drei Nummern größer oder alte Kontakte neu erleben

Vor ein paar Tagen schrieb ich es in einer Email: “Das sind die Tücken von Krisen: Man kann daraus auch so groß wieder herauskommen, dass man ein neues Paar Schuhe braucht haha “

Wir haben im Zuge des “den hyperaktiven Kraken machens” Kontakt aufgenohmmen zu Menschen die uns früher ein Stück weit begleiteten auf verschiedene Arten.

Und wieder einmal habe ich in verschiedene Fenster blicken können. Es gibt Menschen mit denen wir damals viel Zeit verbrachten und die absolut erschüttert über unser jetziges Leben sind. Und es gibt Menschen, mit denen ich weniger eng oder intensiv oder bei denen wir weniger Nähe zulassen konnten, die uns nun in Gänze sehen- die jeden Schritt- jeden gewachsenen Zentimeter an uns zu schätzen und zu würdigen verstehen.

Was für eine Erfahrung!

Zum Einen fühle ich mich bzw die Innenkinder-Jugendliche darin bestätigt, dass anscheinend wirklich nicht jeder unsere Not und unser Elend wahrnahm- aber zusätzlich kommt auch mehr Verständnis dafür auf, warum nicht. Was es natürlich nicht besser macht- aber es wird greifbarer und erklärbar. Echter. Es gibt uns mehr in die Hand, um jenen Innenkindern und Jugendlichen eine Art Trost zu reichen, der ihnen vielleicht beim (Nach)Wachsen hilft.

Da war zum Beispiel eine Musiklehrerin. Jemand von uns hat bei ihr Klavier gespielt und eine kleine Insel im Alltag gehabt. Dieses Jemand hatte kein Wissen von unserem Doppel-Dreifach-Vierfach- multidimensionalen Pseudoleben. Ob dieses Jemand viel mehr gesehen hat, als die “Musikwelt” in der wir aktiv waren, ist bis heute unklar. Was hätte das Jemand also der Lehrerin vermitteln können? Gequetschte Finger, Brandblasen, entzündete Nägel, später dann Wunden in Handgelenknähe- das war alles Unvorsichtigkeit eines Mädchens das halt wild ist und die Klavierstunden als Ausgleich und Konzentrationstraining braucht. Die Eltern dankens ja.

Wir sind heute ein bisschen traurig. Und enttäuscht. Vielleicht gekränkt, nicht genug wahrgenohmmen worden zu sein. Aber mal wieder auch sehr verständnisvoll. (Mensch-ehrlich wir müssen uns das abgewöhnen- so kommt man nie dazu auch der Wut Raum zu geben.)

Ich habe mit der Lehrerin gesprochen. “Wie du arbeitest nicht? Du hast doch soviel Potenzial! Was ist aus deiner musikalischen Ausbildung geworden? Du bist so begabt! Ich habe gern deine Kompositionen gehört! Wofür hast du das aufgegeben? Was ist passiert?!”.

Einen (ganz flachen) Austausch (“Ich bin erkrankt und das hatte mich aus der Bahn geworfen”) später ist klar, warum auch dieser Mensch für uns nie Rettung hätte sein können. Es fehlt das Wissen darum, dass es eine Hölle auf Erden geben kann. Zu behütet, zu weit oben im System, zu sicher, zu gefestigt.  Wir hätten- selbst wenn besagtes Jemand ihr etwas vermitteln hätte können- enorm an ihrem Weltbild rütteln müssen und sie hätte es zulassen müssen.

Das ist etwas, das unter Umständen sehr viel (Gegen)Wert erfordert. Wir haben uns damals (und viele von uns tun das bis heute nicht) nicht für so wertvoll gehalten, dass ein Kämpfen “die Sache” (von der ja nie klar war, was sie a) eigentlich ist und b) was sie bedeutet bzw. was ein Leben in ihr bedeuten könnte!)  wert sei.

So nehmen wir heute die Begegnung mit dieser Lehrerin auf als Bestätigung dessen, was uns unsere ehm. Therapeutin auf ihre Art versuchte zu verdeutlichen: Damals war alles anders- wir waren anders und wir haben auf die Art überlebt, wie sie einzig möglich war. Etwas Anderes von sich zu erwarten (bzw. wütend über das eigene Handeln damals zu sein) oder auch von (manchen) Anderen (nicht den Tätern) zu erwarten, wäre nicht gerecht. Wir würden mit unseren Riesenschuhen von heute, die Babysteps von damals niedertreten und die verletzten Innenkinder und Jugendlichen in ihrer Not bestätigen.

 

Wir haben auch Kontakt aufgenohmmen mit Menschen deren Wertschätzung unserer Person schon damals bewusst war. Die uns schon früher mehr angenohmmen haben, als wir uns selbst. Die uns die Art bedingungsloser Zuwendung schenkten, die jeder Mensch bekommen sollte. Damals war es in unserem Kosmos vermutlich  noch die blanke Überforderung und vielleicht auch Angst.

“Du bist nicht jeder Mensch”,

“Du bist [… Entwertendes…]”

“Deine Bestimmung ist es […Platz für Pseudoreligiösität…] “

Alles das ist um so vieles mehr verankert und eingeprägt als jede Wertschätzung und Zuwendung, dass wir früher noch nicht viel mehr tun konnten, als entweder abzuwehren oder nach aussen anzunehmen, um es dann in einem Akt der stellvertretenden Zerstörung von uns zu weisen.

Nun habe ich Kontakt aufgenohmmen zu zwei Menschen, die nie aufgehört haben uns zu vermitteln, dass wir ihnen nicht egal sind. Dass wir für sie von Wert sind. Dass sie uns mögen so wie wir sind- mit Allen und Allem drin. Obwohl uns soviele Jahre trennen und wir uns eigentlich gar nicht mehr kennen.

Was für ein Geschenk!

Kann es eine bessere Begleitung beim Einlaufen der neuen (größeren) Schuhe geben?

Wohl kaum!

auf wundersame Weise oder: Psychopharmaka- wenn man schluckt was man fühlt- obwohl man gar nichts fühlt

Psychopharmaka

Sag dieses Wort zu mir und in meinem Kopf ploppen die Tabellen, Listen, Berechnungen und halbe Neurologiestudiengänge auf.

Wie bereits berichtet Klick setzten wir in einem Anfall von “Verdammte Hacke 10 Jahre künstliche Stimmung- ich schmeiß die jetzt alle weg”, alle unsere Medikamente ab.

Zu diesem Zeitpunkt schluckten wir etwas gegen Depressionen, tropften uns in den Schlaf mit Neuroleptika und betäubten aufkommende Panik mit chemischen Tranquillanzien. Trautes Trio für inzwischen fast jeden Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Traumafolgestörung.

Die Verordnungen von Medikamenten denen eines gemein ist- nämlich die symptomatische Beeinflussung von psychischen Erkrankungen bzw. Leiden, welches nach psychischer Erkrankung aussehen könnte (eventuell vielleicht…)- ist in den Jahren von 2000 bis 2009 wie folgt angestiegen:

Antidepressiva 419 Mio. DDD – 1058 Mio. DDD

Neuroleptika 219 Mio. DDD – 294 Mio. DDD

Tranquillantien 185 Mio. DDD – 133 Mio. DDD

(DDD=  defined daily dose Quelle: klick  )

Wer ausser mir hört noch dieses Klingeln?  Nein nein- keine Stimmen! Es ist ein lautes überdeutliches Klingeln! Und zwar in den Kassen der pharmazeutischen Unternehmen.  Naja- von irgendwoher muss ja die Rettung kommen. Jemand muss die Pille ja erfinden, produzieren und verkaufen. Ist doch nur gerecht, wenn jemand der dafür sorgt, dass es so vielen Menschen besser geht und dafür dann Geld erhält.

Ja. Richtig.

WENN es den Menschen dann wirklich besser geht! Befindet sich etwa flüssiges Glück in den kleinen Tablettchen, Tröpfchen und Pastillchen? Felix felicis! Ist Harry Potter mit seinem Zaubertrankbuch etwa bei Pfitzer und Eli Lilly angestellt?!

Nein, natürlich nicht. (Wir Unschizophrenen wissen das ja lol )

Warum nehmen dann soviele Menschen diese Mittel ein? Und wieso werden es immer mehr?

Für mich ist die Antwort inzwischen ziemlich klar:

Leidensdruck bei gleichzeitiger Alternativlosigkeit; chemische Gewalt durch Ärzte in der Psychiatrie und inzwischen auch in Altersheimen und: (gezielte) Desinformation zum Zwecke der Wirtschaftlichkeit von künstlicher Befindlichkeit. 

Ich erinnere mich als wäre es gestern an meinen ersten Besuch bei einer Psychiaterin. Wir gerade 15 Jahre alt, bereits zweimal in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Diagnose “Anpassungsstörung, Borderline Syndrom”, selbstverletzendes Verhalten

Nach einem Gespräch von insgesamt 10 Minuten ging ich mit einem Handzettel für meinen nächsten Termin (6 Monate später) und einem Rezept über Antidepressiva in der Hand hinaus. Mein Leidensdruck war riesig. (Wie riesig wusste ich aber damals noch nicht) Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits 6 Suizidversuche überlebt und hatte überhaupt keine Ahnung wieso ich das getan hatte (ICH hatte das ja auch nicht getan…).  Jeder Helfer aussen nahm eine Not war und konnte aber nicht so helfen wie er vielleicht gewollt hätte. Man brauchte eine schnelle effiziente, kurzfristig wirksame Lösung. Sonst hätte es ja beim 7ten Versuch klappen können und man hätte sich der Frage stellen müssen: Wieso wurde nichts unternohmmen?   (So gesehen kommt mir die tägliche Pille fast wie ein Entschuldigungsbonbon vor)

Also Antidepressiva. Aus meinem bereits existierendem “Mittelstimmungsfeld” wurde ein :

“MIttel”= es geht mir gut

“niedrig”= es geht mir nicht so gut

Ich habe mich immer neutral gefühlt vorher. ich war nie traurig- nie obermäßig happy. Ich fühle mich wie ich bin: neutral- alles ist da- alles okay- alles hat seine Seiten und ist eben wie es ist.

Unter diesem Mittel wurde ich: depressiv und latent suizidal. Meine Fähigkeit alle Seiten beleuchten zu können wurde einwattiert und unbrauchbar. Diese Empfindungen sind übrigens sogenannte “paradoxe Nebenwirkungen” wie sie insgesamt recht häufig auftreten (es handelt sich hier also nicht um ein besonders seltenes Phänomen- sondern um etwas, dass man billigend in Kauf nimmt)

Ich konnte das alles damals überhaupt nicht kommunizieren- deshalb sind Verordnungen dieser Mittel an unter 18 jährige Menschen auch eher in einer psychiatrischen Kliniken oder in einem allgemein streng überwachten Setting angesagt. Bei uns war das in der Form gar nicht möglich, weil dann ja schon unser Flipperkugelleben durch die verschiedenen Heime und Kliniken losging. Die Namen der Präparate änderten sich und irgendwann kam es bei uns ja auch zur – so scheints-  unvermeidlichen Diagnose der Schizophrenie (ehrlich- ich werde nie verstehen, wieso jede/r Multiple, den ich bisher (ob virtuell oder real)  traf mindestens einmal als psychotisch oder schizophren diagnostiziert wurde).

Nun kamen noch die Neuroleptika dazu. Ohne Diagnostik, Nennung einer Alternative, ohne Hinweise auf Nebenwirkungen und ohne Hilfe beim Umgang mit selbigen. Da waren wir gerade 16. Von 59 auf 78 Kilogramm in 2 Monaten- und niemand hat was dazu gesagt ausser: “Ja keine Sorge- das ist bei allen so die das Mittel bekommen.” Großartig. Ganz großartig.

Unser Gehirn war zu der Zeit im biologisch bedingtem Umbau. Es bildeten sich noch immer Verbindungen. Wenn man 16 ist dann schreiht der Körper: “Attacke- jippie yeah- auf zur vollständigen Reife!!!”   Ob und wenn ja was genau aus meinem Gehirn noch (mehr als jetzt) hätte werden können, wenn es nicht so tiefgreifend gestört worden wäre, mag ich mir gar nicht so genau ausmalen. Zum Glück ist die Forschung in dem Punkt auch noch nicht so weit, als dass ich anfangen könnte traurig darüber zu werden.

Fakt ist, dass bei unsin unserem speziellen Fall– diese Mittel im Grunde – zu genau diesen Zeitpunkten und unter diesen Umständen ein schlicht falsches Hilfsmittel waren. Uns wäre geholfen gewesen, wenn wir sicher gewesen wären. Angenohmmen, respektiert und nachsozialisiert. Uns hätte viel erspart werden können. Wir wären ein sehr viel billigerer Patient gewesen, wenn wir von vornherein schlicht und einfach einen richtig ordentlichen Traumatherapeuten vor die Nase gesetzt bekommen hätten, statt ein Rezept nach dem anderen.

Später kam die richtig fette PTBS. Natürlich dann als die Gewalt und der Stress von aussen nachliess und Selbstbestimmung wirklich und echt möglich wurde. Es gab Zeiten in denen Schlaf nur alle 3-4 Tage möglich war. Wochen und Monate an denen kaum ein Tag ohne Panik, Angst oder Flashbacks verging. Da bekamen wir dann den nächsten chemischen Freund- nennen wir ihn mal “BENZO”.

Benzo trat in unser Leben und es wurde schön. Schlafen ging mit Benzo, denken ging mit Benzo, leben ging mit Benzo. Angst ging weg mit Benzo. Angst vor Angst ging mit Benzo.

Jaaaa bis dann auf einmal ganz ganz viel Benzo in unserem Leben war. Soviel Benzo, dass man gar nicht mehr ohne konnte!

Der Entzug war kompliziert- aber es hat geklappt. Ein Erfolg den wir mit jeder selbst durchstandenen Krise zementieren müssen, um uns von unseren Fähigkeiten zu überzeugen.

Wir haben inzwischen viel gelernt um Angst vor der Angst, Panik der Innenkinder, Flashbacks, Bildererleben und Intrusionen selbst  und aus uns heraus zu versorgen. Ich schreibe hier ganz konkret nicht: “zu bewältigen” oder zu “überwinden”, weil es darum nicht geht. Angst ist wichtig, Flashbacks erfordern aufmerksames Analysieren und Wahrnehmen der Ursache, Innenkinder brauchen unglaublich viel Fürsorge… (überwinden und bewältigen können nur Medikamente- aber nicht das was das Problem ist- sondern den, der mit dem Problem zu kämpfen hat!)

Nun ist seit unserem eigenmächtigen Absetzen der Medikamente 1 Jahr vergangen.

Wie ich damals bereits beschrieb haben wir seit dem Absetzen des letzten Antidepressivums keine Krampfanfälle mehr gehabt. Inzwischen habe ich viel über das Mittel an sich, die Psychopharmaka allgemein und die Reaktion des Gehirns auf Psychopharmaka im Besonderen gelernt.

Es geht uns gut. Besser als vorher. Jetzt können wir nämlich völlig klaren Geistes wütend über die Nonchalance unserer früheren Ärzte sein. Ich bin wieder in der Lage ganz unwattiert alle Aspekte des Lebens und Miteinanders zu betrachten und Schlüsse zu ziehen.

Ich habe meine Mittelfeldstimmung wieder. Ich kann teilhaben, wenn ein Innens bei uns spontan in der Lage ist zu lachen oder zu weinen- was in den Jahren von 2001 bis 2011 nur sehr selten vorkam.

Ich möchte ermutigen.

Seid kritisch! Wenn euch ein Arzt ein Medikament nach 10 Minuten Konsultation verschreibt so ist das nicht in Ordnung! Ihr habt ein Recht umfassend und neutral über alle Nebenwirkungen und die Wirkungsweise informiert zu werden! Mit “lesen Sie den Beipackzettel” ist es nicht getan- denn den hat in der Regel nicht einmal der Arzt selbst wirklich gelesen. Wenn ihr auf der Suche nach unabhängigen Informationen zum Thema Psychopharmaka seid, so ist ein Gang über die Neurologie absolut empfehlenswert.

Auch das Buch von  Stefan Weimann “Erfolgsmythos Psychopharmaka” ist sein Geld absolut wert!

In diesem Artikel soll es nicht darum gehen Medikamente als unwirksam oder schlecht darzustellen. Es geht mir darum anhand meiner Fallgeschichte (eine mit der weder Ärzte noch Pharmakonzerne werben können) zu zeigen, welche Dimension die Einnahme von Psychopharmaka auch haben (können).

Wir habe von den Mitteln auch profitiert und etwas gewonnen. Aber eine viel größere Kraft hätten wir fast gar nicht entdeckt, wenn wir sie nicht abgesetzt hätten

Uns selbst.

Kopf—>Schreibtisch

Wir sind auf der Suche nach einem ambulanten Psychotherapeuten.

Hach was macht das einen Spaß! Und wie schlau ich mir jedes Mal aufs Neue vorkomme!

Obwohl mein Innenleben zum Zerreißen gespannt ist und, während ich mit dem Therapeuten spreche, eigentlich schon direkt nach 2 Minuten vermeldet, ob wir wieder gehen können oder nicht, kann ich es dann doch nicht lassen meiner Neugier (und ja: inzwischen auch irgendwie meiner Verachtung- die will ja auch gefüttert werden) Freiraum zu gewähren.

So sitzen wir dann also da in einem Erstgespräch.

Vor mir sitzt eine Psychotherapeutin die geschätzt vielleicht 20 Kilogramm wiegt. “Wissen Sie, also mit Traumatisierungen kenne ich mich schon aus- aber mein Schwerpunkt liegt auf Essstörungen”- Jupp- das ist unübersehbar meine Liebe- aber WIESO ZUM GEIER HABEN SIE UNS DANN HIER JETZT 40 MINUTEN QUATSCHEN LASSEN UND UNS DAS GEFÜHL GEGEBEN EIN KLAPSENROUTINIER ZU SEIN?!

Kopf—> Schreibtisch

Die Nächste bitte! (Echt- es fühlt sich an wie “Therapeut to go”: Morgens einen, Mittags einen, abends Einen… kostenlos auf Kranke Kassenkarte)

Letzte Woche saß uns ein vertrocknetes Röslein gegenüber. “Ja, was führt Sie denn zu mir?”

Ich (innen): “Klappe jetzt – ja ich weiß das es defintiv NICHT diese Eiche rustikal Inneneinrichtung ist, die uns her zieht”

Ich (aussen): “Ich leide unter einer Traumafolgestörung, die mich einschränkt und verhindert, dass ich ein lebenwertes, gutes Leben führen kann. Das möchte ich ändern.” (zigmal vorm Spiegel geübt- weils so derartig nach Buch klingt…)

Sie (innen): *Grillenzirpen?

Sie (aussen): Ja hm. Was ist ihnen denn passiert?

Ich (innen): “NEIIIIIIN!!!! Ich verrate nix-ich verrate nix- ich verrate nix- alles gut. Alles okay- alles in Ordnung. Wir haben 2012- ich bin groß. Alles tutti. Ich mach das schon… phu phu… äh ähm… kann mal bitte einer das Geplärre abstellen?!”

Ich (aussen): “Das möchte ich hier so direkt bitte nicht besprechen, weil das hier ja ein Erstgespräch ist und sich durch das Sprechen darüber die dissoziative Symptomatik bemerkbar machen könnte und das Gespräch nicht mehr für mich nachvollziehbar sein könnte.”

Sie (innen): *Fröschequaken???

Sie (aussen): Aber sie haben doch gesagt sie hätten eine Traumafolgestörung? Was hat das denn mit Dissoziation zu tun?!

Kopf —> Schreibtisch

Nunja.

Es gibt ja auch noch welche mit Köpfchen. Mit : “Kopf runter senken und durch die Wand- Köpfchen” Das ist immer fast ein bisschen traurig, weil es solche Leute sind, die eigentlich genug Bockigkeit für die Gutachterschreiberei und für die  “ für den Patienten Kämpferei” in sich haben. Aber neiiiin! Solche Leute werden irgendwie immer grundsätzlich Verhaltentherapeut oder Coach für Sinnkrisen.

Da saß mir mal eine Therapeutin gegenüber (Was ist eigentlich aus dem seitlich halb schräg –nebeneinander Konzept geworden?!- Echt ich bin inzwischen echt zum “gleich erstmal hier alles umrücken”-Trampel mutiert. Stuhl ist schon schlimm genug und provoziert eigentlich schon direkt zu Anfang nen Halb-weg-Schuß- aber dann auch noch direkt gegenüber von jemand der fremd ist… ba! Geht nicht!) <— oh guck mal! Ein Therapieerfolg!!!

Naja- jedenfalls diese Super-knall-peng-mit- dem- Kopf- durch-die- Wand- Frau saß mir gegenüber und erzählte mir die Urschleimgeschichte rund um die ambulante Psychotherapie. “Gut “, dachte ich: “Weniger Platz für die überlange History über unseren Psychowerdegang- dann kanns ja auch gleich weiter gehen mit ihrer Arbeitsweise und ihrem Tätigkeitsschwerpunkt und dann warum ich hier bin”… ja…. 48Minuten später: “Ja- beim nächsten Mal erzählen Sie dann etwas von sich ja?!”

Kopf —> Schreibtisch

Neiin?! Jemand der mich fragt ob ich schon ambulante Therapieerfahrung hab, darf sich die Antwort auch gerne anhören?! (Die da übrigens ganz klar lautete “Ja, ich weiß, wie das Prozedere ist.”) Was ist wenn sie irgendwann mal fragt: “Und wenn ich ihnen zu nahe trete, dann sagen sie Stopp- ja?” und genau gleich reagiert?  Sorry- wir brauchen unsere Energie nicht dafür auf, darauf zu achten, dass der Therapeut seine rhetorischen Fragen nicht mit den ernst gemeinten verwechselt- aber fest davon überzeugt ist, das Richtige zu tun und uns noch das Gefühl gibt schräge Ansprüche zu haben oder übermäßig unangepasst zu sein. (Haha die Punk-Rosenblätter!)

Nett sind auch die kleinen niedlichen Pflänzchen (wo wir grad bei Punkrosenblättern sind…)

Sag mir mal bitte einer wie ernst das zu nehmen ist, wenn es ein Therapeut schafft in einem Gespräch (- in dem es nicht um Schlimmes geht!!!) mehr als 3 “Oh je”s, 2 “Ach G’tt”s und 4 “hmmmm” s unterzubringen!

Kopf —> Schreibtisch

Hach und jetzt komme ich in Fahrt:

“Ich bin in der Hinsicht sehr kompetent. Also ich hab schon viele schwierige Fälle erfolgreich behandeln können.” Fälle?! …. Bin ich etwa der erste MENSCH den sie trifft?!

Kopf —> Schreibtisch

“Ich habe bereits ein bisschen Erfahrung mit DIS machen können, aber ich muss ihnen leider sagen, das waren keine Guten…” Ach NEIN! Meine Erfahrungen mit DIS wollen sie gar nicht haben!

Kopf —> Schreibtisch (bereits mit Delle in Kopfform)

“Es tut mir leid ihnen sagen zu müssen, dass ich keine Menschen mit DIS behandle- das ist mir zu gefährlich mit dem organisierten Verbrechen.” Oh- herzlichen Dank für diese direkte Projektion ihrer Vorurteile auf mich!

Kopf —> Schreibtischplatte durchgebrochen

Heute wurde ich allerdings etwas gefragt, was mich aus dem Tritt brachte. “Können sie bei den ganzen Vorerfahrungen denn überhaupt noch eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen?” (Sie meinte das jetzt zwar als Therapiegrundlage was mich schon wieder —> Kopf —> Schreibtisch .. aber naja)

Tja… keine Ahnung. Und überhaupt- was heißt hier vertrauensvolle Beziehung? Wir vertrauen nicht. Wir trauen –zu! Dem einen mehr- dem anderen weniger. Mir wird ja auch nicht vertraut- ich vertrau mir ja nicht mal selbst! Wir haben noch nicht viel Gelegenheit gehabt zum Vertrauen lernen. Immer wenns kurz davor war in den Bereich des Möglichen zu rücken, mussten die Therapeuten gehen-doof werden- in Ungnade fallen oder die kranke Kasse hat nicht mehr gezahlt.

Bis jetzt gibts auch nur eine Kandiatin in unserem Therapeutencasting von der ich sagen würde, dass sie menschlich super gut zu uns passen würde. Aber diese hockt vermutlich gerade bei sich zu hause und macht

“Bin ich kompetent genug?” Kopf —> Schreibtisch

Für den Fall dass sie das hier mal lesen: Ja sind sie!

Selbst-Werte

Das mit dem Selbstwert ist so eine Sache.

Ob man etwas wertvoll findet, liegt im Auge des Betrachters und selten kann man Augäpfel eröffnen und herausfriemeln was einmal drin war.

Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich einige Webseiten von Coachpsychologen und Psychotherapeuten durchgeblättert, um einen Anfang zu finden. Interessanterweise scheint gerade das Thema der eigenen Werte und des Selbst-Wertes eines zu sein, das viele Selbstfragebögen und Auswertungen erfordert.

Und klar- ich konnte es natürlich nicht lassen und hab schlicht einen gemacht.

Das Ergebnis: Ich halte mich für wertvoll (oder naja- zumindest reflektiert) genug, um mir das Ergebnis nicht anzugucken.

Weshalb ich das Thema aber eigentlich gewählt hatte war der lange Artikel “Security!…”.

Selbstwertgefühl, selbst-wert-er-leben spielen meiner Meinung nach ganz erheblich in den Selbstschutz mit hinein. Wer sich selbst furchtbar findet und es immer wieder gesagt bekommt (von innen oder schlimmer noch: von aussen), der wird sich nie als so wertvoll sehen, dass er es schafft sich nachhaltig gut um sich zu kümmern.

Nun ist das aber so mit den Werten- die bilden sich nicht von allein.Schon gar nicht neu und ersetzend. Man braucht ein Gegenüber zur Reflektion und Verbindung. Einen jemand der etwas als wertvoll vorlebt. Dinge als wertvoll darstellt. Jemand der im günstigsten Fall wertschätzend (und nicht nur wertend in verschiedene Richtungen) mit einem umgeht.

Wie einfach Werte vermittelt werden können sehen wir sehr schön dargestellt im Propagandafernsehen. Es reicht eine geistige Verbindung und Zack! tröpfeln sie von A nach B.

Bei uns ist diese Kiste mit den Werten wie das Schachspiel von Star Trek:

StarTrekSchach

nur was für echte Freaks und Menschen, die den Nerv dazu haben (naja- und die die das halt in sich tragen und entsprechend leider nicht soviel Entscheidungsfreiheit haben…)

Im Inneren gibt es verschiedene Werte und sie alle wollen vereint werden in unserem Leben. Und hier ist ein großer Bereich in dem nicht die Trennung von “früher” und “heute” vorrangig erscheint. Ich habe den Eindruck, dass ein “sich bewusst machen” schon zu einer tiefen Verunsicherung führt (aber hilft). In der Zeit als wir Ebene für Ebene abgedeckt haben bzw. mal ganz flüchtig kurz und auch jaaaa nicht genauer unter das Tuch gelinst haben, kam es teils zu Schockerlebnissen, teils aber auch zu einer Verwunderung und Freude, ob der Großartigkeit dessen was da alles bewahrt wurde.

Es ist schon verwirrend wenn die zarten Bande untereinander zu festen Steingebilden werden und sich heraus stellt, dass sowohl absolute Verachtung als auch totale Idealisierung ein und der selben Sache betreffend ganz gut nebeneinander stehen können. Es ist schräg und natürlich immer wieder Konfliktstoff- aber es geht! Wirklich!

Schwieriger ist es für uns die inneren Werte mit denen der Mehrheitsgesellschaft in Einklang zu bringen. Ich stelle immer wieder an uns fest, dass es einen Teil gibt der einfach fehlt. Oder besser gesagt, dass es einen Konstruktionsfehler gibt den man nicht durch ein paar Dübel links und rechts beheben kann. Wir sind so abgeschlossen aufgewachsen, dass Äusseres schnell als überfordernd (weil nicht in Gänze fassbar) erscheint. In den ersten Jahren… Himmel! Small Talk, Popkultur, Fernsehen, diese schräge Marken und Konsumwelt… Wir waren sowas wie ein Waldkind: völlig geblendet von Werten und Wichtigkeiten die uns sowohl fremd als auch komplett fern lagen (und nachwievor liegen- diese antikapitalistische Macke kommt nicht von ungefähr haha )

Über seine Werte definiert man in der Regel auch Teile seines Selbstes. Wir sind uns gegenüber noch oft so, wie wir es von klein auf angenohmmen (vorgelebt bekommen)  haben und wie sich eben Innens in Folge der Sozialisierung selbst entwickelten. (Deshalb finde ich es immer bescheuert, wenn jemand mir ein “niedriges Selbstwertgefühl” bescheinigen will. Ich bin nichts wert und weiß das auch. Das ist ein Fakt- kein Gefühl. Das kann mit einem Test oder hochpsychologisch wertvollem Fragebogen nicht erfasst werden- innere Wahrheit versus rein- bzw. draufgekipptes Äusseres… )

Was uns aus dieser (Ab)Wertigkeit hilft ist Bewusstsein. Bewusstwerden. Bewusst-gemacht-bekommen. Sprich: Therapie und Leben mit viel geistiger Verbindung und positive Leitung.

Wir haben lange gedacht, dass wir vielleicht irgendwie abartig sind oder so, weil wir zeitweise total gerne mit unserer Therapeutin zusammen waren. Aber inzwischen wissen wir, dass wir, gerade in den ersten Jahren so mit 15-16-17-18 gerade von den tollen Frauen die uns da begleitet haben soviel aufgesaugt haben, was man anders als mit schlichter Gemeinsamkeit gar nicht hätte einbringen können.

Wir hatten mal eine Therapeutin die mit uns zwei Mal durchs halbe Land gefahren ist. Mit dem Zug. Ich weiß gar nicht wie lange wir da unterwegs waren. 6-7 Stunden jeweils? Jedenfalls würd ich heute die Hände überm Kopf zusammenschlagen (“Argh! Es heißt DAS Therapeut! Die wohnen in ihrer Praxis/Klinik und stellen sich um 17.30 Uhr ab, um sich um 8.00Uhr wieder anzuschalten!”), aber damals war es eine super wichtige Erfahrung für ganz viele Impulse zu schauen wie normale Interaktion geht; wie unwichtig der eigene Wert (und für uns ja der vermeintlich “höhere Wert”) sein kann- und wie okay selbiges sein kann!

Man darf (obwohl man ein wertloses Stück Scheiße ist) eine Fahrkarte kaufen, Menschen fragen wo welches Gleis ist, einen Sitzplatz für sich beanspruchen etc etc etc Man darf sogar im Kino sein und laut lachen wenn was witzig ist! (Boooooaaa DIE traut sich ja was O.O … “Darf ich das auch?” –”Ja klar!” )

[Um so abartiger erscheinen mir gerade beim Lesen diese Eingrenzungen von Gewährung von therapeutischer Hilfe unter unmöglichen Vorgaben und die Finanzierungsunmöglichkeiten- wie sehr würden wir zum Beispiel jetzt gerade davon profitieren, wenn uns eine Helferin direkt beim Essen und in der Zeit danach die Hand halten würde? Wie viel leichter würde es uns fallen uns immer wieder unserer Daseinsberechtigung zu versichern, wenn wir jederzeit bzw. jeder-notwendigs-zeit jemanden fragen könnten?

Für uns ist Therapie auch sehr viel Nachsozialisierung- dafür gibts aber keinen Passus in Gesetzgebung oder so… Soviel dann auch zur individuellen Beurteilung der Patienten…]

Unsere Freundin ist nachwievor unser großer Gradmesser  im Aussen und –dem Himmel sei Dank!- unglaublich verständnislos gegenüber unserer gelebten und  (inneren) gegenseitigen Abwertung. Es reicht leider nachwievor nicht um wirklich alle Bereiche mal in einer Perspektive zu sehen und zu probieren, ob noch mehr Dinge “gehen”, obwohl man total wertlos ist (Zum Beispiel das große Ding mit dem “Glauben, dass man als Mensch grundsätzlich nicht wertlos sein kann”- irgendwie gilt das emotional immernoch nur für andere- niemals und unter keinen Umständen für uns. Oder das Ding rund ums Gemocht werden… oder das Ding ums große “Dürfen” … oy vey! still much to learn! )

Ich bin übrigens froh darum, dass wir Menschen überhaupt in der Lage sind uns Werte zu bilden. Es ist eine spannende Sache und bietet viel Möglicheit sich zu positionieren. Im besten Falle dort, wo es am angenehmsten für einen selbst ist.

Dort wo man es wert sein darf zu sein.

Bindungen Beziehungen und alles was (fest)-bindet

Mein letzter Artikel hier war sehr lang und doch berührte er nicht alle Bereiche, die wichtig im Zusammenhang mit (Selbst)Schutz sind.

Ich versuche also in der nächsten Zeit weitere Bereiche zu beleuchten und so ergänzend zu schreiben.

Sich zu binden heißt, “an Etwas oder Jemandem dran zu sein”. Dran sein ist gut. Nähe ist guuuut! Nähe ist mit Verbundenheit auf einer Stufe. Wir Menschen sind Rudeltiere (ich verwende bewusst nicht den Begriff “Herde”- dazu später mehr) und von der Evolution (auch) zu Gemeinsamkeit und die Fähigkeit zu Bindung und Beziehung hin-entwickelt worden.

Schon das erste “Gutschi Gutschi Atta Atta Knuffi-Baby”-Gebrabbel von Erwachsenen gegenüber einem staunend dreinblickenden Neugeborenen, zeigt uns immer wieder von Neuem wie unwillkürlich- wie ursprünglich der Wunsch nach Beziehung, Bindung, Nähe, Kontakt bei uns Menschen ist. Klare Sache: zum Kindermachen brauchts zwei (die sich im günstigsten Fall nicht nur physisch nah sind), zum Versorgen und “Groß kriegen” sowohl körperlich als auch geistig) alle, die zur Verfügung stehen. Damit das Ganze abgesichert wird und diverse andere positive Nebeneffekte hat, gibts gratis zur Baby-begluckung noch Prolaktin und Oxytozinhöhenflüge, die für Wohlbefinden bei allen Beteiligten sorgen.

Wird die Fähigkeit eines Kindes Beziehungen und (An)Bindungen einzugehen, zu gestalten und zu pflegen empfindlich gestört- etwa durch permanente Nichtbeachtung (des Kindes oder dessen Signale) oder widersprüchliche Reaktionen, ist es möglich dass das Kind als Erwachsener Schwierigkeiten bekommt, überhaupt die grundlegendsten Impulse an sich in Bezug auf andere Menschen erstmal ganz basal zu verstehen, anzunehmen und anzuwenden. Es gibt ganz interessante Bücher zu dem Thema- irgendwie scheint das grad so ne neue (Erziehungs)Trendkiste zu sein. Also man wird auf jeden Fall fündig.

Ich habe an mir bzw. meinem System gelernt, dass Bindungsfähigkeit etwas zu sein scheint, dass Kinder immer zu “können” scheinen. Und, dass sich diese Fähigkeit extrem anzupassen in der Lage ist. So war es bei uns lange nicht einmal ein Mensch der unseren wichtigsten Bezug zu uns, der Welt(sicht bzw. dem Verständnis selbiger), der körperlichen und sozialen Grundversorgung darstellte. Es gab niemanden anderes- also wurde der der am ehesten geeignet war genohmmen. Völlig pragmatisch und lebensrettend. Im Ausnahmezustand eine hervorragende Wahl und wieder hat uns unser genetischer Rucksack ein evolutionär angepasstes schweizer Taschenmesser mitgegeben.

Doch was passiert, wenn die Lage friedlich ist? Wenn da plötzlich Menschen sind, die perfekt in der Lage sind völlig normale Interaktionen zu beginnen? Wenn da auf einmal nicht die Grundfragen: “Hopp oder Top”- “Leben oder Sterben”- “Freiheit oder Gefangenschaft”-  so übergroß vor einem stehen, dass die Tragweite (oder- um Himmels Willen! gar die reale (nicht die angenohmmene) Intension des Gegenübers)  nicht überblickt werden kann?

Wir sind damit bis heute überfordert und neigen dazu zu idealiseren (oder auch: grenzenlos zu ver”wachsen”), wer nett zu uns ist und übermäßig abzulehnen und teils sogar komplett aus dem (Alltags)Bewusstsein zu nehmen, wenn jemand es nicht (mehr) ist. Ganz interessant ist es für mich zu sehen, dass es zwar nachwievor dauert bis eine wirkliche Anbindung an jemanden geschiet- aber dass es überhaupt noch möglich ist, verlangt mir in Anbetacht dessen, was manche von uns ertragen mussten, einen Kniefall ab.

Wir hatten und haben viele HelferInnen, eine Freundin (diese diese Bezeichnung erst jetzt nach einer Beziehung und knapp 7 gemeinsamen Jahren erhalten hat) viele “Bekannte” (was aber bei uns soviel heißt wie: kenn ich- trau ich zu 52,5% übern Weg- darf sogar näher als andere an mich dran treten-aber Vertrauen oder sowas geht irgendwie nie) und die Menschen in meinem winzigen Miniforum mit denen eine ganz besondere (weil rein virtuelle) Beziehung aufzubauen nachwievor spannend ist. Aber dieses ganz freie, unwillkürlich natürliche “Auf andere Menschen zu  gehen” fehlt bei uns.

Die meisten Interaktionen lösen doch immer irgendwo tief innen (Todes)Angst, Unruhe, Misstrauen und Abwehrspannung aus. Wohingegen aber Gesten von Nettigkeit (und das beginnt für manche schon bei: “Von dann bis dann darfst du mir die Schuhe ablecken (anstatt selbige dich tretend zu erleben)”.) oft Anstürme von Dankbarkeit, Errrettungsphantasien, Devotheit und der Bereitsschaft zur Selbstopferung auslösen.

Das ist die erste Instanz. Natürlich muss obendrauf dann noch die Selbstzensur greifen und selbstverständlich darf diese nicht selbst-fürsorglich (nachsichtig) sein. Nein nein- ganz logisch muss sich wie ein Perpetuum Mobile die Gewaltspirale im Inneren fortbewegen:

– Verachtung (weil klar- Mitgefühl für….?! Woher denn?!) für Dauerpanik (weil nichts anderes kennengelernt wurde)

– Verärgerung über diese Verachtung (weil “man ja in der Therapie gehört hat….”),

-Hilflosigkeit über dieses Dilemma (weil diese Variante irgendwie nie besprochen wird in der Therapie oder durch selbige irgendwie (be)handelbarer wird)

und als Reißleine über alles dann das, was immer und zu allen Zeiten wieder Ruhe in den Bau gebracht hat: Aggression/Manipulation am Körper, welche dann nach allen Regeln der Unterwerfung doch wieder HelferInnen “gebeichtet” wird,

was wiederum eine Spirale von diversen “Draufkloppern” braucht…

Um sich sowas zu sparen haben wir irgendwann wohl aufgehört soziale Interaktion wahllos und direkt zu betreiben. (Ich fürchte fast sogar, dass die verschiedenen Pseudotherapieen die die Selbstverletzung als Symptom im Fokus hatten, das sogar noch verstärkt haben.) Ein kurzer Blick über einen normalen Tag (ohne Freundes/Bekanntenkontakt) zeigt eigentlich unübersehbar, dass wir es hinkriegen unter 100 Menschen zu sein- aber mit niemandem direkt in Kontakt zu treten- obwohl jemand von uns gerade spricht und 100 Menschen mit uns in Kontakt sind! So ist es perfekt. So müsste es immer sein. Ist es aber nicht.

Die Menschen kommen. Die Menschen gehen. Manche bleiben länger und selbst bei uns baut sich ein Gefühl von “okay- also sie ist okay- also ich trau der so 60% übern Weg- das geht- steht sie noch an der Stelle wo ich gesagt hab: Nich weiter?- Ja!- Boa!- Okay… ja sie ist okay….”, aber auch die müssen irgendwann gehen. Sie wollen es vielleicht nicht- vielleicht doch. Wir wollen es nie. Aber müssen- wie immer und alle anderen Menschen auch.

Der Halt den man in anderen Personen findet kann der Haken sein, an dem man sich festtackert, wenn das System in eine Richtung zieht und zerrt, die aber die Selbstzerstörung darstellt. So war es für uns im ersten Schritt sehr oft die Freundin die uns als mit der stärkste (und widerhakigste) Haken, dann eine zeitlang ein therapeutischer Kontakt und jetzt ein ganzes Netz von Menschen, Orten und Tieren das sich wie eine Haihaut gegen den Strich aufzustellen vermag und wie ein Reißverschluss in unsere Verzweiflungstatbestrebungen eingreift.

Ganz genau wie es ein Rudel(chef) in der Regel macht. Wer Blödsinn im Sinn hat, kriegt nen Schauschnapper neben die Schnute (denn er könnte alle gefährden). In Herden ist es leider so, dass das dümmste Schaf die erste Mahlzeit wird- der Rest hat sich nämlich derweil verpieselt.

Derzeit ist feststellbar, dass es aber bei aller Verfügbarkeit von Haken ganz erheblich an uns hängt eine wahrhaftige Schlaufe zu bilden und sich dran zu hängen. Eine Schlaufe die komplett und in Gänze jemandem einzig und allein gilt, weil wir demjenigen gehören, ist eine andere als die, die man zeigt, weil man Gefühle nicht verletzen will oder denkt man müsste eine bestimmte Grundhaltung vorschützen, weil man sonst… (namenloses Elend). Und beides hat nichts mit dem zu tun, was langfristig und vernünftig auch haltbar ist.

Wie scheiße ist das bitte?! Wie verstümmelt ist der Instinkt, wenn man nur noch sowas hinkriegt?!

Allen Informationen zum Trotz habe ich keine Literatur darüber gefunden (oder konnte verheißungsvolle Titel dazu nicht bezahlen) ob Bindungsbereitschaft und Beziehungsgestaltungsverhalten/- Empfinden von frühtraumatisierten Menschen komplett und rund wieder hergestellt werden kann.

Werden wir uns damit abfinden müssen alle sozialen Beziehungen immer dem Radar auf “Verkorkstheiten” zu unterziehen? Uns immer wieder “auf die Finger zu hauen”, wenn wir jemanden auf einen Thron heben oder aus dem Bewusstsein stoßen (wollen)? Uns immer wieder in haltlosen Zeiten wie jetzt fragen müssen: “Ist das hier grad “Kontakt” oder Kontakt? Reicht das hier jetzt als Haken oder ist der Sog zu altbekanntem gerade doch wieder hilfreicher/hakiger, weil bekannt und damit sicher und damit wieder eine Art Kontakt die “kontrollierbar” (haha) ist?”

Werden wir also ein “Anti”- der Überlebensstrategie leben müssen, weil sie inzwischen “krank” ist oder lebt sich irgendwann das auch bei uns ein, was man halbwegs spontan und geund nennen kann?

Ich werds mal sehen.

Am Hundhaken hängende Grüße aus dem derzeitigen Chaoswirbel genannt: “das Leben der C.”

Täterkontakte, Selbstschutz, Ausstieg und persönliche Freiheit

Man wird multipel wenn man von Anfang an, immer wieder, massiver Gewalt ausgesetzt wird
– niemand hilft
– niemand tröstet
– niemand schützt
und niemand hilft das Erlebte zu verarbeiten.

Für viele Menschen mit DIS sieht der Weg zur Diagnose so aus:
Man lebt ein normales Leben, hat evtl. eine Familie gegründet, arbeitet gut und gerne in seinem Beruf, steht offenbar mit beiden Beinen im Leben. Bis “plötzlich” erste Symptome auftauchen.
Der Eine kann plötzlich nicht mehr schlafen, der Nächste merkt plötzlich: “Hä? Juli?! Ich saß doch gerade noch unterm Tannenbaum!”, wieder andere erleben von jetzt auf gleich eine Flut von Erinnerungen bzw. Bruchstücke davon.
Es gibt natürlich auch die Variante der “Betriebsirren” (also jemand, der schon sehr lange sehr falsch behandelt in einer Psychiatrie vor sich hin dämmert und nie eine Chance das Erlebte soweit weg zu drücken um ein normales Leben aufzubauen) oder der Frau, die IMMER irgendwas hat und JEDER unbedingt was davon haben muss.

Jedenfalls stellt sich irgendwann (dann endlich irgendwann beim richtigen Therapeuten/ der richtigen Klinik) die Frage nach Täterkontakten bzw allgemein der äusseren Lebensbedingungen in denen sich der schwertraumatisierte Mensch aufhält.

Manch eine Multiple ist mit einem Mann verheiratet der sie im Grunde genauso vergewaltigt und quält, wie es der eigene Vater damals tat. (Und “weil mans ja schon kennt” und entsprechend weiß was man tun muss- etwas, dass widerlicherweise sogar noch beruhigender wirken kann, als die Anwesenheit von einem Partner, der keine Gewalt ausübt- wird dieser Faktor als “normal” betrachtet von der Frau)

Manche Multiplen kommen tatsächlich aus dem organisierten Verbrechen und leben ein Leben zwischen Bankschalter und Sado-Maso-Dienstleistung (und die Alltags”personen” wissen das nicht einmal, denn sie funktionieren nachwievor, wie das Kind, dass sie früher einmal waren- und diejenigen, die die “Dienstleistung” ausführen kennen es nicht anders- haben evtl. noch nicht einmal irgendwann etwas anderes erlebt).

Der Weg dort hinaus- sei es aus einer gewaltätigen Ehe, einer sadistischen Gemeinschaft, einer sexuellen Ausbeutung durch Dritte oder auch schlicht der eigenen Familie ist kompliziert, schmerzhaft, gefährlich und natürlich in jedem Fall eine Belastung für alle Beteiligten. Aber: sie ist nötig um zu heilen. Es gibt keine Heilung, wenn immer und immer wieder die Seele eines Menschen erschüttert wird.

Man muss also a) erstmal merken, was da mit einem passiert.
Was glauben Sie wie schwer es sein kann so etwas zu bemerken, wenn man unter Umtänden nicht einmal sein eigenes Körpergeschlecht bemerken kann? Oder wenn man Schmerzen nicht bemerkt, oder wenn man ausserstande ist seine Umwelt wirklich richtig wahrzunehmen. Oder wenn man schlicht ein Leben führt, in dem die Erkenntnis von weiterführendem (oder auch früherem) Leiden dafür sorgen kann, dass der Mensch einfach nicht mehr leben könnte/ will/ SOLL?

dann muss man b) in der Lage sein (sich selbst so ernstnehmen/ sich selbst gegenüber so fürsorglich sein- bzw sich selbiges überhaupt erst einmal zugestehen/ zu erlauben) dieses Elend  (das man als solches auch erkennen/ anerkennen muss) zu beenden.Ganz für sich und vor sich allein. Jemand der denkt er wäre es nicht wert anders behandelt zu werden, jemand der eine Alternative nie kennenlernen durfte (oder kann, weil er von Psychiatrie zu Psychiatrie gereicht wird), jemand der das was passiert, als richtig, als identitätsstiftend, als Teil einer Arbeit an “Höherem” empfindet und sich über die Gewalt definiert (und damit bestätigt, beruhigt und nährt) wird sich hüten einem Therapeuten, Arzt, Sozialarbeiter und was es nicht alles gibt, um den Hals zu fallen und sofort mit dem Ausstieg/ Abbruch beginnen.

und letztlich muss man c) genau überlegen wie, wann und mit wem der Ausstieg bzw der Kontaktabbruch passieren kann.
Hier ist es fundamental, dass der Klient den Weg bestimmt- nicht der Helfer! Um diese Aufgabe zu schaffen braucht es ein Maß an Selbsttrost, Selbstfürsorge, Mut und innerer Kraft, dass von aussen nicht “reingeschüttet werden kann”. Es braucht ein sicheres, starkes, flexibles, soziales Netz und: Gewaltfreiheit als erstrebenswertes (und auch “den Schmerz wertes”) Ziel.

Wir haben inzwischen einige Therapeuten kennengelernt und damit einige verschiedene Herangehensweisen.

Es gab eine Therapeutin, die sich wie eine Löwin vor uns stellte und Menschen aus unseren Zusammenhängen auf den Kopf zu sagte, dass sie den Kontakt verhindert, weil sie erkannt hat, dass sie Täter an uns geworden sind und wir nicht in der Lage waren uns allein vor ihnen zu schützen. Gut- damals waren wir noch minderjährig und waren allgemein eher überfordert mit dem, was hinter unseren Problemen stand. Aber es gibt auch Therapeuten, die sowas machen, wenn der Klient erwachsen ist. In so einem Fall handelt der Therapeut nur nach aussen hilfreich. Sowas wirkt in der Regel wie ein Stück Brotpapier: durchscheinend und nur einmal nutzbar, denn der Rücken der hier breit gemacht wird ist der der Therapeutin- nicht der des Menschen der sich um seinen Schutz bemühen muss. (Ich lasse hier jetzt einfach mal noch die div. Abhängigkeiten und Übertragungen raus die mit sowas einher gehen- es  gibt nämlich oft genug auch “Innenpersonen”, die so einem Therapeuten derartig dankbar sind, dass sie sich bis aufs Äusserste ans Messer liefern würden um so eine Aktion zu vergelten. Oder diejenigen, die das mal so gar nicht wie die Therapeutin sehen…) Hier will der Therapeut in erster Linie (vielleicht auch nur sich selbst) zeigen, dass er nicht hilflos ist und sich wehren kann und seinen Klienten “retten/schützen/bewahren” kann.

Dann gibts noch die: “Sie müssen da sofort raus, sonst…(Therapieende, Beziehungsende, Lebensende…)”- Leute. Ende Ende Ende “Oh Himmel! Wir werden alle steeeerben!!!! Die Welt wird untergehen und wir werden alle nicht mehr sein.”

Sowas finde ich persönlich immer etwas albern und dumm. Natürlich ist Gewalt schlimm. Gewalt zerstört, prägt und krankt. Aber: sie ist überlebbar. Es fühlt sich nie so an. Es dauert immer endlos (im Gefühl). Es ist immer verheerend und schrecklich. Aber: sie wurde überlebt und sie wird es von vielen in der Phase noch immer überlebt. Manchmal muss man das Geschehen so runterbrechen auf diesen einen Satz, sonst wird man noch verrückt von der Angst dieser Leute. Ich weiß nicht wie sich bei manchen Menschen so eine überschießende Panik entwickelt.  (Obwohl naja: alle Therapeuten/ Helfer, die ich mal kennenlernte und die so waren, hatten selbst teils erhebliche eigene Traumata erlebt oder waren allgemein immer total schnell eine “Einheit mit uns” (hatten also im Punkt der professionellen Distanz komplett versagt). Auf jeden Fall vergessen diese Menschen immer eines: nämlich dass es sich bei ihrem Klienten um ein Wesen mit eigenem Denk- und Handlungspotenzial handelt. Dass es Ressourcen gibt. Dass es eine Eigenverantwortlichkeit gibt. Dass diese Klienten leben und dass sie überhaupt zur Therapie/Begleitung erscheinen! (Ich verstehe nicht wie sowas vergessen werden kann: Wie kann der  wohl größte/ “frevelhafteste”/ mutigste/ schonungsloseste/ eigenverantwortlichste Schritt den der Multiple bis zu dem Zeitpunkt jemals gemacht hat- nämlich den sich Hilfe zu holen, obwohl er nie Hilfe erhalten hat (also ein Verhalten, dass sich bis dato nie als “richtig” oder (mit angenehmer) Konsequenz beladen erwiesen hat), einfach vergessen werden? Wie passiert es, dass diese Tatsache nicht erstmal in aller Ruhe gewürdigt und als positive Ressource “festgetackert” wird?

Meiner Meinung nach, schürt so ein Verhalten von Helfern grundsätzlich die Abhängigkeit des Klienten und untergräbt bzw verhindert von vornherein die Entwicklung des “Für sich selbst eintreten”-Könnens. Wir haben uns phasenweise auch total auf solchen Menschen ausgeruht (teils erwische ich sogar nachwievor “Innenpersonen” die das tun bzw. zu tun gedenken). Aber sowas macht klein (“Ich bin zu klein/ zu schwach/ zu ohnmächtig/ zu hilflos/ zu krank, um XY zu tun”- das ist ein Phrasencocktail von früher: “Ich bin zu klein um mich zu wehren”; “Ich bin zu schwach um zu schreihen”; “Ich bin ohnmächtig und kann gar nichts tun”; “Ich bin hilflos und kann nichts ändern”; “Ich bin zu krank um ein Opfer zu sein (ich bin schon immer so) “ Das sind innere Wahrheiten, die nichts in der Gegenwart zu suchen haben- Helfer ganz allgemein, sollten ihre Klienten in der Trennung von Früher und Heute unterstützen- nicht ihnen das Gefühl geben, dass diese Wahrheiten nachwievor gelten (müssen- sonst wäre es ja nicht so wie es ist).

Die nächste Variante der Ausstiegsbegleitung ist das Vorgehen nach Lehrbuch. (Wobei- ich mir nicht vorstellen kann, dass das was ich gleich beschreibe wirklich irgendwo genau so steht).     Kein Telefon, kein Handy, kein Internet, keine Post, keine eigene Wohnung, kein eigenes Konto, ausschliesslich eigenes Eigentum (also keine Geschenke oder so) keine Kontakte ausser therapeutisch wertvolle; dann klappt das schon mit dem Ausstieg.

Über sowas kann man eigentlich mal herzlich lachen. So ein Vorgehen ist lebensfern und abhängigkeitsschürend. Es kann hilfreich sein abgeschottet zu sein, wenn massives Stalking, offene Bedrohnung und direkte Gefährdung von Leib und Leben vorliegen. Logisch. Als ERSTLÖSUNG kann es wirklich gut sein, sich erstmal zu fangen, zu sortieren (evtl. mit dem Therapeuten) und Boden unter die Füße zu bekommen. Daran gibts nichts zu rütteln. Aber: es gibt Menschen, die meinen für Menschen aus dem organisierten Verbrechen oder sadistischen Gruppierungen sei dies die einzig wahre Möglichkeit einen Abbruch bzw. Ausstieg durchzuhalten und zu schaffen. (Quasi das Eremitendasein als einzige Möglichkeit sich zu befreien)

Wir haben so eine Phase gehabt. Wir lebten bei einer Freundin und hatten nichts eigenes mehr. Weder mussten wir uns um die Lebenssituation noch um die Seelensituation kümmern. Für 2 Wochen war das wirklich gut und hilfreich. Wir hatten keine sichere Alternative woanders- aber gesucht haben wir auch keine. Nach den 2 Wochen kam die große Depression. So umfassend, dass sogar kleinste körperliche Bewegungen Schmerzen auslösten. Eine weitere Fessel an die Abhängigkeit.
Als es aufwärts ging (nach 4 oder 5 Monaten) waren wir soweit, dass wir uns der Freundin in genau der gleichen Art und Weise verpflichtet fühlten wie den Tätern. Und das bedeutet: auf Gedeih und Verderb.

Nun hatten wir das Glück, dass unsere Freundin nicht doof ist und niemals in irgendeiner Form von unserem Leid profitiert hat. Dass sie einfach nur nicht weggucken wollte. Aber wir hätten auch Pech haben können und uns an jemand anderen binden können. Wo würden wir dann heute stehen? Wir wären eine Art Haustier mit nichts anderem als Lebensrealität als dem was in der Wohnung bzw. im direkten Umfeld selbiger möglich ist. Und vermutlich würde unsere Freundin inzwischen ausgebrannt und unglücklich sein.  Der Preis der Freiheit? Mit nichten!

Das Coole an Freiheit ist, dass sie kostenlos sein muss um als solche zu gelten.

Die letzte Möglichkeit für äussere Sicherheit (durch Kontaktabbruch/ Ausstieg) zu sorgen ist auch die, die uns bisher am Besten geholfen hat, da sie umfassend ist.
Langsam, rational begründet, allein auf uns und unsere Fähigkeiten aufbauend und flexibel.

Es gab bei uns eine Zwinge aus äusseren und inneren Faktoren die immer wieder zu Täterkontakten führten. Da wir einige äussere Faktoren nicht ändern konnten (Ämter bzw. die gesetzlichen Regelungen drum rum und die direkte Abhängigkeit von staatlichen Leistungen etwa) war klar, dass der veränderbare Schenkel dieser Zwinge nur wir selbst sein können.

Wir haben nach dem direkten Akt der Verfügbarkeitsverweigerung gegenüber der Täterschaft alles an Stabilierungsangeboten angenohmmen was sich uns bot. Von Klinikaufenthalten bis Beratungs/Stabilisierungsgesprächen in Beratungsstellen, einer psychotherapeutischen Begleitung und natürlich auch der Freundschaft zu zwei Menschen in unserem Umfeld. Wir haben uns versteckt, wurden entdeckt, haben uns versteckt, wurden entdeckt…. etc Bis wir wirtschaftlich am Ende waren und einfach auch klar wurde: Hallo- die bringen uns dazu immer wieder zu ihnen zu kommen- wir verhalten uns wie Marionetten, dabei gibt es keinen Hinweis darauf, dass auch nur eine der Drohungen wahrgemacht wird bzw wahr gemacht werden kann ohne “aufzufliegen”. Irgenwann drang diese Information zu genug von uns durch, dass wir aufhörten uns zu verstecken, zu verkriechen, Verantwortung bzw Versorgung von Schutzbedürfnissen auf andere zu übertragen. Wir hatten endlich bemerkt, dass wir uns durch die Angst anderer (“Die könnten euch überall kriegen”), völlig irrational zu verhalten begannen. Natürlich fuhren wir auch folgende Schleife: “Ja wenn sie uns überall kriegen können, dann gibt es gar keine Sicherheit- wir sind ausgeliefert für immer!”

Quatsch! Ja: es gibt nie 100%ige Sicherheit. Ja: Man kann immer gefunden werden aber Nein: Deshalb ist man aber nicht (schutzlos) ausgeliefert (wie früher)!

Wir sind inzwischen an einem Punkt an dem wir sagen: Es ist egal wie oft und in welcher Form Täter mit uns Kontakt aufnehmen- wichtig für unseren Schutz ist nicht, wie wir uns fühlen, sondern wie wir uns verhalten! Egal wie verunsichert wir sind, egal wie groß der Drang (eingefolterte Zwang), der Wunsch oder die Liebe zu den Tätern ist: das was zählt ist, wie wir handeln. (Natürlich spielt hier eins ins andere rein und so strikt wie die Trennung nun bei uns ist, war sie früher auch nie. Und ganz sicher ist das nicht der Topf am Ende des Regenbogens!). Wir haben noch nie mit täterloyalen Anteilen arbeiten können. Das war bisher nicht möglich und ich denke im Moment ist es auch genau gut so. Mit diesen Impulsen umzugehen erfordert denke ich sehr viel mehr inneren Zusammenhalt und der hat sich bei uns erst in den letzten paar Jahren entwickelt. Irgendwann werden wir es sicher aushalten können zu sehen, was geschehen ist und irgendwann werden wir sicher auch aus dem rational wahrgenohmmenen “XY ist ein Täter” ein gefühltes und angenohmmenes “XY ist ein Täter- ganz echt und wirklich” machen können.

Aber das steht für uns nicht an erster Stelle (was manche Therapeuten ganz fürchterlich finden- doch wie gesagt: Der Klient muss bestimmen was wieso und wann angegangen wird. Es bringt nichts wenn der Therapeut sehr viel (naürlich verständliche, nachvollziehbare und berechtigte) Angst hat, diese auf seinen Klienten überträgt und dieser versucht eine (aber nicht seine!) empfundene Angst zu beschwichtigen (zum Beispiel mit div. “Ausstiegsmanövern”)- aber mit den Folgen (z.B. massiven Suizidimpulsen, Panikattacken, Schlaflosigkeit etc.) nicht auch allein zurecht kommen kann. Die Therapie der Wahl bei Multiplen ist die ambulante Psychotherapie- wenn der Klient aber von Krise zu Krise taumelt, kann der Therapeut ihn nicht mehr auffangen. Die Arbeitsbeziehung leidet (“Meine Klientin saugt mich aus”; “Mein Therapeut hilft mir gar nicht“ (mehr)” ) und wo endet so eine Schose im Allgemeinen? Für beide nicht im Bereich des Befriedigenden. (Wir haben uns am Ende von sowas in der Intensivstation wiedergefunden- die Helferin musste sich wegen Burn Out in Behandlung begeben).

Anerkennen, nachdenken, hinfühlen und dann geplant und kleinschrittig handeln (lassen)- das war das was geholfen hat. Wir haben Freunde, die auch die Täter anerkennen- sich aber nicht einschüchtern lassen, haben therapeutischen Kontakt, der das genauso handhabt und haben so die Möglichkeit genau diese Einstellung bei uns selbst zu verfestigen.

Wir hatten immer als grundsätzliches Ziel, dass wir wissen wollen wie “Leben geht”. Nicht: “endlich Ruhe (vor Symptomen, Ängsten, der eigenen Geschichte) haben”. Entsprechend waren die Therapieziele eher die Integration von Alltags”personen” um am Leben mit anderen (unbelasteten) Menschen überhaupt erstmal teilnehmen zu können (und nicht permanent wie ein Kaninchen vor der Schlange zu hocken z.B. wenn einfach nur ein Passant nach der Uhrzeit fragt, die Kassiererin im Supermarkt den Lebensmittelpreis sagt, die Straßenbahn voll ist, der Lehrer jemanden an die Tafel bittet…).

Dieses Ziel hätten wir auch mit noch bestehendem Täterkontakt erreichen können. Aber so wie wir es jetzt gelöst haben ist es perfekt- für uns! Es ist innen klar, dass es kein Zurück mehr gibt- das warum, wieso, weshalb; das tiefe Gefühls-Identitätschaos dazu wird seinen Platz bekommen- aber erst wenn wir es auch komplett (er)tragen können.
Bei all dem haben uns immer mehr die Helfer und Therapeuten geholfen, die nicht retten wollen, sondern begleiten und damit helfen.

Ein paar Hinweise für Betroffene, die sich durch Ämterdschungel, emotionale Abhängigkeit, ökonomische Abhängigkeit, physische und psychische Abhängigkeiten nicht in der Lage sehen “einfach zu gehen”:

Es gibt den “weißen Ring e.V.” der Opfern von Kriminalität hilft- auf verschiedene Art und Weise. Dazu gibt es in fast jeder Stadt eine (psychologische) Frauenberatungsstelle. Hilfreich kann ein Gespräch mit einem Mitarbeiter schon allein deshalb sein, weil man sich schon damit signalisiert: “Ich kümmere mich jetzt um mich.” Völlig gleich ob dann direkt eine lebensverändernde Wende erreicht werden kann oder nicht: Irgendwo innen bemerkt irgendjemand oder irgendwas, dass sich gekümmert wird.

Anrufen, hingehen, gucken wie es sich anfühlt.
Erwarte keine Retter- erwarte Begleiter!

Weiterhin kann es hilfreich sein sich mit den Statuten rund um Hartz4, Integrations- und Eingliederungshilfen auseinander zu setzen. Oft genug wird der Datenschutz verletzt, Antragssteller beim Jobcenter auf Abläufe verwiesen, die in akuten Notsituationen nicht angezeigt sind (z.B. kann ein Antrag auf Hartz4 bzw. die Gründung einer eigenen Bedarfsgemeinschaft nach Trennung vom gewaltätigen Ehemann mündlich bzw. formlos und sogar ohne Termin erfolgen und entsprechend auch zügig eine Einmalzahlung zur Sicherung des Lebensunterhaltes) oder auch Hilfen nur gezahlt wenn eine Bindung zu dem Ort in dem man zur Zeit des Antrags lebt bestehen bleibt. Man braucht für diese Dinge wirklich starke Nerven und die hat man schlicht nicht immer. Ein Gang über eine gesetzliche Betreuung oder die Zusammenarbeit mit einem SozialARBEITER (keine Sozialpädagogen!) oder auch einem Sozialverband lohnt sich also immer. (Wir kennen sogar jemanden der mal sagte: „Teils war ich richtig dankbar einen Widerspruch nach dem anderen verfassen zu müssen und dem Amt so richtig in den Arsch treten zu müssen- es war ein guter Einstieg erstmal gegen das Amt zu rebellieren. Statt gleich mit den Tätern zu beginnen“)

Ich wünsche allen die heute noch Gewalt erleben müssen ihren persönlichen Moment. Den Moment in dem die Erkenntnis: “Das will ich nicht mehr!”, das erste Mal aufblinken und sich aufmachen kann von etwas in ihnen genährt zu werden. Um letztlich zu einer Kraft zu werden, die über viele emotionale Täler hinwegtragen kann.

Bis zu diesem super coolen Sonderangebot, dass es kostenlos und überall auf dieser Welt geben kann:

Freiheit

Selbstgeburt/ Fusion/ Integration

Also entweder habe ich mich gerade selbstgeboren (im Traum) oder bei uns innen sind zwei zusammenge“wachsen“.
Ich bin nach dem Mittagessen eingeschlafen, was mir sonst nur in sehr anstrengenden Zeiten passiert und habe geträumt.
Es war sehr schön und ruhig. Hatte viel mit meinem Körper und meiner Seele zu tun. Aber auch mit (Ur)gewalt, Ohnmacht, Hilfe, Solidarität, Leben und Schutz.
Jetzt bin ich wach und fühle mich seltsam schwach und stark gleichzeitig.
Ein bisschen so als wäre ich gerade von einer langen schweren Reise zurück- könnte aber gleich sofort aufstehen und das Gleiche nochmal machen.
Innen summt es und mir fehlt eine Person die sonst immer in mittelbarer Entfernung von mir stand. Aber ich merke sie noch. Also weg ist sie nicht. Aber sie ist nicht mehr so da wie sonst.
Das ist gerade wirklich komisch hier alles.
Aber irgendwie doch auch passend zu dem Bild, dass ich im Traum gesehen habe. Es ist ein Motiv, dass ich auch von irgendwoher schon kenne. Ein Oval,in dessen Form ein großer Mensch um einen kleinen Menschen herum ist.
Eine künstlerische Sprache für „Leben“.

Multiple Persönlichkeiten

allgemeines Bild vs. Wissenschaft
Beginnen wir mal mit dem offenbar immernoch vorherrschendem Bild über Menschen mit einer Dissoziativen Persönlichkeitsstörung (DIS), die früher als „multiple Persönlichkeitsstörung“ (MPS) bezeichnet wurde.
sehr klassisch und immer wieder gerne genohmmen:
– der Mörder ist der Multiple
– Jekyll und Hyde
– Multiple sind für nichts verantwortlich
– diese Störung gibt es nicht- sie wird von Therapeuten eingeredet
– diese Störung wird immer gespielt um sich vor etwas zu drücken, z.B. einer Gefängnisstrafe (siehe Verantworung)
Allgemeine Annahmen
– multiple Persönlichkeiten enstehen immer durch sexuellen Missbrauch
– haben immer etwas mit Satanismus zu tun
– wurden alle Mind Control unterworfen (man spricht auch von Programmierungen)
– können unkontrolliert anfangen brutal zu werden

– sind gefährlich/ unzurechnungsfähig/ lebensunfähig

Die Wissenschaft ist zum Glück weiter!
Hier habe ich eine schöne Seite gefunden http://sciencev1.orf.at/science/news/100998
Tatsache ist, dass die DIS eine Form der Traumafolgestörung ist!
Es liegen immer Nahtoderlebnisse bzw. schwere Traumata im Alter zwischen 0- 5/6 vor.
Egal welche!
Ein Trauma? „Das ist doch nur Krieg oder sowas!“
Ein Trauma ist dann traumatisch, wenn es der Betroffene nicht verarbeiten kann.
Es gibt Menschen, die in ihrer Kindheit misshandelt wurden und eine DIS entwickelten, während viele andere dasselbe ohne so eine Störung zu entwickeln überstehen!
Der Punkt ist die Wahrnehmung der Situation. Und die Hilfe ausserhalb. Der Kontakt zu anderen Menschen. Die Beziehung zu sich selbst und zur Umwelt.
Schöner geschrieben und erklärt findet man hier sehr viel:
http://www.onmeda.de/krankheiten/multiple_persoenlichkeitsstoerung.html
Unabhängig von der Störung, von der Qual in der Vergangenheit sind auch multiple Menschen für dass, was sie tun verantwortlich!
Wer sich in der „Internetszene der Multis“ tummelt wird bemerken, dass es trotz der vielen Persönlichkeiten genau die gleichen Grundstrukturen in den Betroffenen gibt, wie bei den sog. „Unos“.
Da gibts es welche, die doch recht theatralisch auf ihrem Leiden sitzen.
Einige, die sich extrem absolut gegen Alles und Jeden sperren und verurteilen, der nicht dem eigenen Weltbild entspricht.
Ein paar, die sich extrem anpassen und lieber keine Auseinandersetzungen forcieren oder überhaupt eine Meinung forumlieren.
Einige, die Situationen des Alltags oder Lebens allgemein sehr analytisch angehen und verzweifeln, wenn sie spüren, dass auch Gefühle nötig sind.
Und dann gibt es noch die sogenannten „Faker“.
Menschen, die gerne multipel wären. So unglaublich es klingt- die Möglichkeit sich für Aussenstehende völlig vom eigenen Selbst getrennt behandelt zu sehen, ist für erstaunlich viele User eine offenbar angenehme Weise zu interagieren.
Das sind oft Menschen, die nicht verantworten wollen, was sie tun. Auch was sie anderen antun.
Oder auch Menschen, die extrem selbstunsicher sind.
Was solche Menschen aber letztlich tun ist meistens zerstörerisch und egoistisch..
Es gibt Internetforen, die durch solche „Faker“ geschlossen werden mussten, obwohl vorher eine gute Gemeinschaft und ein konstruktiver Austausch herrschten!
Freundschaftliche Kontakte wurden zerstört durch die manipulativen Verhaltensweisen, dieser Menschen.
Und- nicht zuletzt- wird auch das Bild des „kranken“ und „nicht zurechnungsfähigen“ Multiplen in der Allgemeinheit aufrecht erhalten!
Was dazu führt, dass denen, die Hilfen, Verständnis und Gemeinsamkeit brauchen, weiter in dem Schatten dieser Vorstellung bleiben müssen.
Wir sind eine Multiple Persönlichkeit.
Wir gehören zu der Gruppe der „Multis“, die einfach nur aus der Isolation will.

Wir haben eine Sozialisierung erfahren, die nicht kompatibel ist mit dem, was heute nötig ist um sich zu behaupten.
Wir haben gelernt, dass alle anderen Menschen uns überstellt sind. Und, dass man vor Autoritätspersonen möglichst unkompliziert sein soll. Wir sollen immer Verständnis aufbringen für das was mit uns passiert. Und leider verstehen wir es auch immer!
Und lassen entsprechend viel zu viel mit uns machen.
Manchmal stört es uns nicht. Manchmal stört es uns erst nach einer ganzen Weile. Und manchmal stört es uns sehr!
Wir sind seit 2002 in Therapie mit der Diagnose der DIS.
Wir haben viel gelernt. Viele Verhaltensweisen, viele Strategien haben wir seitdem gelernt, eingeübt und übernohmmen.
Und doch gibt es vieles, dass uns noch immer wieder ins Wanken bringt.

Wir haben die DIS als chronische Erkrankung geltend machen lassen und gelten offiziell als schwerbehindert.

Multipel zu sein ist nichts womit man nicht leben kann. Es geht. Es gibt ein Heilen. Es gibt eine Normalität und es gibt eine Zukunft.

Ein bisschen möchte ich das durch den Blog in die Welt hinaus tragen.