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Den ganzen Tag hab ich darauf gewartet, irgendetwas Unerwartetes kompensieren zu müssen, also habe ich alles erwartet. Einen alten Schienenersatzverkehrsbus, der NakNak* und mich eine Stunde lang durchschüttelt. Mal wieder eine Zugverspätung. C. mit einem Thema auf das ich nicht vorbereitet bin. In der Schule ist irgendwas gruselig anders. Die Therapiestunde enthält merkwürdiges.
Nichts davon ist passiert, obwohl doch auch, aber nicht so wie erwartet.

Es kam ein kleiner moderner Bus, in dem wir sogar eine Weile die Augen zu hatten und die Sonne auf dem Gesicht und NakNak* auf dem erspürten. Wir waren pünktlich am Zielort, C. war gar nicht da und in der Schule war alles wie immer außer hammergeilen neuen Arbeitstischen. Unbehandelte Massivholzplatten, helles Untergestell, etwas rauh, perfekte Höhe, noch kein einziges Krakel dran. Geil einfach.
Die Therapie war okay. Nicht merkwürdig. Ich war merkwürdig. Obwohl – vielleicht kommt mir das nur so vor. Ich hab mich über mich gewundert, ich kam mir merkwürdig vor. Bin froh morgen wieder zu Hause zu sein, an meinen Sachen arbeiten zu können, einen schönen Auftrag jetzt ganz bald beenden zu können. Ungefähr 120 Kilometer Abstand zu kriegen.

Ach und es ist doch etwas Unerwartetes passiert. Ich hab den Schlafanzug zu Hause vergessen und besitze jetzt lange Thermounterwäsche, die ein neuer Schlafanzug ist.
Gut, dass manche Dinge mit Geld kompensierbar sind.

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Die körperliche Komponente der Erschöpfung lässt nach und macht einem Britzeln unter der Haut Platz. Alles ist langweilig, kaum etwas hält wirklich lange bei der Stange. Und wenn es packt, dann packt es gleich ganz, führt zu Anflügen von Beklemmung und streift zuweilen den Kippschalter zur Angst. Es ist ein unangenehmer Zustand und woanders lang als hindurch gehts nicht.

Ich hab keinen Bock auf Rumgedeute, woran das jetzt alles liegt. Blabla das ganze Jahr bis jetzt bli blubb die ganzen Termine der letzten Wochen, dies das oh und nächste Woche dieses Anhörungsdings – äh ach und sag, ist jetzt nicht auch November tatütataaaa
Bla.
Es ist wurscht. Bringt mir nichts. Erklärt nicht mal was, weil es ja alles ist und sein könnte, aber vielleicht auch nicht. Vielleicht ist grad einfach nur so mal kurz Ende Gelände. Wird eine Nullinie gebraucht, weil wir auch nur ein Mensch sind. Mit einer gewissen Kapazität und der gleichen Chance, wie alle anderen Leute auch, daraus das Bestmögliche zu machen oder wenigstens zu versuchen.

Das Schreiben für das Schreibprojekt fließt immerhin. Langsam, nicht sonderlich gut, aber es kommt. Wenigstens das.

 

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Nightwish. Klapskindjahre. Es ist jetzt 16 Jahre her.
Und dann: wir hier in dieser großen Wohnung ganz allein, der Freund flauscht NakNak* nach dem Spaziergang, wir können hier schalten und walten, wie wir wollen.
Das ist alles be.merk.würdig.

Wie er seine CD’s durchwühlt, die bunten Haare im Gesicht, in meinem Schlafanzug, mein Abendbrot für den Freund und mich auf dem Herd. Er ist älter geworden, hat aufgehört zu rauchen, will im Frühling nicht mehr raus raus raus weglaufen. Seine Spannung ist eine andere als damals und doch noch immer irgendwie verloren. Er beobachtet mich und wackelt den Kopf mit dem Takt der Musik. Wartet auf mein Unbehagen über die Lautstärke. Ich deute auf das Umunsherum und sage ihm, dass auch um dieses Haus herum nicht viel ist. Wir wissen beide nicht, was das genau bedeutet, nur, dass es für jetzt okay ist.

Die Klapsmusik in laut anhören. Das bricht etwas auf, ohne, dass ich sagen könnte was. Es macht einen Unterschied, ob man sich in dem Raum zwischen zwei Kopfhörern versteckt oder eine Wohnung zu eben diesem Raum macht. Zu dem Raum für sich allein.

 

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Die 7 fehlt und das wird wird mich lange nerven. Egal. Sie fehlt, vieles andere fehlt auch. So ist das jetzt gerade.

Heute hat die Leere im Kopf Raum bekommen. Wir haben die Hecke gestutzt, das Gekruschel auf den Haufen zum anderen Gekruschel geworfen und dann ging die Sonne unter.
Jetzt tun mir die Oberarme weh, der Freund kam gerade mit den Hunden zurück.

Ich würde gern etwas geistreiches schreiben oder machen, aber ich bin gerade geistarm. Und nicht mal die Gelegenheit, um irgendwas über Geistarme zu schreiben, kann ich gerade nutzen. Oh da doch – haha Geistarme.

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Geschafft, was geschafft werden musste. Danach Sims 3.
Das war wichtig und gut wie immer. Runterfahren, absolute Redundanz, Vorhersehbarkeit, ein Ablauf nach dem anderen, 100% Erfolgsgarantie. Soziale Interaktion, die keine ist, aber doch so wirkt.
Sims 3 zu spielen, ist Stimming für uns. Die schwere Decke dabei auf den Beinen, NakNak* im Sessel neben uns. Für einige Stunden ganz allein. So gehts.

Uns gehts nicht gut gerade. Aber es – das Leben, der Lauf der Dinge – geht gut. Es ist kein Stillstand. Nur langsamer. Mit mehr Schlafen, mehr Ruhe, mehr langsam, mehr eins nach dem anderen, damit der Salat kein Feuer fängt.

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Kommentarthread auf einen Kommentarthread auf ein Video in dem Menschen von Angriffen durch Tierrechtsaktivisten berichten, weil sie einen Assistenzhund führen.

Diese Debatte ist mir inzwischen so leidig. Es widert mich an, es macht mich wütend. Und ja nein, nichts an meinem Thread urteilt über Haus.Tierhalter_innen. Es urteilt über die Gewalt, die mit der Tierhaltung verbunden ist und ihrer Normalisierung.

Wie sehe ich mich selbst als Hundehalter_in? Ich sehe mich als Menschen, der einen Hund ausbeutet, um selber klar zu kommen. Ich sehe, dass ich in gewaltvollen Kontexten lebe, die es mir leichter machen, ein Tier auszubeuten, als eine gesellschaftliche Lebensituation herzustellen, in der ich keinen Assistenzhund brauche, um so selbstständig zu leben, wie ich das jetzt tue.

Niemand gewinnt, niemand ist „gut“, wenn es Gewalt ist, welche die Vorteile erbracht hat.

Niemand. Nie. Jemals.

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Erstaunlich ist, wie gut wir die Zugfahrten inzwischen hinkriegen. Wenn alles klappt. Aber auch, wenn nicht.

Ich denke manchmal, dass ich gern mehr von der abgrundtiefen Verzweiflung äußern würde, die ich fühle, wenn meine Fahrpläne mit 2 bis 4 Umstiegen kaputtgehen. Dann will ich 5 sein und das gesellschaftliche Okay für einen spontanen Schreulkrampf am Bahngleis haben. Dann will ich 5 sein, damit mein Gefühl vom Lauf der Dinge ausgetrickst und verraten worden zu sein, mit etwas anderem erklärt werden kann, als irgendeiner persönlichen Verkorksung.

Wir fahren inzwischen jeden Montag und Dienstag mit den Regionalbahnen zwischen NRW und Niedersachsen hin und her. Ein Mal im Monat fahren wir nach Münster, diesen Monat dazu noch ein Mal nach Berlin und ein Mal nach Hannover. Meistens ist NakNak* dabei, meistens ist es unangenehm, dass sie dabei ist, immer ist es gut, dass sie dabei ist. Wir würden das so nicht ohne sie schaffen.

Nicht ohne sie, nicht ohne den Freund, nicht ohne C., nicht ohne die Betreuung, nicht ohne andere Unterstützungen.

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Der Freund kennt die Gilmore Girls nicht, deshalb schauen wir uns jetzt die Serie an.
Jeden Abend. In seinem Wohnzimmer, auf der Couch, unter flauschigen Decken, zwischen uns die Hunde.
Das macht was und es ist gut.

2

Zweiter Tag, wieder sehr spät.
Ich wäre gern davon überzeugt, heute etwas geschafft zu haben, aber es geht noch nicht.
Da ist etwas Unterbittliches. Genauer: Jemand, die_r unerbittlich mehr von mir erwartet, als meine Entspannung, mein Ausruhen. Dabei gehört das genauso zur Arbeit, wie das unentwegte Produzieren.

Da wird kein konkreter Anspruch formuliert. Deshalb denke ich an ein Kinderinnen, das nie verstanden hat, womit es konfrontiert war oder ein Täter_innenintrojekt. Also auch wieder ein Kinderinnen, das nie verstanden hat, womit es konfrontiert war. Nur anders.
Ach ach, es ist immer so kompliziert.

1

Im November wird wieder geschrieben.
Ich denke, dass es mir gut tun würde, jeden Tag etwas aufzuschreiben. Egal was. Hauptsache Wort.
In der letzten Zeit kommen wir nicht viel zum Schreiben, selbst dann nicht, wenn wir Zeit dafür haben. Die Ruhe fehlt. Das Sitzen auf der Essbank, mit dem Rücken zum Bullergeddo, den Füßen in den Kniekehlen.

Und die Konsistenz. Wir sind umgezogen und der Zug ist noch zu spüren.
Wir arbeiten zu viel, ich spüre die Erschöpfungsdepression und habe nur „Jetzt noch ganz schnell hiermit fertig werden – losloslos“ dagegen in petto. Jeden Tag etwas aufschreiben, das würde etwas Stabilität bedeuten. Vielleicht. Das tägliche Zeichnen hat diese Stabiltät nicht gebracht. Im Gegenteil. Sie hat aufgezeigt, dass wirklich 3 Jahre vergangen sind ohne, dass ich das Zeichnen geübt oder weiterentwickelt habe. Es zeigt mir mehr Arbeit, die vor mir liegt. Vielleicht ist das die wahre Challenge hinter dem Inktober. Das zu merken und nicht frustriert allen Murks im Mülleimer zu versenken, das restliche Zeichengedöns gleich hinterher.

Ich probiere das mit dem täglichen Schreiben.
Da ist ein angefangenes Buchprojekt und ein Loch, wo mal guttuende Routine war.