Liebe Leser_innen,

… manchmal ist das Schlimmste die Kluft zwischen uns und euch.
Ja – euch. Dir. Du – di_er das hier liest und uns, die das hier aufgeschrieben haben.

Wir lesen euch nicht. Schauen nicht in euer Leben hinein.
Schauen nicht in euch hinein.
Unser Miteinander passiert niemals auf der gleichen Ebene. Egal, was wir tun. Egal, wie transparent wir uns für euch machen. Egal, wie greifbar wir als Person für euch sein können. Niemals werden wir mit euch auf Augenhöhe sein.

Wir erfahren von euch Achtung.
Manchmal Beachtung – manchmal Missachtung – manchmal Verachtung.
Ihr benutzt unsere Texte und manche von euch bedanken sich dafür.

Manche unserer Arbeiten erreichen Menschen, die wir primär gar nicht ansprechen wollten.
Manche unserer Arbeiten werden von Menschen beachtet, die uns als Person missachten, ohne es zu reflektieren.
Die meisten unserer Arbeiten, werden nicht als solche anerkannt.

Bloggen ist für noch so viele Menschen eine leichtsinnige Spielerei in einem gefährlichen Fremdland, dass für uns als Person kein Respekt mehr übrig bleibt.
Keine Idee von Kompetenz ihren Raum in diesem Bild bekommen kann.

Würden wir Bücher schreiben wäre das etwas anders.
Bücherschreiben, das ist ja eine echte Arbeit.
Würden wir einen Titel vor dem Namen tragen, wäre das etwas anderes.
Für mehr Menschen, als man glauben mag.
Und auch für mehr Menschen als die, die das von sich wissen.

Für uns ist genau das reizvoll.
Diese Nische. Diese Lücke, die da ist, aber von viel zu wenigen in Anspruch genommen wird.
Auch von uns.
Aber an anderen Stellen.

Das Recht da zu sein. Den Raum einzunehmen, den man selbst stellt.
Einfach da zu sein und irgendwas zu machen, weil man es will und kann und darf.

Wir schreiben ins Internet, weil es niemanden interessiert, di_er sich nicht interessiert.
Wir sind hier sichtbar und nicht in einem Bücherregal, auf Plakatwänden, in Talk-Shows, in Foren, in Selbsthilfegruppen und inzwischen nicht einmal mehr in Kontexten, die uns eigentlich noch auf anderen Ebenen wichtig sein könnten:  Kliniken, Ambulanzen, diversen anderen Hilfesystemen

Als H.C. Rosenblatt haben wir einen enormen Preis dafür bezahlt uns auszudrücken, unsere Er_Lebensrealität zu teilen und uns als Autorin zu entfalten.
Das ist so und wir empfehlen niemandem mit gesteigertem Interesse an gesellschaftlicher Teilhabe und vorbehaltslosem Miteinander, das nachzumachen.

Wir leben in einer Zeit, in der es unüblich ist, einfach so zu sein und einfach so Dinge zu tun.
In unserer Zeit ist es üblicher von anderen Menschen und Instanzen legitimiert zu werden.

Wir werden nicht legitimiert.
Wir werden toleriert, weil man uns das Recht auf freie Rede und Meinungsäußerung nicht aberkennen darf.

Wohl aber darf man uns in anderen Bereichen des Lebens ausschließen und macht davon auch regen Gebrauch.
Bisher ohne, dass wir das in diesem Kontext mal so ausführlich wie jetzt thematisieren.
Denn uns geht es meist nicht um den Ausschluss an sich, sondern um den Umstand, wie normal das für uns ist, wieder vor irgendeiner zugeschlagenen Tür zu stehen und zu wissen, wie noch mehr wir uns erniedrigen würden, begännen wir zu bitten und zu betteln.

Und wie sehr es an unserem Entschluss für ein aushaltbares Leben zu kämpfen, rütteln würde, solche Anstrengungen nicht honoriert zu erleben.

Für uns war die Entscheidung öffentlich zugänglich zu schreiben alternativlos.
Wir wollen uns nicht verstecken, als wäre das was wir hier tun etwas, dass “man nicht macht”. Wir haben auch kein Interesse daran, hiermit berühmt zu werden oder uns einen Schrein für uns selbst zu bauen.
Jede_r mit ein bisschen Netzerfahrung weiß, wie solche Blogs in der Regel aussehen und welche Themen eben genau dann nicht mehr besprochen werden.

Wir hatten schon mehrere Verlagsanfragen, Werbepartnerschaftsangebote und all den anderen Quatsch mit dem man Netzcontent verhökert, Autorenegos streichelt und Nebenverdienste ermöglicht.
Wir haben uns in den letzten Jahren immer wieder dagegen entschieden. Aus Gründen.

Aus Gründen der Armut und der strukturellen Abhängigkeit von staatlichen Leistungen, die unsere Zuverdienstmöglichkeiten enorm einschränken – aber auch aus dem Grund, dass man sich mit einem Blog, das weder massentauglich noch einnahmenstark ist, und Workshops nicht selbst finanzieren kann.  Unsere Einnahmen kann man auf Patreon sehen. Mehr ist da nicht. Mehr wird da auch nie kommen. Und wir sind okay damit und unser Jobcenter auch.

Es gibt aber auch noch andere Gründe.
Aus Gründen nicht vorhandenen Opferschutzes zum Beispiel, der unsere Anonymität schützen helfen könnte.
Bezahltexte schreiben, Workshops geben, Vorträge halten – alles ein Anlass für Rumgeeier um den Klarnamen, das so anstrengend ist, wie man sich das nicht vorstellen will.

Und es gibt die Gründe, die etwas damit zu tun haben, dass wir einfach keine Kapazität dafür haben, unsere Inhalte für andere Menschen zu machen.
Wir sind hier, weil wir hier sind und nicht irgendwo anders. Wir sind hier, weil wir hier sein wollen. Einfach, weil wir das so wollen und das möglich ist.
Nicht, weil man uns hier lesen kann, sondern weil man hier etwas lesen kann, wenn man etwas lesen möchte.

Gäbe es analoge Orte, die gleichermaßen einfach und auf unsere Fähig- und Möglichkeiten zugeschnitten funktionieren würden, wären wir dort.
Diese Orte gibt es aber nicht.
Oder – vielleicht inzwischen doch, aber sie als H. C. Rosenblatt zu nutzen erscheint inzwischen unmöglich.

 

Liebe Leser_innen – an Tagen wie heute fühlen wir uns euch sehr fern.
Da schaue ich auf die Followerzahl und frage mich, wer von diesen hunderten Menschen, der ist, der uns so sehr hasst.
Wer ist es, di_er uns so kaputt und isoliert von allem und allen sehen will.
Und warum.

Da schaue ich auf die Followerzahl und hasse es, dass wir kaum jemanden hinter dieser Zahl selbst mal getroffen haben – obwohl wir das nicht aushalten würden, alle Menschen zu kennen, die hier regelmäßig mitlesen.

Und ich werde ungerecht euch gegenüber.
Denn ich frage mich auch, warum uns niemand vor dieser Person schützt. Warum wir keinerlei öffentliche Fürsprache bekommen und darüber sehen, dass man solidarisch mit uns ist, in dem was wir hier tun und wollen.
Ich finde das ungerecht von mir, denn ihr könnt nichts für meinen Wunsch danach.
Ihr kennt uns und unser analoges Leben und Sein nicht – ihr könnt uns weder schützen, noch ist es förderlich auf irgendeiner Ebene mit uns in Verbindung gebracht zu werden.
Ihr seid einfach nur die, die mit dem zu tun haben, was wir hier machen, denn ihr lest unsere Arbeiten. Warum auch immer.
Das rechtfertigt meinen Wunsch vor mir selbst in keinster Weise.

 

Ich frage mich, warum wir das tragen sollen. Warum wir das übergriffige Agieren von einzelnen Leser_innen ertragen sollen. Warum wir einfach so sang- und klanglos damit umgehen sollen, wegen unseres Arbeitens und Wirkens hier zum Allgemeingut ohne Anspruch auf Privatsphäre und Respekt vor uns als Person erklärt zu werden.
Warum sollen wir sie verschweigen – die Gewalt, die uns von Menschen entgegengebracht wird, die H.C.Rosenblatt lesen, aber den Menschen und dessen Gefühle, Menschenrechte und Bedarfe dahinter vergessen?

 

Wieder sind wir an dem Punkt das Blog zu löschen, den Namen zu verbrennen, uns selbst den Kanal zu verschütten über den wir einander überhaupt erst wirklich gefunden haben.
Aufzuhören und zu verschwinden.

Ich weiß, dass das ein altes Reaktionsmuster ist.
Ich weiß, was wir tun müssen, um wieder daraus auszubrechen.
Aber ich weiß auch, dass das nicht das erste und auch nicht das letzte Mal ist, dass uns das passiert.
Und, dass wir auch dann wieder allein damit sein werden.
Und, dass auch dann wieder niemand von euch irgendetwas tun kann.

Außer weiterzulesen.
Und vielleicht mit uns zu sein, ohne das zu sagen.

Liebe, Lügen, Labbrigkeiten

Wenn mir in Serien und Filmen eines auf die Nerven geht, dann die Liebe.
Und das Lügen.

Nichts gegen Liebe – Liebe ist toll und gehört zum Leben wie Lügen zu lügen, Wäsche zu waschen, zu kochen und andere Dinge zu tun.
Aber.
Ganz sicher ist Liebe nicht dieses anstrengende Geflecht aus Anspruch, Erwartung, Angst und Abhängigkeit, in dem das eigene Er_Leben zu einer Art Option oder Privileg wird.

Persönlich halte ich Liebe für eine Art Gewöhnungsergebnis.
Man trifft auf etwas oder jemanden, verbringt Zeit miteinander, die Zeit ist schön, das Miteinander ist angenehm – beide sagen: “Bitte mehr davon” und irgendwann, nach einer Zeit der Hochs und Tiefs, der gemeinsam erreichten Ziele, da kann es zu Liebe geworden sein. Das aneinander gewöhnen. Und kennen. Und miteinander sein wollen.

Für mich kommt das Liebesgeständnis in Serien immer viel zu früh. Es will mir nicht in den Kopf, wie jemand nach einem Zeitlupenblick über den Kaffeetassenrand vor Verliebtheit gleich in die absolute Selbstauflösung gehen wollen kann. Ich kann nach einem Blick über einen Kaffeetassenrand maximal feststellen, ob mich etwas an einer Person interessiert oder nicht.

In der Serie, die ich gerade schaue gibt es ein Liebespaar, dass mich nun inzwischen seit 3 Episoden nur noch nervt.
Es begann schon damit, dass er ein Komatyp war, der – ja genau: aufgewacht ist (klar – im Unterhaltungsfernsehen ist kein Platz für sterbende Komatypen) und eigentlich eine Frau hatte, die sich eigentlich von ihm trennen wollte und sich deshalb auch nicht interessierte, als er plötzlich verschwand – die nach seinem Koma aber dann doch nochmal ganz neu von vorn anfangen wollte – obwohl er eigentlich aber die andere Frau interessant fand.
Seine Lügerei beginnt schon in diesem Moment. Oder besser gesagt: seine Unaufrichtigkeit

Und dann “verliebt” sich zeitgleich die andere Frau in ihn. Weil man das ja so kennt: sie pflegt ihn, den Komatypen,  mit dem so durchschnittlichen Gesicht (ich verwechsele die weißen Prinzen/Häscher/Königstypen ständig, weil sie sich alle so ähnlich sehen), der weder eine Geschichte hat, noch sprechen kann, noch mehr tut, als einfach das eigene Leben aufrecht zu erhalten und findet ihn total spannend und ist NATÜRLICH verliebt in ihn, als er dann endlich wach wird.

Sie ist Grundschullehrerin und macht dieses Pflegeding “so nebenbei”. Ich kann mir ihre “Liebesgefühle” nur mit geistig-emotionaler Totalerschöpfung erklären – aber naja – offensichtlich weicht meine Idee von Liebe ja sehr von Serienrealität ab, wer weiß, was da noch alles nicht so passt.

Jedenfalls.
Die beiden finden sich also toll. Aber er ist verheiratet.
“Verheiratet” ist in solchen Serien ein Synonym für “Du darfst keine Freunde haben. Du darfst nur mit deinem geheirateten Menschen Spaß haben. Jeder Kontakt zu anderen Menschen ist gleich eine Affäre.”.

“Verheiratet” bedeutet in solchen Konstellationen nie so etwas wie “sich gemeinsam etwas widmen” (zum Beispiel so etwas wie “Oh ja du warst im Koma – wieso hab ich jetzt, wo du wieder aufgewacht bist, plötzlich so einen Besitzanspruch an dich?” oder “Was stimmt mit mir und unserem Verhältnis eigentlich nicht, dass ich mich dafür verantwortlich fühle, woran du dich erinnern kannst?”).

“Verheiratet mit der falschen Frau” ist ein Volumenthema US-amerikanischer Serien. Es hat wenig Nährwert, ist aber labbrig genug, um Spannungsbögen machen, weil es in alle möglichen Richtungen aufgebläht werden kann. Die weiße Hetenbeziehung, die nicht Fisch nicht Fleisch ist, wird so gern genommen, weil es so möglich ist, noch andere Handlungsstränge daraus hervorgehen zu lassen. Auch dann, wenn es durchaus ginge, diese Handlungsstränge einzeln und entlang des eigentlichen Themas aufzubauen.

Wenn man sich mal mit der Frage nach verschiedensten *ismen in Serien befasst, kann man sehen, wie oft solche labbrigen Themen benutzt werden um Diversität zu versuchen bzw. noch mit reinzuquetschen. So kann ich es nicht für einen Zufall halten, dass genau jetzt, wo das Drama um “Buh du hast den armen verheirateten Mann verführt!”/“Buh du bist ein Lügner!” läuft, nebenbei ein Frauencharakter als Werwolf auftaucht und ein Zwerg und eine Fee zusammenkommen – die bisher magischsten Wesen (aka “Nichtmenschen”) in der ganzen Serie.

Für mich ist das eine Art wie Ableismus in Serien aussehen kann. “Sie sind ja keine richtigen Menschen – sie kriegen Nebenschauplätze”. Auch vorher in der Serie kriegt eine Nichtmensch-Figur als solche keine Gelegenheit, mehr als ihre Funktion zu repräsentieren. Erst eine Episode später erhält sie genug Raum für mehr Tiefe – eine Folge, in der zufällig kein soziales Drama passiert.

Bin ich jetzt abgeschwiffen? Jein.
Meine Anstrengung an Liebesthemen, die so aufgebaut werden, geht sehr stark damit einher, wie die Dynamik zwischen Hauptdarsteller_innen der tragischen Verliebung und “den anderen” ist.
Die ist nämlich selten bis nie von genereller Offenheit und Miteinander geprägt.
Die gleiche Masse von Mitmenschen, die die Krankenschwester-Lehrerin feiert, weil sie sie toll und lieb und sympathisch findet, fängt an sie zu auszugrenzen und zu demütigen, als sie ihnen wie eine Verführerin präsentiert wird.

Liebe ist für mich nie dieses exklusive Ding, das ich nur für eine Person allein “aufspare”, damit ich ohne schlechtes Gewissen Sex mit ihr haben kann oder weiß, (zu) wem ich gehöre.
Liebe ist für mich viel mehr die Bereitschaft mich zu umgeben, zu widmen, mit anderen Personen oder Dingen oder Tätigkeiten zu sein.
Für mich ist Liebe, was passiert, wenn man okay mit sich und seiner Umgebung ist und bleiben möchte.

Für mich ist es verwirrend, wenn in Serien so eine Kluft zwischen der Liebe für die eine Person und der Liebe zum Rest der Welt besteht.
Eine Person, di_er kein liebe.volles Verhältnis zu Mitmenschen aufbaut, ist ja quasi gezwungen, dann alles auf eine Person (oder anderes Gegenüber) zu laden und die Dynamik, die sich daraus entwickelt, kann entsprechend ja auch nur noch so alltagsgewaltvoll sein, wie sie dann in Serien meist wird bzw. zu werden droht.
Mir kommt es unlogisch vor so zu handeln.

Unlogisch kommen mir übrigens auch solche Unaufrichtigkeiten und Lügen vor, die dann innerhalb solcher Liebeshandlungsstränge passieren.
Es ist kein “lügen aus Liebe”, wenn man Angst davor hat, man könnte die andere Person verlieren, wenn man ist, wer und wie man ist. Das ist kein Handeln aus Liebe, sondern Selbstschutz oder Taktieren in Gewaltdynamik aus Abhängigkeit(sgefühlen) heraus.

Für mich ergeben Lügen immer nur dann einen Sinn, wenn man sich im Krieg befindet. Entweder mit sich selbst oder mit der ganzen Welt.
In der Serie haben entsprechend nur die böse Königin und Rumpelstilzchen logische Gründe zur Lüge und Hinterlist.

Ach man.
Tja.

Naja.
Ich hoffe, dieses Liebesdings ist dann jetzt auch bald vorbei oder wenigstens mehr im Hintergrund. Üblicherweise verlieren mich Serien an diesem Punkt, weil es mir zu anstrengend oder langweilig wird.

Selbstverständlichkeiten

Selbstverständlich reagieren wir auf Ansprache.
Selbstverständlich machen wir mit. In diesem Leben. Dieser Welt. Diesem Lauf der Dinge, in dem wir sind, obwohl wir nie wählen konnten, ob wir darin sein wollen.
Selbstverständlich, denn wir sind ja da.
Und wenn man schon mal da ist, dann gibt es auch keine Zweifel mehr daran zu haben, was man wie wann für wen ist.
Oder?

Ich habe heute Nacht davon geträumt, wie meine Freunde von jemandem getötet wurden, der mir in meinem Haus aufgelauert hat.
In diesem Traum sagte ich, was ich meinen Freunden immer sage, wenn sie wissen, dass etwas auf mich zukommt, das schwierig, gefährlich, bedrohlich ist.
“Ich krieg das schon hin. Ist ok.”.
Sie haben das wohl nicht gehört, oder verstanden oder schlicht nicht geglaubt und wurden entsprechend vor meinen Augen abgeschlachtet, weil sie mir in das Haus gefolgt sind.
Alles was ich ab dann noch für sie übrig hatte war Wut, Hass, Aggression, den Willen das Stück Welt um mich herum zu zerstören, um es gleich mit mir zu machen.
In meinem Traum tötete ich dann aus Versehen auch noch die Person, die mir aufgelauert hatte und wachte von meinen eigenen Geräuschen auf.

Den Rest der Nacht verbrachte ich zwischen Hass und Selbst_Mordlust auf dieses Leben.
Dieses Sein, diesen unbeachteten Zwang reagieren zu müssen und doch nie den gleichen Zwang auf gehört und verstanden werden ausüben zu können.
Diese Arroganz der Einweltigen, die eigene Realität als selbstverständlich und ohne jeden Zweifel gesehen und geteilt haben zu wollen.  Diesen Anspruch an uns, uns selbst in ihre Welt einzuordnen und zwar dort, wo sie uns sehen und sein lassen können.

Es ist unser Thema seit wir nicht mehr bei der Herkunftsfamilie leben und massiv verstärkt, seit wir ausgestiegen sind.
Wir gehören nicht dazu. Wir sind kein Teil dieser Gesellschaft. Kein Mitmensch wie alle anderen auch. Und zwar nicht, weil wir uns dazu entscheiden und das so geil finden ständig und in allen Aspekten weder Fisch noch Fleisch, eingekeilt zwischen Baum und Borke zu sein, sondern weil wir nicht in der Lage sind, das was ist, als alleinig gegeben anzunehmen.

Das ist wichtig. Es ist keine Wahl. Wir sind keiner dieser bunten Glitzerleute, die normal langweilig finden und sich in Abgrenzung dessen wer weiß wie special selbstdarstellen und nach ein paar Jahren die Krise kriegen, weil sie merken, wie sehr sich diese Normalität nicht ändern darf, weil sie dann nicht mehr special sind.

Wir erleben uns fremd, weil wir uns fremd sind. Weil uns die Konstruktionen um Wert und Welt der Menschen, mit denen wir heute jeden Tag zu tun haben, fremd sind.
Für uns ist es harte Arbeit jeden Tag neu zu akzeptieren und hinzunehmen, dass wir von heutigen Gegenübern als Mensch gesehen und gedacht werden.
Zu akzeptieren und hinzunehmen, dass wir entsprechend behandelt werden, ohne gefragt zu werden, ob wir das überhaupt mitmachen wollen oder es unserem Selbstbild entspricht.

Es gehört zu dieser Welt und diesem Lauf der Dinge, dass wir in unserem (früheren) Sein nicht akzeptiert und gnadenlos, 24/7, seit inzwischen 14-15 Jahren, ignoriert und missachtet werden. Für uns gehört es dazu den Zweifel über das eigene Menschsein, das eigene Sein überhaupt, weder frei und konsequenzlos artikulieren noch leben zu dürfen.
Denn sich nicht als Mensch zu fühlen in schwierigen Zeiten oder zumindest den Zweifel an der eigenen Menschlich- und Zugehörigkeit zu dieser Welt nicht ausblenden zu können in besseren Zeiten, müssen wir uns verbieten.
Vor den einen, weil sie es als narzisstischen Zug deuten, vor den anderen, weil sie es als von Täter_innen eingeredet sehen und vor den nächsten, weil sie uns mit ihrem Mitleid quälen. Und vor den ganz nächsten, weil sie uns sowieso am liebsten tot sehen wollen, weil wir sie mit unseren ständigen Zweifeln an allem, was sie täglich umgibt und ihr Weltbild ausmacht, stören und verängstigen.

Die bittere Erkenntnis ist, dass wir es hingenommen haben in unserer Präsenz gedeutet und vereinnahmt zu werden.
Dass es unser Fehler war, dem nicht von Anfang an vehement zu widersprechen bzw. in unserem Zweifel an der Richtigkeit sichtbarer zu sein.
Unser Fehler war, den Übergriff für selbstverständlich zu halten.
Für den Preis den es eben hat, wenn man sich wünscht Begleitung, Hilfe, Unterstützung, Miteinander in diesem Hier und Jetzt zu haben.

Unser Fehler war der Illusion aufzusitzen, wir könnten wirklich völlig unabhängig von dem was und wer oder wie wir sind, mit Menschen zu tun haben und in ihre Gesellschaft hineinwachsen, wie ein Fahrrad, das in einen Baum hineingewachsen wird.

Der Fehler war den Zweifel auszublenden, weil die Illusion so schön aussieht.

das ableistische „eigentlich“

Der neue gesetzliche Betreuer ist jung und Erziehungswissenschaftler.
Und er triggert in uns mit allem, was er sagt und fragt und tut und macht.

Es gehört zum Themenkreis Helfergewalt_folgen.
Und es gehört zum Themenkreis “der unbenannte Scheißejackpot von polytraumatisierten Menschen”.

Denn jetzt haben wir ihn erstmal an der Backe und knietief in unseren Angelegenheiten. Eine Person, die noch nicht weiß, was genau an dem Menschenbild, das sie mit ihrer Aus_Bildung verinnerlicht hat, problematisch ist. Eine Person, die uns unheimlich viel Kraft in der Kommunikation und der Selbstbeherrschung kostet. Eine Person, die wir mit dem, was in uns vorgeht überfordern würden.

Es sind keine offensichtlichen Fehler, die ihm passieren. Man sieht es nicht sofort.
Aber ich merke es. Und ich merke es so, dass ich nicht dran vorbei kann, wenn er zum Beispiel Nachrichten an uns so formuliert, als würde er Dinge entscheiden – oder mit entscheiden, die unser Leben betreffen. Wenn er Vorschläge macht, die diese eine Art im Voraus komplett durchdachte und geplante Rundum-Du-musst-eigentlich-gar-nichts-mehr-selbst-entscheiden/sagen/machen – Konstruktion erkennen lassen.

Ich hasse diese Konstruktion. Und ich hasse sie wirklich, weil sie der Klassiker aus dem Ohnmachtsrepertoire der Helfergewalt ist.
Auf keine andere Herangehensweise ist es schwieriger zu sagen, dass man sich herabgesetzt und entmachtet fühlt und/oder aus anderen Gründen eine andere Herangehensweise umsetzen will.

Um es ein bisschen einfacher zu erklären:
Es gibt einen Unterschied zwischen “es einer Person leicht machen” und “einer Person alles abnehmen, damit sie es leicht hat”.

Wenn mir eine helfende Person Kontexte erklärt, Vorgehen transparent macht, vielleicht noch meine Anliegen in Antragsdeutsch übersetzt und passend in Behördenstrukturen eingibt, dann macht sie es mir leichter, Entscheidungen zu treffen, Anliegen durchzusetzen, mich selbst zu vertreten und die Verantwortung für mich zu übernehmen.

Wenn mir eine helfende Person gar nichts erklärt, sondern einfach alles rausfindet, mir ein Ergebnis präsentiert und sagt, dass wir (SIC! (Rotlichtblinkanlage mit Sirenengheul!!!) uns für XY entscheiden sollten, dann hat sie mir alles genommen und mich in eine soziale Falle gequetscht aus der ich nur mit viel Kraft allein wieder herauskomme.

Denn meistens ist es bei “Abnehmer_innen” so, dass sie selbst glauben, alles richtig gemacht zu haben, weil ja schon alles fertig präsentiert da ist und ja nur noch zugegriffen werden muss, um das Beste oder Richtige zu tun. An dieses Gefühl alles richtig gemacht zu haben, ist dann bei vielen (und ja (sorry) gerade so jungschen) Anfängern auch noch der Punkte/Ergebnis/Erfolgskick aus der langen Schul- und Universitätszeit geknüpft.
Sie erwarten ein Erfolgserlebnis und erwarten folgend von mir mindestens Dankbarkeit und maximal klitzekleine Individualisierungen oder Kritiken.

Sie erwarten nicht zu hören, dass sie einen Teil der Absprachen mit mir gebrochen haben und sie mich damit massiv verunsichern, triggern und die gesamte Zusammenarbeit am liebsten sofort abbrechen lassen wollen.

Das Schlimme ist, dass “Abnehmer_innen” viel Zuspruch in ihrer Überzeugung erfahren.
Es ist für viele Menschen unverständlich, dass wir es uns “einfach nicht leicht machen” und uns nicht einfach völlig sorglos, vertrauensvoll und entspannt in solche scheinbar “gemachten Nester” fallen lassen.
Ist doch schön, wenn schon alles geklärt ist und wenigstens eine Person Bescheid weiß.
100% alles wissen kann man ja eh nie.
Und man hats doch woanders auch schon schwer genug.

Sowas denken diese Menschen und dann wenden sie sich ab, weil sie glauben, wir könnten uns dafür entscheiden wie leicht oder schwer die Lösung eines Problems bzw. die Annahme einer “Hilfe” sei.
”Abnehmer_innen” bleiben dann da stehen wie verschmähte Liebhaber oder weggeschickte Ritter. Die armen. Ganz bemitleidenswert. Da haben sie sich so eine Mühe gemacht und dann hat die/der böse kranke Klient_in sie nicht mal gelobt.

Eine beschissene Position ist das für Klient_innen.
Und wir waren schon so oft darin.
Und jedes jedes jedes Mal waren wir es, die dafür bezahlt hat.

Vor Kurzem versuchte ich ein Paper mit dem Titel “Polytrauma = Polyarschkarte, von der Unmöglichkeit Helfertraumatisierungen mit bewährten Hilfen aufzuarbeiten” zu schreiben. Darin versuchte ich solche Dynamiken und ihre Verquickungen und Wechselwirkungen in Psychotherapie und sozialen Betreuungen verschiedener Formen zu formulieren.
Ich finde das Thema wichtig – die Forschungslandschaft übrigens allerdings gar nicht.
So wurde nichts weiter aus meinem Text und am Ende auch wieder nichts aus einem Versuch uns ein Stück weiter daraus heraus zu bewegen.

Was mich nervt. Und auch in einem Aspekt erneut wiedererleben lässt, was ein Element der Helfertraumatisierungen immer wieder war.
Das damit allein bleiben müssen. Das keine sicheren Erkenntnisse haben (keine feste Wahrheit haben können). Das sich nicht wegbewegen können, weil es so viel zu nah dran ist, dass es sich anfühlt, als sei es innen drin.
Über allem das Wissen, dass man von außen betrachtet schon alles hat, was man braucht – für viele sogar mehr als man „eigentlich“ braucht.

Und da ist es wieder. Das ableistische „eigentlich“.
„Eigentlich“ haben wir doch jetzt mal langsam genug gute Erfahrungen gemacht, um jetzt nicht schon wieder völlig im Wind zu zerflattern, weil wir es mit jemandem zu tun haben, der so arbeitet, wie er es gerade tut.
„Eigentlich“ wissen wir doch, was wir alles tun können, um die Situation zu verbessern.
„Eigentlich“ haben wir doch schon genug Therapie gemacht, um besser mit Triggern im Alltagsleben umzugehen.
„Eigentlich“ brauchen wir das in Wirklichkeit doch alles überhaupt nicht.
„Eigentlich“ kommen wir doch auch so gut klar.

Und uneigentlich versuchen wir hier seit Jahren etwas, das überhaupt nicht funktionieren kann.
Uneigentlich befinden wir uns nachwievor in einer Situation, die man übertragen auf die Traumatherapie als zwecklos bzw. wenig erfolgversprechend bezeichnen würde.
Dort sagt man, dass eine Traumatherapie wenig greifen kann, wenn immer wieder Traumatisierungen passieren und Abhängigkeiten bestehen.

Uneigentlich ist unser Helfergewalterleben noch nie wirklich unterbrochen gewesen.
Beziehungsweise die Umstände, die es immer wieder möglich machten in so schwierige Situationen zu kommen.

Wir sind immernoch arm.
Wir sind immernoch behindert.
Wir sind immernoch nicht in der Lage die Verwaltung unseres Lebens zu durchblicken und zu unterhalten, während wir es aus eigener Kraft schützen und ausgestalten.

Das ableistische „Eigentlich“ hält Armut und Behinderung für Entscheidungen. Für überwindbare Eigenschaften wie Faulheit oder Bequemlichkeit.
Und hat Schwierigkeiten damit anzuerkennen, dass man von unblutigen Dingen wie bürokratischem Übergriffen, die gleichen Verletzungen davontragen kann, wie von körperlicher Misshandlung.

Das macht es schwierig zu überlegen, was wir jetzt tun.
Natürlich habe ich den Betreuer zurechtgewiesen und ihm geschrieben, dass „wir“ (also er und ich) gar nichts entscheiden, sondern ich. Und natürlich werde ich das Gespräch mit ihm suchen und ihm erneut sagen, dass er mir weder beibringen muss, wie mein Leben funktioniert noch eben dieses Leben statt meiner managen muss.
Natürlich mache ich das.
Aber natürlich frisst das wieder Zeit und Kraft, die nicht dafür aufgebraucht werden sollte.
Denn eigentlich haben wir schon Absprachen dazu gemacht. Eigentlich weiß er das alles schon.
Eigentlich gibt es keinen Grund, weshalb ich auf ihn zugehen sollte – außer meiner Abhängigkeit, als Klient_in, die mich dazu höflichkeitsverpflichtet, bevor ich das Betreuungsverhältnis beende.

Eigentlich sollte er selbst, da er schon in diesem Bereich arbeitet, seinen Ableismus reflektiert haben. Eigentlich sollte ihm, da er schon in diesem Bereich arbeitet, klar sein, dass er mit seinem Handeln in einem Macht (und damit Gewalt) verhältnis zu uns steht. Eigentlich, wo er schon so lange für diesen Beruf zur Schule und zur Uni gehen musste, müsste er Gelegenheit gehabt haben, zu verstehen, was es bedeutet mit traumatisierten Menschen zu tun zu haben.

Und in Wahrheit?
In Wahrheit verstehen die wenigsten, was Ableismus ist und wann er wirkt.
In Wahrheit werden Helfer_innen nicht darauf vorbereitet, dass das Machtverhältnis, in dem sie sich zu ihren Klient_innen befinden, mehr bedeutet als sehr achtsam und verantwortungsvoll mit ihrer Aufgabe umzugehen.

In Wahrheit sind es wieder Menschen wie ich, die Kraft und Zeit in die Aufklärung und quasi Weiterbildung der Menschen stecken, um die eigene Haut zu retten.

In Wahrheit ist es wieder unser Selbsterhaltungsprogramm, das jemand anderem nutzt.

Fundstücke #42

Die Emma ist mal wieder Thema. Als eine dieser Netzfeminist_innen™, komme ich irgendwie nie darum herum davon berührt zu werden, denn Tritte in den Rücken tun eben das, was sie tun sollen: treffen. Und fühlt sich eine_r getroffen, dann wird in meinem Umfeld darüber gesprochen. Und wird darüber gesprochen, dann nehme ich Anteil daran.

Mir ist aber gerade etwas aufgefallen, das mir neulich schon durch den Kopf ging, als ich einen Kommentar zu einem Text über Sexualassistenz aus der Emma las. Natürlich ist Sexualassistenz für Schwarzerfeministinnen gleich Prostitution und unter keinerlei Umständen jemals das, was es für andere Menschen ist.
Da gibt es auch nichts zu diskutieren oder gar zu differenzieren, denn da gibt es ja diese Redaktion, die für uns urteilt.
Uns – den Rest der Gesellschaft. Uns, die konkret Betroffenen. Uns, deren Blick ja völlig und immer komplett verwirrt ist von “dem Patriarchat”. Uns, den Jungen, die sich den Respekt und die offenen Ohren erstmal erarbeiten/erkämpfen/verdienen müssen, um es überhaupt wert zu sein ernstgenommen, anerkannt und respektvoll behandelt zu werden. Uns, den Anderen, die erstmal ihre Gleichartigkeit vorzeigen müssen, ohne jedoch das Gleichersein dieser Menschen in Frage zu stellen oder zu kritisieren.

Das ist das alte Emma-Alice Schwarzer-Problem: Gewaltreproduktion, die weder hinterfragbar noch kritisierbar ist.
Für mich braucht es nicht mehr, um diese Strömung der feministischen Bewegung zu meiden. Wer es nicht schafft, der Freiheit eines_einer Einzelnen einen Platz in der Freiheit aller zuzusichern, vertritt für mich nicht das, was ich mir für das gesamtgesellschaftliche Miteinander wünsche.
Soviel dazu.

Aber.
Interessant ist eine Parallele zu dem Ding, das wir letztes Jahr in der Klinik erlebten.
Das Verbot zu bloggen. Die Unmöglichkeit die Behandlungen wegzulassen, die weder gut taten noch hilfreich waren. Die unerwartete Schwierigkeit daran, selbst zu definieren, welche Themen dran sind und welche nicht.
Wir haben uns damit zurückgehalten von Bevormundung zu sprechen, denn wir haben uns nicht wie ein Kind behandelt gefühlt, sondern wie der letzte Dreck. Nämlich entwaffnet (das Ausdrucksverbot), erpresst (“Wenn du nicht mitmachst, wie wir das bestimmen (weil wir das können), dann …”) und entrechtet (“Du hast hier gar nichts mitzubestimmen, weil was du willst, ist alles Ergebnis deiner Krankheit/Traumatisierung/falschen Sozialisierung, was dich deiner Rechte entlässt.”).

Die Logik ist: “Wir sind normal – wir sind erfahrene Menschenlebenretter_innen – wir sind die, die es durchschaut haben– wir reißen uns schon länger den Arsch auf als andere – wir sind die Liga der Selbstgerechten – wir sind DIE GUTEN – scheiß auf den Rest. Scheiß auf die Anderen. Die sind eh in der Minderheit. Minderheiten ey! Weiß man ja eh drüber Bescheid… wir wissen ja nämlich sowieso alles. WIR! DIE GUTEN!!!”.
Ok ok – jetzt hab ich mich hinreißen lassen.
Trotzdem.
Das ist die Logik, die bei mir ankommt als unterlegene Einzelperson, die sich so einem Kollegium (Kollektiv) gegenüber sieht.
Völlig gleichgültig, ob sie selbst das so wollen. Völlig egal, wie sie sich selbst sehen.

Es ist Selbstgerechtigkeit. Es ist Ignoranz. Es ist das Gegenteil von Dialog.
Es ist Gewalt.

Das Tragische für mich ist dabei, so alternativlos zu sein bzw. überwiegend mit dieser Haltung konfrontiert zu werden.
So wie ich ständig Abgrenzungsarbeit dahingehend leisten muss, dass ich in meinen feministischen Idealen weit von denen einer A. Schwarzer abweiche, muss ich das als Speaker_in zum Thema Trauma und Viele-Sein ebenfalls immer wieder in Bezug auf verschiedene Größen der Szene tun.
Während mir das aber bei feministischer Auseinandersetzung nichts ausmacht, weil es um einen gesellschaftlichen Diskurs geht, ist es in Bezug auf diesen Arm der Traumaszene jedoch ganz offensichtlich problematisch.
Denn trotz allem, was mir zugetraut wird, um als Bedrohung zu gelten oder so wahrgenommen zu werden, bin ich eben doch nur ich allein, denn für niemanden sonst spreche/schreibe/arbeite ich.

In einer Diskussion würde man es drehen, wie Frau Schwarzer ihre “Kritiken” dreht: am Individuum festgemacht, basierend auf unreflektiertem Begreifen, gewaltvoll durch stringentes Vermeiden von respektvollem Dialog und ganz zuletzt runtergebrochen auf die ewig gleichen Egopfeiler, die entlang von Privilegien gewachsen sind, die ich in meinem Leben vermutlich nie inne haben werde.

So bedroht sich (selbsternannte) Mehrheiten allgemein von real greifbaren Individuen fühlen, so viel Fremdscham empfinde ich vor diesem Bedrohungsgefühl. Gerade dann, wenn es zu gewaltvollem Handeln, wie dem Aussprechen von Verboten oder öffentlicher Verurteilung einer Person kommt, die schlimmstenfalls auch noch ganz andere Menschen treffen und abmahnen soll.

Und am Ende?
Am Ende ist es tragisch, weil eine Spaltung besteht und bleibt.
Weil ein Miteinander unmöglich wird.
Weil es weh tut, selbst dann, wenn man einander nicht braucht.

Weil es Gewalt ist und bleibt.

kein Trost

Wir waren im Kino und haben uns “Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind” angesehen.
Im Folgenden spoilere ich etwas aus dem Film, deshalb gibt es ein tl,dr am Ende des Artikels.

Ich fand den Film unfassbar traurig. Er ist traurig wie die X-Men-Filme traurig sind. Wie jeder Film, in dem Andersartigkeit zu Not und schmerzhaftem Miteinander führt, traurig ist.

“Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind”, spielt in der “Harry Potter-Welt”.
Eine Welt, die gespalten ist, in magische und nicht magische Wesen. In Könnende und Nichtkönnende. Eine Welt, in der die Einen die Anderen fürchten und verachten, mit etwas Glück jedoch bewundern und einander nacheifern.
Eine Welt, in der beide Seiten sich selbst nicht im Anderen erkennen können, obwohl ihre kulturellen Praktiken die gleichen Wurzeln haben.

Die Faszination solcher Filme liegt für mich in der Möglichkeit mir meine eigene Welt, mein Hier und Heute von außen anzuschauen. Ich kann die Konflikte, in denen ich mich selbst befinde, in einer übersetzten Variante als unbeteiligte_r und irrelevante_r Zuschauer_in betrachten und mir eventuell in Frage kommende Handlungsoptionen ansehen.
Oder, wie heute, einen Tränenstrom runterschlucken und denken: “Scheiße.”.
Denn anders sein ist scheiße.

Anders unter anderen zu sein, macht niemanden gleich.
Es macht nur alle anders und verbietet ein Leiden unter der eigenen Andersartigkeit.

Es gibt in dem Film eine Figur, die als Squib (eine nichtmagische Person, die eine magische Familie hat) eingeführt wurde und von einer hasserfüllten Adoptivmutter misshandelt wird. Im Verlauf taucht eine Vertrauensperson für diese Figur auf, die sie jedoch auch nur ausnutzt.
Der Angelpunkt ist die Verwandlung dieser gequälten Figur zu einem alles vernichtendem dunklen Wesen – das am Ende scheinbar getötet wird.

Über diese Wesen wird im Film gesagt, dass sie nicht alt werden.
Es gab keinen Fall von einem, das älter als 10 wurde.
Die Figur, die dieses Wesen ist, ist älter und alles, was dazu kommt, ist die Erwähnung “großer Kraft”.

In den letzten Ausklängen des Filmes ist ein Fitzel des schwarzen Wesens zu sehen.
Es hat wieder überlebt.
Weil es ja so stark ist vielleicht.

Mich hat das “abgeholt”.
Weil ich so müde bin und so überhaupt gar keine Kraft für irgendwelche Opferleistungen mehr habe. Ich kann nicht mehr verhandeln, ich kann nicht mehr ausreden lassen, ich kann meine Gedanken nicht mehr zusammenschieben, damit sie in die Schubladen anderer Menschen passen. Ich bin überarbeitet und 24/7 überfordere ich mich damit meine Überforderungen in Arbeiten zu zerhacken, die ich bewältigen kann, nur um festzustellen, dass es zu viele werden.
In meinem Kopf spulen sich mit jedem Fehler, mit jeder Erkenntnis etwas nicht zu schaffen, vor irgendetwas zu scheitern, mit etwas nicht rechtzeitig, nicht genug, nicht passend fertig zu werden, genau solche Misshandlungsszenarien wie in diesem Film ab.

Strafen, Not, Einsamkeit, dieses eingeklemmte Gefühl im Oberkörper, das man kriegt, wenn man sich selbst aus all dem rausschreien, rausstrampeln, freikämpfen will, aber nicht kann, weil vor lauter Arbeit gegen die Arbeit, gegen Überforderung und für all das, was man sich wünscht und will, schlicht keine Kraft mehr hat.

Es ist keine Hilfe zu wissen, dass es alte Dinge sind.
Dass es vorbei ist und mir niemals wieder jemand so weh tun kann.
Es hilft nicht, weil Erkenntnis nicht das Gegenteil von Schmerz und Not ist.

Was mich an solchen Filmen mit Zauberei und Superkräften tröstet, ist die Unwillkürlichkeit aller Protagonist_innen zu Beginn ihres Umgangs mit ihren Fähigkeiten. Die meisten haben Angst vor sich selbst, versuchen sich zu positionieren, vergleichen sich anderen und je nach Verlauf der Geschichte, finden sie Wege sich mit anderen Anderen zu befreunden und zu sich zu finden, oder sich in den Kampf um etwas zu begeben, das ihnen wichtig ist.

Ich bin viele und anders.
Wenn ich sterbe (= so stark dissoziiere, dass ich mich nicht mehr als “ich” wahrnehme) kommt etwas aus mir heraus, dass ich weder beeinflussen, noch spüren, noch mehr als erahnen kann. Wenn ich eins kenne, dann ist es das Gefühl jeden Moment zu einem schwarzen Loch zu werden, das alles und alle um sich herum verletzt, kränkt, falsch behandelt – ganz und gar anders ist, als ich.
Das ist mein “normal” und zwar schon immer. Mein ganzes Leben lang.

Dieser Film war, glaube ich, der dritte oder vierte, in dem ich eine Figur sehe, die anders ist und misshandelt wird – und ihre_n Misshandler_in tötet.

Neben all dem „Kraft zum Überleben-Blabla“, das Hollywood braucht, um Opferschaftserfahrungen zu verwursten, ohne die betroffene Person aufgrund dessen als schwach und minderwertig darzustellen, ist es das, was Filmemacher_innen dann einfällt.
Und mich weit mehr ängstigt als es irgendein Horrorfilm schaffen kann.
Genugtuung durch Rache mit Todesfolge.

Ich identifiziere mich mit solchen Figuren, weil mich ihr Anblick in meiner eigenen Existenz in dieser Welt versichert.
Wenn es in Filmen solche Figuren mit so anderen Eigenschaften gibt, dann gibt es mich auch.
Menschen erfinden nichts, was es nicht in irgendeiner Form bereits gibt.

Es ist schlimm anerkennen und akzeptieren zu müssen, dass auch ich das Potenzial habe Menschen zu töten. Menschen, die mich verletzt haben, zu töten.
Zu töten, wenn ich die Kontrolle über mich verliere und das schwarze Loch an meine Stelle tritt.

Das Drama des Wesens in dem Film ist, die Andersartigkeit unter anderen und eine Einsamkeit, die sehr viel weiter greift als bis zu dem Punkt, an dem es weder durch die magische, noch durch die menschliche Gemeinschaft eine Daseinsberechtigung erfahren kann, weil ist, was es ist.
Die absolute Einsamkeit, die globale Tragödie entspinnt sich erst dort, wo es überlebt hat. Schon wieder.

Es macht mir selbst klar, was mich an meiner eigenen Überforderung und Überarbeitung so in Not bringt.
Ich weiß, dass ich das überleben kann. Ich weiß, dass ich die Gewalt in meinem Kopf, in meinem Erinnern und Wiedererleben genauso überleben kann, wie das Selbst aus vielen Ichs, sie früher überlebt hat.

tl, dr:
Es ist kein Trost zu wissen, was man alles überleben kann, weil man es schon einmal überlebt hat.  Es ist so oft nichts mehr, als ein weiterer Schmerz, den man zusammen mit all dem, was ist und war und wird, jeden Tag aufs Neue überleben muss.

Fundstücke #36

Immer wieder mal kommen solche Phasen, in denen “Alpträume”, Flashbacks, allgemein intrusives Erleben ein Thema sind.
In diesen Phasen schlafen wir schlecht, wachen aus einer Mischung aus unterschiedlich quälenden Erlebensqualitäten auf, müssen über den Tag verteilt , etwas halten oder umgehen, das zeitver.rückt ist.

Wir wissen, dass es Phasen sind. Wir wissen, dass es auch wieder aufhört.
Es geht schneller, wenn wir darüber sprechen. Es tut mehr weh, wenn wir darüber sprechen. Und dann geht es doch nicht schnell genug, weil das, was man darüber sagen kann, meist doch nur ein aus der Kehle gequetschter Laut ist, der sich echter anfühlt, als jedes Wort, das man aus ihm zu formen versucht.

Wenn wir uns vornehmen, in der Therapie darüber zu sprechen, dann erscheint mir immer alles ganz klar.
Hingehen, was sagen, wieder weggehen.
Und dann sind wir da und es ist, als gäbe es nichts zu sagen. Oder lauter Dinge, die eigentlich nichts sind. Oder Dinge, die man lieber zeigen will, statt sie mit dem eigenen Blick anzufassen und über die Zunge im eigenen Mund nach draußen zu tragen.

Und dann ist da das Problem, dass wir (Rosenblätter) das Erinnerte häufig nicht mit einem Kontext verknüpfen können.

Wir haben uns das immer so leicht vorgestellt. Damals.
Man erinnert sich an etwas – kann das vielleicht sogar planen oder so hübsch in Phasen aufteilen, wie es die kranke Kasse oder Klinikkonzepte mitunter darstellen – und dann ist es bewusst und dann schaut man, dass man das irgendwie gut in sich verpackt bekommt und fertig aus.
Dann ist die Dissoziation in Assoziation umgewandelt und damit der erste Schritt zum Integrationsprozess angestoßen. Den Rest macht das Gehirn von allein – wir sind nur noch dazu da, es dabei möglichst nicht zu stören, sondern mit passendem Verhalten zu unterstützen.

Tatsächlich bin ich seit inzwischen Monaten in so einer Phase des spontan unwillkürlichen Erinnerns und habe erst in der letzten Therapiestunde den Faden zur Frage gefunden, welche Haltung ich, zu dem was ich erinnere, überhaupt einnehmen will.
Das Paradoxe ist ja, dass ich weiß, dass es irgendwie mit mir zu tun hat, denn ich erinnere es. Ich könnte nichts erinnern, wäre nichts von mir dabei gewesen.
Ich weiß aber nicht, was genau, wie, wo, durch wen, warum. Und stoße deshalb immer wieder an den Zweifel, ob es überhaupt Erinnern ist, was da mit mir passiert.

Es könnte ja auch ein einfacher Alptraum sein. Zu viele komische Bücher, zu viele komische Blogs gelesen, zu viele komische Filme gesehen. Zu viele verdrängte komische Phantasien. Sowas gibts – das steht in Büchern, in Blogs, in Filmen und ich kanns mir gut vorstellen.

Ich schaffe es inzwischen, nicht mehr stundenlang implodiert bis ins Kleinste im Bett zu liegen und die in mir wirkenden Empfindungen zu durchleiden, ohne mich davor schützen zu können.
Ich schaffe es, mich aufzurichten, das Licht anzumachen, NakNak* zu streicheln, aus dem Bett zu klettern und mich ans Küchenfenster zu setzen. Ich spiele Candy Crush und sage mir, was ich tun kann. Was alles geht. Was ich alles entscheiden kann.
Ich lüge mich an und spiele mir selbst eine Souveränität im Leben dieses Lebens vor, die ich nicht habe. Die Zettelberglandschaft auf meinem Küchentisch, die sich aus Kassenzetteln, Jobcenter-, Betreuungs- und anderen wichtigen Korrespondenzen zusammensetzt, zeigt mir das gnadenlos auf.

Irgendwann gehe ich zurück ins Bett und zwinge mich mit dem Weckerklingeln aufzustehen. Auch wenn das bedeutet am Ende nur 2-3-4-5 Stunden Schlaf zur Erholung gehabt zu haben. Die Tagesstunden werden schließlich gebraucht, um wenigstens zu versuchen dem Selbstbeschiss zu entsprechen.

Meine Selbstfürsorge basiert auf Beschiss und ich weiß das.
Ich lüge, wenn ich nach innen gebe, dass ich mich darum kümmere, dass wir in Sicherheit sind. Ich lüge, wenn ich nach inne gebe, dass wir sicher sind.
Niemand ist sicher, wenn si_er sich nicht vor sich selbst beschützen kann. Wo “Ich” so ein wackeliger Begriff ist, wo “Sicherheit” so relativ anzusetzen ist, wo die Fähig- und Fertigkeiten sich kompetent kümmern zu können, so unsicher abrufbar sind – da geht es nicht ohne Lug und Betrug.

Vorgestern gab es eine weitere Spitze um unsere Lebensverwaltung. Da ging es um Bafög und ergänzende Hartz 4 – Leistungen und uns, die sich zwischen angesägten Leimholzplatten, Vierkanthölzern und Sägespanschnee befanden.
Inzwischen ist klar, dass die Betreuerin erneut eine für unseren Fall unzutreffende Informationsbasis erstellt hat, die wir berichtigen müssen, um strukturell den Status zu halten, den wir haben. Es ist wie immer und wie immer ist es zu viel.
Und wie immer, wenn ich unsere Absprachen um Selbstschädigung berührt sehe, rief ich unsere Therapeutin an. Wie immer überrumpelte ich sie damit und erneut kam es darüber zu Missverständnissen und Verletzungen.

Ich merkte, wie sehr es mich zum Bahnhof zog. Wie weit weg jemand von uns wollte, um nie wieder zurück zu kommen. Um irgendwo anzukommen, wo es all das nicht mehr gibt. Weder meine Überforderung, noch meinen Selbst.Beschiss für den sie sich lohnen soll.

Am nächsten Tag entschuldigte ich mich bei der Therapeutin dafür, dass ich sie überrumpelt hatte. Mehr für mich als für sie, denn für mich war klar, dass sie mich nicht verletzt hätte, wäre sie nicht so spontan mit meiner unserer Not konfrontiert gewesen. Für mich wurde nur einmal mehr klar, dass sie nicht diejenige ist mit der ich sprechen kann, wenn es mir so geht, wie es mir ging.

Wann immer unsere Lebensverwaltung der Auslöser ist, sprechen die Menschen mit uns über eben jene Lebensverwaltung. Wir reden nicht darüber, dass wir nicht weglaufen müssen. Ich werde nicht von außen daran erinnert, atmen zu können, Dinge zu dürfen, sicher zu sein. Für mich setzt sich niemand ans Küchenfenster, zeigt mir bunte Farben und den Selbstzweck des Lebens.
Ich erwarte das von niemandem und fordere das auch nicht ein. Ich kann mir selbst machen, nicht den Kopf zu verlieren – aber das kostet Zeit, Kraft und nicht zuletzt auch Körper. Was wiederum bedeutet, das von mir immer weniger zu verlangen ist, denn mehr als ich habe, kann ich nicht geben.

Ich hatte die Therapeutin aufgefordert mir aufzuzählen, wozu wir das hier alles durchkämpfen. Wozu das alles sein soll.
Nicht, weil ich das nicht weiß oder, weil wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht haben, sondern weil es mir fern, klein, unbedeutend und wahrhaftig gelogen erschien. Und noch immer erscheint.

Denn ich habe nie entschieden vor der Familie* wegzulaufen. Ich habe mich nie gegen die Lebensqualität entschieden, aus der heraus ich entstanden bin.
Ich, K., das monströse Kampfrosenblatt, hatte nie eine Familie. Ich weiß, wie meine Eltern aussehen, weil ich eine Hand voll Fotos aus den 80er und 90er Jahren besitze, die meine Familie* zeigen. Ich weiß, dass ich zur Schule gegangen bin, weil ich Zeugnisse besitze. Ich weiß, dass es mich gibt, weil es Entitäten gibt, die darüber bestimmen, was mit mir passiert, seit ich mich als mich denken kann.
Ich beginne zu einem Zeitpunkt, in dem übergriffige und/oder inkompetente Helfer_innen die zentrale Achse des Alltagsgeschäfts sind. Ich beginne aktiv dort, wo es nicht mehr möglich ist, wegzugehen, weil es nichts mehr gibt, wo man hingehen könnte. Außer die ewigen Jagdgründe.

Ich habe mich immer dafür entschieden nicht einzuknicken. Ich bin nie hingefallen, hab nie nachgegeben, hab nie aufgehört festzuhalten. Nie.
Obwohl ich bis heute nicht weiß, warum. Meine Grundhaltung für dieses Leben und mein Wirken dafür, hat keinen bewusst ursächlichen Kontext für mich. Ich weiß, dass es wichtig für uns alle ist, dass ich tue, was ich tue. Ich weiß, dass es uns das Leben gerettet hat und bis heute tut.
Doch der Ursprung dafür liegt an einem Punkt, den ich nicht begründen kann. Weder mir, noch anderen Menschen.

Ich weiß nicht, wie klar es für Außenstehende wird, wie bedrohlich und kontextlos, unverbunden und haltlos ich mich in der Folge fühle, wenn mir dann in solchen Momenten auch noch der für mich in die Zukunft gerichtete Grund fehlt. Wie das ist, wenn man weder weiß warum man ist, noch, weshalb man bleibt.
Bleiben will.

Unsere Therapeutin sagt an der Stelle oft, ich würde mich dagegen wehren, die Opferschaft anderer Innens als meine anzuerkennen. Weil Opfer ja schwach seien und das nicht mit meiner Stärke  zu vereinbaren sei.
Dass sie diejenige ist, die mich in dem Zusammenhang als stark bezeichnet, habe ich ihr schon oft gesagt.
Sie folgt dem Ansatz, der der Idee folgt, dass der Grund zu bleiben und für mich und uns weiterzukämpfen, quasi automatisch bewusst wird, wenn mir nur klar ist, wogegen man sich entschieden hat. Wovor man geflüchtet ist.

In meinem Fall ist das leider nicht anwendbar und auch das habe ich schon oft gesagt.
Ich treffe meine Entscheidung selten bis nie negativistisch. Also, dass ich mich für Dinge entscheide, weil ich gegen andere Dinge bin. Ich entscheide mich für Dinge, weil ich diese Dinge möchte. Mehr ist da nicht und mehr war da auch nie. Mehr brauche ich in der Regel auch nicht.

Ich muss nicht selbst erfahren haben, wie es ist Gewalt zu erleben, um anzuerkennen, dass jemand sie nicht (mehr) erfahren möchte.
Für mich hat die Familie* noch nie eine größere Rolle gespielt als die, ein nervenaufreibend zu kompensierender Nullpunkt in unserer Lebensverwaltung und –perspektive zu sein.
Eine Waise zu sein, deren Eltern noch leben, ist ein struktureller Gau, wenn man behindert ist. Dennoch habe ich nie den Wunsch gehabt, doch bitte deshalb keine Waise mehr zu sein oder ein besseres/anderes Verhältnis zu ihnen zu haben – sondern den Wunsch leichter bestehende Behinderungen kompensieren zu können, arbeiten zu können, mich und uns selbstbestimmt versorgen zu können.

Am Ende geht es mir in meinem Wirken immer nur darum, das “nicht aufgeben”, “nicht hinfallen”, “nicht loslassen”, “nicht nachgeben” weniger schwer für mich zu machen.

Ich bin egoistisch damit und ich weiß, dass ich Glück damit habe, dass genau das mein Anteil an diesem Inneren der H. C. Rosenblatt ist.
Es gibt andere Innens, deren Wirken besteht in der Zerstörung des Körpers, unserer Bindungen und Werte – deren Wirken wird weitaus stärker sanktioniert als meins. Die dürfen ihren Egoismus nicht im Ansatz so ausleben wie ich und manchmal tut mir das leid für sie.
Sie würden viel besser in solche Argumentationslogiken der Therapeutin passen und könnten sich viel besser auseinandersetzen mit den Themen “Abwertung von Schwäche bzw. Opferschaft” oder “die Familie* bevorzugen, weil hier gerade so viel überfordernder Scheiß läuft”.

Stattdessen höre ich mir das an, frage mich, ob ich in den letzten Jahren nicht schon oft genug gesagt habe, dass das für mich nicht passt, beantworte mir die Frage mit: “Ja, offensichtlich nicht, sonst würde sie ja nicht schon wieder damit ankommen” und falle in ein Loch, denn plötzlich fühle ich mich ihr fern, fremd und unverbunden. Als hätten wir niemals etwas miteinander geteilt oder wären je verbunden gewesen.
Dann warte ich eine Weile, stoße meine Gedanken wie Bergsteigerpickel in den wabbelweichen Haufen aus allen mit ihr gemachten Erfahrungen und schlage mein Zelt auf einer Schicht Fatalismus auf. Ich erzähle mir, wie ich jederzeit aufhören kann, mit ihr zu arbeiten. Wie ich jederzeit aufgeben könnte, wenn ich nur wollte, obwohl ich weiß, dass ich es nicht kann und nie konnte.

Wieder lüge ich mich an und wieder merke ich, dass es das Beste für uns alle ist, das zu tun.

Ich habe der Therapeutin gesagt, was ich sagen konnte und beendete das Gespräch mit der Gewissheit, dass mein Erinnern nutzlos ist, weil es ohne Kontext ist.
Die Therapiearbeit braucht diesen Kontext. Ich kann ihn nicht liefern.

Ich gehöre zu einem anderen Ende dieses Lebens und dieses Ende gehört im Moment nicht zur Therapie.
An meinem Ende passiert nur eine Phase.

Phasen sind irgendwann auch wieder vorbei.
Man muss sie nur durch.stehen.

Heute ist wie gestern. Nur anders.

“Ich habe da auch überhaupt keine Ahnung von.”, sagte unsere Hausärztin und drückte sich die Schultern gegen ihre Ohrläppchen.
Sie meinte dissoziative Krampfanfälle und vielleicht auch Kampfanfälle im Allgemeinen.
Ähnliches hatte unsere Neurologin, die als unsere Psychiaterin im Helfernetz auftritt, gesagt, als wir zuletzt vermehrt Krampfanfälle und motorische Tics hatten. Sie empfahl uns zu einem anderen Neurologen zu gehen. Einem, der sich besser auskennt und eine entspreche Wartezeit für Termine hat.

Und letztlich auch nicht mehr sagen konnte als: “Alles psychisch – ich kann da nichts machen.”

Wir sind dankbar für die Ehrlichkeit mit der uns das gesagt wird. Es ist uns lieber gleich zu wissen, dass wir nicht mit Kompetenzen und Hilfe rechnen können, als zu glauben, sie wäre da und in dieser Annahme enttäuscht zu werden.
Es ist aber auch schlimm, denn “alles psychisch” bedeutet “alles in deiner Psyche begründet” und eben nicht “alles in etwas begründet, worauf deine Psyche reagiert”.

Wir fühlen uns nicht als “psychisch krank” und hassen es, wenn diese Formulierung verwendet wird, um Lebensrealitäten wie unsere zu beworten.
Solange uns die Medizin nicht helfen, uns aber sehr wohl von “körperlich Erkrankten” abgrenzen kann, weigern wir uns auch uns diesem Sprachgebrauch entsprechend zu verorten.

Wir stiegen mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und nachwievor anhaltendem Schwindel, Schmerzen in der Hand und kurz vorm Erbrechen vor Müdigkeit in die Bahn zurück nach Hause. In den nächsten paar Tagen haben wir schulfrei. Können uns ausruhen. Können hübsch zu Hause bleiben und uns den Bauch über den Hosenbund hängen lassen.
Könnte man so annehmen.
Tatsächlich schliefen wir kurz, nahmen NakNak* in Empfang und fielen in ein Stimmungstief.

Der Anfall war von einer Situation ausgelöst, in der uns das Management der eigenen Hilfen entglitten ist. Den Anfall selbst konnten wir nicht regulieren. Die Hilfen nach dem Anfall war okay und doch unzureichend. Trotzdem wir getan haben, was wir konnten. Wir haben gesagt, was wir brauchen. Wir haben gesagt, was wir wollen. Wir haben gekämpft und verloren. Irgendwie.
Und am Ende bleiben wir allein in unserer Wohnung, lesen im Internet, recherchieren nach Yoga-Übungssequenzen, googeln nach neueren Forschungen über dissoziative Prozesse und ihre neurologischen Strickmuster.
Wir fühlen uns scheiße, sind müde und können doch nicht mehr schlafen.
Irgendwann zerlegt es uns im Schlafzimmer und beinahe fallen wir mit dem Kopf auf die provisorische Treppe zu unserem Bett. Ein paar Stunden vorher hatten wir von jemandes Tod durch Epilepsie erfahren.
NakNak* legt sich neben uns und atmet unsere Wange an.

“Es liegt alles allein in unserer Hand”, denke ich und möchte zeitgleich heulen vor Frust über die Last, die ich daran spüre.
Ich plane unsere Wohnung neu. Plane mehr Platz zum Hinfallen ein, überlege die Wiedereinführung der Notfalltaste am Telefon, die NakNak* betätigen kann. Bitte eine Gemögte, um Zeit, eine stationäre Betreuung mit uns zusammen rauszusuchen und versuche meine Angst vor dem endgültigen Ende von Autonomie und finanzieller Unabhängigkeit mit Tränen zu verdünnen.
Ich schwimme durchs Internet und finde weder Insel noch Hafen für mich und uns und den ganzen Haufen Zeug, über den wir mit anderen Menschen in Austausch gehen wollen würden.

Wieder denke ich über einen Antrag auf Kostenübernahme auf eine stationäre Therapie in einer spezialisierten Klinik nach und darüber, wie dicht der soziale Filz wohl ist, der uns auch diesen Versuch an Hilfe zu kommen verunmöglichen würde.
Und lasse es wieder bleiben.
Diese Art der Hilfe ist für alle anderen. Wir haben schon alle anderen Optionen, sind schon besser versorgt als viele andere. Wir sind nur nicht kompatibel genug. Nicht gut genug. Nicht genug, um sein zu dürfen, wer wir auch noch sind.

Die Nacht geht vorbei und zum ersten Mal seit Wochen, kann ich mich aus einem unkontrollierten Erinnern herauswinden.
Mit der gestauchten Hand können nicht aufs Rad steigen und das ekelhafte Körpergefühl vom Fahrtwind abschmirgeln lassen. Wir gehen in die Küche und setzen uns ans Fenster.
Mir ist klar, dass ich nicht wirklich blute und doch gehe ich in das Rinnsal hinein und verfolge es auf seinem Weg an mir herunter. Ich habe keine Angst, mir ist nicht schlecht. Ich bin das Blut und müde, abgekämpft und dumpf.
Am nächsten Morgen schreibe ich auf, wer noch da war, was ich gemacht und gedacht habe.

Neben all dem, was ich nicht beeinflussen kann, ist die Therapie und der Hausaufgabenklops das, was mir im Moment Hoffnung und einen Faden in die Welt gibt.

Ich verstehe endlich, was es mit mir macht, wann immer Ärzt_innen und andere Helfer_innen sagen, sie hätten keine Ahnung: Ich denke, dass ich diese Ahnung haben muss. Denn irgendwo muss sie ja sein. Es kann ja nicht – es darf ja auch nicht sein, dass niemand weiß, was mit mir passiert, wenn es um so etwas Schlimmes geht.

Es darf doch nicht so sein, dass es für uns keinen Grund zur Annahme gibt, dass es irgendwann und durch etwas, das man tun kann, aufhört zu passieren.
Es muss doch etwas geben, das uns davon erlöst immer wieder so global die Kontrolle über uns und unseren Körper zu verlieren.

Ich sehe die Parallele zum Gewalterleben anderer Innens früher und sehe, wie oft wir mit der Frage nach dem Kontext und der inneren Mechanik dessen, was mit uns und an uns passierte, alleine gelassen wurden. Für mich wird darüber auch verstehbarer, warum sich organisierte Gewalt in additiven Kontexten bewegt, statt einfach nur in den Intensionen der Täter_innen: Sie haben keine Ahnung – aber für sie ist das okay und auch nicht relevant eine Ahnung zu haben, denn das draufgepappte Konstrukt um ihre Handlungen erlöst sie davon.

Für unsere Hausärztin ist es auch nicht relevant eine Ahnung zu haben. Für unsere gesetzliche Betreuerin und den Richter ist es ebenfalls nicht relevant eine Ahnung davon zu haben, was bei uns passiert. Sie können sich auf die eigene menschliche Begrenztheit und ihre Rolle in bestehenden Strukturen zurückziehen und sich so einen meterhohen Grenzzaun zwischen sich und uns aufbauen.
Es ist ihnen erlaubt blind taub und handlungsunfähig vor uns aufzutreten und uns zu vermitteln, wir müssten uns selbst retten helfen.

Und wir, die wir seit Jahren und immer unsere Probleme allein lösen oder durch alleingestemmte Projekte leichter machen, weil es keine anderen Optionen gibt, sprechen darauf natürlich an.
Wir sind die einzige Person, die während und nach dem Termin gelitten hat. Wir sind die Einzigen, die sich vom Krankenhaus nicht ausreichend versorgt gefühlt haben. Wir sind die Einzigen mit diesem Körper. Wir sind die Einzigen mit dieser Psyche. Wir sind allein mit dem, was uns passiert. Wir sind der Einzelfall von dem niemand eine Ahnung haben muss.
Weil man ja nicht von allem eine Ahnung haben kann.

Unsere Therapeutin sagt uns immer wieder, wir sollten uns darauf konzentrieren, dass heute alles anders ist als früher.
Nach Erfahrungen wie diesen, fällt es mir sehr schwer daran zu glauben, dass sich die der früheren Gewalt zugrunde liegenden Dynamiken nicht mehr in unserem Leben befinden und keinerlei (re)traumatisierenden Einflüsse mehr auf uns haben.

Es fällt mir so schwer, dass ich sage, dass heute wie gestern ist. Nur anders.

Abspann

Sie wurden heute im Rahmen eines Rituals gegessen. 20160921_080758
Die Äpfel.

Aus den Mündern aller Beteiligten quoll ein monotoner “NOM NOM NOM”-Gesang und ich sah zu.
Befriedigt und entlastet.

 

 

 

20160921_080823

 

Ich würde es wieder tun.

 

______________________________________________

(Nur nicht nach diesem Rezept (vegan) – es braucht jeweils noch 100gr mehr Mehl, wenn man, wie wir, feines Dinkelmehl verwendet.)

hab den Mut deine eigene Stimme zu benutzen – ein Rant

Es war nach der Meldung über die unabhängige Aufarbeitungskommission und vor der Mail, die mir erzählte, dass Yoko Ono “Testamente des Leids” für eine Kunstaktion in Empfang nimmt.
Der bittere Moment, in dem mir klar wurde, dass ich als öffentlich schreibende Person, die Gewalt überlebte und die Folgen davon im Leben hat, die Rampensau bin, während all die “guten Opfer” sich bei der Aufarbeitungskommission melden oder ein Bild ihrer Augen über ein Schriftstück heften, das sie Yoko Ono schicken.

Immer wieder heißt es, Gewalt solle benannt werden. Immer wieder wird mit großen Worten ein Wertschätzungsluftballon aufgepustet, der den Mut der Überlebenden, der Betroffenen, der Menschen, die ES erfahren haben, der Menschen, die bis heute nicht wissen, zu wem oder was die Gewalt sie hat werden lassen, verkündet.

“Geschichten, die zählen” heißt es in der Broschüre der Aufarbeitungskommission.

“Profiliert sich im Internet mit ihrer Diagnose und (angeblichen) Geschichte”, heißt es, wenn man genau das Gleiche tut, jedoch nicht darauf wartet, dass eine Institution oder irgendein_e Künstler_in Bock auf die Auseinandersetzung mit Leid und Not hat.

“Ihre Geschichten helfen, zu verstehen.” heißt es grob übersetzt auf der Webseite des UBSKM.

“Wertet sich selbst damit auf, für Fachpersonal Workshops und Vorträge zu geben.”, ist aus unserem letzten Klinikbericht zu übersetzen.

“Was ist das bloß für eine Diskrepanz?”, könnte man sich da fragen. Und tut es doch nicht, denn die Dissoziation ist wichtig.
Es ist wichtig, hier die guten, die jungen, die starken, die resillienten Opfer zu haben, deren Kraft zum Widerstand, zur Autonomie, zur Macht über die eigene Stimme, die eigene Geschichte, die eigene Wahrheit, das eigene Selbst, dann doch aber bitte nur bis kurz vor das Ego der Helfer_innen, der Retter_innen, der Verkünder_innen eines selbst nie erfahrenen Leids, reicht.

Es ist wichtig dort die schlechten, die alten, die unfähigen, “die Anderen” zu haben. Die, bei denen “es dann doch wahrscheinlich alles ein bisschen anders war.”. “Die, “die noch ganz andere Probleme haben, als…”. Die, für die es nie hätte anders laufen können.
Man braucht sie, um sich Kraft zu sparen. Sich zu erhöhen. Sich zu trösten. Es ist so wichtig immer wieder jemanden zu haben, auf dessen Rücken man klettern kann, um selbst ein Wunder zu vollbringen oder wenigstens von einem angestrahlt zu werden. Es ist so wichtig, dass alles einen Sinn hat, den man sich ohne viel Anstrengung konstruieren kann.

“Meine Geschichte”, werde ich nie mit einer Öffentlichkeit teilen, die so funktioniert.
“Meine Geschichte” enthält so viele Geschichten und keine einzige davon ist es wert, zu etwas erhoben zu werden, das so tief eingegrabene Gewaltmuster aushebeln kann.
Ich wurde einfach nur misshandelt und ausgebeutet. Und aus Versehen hab ich das auch noch überlebt.
Sowas passiert. Jeden Tag. Immer.
Und wieder.

Viel schlimmer als das ist, was jeden Tag mit mir gemacht wird, nur weil ich das üb.erlebt habe.
Dass die Kenntnis über diese meine Erfahrungen ausreicht, um meine Intensionen, meine Person, mein Selbst, mein Werden und Wirken zu entwerten, zu pathologisieren und von Fremden für sich allein benutzen zu lassen.

Ich bin kein Opfer für dich Yoko.
Ich bin kein Opfer für dich UBSKM.
Ich bin kein Opfer für dich [random Stelle, die “den Opfern eine Stimme geben will”]

Ich war ein Opfer.
Ich bin ein Mensch mit Erfahrungshintergrund.
Wie jeder andere auch.

Was ich schlimm finde ist, für wen ich das ewige Opfer sein muss, um sich mit Gewalt auseinanderzusetzen oder die Auseinandersetzung auf gesamtgesellschaftlicher Ebene immer wieder anzustoßen.
Das sind nicht immer die großen Held_innen der Psychotraumatherapie. Das sind nicht immer die aufopferungsvollen Pädagog_innen. Die against all odds pro Bauchgefühl – Menschen.

Das sind oft Menschen, die davon profitieren, dass unsere Gesellschaft eine Gewaltgesellschaft ist, in der sogar mit Not und Scheiße noch an Geld und Macht zu kommen ist. Die davon profitieren, dass die Wahrheit des Unterlegenen zum Vorteil des Überlegenen erklärt werden kann.

Wir wollen niemandem davon abraten sich an dem Vorhaben der unabhängigen Aufarbeitungskommission zu beteiligen. Oder an dem fancy Kunstdings von Frau Ono.
Es ist wichtig, dass über Gewalt gesprochen wird. Es ist wichtig, dass über die Folgen und die Leben danach gesprochen wird. Es ist wichtig, dass niemand sagen kann, si_er hätte noch nie davon gehört.

Aber – es ist wichtig, dass es direkt von denen zu hören ist, die es erlebt haben.
Nicht von irgendwelchen Stellvertreter_innen. Nicht von irgendwelchen Institutionen. Nicht von Menschen, die davon profitieren, dass sie die Stimme einer zum Opfer gewordenen Person im Hinterkopf haben und die eigene Stimme hörbar für alle erheben.

Ja, viele mit Gewalterfahrungen im Leben, haben Angst davor offen damit zu sein.
Es ist nicht geil, solche Kommentare auf das Ergebnis der eigenen Versuche in Worte zu kommen lesen zu müssen, wie wir sie hier mitunter reingedrückt kriegen.
Es ist verletzend zur Rampensau erklärt zu werden, weil man sich nicht versteckt. Es ist erschreckend welche negativen Konsequenzen es haben kann, wenn man offen als früheres Opfer von Gewalt vor andere Menschen tritt.
Man selbst hat nichts davon. Niemals. Unter keinen Umständen.

Aber es ist gesagt. Und je nach Form ist es unübersehbar. Unüberlesbar. Unausblendbar. Unzerstörbar da.

Und niemand kann je sagen, man hätte ja nicht wissen können, dass es so etwas wie zum Beispiel unser Leben und Sein, Wirken und Werden tatsächlich gibt.

Wir möchten euch sagen, dass ihr nicht warten müsst, um zu erzählen, was war. Um auszudrücken, was jetzt ist. Um sich mit den gemachten Erfahrungen auf die ganz individuelle Art zu befassen, wie es sich am Okaysten anfühlt.
Niemand wird kommen und euch danach fragen. Noch lange Zeit werdet ihr es sein, die von weit her dazu aufgefordert werden, etwas zu sagen und mit einer sozialen Umgebung zu teilen, der es nicht primär um euch und euren kleinen persönlichen Kosmos geht, sondern um die Gewalt und ihre Macht.

Ihr braucht keine Erlaubnis für euren Ausdruck, denn die Redefreiheit gilt euch für euch.

Ihr braucht nur den Mut, euch der eigenen Stimme zu bedienen.
Weil es sagbar ist.