Schlagwort: Komplextrauma

Unterstützung

Wir brauchen keine Unterstützung.
Aber wenn es welche gibt, wird vieles einfacher.

Zwei Sätze. Ganz einfach. So klar. Der Kampf um sie ging über Jahre und viele davon sind im Blog von Vielen dokumentiert. Heute sind sie eine der wichtigsten Säulen in unserem Leben.

Für viele Viele ist die Wahrnehmung der eigenen Begrenzungen mit Todesangst und also auch mit Dissoziation besetzt, weil sie wie wir in einem Klima aufgewachsen sind, in dem etwas nicht zu können, etwas nicht genügend zu schaffen oder bestimmte Fähigkeiten nicht rechtzeitig, gut, schnell, lieb … genug abrufen zu können mit akuter Gefahr für Leib und Leben verbunden war. Und für manche, die nachwievor in gewaltvollen Kontexten leben müssen, noch immer ist.

Bis heute können wir nicht gut mit Hilfe und Hilfsangeboten umgehen.
Denn Hilfe nimmt uns etwas weg. Wir haben psychiatrische und andere klinische Angebote als “Hilfsangebote” präsentiert bekommen, haben Betreuungen als Hilfen kennengelernt. Immer mussten wir dabei auf Dinge verzichten, die uns als Individuum, als Person mit angeblich unantastbarer Würde, Schutz und damit auch Kontakt zu uns selbst hätten gewähren können.
Ein Umstand, der uns als komplex traumatisierte Person immer wieder retraumatisiert hat, denn kein Schutz ist kein Schutz und keinen Schutz zu haben, bedeutet immer Gefahr – egal, ob diese real potenziell tödlich ist oder nur als solche wahrgenommen wird.

Wir haben uns in unserem Leben immer am Besten selbst helfen können. Wir haben uns gerettet, wir haben uns geschützt – zum Einen, weil es niemand für uns getan hat und zum Anderen, weil das, was wir an uns schützen, etwas ist, das so tief ins Menschsein hineingeschrieben ist, dass es im Grunde kaum bewortbar ist, geschweige denn sichtbar gemacht werden kann.

In den Extremen, die wir überlebt haben war das wichtig. Und auch in den Mittelmäßigkeiten, den alltäglichen Einerleiigkeiten bleibt das wichtig. Denn die Erfahrung ist da. Sie ist uns in das Innen gepresst, wie die Erfahrung, dass Wasser nass und Eis kalt ist.

Was wir außerdem gelernt haben ist, dass zu leben hart ist.
Überleben ist in einigen Qualitäten vielleicht härter, doch wenn man lebt, dann gibt es keinen einzigen Zeitpunkt, an dem nicht alles auch von Kräften aus sich selbst zehrend ist.
Heute, mit mehr Kontakt untereinander, merken wir, an wie vielen Stellen wir an unsere absoluten Limits gehen. Wie viel wir jeden Tag von unserer gesamten Lebenskraft in alle möglichen Dinge schütten, nur, um sie überhaupt machen zu können.

In unserem Leben haben wir das Glück und die Privilegien, von Menschen umgeben zu sein, die uns nicht helfen wollen. Die verstehen, warum wir das nicht wollen und sich selbst so weit reflektieren können, warum das überhaupt insgesamt immer auch eine Gefahr für Menschen darstellen kann. Selbst dann, wenn es ganz lieb gemeint ist.

Wir bekommen Unterstützung von ihnen. Manchmal, weil wir darum bitten, meistens, weil sie uns welche anbieten, ohne je Bedingungen daran geknüpft zu haben.
Das ist eine krasse Erfahrung für uns gewesen, als wir zum ersten Mal damit konfrontiert waren.
Dass man uns hat machen lassen und bei Bedarf, oder der Annahme von einem solchen, so unterstützt hat, dass wir auch weiterhin alleine weitermachen können.
Heute bedeutet uns Unterstützung die Kommunikation von Respekt. Respekt für das, was wir tun und wie wir das tun. Auch, warum wir tun, was wir tun. Es ist unsere Sache und trotz des Umstandes, dass wir unsere Dinge durch Unterstützung tun, bleibt sie das auch.
Was für eine große Sache das ist, können wir kaum kommunizieren, denn nachwievor berührt es die Wunde um das, was die Gewalterfahrungen neben vielen anderen Dingen angefasst haben: das Eigene, das niemals angefasst werden darf.

Ich habe diesen Text geschrieben, um aufzuzeigen, was uns Unterstützung bedeutet.
Auch finanzielle Unterstützung für unsere Projekte.
Ja, wir können ohne Geld von anderen Menschen bloggen. Ja, wir können auch ohne Geld das Podcast machen. Ja, wir können all die Verantwortung, die mit unseren Veröffentlichungen einhergehen, allein tragen.
Aber es ist leichter, wenn wir unterstützt werden.
Wenn es leichter ist, macht es mehr Spaß.
Wenn es leichter ist, ist es freier, sind wir freier.

Das Blog von Vielen wird im Moment von 2.433 Menschen verfolgt.
Das sind enorm viele Menschen, selbst dann, wenn die Hälfte das Abo vielleicht schon vergessen hat, ein Drittel nur dann und wann mal reinschaut, und nur 1 Prozent regelmäßig liest.
Es ist Öffentlichkeit. Eine kleine vielleicht im Vergleich zu der anderer Blogger_innen mit anderen, vielleicht eher anschlussfähigen Themen, aber eine große für uns, die sich anders als andere Personen eben nicht so öffentlich zeigen können und wollen, wie man das in der allgemeinen Verwertungslogik von Öffentlichkeit so tut.

Wir wollen diese Öffentlichkeit nutzen. Für unsere Themen, für die Verbreitung von Wissen über die Folgen komplexer Traumatisierung in den Leben der Überlebenden, für einen Beitrag zur Weiter_Entwicklung einer politischen Bewegung der traumatisierten, diskriminierten und ausgebeuteten Menschen in unserer Gesellschaft.

Dabei könnt nur auch ihr uns unterstützen.
Klickt euch ein Unterstützer_innenpaket auf Steady für das Blog von Vielen oder das Podcast “Viele-Sein”.
Die Einnahmen fließen in die technische Infrastruktur, in die Erstattung von Reisekosten für Interviews, die Produktion von Grafiken, kleinere Printprojekte wie Zines, die Deckung von Fahrt- und Unterbringungskosten zu Vorträgen, Workshops und Lesungen …
und irgendwann – eventuell vielleicht – auch mal in einen Bonbon für unsere Arbeitszeit, aber auch die von Renée und Christiane, mit denen wir Formate des Podcast zusammen machen, und Judith, die uns die Podcastfolgen nach und nach transkribiert.

Das Blog von Vielen wird immer kostenlos lesbar sein.
Aber wir möchten vom Schreiben und unseren Schriften leben können. Das geht in dieser unserer Zeit, unserer Gesellschaft und auch in unserer persönlichen Lebenssituation nicht anders als mit einem Preisschild an unserer Arbeit. Ihr könnt wählen, ob ihr uns in der Form unter die Arme greifen möchtet, oder nicht.

Das ist die Unterstützung, die wir annehmen können und wollen.
Sie macht uns freier und damit auch unsere Arbeit besser.

Vielen Dank

das ableistische „eigentlich“

Der neue gesetzliche Betreuer ist jung und Erziehungswissenschaftler.
Und er triggert in uns mit allem, was er sagt und fragt und tut und macht.

Es gehört zum Themenkreis Helfergewalt_folgen.
Und es gehört zum Themenkreis “der unbenannte Scheißejackpot von polytraumatisierten Menschen”.

Denn jetzt haben wir ihn erstmal an der Backe und knietief in unseren Angelegenheiten. Eine Person, die noch nicht weiß, was genau an dem Menschenbild, das sie mit ihrer Aus_Bildung verinnerlicht hat, problematisch ist. Eine Person, die uns unheimlich viel Kraft in der Kommunikation und der Selbstbeherrschung kostet. Eine Person, die wir mit dem, was in uns vorgeht überfordern würden.

Es sind keine offensichtlichen Fehler, die ihm passieren. Man sieht es nicht sofort.
Aber ich merke es. Und ich merke es so, dass ich nicht dran vorbei kann, wenn er zum Beispiel Nachrichten an uns so formuliert, als würde er Dinge entscheiden – oder mit entscheiden, die unser Leben betreffen. Wenn er Vorschläge macht, die diese eine Art im Voraus komplett durchdachte und geplante Rundum-Du-musst-eigentlich-gar-nichts-mehr-selbst-entscheiden/sagen/machen – Konstruktion erkennen lassen.

Ich hasse diese Konstruktion. Und ich hasse sie wirklich, weil sie der Klassiker aus dem Ohnmachtsrepertoire der Helfergewalt ist.
Auf keine andere Herangehensweise ist es schwieriger zu sagen, dass man sich herabgesetzt und entmachtet fühlt und/oder aus anderen Gründen eine andere Herangehensweise umsetzen will.

Um es ein bisschen einfacher zu erklären:
Es gibt einen Unterschied zwischen “es einer Person leicht machen” und “einer Person alles abnehmen, damit sie es leicht hat”.

Wenn mir eine helfende Person Kontexte erklärt, Vorgehen transparent macht, vielleicht noch meine Anliegen in Antragsdeutsch übersetzt und passend in Behördenstrukturen eingibt, dann macht sie es mir leichter, Entscheidungen zu treffen, Anliegen durchzusetzen, mich selbst zu vertreten und die Verantwortung für mich zu übernehmen.

Wenn mir eine helfende Person gar nichts erklärt, sondern einfach alles rausfindet, mir ein Ergebnis präsentiert und sagt, dass wir (SIC! (Rotlichtblinkanlage mit Sirenengheul!!!) uns für XY entscheiden sollten, dann hat sie mir alles genommen und mich in eine soziale Falle gequetscht aus der ich nur mit viel Kraft allein wieder herauskomme.

Denn meistens ist es bei “Abnehmer_innen” so, dass sie selbst glauben, alles richtig gemacht zu haben, weil ja schon alles fertig präsentiert da ist und ja nur noch zugegriffen werden muss, um das Beste oder Richtige zu tun. An dieses Gefühl alles richtig gemacht zu haben, ist dann bei vielen (und ja (sorry) gerade so jungschen) Anfängern auch noch der Punkte/Ergebnis/Erfolgskick aus der langen Schul- und Universitätszeit geknüpft.
Sie erwarten ein Erfolgserlebnis und erwarten folgend von mir mindestens Dankbarkeit und maximal klitzekleine Individualisierungen oder Kritiken.

Sie erwarten nicht zu hören, dass sie einen Teil der Absprachen mit mir gebrochen haben und sie mich damit massiv verunsichern, triggern und die gesamte Zusammenarbeit am liebsten sofort abbrechen lassen wollen.

Das Schlimme ist, dass “Abnehmer_innen” viel Zuspruch in ihrer Überzeugung erfahren.
Es ist für viele Menschen unverständlich, dass wir es uns “einfach nicht leicht machen” und uns nicht einfach völlig sorglos, vertrauensvoll und entspannt in solche scheinbar “gemachten Nester” fallen lassen.
Ist doch schön, wenn schon alles geklärt ist und wenigstens eine Person Bescheid weiß.
100% alles wissen kann man ja eh nie.
Und man hats doch woanders auch schon schwer genug.

Sowas denken diese Menschen und dann wenden sie sich ab, weil sie glauben, wir könnten uns dafür entscheiden wie leicht oder schwer die Lösung eines Problems bzw. die Annahme einer “Hilfe” sei.
”Abnehmer_innen” bleiben dann da stehen wie verschmähte Liebhaber oder weggeschickte Ritter. Die armen. Ganz bemitleidenswert. Da haben sie sich so eine Mühe gemacht und dann hat die/der böse kranke Klient_in sie nicht mal gelobt.

Eine beschissene Position ist das für Klient_innen.
Und wir waren schon so oft darin.
Und jedes jedes jedes Mal waren wir es, die dafür bezahlt hat.

Vor Kurzem versuchte ich ein Paper mit dem Titel “Polytrauma = Polyarschkarte, von der Unmöglichkeit Helfertraumatisierungen mit bewährten Hilfen aufzuarbeiten” zu schreiben. Darin versuchte ich solche Dynamiken und ihre Verquickungen und Wechselwirkungen in Psychotherapie und sozialen Betreuungen verschiedener Formen zu formulieren.
Ich finde das Thema wichtig – die Forschungslandschaft übrigens allerdings gar nicht.
So wurde nichts weiter aus meinem Text und am Ende auch wieder nichts aus einem Versuch uns ein Stück weiter daraus heraus zu bewegen.

Was mich nervt. Und auch in einem Aspekt erneut wiedererleben lässt, was ein Element der Helfertraumatisierungen immer wieder war.
Das damit allein bleiben müssen. Das keine sicheren Erkenntnisse haben (keine feste Wahrheit haben können). Das sich nicht wegbewegen können, weil es so viel zu nah dran ist, dass es sich anfühlt, als sei es innen drin.
Über allem das Wissen, dass man von außen betrachtet schon alles hat, was man braucht – für viele sogar mehr als man „eigentlich“ braucht.

Und da ist es wieder. Das ableistische „eigentlich“.
„Eigentlich“ haben wir doch jetzt mal langsam genug gute Erfahrungen gemacht, um jetzt nicht schon wieder völlig im Wind zu zerflattern, weil wir es mit jemandem zu tun haben, der so arbeitet, wie er es gerade tut.
„Eigentlich“ wissen wir doch, was wir alles tun können, um die Situation zu verbessern.
„Eigentlich“ haben wir doch schon genug Therapie gemacht, um besser mit Triggern im Alltagsleben umzugehen.
„Eigentlich“ brauchen wir das in Wirklichkeit doch alles überhaupt nicht.
„Eigentlich“ kommen wir doch auch so gut klar.

Und uneigentlich versuchen wir hier seit Jahren etwas, das überhaupt nicht funktionieren kann.
Uneigentlich befinden wir uns nachwievor in einer Situation, die man übertragen auf die Traumatherapie als zwecklos bzw. wenig erfolgversprechend bezeichnen würde.
Dort sagt man, dass eine Traumatherapie wenig greifen kann, wenn immer wieder Traumatisierungen passieren und Abhängigkeiten bestehen.

Uneigentlich ist unser Helfergewalterleben noch nie wirklich unterbrochen gewesen.
Beziehungsweise die Umstände, die es immer wieder möglich machten in so schwierige Situationen zu kommen.

Wir sind immernoch arm.
Wir sind immernoch behindert.
Wir sind immernoch nicht in der Lage die Verwaltung unseres Lebens zu durchblicken und zu unterhalten, während wir es aus eigener Kraft schützen und ausgestalten.

Das ableistische „Eigentlich“ hält Armut und Behinderung für Entscheidungen. Für überwindbare Eigenschaften wie Faulheit oder Bequemlichkeit.
Und hat Schwierigkeiten damit anzuerkennen, dass man von unblutigen Dingen wie bürokratischem Übergriffen, die gleichen Verletzungen davontragen kann, wie von körperlicher Misshandlung.

Das macht es schwierig zu überlegen, was wir jetzt tun.
Natürlich habe ich den Betreuer zurechtgewiesen und ihm geschrieben, dass „wir“ (also er und ich) gar nichts entscheiden, sondern ich. Und natürlich werde ich das Gespräch mit ihm suchen und ihm erneut sagen, dass er mir weder beibringen muss, wie mein Leben funktioniert noch eben dieses Leben statt meiner managen muss.
Natürlich mache ich das.
Aber natürlich frisst das wieder Zeit und Kraft, die nicht dafür aufgebraucht werden sollte.
Denn eigentlich haben wir schon Absprachen dazu gemacht. Eigentlich weiß er das alles schon.
Eigentlich gibt es keinen Grund, weshalb ich auf ihn zugehen sollte – außer meiner Abhängigkeit, als Klient_in, die mich dazu höflichkeitsverpflichtet, bevor ich das Betreuungsverhältnis beende.

Eigentlich sollte er selbst, da er schon in diesem Bereich arbeitet, seinen Ableismus reflektiert haben. Eigentlich sollte ihm, da er schon in diesem Bereich arbeitet, klar sein, dass er mit seinem Handeln in einem Macht (und damit Gewalt) verhältnis zu uns steht. Eigentlich, wo er schon so lange für diesen Beruf zur Schule und zur Uni gehen musste, müsste er Gelegenheit gehabt haben, zu verstehen, was es bedeutet mit traumatisierten Menschen zu tun zu haben.

Und in Wahrheit?
In Wahrheit verstehen die wenigsten, was Ableismus ist und wann er wirkt.
In Wahrheit werden Helfer_innen nicht darauf vorbereitet, dass das Machtverhältnis, in dem sie sich zu ihren Klient_innen befinden, mehr bedeutet als sehr achtsam und verantwortungsvoll mit ihrer Aufgabe umzugehen.

In Wahrheit sind es wieder Menschen wie ich, die Kraft und Zeit in die Aufklärung und quasi Weiterbildung der Menschen stecken, um die eigene Haut zu retten.

In Wahrheit ist es wieder unser Selbsterhaltungsprogramm, das jemand anderem nutzt.

Initiative Phönix: “nach dem Fonds ist vor dem Fonds”

Initiative Phoenix – Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V. fordert eine Ergänzung der Psychotherapie-Richtlinie um einen Behandlungsrahmen für komplexe Traumafolgestörungen

Frankfurt am Main, 13. Februar 2016.

Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Initiative Phoenix – Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V. trafen sich am Samstag, um über in diesem Jahr bevorstehende wichtige Änderungen für Menschen zu beraten, die wegen komplexer Traumafolgen Hilfebedarf haben. Zum 30. April 2016 wird die Möglichkeit enden, Leistungen aus dem „Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich“ beantragen zu können.

Vor diesem Hintergrund wird sich die Versorgungsrealität vieler Betroffener wieder drastisch verschlechtern. Aus zahlreichen Rückmeldungen aus Selbsthilfe- und anderen Fachkreisen wissen wir, dass das näher rückende Ende der „Atempause“ im Kampf um die Finanzierung von Hilfebedarf Vielen derjenigen, die Leistungen aus dem Fonds erhalten konnten, und auch deren Angehörigen, Helfenden und Behandelnden Sorge bereitet.

Das Problem der fehlenden Therapiefinanzierung für Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf durch komplexe Traumafolgen, zu denen viele von sexueller Gewalt in Familien Betroffene gehören, ist nicht neu. Wie eine Untersuchung der psychotherapeutischen Versorgungsrealität komplex traumatisierter Menschen in Deutschland (Initiative Phoenix, 2012) zeigt, scheitern mögliche Behandlungserfolge oft daran, dass den gesetzlichen Krankenkassen eine Grundlage für die Finanzierung bedarfsgerechter Therapien für diese Patientengruppe in der Psychotherapie-Richtlinie fehlt.
Die Folge ist laut unserer Erhebung und anderer Studien, dass mit dem Lebensalter der Betroffenen die Kosten für die Versorgung von Chronifizierungen körperlicher und psychischer Folgeerkrankungen steigen, langfristige Früh- und Erwerbsunfähigkeitsberentungen zunehmen, vielfach vermeidbarer stationärer Behandlungsbedarf eintritt, kostenintensive und gesundheitsgefährdende Dauermedikationen nötig werden und vieles mehr.

Sozialrechtlich hat in Deutschland jede/r Krankenversicherte Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn diese ein Leiden verringern oder eine Verschlimmerung verhindern kann. Die Initiative Phoenix fordert deshalb, die Ergänzung der Psychotherapie-Richtlinie um einen Behandlungsrahmen für komplexe Traumafolgestörungen, damit Kostenträger die Möglichkeit haben, diesem Anspruch angemessen gerecht zu werden. Wenn der Gemeinsame Bundesausschusses die Psychotherapie-Richtlinie um einen Behandlungsrahmen für komplexe Traumafolgestörungen ergänzt, ist das eine gute Gelegenheit, endlich etwas an der Versorgungsrealität Betroffener zu verbessern.

Zeichnen Sie unsere Petition im Internet: https://www.change.org/p/bedarfsgerechte-psychotherapie

Kontakt:
Initiative Phoenix – Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V.
c/o Johanna Sommer
PF 2334
37013 Göttingen
E-Mail: initiative-phoenix@gmx.de