Fundstücke #42

Die Emma ist mal wieder Thema. Als eine dieser Netzfeminist_innen™, komme ich irgendwie nie darum herum davon berührt zu werden, denn Tritte in den Rücken tun eben das, was sie tun sollen: treffen. Und fühlt sich eine_r getroffen, dann wird in meinem Umfeld darüber gesprochen. Und wird darüber gesprochen, dann nehme ich Anteil daran.

Mir ist aber gerade etwas aufgefallen, das mir neulich schon durch den Kopf ging, als ich einen Kommentar zu einem Text über Sexualassistenz aus der Emma las. Natürlich ist Sexualassistenz für Schwarzerfeministinnen gleich Prostitution und unter keinerlei Umständen jemals das, was es für andere Menschen ist.
Da gibt es auch nichts zu diskutieren oder gar zu differenzieren, denn da gibt es ja diese Redaktion, die für uns urteilt.
Uns – den Rest der Gesellschaft. Uns, die konkret Betroffenen. Uns, deren Blick ja völlig und immer komplett verwirrt ist von “dem Patriarchat”. Uns, den Jungen, die sich den Respekt und die offenen Ohren erstmal erarbeiten/erkämpfen/verdienen müssen, um es überhaupt wert zu sein ernstgenommen, anerkannt und respektvoll behandelt zu werden. Uns, den Anderen, die erstmal ihre Gleichartigkeit vorzeigen müssen, ohne jedoch das Gleichersein dieser Menschen in Frage zu stellen oder zu kritisieren.

Das ist das alte Emma-Alice Schwarzer-Problem: Gewaltreproduktion, die weder hinterfragbar noch kritisierbar ist.
Für mich braucht es nicht mehr, um diese Strömung der feministischen Bewegung zu meiden. Wer es nicht schafft, der Freiheit eines_einer Einzelnen einen Platz in der Freiheit aller zuzusichern, vertritt für mich nicht das, was ich mir für das gesamtgesellschaftliche Miteinander wünsche.
Soviel dazu.

Aber.
Interessant ist eine Parallele zu dem Ding, das wir letztes Jahr in der Klinik erlebten.
Das Verbot zu bloggen. Die Unmöglichkeit die Behandlungen wegzulassen, die weder gut taten noch hilfreich waren. Die unerwartete Schwierigkeit daran, selbst zu definieren, welche Themen dran sind und welche nicht.
Wir haben uns damit zurückgehalten von Bevormundung zu sprechen, denn wir haben uns nicht wie ein Kind behandelt gefühlt, sondern wie der letzte Dreck. Nämlich entwaffnet (das Ausdrucksverbot), erpresst (“Wenn du nicht mitmachst, wie wir das bestimmen (weil wir das können), dann …”) und entrechtet (“Du hast hier gar nichts mitzubestimmen, weil was du willst, ist alles Ergebnis deiner Krankheit/Traumatisierung/falschen Sozialisierung, was dich deiner Rechte entlässt.”).

Die Logik ist: “Wir sind normal – wir sind erfahrene Menschenlebenretter_innen – wir sind die, die es durchschaut haben– wir reißen uns schon länger den Arsch auf als andere – wir sind die Liga der Selbstgerechten – wir sind DIE GUTEN – scheiß auf den Rest. Scheiß auf die Anderen. Die sind eh in der Minderheit. Minderheiten ey! Weiß man ja eh drüber Bescheid… wir wissen ja nämlich sowieso alles. WIR! DIE GUTEN!!!”.
Ok ok – jetzt hab ich mich hinreißen lassen.
Trotzdem.
Das ist die Logik, die bei mir ankommt als unterlegene Einzelperson, die sich so einem Kollegium (Kollektiv) gegenüber sieht.
Völlig gleichgültig, ob sie selbst das so wollen. Völlig egal, wie sie sich selbst sehen.

Es ist Selbstgerechtigkeit. Es ist Ignoranz. Es ist das Gegenteil von Dialog.
Es ist Gewalt.

Das Tragische für mich ist dabei, so alternativlos zu sein bzw. überwiegend mit dieser Haltung konfrontiert zu werden.
So wie ich ständig Abgrenzungsarbeit dahingehend leisten muss, dass ich in meinen feministischen Idealen weit von denen einer A. Schwarzer abweiche, muss ich das als Speaker_in zum Thema Trauma und Viele-Sein ebenfalls immer wieder in Bezug auf verschiedene Größen der Szene tun.
Während mir das aber bei feministischer Auseinandersetzung nichts ausmacht, weil es um einen gesellschaftlichen Diskurs geht, ist es in Bezug auf diesen Arm der Traumaszene jedoch ganz offensichtlich problematisch.
Denn trotz allem, was mir zugetraut wird, um als Bedrohung zu gelten oder so wahrgenommen zu werden, bin ich eben doch nur ich allein, denn für niemanden sonst spreche/schreibe/arbeite ich.

In einer Diskussion würde man es drehen, wie Frau Schwarzer ihre “Kritiken” dreht: am Individuum festgemacht, basierend auf unreflektiertem Begreifen, gewaltvoll durch stringentes Vermeiden von respektvollem Dialog und ganz zuletzt runtergebrochen auf die ewig gleichen Egopfeiler, die entlang von Privilegien gewachsen sind, die ich in meinem Leben vermutlich nie inne haben werde.

So bedroht sich (selbsternannte) Mehrheiten allgemein von real greifbaren Individuen fühlen, so viel Fremdscham empfinde ich vor diesem Bedrohungsgefühl. Gerade dann, wenn es zu gewaltvollem Handeln, wie dem Aussprechen von Verboten oder öffentlicher Verurteilung einer Person kommt, die schlimmstenfalls auch noch ganz andere Menschen treffen und abmahnen soll.

Und am Ende?
Am Ende ist es tragisch, weil eine Spaltung besteht und bleibt.
Weil ein Miteinander unmöglich wird.
Weil es weh tut, selbst dann, wenn man einander nicht braucht.

Weil es Gewalt ist und bleibt.

“fett”, “dumm”, “ungenügend”, “falsch” sind keine Gefühle

Das Video hat mich daran erinnert.
“fett” ist kein Gefühl. “dumm” ist kein Gefühl. “ungenügend” ist kein Gefühl. “falsch” ist kein Gefühl.

Das sind Zuschreibungen. Wertungen.
Und auch wenn ich sie ständig und immer, in allen möglichen Variationen im Kopf habe, sie höre, sie als Tritte, Stöße, Ziehen, Reißen, Kratzen, Brennen, Wucht und Energie in und an mir fühle, sind sie nicht von mir gemacht. Selbst wenn sie als Stimme aus mir herauskommen, meine Haut tragen und mein Leben an sich nehmen. Sie sind nicht ich.
Sie sind in mir geworden.
Weils nötig war. Weil Menschengehirne – weil Leben auf Spiegelung und Kopie beruht.

Mir ist aufgefallen, wie oft davon gesprochen wird von etwas oder jemandem getriggert zu sein. Trigger zu meiden oder einen Umgang zu finden. Immer wieder geht es um Trigger und darum bestimmte Handlungen zu unterdrücken. Zu vermeiden. Umzulenken.
Es geht nicht darum zu sagen: “Ich fühle wie damals, als eine Person, der ich mich unterlegen fühlte/von der ich abhängig war, mir sagte, ich sei fett, dumm, ungenügend, falsch, weil sie mich demütigen, abwerten, unterdrücken, brechen, verletzen, zerstören wollte.”. Es geht nicht darum zu sagen: “Ich erinnere mich an eine Gewalterfahrung.” oder “Diese Situation, unser gemeinsamer (sozialer) Kontext erinnert mich an eine Gewalterfahrung.”.
Es geht um Trigger_reize und darum das Framing dieses Begriffes zur Abstraktion von Gewalt und ihren Folgen zu miss-ge-brauchen.

Was ein Trigger ist, ist schnell erklärt und jede – wirklich jede Person versteht das Reiz-Reaktionskonzept “Trigger”.
Aber wird es auch begriffen? Wird mit der Erklärung des Begriffs – der Bewortung eines Vorganges, begriffen, dass es um die Folge eines An- und Eingriffs in das gesamte Denken und Werten bezüglich jeder Regung innerhalb eines Individuums geht?
Nein.

Oft passiert es sogar, dass eine Spaltung aufgeht, was ein “echter Trigger” sei und was “ein irgendwie anderes Dings”.
So gibt es die Idee, dass ein echter Trigger direkt zum Flashback oder zum dissoziativem Symptom führt und alles andere einfach schon immer so sei und vielleicht bei jedem sogar gleich. Denn schließlich fühlt sich ja heutzutage jede x-te Person “fett”, “dumm”, “ungenügend”, “falsch”.
Obwohl genauso jede Person wissen kann, dass das keine Gefühle sind.

Aber wie oft setzt man sich schon hin und denkt darüber nach, wie man sich eigentlich fühlt?
Wann kann man sich Gefühle eigentlich erlauben?
Wann kann man seine Gefühle ertragen oder aushalten?

Sicher nicht, wenn man glauben muss, man sei fett, dumm, ungenügend und falsch.
Ganz sicher nicht, wenn man andere Zuschreibungen nicht gleichsam wahrnehmen darf. Und ganz sicher nicht, wenn man sie sich nicht einmal zu erlauben überlegen können darf.
Weil man auf den “richtigen Trigger” warten muss, bis das zu etwas werden darf, das man als nicht von sich kommend markieren kann.
Weil es eine neue Machtinstanz* mit eigener Sprache erlaubt.
Nicht etwa man selbst.

 

*hier: die Psychotherapie/Psychologie als Wissensmacht ergo Gewalt

euer komisches Berlin – Teil 4

und am Ende: Dis.kurs, Dis.kussion, Dis_Tanz inmitten meiner  DIS – sonanz

Der leere Platz neben mir im Konzert, das fast schlechte Gewissen beim Nach-Mit-Nebenherdenken feministischer und vielleicht auch allgemein emanzipatorischer Auseinander-Verschieb- Neube- Setzungen und dieser seit Samstag anhaltende Schrei in meinem Kopf.

Es tut mir gut, mich auszusprechen und merke das ganz deutlich, als ich Kaffee, der komisch guckt, aus einer Eulentasse trinke und auch meinen emanzipatorischen Bauch über den Rock hängen lasse.
Feminist_Innen und Personen wie ich, die den Begriff “Feminismus” verwenden, um ihre emanzipatorischen Überlegungen einzurahmen, wir dürfen uns nicht uneinig sein, dürfen uns nicht verkrachen, erleben unsere Diskurse immer wieder als Gräben und Spalten bewortet und bewertet, von Personen, die oftmals gar nicht beteiligt sind oder “anti” aus Prinzip und Selbstzweck sind.

Und wenn der Graben einmal da ist, dann passiert Geschichtsschreibung im Mauschelflüstern und nach einer Art Tiefenscan der Positionierung der Person mit der man spricht.
Ich fühle mich immer wieder sehr privilegiert, wenn es reicht, dass ich in der grundsätzlichen Strömung solidarisch bin und keine Positionierung vornehmen möchte. Wenn akzeptiert wird, dass ich netzfeministische Geschichte weder gänzlich kenne, noch an einen linearen Verlauf der selben glaube.
Wenn mein ständiges Dazwischen – oder manchmal auch Danebenstehen nicht als defizitärer Zustand betrachtet wird, sondern als Ist- Zustand #ausGründen , die nichts mit einer Wahl von mir zu tun haben.

Es ist dann am Ende nur mein Wunsch nach Harmonie und Ein-s-igkeit, die mich wünschen lässt, dass ich mit allen meinen lieben, klugen, engagierten Bubbleherzmenschfeminist_Innen an so einem Tisch sitzen kann, auch um vielleicht meine eigenen inneren Diskurse zu vereinen. Wenn ich dann aber wiederum bedenke, dass ich damit wieder ein Machtgefälle aufmache und neuerlich #ausGründen zu #inAbgründen mache, das ja aber genau kritisiere und nicht will … und aber… und …
ach… dann ist es, wie es ist und ich bleibe in meiner Dankbarkeit dafür, innerhalb dieser Diskurse meiner Ich- Struktur folgen zu dürfen und eben viele zu sein und mit vielen zu sein. Nebeneinander.

Dankbarkeit und noch einmal erweiterte Annahme von Grenzen, Spalten und Ab.Gründen
das habe ich, in meine Jacke gekuschelt auf einer Platzreservierungsinsel im Zug nach Hause, auf meinem Schoß gehabt.

Dass ich diese Reise machen konnte, hatte so viel mit anderen Menschen und ihrer Bereitschaft mich finanziell zu unterstützen zu tragen, wo ich nicht laufen kann, zu tun, dass mein Danke seinen Kopf in Wolken betten kann, während direkt daneben Risse bis an sensible Teile meines Innen klaffen, weil es eben doch nicht nur schön ist, immer wieder diejenige zu sein, die ohne Bei-Neben-Mithilfe nicht vorwärts kommen kann.

Am Montag fahren wir wieder nach Berlin.
Dann geht es um Inklusion.
Lustig, in einer Stadt, die so lange zerschnitten und gespalten war, darüber nachzudenken.
Zum Schreien komisch, dass ich mein Zerfaserrissenimplodiertsein auch dorthin trage.

 

Ende

vom Macht- “Ja” im “Nein”

aq Ich habe über Protest nachgedacht. Über Nicht- Zustimmung und seine Folgen.
Das Zusammenspiel von Ablehnung und Abgrenzung.

Ich habe dabei an die Verselbstständigungsphasen von Kindern und Jugendlichen gedacht und mir ist aufgefallen, dass es einen scheinbar stillen Satz gibt, der sagt: “Wo ein “Nein” ist muss ein “Ja” sein. (Man muss es nur finden, produzieren, erzwingen, Machtgewicht entsprechend drüber legen)”.

So werden dann Kinder die Treppen hoch getragen, weil das Hochgehen alleine zu viel Zeit in Anspruch nimmt (Macht des Erwachsenen zu definieren, was wie lange dauern kann oder soll oder darf – aus Erwachsenensicht, welche umfassender, erfahrungsreicher, in anderen Sicherungsdynamiken als die des Kindes entsteht vs. Wunsch des Kindes alleine (abgegrenzt vom Erwachsenen) die Treppe hochzugehen, Selbstbestimmung aus einer Sicht heraus, die sich auf Abgrenzungsprozesse und Selbstwahrnehmung bezieht)
und obendrauf kommt die Haltung, die mehr Bestätigung durch Machtposition erfährt: “Du sagst Nein zum Getragen werden – ich sage Ja zum endlich mal nach Hause kommen- das ist ja auch für dich besser/du willst es doch auch/ es ist wichtig/ nötig etc.”

Ich glaube, dass wir als Kinder viele dieser Dynamiken aufnehmen, unhinterfragt (lassen müssen) weitertragen und als Erwachsene in unsere Gesellschaft hinein installieren. Wir werden als Kinder (gerade auch als Kinder in einer Gesellschaft, die aus überwiegend Nichtkindern besteht) immer wieder damit konfrontiert, dass in jedem unserer “Neins”, immer mindestens im Außen ein “Ja” steckt. Und weil wir Menschen eigentlich alles per Gegenstück definieren, beziehen wir die Abwesenheit der Option eines Gegenstücks (bzw. die Anwesenheit beider Stücke nebeneinander) nicht ebenso ein.

Ich sehe darin viele Mitfaktoren für die Begünstigung zur Leugnung von Vergewaltigungskultur ja, irgendwie auch einer allgemeinen Gewaltkultur.
So werde ich als Eine, die radikal alle Dualismen als Gewalt(form) markiert, zur durchgeknallten Spinnerin, die ihre Erfahrungen nicht von der Realität abtrennt/ übertreibt/ Schwachsinn redet- nicht nur, weil ich als titelloses Gewaltopfer auf Hartz 4 und obendrein noch nicht cisgender, nicht heterosexuell und jüdisch; in meinen Neins, aufgrund meiner äußerlich weniger gestärkten Ansichten/Wahrnehmungen/ Überzeugungen, zu einem “Ja mit Sonderzeichen”.
Heißt: Mein “Nein” zu Gewalten wird gehört, aber zu einem “Ja, aber wenn…” verdreht.
So wird mir unterstellt, ich würde dieses oder jenes nicht mehr als Gewalt bezeichnen, wenn ich sie selbst ausüben könnte bzw. würde. Und auch mit diesem “Ja” in meinem “Nein” habe ich dann zu leben, weil es sich zwar um eine Hypothese handelt, durch die Markierung des mächtigeren (da gesicherteren) Menschen zu einem Fakt, der meine gesellschaftliche Position noch wieder eine Stufe weiter runterdrückt.
Dieser Mensch reagiert damit auf etwas, das er als Bedrohung vielleicht sogar Gewalt wahrnahm, weil die Option, dass ich diese Dinge nur so benenne- aber sie als Fakt allein nicht bewerte (also in einen weiteren Dualismus bringe), nicht gleichsam wie die Wahrscheinlichkeit einer Kritik (Nein mit Imperativkonnotation) in ihm war.

Ich habe darüber nachgedacht, dass ich mit meinem Artikel zu meiner Haltung zu Veganismus vor allem eines wollte: Nein sagen, um mich abzugrenzen.
Nicht nur von der Art des Protestes in Form von “etwas lassen”, sondern auch von der Schuld-Ekel-Moraldynamik, die manche VeganerInnen an mich herangetragen haben (bzw. wie ich sie bei PETA und anderen Organisation (nicht nur Tierschützer/retter/rechtlerInnenorganisationen) wahrnehme).
Ich erlebe Veganismus in meinem Umfeld allgemein als “nicht jüdisch”, “weiß”, “privilegiert” (nicht (nur) ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich gesichert zu sein in seiner (christlichen) Moral von Leid und Erbarmen, so wie der Vorstellung des Menschen als Zentrum einer Präsens und Fähigkeit), “passiv aggressiv” und vor allem frei-willig.
Ich feiere alle VeganerInnen, VegetarierInnen und was es sonst noch alles gibt, die von sich sagen: “Ich mach das, weil ich das kann- obwohl (und/ oder, weil) ich auch anders könnte.”.

Es gibt also Aspekte, von denen ich mich abgrenze, weil ich die Übereinstimmungen, die da sind (mein Weiße sein, meine Haltung zu Leid und meine Vorstellung vom nichtohnmächtigen Menschen) nicht kritisch genug betrachtet sehe bzw. nicht ausreichend auf mich übertragen kann.
Ich fühle mich nun einmal nicht freiwillig vegan lebend geworden, wenn mir durch Schockfotos, Menschtiergleichmachung, moralischen Druck, Verbotedruck, Schuld- und Ekelgefühle eine Entscheidung gemacht wird.

Das heißt nicht, dass ich in diesen VeganerInnen schlechte Menschen sehe, ihren Lebensstil ablehne, ihr “Ja” zum Veganismus mit meinem “Nein” füllen und ersetzen will.
Ich gehe aus dem Dualismus raus und sage: Ihr ja – ich nein = wir sind existent

Mir ist in meinen Überlegungen die Parallele zu dem großartig prägnanten Satz von Oprah Winfrey aufgefallen:
“No” is a complete sentence

Unsere Gesellschaft ™ fußt darauf, alles erklären zu müssen und nur mittels Erklärtsein zu gemeinschaftlichem Konsens und darüber wiederum zu Gütern, wie (sozialen) Privilegien durch Sichtbarkeit und damit Gewichtung zu kommen.

Damit wäre dann auch der Trugschluss des “Opferprivilegs” [Hashtag: #survivorprivilege] geklärt- hier geht man(n) davon aus, dass es etwas bringen müsste, ein Opfer zu sein, weil Opfersein erklärt werden kann durch die (im Vergleich so erscheinende) Abwesenheit von Aktivität – ist es nicht erklärbar (beweisbar durch das Gegenstück bzw. Zeugen/Beweise dafür) ist es Erschleichung von Anerkennung durch Erklärung. Ergo das Privileg als Opfer (Unschuldige) anerkannt zu sein. Nicht gesehen wird, dass das “Opferprivileg” allein in der gesellschaftlich notwendigen Anerkennung/Sichtbarkeit/das als (zum) Opfer erklärt sein ist, das anderen nicht gleichsam markierten Opfern nicht vergönnt ist, begründet liegt. Ohne Gesellschaft, die Opferschaft erklärt/begründet/bewiesen haben will, gibt es kein “Opferprivileg”.
Es gilt der gleiche Leitsatz, wie in allen Diskriminierungsdebatten: „Wer diskriminiert ist, hat keine Privilegien.“

Ohne Dynamik von “erklären” und “auf Erklärung reagieren” gibt es keinen (bzw. weniger häufigen) Konsens.
Insofern war mein Artikel zu dem Thema eigentlich dumm in dem Sinne, dass ich mein eigenes Nein, vom Satz zur Erklärung habe werden lassen. Er war aber konform im Sinne dessen, was von der Gesellschaft ™ anerkannt wird, als Mittel, das zu Konsens führt.
Mir erschien es als aktiveres, massiveres Nein, als der Satz, weil dieser nicht zur gleichen Abgrenzung führte.

Ich wollte mich selbst als abgegrenzt von Veganismus erklären, indem ich meine Ablehnung begründete, statt wie sonst im Alltag, mein scheinbar nicht gleichsam gewichtiges “Nein” ohne “Ja” anzubringen.

Am Ende stellt sich heraus, dass eine Gesellschaft ™ bzw. Individuen, die ihr “Nein” ausschließlich bzw. überwiegend im Dualismus erleben (müssen), diesen Dualismus sowohl internalisieren (und in sich selbst ausschließlich Dualismen arbeiten, bzw. die Fähigkeit diese zu suchen, zu finden, zu produzieren… ) als auch nach außen übertragen. Letztlich um sich in der eigenen Wahrnehmung/Sicht/Überzeugung zu bestätigen und darin zu manövrieren.
Was que(e)rschießt, fliegt raus und wird auf dem äußeren Rand gehalten bzw. exkludiert.

So wird meiner Ansicht nach sowohl Vielfältigkeit in sich selbst, als auch außen um sich herum, nicht nur aktiv unterdrückt, sondern auch die Fähigkeit dazu Vielfältigkeit wahrzunehmen und anzuerkennen, ohne sofort in Handlungs/Bewertungs/Gewaltdynamiken zu geraten.

In diesen Kontext kann das “Nicht alle [… beliebige Gruppe einfügen…] Syndrom” in Diskriminierungsdebatten ebenfalls als ein Versuch zu mehr Vielfalt im Diskurs betrachtet werden, würde es nicht immer wieder zu Zwecken der Gewaltausübung im Sinne einer Unterdrückungsgeste aus Dualismen heraus auftreten.

So ist als vorläufiger Schluss in Bezug auf Abgrenzungsbemühungen und Protestgesten, wiederholt klar geworden, dass unsere Gesellschaft ™ nicht nur auf Dualismen basiert, sondern auch auf ihrer Sicherung durch Unterdrückung von Vielfalt und Neutralität.

Mir ist klar geworden, dass Oprahs Satz erst gelten kann, wenn “Nein” immer und überall, in Bezug auf alles und jeden auch komplett frei von “Ja” sein kann und darf.
Was das für mich selbst bedeutet, weiß ich noch nicht.
Doch ganz sicher erscheint mir meine innere mal mehr und mal weniger diffuse Viel_heit, als ein Weg heraus aus genau den Dualismen, die sie mir produziert haben.
Auch wenn das bedeutet, diesen allein gehen zu müssen.

da ist er wieder

Eingerollt zwischen Ast und Stamm hockt er im Baum, wie ein Vogelnest aus Fetzen von Menschenkostümen. Er schützt seine Seite, während er eine Zigarette nach der anderen raucht und seinen Blick zwischen die Rillen der Rinde in eine Zeit fallen lässt, die ihm so nah, doch der Welt mit jedem Ticken der Uhr ferner ist.

Die Unruhe, die Angst, die er im Nacken fühlt, das Wissen um sein Sein, er atmet es mit jedem kratzenden Rauchschwall im Kehlkopf wieder aus, noch bevor es ihn wirklich berührt. Von seinen Schultern laufen die Tränen der kleinen Herzen, die auf ihnen ruhen und rieseln auf den Frühling hinab.49564_web_R_by_Udo Altmann_pixelio.de

„Mach diese ekligen Dinger aus- du machst, dass das Körpergesicht irgendwann aussieht, wie das von der Mutterfrau“. Sie hängt zwischen zwei Ästen und baumelt kopfüber herab. Ihre Rattenschwänze berühren seine Knie, als ihre kleinen Hände sein Gesicht umfassen.

„Lass mich, das ist nicht mein Körper- geh weg! Ich will… lasst mich doch einfach alle in Ruhe! Geht doch alle weg und lasst mich!“, wie ein angeschossenes Tier beißt er um sich und lässt die Kleine von ihrem Ast herunter fallen.

Sie landet im Gras, hört es beim Aufprall in ihr krachen und brechen, schaut nach oben auf seine gequälte Gestalt.

Und klettert wieder hinauf.

Täter_Abkehrschmerz_Kontakt Teil 5

Und dann ist da der Schmerz der kommt, spürbar ist und bleibt.
Freiheit sollte keinen Preis haben.
Für Menschen ohne Ressourcen hat sie das aber unter Umständen schon.

Ich muss, während ich dies schreibe, an den Kommissar a.D. Hr. Paulus denken, der bei der Tagung, so emotional für frühe Interventionen eintrat. Wir waren verdammt früh dran, für alles das was in unserem Leben passierte und doch scheint es für uns als Mensch in einer (kapitalistischen) Leistungsgesellschaft, als sei doch schon alles zu spät. Als sei das, was für uns gut und wichtig ist, nichts, was uns irgendwann in die Lage bringt tatsächlich jemals so frei zu sein, dass wir wirklich und tatsächlich sagen können: „Ja, hier habe ich das Sonderangebot der kostenlosen Freiheit in der Hand, von dem ich im allerersten Artikel zum Thema „Täterkontakte“ geschrieben habe.“442855_original_R_by_Günter Havlena_pixelio.de

Wir waren minderjährig, als wir, aus welchen Gründen auch immer, (psychisch) auffällig wurden. Minderjährig, als wir aus eigener Kraft wegliefen und uns in räumliche Entfernung brachten. Minderjährig, als wir uns jahrelang durch die Mühlen von Institutionen der ja fast industriellen Massenbearbeitung zwecks „Heilung“ (die eigentlich „Anpassung“ meint) hin und her schieben ließen. Minderjährig, als wir Entscheidungen treffen mussten, die ein Leben beeinflussten, von dem wir noch nicht einmal wussten, wie genau das aussehen könnte/ sollte/ müsste.

Wir haben so ziemliche jede Etappe, die uns aus den destruktiven Konstrukten herausbrachte, fast allein gekämpft. Nur diesen Aspekt der Gewalt, haben wir in einer Art beendet, die uns in Kontakt brachte.
Und nun, wo wir alles das hier aufschreiben, kommen wir in Kontakt mit dem Trennungsschmerz.
Dabei ist das alles schon viele Jahre her. Doch diesen Punkt- den Verlust und die Bedeutung all dessen, was vielen Innens Sein und Ziel gab (und noch immer gibt), haben wir bis heute nicht bearbeitet und verkraftet. Es schwelt wie ein blubbernder Pudding unter der Haut und kommt ab und an mal wieder hoch.
Weil wir eben mit genau dem unglaublich allein stehen.

Es ist der Haken an Pseudoreligiosität oder auch den sozialen Rollen in Gewaltbeziehungen.
Du bist etwas und stehst für etwas. In deinem kleinen Leben, das so voller Schmerz ist, bist du etwas für jemanden (oder etwas). Da gibt es Pflichten, Zwänge, Regeln, die genau deinen Wert abzirkeln, dich genau wissen lassen, wo du stehst. Es ist unverfälscht und steht im direkten Bezug zu dir.
Fällt es weg, bist du nichts mehr- weder vor anderen noch vor dir selbst.

Das ist der Punkt, der unglaublich anfällig für die nächste Sekte, die nächste gewalttätige Beziehung, die nächste Extremistengruppe macht. Ich las neulich einen Artikel in dem stand, dass Aussteiger nach dem Ausstieg aus satanistischen Kulten ihren Zugang zum Christentum finden und klebte unter der Decke, weil ich mich direkt fragte, wo dann da bitte die Freiheit blieb?
Selbstdefinition passiert über das was man tut und die Wertschätzung, die einem darüber entgegen kommt.

Jeder sagte uns nach dem Ende der Gewaltkontakte, dass wir das toll durchgestanden hätten und gut für uns gekämpft hätten. Aber niemand hat gefragt, was dann kam.
Und so kam einfach: Nichts.

So ist das, wenn man spaltet. Da ist dann einfach nichts. Lieber nicht dran denken, lieber nicht dran rühren. Man hat ja nun geschafft, was immer in den tollen Büchern steht und was „die Anderen“ sich so für einen wünschten. Die schlimmste Angst ist ja jetzt weg. Der regelmäßige Schmerz ist ja jetzt weg. Jetzt ist der Wasserhahn ja abgedreht.
Dass er in unserem Fall noch tröpfelte, haben wir unterschätzt; dass es BÄÄÄMs und noch immer hoffende MittelBÄÄÄMs in Winkeln bei uns sitzen gibt, nicht gewusst, weil es keinen Kontakt gab.

Und jetzt, wo er endgültig zugedreht ist, hören wir das Knacken und Knirschen der Wanne.
Man steht davor und weint immer mehr Tränen hinein, weil man- trotz aller Kämpfe und aller Kraft und auch aller Erfolge, noch immer nicht genug in Kontakt mit seinen Händen ist, um den Stöpsel zu ziehen und alles das, was sich da angesammelt hat, rauszulassen.

In der ganzen Zeit haben wir gedacht, dass wir, wenn wir erst mal frei sind, nicht mehr soviel Kraft vergeuden würden müssen, weil wir ja dann nicht mehr ständig Gewalt wegdissoziieren müssen. Dass wir mehr Energie zur Verfügung hätten, um uns richtig doll anzustrengen und auch endlich einen Beruf zu erlernen und nicht mehr in dieser menschenunwürdigen Hartz-Maschine zu stecken. Beim Beginn der ambulanten Psychotherapie nicht von Anfang an auch noch darüber nachdenken müssten, ob wir uns XY leisten könnten, oder ob wir nicht doch lieber noch ein Wochenbugdet beiseite legen um Stunden selbst zahlen zu können- wir wollten ja arbeiten und uns das leisten können.
Wir dachten ja, wenn man frei von Täterübergriffen sei, sei man tatsächlich frei und (man-) selbst- ständig.

So war es aber für uns nicht.
Alles was sich änderte war die Gewalt. Von der Gewalt, mit der wir aufgewachsen und an die wir angepasst waren, die uns Sinn und Sein gab, zu der Gewalt aus der man schlicht nicht aussteigen kann, ohne die komplette Aufgabe all dessen, was man sich doch so hart erkämpft hat.
Natürlich könnten wir in den Wald ziehen und von Gänseblümchen leben. Könnten auf den Staat pfeifen und uns durchschnorren. Doch dafür haben wir das alles nicht auf uns genommen.
Dafür haben wir das alles nicht überlebt- dafür haben wir nicht die Wertnormen aller uns umgebenden Welten von uns abgetrennt. Für ein Leben in Haltlosigkeit ertragen wir diesen Abtrennungsschmerz nicht.

Und doch ist genau dies unsere derzeitige Phase.
Zu erkennen, dass man nicht wirklich frei ist, sondern schlicht haltlos frei herumfliegend.
Im Moment unglaublich tief erschöpft von der Suche nach Halt durch Hilfen und Begrenzungen.

Ja, wir haben mehr Energie und es geht uns in vielen Bereich besser als zu der Zeit, in der manche Innens noch regelmäßig gequält wurden. Aber das, was wir als Ergebnis dieser Befreiung erhofft hatten, ist schlicht nicht eingetreten.

Es ist also auch eine Abkehr dessen, was uns lange durch diesen Prozess getragen hat: Das Denken, es gäbe eine Ordnung und einen Rahmen für uns, wenn wir auf etwas verzichten, was in dieser Welt außerhalb dessen aus dem wir kommen, verurteilt ist.

Vielleicht gibt es diese Ordnung irgendwann. Vielleicht sind wir einfach zu erschöpft von dem Stück für Stück Selbstmord den wir seid dem endgültigen Zudrehen des Täterkontaktes letztes Jahr begehen. Das weiß ich nicht. Ich bin zu jung, um zu wissen was jetzt kommt. Wie lange und was für ein Leben habe ich schon gelebt, um nun auf bereits gemachte Erfahrungen mit so schweren Sinnkrisen zurückgreifen zu können? Da ist keine Basis- nur Material, um etwas Neues aufzubauen und mir selbst einen Rahmen zu zimmern.

Doch dafür brauche ich noch mehr Kontakt mit meinen Händen. Eine vielleicht nur noch zu zwei Dritteln gefüllte Badewanne. Hilfe von außerhalb. Mut und Zutrauen, diese auch anzunehmen.
Aber im Moment habe dies einfach nicht.
Ich bin müde, habe Schmerzen und quäle mich durch die Tage, versuche die Menschen, die mir begegnen nicht anzuschreien, obwohl ich permanent das Bedürfnis dazu habe. Schreibe mich hier täglich leerer, weil ich denke, dass es mich irgendwie definiert als jemand, der etwas tut. Jemand der etwas erschafft und nicht nur Ressourcen frisst.

Die Hilfe, die wir bis jetzt hatten, gibt es so in der Form nicht mehr, dass wir sie nutzen können.
Die Beziehung zu den mit uns verbündeten Menschen hat sich verändert, in den letzten Jahren. Wir sind nachwievor verbündet- aber nicht mehr auf dieser Ebene. Die Kontakte, die wir haben, können alle nur ansatzweise versuchen zu verstehen und nachzufühlen, was in uns vorgeht. Das ist nicht schlimm oder ein Defizit, aber es ist eben nicht das, was wir im Moment ge-brauchen können. Wir brauchen sie! Wir brauchen sie alle! Nur ge-brauchen können wir sie eben nicht.

Wir können keine der sich derzeit bietenden Klinikkonzepte nutzen, weil wir über das hinaus sind, was da angeboten wird. Keine Sektenberatung kann uns helfen, weil die Alternative zu geistig-religiös-spiritueller Haltlosigkeit eben geistig-religiöse-spirituelle Konstrukte sind, die alle samt und sonders- egal wie liberal man sich in div. Gemeinden gibt, einsperren und bei uns alles explodieren lassen würden (unser Eiertanz, den wir hier ab und an zeigen, reicht ja eigentlich, um zu zeigen, wie schwer es schon in Eigenregie ist).

Trotz allem, was jetzt gerade brennt sind diese Gedanken und Schmerzen anders, als die, die es früher gab.
Ja- wir kämpfen wieder um unser Überleben- genau wie wir das noch zu Zeiten in denen andere Menschen noch über uns verfügten, tun mussten.
Doch heute zerstören wir uns selbst, (leben also eine Eigenmacht aus) und sind einer Art Gewalt unterworfen, der sehr viele andere Menschen auch unterworfen sind.

Wir sind also nun, durch alles was wir geschafft haben, immerhin in der Position selbst und eigenmächtig zu bestimmen, ob und wie wir leben oder sterben.

Es ist ein bitterer Sieg.
Aber es ist ein Sieg.

Ende

Eigenmacht oder: von der neuen Welt des Sex nach Gewalterfahrungen

Ich habe mich bereits bemüht dieser unsäglich-stetig ständigen Falschverwendung des Begriffs der “Opferrolle” anbei zu kommen. Habe sogar ein Ave Multipla geschrieben. um augenzwinkernd zu zeigen, worum es  meiner Meinung nach beim “Opfer-Nicht Opfer-Gutes Opfer-Schlechtes Opfer- Richtiges Opfer- Falsches Opfer” Spielchen gehen kann.

Doch dann gabs da so das eine oder andere Momentchen in der Selbsthilfeszene und ich dachte: “Hm, Mensch das ist ja schon ein Phänomen… Hier wird ja dieses Spiel auch gespielt- und man bringt sich damit um eine tolle Ressource.”

Es geht um Sex.
Wohaa gruselig schlimm furchtbar Geschlechtlichkeit Körperlichkeit
Nein- geht ja gar nicht! Trigger! kreisch schrei *flupp *flupp *flupp gehen die Vermeidungsblasen zu, werden Augen und Ohren geschlossen, teilweise sogar gezielt das endokrine System des Körpers unterdrückt und manipuliert; sexuelle Bedürfnisse, Wünsche und Fantasien verleugnet, verschleiert oder hinter krass abstinenter Wissenschaftlichkeit versteckt.

Ja, es ist ein großes Thema, vor allem, wenn man ein Opfer von sexualisierter Gewalt geworden ist. Und alles das machen wir auch- klar- aber nicht mehr nur und ausschließlich und ich kann nur sagen, dass es sich lohnt, diesen mit wichtigsten Dreh- und Angelpunkt der menschlichen Natur- der gesamten Existenz wieder zu erobern. Und sei es als Werkzeug nur für sich ganz allein.

Wie schon in dem Artikel “Lebensfunken” geschrieben:
”Das Leben als Funke ist der coolste Kettenbrief der Evolution. Er lebt einzig durch Weitergabe der Fähigkeit zur Entwicklung von der Fähigkeit zur Weitergabe der Fähigkeit zur Entwicklung von der Fähigkeit zur Weitergabe…”   Um Leben zu erschaffen, ist Sex zwingend (und sei es “einem Sex anzugehören”). Ob wir wollen oder nicht, ist es Teil unserer Existenz- auch wenn wir meinen “auch gut ohne Sex zurecht zu kommen”.. “Sex nicht so zu brauchen”.
Keine Gewalt (= Macht) der Welt schafft es diesen Teil, diesen Sturmdrang der Natur der tief in jedem unserer Zellkerne steckt, aus uns Lebewesen herauszutreiben. Es ist Teil des Lebensfunkens in uns allen.

In diesem Bereich des Körpers verletzt zu werden, seine Genitalien und dessen Reaktions-System ausgenutzt zu wissen, bedroht auf so ziemlich allen Ebenen das, was einem den Sinn des Daseins darlegt.
Doch eines ist klar (und hier muss ich leider das Unwort verwenden): bei sexuellem Missbrauch geht es um Miss- Gebrauch. Um Ausnutzung. Benutzung.
Bei Ver-Gewalt- igung geht es um Gewalt (=Macht). Erniedrigung. Das Zerstören von etwas.

Nicht um das Auslöschen einer Existenz.

Das ist der Fallstrick an der ganzen Sache. Es ist nicht die Tat an sich, die tötet- es ist alles drum herum. Es ist der Mensch der die Gewalt ausübte. Und- neben vielen anderen Faktoren, die Beziehung zu diesem Menschen. An Missbrauch selbst stirbt niemand- sehr wohl aber an der Angst des Täters, an körperlichen und auch an den seelischen Folgen und der stetigen Nichthilfe damit umzugehen und zu heilen.

Die Bedrohung die in dem Moment empfunden wird, ist hoch real und gegeben. Doch sobald “ES” überlebt ist, eigentlich nicht mehr nötig. Klar, umgibt ab dann alles was “DAMIT” (oh G’tt- dem Körper und allen seinen Möglichkeiten!) zu tun hat, die Angst, dass “ES” wieder passiert, dass es wieder weh tut.
[Und ab einem Zeitpunkt merkt man auch, dass man die gleiche Angst auf der Beziehungsebene gegenüber anderen Menschen auch hat (selbst bemerkt bei uns- es zieht sich durch alle Kontakte: Helfer, Gemögte, Ärzte- alle gefährlich im Sinne von global lebens-bedrohlich) wichtiger Aspekt- um den es aber hier nicht im Schwerpunkt gehen soll]

Also was macht man- lieber nicht dran denken- alles ablehnen, negieren, dicken Schleier drüber.  Dicke GrasNARBE drüber wachsen lassen… ein DAS Opfer werden- sein- bleiben
Weder weiblich noch männlich- geschlechtslos. Auf ewig Objekt. Rolle. Position definiert von der Situation. Bloß nicht von seinen Stärken, Schwächen oder gar seiner Persönlichkeit. So macht am wenigsten falsch und das “Drumrum” fällt weg als Quelle weiterer Bedrohung.
Und dann… von ganz allein… rationalisiert man auch gleich noch den genetischen Motor mit weg.
Seine Sexualität.

Dabei kann der Körper so tolle Sachen, die richtig hilfreich sind- gerade wenn es um die Genitalien und Sexualität geht. Man muss sie nicht leben, wie man sich das anliest oder so.
Tüüüüch was das für eine Erkenntnis im Hause Rosenblatt war!
Es ist vielleicht ein bisschen schräg, weil es Innens gibt, die so viel mehr auch abartigen Sex zu ertragen hatten, als das was man im 08/15 Porno findet, aber das ist ja nunmal (und oh heavens to betsy- G’tt sei Dank auch!!!) nicht jedem von uns zugänglich.
Es gibt Innens die noch nicht mal jemanden geküsst haben- oder wie auch
hier schon zu lesen war, von Verliebtheitsgefühlen und körperlicher Lust überrascht werden- mit ihren 26 noch immer Jungfrau sind. Entsprechend gibt es viele Vorstellungen und Einstellungen zum Thema Sex (- und auch, ob es dazu eine Beziehung braucht oder nicht).

Hormoneller Status passend zur Lust auf Party? Ab in den nächsten Laden, den richtigen Menschen suchen und los. “Hingehen, machen, wieder weggehen.”, ist Motto derer, die andere Menschen nicht als mehr betrachten, als als eine Art Objekt oder auch Spielplatz ihrer Begierde.

Gemeinsamkeit, Nähe und Zuneigung geben und annehmen wollen? Sowas kann man mit Sex auch gut tun. Ist hier aber eher Ausnahme als Regel- Stichwort Beziehungstrauma

Es gibt auch Innens die das Ganze als technisch unaufgeregte Werkzeugfrage betrachten: Kopf- Bauch- Rücken- Muskel- Knochen- Menstruations- Narben- alte- Schmerzen, Schlafprobleme, Depressionen, Unruhe, Verspannungen, untergründiger- schwer fassbarer Hunger? 398258_original_R_K_by_sokaeiko_pixelio.de
Ein selbstgemachter Orgasmus und fertig- keine großartigen Arztrennereien, Pillen, Fremdmacht- Gefahr durch Definitionsallmacht. Kein Kontakt zu anderen Menschen.
Na- wenn das kein Tor zu Eigenmacht ist?
Zu Risiken und Nebenwirkungen fand man mal diese sehr gute Website:
http://dodsonandross.com Zur Anleitung war sie auch gut, zum Mut finden, zum irgendwie-sogar-vor-sich-selbst-verheimlicht-in-ein-Zimmer-setzen-und-ganz-privatestens-höchst-allein-mit-sich-lesen-und-von-der-Ungezwungenheit-der Frauen-profitieren, auch.

Das Phänomen, dass ich neulich bemerkte war die ständige Anwesenheit des Themas- aber das gleichzeitige Nichtnutzen, der körpereigenen Ressourcen im Bereich der Selbsthilfe. Man überging meinen Hinweis auf hilfreiche Orgasmen bei alten Schmerzen (Körpererinnerungen), bei Kopfschmerzen durch Verspannungen…als würde man sich mit jeder Berührung- selbst wenn man sich selbst zuführt- erneut missbrauchen oder vergewaltigen.

Dabei ist mein Eindruck eher der, dass wenn zum Beispiel Masturbation betrieben wird, ein Akt der Selbst-Liebe, der Eigenmacht, des “genau richtigen Gebrauchs” passiert. Also genau das Gegenteil.

Plötzlich schämte ich mich, diesen Vorschlag gemacht zu haben- meine gute Erfahrung geteilt haben zu wollen. Ich hatte beim Lesen des Postings gedacht: “Ach je- sie leidet ja richtig schlimm darunter- so sehr, dass sie Tabletten wie Bonbons isst und sich damit eigentlich sogar schadet.- Wie traurig ist es so passiv- sie macht ja gar nichts selbst. Will lieber Tabletten machen lassen.”

Ich hatte keine Zeit mehr mich besser oder “weiter” als die Betroffene zu fühlen, denn sofort standen die (interessanterweise weiblichen) BÄÄÄMs neben mir und zeterten los. Spielten das “gutes Mädchen- böses Mädchen” –Spiel mit mir.
Ratterten ihren Hass herunter:
– wenn du dir sowas gefällt brauchst du dich nicht wundern…
– wenn du sowas machst, ist doch klar, dass andere auch…
– wenn du sowas machst, bist du ne Schlampe die “ES” [*schmunzelt* sogar die BÄÄÄMs sagen “ES”- interestink] will…
– wenn du Spaß dran hast, kannst du ja nich drunter gelitten haben, wenns ein anderer an dir gemacht hat
– dein Leiden kann ja nicht echt sein, wenn du noch Genuss empfinden kannst

In dem Moment merkte ich aber zum ersten Mal richtig den Landgewinn unter meinen Füßen.
Ich- und andere Innens- hatten uns mit dem “für sich entdecken” von sexueller Lust durch sich selbst etwas zurück erobert- Land gewonnen. Plötzlich merkte, ich dass ich zwar unter dem Geseier der BÄÄÄMs schrumpfte und unsicher wurde- doch ganz gezielt und klar rein in Bezug auf frühere Situationen! Nicht mehr in Bezug auf meine Erleichterung und Befriedigung heute.

Ich war in der Lage auf eine Grund-Lage zu stampfen und ihnen entgegen zusetzen, dass das Eine nichts mit dem Anderen zu tun hat. Die einzige Gemeinsamkeit ist der Körper und der kann ja nun nicht wirklich etwas dafür wenn ich oder andere ihn benutzen. In keiner Situation kann der Körper- als Metabolismus einfach aufstehen und gehen.

Ich habe darüber nachgedacht, ob manche andere Betroffene vielleicht auch von sich denken, dass sie selbst Misshandler sind, wenn sie sich im Schambereich berühren. Ob es vielleicht eine Art Täterrolle ist, die anzunehmen befürchtet wird. Und, ob es vielleicht damit zusammen hängt, dass man noch nicht so ganz in der Gegenwart angekommen ist. Manches im Leben, im Gefühl und am Körper schlicht noch in der Vergangenheit ruht, aus Angst vor dem Umgang mit EigenMacht- und implizit auch EigenGewalt, die sonst immer dem Täter inne lag.

Hier stieß ich an etwas Wichtiges. Eigenmacht- Eigengewalt geht mit Eigenverantwortung einher.
Es ist schwer eigene Verantwortung anzunehmen, wenn einem ständig und immer die Verantwortung abgenommen wird (bzw. man sie nicht von sich aus annimmt, weil man reflexhaft immer wieder “lieber prophylaktisch” abgibt) Sei es von Helfern, sei es von den Medien, sei es von der Konsumkultur, sei es von gesellschaftlichem Sozialdiktat. Sei es in Bezug auf das persönliche Auftreten oder schlicht die Wahl was man was wie wo und mit wem tut.

Bei uns konnte dieser Landgewinn- dieser Aspekt der Heilung übrigens erst losgehen, als wir uns genau dessen bewusst wurden. Es gab plötzlich einen Wunsch nach eigenen Kindern, Familie, Autonomie und Macht-Kraft, genau das überhaupt als möglich für sich zu betrachten. Die Dämme brachen, als wir merkten, dass andere von unserer Stille und Ohnmacht richtiggehend profitierten (wer es sich geben mag- diese Phase kennzeichnet die ersten Einträge dieses Blogs), obwohl sie uns keine Gewalt antaten.
Dann setzten wir auch noch unsere Medis ab und die Hormone schossen uns seit der Pubertät zum ersten Mal wieder normal durch den Körper.
Wooohaaa schwusch- “Wow- da unten kann sich ja doch auch etwas anderes regen, als das alte schmerzhafte erinnern an Brennen und Reißen! Also das muss ich jetzt mal erkunden…” und so begann eine Eroberung- ein Landgang. Eine Reise in eine neue Welt.

Eine Welt in der wir mächtig sind.
In der wir uns ein Grundbedürfnis selbst erfüllen können, uns sättigen und von Schmerzen befreien können. Einzig mit Hilfe unseres Sex (=Geschlechts-(teils) )- ganz und gar frei. Feststehend im Hier und Heute.

Sogar so frei und mächtig, dass man drauf scheißt, wie viele Pornosuchanfragen nun wieder auf den Blog erscheinen werden.
Es ist etwas, das richtig gut ist. Wichtig. Wertvoll. Heilend. Spannend. Bereichernd.

Wenn das Außen schon diese blöden “Gut”- “Böse” Spielchen mit uns Opfern treibt, um uns Hilfen zu verwehren oder zuzuschanzen- Schuld zuzuschanzen und Verantwortungen aufzudrücken, die nicht unsere sind- dann sollten wir das nicht auch noch ins Innen einbringen und uns unsere ureigenen Kräfte versagen,