der Thread, in dem Hannah aufschrieb, dass Inklusionsaktivismus nur wie ein Serviervorschlag funktioniert

Ich habe gestern diese Grafik von @PacingPixie bei Instagram entdeckt und sie bei Twitter ausformuliert. Lief nicht. War klar. Ist trotzdem wichtig, deshalb hier nochmal. Für mich, für euch, for whom it may concern. Mit weniger Fehlern und einigen Ergänzungen.
3 Kreise, die sich alle überschneiden und 4 Flächen ergeben1. Does not confront ableism2. Productive under capitalism3. Appearance aligns with beauty standardsergibt 4. Palatable disabled people
Für uns zeigt dieses Bild die deutsche Inklusionsbubble.
Wir haben sie oft kritisiert, aber nie mit den Worten „konfrontiert Ableism nicht“. Aber es ist so wahr! Aufklärung darüber, was Ableism ist; reverse „Witzigkeit“
über ableistische Praxis; sarkastisch-zynische Antworten auf ableistische Diskriminierung sind keine Konfrontation. Das ist Aufzeigen, aufklären, erklären. Und ja, das kann für Leute, die leugnen oder vermeiden wollen, konfrontierend wirken, hat am Ende aber doch immer eher die Wirkung wie der Hinweis „Serviervorschlag“ auf Fertigessen: Man formuliert das Offensichtliche (nämlich, dass Dinge anders sein könnten, als sie es sind, wenn man nichts damit macht), weiter nichts.
Ableism im Grundsatz zu konfrontieren ist etwas, dass (sich) die meisten behinderten (rassistisch, klassistisch … diskriminierten) Leute gar nicht leisten können, denn wir leben in einer Gesellschaft, in der praktisch jede Infrastruktur, jede Interaktion auf dem basiert, was Diskriminierung bewirkt: Ein globales Ungleichgewicht der Macht und also Einflussbereiche und also Kapital, das diese Position sowohl etabliert als auch stabilisiert und sichert (und also auch erweitern hilft). Sich dagegenzustellen, kann jede Lebens- und Schutzgrundlage entziehen und also Lebensgefahr bedeuten.
>Ich weiß, dass das, was ich hier gerade aufschreibe 0 anschlussfähig ist. 0 Mainstream. 0 Komma 000 einfach verständlich, aber genau das ist, was Ableism ist und für behinderte Menschen bedeutet. Das muss konfrontiert werden – da muss der Kampf, wenn man findet, dass es einen braucht – hin. Weg von individuellen Umgängen damit, wie es ist, man zum tausendsten Mal erklärt hat, dass man XY nicht kann oder AB braucht, um Zugang zu bekommen. Weg davon, sich möglichst edgy auszudrücken, wenn jemand übergriffig war oder wenn man nicht zeigen will, dass die Briefe vom Sozialamt richtig krass weh tun oder nerven oder unsinnig sind – gerade, weil man weiß, dass sie eine_n da entmenschlichen.
Wir müssen dahin kommen, zu sagen: „Ich werde ohnmächtig gemacht – ich werde entmachtet, weil ich behindert/chronisch erkrankt bin – mir werden Menschenrechte nicht
gewährt, weil mächtige Menschen etwas davon haben, dass ich behindert bin.“ Als Beispiel. <
Zweiter Punkt: Ist euch aufgefallen, dass die behinderten Aktivist_innen, die ihr im Fernsehen oder im Netz total oft seht, einen Job haben oder ihren Aktivismus zum Beruf gemacht haben (machen mussten)? Ist ein Privileg. Eins, das die wenigsten behinderten Leute haben und das, worüber man aber noch am ehesten relatable für Leute ist, die Behinderungen leicht und einfach kompensieren können. So genannte „Nichtbehinderte“, die DER Maßstab sind. Immer noch. Bei allem. Auch für Sender und Sponsoren. Zum Beispiel.
>Ich halte es für wichtig das aufzuzeigen, weil es bedeutet, dass das eine Achse ist, über die behinderte Leute benutzt werden, während sie für ihre Sache eintreten und dass es also vermutlich total egal ist, ob man in der Rolle über Inklusion und Menschenrechte redet oder eine Erklärfunktion hat oder als Diversity-Marker platziert ist. Jede wie auch immer gestaltete Öffentlichkeit ist in erster Linie von und für das „nicht behinderte“ Publikum gemacht und ja, nein, man wird nicht öffentlich, prominent, berühmt, Publikumsliebling oder eine Stimme, auf die alle hören, wenn man dieser Öffentlichkeit sagt, dass sie 24/7 Unrecht tut (obwohl sie das in der Regel gar nicht will und bewusst bemerkt) und praktisch alles, worauf ihr Welt- und Wertbild fußt sich ändern muss, um das zu beenden.<
Der dritte Punkt: Schönheit. Der Freund hat mir das neulich ganz selbstverständlich aufgezeigt, als ich mich darüber aufgeregt habe, wieso so viele Leute, einer unangenehmen Inklusionsbubbleperson folgen. „Ja, guck sie dir doch an.“
Soziales Kapital über Style zu generieren, geht in Zeiten der Hyperindividualisierung total einfach. Klar hilft es, wenn dein Körper normschön ist, aber wer, wenn nicht behinderte Leute können völlig logisch legitimiert ihren ganz eigenen Style fahren und damit anziehen?
>Ja, viel davon kommt aus der Not und ist keine freie Entscheidung, aber das war auch noch nie anders. Looking at Schwarze Leute, at arme Leute etc. deren Styles sich auch so entwickeln bis sie von mächtigen (weißen, reichen) Leuten übernommen werden, weil es das ist, was sie tun und nur so legitimieren können, dass die deren Style sie übernohmmen und verzerrt haben, überhaupt so aussehen dürfen, wie sie es tun. Bedeutet: Ja, du hast vielleicht keine 90-60-90 mit thigh-gap und Zähne wie ein Gartenzaun, aber deine bunten Haare und die Exzentrik deiner Musterwahl ist für viele Leute einfach nachzumachen – sie können dich spiegeln und dir deshalb nachsehen, dass du behindert bist. So können sie dich als Mensch annehmen und denken – und eben nicht einfach, weil du tatsächlich einer bist.<
Und so, dieser Gemengelage entstehen tatsächlich die „palatable disabled people“ – die angenehmen behinderten Leute, die den Leuten, die an ihrer Diskriminierung aktiv wie passiv beteiligt sind, schmackhafte Inklusionshäppchen servieren. Kostenlos. 24/7. Ohne Kante, ohne Aua, ohne den Gesichtsverlust, der damit einhergeht, wenn man anerkennt, dass man mit behinderten Menschen umgeht als wären sie eigentlich, ja so richtig wirklich, keine Menschen.
Keine Ermächtigung entsteht durch Einsicht der Mächtigen in ihre Privilegien und Verfehlungen. Niemand wird kommen und sagen: „Aah, ja, jetzt hab ich verstanden, wir müssen alles von Grund auf ummodeln und anders denken, damit alle teilhaben können und gleiche Möglichkeiten haben, alles zu machen, was sie wann wie wo wollen – ja dann mal los.“
Won’t happen.
Ich will mit dem Thread sagen, dass wir wegen der Unkonfrontierbarkeit nicht vorankommen mit unseren Forderungen als Aktivist_innen für Inklusion. Seid schön, arbeitet, macht mit ~“Nichtbehinderten“~, was ihr wollt, aber tut nicht so, als würdet ihr damit voll was gegen Ableism machen.
Ableistische Diskriminierung entsteht nicht aus einem Bildungsdefizit darüber, dass es Ableismus gibt oder welche Formen er hat oder mit welchen Worten er kommuniziert wird, sondern aus der ganz alltäglichen Erfahrung, dass jede_r in den Arsch gebissen ist, wenn sie_r irgendetwas (noch) (niemals) so kann, wie es erwartet wird – und dass das niemanden schert außer alle anderen Gebissenen.
Man kann immer nur etwas gegen den Ableismus machen, den man selber hat und den man selber ausübt. Niemand wird etwas gegen Ableismus machen, solange man so viel davon hat. Egal, ob behindert oder (vermeintlich) nicht.
Und ja, so leid es mir tut: Die deutsche Inklusionsbubble, der ganze „Wir machen hier Inklusionsaufklärung, guck der Rollifahrer da ist unser Moderator und der erzählt uns was über seine Arbeit für die Gesellschaft“-Apparat, hat ebenfalls voll was davon, dass es Ableismus gibt.
Und das ist ein Problem.

differenziert diagnostizieren

Wir haben heute eine Episode aus der „Vielzimmerwohnung“ mit Christiane veröffentlicht, in der wir über die Differenzialdiagnose der DIS sprechen. Also darüber, welche Erkrankungen man von der DIS unterscheiden muss, weil man sie miteinander verwechseln könnte.

Das kommt gerade zu einem Zeitpunkt, an dem wir bei jemandem in unserem Gemögtenkreis miterleben, dass Differenzierung bei der Vergabe von Diagnosen nicht nur auf der fachlichen Ebene schwierig sein kann.
So hat sich die Person in eine Diagnostik begeben, um Schwierigkeiten abklären zu lassen, die nicht gänzlich von der Diagnose, mit der sie bisher in Therapie war, erklärt werden können. So etwas kommt öfter vor als man denkt, besonders wenn es um Menschen mit früher komplexer Traumatisierung geht, denn: Jede früher komplexe Traumatisierung bedeutet im Störungsfall eine komplexe Traumafolgestörung mit entsprechend zu erwartenden Anpassungen auf allen Ebenen der biologischen, psychischen und sozialen Entwicklung.

Interessanterweise werden aber die wenigsten von Gewalt und Trauma in ihrer Entwicklung gestörten Menschen auch mit einer wie auch immer gelagerten Entwicklungsstörung diagnostiziert, was meiner – weder psychologisch oder psychiatrisch fundierten Meinung nach – auf eine problematische Differenzierung hindeutet.
Ich schreibe dazu gerade in meinem nächsten Buch, deshalb will ich hier jetzt nichts in kurz aufschreiben, was ich mir da mühevoll rausquetsche, aber vielleicht in ganz grob und kurz: Wer glaubt komplex traumatisierte Menschen wären nicht auch entwicklungsbedingt neurodivergent (also neurologisch abweichend in Funktion, Anatomie und Struktur aufgrund der sowohl in sich angelegten als auch äußerlich gegebenen Möglichkeiten) irrt und hat lange keine entsprechende Weiterbildung gemacht.
Man darf bei in der (frühen) Kindheit komplex traumatisierten Menschen nicht einfach davon ausgehen, dass sie neurotypisch sind, wenn sie ihre Traumatisierung verarbeitet haben. Traumafolgestörungen entwickeln sich unabhängig vom Neurotyp.

Das bedeutet in der Folge, dass Behandler_innen die ableistischen Grundannahmen hinter Diagnosen genauso differenzieren müssen, wie sie Diagnosen voneinander differenzieren müssen.

Seit ich zu Autismus und Trauma recherchiere, begegnet mir der casual medical Ableimus von Traumatherapeut_innen, die angeblich noch nie mit traumatisierten Autist_innen bzw. autistischen Traumapatient_innen zu tun hatten. Oder mit Leuten, die mit sowohl AHDS, also auch PTBS-Symptomen leben. Oder mit Leuten, die sowohl Ego States als auch eine Lernbehinderung haben.
Obwohl sie alle bei ihrer Traumafortbildung gelernt haben werden, dass (toxischer) Stress (der bei einer Traumatisierung eine zentrale Rolle spielt) ein Nervengift ist, das zu ganz konkreten Schäden führen kann. Also zu etwas, das einer neurotypischen Entwicklung ich sag mal eher nicht so wirklich richtig gut beiträgt.

Ohne die paar Therapeut_innen unsichtbar machen zu wollen, die durchaus traumatisierte und neurodivergente Menschen behandeln, gibt es eigentlich nur eine Erklärung dafür, dass Traumatherapeut_innen Entwicklungsstörungen von Traumafolgestörungen differenzieren: Ableismus.
Zum Beispiel mit der Annahme, dass neurodivergente Menschen nicht traumatisiert sein können (weil sie nicht „richtig“ merken, begreifen … was mit ihnen passiert oder weil sie „ja eigentlich“ unter „ganz anderen ~Dingen~“ leiden).

Zum einen ist das logisch bedingt, zum Beispiel, weil viele (wegen mangelnder Barrierefreiheit und Möglichkeiten der Kompensation der Folgen von Entwicklungsstörungen) behinderte Menschen in parallelen Versorgungsstrukturen leben (müssen und seit neustem mit #IPreG auch wieder gezwungenermaßen sollen) und von dort nur sehr selten angemessen psychologisch betreut oder bei Bedarf auch behandelt werden – und also auch nie in die fancy Traumaklinik kommen, wo sie als Fall – als „Aha, so kann eine PTBS also auch aussehen“ – sichtbar werden. Ergo landen diese Leute auch nie als Gruppe in Studien und so gibt es sie praktisch nicht.
Zum anderen aber auch gesellschaftlich bedingt. Siehe „parallele Versorgungsstruktur“. Da dies für viele behinderte Menschen das gesamte Lebensumfeld ist, und selbst wenn nicht, unsere Städte, Dörfer, Orte häufig noch alles andere als barrierefrei gestaltet sind und einfach alles von Interaktion zu Konsumgütern zu Kunst und Kultur noch sehr wenig dazu beiträgt, dass alle irgendwie normaler Bestandteil des sozialen Miteinanders sind, sind die Leben behinderter (weil zum Beispiel neurodivergenter) Menschen für die meisten Leute unbekannt. Unvorstellbar. Unnachvollziehbar. Und dadurch auch nur schwer, wenn überhaupt, (wieder)erkennbar in Menschen, mit denen man jeden Tag zu tun hat. Deshalb hat mir auch schon mal jemand gesagt, ich würde gar nicht autistisch wirken. Und jemand anderes, ich würde gar nicht sein, wie jemand, die_r „multipel“ ist.

Spannend – im Sinne von richtig schlimm schmerzhaft – wird es aber auch, wenn Therapeut_innen es versäumen, sich selbst im Verhältnis zu ihren Klient_innen differenziert zu betrachten.
Der eigene Blick, die eigene Perspektive auf eine_n Klient_in muss frei und unvoreingenommen sein. Ist er es nicht und wird das nicht reflektiert, werden Diagnosen vergeben, die dem von persönlicher Projektion verzerrtem Bild entsprechen, aber nicht der Realität und den Bedarfen des_der Klient_in. So kam ich zu meinem Diagnosemix der DIS, dem Autismus und der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.
Es war für die Ärztin damals einfach das, was sie sehen konnte und nicht, was sie hätte sehen können, wenn sie nicht so in ihrem Film (vermutlich angegtriggert durch mein Verhalten) gewesen wäre. Sie hat unprofessionell gehandelt und mir damit geschadet. Auch das etwas, was nicht nur mir passiert ist, sondern auch der Gemögten von der ich eingangs erzählte. Nicht bei der Ärztin jetzt, aber bei jemand anderem.
Was der Gemögten passierte, war, dass die Person, an die sie sich gewandt hat, nicht verstand, welchen Zweck die Diagnostik erfüllen sollte. Es kam zu Missverständnissen (durch, wie ich vermute saneistische Vorannahmen über die Gemögte) und Verletzungen, am Ende bleibt unsere Gemögte völlig wirr zurück – ohne weitere Hinweise, Hilfen, Werkzeuge. Schöne Scheiße.

Wir leben in einer Versorgungs- und Hilfelandschaft, in der eine Diagnose keinerlei sozialen Wert hat. Man hat nichts davon, viele Diagnosen zu haben. Eher im Gegenteil. Sie hat aber nach wie vor einen informativen Wert und also Erkenntnisfunktion. Auch für die Klient_innen, um sich selbst zu verstehen und selbst – unabhängig von Behandler_innen – zu Informationen, Selbst_Hilfe und Austausch zu kommen.
Dafür braucht es natürlich eine richtige Diagnose – manchmal braucht man aber auch die Information über alles, was man ausschließen kann.

Und dafür braucht man differenzierte Diagnostiker_innen, die differenziert diagnostizieren.

der elektronische Schwangerschaftstest, die Barrieren, das Gleiche – #AbleismTellsMe

Kurz nach der #AbleismTellsMe-Welle, hatte ich den Thread einer Person in der Timeline, die elektronische Schwangerschaftstest auseinander genommen hat und zeigte: In diesen Dingern ist nur ein Papierstreifen drin, der von einem Sensor gescannt wird, der je nach Ergebnis ein Wort ins Display gibt.
Für alle Personen, die sich so einen Test kaufen, weil sie als genauer (statt eindeutiger) vermarktet werden, wirkt das natürlich wie Betrug. Man bezahlt zwischen 10 und 20 € für so ein Ding und dann ist da genau der gleiche 50 Cent-Streifen drin, den man* auch selbst ablesen kann.
Ich schrieb daraufhin diesen Tweet:

Es entwickelte sich einige Reaktion darauf, in der ich wieder einmal bemerkte, dass manche Menschen, wirklich kaum einen Schimmer davon haben, wie es ist, sich schwanger zu wähnen und in welchen sozialen, seelischen, ökonomischen Lagen man als Person, die schwanger werden kann, einen Schwangerschaftstest macht. Und, dass das wirklich nicht vergleichbar ist mit einem Blutzucker- oder Alkoholtest.
Und, dass Menschen, deren Alltag nicht zu einem großen oder größeren Teil, als bei der Mehrheit der Menschen, daraus besteht über Be.Hindernisse bzw. Barrieren und ihren Abbau nachzudenken, wirklich immer den kompliziertesten Weg suchen, um das Gleiche zu ermöglichen.

Im Fall eines Schwangerschaftstestes würde es völlig reichen, die Testflüssigkeit nicht als dünnen Streifen, sondern als Worte aufzubringen und sie nicht in blassrosa zu färben, sondern in kontrastreicherer Farbe. Menschen, die gar nichts sehen können, wären dann vermutlich zwar nach wie vor auf eine Lesehilfe angewiesen, wie etwa die Apps, die Text auf Fotos vorlesen können, aber auch die können sie selbst bedienen und darum geht es ja am Ende. Etwas selbst und selbstbestimmt tun können. Privat. Für sich allein. Ohne große finanzielle Belastung.

In den folgenden Stunden kam ich zu dem Schluss, dass dies der Kerngedanke ist, den die meisten Menschen wohl einfach nicht haben, wenn es um Barrieren im Leben behinderter Menschen geht. Selbstbestimmung, Privatsphäre, Unabhängigkeit, Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten – und nicht „alles was Nichtbehinderte haben“ oder „alles wie Nichtbehinderte machen“.

Erstens mal ist es schon ein Vermeidungsmärchen, in „behinderte“ und „nicht behinderte“ Menschen einzuteilen, weil alle Menschen immer in irgendwelchen Lebensbereichen behindert werden. Es sind die (sozial, strukturell, institutionell) gegebenen Möglichkeiten im Zusammenspiel mit den individuellen Fähig- und Fertigkeiten Be.Hindernisse kompensieren zu können, die am Ende zu dem werden, was mit der für mich unbefriedigend schwammigen Bezeichnung „Behinderung“ benannt wird.
Zweitens sind Menschen, die keine oder wenig Schwierigkeiten haben, selbstbestimmt zu leben und Barrieren mit wenig Kraft_Aufwand kompensieren zu können, nur aus einem Grund überhaupt der Maßstab für Menschen, denen es anders geht: Gewalt – abstrahiert aus der Macht der Mehrheit.

Dieser Maßstab, diese „abled supremacy“, führt dazu, dass man bei behinderten Menschen vor allem die Potenziale der Gleichheit zeigt und hervorhebt, um eine Rechtfertigung für Barrierenabbau oder generellen Strukturwandel zu generieren. Letztlich geht es dabei aber nur um Zugang und Einpassung (in die Idee von „Nichtbehinderung“) – also Integration. Grundlegend verändert sich dadurch aber kaum etwas.
Ein Beispiel dafür sind Rampen zu Geschäften in der Altstadt. Die Häuser, in denen diese Geschäfte sind, wurden schon zum Zeitpunkt ihrer Erbauung nicht für Rollstuhl/Rollator/Kinderwagennutzer_innen und auch nicht für dicke oder kleine Leute oder Leute, die bestimmte Abstandsregeln einhalten müssen, konzipiert. Deshalb haben sie einen Einstieg. Deshalb sind sie so schnucklig klein und winkelig. Deshalb helfen Rampen zwar beim Einstieg, sind aber am Ende doch oft nur ein teures kompliziertes Hinweisschild auf den Umstand, dass mehr als rein, aus der Mitte des Ladens gucken, mit Hilfe einer anderen Person finden, wählen, kaufen und rückwärts wieder raus, gar nicht drin ist. Es wird nur die gewünschte Funktion ermöglicht.
Solange eine Person, die einen Rollstuhl oder Rollator benutzt, in einem Laden nicht auch was mitgehen lassen kann, ist er nicht barrierefrei. Punkt.

Der Maßstab muss sein, dass das alle Menschen die gleichen Ziele erreichen können.
Das meint Selbstbestimmung, Privatsphäre, Unabhängigkeit, Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten und bedeutet, dass es viele neue Maßstäbe braucht, die in ihrer Unterschiedlichkeit legitimiert und überall ganz selbstverständlich inkludiert werden – und zwar von Anfang an.
Das Erbe der „abled supremacy“ wird natürlich noch viele Jahre bestehen und sich überall zeigen, aber wir können heute andere Entscheidungen treffen. Das bedeutet: Wenn wir finden, dass Wegwerfelektronik ein Problem ist, dann erfinden wir keine Alternativen, die (in ihren Möglichkeiten) behinderte Menschen als Nutzer_innen gar nicht mitdenken, sondern überlegen uns, was wir von Produkten/Gebäuden/Menschen/Institutionen/Strukturen wollen und überlegen, wie alle das auch bekommen können – egal, wie gleich oder ungleich wir sind.
Wir sind alle ungleich. Wir alle sind „die Anderen“.
Aber wir wollen alle das Gleiche.

24072020 – there is no psychotherapy without ableism

Über die Dauer des Umgangs mit der DIS-Diagnose zu schreiben war schmerzhaft.
Es ist keine Erfolgsgeschichte für mich. Tatsächlich ist es eine Geschichte, die mich zuweilen so wütend macht, dass ich merke, wie etwas in mir reißt und als Tränen rausbluten könnte. Würde mir das nicht so ekelhaft selbstmitleidig vorkommen. Und nichts nützen. Das noch dazu.

Ich darf nicht zu nah an die 6 Jahre Therapie in Täter_innenkontakt kommen. Erst recht nicht, wenn ich an die Behandler_innen denke, die durchaus auch darunter leiden, zu wissen, dass sie möglicherweise oder auch ganz sicher Klient_innen haben, die noch verletzt werden. Es ist nicht fair, wenn ich wütend auf unsere damaligen Behandler_innen bin. Was hätten sie machen sollen. Was hätten sie machen dürfen. Bliblablö schon tausend Mal durchgesungen dieses Lied.
Aber.
Okay ist das nicht. Und es geht nicht zusammen mit der Botschaft all der Aktionen und Kampagnen, die sich an Opfer und zu Opfern gewordene richten mit der Botschaft, man solle sich melden oder etwas sagen. Wir haben so lange so viel gesagt und es ist nichts passiert, das so richtig grundlegend etwas verändert hat, denn am Ende sollte ich, sollten wir, als die mittellose, familienlose, zutiefst verletzte und verängstigte junge_r Erwachsene_r eine Verantwortung für uns tragen, die uns nie zuvor gelassen wurde. Es ist so unfassbar, so tief schmerzhaft das zu begreifen. Wir haben nie Verantwortung für uns selber gelernt. Die Natur der Gewalt, in der wir aufwuchsen, hat es nicht zugelassen, dass wir uns überhaupt fühlen oder wahrnehmen als jemand, die_r etwas tragen, halten – aktiv tun – kann. Die uns – ja ich schreibe das jetzt so – aufgezwungene, weil immer alternativlose – Psychotherapie hat da etwas von uns verlangt, das wir noch gar nicht konnten. Ganz banal als Fertigkeit. Als Lernergebnis.

Sich aus dem Täter_innenkontakt zu lösen, ist nicht der diffuse Wertwandel allein, als der es oft dargestellt wird. Es ist immer auch eine Entscheidung gegen die Dinge, die in der Gewaltdynamik als Privileg gelten – nicht immer geschlagen werden zum Beispiel. Oder „ja nicht immer überfordert zu werden“. Oder „zu wissen, was man machen muss, damit man nicht immer die_r ist, der_dem was passiert.“ – aber auch gegen Dinge, die von Relevanz auch außerhalb der Gewaltdynamik sind – Familienzugehörigkeit und darüber finanzielle Ressourcen, soziales Kapital und Zukunftsperspektiven zum Beispiel –
Das sind Dimensionen und Konsequenzen, die man schon als jemand ohne DIS, ohne weitere Be_Hindernisse im Leben kaum überblicken kann. Niemand weiß vorher, ob sie_r genug kann und weiß, was es braucht, um sie voll und ganz zu tragen. Niemand. Jemals.

Es gibt viele Menschen, die sagen, dass sie nach der Gewalt das Leben neu lernen mussten. Auch unsere Forschungsfrage ist ja „Wie geht Leben (mit anderen Menschen?)“. Diese Frage wird oft als Erfahrungssammlung betrachtet. Als etwas, das sich ergibt, weil man das Leben (zu leben) nach der Gewalt erfährt. Erfahrungslernen ist, was die Anpassungsmechanismen ermöglichte und hat entstehen lassen und man behandelt Gleiches mit Gleichem. Mit guten Erfahrungen gegen die schlechten. Der Lernprozess dabei wird praktisch nie wirklich konkret als Aufzählung von notwendigen Fähig- und Fertigkeiten dargestellt, sondern als das, worin sich Fähig- und Fertigkeiten zeigen.
Stichwort „Abhängigkeiten auflösen“, „Vertrauen entwickeln“ oder „erlernte Hilflosigkeit verlernen“ – die Ausgestaltung des Lernprozesses selbst und was dafür nötig ist, um zu lernen, ist jedoch nach wie vor nicht sonderlich beschrieben. Man weiß, was hilft, man weiß, was schadet, aber wie jemand lernt, die_r Lernbehinderungen kompensiert; wie jemand begreift, die_r sehr oder ausschließlich wörtlich versteht, das taucht in der Fachliteratur zur Traumabehandlung nicht auf.
Der bequeme Weg ist, behinderte Menschen und ihre traumatherapeutische Versorgung zu spezialisieren. „Ouw, da muss ein Profi dran“ dies das. „Ich hab noch nie jemand mit Behinderung behandelt.“ (LOL) oder „Das betrifft nur einige wenige“ (WTF?!) und der Weg, den Leute wie ich dann gehen, ist der von Praxis zu Praxis von Schule zu Schule, einige weitere Traumatisierungen mitnehmend und mit so einem dicken Knäuel aus Therapieerfolgen, die man sich wer weiß wie aus dem Inneren rausgekämpft hat, während man gleichzeitig eigentlich nie die Mentalisierung, nie das therapeutisch wirksame Begreifen durchlebt hat, übrig bleibend.

Ich muss mir das Gedankenspiel verbieten, wo ich heute wäre, hätte die erste Psychologin, mit der wir Kontakt hatten, mich gleich als autistische Viele erkannt. Da waren wir 12, wurden bald 13. Die letzten 5 Jahre Raketenarbeit von heute zu dem Zeitpunkt.

Ich muss es mir verbieten, weil es vergangen ist und der Gedankenkreisel darum mein Gefühl der Ohnmacht und der Wut die Wahrnehmung dessen verzerrt, was ich jetzt habe. Ich will nicht „trotzdem es nicht schon früher so kam“ dankbar und froh um das sein, was wir jetzt schaffen können. Ich will es einfach so sein.
Und gleichzeitig sind sie aber doch da. Die Konflikte mit früheren Behandler_innen, die nie in der Offenheit, der Ehrlichkeit ausgetragen worden sind, wie sie es verdient gehabt hätten – und wie ich es brauche, um sie zu beenden. Ich bin nicht nachtragend – wirklich nicht – aber ich kann unfertige Dinge nicht unfertig lassen. Dieser Aspekt des Nichtgesehenwordenseins – als die behinderte und sich in einem für andere oft unvorstellbaren Ausmaß ums Verstehen bemühende Person, die wir waren und bis heute sind, der wird gegenüber all unseren Vorbehandler_innen immer da sein und immer wehtun. Weil es für sie egal oder irrelevant war und bis heute vermutlich egal und „in Wahrheit aber…“ irrelevant ist und für mich eben 18 and counting statt 5 plus x Jahre Psychotherapie als noch sehr junge Person mit sehr viel mehr Optionen der Förderung.

Ich kann auch deshalb nicht damit abschließen, weil ich glaube, dass ich nicht allein mit dieser Biografie bin. Es macht mich traurig und wütend, wenn ich daran denke, wie viele Menschen mein Leid an dieser Welt und mein Leiden unter dieser Welt teilen, ohne zu wissen, dass es nicht darum geht, wie sie Dinge bewerten und was sie in sich wie neu beurteilen und vielleicht annehmen müssen, sondern darum, dass ganz real und wirklich die meisten Menschen um sie herum, die Welt und das Leben darin als etwas so grundlegend anderes erleben, dass sie es nicht einmal konkret beworten.
Und dann die Menschen mit einer ähnlichen Geschichte wie wir. Die wir tatsächlich auch völlig anders aufgewachsen sind als die meisten Menschen um uns herum und dann auch noch innerlich anders sind.

Es ist nicht akzeptabel, wie wenig versucht wird, behinderten Menschen eine Verbindung mit der Welt, mit der Gesellschaft zu ermöglichen und wie brachial gleichzeitig die Anpassung an diese Welt und ihre Gesellschaft aus uns rausgezwungen wird.
Es ist inakzeptabel, weil es Gewalt ist.

Auch das ein Grund für mich, nicht zu nah an die Jahresabschnitte unserer Therapiejahre zu gehen. Es sind einfach auch „sich an Gewalt-anpassen“-Jahre gewesen. Und dagegen hätten Menschen etwas tun können. Speziell ebenjene früheren Behandler_innen. Neben all der Verantwortung, die wir zu erfassen, im Kontext erkennen und verstehen, begreifen und er_tragen lernen mussten, lag unser Schutz vor Gewalt auch in ihrer Verantwortung. Wenn nicht die von denen, die uns schon als Kleinkind verletzten, so doch vor ableistisch begründeten Gewaltdynamiken.

Und ja. Ich kann anerkennen, dass sie sich selbst halt nie als Teil davon oder irgendwie irgendwas damit zu tun habend verstanden haben und vielleicht auch nie wirklich verstehen. Das löst aber das Problem nicht. Das macht die Gefahr, dass sie es anderen auch antun oder angetan haben, nicht weg. Es entlässt sie nicht aus der Verantwortung, sich mit den Er_Lebensrealitäten behinderter Menschen zu befassen und ihren Ableismus zu reflektieren, zu problematisieren und zu prüfen, ob Psychotherapie mit einer antiableistischen Haltung zusammen geht. So, dass sie niemandem gleichzeitig schaden und helfen.

(Hint: Nein, das tut es nicht. Es geht nicht. Nicht so, wie Psychotherapie konstruiert ist und durchgeführt werden soll, muss, kann, darf. There is no psychotherapy without ableism)

zum Weltautismustag 2020

Weltautismustag.
Wir gehen ins fünfte Diagnosejahr. In der letzten Podcastfolge „Viele-Sein“ haben wir erzählt, was sich alles für uns geändert hat, seit wir dem ersten Verdacht nachgingen.
Wir haben gesagt, dass es uns vorkam, als hätten wir unser Leben lang versucht, mit einem Hammer zu schaffen, was alle mit einem Hammer schaffen, obwohl wir einen Schraubenschlüssel brauchten. In Bezug auf den Weltautismustag erscheint es uns inzwischen, als würde auch in Sachen „Öffentlichkeitsarbeit zu Autismus“ mit den falschen Werkzeugen gearbeitet.

Schon einen einzelnen Tag im Jahr für die Thematik freizumachen ist absurd. Das wirkt wie ein Gedenktag, an Autismus wird aber nicht gestorben, sondern an dem Ableismus, dem Saneismus und der damit begründeten Gewalt, die autistischen Menschen angetan wird. Damit meine ich nicht nur Eltern, die ihren Kindern Bleichmittel einflößen, sie mangelhaft und einseitig ernähren oder direkt töten, sondern auch Konversionstherapien, der Zwang zu Anpassungsleistungen, die weit über die jeweiligen Kompensationsfähig- und -fertigkeitsoptionen gehen und das Verwehren von Teilhabe und Selbstvertretung.

Ironischerweise steht der diesjährige Weltautismustag für Autismus Deutschland e. V. unter dem Motto „I can learn I can work“. Für mich sieht es nicht so aus, als würden große Organisationen, die sich zu den Leben autistischer Menschen äußern, lernen. Denn eigentlich sollte nun, nach so vielen Beiträgen von autistischen Selbstvertreter_innen im Netz, wie auch in Funk und Fernsehen, endlich klar sein, dass auch in Sachen Autismus nichts über uns ohne uns geht.
Doch wie man heute wieder vielfach sieht: Da wurde nichts gelernt.
Immer noch sieht man Puzzleteile, immer noch stehen Erziehungs- und Förderungskonzepte im Vordergrund, nach wie vor geht es überwiegend um autistische Kinder.
Die Lebensrealität autistischer Erwachsener wird unter Aspekten der Produktivität und Anpassungserfolge dargestellt, wiederum oft nur um Spenden zu sammeln oder ins Leere zu klagen – nicht, um zu mobilisieren oder gar politische Bewegungen anzutreiben.

Stichwort politische Bewegung – wir werden oft über den Autismus vereinzelt, wie wir über die DIS vereinzelt werden.
Unsere Erfahrungen werden individualisiert, also zu etwas gemacht, dass allein uns betrifft und nicht auch den Rest der Welt. Die Folge dessen ist, dass unserer Stimme weniger politisches Gewicht gegeben wird. Da heißt es: „Ja, für dich ist XY eine Barriere, aber für die meisten Leute nicht, deshalb ändern wir das nicht. Wir ändern nichts nur wegen einer Einzelperson.“ Der Schritt zu dem Bewusstsein, dass beim Vorliegen einer oder vieler Barrieren nichts wegen einer Einzelperson, sondern wegen der Grundrechte auf freie Entfaltung und Teilhabe für alle Menschen gleich, etwas verändert werden muss, der wird deshalb oft gar nicht möglich.

Auch an der Stelle versagt der Weltautismustag. Dieses Problem kann in einem Tag nicht einmal vollständig erklärt werden, geschweige denn Lösungsprozesse anstoßen – was also soll dieser Tag machen?
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Und zwar nicht für neue interessante Projekte, die (erwachsene) Autist_innen im Lauf des letzten Jahres auf die Beine gestellt haben (so wie „Neuro(r)evolution“ zum Beispiel) oder so etwas, sondern für Organisationen, die ableistische Menschenbilder und saneistische Wohlfahrtsgedanken weiterhin für sich ausnutzen. Und zwar nicht nur auf Kosten der autistischen Menschen, sondern auch deren Familien, Freund_innen und Verbündete. Letztlich also alle Menschen.

Wir entziehen uns dem, was uns in folge von Kritik oft begegnet, nämlich der Anspruch, eine Alternative vorzuschlagen oder es besser zu machen.
Es geht uns nicht um Alternativen zu ableistischer Gewalt oder saneistischen Haltungen – es geht um Ableismus und Saneismus an sich. Es geht darum, dass autistische Menschen nach wie vor nicht als Menschen (wie andere auch) angenommen und akzeptiert werden, einfach nur, weil sie autistisch sind.
Wir glauben nicht, dass es unsere Aufgabe sein muss, Menschen ~der Öffentlichkeit~ zu erklären oder zu zeigen, wie vielfältig Menschen sind. Auch diesem Take liegt ein schlimmes Menschenbild zugrunde, das uns sehr fern liegt.

Wir glauben, dass wir klarmachen müssen, was Menschenrechte sind und was Gleichheit in allen Rechten bedeutet.
Schlimm genug, dass wir annehmen müssen, dass den meisten Menschen nicht ganz und gar klar ist, was das bedeutet und wir jedes Jahr im April ganz besonders daran erinnert werden.

Es liegt nicht an deiner Intelligenz

dass du Schmerzen fühlen kannst.
Es liegt nicht an deiner Intelligenz, dass du Angst fühlen, Loyalitätskonflikte haben kannst, dich vor Gewalt und Lebensgefahr schützen willst.

Es liegt daran, dass du ein Mensch bist.

Kannst du dir mal einrahmen und an die Wand hängen, wenn du das nächste Mal mit Zitaten wie dem, das Paulines neulich geteilt haben konfrontiert bist.
Auch Menschen einem IQ von 30 sind „programmierbar“. Auch sogenannt „geistig behinderte“ Menschen sind traumatisierbar, sind fähig aus Gewalt, Schmerz, Todesangst heraus zu reagieren und ja, auch zu lernen bzw. zu anscheinend reflexhaftem Verhalten trainierbar. Ihre Traumafolgen sind auch Traumafolgen.

Nur bekommen diese Menschen sehr viel seltener die Chance zu Traumatherapie, werden praktisch aus der (neurologischen) Traumaforschung ausgeschlossen und aus Gründen gesellschaftlich akzeptierter ableistischer Normen als Opfer jeder Form der Gewalt praktisch hingenommen, als sei es ein Naturgesetz und deshalb etwas anderes, als bei anderen – „intelligente(re)n“ Menschen.

Wenn du heute, genau jetzt in dieser Zeit, etwas brauchst, das dir hilft gegen deine Traumawahrheiten, deine sogenannten „Programme“ anzugehen, dann mach das nicht mit einem Twist, der dich an einer Stelle aufrichtet, weil du dir einen schmeichelhaften Grund dafür geben und dir sagen kannst, dass du „immerhin nicht völlig gaga in der Birne bist“.
Denn dann musst du immer Angst haben, dass du es irgendwann mal wirst.
Du kannst dich damit über Feiertage retten, aber nicht durch ein Leben nach, sagen wir einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung. Denn dann bist du erstmal augenscheinlich „gaga“ und hast obendrauf auch noch Feiertage und eine weitere innere Wahrheit, die deinem Wunsch nach Unabhängigkeit, geistiger Freiheit und Loslösung des Traumas direkt entgegensteht und dich der Lüge straft. „Hähä du kannst ja gar nix haben, du hast ja nur Matsch im Kopf“.

Das Leben nach der Gewalt bedeutet nicht, dass du dir die Gewalt der Gesellschaft, in der die Gewalt an dir passiert ist, annehmen und mittragen musst. Es gibt keinen Grund aufzuhören, sich mit anderen Gewaltgruppenmitgliedern zu vergleichen, sich gegenseitig zu verraten, runterzumachen, im Wert anzuzweifeln, weil es nicht mehr zum Überleben nötig ist – nur um dann im Leben danach, die nächsten vermeintlich Schwächsten zum Vergleich heranzuziehen, niederzumachen und damit dazu beizutragen, dass sie weiterhin als die schwächsten Menschen gelten.

Du darfst Menschlichkeit annehmen.
Du darfst Miteinander sein.
Du darfst dich darüber informieren, was für ein problematisches, ingesamt defizitäres Konzept Intelligenz ist.

Du darfst anerkennen, dass es schwierig ist, Antworten auf Traumawahrheiten, sogenannte „Programme“ in sich allein zu finden, ohne sich auf Äußeres zu stützen.
Das ist schwierig. Das ist brutal. Das ist, was man dir nie beigebracht hat, egal wo und wie du aufgewachsen bist.

Jetzt auf dem Weg der Loslösung zu sein, ist deine Chance. Jetzt hast du die Möglichkeit etwas neu zu lernen, anders zu machen. Vielleicht sogar besser zu machen als vorher.
Mach es.

 

note on “psychisch krank” und Münster

Wir nennen es “Kongressdepression”. Das Abschlaffen, müde, traurig werden, das uns auch mit Momenten von Sinnlosigkeit, Ohnmacht, Zweifelfrustweinen begegnet.
Es gehört für uns dazu. Immer. Egal, worum es bei der Veranstaltung ging. Wir haben auch schon nach Veranstaltungen geweint, auf denen wir nur über Sprache gesprochen haben. Obwohl Wörter uns das Liebste sind.
Wir haben einen Umgang damit. Wissen, was uns gut tut. Wissen, dass nach ein Mal schlafen alles wieder gut ist.

Diesmal erfuhren wir kurz vorm Schlafengehen, dass es zwei nennen wir es “Vorfälle” gab, die in mancher Berichterstattung als “Anschlag” und in mancher als “Terroranschlag” bezeichnet wurden.
Und, dass der eine Täter betrunken, der andere “psychisch krank” war beziehungsweise: “gewesen sein soll”.

Dass ein weißdeutscher Jens, der andere Menschen getötet und verletzt hat, wie es ein nicht weißdeutscher Anis Amri bereits vor ihm ähnlich getan hat, “psychisch krank” sein soll, das kann ich mir nur allzu gut denken.
Es ist einfach besser, wenn einer krank war, als wenn man annimmt, jemand wollte gerne Gewalt ausüben. Wollte gerne töten. Vielleicht auch nicht ganz so gerne, aber doch gern genug, um sich nicht dagegen zu entscheiden.

Nun kamen wir gerade von einer Konferenz zurück, in der es um das Leben mit einer Persönlichkeits/Identitätsstruktur nach (organisierter/ritueller/…) Gewalt ging, die als “psychische Krankheit” diagnostiziert, behandelt und diskutiert wird.

Wir gelten als “psychisch kranke” Person.
Und wie groß in uns die Angst ist, von anderen Menschen in einer Reihe mit jemandem, der so handelt, gestellt zu werden, ist unbeschreiblich.

Nicht nur, weil wir sehen, dass eine Krankheit einer Person wieder einmal als etwas dargestellt wird, das alles erklären und damit als einzige Ursache für den Tod und die Verletzungen von anderen Menschen gelten soll.
Sondern auch, weil wir sehen, welche Aspekte selbst im Fall einer psychiatrisch (gut™) behandelbaren Erkrankung™ wieder nicht benannt werden.

Die Formulierung “psychisch krank” zielt auf etwas, das nicht organisch ist.
Solange die Seele, die Psyche keinem eigenen Organ zugeordnet werden kann, wird sie im Gehirn verortet. Dem “Denkorgan”.
Und solange Wissenschaft, Medizin und Allgemeinheit die Kette “Gehirn” = “Denken/Wollen/Wünschen” = “Handeln” = “Sein” aufrecht erhalten, so lange werden wir als “psychisch erkrankte” Personen das Problem haben, dass uns wahlweise “falsche” Gedanken/Überzeugungen, mangelnde Selbstkontrolle oder unausgeglichene Neurotransmitter unterstellt werden, wenn wir von etwas berichten, das andere Menschen nicht nachvollziehen können oder nicht selbst auch erleben oder als fiktional/unmöglich einordnen.

Es wird immer darum gehen, dass wir in uns drin das Problem haben.
Niemals wird es darum gehen, dass wir in Kontexten leben, in denen das, was und wie wir er_leben, als “krank”, “unnormal”, “falsch” gesehen wird und unter Umständen falsche, schlechte, entwürdigende, verletzende, schädigende Reaktionen auf uns als Person zur Folge hat, die bei manchen Menschen den Weg in Gewaltausübung gegen sich und andere manchmal auch überhaupt erst ebnet.

Wann immer eine sogenannte „psychische Erkrankung“ zur Erklärung für Gewalttaten wird, wird der Blick auf das Leben der gewaltausübenden Person vor der Tat versperrt.
Die Tat wird zum Symptom der unterstellten Krankheit, deren Ursprung und Wirken in allein dem Täter verortet wird.

Sie wird nicht zum Symptom einer Gesellschaft, die es verhindert sich adäquat/bedarfsgerecht/sinnhaft mit sogenannt “psychisch Erkrankten” zu befassen, bevor eine Gewalttat passiert.
Sie wird nicht zum Symptom eines Gesundheitssystems, das vor allem eines systematisch tut: verhindern, dass Menschen so lange die bestmögliche und frei gewählte Unterstützung, Hilfe und medizinisch/therapeutisch hilfreiche Behandlung erhalten, bis sowohl die Symptome, als auch die ursächliche Problematik nicht mehr bestehen.

Sie wird nicht zum Symptom eines an vielen Stellen unzureichenden sozialen Hilfesystems.
Nicht zum Symptom der Ignoranz.
Nicht zum Symptom der Privilegien, die einzig dadurch entstehen, dass man als “gesund”, “normal”, “allgemein nachvollziehbar” und allgemein “befähigt” gilt.

 

Was uns nach Konferenzen, wie der, die wir gestern und vorgestern besucht haben, hinterher immer wieder in depressive Momente rutschen lässt, ist genau das.
Der Umstand, dass die wenigsten Menschen, die viele (“psychisch krank”) sind, ausschließlich und überwiegend darunter leiden, dass sie viele (“psychisch krank”) sind.
Die meisten leiden unter der Ursache und den Folgen ihres Vieleseins (ihrer “Erkrankung”).
Den Lebensumständen, dem Unverständnis anderer Menschen, der Einsamkeit, dem gesellschaftlichen Ausschluss.

Der Täter in Münster hätte jede Erkrankung der Welt haben können – keine einzige kann die Antwort auf die Frage nach dem Warum hinter der Tat sein. Nichts, was wir jetzt noch über diese Person erfahren, kann allein etwas sein, das den Verletzten und den Angehörigen der Verstorbenen konkret hilft, in der Zukunft mit der Tat und ihren Folgen umzugehen.

Dem zuzuhören und für diese Menschen da zu sein, sollte Kern öffentlichen Interesses sein.
Nicht zuletzt, um “psychische Erkrankungen”, wie zum Beispiel eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund (der direkten Beteiligung, aber auch des direkten wie indirekten Mit_Erlebens) dieses Ereignisses, zu verhindern.

Themenwoche “Ableismus”

Seit NakNak*s Diagnose haben wir Themenwoche “Ableismus”.
Und weil wir gerade niemandem all das sagen können, was wir sagen wollen, schütten wir unsere Worte mal wieder hier hin.

Es begann damit, dass wir unsere eigene Behinderung und die damit einhergehenden Begrenzungen gespürt haben.
Das informierende, beratende Gespräch mit dem Tierarzt war wenig informativ und vielleicht zu holterdipolter nach der Diagnose, um beratend zu wirken. Er spricht kein glattes Deutsch und was meistens kein Problem ist, war diesmal, wo es mir um wirklich jeden Aspekt der Erkrankung des Hundes ging, ein Riesenproblem.

Ich konnte den Sinn seiner Worte nicht verstehen. Konnte mich nicht auf einer Ebene mit ihm bewegen und entsprechende Fragen stellen. Was ich aber wichtig finde, wenn es darum geht, was für NakNak* gut und wichtig ist. Sie ist scheiße nochmal so sehr davon abhängig, dass wir gute Entscheidungen für sie treffen. Es ist wichtig, dass wir alles verstehen. Und es klappte einfach nicht. Mein Verstehstress, tickte meine Ohnmachtsgefühle an, ein anderes Innen tauchte auf. Scheiterte. Wir kamen richtig in Stress und sind da ~irgendwie~ raus.
Super Leistung.
Nicht.

Wir wissen, dass in uns in solchen Momenten sehr alter Selbsthass wieder angeht, der teils erlernt und von außen nach innen genommen wurde, sich aber auch aus unserem Anspruch an unser Funktionieren ergibt. Und ich weiß, dass viel von unserem Selbsthass aus den ableistischen Demütigungen in  unserer Kindheit und Jugend kommt. Ich weiß, warum es in meinem Kopf 24/7 dauerschleift, dass ich gefälligst reden soll, wenn man mit mir redet. Dass ich nicht so behindert glotzen soll. Dass ich meinen blöden Arsch hochkriegen soll, um Dinge so zu tun, wie man es mir gesagt hat.
Und trotzdem.
Es ist etwas anderes in so einem Moment.

Da reicht es nicht zu wissen, dass das alles vorbei ist. Dass ich, dass wir Dinge können und bla bla bla – denn in diesem Moment ist da eine Behinderung und sie passiert genau da, wo ichwir und meinunsere Fähigkeiten enden. Und allein aus uns heraus kommen wir da auch nicht drüber.
Und so denken wir uns gerade die Zukunft mit NakNak*, die blind wird und uns immer und konsistent klar und auf sie passend eingestimmt braucht: Wir brauchen Hilfe dabei und niemand raffts.

Und wenn wir daran scheitern, dann sind wir die Person, die ihren Hund weggibt, weil sie nur eine funktionierende Maschine benutzen will.

Stichwort “funktionierende Maschine” – das ist die andere Seite
Seit wir das wissen, fragt uns jede_r die_r davon erfährt, ob man das operieren kann. Wegmachen kann. Aufhalten kann.
Und niemand redet mit uns darüber so, als hielte man es für notwendig, dass wir das machen, oder so, als würde man von uns erwarten, dass wir das machen lassen – sondern EINFACH NUR SO – was ich nicht verstehe.
Alle Menschen in unserem Leben wissen, dass wir uns das nicht leisten können und aus Gründen, die mit unserer Haltung zu Speziezismus zu tun haben, auch nicht wollen. Und trotzdem reden sie mit uns lieber über eine Operation, als darüber, wie (ob) wir uns fühlen, welche Ideen wir haben, was für (ob) Gedanken uns bewegen, was man sich als hilfreich für den Umgang vorstellen könnte.

Meistens weiß ich auch gar nicht, wie ich mich fühle. Denn ich hab Themenwoche Ableimus an NakNak* und daneben noch zig andere Baustellen, die teilweise ihr ganz eigenes Feature in ebenjene Themenwoche einfließen lassen.
Die Menschen sind alle zugewandt und wollen mit uns sein – aber es verletzt so sehr, wie sie es versuchen.

Ich, wir, versuchen NakNak*s Blindheit als etwas zu akzeptieren, das passiert. Als das “Risiko”, das wir eingegangen sind, als wir uns dafür entschieden haben, einen gemeinsamen Weg zu gehen. Nicht als etwas, “wogegen man angehen muss”, was “ja eigentlich nicht so schlimm” oder “eine traurige Sache ist”.
Denn genau diesen Scheiß haben wir mit unseren Behinderungen jeden scheiß verdammten Tag schon für und über uns und unsere Un_Fähigkeiten, x-mal am Tag auf dem Tableau.

Es ist nämlich genau das auch mit unserem Autismus. Weil es “bei uns ja nicht so schlimm ist”, sieht niemand unsere Kommunikationsprobleme und überfordert uns immer wieder. Weil “es ja so eine traurige Sache ist”, bietet man uns manchmal Hilfe an, wo wir gar keine brauchen oder bevorzugt uns schneller mal auf sozialen Ebenen. Weil “man ja dagegen angehen muss”, halten so viele Leute unseren überdurchschnittlichen Lern- und Arbeitszeitraum für legitim und nicht das Ergebnis von Bewusstsein über die Notwendigkeit mehr als andere Menschen kompensieren zu müssen.

Kompensation ist, was die Leute sehen, doch nicht begreifen. Sie sehen einen Rollstuhl und denken: “Ah behindert, weil kann wohl nicht (so gut/lange/weit..) laufen.” und eben nicht: “Ah kompensiert mit dem Rollstuhl die Behinderung, die dadurch entsteht, dass…” und das ist der Punkt.

NakNak* war und ist nachwievor etwas und jemand, die_r uns sowohl Kompensations/Hilfsmittel als auch Begleiter_in ist.
Sie ist nicht wichtig für uns, weil wir behindert sind.
Sie ist, wichtig für uns, weil der Großteil von uns nicht sprechen kann/will bzw. nicht spricht, um zu kommunizieren. Sie ist wichtig, weil sie uns damit geholfen hat eine Routine zu etablieren – und bis heute hilft, diese aufrecht zu erhalten. Sie ist wichtig, weil wir in ihr viele Anhaltspunkte für das eigene Stresslevel haben und ach vieles mehr. Manches haben wir Stefan auf dem Podstock erzählt und manches in dem Text über sie letztes Jahr.

Ihre gesamte Ausbildung basierte auf Sicht bzw. alle Signale/Befehle an sie sind (und manche: auch) Handzeichen.
Aus Gründen, die wir nicht einfach mal eben so umstricken können oder wo man einfach so sagen kann: “Ja ach das wird schon…”. Wir hatten uns dabei schon was gedacht und müssen auch heute noch sagen, dass sich keiner dieser Gründe erledigt hat.
Und nein – es ist auch nicht aufmunternd oder tröstlich oder hilfreich, wenn uns Leute schreiben, dass sie in einer ähnlichen Situation auch dachten, sie würden das nie schaffen, aber dann doch geschafft, weil… Das ist es schon deshalb nicht, weil sich sowas aus der Retrospektive immer leicht sagen lässt und Geschichten vom Nichtgeschaffthaben so gut wie nie erzählt/geteilt werden.

Gerade bei Haustieren ist Nichtgeschaffthaben so eine Sache. Ein Tier aus dem Tierheim zu holen ist Gold, wer vom Züchter abkauft, elitärer Scheißspießer, der einen Designerhund will, der dann doch im Tierheim landet, weil besonders so ne Leute doch alle Versager sind. Tierheimtiere brauchen Retter_innen blablabla Ein Herz für Tiere zeigt sich in bedingungsloser Aufopferung kotzbrechbla

Und in so einer Lage, wie meinunserer?
Wo wir uns sehr wohl auch reflektieren müssen, ob wir mit den Problemen, die NakNak* kriegen wird, langfristig wirklich die richtige Person sind, schmeißen wir sie damit weg oder was? Oder denken wir da nicht vielleicht irgendwie doch so verantwortungsbewusst, wie man das von Haustierhalter_innen erwartet?

In einem anderen Haushalt würde man sie vielleicht operieren können (finanziell) und würde sich mit der Entscheidung nicht herumquälen (weil man ihr Einverständnis dazu nicht einholen kann, aber das nicht problematisch findet). In einem anderen Haushalt würde das Leben vielleicht auch nicht auf die Richtung zugehen, wie bei uns mit Auswander- Berufseinstiegverselbstständigungs- und Familienplanungsüberlegungen – da hätte sie vielleicht noch Zeit sich umzugewöhnen, so lange sie noch sehen kann und ist dann bis zum Lebensende supergechillt und glücklich, weil sich nicht dauernd alles ändert?
In einem anderen Haushalt müsste sie nicht mehr arbeiten. Da wären vielleicht Leute, deren Schwierigkeiten im Alltag anders und nicht so kontinuierlich wie bei uns vorliegen?

Ich würde anders darüber nachdenken, wenn wir in den letzten Jahren mehr Fortschritte an den Stellen gemacht hätten, die NakNak* uns kompensieren hilft. Haben wir aber nicht. Auch aus Gründen. (Die völlig okay sind und andere gemachte Fortschritte deshalb nicht abwerten).

Ich weiß im Moment nicht, wie ableistisch mein Blick auf uns ist. Mache ich gerade zu viel von meinunseren Fähig- und Fertigkeiten abhängig? Unterschätze ich die Fähigkeiten, die NakNak* hat, selbst wenn sie blind ist? Entlang welcher Parameter kann man alternativ entscheiden bzw. auseinandersetzen?

Ich wünsche mir im Moment so sehr meine Anti-Ableismus Timeline in die direkte Nachbarschaft.
Wünsche mir lange Stunden mit Auseinandersetzung und Diskurs darüber, wo es langgehen kann, wenn man die ableistischen etablierten Pfade verlassen will.
Ich hätte gern, dass mich niemand trösten will, sondern auf das stößt, was ich gerade ausblende.
Kein Vermeidungstanz, sondern echte aufrichtige Mit-mir-zusammen-Auseinandersetzung.

Zum Einen um dahin zu kommen, einen Umgang zu finden – zum Anderen aber auch, um selbst in der Situation anzukommen.
Denn eigentlich – emotional – stehen wir (Rosenblätter) da noch in der Praxis und verstehen gar nichts außer: Wir haben keine Ahnung, was wir tun sollen und ob wir dem genug sein können.

Während andere Innens Schule, Alltag und Gedöns weitermachen als wär nichts gewesen und wir uns fragen müssen, ob da überhaupt irgendwas von dem Tierarzttermin angekommen ist.

adultistischer Ableismus und Kinderinnens

Wir haben ein Problem an dem Umgang mit Kindern.
Das macht unsere Texte über Kinderinnens oft zu einer unflauschigen Angelegenheit.
Zu Beginn schreibe ich hier über Außenkinder, um die Abgrenzung aber auch den Bezug zu Innenkindern (Kinderinnens) deutlich erkennbar vorzunehmen.

Ziemlich stark ist in uns die Ablehnung von Kindern als “die Zukunft”.
Und richtig kirre macht uns der west-wohlstandsgesellschaftliche Blick auf Kinder, in dem sie so kostbar sind, dass man sie 24/7 fördern muss, damit sie auch nur den Hauch einer Chance haben, den übersteigerten Erwartungen und Ansprüchen der Generationen vor ihnen in irgendeiner Form nachzukommen.

Kinder können ja nix. Sie sind ja immer gefährdet. Man muss sie schützen. Man muss sie bewahren. Kinder sollen die Erwachsenen mal machen lassen, damit diese ihnen “das Beste” antun können. Damit Erwachsene noch immer mehr Gründe haben, weitere Forderungen als legitimiert einfordern können.
Und selbstverständlich wissen nur Erwachsene, was genau “das Beste” eigentlich ist.

Adultismus ist das Wort dazu.

Adultismus ist ein Kind des Ableismus und gehört also zur Familie der Scheiße-ismen, die das zwischenmenschliche Miteinander unserer Gewaltkultur vollständig durchdrungen haben.
Es geht um Macht und damit auch um Gewalt.en.
Im Falle des Adultismus, geht es um die Macht bzw. die Diskriminierungen, die erwachsene (dezidiert umfänglich befähigte) Menschen über noch nicht erwachsene (also (in der Mehrheit der Fälle) aufgrund des anderen Reifegrades anders umfänglich befähigte) Menschen inne haben und ausüben.

Diese Macht bzw. diese Diskriminierung manifestiert sich in normalisierten Handlungen, gleichzeitig aber auch in Handlungen, die gesellschaftlich abgelehnt werden.
Es ist üblich Kinder einfach so zu einzuordnen und zu reglementieren, ohne sie zu fragen. Und selbst in Familien, die Wert darauf legen, dass die Kinder ihre Grenzen selbst festlegen dürfen, gibt es X Ausnahmesituationen, in denen ebenjene Grenzen aufgeweicht werden, um etwas durchzusetzen, das als “das Beste” für das Kind verstanden wird – ohne, dass das Kind ein Bestes für sich definieren kann oder darf.

An dieser Stelle will ich nicht auf “Ja, aber Kinder können doch noch gar nicht wissen/entscheiden…” eingehen. Denn: Ja mag sein, dass ich keinen Konsens mit einem einjährigen oder dreijährigen Kind über eine Impfung aushandeln kann – aber ich muss mein übergriffiges Handeln nicht damit rechtfertigen, dass ich mehr weiß oder mehr kann, als mein Kind und leugnen, dass ich an der Stelle gerade etwas entschieden habe, weil ich das konnte und wollte und sollte und vom Gesetz zugestanden auch: durfte – und das Kind nicht.
Es ist nur ehrlich und fair, wenn ich an der Stelle transparent um mein Handeln bin und so dem Kind ermögliche (im Rahmen der zu dem Zeitpunkt bestehenden Möglichkeiten) zu erkennen, was da gerade passiert ist, um selbst eine Einordnung vorzunehmen.

Für die Kinder in dieser unserer Gesellschaft gibt so wenig frühe Chancen, die Erwachsenen um sich herum und deren Handeln auch mal scheiße zu finden, ohne selbst sofort um Leib und Leben fürchten zu müssen. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass Kinder niemals in der Lage sind ganz und gar autark zu meinen oder zu finden oder zu urteilen. Und folglich auch: zu fordern oder zu wollen.
Was im Zusammenspiel mit den wenig geschätzten Fähig- und Fertigkeiten überhaupt erst zu ebenjener Abhängigkeit vom “good will” der sozialen Umgebung führt, die allgemein mit Kindern in Zusammenhang gebracht wird.

Wie gesagt: Wir müssen nicht darüber reden, dass Kinder nicht die 20 Sahnetorten haben können, die sie gerne hätten.
Aber wir müssen darüber reden, aufgrund welcher Machtstrukturen es die erwachsenen Menschen sind, die ihnen diese Sahnetorten verwehren und was das für die Realitäten der Kinder bedeutet.

Aus Kindern, die in adultistischen Umfeldern aufwachsen, werden Erwachsene, die eine spezifische Sicht auf die eigenen Fähig- und Fertigkeiten internalisiert haben und, die sie folglich immer entlang von Autoritäten oder in Abgrenzung zu versagen/scheitern/noch nicht können, definieren.
Ein Marker dafür kann die ständige Ausrichtung auf die Zukunft der eigenen Fähig- und Fertigkeiten sein.
Ein kindliches: “Wenn ich groß bin, dann …”, kann zu einem erwachsenem: “Wenn ich meine Koch- und Backskills als Masterdiplom of the universe schriftlich mit Brief und Siegel hab, dann…”, werden.

Gleiches gilt für die Bewertung eigenen Handelns.
”Wenn Mama/Papa/Lehrer_in/Doktor_in/Richter_in/Bürgermeister_in/Bundeskanzler_in… sagt, was ich gemacht hab, war gut/schlecht, dann… ”.

Adultismus ist ein wichtiges Instrument der Kontrolle über Menschen.
Im Kontext der konkret körperbezogenen Gewalt an Kindern, kommt es so zu einer ganzen Reihe von Diskriminierungsfaktoren, die auch nach der Tat bestehen bleiben und so verhindern können, die strafbare Gewalt durch Erwachsene von der legalisierten/normalisierten Gewalt abzugrenzen.

Aus so miss.be.handelten Kindern, können folglich Erwachsene werden, die zum Einen den adultistisch-ableistischen Blick auf sich internalisiert haben, zum Anderen aber auch eine diffuse Haltung gegenüber der Frage, welches Verhalten wie übergriffig ist und welches Verhalten womit zu legitimieren oder begründen sein könnte.

In der Auseinandersetzung mit Kinderinnens haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Idee vom erwachsenen Menschen eine ist, die einem Kind immer und in jeder Situation überlegen ist. Aufgrund der jeweiligen Fähig- und Fertigkeiten.

Die Schieflage ist uns gefallen, nachdem wir die gleiche Haltung uns gegenüber von Mediziner_innen und anderen Behandler_innen erlebten, die sich uns überlegen fühlten, weil sie diverse Fähig- und Fertigkeiten, als bei uns fehlend oder “krankhaft” eingeordnet hatten.
Nachdem wir in unseren früheren Lebenskontexten festgestellt hatten, dass man uns als weniger wert einordnet, weil wir bestimmte “Leistungen” nicht erbringen konnten.

Diese Parallele mit “Ableismus” beworten zu können, ist etwas, das uns heute sehr stärkt. Denn es gibt uns ein Wort für die Dynamik selbst, ohne näher an die Personen, die so mit uns interagiert haben, herantreten zu müssen.

Mit dem Verständnis des Ableismus haben wir auch ein Werkzeug zur Erkennung von Umfeldern, in denen wir sicher sind, in denen wir wachsen und werden können. In einem Umfeld, in dem wir unsere eigenen Fähig- und Fertigkeiten entwickeln können, ist genauso viel Raum zum Versuchen, wie zum Scheitern.
In Umfeldern, wo unsere Fähig- und Fertigkeiten beobachtet werden, um anhand von Leistungs- und Beurteilungsschemata eingeordnet zu werden, gibt es weder Versuchen noch Scheitern. Dort gibt es eher “Daumen hoch” oder “Daumen runter”, wie damals in Cäsars Arena. Was einer DER Trigger für komplex traumatisierten Menschen ist.

Für einen komplex traumatisierten behinderten /Menschen/ mit Behinderungen ist letzteres Szenario also zwangsläufig wie eine durchgehende Gewalterfahrung(swiederholung).
Denn sowohl die Gegebenheiten, welche die Behinderung letztlich verursacht, als auch die Traumatisierung, die gewisse Anpassungen abverlangt (und ihrerseits zu Gegebenheiten führt, welche Behinderungen (mit)verursachen), erfordern häufig Leistungs- und Beurteilungsschemata, die anders aufgebaut sind, als jene, die an Menschen ohne diese Eigenschaften angelegt werden.

Im Ableismus ist der normale Mensch, dem man mit Respekt und unter Wahrung seiner Würde begegnet, “gesund”, “reif”, “kognitiv umfassend befähigt”, “körperlich voll funktionsfähig”.
Das “gesund”, “reif”, “kognitiv umfassend befähigt” und “körperlich voll funktionsfähig” behinderter Menschen – aber auch von Kindern – ist grundsätzlich ein anderes. Jedoch nicht, weil geforderte Leistungen auf einem anderen Weg erbracht werden – nein. Die Notwendigkeit einen anderen Weg zur Erbringung einer Leistung gehen zu müssen, ist bereits ein Ausschlusskriterium von der Norm.

Mich hat diese Erkenntnis damals schockiert. Nicht zuletzt, weil sie mir damals schon – mit 14/15, als wir zum ersten Mal in einer KJP untergebracht waren – aufzeigte, dass mir die kleine Welt, in der ich lebte, ein Ort ist, der mich wegstößt, isoliert und als noch einmal anders, als ich mich selbst anders erlebte, wegsortiert. Nur, weil meine Art mit dem umzugehen, was mir passiert war, ein anderer Weg war, als der von all den anderen tausenden Menschen, die das Gleiche jeden Tag erlebt haben.

An dieser Stelle ein kurzer Ausschwiff.
Wir haben vor Jahren einmal einen Artikel geschrieben, in dem wir sagten, dass es im “DSM-Rosenblatt” keine Krankheiten gibt, sondern nur Reaktionen.
Heute würden wir sagen, dass wir keine Krankheiten sehen, sondern Reaktionen und spezifisch begründete Wege zum Ziel.
Gesundheit ist ein ableistischer Machtbegriff. Gerade, weil in der Betrachtung dessen, was als “krank” (aber auch “behindert”) gilt, weder die Menschen als grundsätzlich variable Basis, noch ihre Er_Lebenswege als unterschiedlich begehbar anerkannt und angenommen werden.

Hinzu kommt die Problematik, dass kritische Bildung in Psychologie, Psychiatrie und Medizin so leicht zu umgehen ist.
Ans akademische Ziel kommt es sich bequemer, wenn man die eigenen (ableistischen, sexistischen, rassistischen…) Annahmen als gegeben und einzig verifizierbar etabliert.
Das heißt: wenn man sich eine Idee macht und dann nur noch nach Beweisen dafür – und nicht dagegen – sucht.
Kritische Bildung (also eine Idee zu entwickeln und alle Hinweise dafür und/oder dagegen in die Ergebnisse fließen zu lassen) könnte zu Wisssenschaftler-/Behandler_innen führen, die zu arbeitsintensiven Forschungs-/Diagnose- und Behandlungsphasen führen.
Oh Schreck.

Kapitalismus und wirtschaftlich orientierte Räume, wie Krankenhäuser und andere Orte psychiatrisch, psychologischen oder medizinischen (wissenschaftlichen) Wirkens mögen sowas gar nicht.

Aber auch der zwischenmenschliche Wettkampf um Egostreichelei und Reputation spielt eine Rolle.
Turbo-Abi mit 17/18 – im OP-Saal eine Aorta abklemmen mit 25 – tollster Retter aller Zeiten mit 35. Auf dem Klassentreffen mit 40 die Person, die reden kann, wie es vor ein paar Jahrzehnten nur 70 – 80 jährige Rentner_innen konnten. Nach dem Tod eine Institiution für Generationen sein.

Viel ist viel – viel ist aber nicht zwangsläufig “viel Gutes”.
Geschweige denn: “nicht gewaltvoll” im Sinne von “nicht diskriminierend”.
Um viele Patient_innen durchzuschleusen, muss man menschlich wie fachlich bestimmte Aspekte diskriminieren. Das geht nicht anders.
Schwierig ist jedoch, dass es dabei um Menschenleben und Individuen geht. Wenn man daran etwas abschneidet, verstößt man gegen das Prinzip weder Leid noch Schaden an seinen Patient_innen zu machen.
Und sichert sich damit selbst die Arbeit bis zum Ende der Karriere.

“Nachhaltige Gewaltwirtschaft” nennen wir das.

Wer daraus aussteigen will, muss sich selbst zurückstellen. Muss sich auf die Kernelemente des menschlichen Lebens konzentrieren. Muss in der Lage sein, seine Arbeit zu kritisieren, ohne sich selbst dabei gekränkt zu fühlen. Muss sich mit Gewalt und ihren Formen außerhalb von „schlagen, foltern und beschimpfen“ befassen. Muss sich selbst als jemand an.erkennen, di_er Gewalt ausübt, ohne in den reaktiven Täter-Opfer-Dyadismus zu verfallen.
Muss langsam bleiben.

Ausschwiff Ende.

Als mir zum ersten Mal gesagt wurde, ich hätte mich wie ein kleines Kind verhalten, ohne dass ich mich daran erinnern konnte, verfiel ich in den eigenen internalisierten Ableismus: “Ich muss mich mehr zusammenreißen. Besser funktionieren, mich besser kontrollieren, meiner Entwicklung in Richtung “erwachsen sein” stärker nachgehen.”.
Und versagte.

Ich war 16 Jahre alt, in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie und wenn ich eines nicht über mich und mein Leben hatte, dann war es Kontrolle. Und Verstehen. Und Ruhe oder Freiraum mich selbst unter nicht ableistischen Aspekten wahrzunehmen.

Die Diagnose der DIS wurde gestellt, eine Dauermedikation mit Tranquilizern wurde begonnen (diese sollte erst 5 Jahre später enden) und ich (wir) entwickelten alle möglichen Kontrolletti“krankheiten” (eine restriktive Essstörung, neue zwanghafte Anwandlungen, sehr strikte Vermeidungsmoves in der psychotherapeutischen Gesprächstherapie).

Auftauchende Innenkinder waren (sind) für mich der absolute Kontrollverlust. Die Rückmeldung von Außenstehenden darüber, eine nicht nur peinliche, sondern mitunter auch sehr demütigende Situation. Denn wo Außenkinder als nicht kompetent und bestenfalls süß (harmlos) und amüsant gelten, da gelten Kinderinnens wie eine Art Beweis für die “in Wahrheit” bestehende Inkompetenz, Harmlosigkeit und Berechtigung belächelt zu werden, einer gleichzeitig doch erwachsenen Person.

Erst als wir mit einer Therapeutin zusammenarbeiteten, die respektvoll und mit einer grundlegend offenen Haltung – trotz all der ableistischen und anderen Gewaltdynamiken um unsere gemeinsame Arbeit herum! – auf uns alle, die wir Innens in diesem einen Menschen sind, zuging, konnte sich das alles ein bisschen auflösen.
Bei ihr und auch bei der Therapeutin, die heute mit uns arbeitet, hatten wir nie das Gefühl, dass Kinderinnens nichts beitragen können. Oder ein aufreibender Quirk sind, der unnötig Zeit und Raum erfordert. Sie haben uns durch ihren Umgang vorgemacht, welche Sicht wir noch auf sie haben können und wie ein damit kongruenter Umgang aussehen kann.

Das ist so ein Aspekt, den wir oft nicht bewusst bei Behandler_innen (aber auch Verbündeten und sogar selbst Betroffenen) sehen. Es gibt einige, die Liebe und Fürsorge für Kinder(innens) “predigen”, aber Harmlosigkeit und Inkompetenz (die zu leiten/managen/kompensieren ist) dem eigenen Umgang zugrunde legen.
Also adultistische Interaktion vorleben bzw. fordern.

Dazu gehört zum Beispiel die Annahme, dass Kinderinnens nur bestimmte Dinge wollen oder brauchen könnten. Zum Beispiel spielen oder umsorgt werden.
Dazu gehören aber auch Forderungen danach, dass man nur mit erwachsenen Anteilen/Innens zu sprechen verlangt. Oder nur erwachsene Anteile/Innens zu sprechen erlaubt. Oder auf einer Station in einer Klinik verbietet, dass Kinderinnens irgendwo anders als heimlich ausnahmsweise in einzeltherapeutischen Settings sind.

Solche Forderungen sind im Kontext vom Bemühen um den effizienten und reibungslosen Klinikalltagsablauf, unter unmöglichen personellen und anderen strukturellen Gegebenheiten natürlich nachvollziehbar.
Unter dem Aspekt dessen, was Patient_innen mit so schweren Traumafolgestörungen brauchen, um von der Therapie_Zeit zu profitieren, jedoch nicht.

Im Gegenteil offenbaren solche Forderungen ein Verständnis der Dynamiken innerhalb dissoziierter Systeme, das nicht vereinbar ist mit dem, was die Diagnosen letztlich überhaupt erst definiert.
So ist das Verbot irgendwelcher Wechsel bei Menschen, die ihr ganzes Leben mit Wechseln jeder Art gerettet haben und deren Diagnose genau davon gekennzeichnet ist zu wechseln, wie das Verbot zu husten, wenn man Tuberkulose hat: irrational, sinnlos, ableistisch gesagt: strunzendumm.

Und: es reduziert die Personen selbst zur alleinigen Quelle ihrer Probleme und macht die Behandler_innen (und andere umgebende Personen) zu unbeteiligten Dritten und Räume wie Kliniken oder Praxen zu „neutralen“ Orte, die sie niemals sind und niemals werden können!

Doch gerade bei Traumafolgestörungen handelt es sich um Reaktionen auf Umfelder.
Um Anpassungsmechanismen, die nach Umfeldsveränderungen mehr oder weniger plötzlich dysfunktional sind.
In eine Klinik zu gehen bedeutet eine Umfeldveränderung.
In eine Praxis für Psychotherapie zu gehen bedeutet einen Umfeldveränderung.
In eine Selbsthilfegruppe zu gehen bedeutet einen Umfeldveränderung.
Neue Personen bedeuten eine Umfeldveränderung.

Für manche Behandler_in ist die Information, dass auch sie Akteur_innen im Leben(sabschnitt) ihrer Patient_innen sind, mehr oder weniger flash news.
Die sie von sich weisen (müssen).
Weil “professionelle Distanz”.
Statt “Anerkennung zwischenmenschlicher Beziehung in definierten Grenzen”.

Auch an der Stelle taucht manchmal wieder eine adultistisch-ableistische Grundannahme auf: “Jemand di_er als Kind so gelitten hat, dass si_er Kinderinnens entwickelt hat, braucht eine Art der Fürsorge und Nähe, wie sie im Kontext der Behandlung/Pflege unangemessen (“von mir nicht leistbar”) ist.”.

Die bei Außenkindern als notwendig anerkannte bedingungslose Globalfürsorge, wird bei Erwachsenen mit anderen Befähigungen (also Behinderungen oder Krankheiten) zu etwas, das nicht kritisch hinterfragt wird, sondern als mit oder von der Person ausgehende An_Forderung, die angenommen und/oder vorausgesetzt wird.

Das bedeutet für Menschen mit DIS, die (noch) oft zu Kinderinnens wechseln, dass sie nicht als erwachsene (befähigte) Person, die mit kindlicher Strategie auf etwas reagiert, gesehen wird, sondern als Person, die im Kern (auch) noch kindlich ist (oder schlimmer: sein will, weil sie ihr Umfeld kontrollieren oder manipulieren will).

Für uns haben sich Umfelder als hilfreich bewährt, die sich selbst als auch Wechsel/Flashback/Problem auslösende Quelle verstanden haben bzw. verstehen.
Denn ihr Umgang mit diesem Selbstverständnis liefert uns Ideen und Verhaltensblaupausen zum moderaten Umgang bzw. zur alternativen Strategieentwicklung für uns selbst.

Von Menschen, die dysfunktionales Verhalten einzig abstrafen und zu kontrollieren abverlangen, können wir auch nur lernen, unser dysfunktionales Verhalten abzustrafen und zu kontrollieren abzuverlangen.
Von Menschen, die andere Wege (als die eigenen, oder die der Mehrheit der Menschen) zum Ziel für unnormal, krankhaft, falsch, nervig … halten, können wir auch nur das übernehmen.

Von Behandler_innen wird nicht zuletzt deshalb auch ein grundsätzlich wertschätzender, anerkennender, respektvoller Blick bzw. wertschätzende, anerkennende, respektvolle Grundhaltung auf Klient_innen/Patient_innen abverlangt. Da geht es nicht darum einander zu mögen oder gut zu heißen, was die Personen jeweils tun. Da geht es darum, einander nicht zu demütigen oder herabzuwürdigen, weil man ist, wie man ist.

In einem früheren Artikel beschrieben wir Kinderinnens als eine Art innere “apokalyptische Reiter”.
Noch heute betrachten wir sie so.
Wir wissen, dass das Auftauchen eines Kinderinnens bei uns niemals für eine gute innere Gesamtverfassung spricht.
Immer geht es darum, sich (uns) so in Not und Bedrängnis oder innerer Inkongruenz zu erleben, dass ein früherer Zustand eintritt, der nur noch ganz spezifische Strategien zur Aufrechterhaltung des Lebens oder der Kommunikation – und Interaktion möglich macht.
Dieser Zustand ist es den wir mit “Kinderinnen” oder “Innenkind” bezeichnen.

Menschen, die nicht viele sind, können dazu sagen: “Ich fühle mich, als wäre ich wieder ein Kind.” – denn sie erinnern sich daran, wie es war ein Kind zu sein. Sie leben nicht mit einer umfassenden dissoziativen Amnesie für die eigene Biografie und können ihre inneren Zustände weniger fragmentiert erinnern.

Wir jedoch haben vermutlich schon als Kind dissoziiert er_lebt und erinnert. Entsprechend sind solche (erinnerten) Zustände fragmentiert und erlebt.
Durch das Zusammenspiel der fragmentarischen Wahrnehmung und immer wieder nötigen Dissoziation haben sich daraus Ich-Zustände entwickelt. Also etwas, das wir heute als “konsistentes Ich” also “Innens” bezeichnen.

Das bedeutet für uns in der therapeutischen Arbeit, dass wir uns nicht als eine Person, die in manchen Aspekten “unreif/kindlich/weniger befähigt” ist, sehen, sondern als Person, die unterschiedliche Zustände aus Zeiten der relativen Unreife/Kindlichkeit/weniger ausgeprägten Befähigung nicht kongruent und umfassend assoziiert.

Dieser Unterschied ist für uns ein wichtiger Punkt in er Therapiearbeit gewesen.
Denn lange saßen wir einem Missverständnis auf, das uns viele Jahre gekostet hat.
Man sagte uns (teilweise auch einzelnen von uns) immer wieder und wieder, wir müssten die Kinderinnens (aber natürlich auch alle anderen Innens) als Teil von uns akzeptieren und integrieren.
In unserem Verständnis bedeutete dies: Uns damit abfinden, dass wir ein fragmentierter und also immer irgendwie unfähiger, unreifer Mensch sind, der nicht in der Lage ist, jemals irgendwie kontinuierlich befähigt zu sein, wenn wir das nicht endlich mal begreifen.

Nun kann es sein, dass wir aufgrund unseres autistischen Strickmusters einfach sehr anfällig dafür sind, so fatale Missverständnisse über so unkonkrete Sprache zu entwickeln.
Daneben besteht jedoch durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich als Behandler_in, gerade bei so diffizilen Diagnosen wie der DIS und DDNOS, die mit ihrem psychoanalytischen Überbau und der ganzen anderen Historie der Deutungshoheiten, sowieso schon immer irgendwie bedeutet, mit einem Bein in der Unglaubwürdigkeit oder dem Skandal zu stehen, lieber einmal mehr zu schwammig/waberig/unkonkret ausdrückt, als zu viel.

Auch hier wieder eine Stelle für flash news: Wo geraten werden muss, da kann falsch geraten werden – und wenn Menschen sich selbst ein Rätsel sind, dann hilft weiteres Rätselraten in 100% der Fälle nicht weiter.

Uns sind Behandler_innen, die das Rückgrat zum Fehler machen haben, in jedem Fall lieber, als “wischiwaschi irgendwie so durchschlängel-Künstler_innen”, denen das eigene Ego und die eigene Reputation am Ende wichtiger ist, als die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit ihren Klient_innen.

Heute haben wir Kinderinnens als Marker für unseren allgemeinen Orientierungsstatus und als Informationsträger für bestimmte Strategien in unsere innere Arbeit inkludiert. Das heißt: Wir haben sie nicht als Teil von uns integriert, sondern als Teil dessen, was wir für unser (Über-) Leben zu leisten fähig sind.

Dass wir sie nicht als Teil von uns integriert haben, hat den einfachen Grund, dass wir nachwievor keinen umfassenden Ich bzw. Selbstbegriff haben, der uns alle umfasst, weil neben dem intellektuellen Erfassen von einander, noch kein emotionales/inneres/tieferes Begreifen und “natürliches” (also “unangestrengtes/unbewusstes”) Assoziieren von einander steht.

Wir sind nicht “Eine mit vielen” – wir sind “viele Eine mit vielen”. Ein Selbst haben wir nie entwickelt.
Es hat in unserem Fall also keinen Sinn, Kinderinnens als etwas zu sehen, das sich von einem Kern abgeleitet entwickelt hat und ergo zurück in diesen Kern hineinentwickeln könnte.

Unser Weg ist der, unsere Fähigkeiten jeweils miteinander zu erfassen, zu synchronisieren, miteinander kompatibel zu machen, gut zusammenarbeiten zu lassen und irgendwann vielleicht zu sehen, dass bestimmte Systeme zu einem System verschmelzen. Und dann mit einem anderen. Und dann mit einem nächsten.
Wenn sich daraus dann ein Kern entwickelt – dann können wir über die Anerkennung und Integration von Anteilen in diesen Kern sprechen.
Bis dahin besteht unser Kern aus dem Körper selbst als kleinster gemeinsamer Nenner.

Unsere Art Kinderinnens mit ihren Fähig- und Fertigkeiten in die innere Arbeit und auch Teile des Alltags zu integrieren, sieht wie folgt aus:

– wir analysieren die Situationen, in denen sie aufgetaucht sind, auf mögliche Trigger
– diese Trigger analysieren wir in der Therapie auf Missverständnisse (fehlerhafte Assoziationen traumatischen Materials, die die Ausentwicklung der Zustände zur Folge hatten, die wir heute als Kinderinnens wahrnehmen)

– wir versuchen herauszufinden, wie sie sich verhalten haben, welches Bild sie von sich und der Welt haben
– wir besprechen diese Dinge in der Therapie, um uns ihrer Perspektive anzunähern (um ihre Perspektive auf bestimmte Situationen, allgemein mitbedenken zu können, um Missverständnissen aktiv vorbeugen zu können)

– wir setzen uns mit Ableismus und Adultismus auseinander und arbeiten daran internalisierte Grundannahmen über unsere Fähig- und Fertigkeiten durch konkrete Selbsterfahrung zu revidieren oder zu ergänzen oder zu falsifizieren
– wir folgen Impulsen kindlicher Begeisterung und Neugier bzw. begleiten sie mit der Absicht sie durch unsere erwachsene Außenpräsenz (und damit auch den Rechten und Privilegien, die wir als erwachsene Person haben) zu unterstützen
(Konkreter formuliert: wenn wir merken, dass ein Kinderinnen etwas im Außen spannend findet, dann widmen wir uns dem spannenden Ding gemeinsam und ermöglichen die Auseinandersetzung damit als Person, die das auch darf – nicht weil sie erwachsen ist, sondern, weil man da etwas wahrgenommen hat, das man spannend findet)

– wir schützen unsere Kinderinnens vor adultistischen Übergriffen außenstehender Personen (“Oh wie süß ein Innenkind!”)
– wir schützen unsere Kinderinnens vor der Idee, sie wären “das Kind, dass wir nie sein durften”
– wir bieten unseren Kinderinnens Raum sich auszudrücken (in der Therapie, in der Freizeit, in Bereichen des Alltags, wo wir nur für uns funktionieren und Verantwortung tragen müssen)

– wir öffnen uns für ihre Erfahrungen, als Erfahrungen, die wir gemeinsam gemacht haben, obwohl es sich in den meisten Fällen nicht so anfühlt

Kinderinnens sind kein amüsantes Feature in Menschen, die viele sind.
In vielen Fällen sind autark nach außen agierende Kinderinnens der Grund, weshalb Menschen, die viele sind, überhaupt in psychiatrische Einrichtungen oder Psychotherapie müssen. Daran ist nichts amüsant oder niedlich.

Wir haben ein Kinderinnen, das sich tot stellt, wenn es sich (uns) zu stark von Menschen bedrängt erlebt.
Es gibt ein Kinderinnen, das Dinge erst isst, wenn sie so verfault sind, dass Maden drin rumkriechen.
Wir haben Kinderinnens, die Menschen nur anstarren und darauf warten miss.be.handelt zu werden.

Nichts daran ist süß. Keinem von ihnen hilft es betüddelt  und mit Liebe überschüttet zu werden. Sie brauchen völlig andere Räume und Wege, um sich überhaupt der Idee annähern zu können, dass ihr Er_Leben heute auch ein anderes sein könnte.
Da reicht oft auch nicht unser 10 km Waldwanderweg, auf dem wir uns einander nähern und der Welt bekannt machen.

Bei unseren Kinderinnens geht es um das 24/7 zu haltende Bewusstsein, dass sich (selbst) zu fühlen variabel und innerhalb bestimmter Grenzen von Zeit und Raum passieren kann. Dass Dinge und Erfahrungen einem_einer nicht einfach nur passieren, sondern auch selbst gemacht werden können oder selbst verhindert werden können. Dass es Kontexte gibt, in denen Verantwortung und verschiedene soziale Fertigkeiten eine Rolle spielen.
Adultistischer Ableismus verhindert jedoch genau diese Erfahrungen systematisch.

Deshalb wollen wir nicht, dass irgendjemand unsere Kinderinnens oder das was sie tun, für süß, niedlich oder harmlos hält.
Wir wollen, dass andere Menschen wissen, dass sie befähigt sind.
Dass sie Wege und Ziele kennen.
Dass sie Geschichten und Perspektiven auf den Lauf der Dinge haben.
Genauso wie wir erwachsenen Innens.

Sie haben den gleichen Respekt und den gleichen Anteil der Therapiearbeit verdient, wie wir.

 

* Text als PDF zur freien Weitergabe

Erwartungen und Wörter streichen

Manchmal sind es Parallelen.
Meine Twittertimeline und die Texte, die dort die Runde machen und die Bücher, die ich lese.
Zum Beispiel lese ich zur Zeit “George, Sam und ein ganz gewöhnlicher Montag” von Charlotte Moore und gerade einen Blogtext von Elif, in dem sie_r daran appelliert, bestimmte Begriffe nicht mehr zu nutzen.

Charlotte Moore’s Bericht regt mich auf.
Das ganze Buch ist ableistisch von Anfang bis Ende – doch, was mich stört ist ihre immer wieder pauschalisierende Formulierung dessen, was “die Autist_innen” können und was nicht, wenn sie sich eigentlich auf ihre beiden autistischen Kinder bezieht. Beziehungsweise: auf das, was sie von ihnen wahrnimmt und einordnet.

Der Text von Elif regt mich auch auf.
Es ist ein langer Text mit vielen Referenzen auf 101 Texte, die sich auf einen Nebenschauplatz der Inklusionsbewegung konzentrieren und der ohne sichtbar konsistente Idee darum auftritt, worum es bei inklusions.aktivistischer Kritik an Begriffen bzw. sprachlichen Äußerungen, die entlang ableistischem Menschenbild passieren, geht.

Die Parallele ist der Ärger. Und die ausbleibende Differenzierung von Menschen, die zum Einen nicht konkret selbst betroffen sind und zum Anderen in einer Art mahnend aufklärerischen Fürsprecherschaft auftreten, ohne sich auch an konkret betroffene Menschen zu richten.

Ich denke total oft von Menschen, dass ich sie für dumm halte, weil sie für mich irrationale Sachen tun.
Meine Sprache ist auch ableistisch. Meine Weltsicht ist auch ableistisch.
Wer glaubt, jetzt folgt ein Text in einer Version von “Behinderte /Menschen/ mit Behinderung können auch Arschlöcher sein” liegt falsch.
Das ist nicht meine Art des Aktivismus – ich kann auf jene verzichten, die das brauchen, um m.eine Menschlichkeit an.zu.erkennen.

Was mir wichtig ist, ist nicht zu vergessen, dass Ableismus an sich etwas ist, womit man sich befassen muss.
Ableismus beschreibt eben nicht nur die Wertungen, die mit bestimmten Fähig- und Fertigkeiten bzw. deren Abwesenheit verknüpft sind.
Der Begriff beschreibt auch, dass bestimmte Fähig- und Fertigkeiten als grundsätzlich erwartbar gelten.

Wenn man das verstanden hat und auch nur einmal in irgendeiner Erwartung enttäuscht wurde, kann man sich überlegen, wo die Wertungen in Bezug worauf auch immer eigentlich herkommen. Und dann vieleicht darüber nachdenken, welche Rolle der Umgang mit Enttäuschung und damit einhergehenden Gefühlen und ihren sozial akzeptierten Ausdrücken dabei spielen… und was Diskriminierung damit zu tun hat … und Macht … und kulturelle Alltagspraxis…
la li la hier im Blog schon hundertfach beschrieben.

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Ich lese die Berichte von Eltern autistischer Kinder inzwischen fast gerne. Sie zeigen mir, was neurotypische Eltern von ihren Kindern erwarten. Was neurotypische Menschen von anderen Menschen erwarten. Viele Eltern behinderter/ Menschen/ mit Behinderung schreiben, ohne es zu wollen, ein Zeugnis ihrer Normalitätsvorstellungen (bzw. Normalitätsüberzeugung) und sind damit für mich die bisher brauchbarste Quelle zur Erforschung des Normalitätsbegriffs an sich.

Mein Leben lang habe ich das Gefühl eine einzige Enttäuschung zu sein.
Weil Menschen von mir Fähig- und Fertigkeit erwarten, die ich weder in Gänze nachvollziehen noch erfüllen kann und diese Menschen meine Anstrengungen zu entsprechen, zu einer Art held_innenhaften Kampf (zurück) ins Leben pervertieren.

Heute begegne ich auch zunehmend Menschen, die von mir erwarten, ihnen zu erklären, warum ich nicht möchte, dass sie in meiner Gegenwart verletzend oder abwertend über Menschen sprechen und handeln.
Anstatt, dass sie mir erklären, warum sie es für richtig halten das zu tun.
Es ist einfach nicht üblich sich zu erklären, wenn man sich und seine Sprache für normal und also allgemein erwartbar hält.

Eine Sprachführung, die diskriminierungssensibel ist, gilt heute als sonderlich, abgehoben, erklärungsbedürftig. Sie sollte es aber eigentlich nicht sein.
Eigentlich sollte die allgemeine Erwartung die sein, dass Menschen ein Interesse daran haben, sich so auszudrücken, dass das, was sie sagen auch ist, was sie meinen und vertreten.
Obskur erscheint mir da der Umstand, dass jedoch das glatte Gegenteil der Fall ist.

Deshalb spreche ich nicht mehr davon bestimmte Begriffe zu streichen.
Denn es wird andere Begriffe geben. Nichts wird sich davon verändern. Es wird nur anders aussehen.

Was ich wichtig finde ist, sich mitzuteilen. Auch und vor allem über die Normalität, die man lebt. So wie man sie er_lebt.
Mir fällt es unheimlich schwer, mit eher fremden Menschen zu sprechen, weil ich viele Informationen über sie brauche, um mir zusammenzurechnen, was ich von ihnen erwarten kann. Das ist ein bewusster Prozess mit vielen Strängen und der ist unfassbar anstrengend.
Deshalb treffe ich mich ungern nur für ein zwei Stunden mit anderen Menschen und deshalb habe ich auch keine Angst vor Twittermenschentreffen. Je mehr Er_Leben ich von anderen Menschen erfassen (lesen) kann, desto besser kann ich sie einschätzen und desto klarer kann ich merken, wann eine Erwartung nicht erfüllt wurde.

Wenn in der Lebensrealität einer Person bestimmte Begriffe immer wieder negativ auftauchen, dann werde ich sie ihr und vielleicht niemandem mehr gegenüber erwähnen. Das werde ich aber nicht tun, weil ich es für das Beste halte bestimmte Worte zu verbannen und durch bessere zu ersetzen, sondern, weil ich möchte, dass sich die Person(en) in meiner Gegenwart so wohl wie möglich fühlen bzw. dass manche Dinge konkret benannt werden.
Ich möchte mich schließlich selbst auch wohl fühlen und wissen, worum es bei bestimmten Begriffen im Kern geht.

Ich werde durch meine Wortwahl allein aber nicht weniger ableistisch.
Ich werde es durch das Mit.Erleben vieler verschiedener Er_Lebensrealitäten und – überzeugungen.
Die Fähigkeit zu erfassen, was wer kann und was nicht, kann nur im direkten Miteinander zu einem Ableismus werden, der sich konstruktiv bei der Er_Schaffung von Dingen auswirkt.

Denke ich im Moment jedenfalls.