbunden – und sehe mich entsprechend in der Verantwortung etwas dagegen zu tun. Aus dieser Position heraus ist Vergebung falsch, sowohl mir selbst als auch den aktiv gewalttätigen Menschen gegenüber, denn Gewalt zu verhindern, ist nie vergebens.

Vergebung

Früh am Morgen packe ich meine Sachen zusammen, um zum Lungenfacharzt und dann nach Hause zu fahren. Mein Blick fällt auf eine Liste der Freundin. „Vergebung hilft zu heilen“ steht da, mit vielen Punkten, was Vergebung ist und was nicht.
Ich schaue den Häuserschacht hinauf in den diesigen Morgenhimmel, auf die Uhr, in meine Kaffeetasse. Mir hängt der Gestank von Blut und Schweiß in der Nase, ich fühle mich klebrig verschleimt an, obwohl meine Haut warm und trocken ist. Ja, Vergebung, Heilung, whatever, das ist ein Modus, in dem ich gerade nicht bin.

„Und vielleicht auch nie komme“, denke ich als ich eine Anhöhe raufradle. Ich weiß nicht mal, wer mir das angetan hat. Wem soll ich vergeben. Und was überhaupt. Kaputtgehen passiert. Es ist eigentlich kein Ausnahmezustand, unheil und an irgendeiner Stelle irgendwie in irgendeinem Heilungsprozess zu sein. Ich steige vom Rad und befühle die Nagelbettentzündung an meinem kleinen Finger.
Der Flashback ist vorbei. Mein Alltag liegt vor mir wie ein ungepflegter Radweg.

Beim Lungenarzt sitzen außer mir nur Leute nach einer Covid-19-Infektion im Wartezimmer. Zwei haben einen Sauerstoffwagen neben sich stehen und sind kaum älter als ich. Meine Lungenfunktion ist so gut wie noch nie, mein Gewichtsverlust wird erneut goutiert und dass ich mich auch um eine Boosterimpfung kümmern soll, braucht mir mein Doc gar nicht erst schmackhaft zu machen. Im Wartezimmer wird gehustet. Kann man einem Virus vergeben?

Auch am Bahnhof gehts um Vergebung. Nach erst 30, dann 70 und 80 Minuten Verspätung, fällt der Flixtrain zwischen zwei verspäteten Zügen der Deutschen Bahn aus. Scheinbar schießen die Baustellen auf den Gleisen ohne jede Vorankündigung einfach aus dem Boden. Da kann man wohl nichts machen, außer demütig üben, nicht frustriert zu sein wie jeder normale Mensch. Wer heil sein will, muss sich selbst überwinden, oder so.
Im Zug lese ich in einer liegengelassenen Zeitung vom Elend an der Grenze zwischen Belarus und Polen, von der Überschwemmung in Sarajevo und dass schon jetzt die Länder am meisten unter dem Klimawandel leiden, die ihn am wenigsten befeuern. Keine Zeile übers Sterben im Mittelmeer. Die Coronatoten haben sich in Zahlen, die Realitätsverweigerer in eine unkontrollierbare Bedrohung verwandelt.
Die Welt ist kaputt, jede_r heilt für sich allein.

Die Sonne scheint das bunte Laub der Bäume an, ich schaffe den „Berg“ nach Hause zum ersten Mal in einem Rutsch. Der Partner verzögert seinen Abflug, um noch ein bisschen zu reden, die Hunde schnuffeln um uns herum. Der erste Adventskalender war in der Post.
Es gibt nichts zu vergeben. Hier heilt es sich auch so.

ein dritter November

7 Uhr 40. Es ist hell und kalt. 5° zeigt die Wetter-App, 3° meine Körperreaktion.
Ich vermeide es, bei so niedrigen Temperaturen länger mit dem Rad zu fahren. Anstrengung plus kalte Luft gleich Asthma-Attacke, das ist eine Rechnung, die fast immer aufgeht. „Vor allem, weil du deine Luke dauernd offen lässt!- Was bist du – ein Fisch?“
Ich presse meine Lippen aufeinander, trete in die Pedale, hoffe, dass weder meine Hand- noch meine Fußschuhe sehr feucht werden. Kurze Zeit später ist mein Mund wieder offen, eine Innere teilt mir eine Erinnerung an das Brechen der Nase zu. Ich beiße die Zähne zusammen. Lasse mich in die Musik auf meinen Ohren fallen. Langsam verschwinden sie darin. Meine Inneren, die Anderen, der ganze belastende Kram.

Umgezogen und restwarm steige ich in den Bus. Darin sitzt ein Psychiatriepfleger und quatscht den jungen Fahrer voll. Trotz Kopfhörern in den Ohren höre ich alles, was aus seinem unmaskierten Mund herauskommt. Wie die sich immer in Dinge verrennen und das manchmal ganz schön gefährlich werden kann. Dass die Arbeit schon Spaß macht, wenn man die erst mal unter Kontrolle hat.
Schon sind sie alle wieder bei mir. Sitzen mit im Bus, drängeln sich in meine Aufmerksamkeit, brodeln dicht unter unserer gemeinsamen Hülle. Er verstummt über einem Magazin als wir losfahren. Ich atme auf und merke, dass ich friere. Frühstück vergessen, Blutdruck im Keller. „Dumm dumm dumm – Warum bist du so scheiße?“ Musik an, runterfahren, Füße und Hände langsam und intensiv bewegen. „Nach dem Zahnarzttermin kümmere ich mich darum.“ Den Gedanken denke ich als solide Form mit glatter Oberfläche. Ein Monolith, an dem die vorbeirutschen, die sich nicht damit verbinden wollen/können und die haften bleiben, die Halt brauchen.

Ich komme zu spät zu dem Termin. Bauarbeiten, Güterverkehr, die deutsche Bahn an sich. Ich bin ruhig und froh ein Stück rennen zu müssen. Blutdruck wieder hoch, die Lunge meldet Stechen und Drücken, das Innere diffuse Bilder vom Kampf um Luft durch Stoff und Fremdeinwirkung. Ich bin ruhig und in der Dauerschleife eines Songs, der mir gut gefällt. Ich denke an nichts, fühle meinem Herzschlag nach, rufe in der Praxis an, um Bescheid zu sagen, als die Idee an mir vorbeischwimmt. „Okay, ist kein Problem – bis gleich!“, gibt die Mitarbeiterin durch an mich, die_r es weiter nach innen trägt wie einen Brief ohne Adressaten.

In Bielefeld liegt eine tote Taube auf dem Sand am Fuß einer Stadtplatane. Ich greife den Lenker des Rads fester, fixiere meine Umgebung, sehe alles, erkenne nichts. Jemand inneres fährt uns zur Praxis, ich zittere als ich absteige. Klopfe mich ab, schüttle mich aus, ziehe mich zusammen, um meine Aufmerksamkeit zu bündeln.
Meine Zähne sind super, meine Figur auch. Seit dem frühen Sommer habe ich 32 Kilo abgenommen, das wird von der Mitarbeiterin goutiert, was mich irritiert. Meine Zähne richtig zu pflegen und gut zu behandeln war viel schwieriger, als mein Übergewicht zu reduzieren. Ich denke das laut und drehe ein jüngeres Ich weg von dem vergifteten Kompliment, um nicht gleich beim Frühstücken von ihr gestört zu werden.

Was gut funktioniert.
Bei Tee und einem Brötchen sitze ich in der Bäckerei und suche eine Zugverbindung zurück aus. Eine Stunde habe ich noch. In der kaufe ich mir einen Bademantel für die Schwimmhalle und werde zwei Mal fast von Autofahrer_innen überfahren.
Dann steige ich in den RE6 nach Minden, der nie pünktlich in Minden ankommt und heute sogar so viel zu spät ist, dass ich alle möglichen Anschlüsse nach Hause verpasse. Eine Stunde stehen wir am Gleis, essen ein zweites Brötchen zum Mittag, trinken das eiskalte Wasser aus der Trinkflasche, fangen wieder an zu frieren.
Auftauend im Zug denke ich darüber nach, statt ins Sportbecken in die Sauna zu gehen. Einmal ganz tief aufwärmen tut bestimmt genauso gut, wie eine Stunde Bahnen ziehen. In Wunstorf, meinem Hassbahnhof, warte ich auf den Umstieg und fühle die ersten Regentropfen. Die Wärme ist dahin, wenn wir durch den Regen nach Hause gefahren sind. Grmpf. „Bald haben wir den Führerschein.“ muntere ich mich selber wieder auf und fahre am Feierabendverkehr vorbei in die Schwimmhalle.

Der Bademantel ist mir viel zu groß. Da ist sie also immer noch, die verschobene Körperwahrnehmung – oder die Problematik, dass L bei Marke A die XXS von Marke B ist und andersherum. Eine Person kommt mit zwei kleinen Kindern in die Umkleidekabine. Mir wird schlecht, ich esse, einer spontanen Eingebung folgend, die Banane in meinem Rucksack und wickle mich fest in den Bademantel. Die Kinder hüpfen nackt durch den Raum, ich bin erfüllt von einer fremden Panik, dass sie mich berühren könnten. Ich sage irgendwas Nettes zum Abschied und stiebe wie dampfgetrieben zu den Nassräumen. Hier ist es nicht voll, ich bin allein da. Atme mich ruhig, denke das Wort „Nichts“ in Schreibschrift, spiele ein bisschen mit dem warmen Wasser aus der Dusche.
Im Bademantel laufe ich an den bodentiefen Bistrofenstern vorbei. „Hah, so ist es besser“ stecke ich mir meinen ersten Triumph des Tages an die Brust und ersticke das schlimme Gekeife der Dunkelbunten im Sportbecken, wo ich schon nach einer Bahn nichts mehr denke, erinnere, von den anderen spüre. Ich schwimme meine Routine durch, beobachte wie Anna heute ihr Seepferdchen schafft und wackle zur Düse im Entspannungsbecken, um meinen Mausarm massieren zu lassen. Es ist zehn vor halb 6 als ich das Wasser verlasse, den Bademantel ein weiteres Mal feiere und mir unter der Dusche den langen Zopf aufmache.

Es regnet immer noch. An die Gebäudewand gelehnt, esse ich noch die beiden Äpfel aus dem Rucksack und suche nach Schlupflöchern in meiner Angst vor dem Radfahren in der Dunkelheit. Es gibt nur eins und das verschluckt mich. Irgendwie komme ich zu Hause an, wo der Partner schon zu Abend isst und die Hunde mich sachte anstupsen.
Wir kochen schnell, essen noch schneller, gucken unsere Serien, versuchen zu erfassen, wie es dem Partner geht, liegen früh mit zwei Wärmflaschen im Bett unter der schweren Decke.

„Für einen dritten November nicht schlecht“, denke ich kurz vorm Einschlafen.

Autismus, Trauma, Kommunikation #10

Es ist einer der größten Risikofaktoren für autistische Menschen im Kontakt mit anderen Menschen unbeabsichtigt negative Irritation, unangenehme Gefühle oder falsche Annahmen über die Ziele und Intentionen der jeweiligen Gespräche und anderen Interaktionen auszulösen. Da geht es um unterschiedliche Kommunikationsstile, unterschiedliche Fokussierung, um unterschiedliche Interpretationsgewohnheiten und die soziale Position, aus der heraus man spricht bzw. in der man sich wähnt.
Es geht aber auch darum, wie ein Gegenüber mit negativer Irritation und/oder unangenehmen Gefühlen umgeht. Und auch welche Strategien man entwickelt, um sich der Ziele einer anderen Person zu versichern und wie man die eigenen Grenzen oder auch den eigenen Status in einer Beziehung schützt.

Für mich ist die Wahrnehmung negativer Irritation wichtig, um mich zu schützen. Ich weiß, dass es mir nur selten gelingt, andere Menschen von meinen Intensionen und Zielen einer Interaktion zu überzeugen, sind diese erst einmal von ihrer Wahrnehmung von mir überzeugt.
Was für die meisten neurotypischen Menschen ein kleines, eher unbedeutendes Missverständnis ist, das sie in 5 bis 10 Phraselrunden wieder ausgebügelt haben, ist für mich schnell eine Erfahrung von Gaslighting. Eine Manipulationserfahrung. Eine Negierung meines Anteils an einem Kontakt. Und also alles andere als leicht wieder gutzumachen, denn es geht dann ja nicht nur um die Situation selbst, sondern auch um den Kontakt. Es ist schmerzhaft, sich manipuliert oder negiert zu fühlen und sich gleichzeitig darüber aber nicht sicher sein zu können, denn es könnte ja doch einfach nur ein Missverständnis sein. Das ist auf Dauer ein Problem für jede Beziehung, für jeden Kontakt über längere Zeit. Denn auch ich habe ja das Bedürfnis mir einer gemeinsamen Basis sicher sein zu können.
An der Stelle treffen Autismus und Trauma zusammen.

Menschen, die sich als Kinder nicht auf die gemeinsame Basis mit den Menschen um sie herum verlassen konnten, werden das später nie automatisiert einfach tun. Sie werden immer hinterfragen, immer unsicher sein, sich nie auf ihren Instinkt, ihre Intuition, ihr Bauchgefühl verlassen, wie es jemand mit ihnen meint. Was sie leider auch zu Menschen macht, die ihre Partner_innen oder nahe Familienangehörige eher in Situationen bringen, die diese als emotionales Gaslighting empfinden und immer wieder eine Versicherung über die Motive und Ziele von Interaktion zu fordern, die sie gleichzeitig aber gar nicht glauben und wirklich annehmen können.
Denn es ist ja das eine, sich damit zu schützen, dass man sich auf nichts verlässt und an nichts und niemanden bindet – es ist aber ein menschliches Grundbedürfnis, sich sicher und verbunden zu fühlen und man braucht für diese Art der Sicherheit im Kontakt mit anderen Menschen einfach Vertrauen in den Wahrheitsgehalt dessen, was man selber wahrnimmt und andere Menschen vermitteln.
Wenn sich diese Sicherheit über die Dauer eines Kontaktes nicht einstellt, begibt man sich miteinander schnell mal in eine Wiederholung der traumatisierenden Dynamik und damit in Gefilde, in denen man als traumatisierte Person wirklich allein ist, weil ja alles immer durch diese Angst- und Zweifelfilter durchgeht. Da ist es völlig egal, wie oft wer was wie sehr versichert oder beteuert, macht und tut. Man er_lebt tatsächlich unterschiedliche Realitäten und kann sie nur mit Vertrauen, Sicherheitsgefühl und der Fähigkeit zur Selbstberuhigung miteinander verbinden. Das Drama komplex traumatisierter Menschen ist jedoch, dass Menschen Sicherheitsgefühl, Selbstberuhigung und Vertrauen nur sicher gebunden überhaupt erlernen.

Das bedeutet, dass komplex traumatisierte (also als (kleine) Kinder (von den Eltern oder ähnlich nahen Menschen im direkten Umfeld) traumatisierte) Menschen als Erwachsene mit einem Defizit leben, das sie oft nur mit Mut und der Fähigkeit sich in die Gegenwart zu reorientieren kompensieren (lernen) können. Sie müssen wissen, wann sie sich „von ihren (früh_kindlichen Todes-)Ängsten verrückt machen lassen“ und wann es von ihnen kompensierbar ist, sich mal auf ein Sicherheitsgefühl einzulassen – um vielleicht überhaupt mal zu fühlen, wie das ist. Wie ist das, wenn man mal locker lässt? Mal annimmt, etwas ist, wie es zu sein scheint? Wie fühlt es sich an, wenn meine Erwartungen an einen guten Ausgang einer Situation sich auch wirklich erfüllen? Und wie oft werden meine Erwartungen an einen guten Ausgang von Situationen eigentlich erfüllt?
Außerdem müssen sie verstehen und begreifen, dass sie sich langfristig schaden, wenn sie sich vor Verbindung schützen, weil sie gegen ihre Menschlichkeit handeln. Sie behindern sich selbst, sie verletzen sich selbst, sie arbeiten – krass ausgedrückt – an ihrer Vernichtung. So wie das Trauma sie zu vernichten bedroht hat, weil ein (oder auch alle) Grundbedürfnisse nicht erfüllt wurde.n.

Immer, wenn mein Mut zum Sicherheitsgefühl (empfinden/annehmen) belohnt wurde, habe ich viel gelernt. Natürlich erst einmal, wie es sich anfühlt sich sicher zu sein und zu bleiben, aber auch, dass es durchaus klargeht. Dass ich richtig einschätzen kann, wann mein Mut zur Empfindung mich nicht gefährdet hat. Was ich gebraucht habe, um diesen Mut aufzubringen. Was geholfen hat und was nicht. Dass ich als erwachsener Mensch mit Ängsten umgehe, die früher ein wichtiger Marker für meine Gefährdung waren, aber heute ein Marker für eine andere Art von Gefährdung, weil ich meine Grundbedürfnisse spüre, ernst nehme und mir, soweit es geht, bedingungslos erfüllen kann, weil ich dafür niemanden mehr zwingend brauche.

Missverständnisse mit anderen Menschen haben früher mein Leben bedroht, und zwar ganz direkt.
Beleidigungen, Phrasen oder Redewendungen wörtlich zu nehmen, Trickfragen nicht erkennen können, den Anteil eines Gespräches, in dem jemand die eigene Überlegenheit und Macht über mich kommuniziert, übergehen, sich in Situationen sicher zu fühlen, weil bereits erlebte Misshandlungsszenarien in Details verändert wurden, die als Erkennungsmerkmal funktionierten … das sind Situationen gewesen, in denen mein autistisch sein zu negativer Irritation führte, den Täter_innen aber auch extrem erleichtert hat, die Gewalt an mir zu legitimieren oder meine Ausbeutung nicht als solche wahrzunehmen.

Heute sind es nicht mehr die großen körperlich bedrohlichen Szenarien, die mir Probleme bereiten, sondern die kleineren sozialen. Denn die bringen mich an emotionale Verletzbarkeiten und Traumata. Und die sind für mich bis heute schwer zu reorientieren, weil sie nie aufgehört haben. Ich kann es schaffen, sie von den Personen zu lösen. Kann mich daran erinnern, dass ich mehrheitlich von neurotypischen Menschen umgeben bin, die einfach immer alles als auf sie persönlich bezogen einordnen, die von mir gesagt bekommen müssen, was ich fühle und möchte (obwohl sie sich seltener die Mühe machen, sich mir zu übersetzen) und dass ich vieles einfach anders wahrnehme.
Das macht aber die Verletzung nicht weg. Und auch nicht das Gefühl, das sich einstellt, wenn das Grundbedürfnis nach sozialer Verbundenheit einfach nicht erfüllt werden kann, weil sich niemand in der direkten sozialen Umgebung ähnlich wie ich ver_bindet.
Aber es ist richtiger als der traumalogische Schluss, dass ich nichts dagegen tun kann. Dass ich deshalb komisch bin oder falsch und ja kein Wunder ist, dass mich niemand mag. Dass ich meine Einsamkeit irgendwie nicht anders verdient hätte und mich in ihr einrichten muss, obwohl ich das gar nicht will. Oder, dass meine Gefühle von Verletzung zu äußern falsch ist, nur weil andere Menschen unverletzt aus dem herausgehen, was sie als Missverständnis interpretieren.

Je mehr ich mich mit diesen Dingen auseinandersetze, desto bewusster wird mir, dass ich weiter sehr viel mehr Mut und vielleicht auch Opfer aufbringen muss, um ein alle Grundbedürfnisse erfülltes Leben zu führen. Das macht mich manchmal traurig, weil das sehr anstrengend ist und häufig auch mit Unverständnis des Umfelds einhergeht. Andererseits macht es mich auch froh und dankbar, weil es mich daran erinnert, dass die Alleinverantwortlichkeit für die Erfüllung meiner Grundbedürfnisse heute kein zu hoher Anspruch mehr an mich ist, wie damals als Kind und Jugendliche_r.

Und, weil ich das Leben heute als etwas fühlen kann, das eben nicht um (die Verhinderung von) Schmerz und Not kreist, sondern um Grundbedürfnisse, die sind, weil sie sind, weil das Leben ist und ist und ist.

„Was haben die Täter_innen denn davon?“

Ich hab mich durch das Feature geskipped. Kinderfolter – Sexuelle Gewalt in organisierten und rituellen Gruppen.
Nach einiger Gewaltschilderung und vielem, was schon bekannt ist, aber darin ein Update erfährt, hört man die leise Frage: „Was haben die Täter denn davon?“.

Ich sitze auf dem Rad, als ich das höre. Kämpfe mit Gegenwind und der Wärme, die mein Körper nach außen drückt. Nachdem wir die Protagonist_innen erkannt haben, wollen wir dran bleiben und zuhören. Denken, dass wir es ihnen irgendwie schuldig sind als Mit~Auch~Opfer. Denken darüber nach, wie wir ihre Stimmen boosten können, wie ihren Mut belohnen.
Aber diese Frage. Die ist mein Kipppunkt. Ich reiße mir das Headset aus dem Kopf und stopfe es in die Jackentasche. Es fängt an zu regnen, vor mir liegt eine Steigung.

Was ist das für ein Ding, das Leute fragen lässt: „Was hat denn einer von Gewalt an Kindern?“ – bitte wie naiv, wie behütet sozialisiert muss man sein, um sich zu fragen, was Gewaltäter_innen von Gewalt haben?
Fragen sich diese Leute auch, was denn alle anderen von einem nicht gewaltvollen Umgang mit Kindern haben? Nein. Vermutlich nicht. Weil das logisch erscheint und Gewalt nicht. Was doch aber auch davon zeugt, dass man den Überlebenden von Gewalt über Jahre und Jahrzehnte nicht wirklich zugehört hat. Oder nicht wirklich begriffen hat, was sie gesagt haben.
Ja, ich kann einsehen, dass es für viele Menschen schwer ist, sich vorzustellen, wie normal es sein kann, jeden Tag in Todesangst zu leben, weil sie einfach zum Leben gehört. Beziehungsweise wie logisch Gewalt und die Gefahr Gewalt zu erfahren in einen Alltag integriert werden kann. Dass auch Gewalt ver_bindet.
Und erst recht wie unvorstellbar es erscheint, etwas für sich aus etwas gegen andere zu ziehen.

Aber bitte, was für ein Move ist das die Überlebenden danach zu fragen. Was für ein mieser Move.

Was sollen sie anderes sagen als das offensichtlichste – Geld und Macht – Sie sind nicht die Täter_innen. Sie können nicht und werden nie wissen, was die Täter_innen davon hatten. Niemand außer den Täter_innen, die noch nie irgendwer mit dieser Frage im Radio oder Fernsehen konfrontiert hat.

„Übriggebliebene“ denke ich oben angekommen, meine Regenjacke schließend. „Wir Opfer sind der Rest für Journalist_innen auf Spurensuche. Unsere Leben sind ihre Grabungsstätte. Weil es uns gibt, weil wir Zeug_innen sind, wird von uns Zeugnis über alles abverlangt und erwartet, dass das klar geht, weil ja sonst nix weiter da ist.“ Der Boden ist glatt vom nassen Herbstlaub, ein Laster rauscht an mir vorbei, der Wind drückt sich gegen mich wie eine riesige Katze. Ich erinnere mich an einen Text von vor tausend Jahren. „über etwas drübergelebt“. 

„Das Überleben ist einfach immer nur das Leben, was über ist.
Der Rest von vorher und das, was dann kommt.“

Was dann kommt, ist für uns Opfer nicht nur allgemeiner Unglaube, Behörden, die ignorieren und eine Gesellschaft, die sich ihrer Hilflosigkeit gefällt, sondern auch die ständige Definition über das, was wir überwunden haben. Der ständige Rückbezug auf alles, was war, alles, was wir mit.teilen.

Überlebt zu haben ist keine Auszeichnung für besondere Fähigkeiten.
Es ist nur eine Würdigung dessen, was dort so gefährdend war, das man über es drüber zu leben gezwungen war.

Ich frage mich, ob das alles ist, was geht. Würdigung.
Ist das alles, was geht, jetzt, wo Mediziner_innen, diverse Wissenschaftler_innen, einige Polizist_innen und Jurist_innen unsere Teile des Zeugnisses rahmen und fundieren? Würdigung unserer Existenz als Überlebende von grauenhaften Erfahrungen.

Ist das alles, was uns zusteht oder alles, was wir wollen?

Ich weiß gar nicht, wieso ich dauernd „wir Opfer“ denke und hier schreibe. Ich bin viel zu identifiziert, viel zu nah dran. Was weiß ich über die Wünsche anderer Überlebender? Gar nichts.
„Was haben die Überlebenden denn von so einer Berichterstattung?“, die Frage stellt sich mir und bleibt erst einmal nur für mich beantwortet mit: Nichts – außer die Bestätigung von etwas, das ich schon längst weiß und mir in diesem Leben, in dieser Gesellschaft, überhaupt nichts bringt.