Helferversagen führt zu Langzeitschäden

“Ach, wir werden uns da bestimmt nicht offiziell beschwert haben.”, dachte ich letzte Woche noch.
Dann habe ich das Abschlußzeugnisoriginal gesucht und fand: eine Reaktion auf eine Beschwerde an die Zentrumsleitung unserer ambulanten Betreuung im Jahre 2011.

Es ist nämlich so: Wenn man ganz viel Unterstützungsbedarf hat – damals waren es 7,25 Fachleistungsstunden in der Woche (ja: in_der_fucking_W O C H E_ ! ja nein sorry das muss man sich in den Kopf tun – ohne Quatsch jetzt) – dann ist das ein grober Fehler des Betreuungsanbieters, dem mit einem Termin wöchentlich, der dann circa 1-2 Stunden in Anspruch nimmt zu begegnen.

Manchmal fürchte ich, unser Helferding könnte sich lesen, als wären wir einfach irgendwie komisch verkabelt und hätten ein Problem damit anzuerkennen, dass wir immer wieder eher fragil stabil sind und sehr viel Unterstützung brauchen. Tatsächlich ist es so, dass wir unser fragiles Stabilsein eher als normal empfinden und wissen, dass Menschen ganz allgemein – egal ob das Helfende, Gemögte, Bekannte oder Fremde sind – mit allem was sie tun immer wieder daran rütteln und auch zu Instabilität beitragen.
Sind wir allein sind wir stabil. Nur leider eben auch: allein. Mit allem. Auch in den Momenten von Heilungsschmerz und damit einhergehenden Instabilitäten.

Uns ist durch verschiedene Dekaden des Helferversagens ein wirtschaftlicher Schaden entstanden. Und wenn man den zusammenrechnet (ja, das haben wir mal gemacht, weil wir dachten: Irgendwann petzen wir das mal an prominenter Stelle und dann wird alles anders  (süß ne? Ja. Naja.)  kommt man auf einen 4 stelligen Betrag. Und ja: Wir zahlen immer noch.  Nicht etwa irgendeine Versicherung, die genau für solche Schadensfälle da ist. Oder der Träger durch dessen strukturelle Misswirtschaft es überhaupt nur dazu kommen konnte.
Nein nein – das zahlen wir. Von Hartz 4 und Honoraren für Vorträge und Zeug.

Mit jedem Mal, das es um Betreuung und Hilfen für uns geht, machen wir uns nicht in die Hose, weil wir Angst davor haben, Dinge könnten sich für uns verändern. Vielleicht sogar zum Positiven. Sondern vor Angst, es könnte sich gar nichts geändert haben. Vor Angst, es passiert wieder oder noch schlimmer.
Vor Angst, dieses Gefühl so ein durcheinandergezerrtes Leben zu haben, das nie irgendwo wirklich reinpasst – in kein einziges Formular – in keinen einzigen Verwaltungsablauf, nie wieder loszuwerden.
Vor Angst wieder und für den Rest des Lebens diejenige zu sein und zu bleiben, die
“den Profis ™” eine Inspiration und Wissensquelle zur Verbesserung des Brotjobs ist und selbst nichts mehr davon hat, als eine Chance, die eventuell vielleicht dazu führt genau die Unterstützung zu erhalten, die gebraucht wird.

Was uns fehlt ist das Privileg des “Es nicht wissen”. Uns fehlt die Unkenntnis darüber, dass Hilfe für uns auch ein Geschäft ist. Dass es Menschen gibt, die ihr Dach über dem Kopf damit finanzieren, uns die Haare aus dem Gesicht zu halten, wenn ich mir Erinnerungen aus dem Leib kotze oder uns eine Hand hinzuhalten, wenn wir allein zu instabil sind, um in Balance zu sein.
Was uns fehlt ist die Bereitschaft, uns erneut zum Gegenstand einer Verwertungsmaschinerie machen zu lassen, der es am Ende egal ist und verdammt nochmal egal sein darf, wie sehr das weh tut. Wie groß der Schaden auch Jahre später noch ist. Wie kaputt sie uns gemacht hat und in ein Leben spuckt, das nichts mit uns anfangen kann.
Und ja – hier ist etwas vermischt, was nur allzu gerne getrennt betrachtet wird, um sich selbst niemals mit Täter_innen in organisierten Gewaltkontexten verglichen sehen zu müssen.

Mir tut das leid. Aber diese Parallele ist da. Und eigentlich ist es ein megasuperoberguter Therapiefortschritt von uns diese Parallele zu sehen und trotzdem dran zu bleiben. Trotzdem eine Trennung im Bewusstsein zu verankert zu halten, die es uns ermöglicht nicht zu vergessen, dass es ja vielleicht doch eventuell irgendeine Möglichkeit gibt, uns so zu unterstützen, dass uns Menschen nicht mehr so arg instabilisieren.

Was uns außerdem fehlt ist, uns rausziehen zu können aus diesem Prozess. Das spüre ich seit dem Anruf am Donnerstag sehr deutlich.
Wenn wir in den letzten 2 einhalb Jahren etwas verloren haben, dann ist es die Fähigkeit den Hilfe-ranhol-Schmerz zu tolerieren und über die Stiche der formalen Sprache über uns als Mensch hinweggehen zu können.
Wir schaffen es nicht mehr zu sagen: “So ist eben diese Verwaltungssprache.” oder “So sind die da halt in den Behörden.”, weil es uns vorkommt, als würden wir damit die Gewalt an und über uns an der Stelle legitimieren.

Nicht zuletzt auch, weil die Beschwerde, die ich gefunden habe, damals ja auch nichts gebracht hat. Da waren wir so badass of the doom und schreiben an die Leitung: “Hallo hier Riesending” und das abschließende Übereinkommen hielt: 2 Monate.
Es hatte nie wieder jemand danach gefragt. Keine Zeit, Dienstplan kacke, neue Betreuer, die von nichts wissen und und und

Wie geil wär das, wenn wir uns endlich einfach mal nur darauf konzentrieren könnten, Angst davor zu haben, es würde sich irgendwie komisch neu etwas zum Guten hin verändern. Wie krass wär das denn bitte?!

innere Kommunikation

Manchmal ist es, als würde ich in ein Gespräch hineinplatzen, das schon lange mit mir geführt wird, ohne, dass ich davon weiß. Es gibt meine Linien auf dem Boden – das gesicherte, regulierbare Wörterlabyrinth, das sich in Farben und Formen vor mir zeigt und meistens umspült ist von einem weißen Rauschen, das mich in der Regel nicht berührt.

Doch wenn wir einander begegnen, wird es fremd um mich und in meinem Denken.
Plötzlich steht dort: “Ich tue hier nichts Falsches.” und hinter ihm schimmert etwas sehr Konsistentes. Ein anderes Innen, ein festes Wissen, ein anderer Gedanke – es könnte alles mögliche sein. Oder auch nicht.

Seit ein paar Tagen betrachte ich diesen Satz und taste ihn mit meinem Herz ab. Er kommt nicht von mir, aber auch nicht nicht. Er ist fremd, aber doch vertraut.

Vom Schlauberg herunter trötet es etwas von „Bewusstwerdung und dem Wunder der Assoziation“. Irgendwo kichert jemand “Herzlich willkommen in dieser inneren Kommunikation” und ich muss vor allem allein sein, eine Serie gucken und Candy Crush Soda Saga spielen. Dinge sortieren und mich zwischen Schrank und Wand quetschen, um das eigene Atemgeräusch ertragen zu können.

Manchmal tauchen Sätze auf, machen mir Angst und lassen mich selbst zu einem weißen Rauschen werden. Und manchmal tauchen sie auf und fühlen sich gut an. Einfach so. Nicht weil sie einen schönen Ton haben oder weil sie gut schmecken, sondern, weil sie sich so gut in meine kleinen Seligkeitsinseln einfügen.

10 Becher meines Joghurts, die es ohne umzukippen zu uns nach Hause schaffen, damit ich sie ordentlich in den Kühlschrank sortieren kann.
“Ich tue hier nichts Falsches.”

Ein Sprung über Fußgängerzonen einrahmende Bodenplatten.
“Ich tue hier nichts Falsches.”

Ein köstliches Wort, das mich so warm macht, dass ich alles über es wissen will.
“Ich tue hier nichts Falsches.”

Das Geklacker der Tasten während ich tippe und aus_sage, wie für mich ist, was ist.
“Ich tue hier nichts Falsches.”

Und das ist, was mir Angst macht und mich in so einen Kampf darum bringt, mich nicht aufzulösen.

Ich höre von innerer Kommunikation bei Menschen, die viele sind, immer wieder im Zusammenhang von durchzusetzenden Imperativen.
Immer sollen “die anderen da drinnen” irgendwas machen oder nicht machen oder einsehen oder verstehen. Selten höre ich davon, wie es für “diese anderen da drinnen” ist, wenn sie etwas erreicht, was sie so sehr erschreckt, dass sie es nicht aushalten können oder aber auch so sehr verlockt und in ungesicherte Gefilde zu verleiten droht, dass es einen Konflikt gibt.

Ich brauche etwas worauf ich mich stützen kann, um diesen Satz anzunehmen und zu verinnerlichen.
Das Außen eignet sich für mich nicht als Überprüfungsinstanz – es hat immer Recht. Immer ist es mir überlegen. Das Außen ist gefährlich für mich, denn es akzeptiert mich nicht. Und das Innen hat seine ganz eigene Dynamik. Ich berühre den Satz und der Boden wackelt. Die Wände bersten auf und fluten mich mit Reizen.
Man sagt immer einfach “erinnern” dazu. Für mich ist das ein Miterleben, wie etwas stirbt, von dem ich nicht wusste, dass es einmal gelebt hat.

Am Ende bleibt mir der Umgang damit.
Atmen, sortieren und wie einen Zauberspruch über meine Überflutungserfahrung sagen “Ich habe mich an etwas erinnert”, ohne je einen Inhalt tatsächlich aufgenommen zu haben.

Vielleicht muss man “innere Kommunikation” weniger als Büchsentelefon nach innen begreifen, sondern mehr wie das Warten auf eine autokatalytische Reaktion unter stetiger Beigabe entsprechender Einbringungen, während die Reaktion als Antwort dient.

zu Gewalt legitimierender Gewalt

Meine aktivistische Timeline bemüht sich gerade darum aufzuzeigen, wie rassistisch derzeit über die Gewalt in der Silvesternacht in Köln berichtet wird.
Dort wurden Vergewaltigungen, Belästigungen und Diebstähle angezeigt. Gesprochen wird von Gruppengewalt und von vielen unbestätigten Personenzahlangaben.
NRWs Innenminister Ralf Jäger wird zitiert:  „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen“.
Und das Rassismus – rape culture – Bingo ist voll wie die Schnauzen der “Frauen gegen Gewalt e.V.”, die sich nun versammeln um sich zu wehren.

Vielleicht liegt es an rosenblattschen Sprachknall – aber ich habe gelernt “sich zu wehren” passiere erst, wenn man angegriffen wird. Agiert man gegen Personen oder Umstände außerhalb eines konkreten Bedrohungsmoments, so handelt es sich weniger um Abwehr zum Zwecke des Selbstschutzes, als um Verstärkung bzw. Etablierung bestehender Abwehrmechanismen. Das kann dann auch mal bedeuten, dass es um Rassismus, rassistische Ressentiments, cissexistische Täter-Opferspaltung und diverse viele (alle) andere mögliche *ismen geht.
Nur halt leider nicht darum, ein gutes und respektvolles Miteinander zu suchen und zu etablieren.

Und eigentlich könnte dieses schon an der Stelle beginnen, wie es kommt, dass es bei Großveranstaltungen, wie einer Silvesterfeier, die durch die Kombination von Menschenmasse, Alkohol und freien Zugang zu Sprengstoffen grundsätzlich hochgefährlich ist, ein ganzes Aufgebot von Polizist_innen und Sondereinheiten bereitsteht – dieses jedoch nicht in der Lage ist, Straftaten jeder Art auch tatsächlich zu verhindern bzw. Täter_innen noch vor Ort auch zu stellen und in Gewahrsam zu nehmen.
Die gleiche Frage stellt sich in Bayern zu jedem Oktoberfest und vermutlich steht diese Frage zu jeder größeren Veranstaltung gleichsam im Raum.

Aber nein – diesmal gibt es die rassistische Nische, die dann auch von Kristina Schröder genutzt wird um von “gewaltlegitimierender Männlichkeitsnorm muslimischer Kultur” zu sprechen, statt davon, wie der Umgang mit Gewalt, ihren Opfern und denen, die sie ausüben, generell so ist.
Es wird “der muslimische Mann” in den Fokus gerückt und wieder einmal ist “der deutsche Ehemann und Vater”, der vielleicht nicht einmal tatsächlich auch ein Mann sondern ein Nongender, Agender, ein was auch immer ist, aus dem Kreis möglicherweise problematisch gewaltlegitimierend sozialisierter Personen gestrichen.
Und wieder einmal sind es weiße deutsche Frauen, die als Schutzobjekt herhalten müssen. Wieder geht es nicht um geflüchtete Frauen, behinderte Frauen, Frauen, die nicht als weiß und deutsch kategorisiert werden, die zu Frauen erklärten Personen, die Transfrauen und und und, die, alle jeden Tag, mit Gewalt konfrontiert sind, die manchmal mit manchmal ohne physische Spuren bleibt.

Die derzeitige Debatte lockt antifeministisch bis pseudomaskulinistisches Pack an, das sich von rechtspopulistischen Figuren wie Birgit –rape culture seems legit – Kelle nur bestätigt fühlen kann und viele Twitteraktivist_innen erleben gerade einen Aufschrei-Flashback. Es ist wie die tausendste Runde Kackscheiße, die weh tut, die verletzt, die zermürbt und letztlich – trotz Grimme online Award und so vielem gutem mehr, das aus dem Hashtag hervor ging – wenig Konkretes in den Köpfen derer, die Verantwortung übernehmen müssten und auch können! stehen ließ.

Ich würde gerne die Silvesterstatistiken der letzten Jahre sehen. Würde gerne überprüfen, ob es sich um ein echtes “mehr Gewalt” handelt, oder um einen Grund “über eine personelle Verstärkung der Polizei sowie eine temporäre Videoüberwachung” zu diskutieren.
Ich möchte eine Auseinandersetzung damit, dass Gewalt – insbesondere sexualisierte Gewalt an Frauen und als “Frauen” (trotz anderer Geschlechtsidentität) benannter Personen – mehr und mehr zu einem gewaltlegitimierendem Grund für Rassismus und andere Formen von Diskriminierung und damit: Gewalt wird, statt zum Anlass sich ganz konkret mit Aufklärungs-, Präventions- , Schutz- und Hilfemaßnahmen für alle Personen gleich auseinander zu setzen.

Hier ein paar Missstände, an denen man sich gleichermaßen abarbeiten kann
– es gibt zu wenig Schutz- und Beratungsstellen für Menschen, die Gewalt erfuhren
– es gibt zu wenig Therapieplätze für Personen, die Gewalt erfuhren und Verarbeitungsprobleme haben
– es gibt zu wenig kultursensible Beratungs- und Hilfsangebote
– es gibt zu wenig gendersensible Hilfs- und Beratungsangebote
– es gibt zu wenig gute und sichere Unterkünfte für geflüchtete Personen
– es gibt eine erbärmliche Rechtslage in Sachen sexualisierter Gewalt
– es gibt erbärmliche Rechtsgrundlagen in Bezug auf alles, was zwischenmenschliche (im Sinne von sozialer) Gewalt angeht
– es gibt zu wenig Menschen, die begreifen, was Rassismus, Sexismus – allgemein Diskriminierung und Gewalt überhaupt ist
– es gibt zu wenig Orte, an denen respektvolles Miteinander für alle gleichermaßen einzuüben ist
– es gibt zu wenig Menschen, die begreifen, dass sie gemeint sind, wenn es um Aufrufe zum angenehmen und inklusivem Miteinander geht

Es gibt so verdammt viel mehr zu tun, als ausgerechnet jetzt seinen Rassismus auf Kosten von Personen, die zu Opfern wurden zu legitimieren!

Harry Potter und sein Täterintrojekt

Harry Potter quält sich mit der Frage, ob er vielleicht so wird wie Voldemort.
Er spürt Ähnlichkeiten, Verbindungen, bemerkt an sich fremdartig globale Aggressionen nachdem er Zeuge der Tötung eines seiner Mitschüler durch Voldemort wurde.

Well, das ist die Stelle, in der ich meine Brille gerade rücke und mich frage, warum es in der Zaubererwelt eigentlich eine Kenntnis von Wahnsinn und verwirrtem Verstand gibt, doch nicht von PTBS und Täter_innenintrojekten. Die Filme selbst verraten es mir.
Das Rezept ist Freundschaft, Liebe, ein Ziel für das sich zu kämpfen lohnt und die Erkenntnis, dass der frei umhermordende Täter sich durch Magie in den Kopf des Opfers genistet hat, um etwas davon zu haben.
Harry du alte Lusche – kontrolliere halt deinen Geist! Lass das nicht zu! Kämpf halt noch ein bisschen mehr. Retraumatisiere dich und lass uns das zum heldenhaften Kampf erklären.

Oh my.
Versteht mich nicht falsch – es ist nichts falsch daran sich um Freundschaft, Liebe und Ziele im Leben zu bemühen, wenn man schlimme Dinge erlebt hat. Es wird halt tricky, wenn die Person, die verantwortlich für diese schlimmen Dinge ist (oder war) zum immerwährendem und alles bestimmenden Zentrum im Leben der Person, die zum Opfer geworden ist, wird.
Da gibt es verschiedene Arten, wie sowas passiert.

Auf der einen Seite ist die Angst der Person, die zum Opfer wurde vor der Macht und der Person selbst, die die Integrität und Autonomie dieser Person verletzte, einschränkte und/oder zerstörte. Man kann nicht ignorieren, wovor man Angst – manchmal auch Todesangst – hat.
Viele Strategien gegen solche Ängste haben etwas mit Vermeidung oder Gewalt zu tun.
Vermeidung hat folgendes Problem: „Denk nicht an einen rosa Elefanten“ – Woran hast du gedacht? ba da bamm
Gewalt zeigt sich in Aktionen wie: „Dem zeig ichs jetzt“ – wem zeigst du jetzt mal und mit welcher Berechtigung? ba da bamm

Auf der anderen Seite sind die Freunde, Angehörigen, Verbündenten und die vereinigte Helfersfront auf Basis einer angenommenen Opfernot und Gerechtigkeitsstreben.
„Du musst kämpfen!“ – „Lass dich nicht unterkriegen!“ – „Wenn du jetzt aufgibst, hat di_er gewonnen!“ – „Si_er ist es nicht wert sich zu ärgern/zu grämen/schlecht zu fühlen/mit ihm_ihr zu befassen!“ – „Vertraue nur uns – dann bist du sicher!“
Da passieren gewaltvolle Ansagen und oft ist überdeutlich, wie schrecklich gut gemeint sie alle sind. Was will man dagegen sagen? Was kann man sagen, ohne den Kontakt zu gefährden? Wie viel Gegenrede ist in Ordnung? Wieviel Autonomie ist mit Hilfen und Unterstützungen vereinbar?

Häufig verändern sich Kontakte nach Gewalterfahrungen. Viele brechen weg.
Meistens, weil es schwierig ist miteinander zu reden und zwar mit sich selbst, seinem Empfinden und seinem Erleben im Zentrum und dem Ereignis im Kontext, das die Person, die eine Täterschaft zu verantworten hat, an genau dem einem Platz beinhaltet, der noch genug Raum für die Kontexte lässt, in denen sich diese Person bewegt (hat).

Sehr viele Menschen fangen an schreckliche Ereignisse und die Beteiligten zu versachlichen oder gänzlich zu abstrahieren. Deshalb schreiben wir zum Beispiel häufig von „DAS DA“ und „ES“ in unserem Leben.
Das Grauen wird dadurch für uns zwar fassbar (hey-es sind immerhin drei Worte!) und spiegelt doch sowohl die eigene Unfähigkeit nach einem Ereigniss, das jeden Erfahrungs(und Verarbeitungs)rahmen sprengt, es konkret zu erfassen (und zu verarbeiten), wie das Empfinden von Grenzen- und Raum- und Zeitlosigkeit, sowohl in der Situation selbst, als auch häufig genug noch darüber hinaus.

Wenn wir in Workshops sind, kommt die Frage öfter, was man denn richtiger machen könnte.
Gerade, wenn wir dann gerade lang und breit darüber gesprochen haben, welche Sprachführung nicht sinnvoll und am Ende sogar opferfeindlich ist.
Wir raten oft dazu sich selbst zu prüfen und zu schauen, was genau die Erfahrung der zum Opfer gewordenen Person mit einem selbst macht. Was genau wünscht man der Person und warum?
Wieso ist es wichtig, dass es ihr so schnell wie möglich wieder gut geht – ging es der Person vor dem Ereignis denn „gut“ oder erscheint es jetzt aktuell „gut“, weil es ihr nun sehr schlecht geht? Und wieviel Reflektionsleistung kann der Kontakt miteinander eigentlich aushalten?

Was zum Beispiel passiert, wenn man wie Harry Potter gleiche und ähnliche Eigenschaften an sich entdeckt, wie die Person, die einem schwere Nöte angetan hat?
Wenn wir in den Spiegel sehen, finden wir die Mutterfrau. Wenn wir uns dabei ertappen, wie wir uns an einen Türrahmen lehnen, erkennen wir das Warten des Vatermannes.
Wenn NakNak* zum x-ten Mal Katzenscheiße im Garten frisst, brandet ein gleißendes Wüten bis an die Wurzel meiner Zunge hoch und ich merke, wie ich sie verletzen will. Da ist kein Gedanke, keine Überzeugung, kein Wort hinter, das mir sagt:“Oh – hei ich bin ein Täterintrojekt und hier eine Gewalt zu wiederholen – mach mal Platz“.
Das ist pure Energie, die durch eine dumpfe noch nicht greifbare Erinnerung angestoßen wird – aber das wissen wir erst seit ein paar Jahren (NakNak* kam erst danach).
Zu Beginn hatten wir wenig bis keine Kompetenz diesen Energiestoß überhaupt zu erfassen, geschweige denn zu bremsen oder zu kontrollieren.

Das hat uns letztlich zu einer nicht tragbaren Jugendlichen gemacht. Wir waren ein böses Mädchen. Eine Gewalttäterin*. Klar musste man uns „ordentlich bestrafen“ – „so, dass wir es auch begreifen“ – „auf, dass wir nicht denken, wir wären wer“  und selbstverständlich musste man handeln, um sich selbst zu schützen.
Und während unser hochprofessionelles Außenrum uns behandelt hat wie der letzte Dreck, war alles in uns bestätigt, was uns erst zu Handlungen brachte, die uns zum „bösen Mädchen“ machten. Wer so böse ist, dass Erzieher_innen einem Privatsphäre, Ruhe und Unversehrtheit vorenthalten, di_er hat genau dies allem äußeren Anschein nach wohl auch nicht verdient.

Bis heute weiß ich nicht, wie wir je von allein auf die Idee hätten kommen sollen, dass dieses plötzliche Kippen in Selbst_Verletzung, Zerstören von Beziehungen, Ver_Bindungen und anderen Dingen, die uns wichtig sind, etwas mit den Übergriffen zu tun hatten, die wir erlebten und bis heute auf anderen Ebenen erleben.
Auch wenn es oft irgendwie schräg bis lächerlich klingt – bitte liebe Menschen – unterschätzt das nicht, wenn Menschen mehrfach diskriminiert sind und jeden Tag mit diversen Formen der Unterdrückung (Gewalt) konfrontiert sind. Es ist die gleiche Mechanik. Es sind die gleichen Muster. Es ist das verdammt noch mal immer und immer und immer Gleiche.
Auch wenn kein Blut fließt oder keine Strafanzeige erstattet werden kann. Auch dann!

Es frisst sich rein und bricht als Selbst_Zerstörung wieder raus.
Die Einen kotzen, hungern, schneiden sich auf – die Nächsten verletzen andere Menschen, machen Werbung auf Kosten anderer und wählen die AfD, während die Letzten vor lauter „denken sie nicht an…“ die Kunst des Eskapismus perfektionieren und aus allen Wolken fallen, wenn sie mit Menschen konfrontiert sind, denen Dinge geschahen, die unfassbar sind.

Manchmal isolieren sich Menschen, die Schlimmes erlebt haben, weil sie das Gefühl haben, dass sie niemand versteht. Dass niemanden ihren Kampf um Kontrolle versteht. Dass niemand ihre Angst versteht.
Und leider haben sie oft auch noch das Pech, dass sie wirklich nicht verstanden werden, weil die Personen drum herum auf Dinge achten oder von Umständen oder Empfindungen ausgehen, die nicht in den Personen wirken.

Herrje, wie oft Menschen uns für ein zartes Seelchen halten, das aber doch unfassbar stark sein muss, weil sonst hätte es ja nie überleben können.
Tse – wir haben überlebt, weil wir überlebt haben. Wir hätten auch das stärkste Menschlein auf der Welt sein können und unser Risiko zu sterben wäre gleich groß gewesen.
Wir verbinden mit unseren Gewalterfahrungen nicht solche Wabbeldinge wie Würde oder Ehre und wir fragen uns auch nicht, wer uns denn jetzt noch nehmen wollen würde.
Wir hängen uns oft an einem „hätte würde wenn“ auf, weil unser Zentrum nicht andere Menschen, wohl aber unsere Pläne in Abhängigkeit von anderen Menschen sind.

Das ist zum Beispiel , was das Finden von Triggern für uns sehr leicht macht – aber auch Aufhänger liefert, in denen wir uns in Gedankenkreiseln wieder finden, die sich damit befassen wie oft man hätte den linken Fuß auf dem Fußabtreter hätte reiben müssen, bevor man die Wohnungstür öffnete oder damit, welche Wörter wann wie warum genau falsch waren. Über solche Dinge denken wir stundenlang nach und machen uns darüber selbst Stress.
Und natürlich kann man wenig produktiv über andere Dinge nachdenken, wenn man solche Schleifen im Kopf hat, auf der Suche nach dem ultimativ sicheren Plan für immer und ewig, auf das nie wieder irgendjemand käme und uns verletzte.
Weil der ultimative Plan ja auch dafür sorgen würde, dass wir keine Gefahr darstellen – unabhängig davon, wieviel Täter_innenintrojekte in uns wüten und wieviele Monster an ihren Käfiggittern reißen.

Manchmal denke ich, dass die Annahme des eigenen Bösen in sich einfach genau das ist, was niemand von Ex-Opfern hören will.
Es ist so bequem davon auszugehen, dass eine Person immer und grundsätzlich gut ist, weil so der Umstand der Ungerechtigkeit der an ihr begangenen (Straf-)Tat stärker hervorsticht.
Als wären die Menschen vor dem Gesetz (und für manche Menschen auch: vor G’tt) nicht gleich.

Würde, Ehre, Gewollt sein – das hat alles mit der Gesellschaft zu tun, die für uns als Einsmensch irgendwie immer eher wie wissenschaftlich interessantes bis nervenaufreibendes Beiwerk an uns vorbei geblubbert ist. Wir haben die Erwartungen dieser Gesellschaft nie erfüllt und werden das vielleicht auch nie schaffen.
Für manche Menschen macht uns das zu einem Menschen, dessen erlebtes Unrecht nicht das gleiche Unrecht ist wie für eine Person, die ihr Leben lang beliebt unter „den Richtigen“ und „erfolgreich an der richtigen Stelle“ war. Glücklicherweise nicht für viele – aber für genug, dass ich mich daran erinnerte, als wir gerade „Harry Potter und der Orden des Phönix“ schauten.

Ich habe daran gedacht, wie ich mir vielleicht 2 – 3 Jahre früher jemanden gewünscht hätte, di_er mir erklärt, was Täter_innenintrojekte sind und was die Introjekte oder auch Innens sind, die mir helfen könnten mit ihnen so umzugehen, das weder wir noch andere Menschen unter ihnen leiden.
Und ich dachte, wie schade es ist, dass Harry nur zu hören bekam: „Mach deinen Geist frei“, statt: „Mach deinen Geist mit den Dingen voll, die das Böse in dir gleich groß wie alles andere in dir macht, denn es gehört auch zu dir.“

ping ping ping

Ich hatte gerade einen Ping- Moment und ja, der hat etwas damit zu tun, dass wir uns im Februar – wie alle anderen Menschen auch – um einen Ausbildungsplatz in einem Berufskolleg bewerben können.

[Hier ist ist ein bisschen Platz für ihre Mitfreude.
Das Konfetti dann bitte morgen früh selber wegfegen. Danke. ]

Mein Ping kam von der Erkenntnis, dass es in dem Gespräch gerade nicht einen Moment darum ging, dass wir viele sind und Traumafolgen und Gewalt und all der Horrorschwabbel, den wir in den ganzen letzten Jahren nie ganz aus Vorstellungen unserer Person jeder Art heraushalten konnten.
Wir mussten bis jetzt noch keinen Lebenslauf vorzeigen und standen nicht vor der Frage: “Und wie kam das, dass Sie ihren Realschulabschluß mit 4 Jahren Verspätung gemacht haben?” und auch nicht vor der Frage: “Warum haben sie weder Praktika noch Jobs gehabt, die Würdigungszettel zur Folge hatten?”.

Das Ping ist: “Privatsphäre im direkten Kontakt”.
Das Ping ist: “Oh wait – ich musste mich gerade nicht komplett entblößen, um mich zu erklären, um wiederum eine Chance wie alle anderen Menschen auch zu bekommen.”
Das Ping ist: “Es ging um die Sache und uns hier und jetzt und heute und nichts weiter.”

Da uns die meisten Menschen schriftlich erleben, gibt es oft auch die Annahme wir wären im analogen Kontakt gleichermaßen eloquent, offensiv und laut. Wenn wir einen Lauf haben und uns in bekannten Gefilden mit bekannten Menschen befinden, sind wir das auch.
In 95% der anderen Umgebungen des Alltags sind wir das nicht. Zum Einen, weil wir nur selten in anderen Gefilden des Alltags sind und zum Anderen, weil es Kraft zieht eloquent, offensiv und laut zu sein.

Die wenigsten Menschen haben im Bild von uns, dass man uns immer eher vorwerfen könnte nur uns selbst zu beachten oder nur um uns selbst zu kreisen, als dass man uns als jemanden bezeichnen könnte, der sich überwiegend mit sich befasst, um anderen Menschen irgendwas zu beweisen oder vor ihnen irgendwas darzustellen. Außenwirkung ist so etwas, das ziemlich weit neben uns steht und nur dann Thema wird, wenn klar ist, dass wir angeguckt werden.
Üblicherweise geikeln wir also immer ein bisschen awkward und so wie wir halt immer so geikeln, wenn wir uns mit unseren Wahrnehmungen befassen herum und kriegen dafür dann entsprechende Rückmeldungen oder Bewertungen unserer Gesamtperson, wenn wir nicht merken, dass wir angeguckt werden oder schlicht keine Kraft oder allgemeine Kapazität dafür haben einem “angeguckt werden” entsprechend zu agieren.

Mein Ping-Moment ist deshalb so groß, weil mir gerade aufgefallen ist, dass keine Bewertung passiert ist – obwohl wir angeguckt wurden und einfach so auf uns und das, was wir wollen bezogen waren, wie wir das in 95% unseres Alltags sind. Neben den reaktiv aufgebrachten Kraftschüben, als es darum ging zu vermitteln, was wir uns zu lernen wünschen und was wir brauchen, um das dort zu können.
Es ging um eine Ebene von “die Rosenblätter und die Welt”, in der wir als Rosenblätter – also als Füllung eines Einsmenschen – weder versteckt noch bewortet sein mussten und das war grandios.
Überraschend grandios, denn in den letzten Jahren seit der Diagnosestellung ging es bei so ziemlich allem, was wir brauchten und wollten darum, dass wir ein special Mensch sind, weil wir ein Einsmensch mit Füllung und Problemen sind. Da ging es darum, dass wir das Problem sind und man ein Umfeld stricken muss, das das aushalten kann. Will. Sich held_innenhaft/selbstlos/menschenfreundlich/altruistisch bereit erklärt uns auszuhalten und zu unterrichten/betreuen/behandeln.

Außer in Bezug auf unsere Therapeutin. Der sind wir nämlich ähnlich egozentrisch und offensiv in die Praxis getorkelt, wie wir in den letzten Jahren Bewerbungen um Ausbildungsplätze abgeschickt haben.

Es ist jetzt natürlich nicht die Art Privatsphäre gewesen, die andere Menschen hätten haben können. Jetzt sind wir da zwar nicht als Person, die von Straftäter_innen psychisch und physisch kaputt gespielt wurde bekannt, aber als Person, die Krampfanfälle hat, Autistin ist und deshalb auf ihre Assistenzhündin angewiesen ist.
Das bedeutet schon, dass von uns eine große Portion dessen, was zu uns gehört schon bekannt und offen für alle ist, aber es ist eine Portion, die weniger nah an dem ist, was uns zu einem uns hat werden lassen.
Das ist ziemlich entlastend ehrlich gesagt und lässt mich ein bisschen hoffen, dass die Spaltung zwischen Schule und Alltag vielleicht ein bisschen mehr zusammen kommt, weil die Schule dann auch Alltag ist.

Alltag ist, wo es nicht ums viele sein geht.
Ums viele sein geht es in der Therapie, im Blog, im Podcast, in Gesprächen mit anderen Menschen, die viele sind oder diese begleiten, weil es dort um uns und unsere Er-Lebensrealität – und –Erfahrungen geht.

Es gibt “Berufsmultis”, die von morgens bis abends nichts und niemand weiter sind und sein können, als jemand, der viele ist. Wir haben solche Zeiten auch gehabt und fanden das wichtig, weil es um uns herum niemand wichtig fand und uns damit hat immer wieder so unwichtig werden lassen, dass wir keinen Schutz, keine Unterstützung und auch keine sichere Versorgung hatten.
Niemand ist “Berufsmulti”, weil si_er sich das überlegt hat. Sowas ist eine Art Überlebensmechanismus – aber kein Alltag.
Was uns damals getrieben hat war die Idee, dass, wenn alle Menschen wissen was viele sein ist, es nicht mehr so furchtbar anstrengend sein würde, die eigenen Wünsche und Bedürftigkeiten verstanden, anerkannt und gewährt zu bekommen.
Man muss sich vorstellen, was für eine hohe Selbstaufgabe dort passiert, wenn das Erste, was ein Mensch, der viele ist, über sich sagt ist, dass er viele ist/multipel ist/eine DIS hat. Das ist die quasi ultimative Aufgabe von Selbstschutz und Privatsphäre, nur um so etwas wabbelig ungreifbares wie Verstehen zu erhalten.
Die wenigsten “Berufsmultis”, die ich kenne, werden verstanden und erhalten entsprechende Hilfen. Und das ist ein Problem.

Ich freue mich deshalb sehr auf eine Bewerbung um einen Schul- und Lernalltag, der es uns ermöglichen kann auch als etwas von außen Strukturierendes dazu beizutragen, dass wir nicht immer zwischen “Blogartikel schreiben”, “Emails mit Betreff “viele sein” beantworten”, “Podcast zum viele sein machen” und “Kunstschule und Fotografie” als Einziges, was nichts damit zu tun hat zu pendeln und dazwischen so kleine Inseln freischippen zu müssen, in denen es um Selbst-Wahrnehmung und Selbst-Regulierung gehen kann.
Klar hören wir damit nicht auf – wir machen hier ja nichts, was wir nicht selbst auch wollen und gut und wichtig finden, aber ach … wir haben halt nicht jeden Tag Kunstschule und so vergehen oft Tage, die dann thematisch sehr oft nur “viele sein” (oder related Sozialpolitik oder related andere Bereiche) sind, obwohl wir selbst gar nicht mehr diese Anerkennungsnot nach außen haben.

Um den Faden zum Ende zu bringen – da war ein Ping und zwar ein “Privilegien-Ping”.
– Ich bin gerade so gut aufgestellt, dass ich es schaffe einen empfindlichen Teil von mir und meinem Leben zu schützen, ohne dafür etwas aufgeben zu müssen.
– Ich bin gerade so gut versorgt, dass mir nichts verloren geht, werden mir bestimmte Dinge nicht gewährt.
– Ich bin gerade von so hilfreichen Menschen umgeben, dass ich selbst für mich und meine Bedürfnisse sprechen kann, ohne, dass das zu 100% perfekt gut gehen muss, sonst “verkackt für immer und immer und ewig”.

(Auch so ein Privilegien-Ping: Da gibt es, wenn man angenommen wird, ein Gespräch zu dem auch viele Eltern kommen. Bevor es im Innen heulen konnte, weil wir keine Eltern haben, die wir dabei haben wollen würden, kamen die Ideen, wen man darum bitten könnte mitzukommen. Auch ein Arghneinichwillnichtsoabhängigsein-Ping – aber naja – erst mal angenommen werden, dann können wir noch genug über unsere Abhängigkeitsissues abzappeln)

Naja.
Jetzt hats ganz schön viel gepingt.

Am Ende das Durchatmen und wissen: Wir können uns bewerben wie alle anderen Menschen auch. Assistenzhund und andere Bedarfe sind kein Ablehnungsgrund. Zum ersten Mal nach über 150 Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz geht es nur darum, was wir können.

Trickfilmgrafik, ein Mensch und ein Hund tanzen lächelnd vor hellblauem Grund

Verbindungen

Die Therapiestunde endete mit einem Flächenbrand, der unterm Scheitel begann, sich über einen Krampfanfall auf den gesamten Körper verteilte und bis in den späten Abend unterm Denken schwelte.

Menschen verstehen nicht, wenn wir versuchen zu vermitteln, wie schwer Sprache wird, wenn es uns nicht gut geht. Die wenigsten wissen, dass wir in Krisen seit Jahren das Fingeralphabet und einzelne Grundgebärden nutzen, um zu kommunizieren. Die meisten wissen, dass wir Menschen meiden, wenn wir nicht sprechen können. Die meisten denken, wir wären dann lieber allein. Niemand denkt daran, dass die Kluft des Missverstehens zwischen uns auch ein Grund ist.

Dass es der Weg zu Worten ist, der alles erschwert, wenn wir zwischen Erinnern und Nachspüren stehen und auf Impulse aus dem Heute reagieren sollen, haben wir gestern verstanden.

Das Hier und Heute verlangt nach Reaktionen, die bestimmte Formen haben muss. Der Mindeststandart sind Lautsprache und Blickkontakt. Ist das nicht gegeben, wird geraten und nachgefragt. Wird mit jeder Frage eine Palette von optional gemeinten Räumen eröffnet, von denen einer zu wählen ist. Exakt einer führt zielgenau zu dem Verstehen, das gebraucht wird – die anderen schließen dieses Verstehen nicht aus, führen aber zu weiteren Fragen mit neuen Räumen und Wegen, die zu gehen sind. Auch dann, wenn man keine Kraft dazu hat.
Hier kommt die Zeit <—-> Kraft –Dynamik dazu.
Je mehr Kraft wir in ein Hier und Heute pumpen müssen, damit es uns versteht, desto weniger schaffen wir es dauerhafte Belastungen zu kompensieren. Wie zum Beispiel überflutende Körpererinnerungen, Pseudohalluzinationen, den Drang die Satzbausteine rauszuwerfen, die mit am wenigsten Anstrengung zu greifen sind, den Impuls das zu Sagende nicht mehr zu kontrollieren oder schlicht Dinge zu tun, die uns entlasten, aber im Hier und Heute nicht okay sind (selbstverletzendes oder spezifisch selbstansprechendes Verhalten).

Es hätte uns gut getan, real verletzungsbedingte Schmerzen zu haben oder im komplett Dunklen oder Stillen oder Eingeengten zu sein.
Paradoxerweise hätte es uns wahrscheinlich am Besten geholfen, zurück zu einem “normalen” Reiz-Reaktionsmuster zu finden, wäre die Gewalt, die für uns neben dem Jetzt passierte, das Jetzt gewesen.

Wir haben Anfang dieser Woche unser Podcast “Viele-Sein” mit den Sommers aufgenommen (wird bald veröffentlicht) und dabei auch darüber gesprochen, dass durch den Ausstieg ein Faktor in unserem Leben wegfiel, der vieles in uns zusammengehalten hat: die Gewalt.
Nach gestern und im Zusammenhang mit den Überlegungen um die Autismusdiagnostik denke ich auch: die Reize und die Eindeutigkeit, die mit der Gewalt einhergingen.

Manchmal blende ich (erwachsenes Alltagsinnen) aus, wie auch aufgefasert frühere Gewalt schon auf uns eingewirkt hat. Wir wurden misshandelt – aber das war nicht immer das, was einen Leidensdruck auslöst. Manchmal kommt der Leidensdruck eher aus einem Bedauern des gegenseitigen Missverstehens oder anderen Dynamiken, die nicht dazu führen, verbunden zu sein.
Dazu gehörte schon früher auch: die Un_Logik von Gewalt zu durchschauen, eine Idee von Opportunismus als Faktor von Gruppengewalt zu haben, loyal sein zu wollen, aber andere Kontexte nicht ausblenden zu können – zusammengefasst vielleicht: das eigene Denken nicht unterdrücken zu _können_  obwohl man doch sehr möchte und merkt, dass die dominierenden Personen das doch auch so gern möchten.

Zwischenmenschliche Gewalt gilt als zusammenhängend mit Trennung. Wenn jemand jemandem Gewalt antut, dann muss eine Trennung her. Separation gilt als (einziger) Weg des Umgangs. Stichwort: Alle in den Knast (in Therapie/ Psychiatrie/Rettungseinrichtung/helfende Hände)
Manchmal frage ich mich, ob von uns erwartet wird, vor allem deshalb unter der Gewalt auch im Nachhinein zu leiden, weil es moralisch schlimm ist, Gewalt erfahren zu haben und moralisch schlimm ist, Gewalt auszuüben.

Für mich ergibt sich aus diesem moralischen Anspruch, die Trennung zum Leiden darunter, dass sie nicht mehr so passiert, wie ich mit ihr umgehen kann und ein Verbot, Dinge als quälend, schlimm, (gewaltvoll) zu empfinden, die für andere Menschen einfach so damit einhergehen ein Leiden lindern zu wollen.

In meinem Erleben war es ein Kraftaufwand bis an den Rand der Therapeutin zu sagen: “Wäre ich jetzt zu Hause, würde ich einen Krankenwagen anrufen.” – ich weiß nichts mehr von dem, was danach geschehen ist, außer einem zerreißenden Impuls aus dem Nicht-IchWir nach dem anderem.
Fragen, Berührungen, Entscheidungen, Geräusche, Licht, verwirrende (Decken-) Muster in einem Vielzuviel, das keinen Kontext mehr hatte und nicht mit mir zu verbinden war. Ich konnte mich nicht mehr verbinden und gleichzeitig mich selbst nicht berühren.
Im Bericht aus dem Krankenhaus wurde daraus “Lichtempfindlichkeit – eventuell liegt eine Migräne vor”.
Meine Versuche mich ausdrücken verwandelten sich in “psychomotorische Unruhe”.

3

18.32 Uhr, 4 Stunden nach dem Anfall und der Gabe von Schmerzmitteln und einem leicht sedierenden Mittel gegen Übelkeit später, saßen wir mit unserer Therapeutin unter einer Raumdecke mit  reiz-voll-em Muster im Foyer der städtischen Psychiatrie.
Es waren inzwischen 4 Stunden voller Missverstehen und überbordenden Versuchen und Fehlschlägen der Kommunikation vergangen.
Patient_innen liefen an uns vorbei. Gesprächsfetzen, Rufe und das Geräusch der automatischen Schiebetür durchdrangen die Halle.
Wir hatten zuletzt in der Praxis der Therapeutin einen Schluck Wasser zu uns genommen und zuletzt vor über 24 Stunden etwas gegessen.

Wessen Denken fing langsam wieder an, im üblichen Rahmen zu funktionieren?
Genau.

Wir wissen, dass man nicht oder nicht viel hätte anders machen können und das ist auch nicht, worüber wir jetzt nachdenken. Uns wird ja gern gesagt, wir sollen sagen, was man hätte anders machen sollen, weil man zu gern missversteht (verstehen muss/will), warum wir solche Ereignisse hier mit_teilen.
Ich teile sie, weil ich möchte, dass Menschen verstehen, wie es uns ging, während die Helfenden um uns herum, ihr Bestes taten ein Leiden zu lindern, das sie in uns vermuteten. Ich möchte auf das trennende – das auf uns sehr ähnlich wie erlebte Gewalt  wirkende – Missverstehen hinweisen, das dazu führte, dass wir uns sehr viel länger gequält haben, als vielleicht unumgänglich gewesen wäre.

Ich möchte ausdrücken, dass wir uns tatsächlich tief gequält haben und am Ende wieder unsere Anpassungsfähigkeiten an Zustände körperlicher wie psychischer Erschöpfung, dazu führten, Kontakt mit dem Außerhalb aufnehmen zu können, wie es das Außerhalb braucht, um zu verstehen.
Es ging uns nicht besser – wir sind einfach nur in eine andere Art Notzustand gekommen, der weniger am Sprechen und am Weg zur Lautsprache behinderte.
Das ist ein Unterschied, den ich versuche sichtbar zu machen, weil ich davon überzeugt bin, dass es vielen Vielen schon so ergangen ist, die sich dann aber nicht zu äußern trauen (können), dass es ihnen unter den Worten noch immer nicht “okay” geht.

Als wir noch einmal Stunden später in unserem Käfig lagen und Wasser aus einer Flasche durch einen Strohhalm trinken konnten, konnten wir endlich auch NakNak* spüren und uns darüber auch im erinnernden Innen mit dem Hier und Heute verbinden. Es war dunkel, still und so eng, dass wir uns nicht frei bewegen konnten.
Es war wieder okay.
Endlich.

#5

Vielleicht war es der wichtigste Gedanke zu dem Termin mit unserer Therapeutin und dem Menschen, der den Test auf Autismus anmitbeifür uns gemacht hatte:
“Ich weiß nicht, was  ich nicht kann”

J. hatte ihn hinter meinem Sein hervorrinnen lassen und ihr Gesicht abgewendet. Ich hatte ihn in das Notizheft aufgenommen. Vielleicht, weil ich etwas zum Festhalten brauchte. Vielleicht, weil mir Erinnern durchs Denken rauschte.
Dieses dumpfe Pochen, das man hat, wenn man weiß, dass es einen Termin gibt, in dem es um einen selbst geht. Der trockene Mund, die feuchten Hände, die Furcht vor einem Fehler, von dem man nicht immer sofort weiß, dass er einer ist.

Normalerwiese versorgen wir die Jugendlichen, die darunter leiden, dass wir noch immer Hilfen in Anspruch nehmen, noch immer in psychologischen/psychotherapeutischen Kontexten sind, noch immer wieder potenziell mit einem Bein in dieser spezifischen Pseudofreiwilligkeit stehen.
Wir erinnern an unsere Volljährigkeit, die Mündigkeit, unser juristisches Wissen.
Daran, dass es vorbei ist.
Manchmal brauchen wir eine semipermeable Membran für sie.

Diesmal entschieden wir uns dagegen.
Es hat etwas mit Traumaarbeit und Aufarbeitung zu tun. Und damit etwas loszulassen.

1.2

„Wissen sie – wir haben hier zwei Schienen. Da ist einmal die Traumaschiene, nach der wir nur ein Trauma nach dem anderen verarbeiten müssen, damit es uns besser geht. Und da ist die Autismusschiene. Die Annahme, dass da schon immer etwas war, was unser Leben beeinträchtigt, unabhängig von dem, was uns passiert ist.”, sage ich und fühle mich sicher auf der Linie, die ich durch meine Worte hindurch laufe.
Ich erzähle von einem Text in dem eine Person davon berichtet, wie Menschen so gequält werden, dass sie autistisch werden. Sage, dass es mich verunsichert, schon wieder mit der so schlimm beliebten Theorie der systematisch folternden Vereinigung aus dem Dunklen konfrontiert zu sein, die alles kann.
Sogar Autist_innen machen.

Der Mensch erklärt, dass es Verhaltenweisen gibt, die autistisch aussehen. Dass Autismus aber nicht nur das Verhalten, sondern auch die Denkmuster betrifft.

J. sitzt neben mir auf einem der Stühle und zittert.
Einen Moment lang denke ich darüber nach, ob sie es aushalten könnte, wenn ich nach außen trage, was sie quält.

Ich denke sie mit und lasse ihr Platz, um durch meine Fragen nach dem, was wir als erreichbare Lebensqualität neu einzuordnen versuchen, mitzugehen.
Es ist etwas zwischen Novum und modifizierter Krisis das zu tun.
Ich rede und meine Gedanken werden der Puls der Jugendlichen hinter mir, die auf ein Moment von Schuldzuweisung, Motivationsohrfeige und professioneller Demütigung warten und dabei vergessen zu atmen.

“Bis sich die Suizidversuche häuften, hatten wir noch ehrliche Diagnosen, die eigentlich nur sagen: “Dieses Mädchen ist durchgeknallt”. Dann kamen die Diagnosen “Psychose” und “Schizophrenie” dazu und alles wurde schlimm.”. Ich lasse die Bilder ankommen und zu einem weißen Rauschen hinter meinen Augen werden. Einen Moment lang streift mich die Frage: “Warum haben wir eigentlich nie unsere Qualen dieser Zeit so herausgebrüllt, wie wir es damals mit jedem Suizidversuch getan hatten?”.
Ich betrachte das Wasserglas vor  mir und ziehe seine Rillen nach. “Die DIS-Diagnose veränderte viel, weil sie nicht nur über meine Symptome konstruiert ist, sondern auch über die Annahme, dass das Umfeld an meinem Leiden beteiligt gewesen sein muss.”.
Während ich rede, stehe ich neben einer Fixierungsszene, die 12 Jahre her ist und spüre gleichzeitig doch den Druck der 4 Menschen auf diesem einen – meinem – Körper. Das Kind auf meinem Arm wird grau und macht sich weich.  Es flirrt in sich.

“Beide Diagnosen – DIS und Autismus – machen etwas rund. “.

J. weint und ich schalte mich kurz ab.
Ich möchte sie trösten, obwohl sie ein Jemand in uns in den letzten 3 Jahren fast täglich misshandelt. Aber sie ist schon leer. Egal, was ich ihr vermittle, es wird sie nicht berühren, weil sie in sich nur Rauschen ist.

Wir sprechen über Kommunikationsmittel, – wege und –möglichkeiten und das macht mich froh. Jetzt fühlt es sich erwachsen an.
Jetzt ist es gut, dass unsere Therapeutin konkret da ist und ich Dinge sagen und fragen kann, mit einem Menschen daneben, der Übersetzungshilfe geben kann. Es gibt ein paar Ideen, die wir praktisch umsetzen können.
Es bedeutet am Ende, dass wir uns unsere Kommunikationsmittel selbst machen müssen.
Vielleicht auch, dass wir die Wörter, unsere Schutzräume und Trennungslinien, ab und zu verlassen.

Ich gebe die Frage nach innen, ob und wie okay eine Ergotherapie wäre.
Betrachte mich selbst und frage mich, woher meine Bereitschaft dazu kommt. Bin ein bisschen beschämt, als ich merke, dass es an der Arbeitsbeziehung mit der Therapeutin liegt.  Werde von links angeknufft und höre einen hingeflapsten Kommentar “Du bist halt immer so loyal ey.”.

Während der Termin sein Ende findet, betrachte ich unsere Therapeutin und denke an ein Telefongespräch, dass sie mit J. hatte, bei dem sie im Urin des von ihr misshandelten Innens lag und in den Hörer weinte, was denn aus ihr werden sollte.
“Wir finden etwas für dich.”, hatte die Therapeutin gesagt und während J. das nicht glauben kann, stütze ich mich am Ende vielleicht einzig darauf.

Auf den Umstand, dass wir auf dem Weg sind uns auf vielen Ebenen nach- und neu zu entwickeln, um uns dazu zu befähigen, etwas für uns zu finden und halten zu können. Ich merke, dass ich etwas von ihrem Umgang mit uns, auf uns und unsere Un_Fähigkeiten übertrage.
Ernsthafte Widmung.

Elternmord

Wir sitzen in der Küche und neben unserem Gespräch, hopst die Nacht unterm Fenster entlang.
Der Mensch sagt: “Man könnte es auseinanderklamüsern und einen Anfang finden.”. Seine Hände bewegen sich von einander weg. Eröffnen ein symbolisches Feld in das unsere Entwicklung und unsere familiäre Interaktion hineinpassen soll.

Das Inmitten pulsiert und vielleicht weine ich am Rand des Außen, weil es so herzzerreißend ist.
So ein Wunsch, ein Interesse – so ein Moment, in dem man doch nur eine Frage hat und die doch nur beantwortet haben möchte – so ein Moment, in dem man doch nur verstehen möchte, so ein Moment ist zu zart für das, worum es geht.

“Es geht ja nicht um Schuld. Hier wird niemand gerichtet.”, so etwas sagen Psycholog_innen in jedem Elterngespräch ums krankbeklopptkaputtgespielte Kind und in meiner Familie hat das nie funktioniert. Wie soll das generell auch funktionieren, wenn Eltern – egal, ob sie ihr Kind absichtlich oder aus eigener Unerfahrenheit, Not, Ohnmacht, Impulsivität, eigenen unverarbeiteten Traumatisierungen heraus misshandeln oder nicht – sich gar nicht im Wunsch nach Verstehen auf genau der Ebene der Objektivität bewegen können.
Der Anspruch nicht in Schuld-Unschuld- Dualismen zu agieren,  blendet innere Dynamiken und den sozialen Kontext in dem Menschen leben, aus.

Gespräche ums Selbst und Sein, passieren nicht in luftleeren Räumen.
Kein Gespräch ist ohne Bezug.

Es wäre spannend, wären Menschen Objekte, deren Entwicklung man anhand von Etappen und Ereignissen systematisieren kann.
Es wäre so praktisch, dass man es er/begreifen kann, könnte man menschliche Entwicklung innerhalb von Mikrokosmen beschreiben und analysieren, wie Schimmelwachstum in einer Petrischale.
Menschen sind aber nicht so. Schon gar nicht sind Familien so. Und Misshandlungsfamilien haben, zumindest ist das meine Idee, jeweils so spezifische Dynamiken zwischen und an jeder einzelnen Interaktion, das von einer systemischen Multiplizität gesprochen werden könnte. Dass man am Ende sagen könnte: Misshandlungsfamilien sind in einer rhizomatischen Dynamiken-Dynamik verhaftet, die zu beobachten nur dann überhaupt praktisch möglich ist, wenn man selbst in ihr lebt. Doch diese Beobachtungen daraus heraus zu formulieren wäre aufgrund ebenjener Beteiligung nicht mehr möglich, weil es Teil der Dynamik ist, genau dies nicht zu tun bzw. dazu nicht befähigt zu werden.

Das ist, was Schweigegebote und die Misshandlungsfamilie als abgeschlossenen Raum im Raum im Raum schwer bewortbar macht.
Das Ende der Äußerung kann sein einen Aspekt einer Dynamik zu transportieren: “Was zu Hause passiert, bleibt zu Hause.” – also ein Schweigegebot sichtbar zu machen. Dem Beobachter von außen bleibt aber der Weg zu dieser Dynamik verborgen und die Dynamiken, die genau dieses Ende benötigen, um das Gesamtsystem (den Raum mit seinen Dimensionen) aufrecht zu erhalten.
Die Reflektion tötet am Ende die Misshandlungsfamilie bzw. bringt sie in existenzielle Gefahren.  Am Ende gibt es Abstoßung.

Und irgendwann gibt es eine Person, die mit fast 29 Jahren in ihrer Küche sitzt und überlegt, ob das Gegenüber verstehen könnte, wenn sie sagt:
“Du kannst nicht mit meiner Familie sprechen, weil ich sie ermordet habe. Ermorden musste, damit ich über sie nachdenken konnte. Damit ich meiner Therapeutin überhaupt die Fetzen meiner Erinnerungen mitzuteilen wagen kann.”.
Es ist Teil des So-tun-als-ob-Spiels, das Teil einer inneren Dynamiken-Dynamik ist, die unsichtbar blieb, weil Abstoßung ein heimlicher Akt ist.

Aussteiger_innen sollen heroische Selbstretter_innen sein, die die Gewalt an sich erkannt haben und etwas Besseres für sich  wollen.
Sie sollen selbstbestimmt sein und eine Linie ziehen – eine Entscheidung treffen und diese verteidigen.
Aussteiger_innen morden nicht. Sie gehen einfach weg und korrigieren den Blick zurück von sich aus nach vorne.

Wäre Abstoßung nicht heimlich, gäbe es noch andere Stereotypen.

Ich habe meine Eltern getötet und halte bis heute ihre Leichen in meinen Armen.
Analysiere, seziere, bedenke etwas, das diese Welt schon längst verlassen hat und mich nicht mehr braucht, um sich am Leben zu erhalten.
Das ist nicht, was in den schlauen Büchern zu Ausstieg aus gewaltvollen Kontexten steht, aber es ist auch ein Aussteigen, dass es mir ermöglicht hat nicht zu verharren und meine Therapiemöglichkeiten zu nutzen.

Es ist die Maxime: “Es ist vorbei”, es ist die Erleichterung über die Wertung des eigenen Wortes, der eigenen Er-Lebensrealität – das So-tun-als-ob-Spiels der Psychologie, das einen Raum ohne Kontext ermöglichen will, um Probleme und ihre Lösungen zu erdenken.
In Bezug auf Gewalt funktioniert das nicht, weil Gewalt immer und immer und immer selbstbestätigend ist und eben auch in einem leeren Raum existiert, allein schon in dem Umstand, dass es den Raum gibt bzw. geben muss und kann.

Wenn man Gewalt in einen Raum steckt, steckt man Schuld, Scham, Schmerz automatisch mit dazu und muss zwangsläufig reduzieren, um etwas zu sehen, dem man sich soweit widmen kann, dass man es verstehen bis begreifen kann. Doch es wird – es muss – dann unvollständig sein und am Ende unbefriedigend, sinnlos, verrauchte Energie. Das Gefühl, den eigenen zarten Wunsch nach Verstehen unter etwas schwerem, großen – überforderndem Irgendwas erschlagen zu fühlen.

Als wir eine Jugendliche waren, sahen wir dieses überfordernde Ding, über viele Psycholog_innen in Elterngesprächen rollen und bekamen immer wieder zu spüren, dass “Abgrenzung” an der Stelle bedeutet, dieses Ding auf uns abzulegen, weil es ja sowieso schon mit uns zu tun hatte.
Und als Teil der Dynamiken-Dynamik sind wir darunter nicht dekompensiert, eben, weil wir ein Teil davon waren.

Heute wirft man mir gerne vor Sackgassen-Situationen zu kreieren.
Man mag es nicht, wenn ich Dynamiken innerhalb von Dynamiken aufzeige und zeige, dass Gewalt = Gewalt ist und nichts weiter.

Man möchte gerne glauben, da gäbe es Wege und Mittel, wenn nur der Raum frei genug ist.
Man möchte gerne glauben, dass dieses Moment des Verstehenwollens als harmlos gesehen werden kann.

Und ich lasse sie ihre Vermeidungstänze machen.
Weil ich weiß, wie wichtig sie sind, um sich am Leben und Glauben zu erhalten.

viele sein erklären

~ Fortsetzung ~

“Und wann hast du gemerkt, dass du in der Pflicht bist alle Menschen mit DIS zu repräsentieren?”

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann das zum ersten Mal in einem Gespräch zwischen unserer Gemögten und uns aufkam und was der Auslöser war.
Dass ich das nicht mehr weiß, macht mir klar, dass es für uns bei dem Thema Projektion und Anspruch an uns um mehr geht, als nur das übliche Problem, das Blogger_innen (und *ist_innen allgemein) haben.

Immer wenn ich mit der DIS sichtbar wurde, gerade in Jugendhilfeeinrichtungen oder Betreuungen, manchmal auch bei Mediziner_innen, Beratungsstellen und Praxen für Psychotherapie, gab es die große Unwissenheit. Man sollte es nicht glauben, aber bis heute wissen Mediziner_innen nur selten mehr über Traumafolgestörungen* als das, was unter dem Begriff der PTBS benannt wird.
Bis heute ist es nicht selbstverständlich, dass es in Frauenberatungsstellen mehr als eine oder zwei Berater_innen gibt, die Kenntnis von dissoziativen Störungen als Traumafolge haben.
Mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu tun zu haben, ist den meisten Erzieher_innen in der Jugendhilfe klar, doch was dies in Bezug auf ihre Arbeit bedeuten muss und worin sich diese Besonderheiten begründen, wissen die wenigsten. Ähnliches gilt für Eingliederungshilfen für Erwachsene.

Wir haben heute eine so glatt geschliffene Art die DIS zu erklären, weil wir jahrelang oft nichts anderes als unbezahlte Aufklärungsarbeit gemacht haben, die nicht als solche anerkannt wurde, sondern oft genug auch unter “die Bekloppte reden lassen” einsortiert wurde.
Dass wir dort etwas taten, was weder in unserer Verantwortung lag, noch etwas ist, wofür sich manche Behandler_innen richtig was bezahlen lassen (und dabei oft auch noch weit weniger wirklich begreifbar machen), war uns nicht klar.

Dass es aber auch Auswirkungen auf den Blick auf uns als glaubhafte, wahrhaft multiple Person haben würde, wussten wir ebenfalls nicht und vergessen das auch heute oft.

Es gibt die Diskrepanz zwischen den Worten, die man für seine Umwelt- und Selbstwahrnehmung hat und dem, was man davon wie nach außen für andere sichtbar (findbar) ist.
Wenn ich sage, dass ich depersonalisiere oder derealisiere (das sind die Artikel im Blog, die immer wieder so klingen, als würde ich eine Geschichte schreiben), dann merkt es das Außen nicht unbedingt. Vielleicht sieht man eine motorische Fahrigkeit, bemerkt Schwierigkeiten mit der Sprache, bemerkt, dass es verzögertes Reagieren gibt – doch all das geht nicht zwangsläufig miteinander einher.

Und dann gibt es da die Problematik, dass die Diagnosebeschreibung oft auch das eine oder andere (unausgesprochene) Vergabegebot unter BehandlerInnen begründen.
Das heißt, wenn ein creepy Sherlock auf mich zukommt, 20 Minuten mit mir zu tun hat und mein Sein anhand der Diagnosekriterien seziert, wird si:er nicht immer zu 100% Übereinstimmungen finden.
Solche Personen blenden dann oft auch unsere Entwicklung und ihre Folgen aus.
Es ist kein Anzeichen von einer Nicht-DIS, wenn man nach 13 Jahren DIS- Diagnose irgendwann aufhört, die Diagnose an sich so in Zweifel zu ziehen, wie man das noch tat, als sie frisch war bzw. wie man das noch tat, als man begriff, was sie impliziert.
Es ist auch kein Anzeichen einer Nicht-DIS, wenn man nicht für jede umstehende Person offensichtliche Wechsel des Seins hat. (Genauso wenig ist es ein Anzeichen einer DIS solche Wechsel zu haben.)

Hinzukommen Faktoren wie der, dass es kaum Diagnosen gibt, deren Symptome nicht auch Schnittmengen haben können mit anderen Diagnosen. Wir sehen das ja an den Bereichen, in denen unsere Symptome auch als spezifisch für einen bestehenden Autismus betrachtet werden können. Und wir sehen das an Dingen, wie der chronischen Essstörung, der chronischen Depression und den Schlafstörungen, die ebenfalls verschiedene Folgen und Auswirkungen mit sich bringen.

Eine unserer Jugendhilfebetreuer_innen war Bulimikerin (recovered) und hat jedes andere unserer Probleme ausgeblendet, weil sie nur die Essstörung und ihre Folgen wirklich begriffen hat. Viele traumatisierte Kinder und Jugendliche entwickeln Essstörungen (und andere Süchte).
Ich kann über diese Herangehens- und Arbeitsweise der Betreuerin also gar nicht sagen, sie hätte Scheiße gebaut – sehr wohl aber kann ich sagen (und tue das auch), dass sie die grundlegende Struktur unserer Selbst- und Umweltwahrnehmung ausgeblendet hat, was am Ende für uns bedeutete, nicht die Hilfe (und Ansprache) zu erfahren, die wir gebraucht hätten.

Das Schlimme ist: Uns war das damals nicht so klar und als wir das klar hatten, sind wir auf das ewige Professions-sorry-gesülze reingefallen. Das bedeutet, wir haben sie aus ihrer (den Leistungsträger aus seiner) Verantwortung genommen, weil uns immer wieder gesagt wurde, unser Sein wäre so krank, dass sich da nur Ärzt_innen WIRKLICH RICHTIG GUT drum kümmern können. Und Psycholog_innen. Wenns denn sein muss.
“Ein_e ganz normale_n 08/15 Erzieher_in kann das ja gar nicht stemmen das Thema und das kann man ja auch nicht erwarten, dass die sich jetzt noch extra hier wegen einem Fall fortbilden… “, das ist so der Tenor unserer Betreuungen gewesen.

Das Problem ist natürlich: unser Recht fachlich kompetent betreut zu werden wurde nicht gewahrt.
Das Problem ist aber auch: es hat ja trotzdem gut geklappt

Ja, das ist wirklich ein Problem, denn: nur weil ich aus der Sache insofern heil raus bin, als dass ich nicht in eine Klinik musste oder tatsächlich verstorben bin, heißt es nicht, dass da gute Arbeit an und mit mir passiert ist.

In der Eingliederungshilfe, die wir zuletzt in Anspruch genommen haben, gab es eine fertige Erzieherin, die fortgebildet war und eine, die gerade eine fertige Erzieherin wurde, die fortgebildet war. Das macht zwei über eine “Krankheit” näher informierte Betreuungspersonen. Nicht: zwei kompetente, supervidierte, kontinuierlich weitergebildete, im Team vernetzte, gut für sich sorgen könnende Fachkräfte.

Es läuft für diese beiden Personen so, wie es für viele läuft, die etwas wissen, was die Kollegen nicht wissen können, weil nur eine oder zwei Personen des Teams die Fortbildung vom Arbeitgeber finanziert bekommen: sie kriegen die entsprechenden Fälle zugeschoben und wenn sie sich nicht abgrenzen können, sich verantwortlich für die Menschenleben hinter der Diagnose fühlen oder (das gibts auch) sie nur noch die Arbeit mit Personen, die mit dieser Diagnose gelabelt sind, erfüllend finden, dann übernehmen sie diese Fälle natürlich.
Und betreuen am Ende vielleicht ausschließlich Menschen mit DIS. Was unterm Strich und tatsächlich zu oft im Scherz gesagt bedeutet: Gruppenbetreuung bei jedem Termin.

Es bildet sich in der Folge gerne mal eine Betreuungsrandgruppe.
“Du und deine Multis… (ihr wollt immer ne Extrawurst/ ihr seid doch beide nicht mehr ganz dicht/ die verändern dich total (zum Negativen – ich will nichts mehr mit dir zu tun haben)… )”, das wird dann schnell zum üblichen Ton.
Das Ergebnis sind Betreuer_innen, die in ihrem Team keinen Rückhalt erleben, die sich nicht trauen Urlaub zu nehmen, in Ruhe Krankheiten auszukurieren, die sich für ihre Betreuten aufopfern und die irgendwann nach 20 – 30 Jahren, bei Mindestlohn und verweigertem Streikrecht verbrennen und chronisch krank bis arbeitsunfähig bis selbst eine Betreuung, eine Therapie brauchen.

Und die Multiplen? Sind die dumm und merken das nicht? Nein. Natürlich nicht. Sie wurschteln sich zurecht, weil ihre “Krankheit” sie dazu befähigt das zu können. Am Ende einer Betreuungszeit gibt es immer die Möglichkeit zu sagen: “Na es war schwierig, aber das hat ja geklappt.”.
Die nachfolgende Person mit DIS übernimmt in der Folge ein Erbe, das sie vielleicht aufgrund früherer Betreuungen schon kennt und eigentlich loswerden wollte: nämlich den Anspruch, dass es schon klappen können muss, weil es ja bei allen Menschen mit DIS, die vorher da waren auch geklappt hat.

Für uns war ein wichtiger Schritt uns nicht mehr herzugeben für diese Dynamik.
Wir sind aus der Betreuung raus, statt zu versuchen auf Fort- und Weiterbildungen unserer Betreuer_innen zu bestehen und suchten nach einer Psychotherapeutin, die erfahren ist, aber noch keine 20 30 40 Jahre mit Menschen mit DIS arbeitet.

Es hat sich für uns gelohnt offen zu sein. Wir leben in einer Stadt, die auf vielen Ebenen gut für uns ist. Hier gibt es viele offen nicht heterosexuell lebende Menschen, es gibt viele Menschen, die den Begriff “Inklusion” nicht als feschen Sozialaufwertungbutton auf sich kleben haben, es gibt eine bunte Frauenrechtsbewegung und das Thema “Trauma” wurde und wird hier bis heute an entsprechenden Stellen diskutiert.
Natürlich haben auch wir lange nach einer Therapeutin gesucht, aber die Absagen, die wir erhielten (und die wir erteilten) basierten aber nur in 2 von 27 Fällen auf dem Umstand, dass die Personen absolut keine Ahnung von Traumafolgen hatten.

Wir sind mit einer Attitüde in die Gespräche reingegangen, die jede_n Diagnosezweifler_in darin bestätigt hätten, dass wir eine Hysterikerin (eine Fakerin) sind, die ein “diagnose passing” (also: von den Behandler_innen in dem Glauben gelassen werden, man würde diese eine Krankheit behandeln) erhalten hatte.
Für uns ist es ein Problem, dass wir an uns bemerkt haben: es gibt diese permanenten Notlösungen, weil einfach niemand sagen will, er oder sie hätte Ahnung von dem viele sein einer jeden einzelnen Person, letztlich aber doch so handeln muss.

So passiert es eben auch, dass ich hier als Bloggerin* die betroffen ist, so schnell zum Vorzeigemulti gemacht werde, obwohl ich schon die Bezeichnung “Multi” zum Kotzen finde. So kommt auch der Anspruch an mich zustande, “den Multis” doch gefälligst nicht zu schaden, indem ich bestimmte Haltungen vertrete, die für mich gut und wichtig sind. Etwa die Haltung, nach der es einfach keine inneren Terminpläne und Wechsel geben kann, oder die Haltung, dass (die meisten) Innenkinder am sichersten in der Therapie sind – und nicht im Alltag eines erwachsenen Menschen.

Ich gehöre auch nicht zu denen, die sagen: “Ja viele sein ist bei jeder Person anders” – paradoxerweise ist das für mich nicht so. Ich habe aber auch noch keine Worte dafür, was denn genau wie bei allen, die viele sind, gleich sei und ich will mich in der Hinsicht auch nicht festnageln lassen.
Überhaupt: immer wieder diese Intensionen mich als Einsmensch auf irgendwas festnageln zu wollen, weil ich etwas für die Öffentlichkeit zugänglich ausgedrückt habe.

Ich ermutige immer wieder sich bitte gerne selbst ein Blog zu schreiben, sich selbst in Worte zu bringen und sei es, das man damit beginnt auf meine Texte zu antworten, ihnen etwas hinzuzufügen, eine Gegenrede zu formulieren. Verdammte Axt- mich vollnölen und mit Forderungen zu überschütten ist so leicht, sich analog über unsere Texte und uns als Person zu beschweren und das immer schön damit zu garnieren, dass wir ja höchstwahrscheinlich gar nicht viele sind, weil man ja viel behaupten kann in diesem Internet und weil es ja gar nicht möglich sein, was wir hier alles von uns unserer Lebensrealität erzählen BLABLABLA – aber selbst den Arsch hoch zu kriegen und sich auszudrücken, sich selbst mal zu reflektieren und zu gucken: “Hm ist das denn bei mir anders und wenn ja wie?” oder “Was denke ich eigentlich über XY?” oder “Wie ist das viele sein/multipel sein/Opfer gewesen sein/ mein eigenes Sosein eigentlich für mich?”, das ist dann, aus welchen Gründen genau, nicht möglich oder zu viel … Verantwortung?

Ich habe als Jugendliche vor Betreuer_innen, die keine Ahnung hatten, bereits die Verantwortung übernehmen müssen, für jeden nach uns folgenden Menschen mit DIS zu sprechen. Es ist so klar, dass, weil die Hilfen so beschissen sind, aber alles gut ging, der nächste Mensch wieder vor dem gleichen Ding steht, wenn ich nicht das Maul aufmache oder mich aus der Nummer rauswinde und vertrete, viele sein wäre so individuell, dass man da halt eigentlich gar nichts zu sagen kann und sich auch auf nichts verlassen kann und ach überhaupt man weiß es ja nie so genau und Festlegungen gehen nicht.

Bullshit ist das. Richtig bequemer Bullshit, der einfach immer wieder dazu führt, dass keine Entwicklung passiert.
Es gibt immer noch Menschen, die sich einen sekundären Krankheitsgewinn von einer DIS vorstellen können und sich genau in dieses “Man weiß es halt nicht genau” hineinbegeben.
Ich finde es wichtig öffentlich sichtbar zu vertreten, dass (frühere) Opferschaft absolut 0 Gewinn mit sich bringt.

[Fußnote: jede Unterstützung, die wir von Leser_innen hier erhalten, all die Geschenke und Geldspenden, erhalten wir vielleicht, weil klar ist, dass wir benachteiligt sind. Vielleicht auch aus Mitleid. Vielleicht mochten sich auch Schenker_innen frei machen. Vielleicht aber, ist es einfach mal die Bezahlung, die wir nicht als Gehalt auf unser Konto bekommen, weil wir jede Woche um die 5000 Wörter schreiben und uns offen angreifbar machen, damit andere Menschen, die viele sind, die queer sind, die Opfer geworden sind; die einfach gerne hier lesen, in Worte und Ideen kommen.
Soll es geben. Vielleicht gibts das für mich – psst: ich weiß ganz sicher, dass das so ist]

Wir finden es wichtig, dass die DIS auch auf die Art besprochen und betrachtet werden kann, wie wir das jetzt machen.
Für uns ist es nicht mehr wichtig, dass Mediziner_innen uns gesund machen, weil unser Konzept von Gesundheit und Krankheit ein anderes ist, als das, was immer und unbedingt die Medizin braucht. Das geht für uns nicht mit einer Abwertung der Personen einher, für die das so ist und wir haben das sehr oft schon klar gemacht.
Für uns ist unsere Therapeutin die Person, die sich unserem inneren Chaos widmet und uns dabei begleitet, (unter)stützt es sowohl zu verstehen/begreifen und es zu sortieren ohne es zu normen. Sie ist nicht die, die uns heil macht, repariert oder uns beibringt, wie wir zu sein haben. Sie ist unsere Prozessbegleitung- nicht unsere Dompteurin.

Wir sind fertig damit unserem Umfeld zu erklären, was viele sein ist.
Gerne erklären wir das noch Menschen, die gar keine Ahnung haben. Aber nicht mehr hier im Blog, nicht mehr in unserem Privatleben als ein Mensch, der sich gut um sich kümmern möchte und der sich entwickeln will.

Wir denken oft, dass die Traumatherapieszene endlich ihren Scheiß zusammenkriegen muss und damit aufhören muss, die Leiden der Behandelten zu individualisieren, was bedeutet: dieses Leiden außerhalb (sozial)politischer Kontexte zu erfassen und zu verorten. Es muss einen Diskurs geben, in dem Lösungen gefunden werden, jeder Person einkommens-“rasse”-klasse-alters-zeit- unabhängig die Verarbeitung von Traumatisierungen zu ermöglichen und nicht den tausendsten darüber, wie und ob und nach welcher Schule und wie zertifiziert und nach wessen Lehre und wer mit wem und wo gabs mal Zwist und BLABLABLA innerhalb von episch unnötigen Diskussionen mit der Politik™ darum, was wann wie wo und ab wann überhaupt.

(Achtung ich verwende jetzt ein kollektives Wir – niemand muss sich davon angesprochen fühlen)
Wir Betroffenen müssen aber genau unseren Scheiß zusammenkriegen. Wir sind aus Gründen von Hilfesystemen abhängig – das bedeutet aber nicht, dass wir alles darin auch hinnehmen müssen, weil das ja nun einmal so ist.
Wir dürfen uns dafür einsetzen, dass unsere Betreuer_innen vernünftig fort- und ausgebildet, bezahlt und berechtigt werden. Wir dürfen uns dafür einsetzen, dass unsere Therapeut_innen nicht mehr von Gutachter_innen angekackt werden. Wir dürfen dafür kämpfen, auch dann noch als leidend und belastet und what ever gesehen und anerkannt werden, wenn wir nicht mehr tun, was diesem Stereotyp entspricht.
Wir dürfen jemand sein der viele ist – und nicht so viele, dass wir niemand sind.

Wir brauchen keine Verantwortung übernehmen, die nicht unsere ist – wir dürfen verlangen, dass die Gesellschaft, die mit dafür gesorgt hat, dass wir viele sind, den Arsch hoch kriegt und Gutmachung an uns versucht.

Wir dürfen aufhören zu glauben, weil eine Person, die viele ist, etwas für sich geltendes sagt, sei die eigene Selbstwahrnehmung des viele seins falsch.
Wir sind – es gibt uns und wir sind die Einzigen, die das konkret und richtig für uns beworten können.

Es geht darum aufzuhören sich einzelne „Viele“ rauszusuchen und als Statt-selbst-Sprecherinnen zu wählen. Wir können das und wir dürfen verlangen, dass andere zuhören und begreifen.

Ihr* braucht keine H. C. Rosenblatt, die euch Wörter gibt. Ihr könnt sie nehmen, weil sie da sind und das ist okay. Ihr könnt aber auch eigene Wörter suchen, finden und nutzen. Sie sind genauso richtig.

~ Fortsetzung folgt ~

Datensammeln (für einen bestimmten Zweck) ist Stalking

Habt ihr eigentlich verstanden, wie die geplante Vorratsdatenspeicherung eigentlich so funktioniert? Also was das soll und wieso und überhaupt?

Ich hab mich lange gescheut einen Artikel zu schreiben, der offensichtliche Parallelen zu Gewalt in Form des Stalkings, also dem Nachstellen einer Person, gegen ihren Willen und vornehmlich ohne, dass sie es weiß, offensichtlich macht.
Irgendwie dachte ich immer: Naja, die die das mit mir aktuell (und offenbar schon über ein Jahr lang) machen, haben halt Angst. Da gibt es die Not, vielleicht den Zwang mich zu kontrollieren, weil sie Angst davor haben, ich könnte sie (wieder) verletzen.

Außerdem weiß ich: sowohl mein Twitteraccount, als auch mein Blog – so ziemlich jede meiner Aktivitäten im Netz ist offen für alle, die es interessiert. Jede:r kann dort lesen, mit mir interagieren, sich Gedanken darüber machen, wer ich denn so bin.

Öffentlichkeit ist nicht gleichzusetzen mit einer Masse, der ich egal bin, oder die mir wohlgesonnen ist. Öffentlichkeit bedeutet erst mal nur: nicht privat, nicht versteckt, nicht still.
Es bedeutet nicht, dass es okay ist, mir auf eine Art nachzustellen, die bedeutet jedes meiner Worte, jedes Stück Content, in dem ich mich ausdrücke, zu sammeln, um sie im Fall eines “Fehlers” gegen mich zu verwenden.

Während wir in Sachen VDS oft darüber sprechen, wie beschissen es ist, dass unser Rechtsstaat seine Bürger_innen unter Generalverdacht von Straftaten jeder Art stellt, um Überwachung zu rechtfertigen und letztlich durchzusetzen, sind wir bei Stalker_innen, die das Gleiche tun und sich dabei mehr und mehr in diverse Gedanken und Vorstellungen verrennen, die unvorhersehbare Folgen haben können, erstaunlich ruhig.

Zu erklären ist dies wieder einmal mit der Gewaltkultur in der wir leben.
Entsprechend dieser Gewaltkultur stehen viele Deutsche da und sabbeln irgendwas von “Wenn man nix zu verbergen hat, ist es kein Problem” (ha ha) oder “Ja, was schreiben die Leute denn auch alles ins Internet” bzw. “Was machen die Leute denn auch außerhalb von rechtschaffender Arbeit und Freizeitspaß im eigenen Hinterhof noch irgendwas?”
Nun, lasst mich antworten: diese Menschen leben, interagieren, kommunizieren, versuchen sich weiterzuentwickeln, weniger einsam zu sein, manche arbeiten auch übers und manche ausschließlich fürs Internet.

Bei Stalking passiert das Gleiche und wird über bestehende Stereotype von zum Beispiel (cisheterosexueller) (romantischer) Liebe die gesamte Situation verklärt und fehlinterpretiert. „Stalker sind krank vor Liebe“ oder „Stalker sind durchgeknallte Fans“, heißt das dann.
Bei Personen des öffentlichen Lebens, bzw. Personen, die für die Öffentlichkeit zugänglich und sichtbar arbeiten, übersieht man daher oft Personen, die auf eine Art stalken, die nicht mit täglichen Anrufen, Auflauern in der Öffentlichkeit oder allgemeiner: Kontaktaufnahmen allgemein einhergeht.
Was am Ende dennoch gleichsam zu victim blaming (also dem Verantwortlichmachen der Person, die zum Opfer einer Gewaltausübung wurde) führt.. Das sind dann Sabbelphrasen wie: (okay Achtung jetzt kommt ein Knaller) „Wieso schreibst du denn auch ein öffentliches Blog?!“ oder „Wieso machst du denn auch dein Leben so öffentlich?!“ oder „Wieso twitterst du denn öffentlich?!“.

Ah well…
Also ja: ich werde gestalkt – immer noch und von zwar von jemandem, den ich nicht kenne. Also außerhalb des Internet. Ich kenne weder den Klarnamen, noch den Wohnort, noch sonst irgendwas, was dieser Person zu einer Struktur und Konsistenz über ihren Nicknamen in einem Forum, in dem wir gemeinsam aktiv waren, hinaus, führen könnte.
Umgekehrt ist das anders.
Für uns ist es kein Problem gewesen, sich gegenüber jemandem mehr zu öffnen, mit dem man fast täglich schreibt, weil Kommunikation und Miteinander so funktioniert. Auch übers Internet. Es gibt keinen einzigen Grund, weshalb man die Kommunikation in “Netz” und “Echt” einteilen sollte.

Und dann kam der Bruch und damit die Notwendigkeit mich zu kontrollieren.
Unter dieser Notwendigkeit wurde alles, was ich tue, schreibe, öffentlich mache zu etwas, das man sammeln und auf Verdächtigkeiten hin durchsuchen muss.

Der Generalverdacht ist im Fall von (anonymem) Nachstellen (im Netz) in der Regel der, dem Nachstellenden irgendwas zu tun.
Irgendwas wegnehmen, irgendwas kaputt machen, irgendwas unangenehm machen, irgendwas böses tun.
Keine der Informationen, die diese Person je von mir erhalten hat, reichen ihr, mich als jemanden anzuerkennen, den man beruhigt aus seinem Alltag streichen kann. Kein Wort von mir selbst – willentlich, gezielt und ausschließlich an diese Person gerichtet, hat Bestand – weil ich mindestens eine Lügnerin bin, die dieser Person irgendetwas tut. Etwas Schlimmes. Natürlich. Kennt man ja von mir.

Häufig geht es dann beim Akt des “Recherchierens” (the fuck: des stalkens!) darum, die Öffentlichkeit™ vor der bestalkten Person und “ihren Umtrieben” zu warnen, oder im Fall von Konflikten: Beweise über Beweise über “das wahre Gesicht” auffahren zu können. Bei manchen Personen geht es auch darum auf ein Moment hinarbeiten zu können, in dem sie sagen können: “HAB ICH EUCH DOCH GLEICH GESAGT.”, was dann eben auch mit Narzissmus zu tun hat bzw. mit so einem Wunsch nach Anerkennung für all die investierte “Arbeit” und “die Schläue”, sich von niemandem reinlegen zu lassen.

Kennt ihr die Entstehungsgeschichte des Begriffs “die Achse des Bösen”? Oder, um ein eurozentrisches Beispiel zu nehmen: des Ministerium für Staatssicherheit in der DDR?
Es ist das gleiche Strickmuster im Format 1: X  und immer geht es um Macht durch Kontrolle und nicht um Sicherheit durch Solidarität, Miteinander und Vertrauen. Es geht darum etwas zu sichern und zu verteidigen.

Ich denke, der Vergleich sei zu groß. Irgendwie übertrieben, weil … ta daaa: Frau Rosenblatt hat auch ihre Vorurteile, was traumatisierte Personen angeht.
Mein Verstehen der Lage von Menschen, die ihr Leben lang getreten wurden, führt mitunter dazu, dass ich grenzverletzendes Verhalten anders werte, als bei Personen, die ich nicht als Personen lese, die Gewalt erfuhren. Ich entschuldigte auch das Stalking der Person, von der ich sicher weiß, dass sie meine Texte und Tweets liest um sich in meiner Boshaftigkeit, Falschheit, Lügerei zu bestätigen, genau damit, dass sie halt kognitive Verzerrungen erlebt, weil alles in ihr auf Verteidigungsmodus ist. Weil sie, wie ich vermute, (Todes?) Angst hat.

Das Problem damit ist natürlich, dass ich mich über sie stelle – also ganz klar, es ist nicht cool jemandem abzusprechen noch ganz klar im Kopf zu sein, nur, weil si:er Dinge tut, die ganz und gar nicht danach aussehen.
Und es ist natürlich ein Problem, weil ich in das Verhalten der Person etwas hineindeute, das sie mir selbst nicht mitgeteilt hat.

Die Frage ist halt, ob diese problematische Situation gelöst werden kann, indem ich mit dieser Person spreche, wenn doch aber alles, was ich sage in ihrem Kopf als Lüge, List und Gefahr für sich selbst anzukommen scheint bzw. sie sich so verhält, als wäre dem so.
(Hint: nein diese Situation ist nicht lösbar – sie ist nur verschiebbar – siehe: Entwicklungsgeschichte des Begriff “die Achse des Bösen” und “Stasi” )

Was also jetzt?
Ich habe vorhin recherchiert, dass es in jedem fünften Fall von Stalking zu körperlicher Gewalt kommt und jede 400ste Frau* von ihrem Ex-Partner* getötet wird. Außerdem habe ich kurz nachgesehen wie viele Menschen von der Stasi und im “Krieg gegen Terror” ermordet wurden.

Dann habe ich mich erinnert, was ich damals alles in meinen Accounts und auch hier im Blog verändert hatte, nachdem die stalkende Person mir mit irgendeiner abstrusen Mischung meiner Daten und ihren Unterstellungen Angst gemacht hatte und klar war, dass keine wie auch immer geartete Reaktion von mir das klären und richtig(er) stellen kann.

Damals hatten wir noch nicht viel Reichweite hier und schrieben noch einfach so drauf los. Wir beschrieben Krisen, beschrieben, was wir in der Therapie besprechen, schrieben darüber, was wir erinnerten.
Der Blick von einer Person, die mich beim Lügen erwischen wollte, sorgte dafür, dass ich anfing zu lügen. Ich verfälsche Orte, straffe Dialoge, verändere Verläufe. Das Blog von Vielen ist weniger authentisch geworden, ich führe Blogs, die niemand lesen kann. Schweige über Dinge, über die ich früher geschrieben hätte.

“Was schreibst du auch dein Leben ins Internet – bist selber schuld, wenn Leute das lesen und sich Bullshit draus stricken” – wie oft mussten wir uns schon mit dieser Form des victim blaming auseinandersetzen?
Ich habs nicht gezählt, weil ich irgendwann anfing zu zählen, wie oft “Die Opfer müssen sich zeigen!” oder “Die Opfer müssen sichtbarer werden” in Veranstaltungen zu Gewaltprävention und Strafverfolgung von Gewalttaten gefordert wird.
Für uns ist klar, dass wir aus vielen Gründen, die wohlbemerkt nicht alle etwas damit zu tun haben, dass wir uns vor Täter_innen schützen müssen! , nicht einfach ins Fernsehen setzen oder eine Biografie schreiben. Für uns ist das Bloggen, das Twittern, das Einnehmen von virtuellem Raum die barrierenärmste Option um selbst mit dem Thema und der Auseinandersetzung damit sichtbar zu werden.

Wir sind nicht eng verbunden mit “der Betroffenenszene” bzw. der “Multiszene”. Aus Gründen, die auch mit dieser stalkenden Person und eben zunehmender Netzreichweite zu tun haben. Wo können wir uns denn wohl noch offen austauschen? Für wen sind wir denn nicht mehr das Bild, dass sie sich über das Blog oder Twitter oder auch Facebook von uns gemacht haben? Es gibt für uns keine Optionen des breiten Austauschs mehr und außerhalb existenzieller Krisen oder großer Umschwünge leben wir auch einfach irgendwie damit, wie wir früher damit gelebt haben, dass andere Menschen bestimmen, was von uns wie zu lesen ist und welche Auswirkungen das auf unsere Möglichkeiten hat.

Und dann haben wir einen Fehler begangen. Beziehungsweise: unser Kopf, in dem es nun einmal eine DIS gibt und Hals über Kopf stecken wir als Einsmensch in der Scheiße und müssen versuchen das irgendwie zu regeln.
Was gerne vergessen wird in dem Bild von uns übers Blog ist, dass wir nachwievor mit der kompletten Symptomatik einer DIS leben. Das heißt: mehrere Leben nebeneinander, mehrere innere Haltungen nebeneinander. Wir verlieren Zeit, verletzen uns massiv selbst, haben schwerwiegende psychosomatische Ausfälle und schlafen im Moment so ungefähr 3-4 Stunden am Tag. Wir leben mit Flashbacks und der Not, die man eben hat, wenn man nicht weiß, ob “echt” ist, was man erinnert.

Wir leiden. Hier schreibt ein Mensch, der wirklich und echt auch, neben ganz vielem anderen: leidet.
Egal, ob unsere Texte anderes vermuten lassen oder nicht, ist es da und es wirkt sich aus.

Irgendwann gab es eine erneute Anmeldung in dem Forum mit der stalkenden Person drin und wir haben es nicht sofort bemerkt. Es wurde ein anderer Name gewählt, einige Beiträge geschrieben und scheinbar gab es keine Schwierigkeiten. Aufgefallen ist uns das erst, als wir unsere Passwortänderungsrunden durch die Mailpostfächer machten. Wir haben versucht uns zu kümmern, haben Bescheid gegeben und uns mit der Not der Innens, die sich da angemeldet haben zu befassen versucht.

Ratet, wie das bei jemandem ankommt, der unsere verlogene Falschheit ja schon immer auf dem Schirm hatte.

Tja. Ja.
Ich habe aus diesem Fehler (oder wie ich es lieben nennen würde: dem Versuch meines Innens, sich irgendwie Unterstützung durch Austausch mit gleichermaßen Betroffenen zu holen in einer Zeit, in der es ihm sehr schlecht geht) gelernt:
– ich muss meinem Innen erneut reingeben: “Selbsthilfegruppen und – foren sind nichts für uns. Austausch mit anderen Betroffenen ist nicht für uns.”, mit allen Konsequenzen, die das hat (Isolation, Überforderung, das Gefühl mit seinen Erfahrungen und Gedanken dazu allein bleiben zu müssen, zum Beispiel)
– Menschen fühlen sich gezwungen gut zu finden, was wir hier versuchen auch für Personen zu tun, die zu Opfern von Gewalt wurden und verlangen von uns mit einer DIS zu leben, wie sie das für wahrhaft halten und was wahrhaft ist, bestimmen sie (nicht wir, obwohl es um uns geht, weil wir schlecht/falsch/böse/verlogen sind – für sie)
– die Person stalkt uns noch immer (mit allen Folgen, die so lange gepflegter Generalverdacht eben hat) [und ja the fuck nicht jede_r Stalker_in ruft täglich 20x irgendwo an – manche hocken auch einfach in einem Eierkopfaccount bei Twitter und sammeln Daten zum Zwecke der sozialen Zerstörung einer Person]

Das ist, was man persönlichen Fehlern ja auch mal zu Gute halten kann: es gibt immer etwas zu lernen, was über die Verhinderung in der Zukunft hinaus geht. Wir kriegen das nicht zu 100% sicher hin Dinge nicht zu tun, die wir uns ganz fest nicht zu tun vorgenommen haben.
Ich stehe jeden Morgen auf und widme mich dem Leben – ich denke das beweist diesen Fakt ganz gut.

Heute morgen irgendwann kam mir der Gedanke, das mein Leben ziemlich schlimm ist und merkte, wie in mir drin etwas aufatmete.
“Ja, so soll das auch sein. Du hast nichts anderes verdient.”.

Wie schlimm mein Leben tatsächlich ist, wurde mir erst damit wirklich bewusst.

 

 

P.S. Nein, gegen Stalker_innen, die öffentliche Daten lesen und sich Hirnmüll daraus basteln, kann man sich nicht wehren.
Aber es gibt
eine interessante Webseite, die sowohl allgemeine Informationen, als auch Optionen für Stalkende, wie Gestalkte aufzeigt. Das, was wir hier erfahren ist eine Form des „Cyberstalking“, die leider von ausübenden Personen mit üblicher Recherche bzw Mediennutzung verschleiert werden kann. Da bestehende Strukturen auf physikalische Handlungen ausgerichtet sind, ist klar: Ich bin der destruktiven Intension des Geistes dieser Person mehr oder weniger ausgeliefert.
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So hoffen wir einfach, dass uns die stalkende Person weder körperlich angreift, noch tötet, weil sie meine Furchtbarkeit nicht erträgt und sie der Welt nicht länger zumuten will.