von dem Wunsch ein Chamäleon zu sein

“Ich mag so gern ein Chamäleon sein. Dann säh ich immer gleich unter Gleichen aus und 133375_web_R_by_Elsa_pixelio.denichts an mir ist falsch, ungenügend, zu viel…”
– ”Aber…”, ich beuge mich herab, lasse sie mich spüren, “mein Herz, du wärst trotzdem noch immer ein Chamäleon.”

Sie tritt einen Schritt von der inneren Klippe zurück, lehnt sich enger an meinen Flügel.
”Aber ich könnte ein bisschen mehr so sein, wie sie mich wollen.”
– “Vielleicht, ja. Und dann wollen sie dich. Weil du dann aussiehst, wie das was sie sich vielleicht wünschen. Aber schau, du und wir alle tun schon fast immer, was sich die Menschen wünschen, weißt du?”

Sie schaut mich an, fährt mit den Fingern über die Linien meines Federkleides.
“Hm.. ein bisschen denke ich das manchmal, ja.”
– “Wir sind gut darin herauszufinden, was andere Menschen wollen und wenn wir das wissen, dann ist immer da, wer es am Besten geben kann. Nicht wahr?”

Ich fühle wie sie sich an meine Seite hockt, den Kopf auf den Knien, den Rücken an mich gedrückt.

“Ja, eigentlich sind wir schon immer wie ein Chamäleon, richtig?”
– “Ja. Ich finde schon.”

Da kommt er vorbei. Seine wilden Locken in alle Richtungen stehend, der Trotz trieft aus allen seinen Poren. “Er ist ziemlich breitschultrig”, denke ich schon wieder, als ich sehe, wieviele kleine Herzen er auf ihnen trägt.
”Ich find- N. hat Recht. Ist voll krass, wie wir uns immer voll alles rausreißen, damit uns welche draussen was so wie ne Audienz erlauben oder so halt- dass die uns helfen oder einfach nur nett zu uns sind und uns keine reinhaun. Das is so als wärs voll unsere Schuld alles. Dabei könn wir ja jawohl nich immer für alles Schuld sein, ne?”.

Er schaut mich an, wartet auf mein bestätigendes Nicken. Als ich es tue, nickt er bekräftigend und fährt fort: “Eigentlich, ne- die ganze Zeit haben wir uns so als ganze Eine… halt so als Einsmensch, immer voll verstückelt und warn voll nie ganz so wie man halt so ist. So ne- guck ma H. zum Beispiel- die is nich immer nur voll krass so mutig oder so. Die heult auch ma und so. Und wir? Voll krass ey- du kannst nich mal heuln, weil dus halt gar nich kannst. Das wurd irgendwann ma abgeschafft, weil das aussen einer nich wollte. HALLO?! Wie abartig is das bitte?! Das is doch irgendwie so krank wie Chihuahuahs zu züchten die in ne Teetasse passen, weils noch süßer is für so Tussis, die sich nich ma Mühe machen zu denken, wies dem Vieh dann geht, wenns so mini is!”

Er spuckt den Abgrund runter und schaut uns an.
”Ihr habt gesagt, dass die Seelenfrau weiß wie das is mit Viele-Leuten.”
Wir nicken stumm.
”Na also- vielleicht sagt sie ja auch einfach nich was sie von uns will, weil sie welche alle von uns ma wissen will? Vielleicht is sie ja sowas wie so ne komische Einfach- mal- drauf- zu- Seele oder so. Wenn sie gecheckt hat was Viele- Sein is, dann weiß die doch ehwieso, dass welche immer so machen was sie will. Aber wir gehn doch dahin damit wir machen was wir alle so wollen. Also naja- so mit erstmal merken was wir eigentlich wollen und so und dann bereden und dann eben auch machen. Wär doch voll Affenscheiß wenn wir dann immer nur machen was sie will.”

“Ja vielleicht! Du sagst vielleicht! Und aber was ist, wenn es nicht so ist?”

Über uns knallen die Ahnungsdonner und unter uns zittert der Boden. Wir verstummen.
Unter diesen Schreien, die aus den kleinen Herzen auf meinem Rücken kommen, kann man, selbst wenn man selbst zum Schrei würde, einander nicht mehr hören.

Die beiden krabbeln unter meine Flügel, während ich versuche eine schlimme Gegenwart, als sichere Gegenwart darzustellen und zwischen meine Federn zu bringen.

Vor den Horden die das Vielleicht noch ausschmücken und uns Beweise für ihr Wissen vorhalten wollen, gibt es leider keinen Schutz.
Noch nicht.

Die Erde über die sie stampfen ist bereits ausgedörrt und rissig.
Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann es zu Spalten kommt.

müde

Es ist der dritte Tag in Folge ohne Schlaf.
Es ist der Punkt an dem ich Halluzinationen in der Sichtperipherie habe, mein Kopf auf eine dysfunktional verstümmelte Kurzstreckenwahrnehmung eingestellt ist.234247_web_R_K_by_Sarmakant_pixelio.de

Langsam über den Tag verteilt spüre ich Sandkörner in den Gelenken, die sich mit jedem Schritt vermehren. Wie Brause prickelt es unter meiner Haut und ab und an keimt die Idee in mir auf, dass es sich dabei um Insekten handelt. Am Abend höre ich dann das Aufquietschen meiner übersäuerten Muskeln und das kratzende Geräusch, welches meine Augenlider verursachen, wenn sie sich über die brennend tränenden Augäpfel zu schieben versuchen.

Ich versuche es wirklich. Ich will nicht jammern und rumheulen. Ich will nicht schwächeln und in diesen Moloch aus Selbstmitleid und Trauer verfallen.

In solchen Zeiten merke ich dann aber doch, dass ich versucht bin, nach einer Mami zu weinen- obwohl ich zeitgleich kindlich-erwachsen spüre und denke, dass keine kommen wird. Weil keine da ist. Weil ich keine habe. Weil die, die es gibt nie kommt. Weil ich ganz eigentlich auch gar nicht will, dass sie kommt, weil sie…
Weil ich eine Mami will- nicht meine Mutter.

Dieses Jahr ist es das erste Jahr in dem es keine Post um die entsprechende Zeit gab.
Keine Aufforderung. Kein Zeichen. Nichts.
Nun also nicht einmal mehr eine pseudoreligiöse Bestimmung?
Es ist wundergut- fantasischlimm und stellt den Mixer an, der sich in das Impulsgelee versenkt und alles so durchpflügt, dass ein uneinheitliches Bitterbunt in mir herumschwappt.
[Meine Mutti hat mich nicht mehr lieb.-BÄÄÄM–  Ja ne ist klar- die Olle hat dich nie lieb gehabt, begreifst du das denn nicht?!- BÄÄÄM BÄÄÄM BÄÄÄM- Hey heißt das, dass wir jetzt noch ein bisschen freier sind?- Sie wollen sicher, dass wir uns melden. Das hätten wir schon längst tun sollen. Vielleicht denken, sie, dass wir tot sind und sie trauern um uns?- BÄÄÄM BÄÄÄM- Mutti soll nicht traurig sein. Ich sollte anrufen und sagen…-Sag mal spinnst du jetzt komplett?! Wir sind nicht bis hierhin gekommen, damit du Leuten entgegen gehst, vor denen wir weggelaufen sind!- Ich bin mutterseelen allein. Mutterverlassen. Verlassen… verlassen…. verlassen _ Eine Tür knallt_  BÄÄÄM BÄÄÄM BÄÄÄM]

Ich habe mich in einer Nacht im Schlafanzug und ohne Schuhe, etwa 10km entfernt von meiner Wohnung wiedergefunden. Nach einer Flucht, wie ich denke.
Ich hatte so eine Angst vor einem ausbrechendem Feuer, dass ich mich nicht getraut habe, den Haustürschlüssel so verpackt mit Anweisungen wie es meine Therapeutin vorgeschlagen hatte, in meiner Wohnung liegen zu haben.
Ich habe wirklich Angst vor Verletzungen in so einem Zustand, Angst um Sookie, Angst um mich, Angst davor irgendwann von jemandem aufgegriffen zu werden, Angst einmal irgendwo aufzutauchen von wo ich den Heimweg nicht so einfach wiederfinde.
Angst davor zu wissen, wovor ich meine so weglaufen zu müssen.
Ich habe Angst vor Angst zu sterben.

Ich esse, nehme zu und schaue “Anxiety” dabei zu, wie sie sich mit den BÄÄÄMs vereint. Wie sie gemeinsam an der Klinge wetzen, über die sie mich springen lassen wollen, während ich Schokolade, Chips, Säfte, Zucker und allgemein ungesundes Zeug, in Massen in mich hineinschaufle, um mich mit dem Schmerz des überfüllten Bauches zu strafen und doch gleichzeitig auch auf Ebenen zu sättigen, die selbst die wertvollste Köstlichkeit nie erreichen wird.

Voilà!
Der wohl misslungenste Versuch einer Houdini-Schülerin sich aus dem kopfeigenen Selbstzerstörungs- und Ängstenetz zu befreien!
Nicht nur noch tiefer verheddert, sondern gleich noch ein paar Fesseln mehr angelegt.
Hat wohl nicht genug geschlafen!
Versagerin.
Und jetzt fängt sie auch noch an zu heulen!

klare Deutung bitte!

Heute, nach vielen Tagen in denen das Thema “sich erklären (und rechtfertigen)” wie eine bedrohliche dunkelgraue Nebelwolke über mir hing, komme ich endlich darauf, mir das Wort anzuschauen.
Endlich, nach einer Woche kreiseln und untergründiger Ängstlichkeit, schaffe ich es auf meine stärkste Waffe zuzugreifen: mein Sprachknall

Wir halten uns an die Bedeutung der einzelnen Worte, die die Menschen benutzen.
Das liegt daran, dass wir in einem Umfeld lebten, in dem unsere Interpretation- die Deutung dessen was wir hörten niemals zuverlässig zutreffend war.
Ein “Liebling” von jemandem zu sein, konnte bedeuten liebevoll gedrückt zu werden oder gewaltvoll nieder-gedrückt zu werden.
Das Wort “Liebling” aber, war immer eindeutig: ein “Ling” (weder männlich noch weiblich) welches “lieb” (also “gut”) ist (weil es mit sich machen lässt, was auch immer mit ihm passiert).

Dieser Umstand- unsere Fixierung auf allein die Worte, die verwendet werden, aber ist es, der uns die Kommunikation heute extrem erschwert.
Wo die Verwendung von Worten nicht gleich ist, wo Worte nicht deckungsgleich mit ihrer Bedeutung benutzt werden- da kann es nur Sprache geben. Nicht aber Kommunikation. Und somit auch keine Klarheit und damit auch keine Erklärungen.

Erklärungen aber sind es, die Dinge fassbar greifbar und sortierbar machen.
Auch hier kann ich wieder eine Schleife ins Gestern ziehen. Uns wurde nie erklärt, was nun genau und konkret oder gar warum wirklich etwas mit uns geschah. Früher nicht und mittelfrüher auch nicht. Erst heute, wo wir die Gelegenheit haben uns mittels der Worte und der klaffenden Wortlücken an eigene Erklärungen heranzutasten, lichtet sich der Wald aus Fragezeichen und dunkel wabernden Ängstlichkeiten. Das Unfassbare wird fassbar.

Doch wie kommen wir aus dem Dilemma der unterschiedlichen Wortnutzungen und Deutungsnotwendigkeit heraus? Reicht es aufzuzeigen? Reicht eine Erklärung- ein “sich erklären”, um eine Lösung zu finden?

Ein Beispiel.
In Bezug auf die Konflikte der letzten Zeit, sagte jemand: “Ihr müsst den Konflikt klären”.
Bei uns kam an: “Ihr müsst euch klar machen (klären- erklären), worum es bei dem Konflikt geht”; der Mensch aber meinte: “Ihr müsst den Konflikt bereden und eine Lösung/ einen Umgang finden.”
Für uns also endet die Aussage des Sprechers schon “einen Schritt vorher”.
Wo für den Sprecher ein etabliertes Reaktionskonzept in der Bedeutung hängt; ist dort für uns nur eine Denk- und erst darauf folgend Reaktionsoption. Und nichts weiter. (Wir hätten uns nie so anzupassen gelernt, wie wir es gelernt haben, hätten wir nur ein-zwei feste Reaktionskonzepte- quasi nur “eine Linie”, statt eines multiplen (!) “Optionendeltas” entwickelt)
Der Rest, ist das übliche Glücksspiel mit einer Hand im Dissoziationswerkzeugkoffer – wohlwissend, dass wir grundsätzlich gut gerüstet sind, für was auch immer auf uns zukommt. Wir wissen ja grundsätzlich, dass man vieles überleben kann…
Tja… Willkommen in der Sackgasse.
So geht es nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir uns kommunizieren lernen wollen, um klarer zu sein- auf eine gemeinsame Linie zu kommen. Erst anderen Menschen gegenüber, damit ihr Spiegeln uns wiederum hilft, uns selbst klarer einordnen zu können.

Doch was soll das Gegenüber anders sagen? Wie sollte eine Sprachführung uns gegenüber sein? (Und große Frage auch: Ist es erlaubt selbige von ihnen einzufordern?)
Wir finden Menschen bzw. Kommunikationen mit Menschen gut, die transparent sind. Wir profitieren sehr von Übertreibungen und leichter Überzeichnung, weil sie sehr viel eindeutiger auf die Bedeutung der Sätze abzielen.Und natürlich von jeder Menge Erklärungen. Synonyme die wie in einer Polonaise aneinanderkleben und mit einer offenen Körpersprache harmonieren.
Perfekt und fast so, dass wir den Dissowerkzeugkoffer nur noch am Fuß zu spüren brauchen wird es, wenn wir das Gegenüber kennen und einschätzen können. Hier kommt dann noch der Faktor der sicheren Bindung zum Tragen.

Logisch- können wir uns in Sicherheit wiegen und brauchen weder Schmerz noch Integritätsverlust fürchten, fallen so (neben vielen die Dissoziation verstärkenden Ängsten) auch viele Deutungsoptionen weg. Und plötzlich gibt es nicht mehr das Optionensortiment von Real, sondern nur noch das vom Tante Emma Laden. Eingegrenzt von einer sicheren äußeren Umgebung und einer offenen Tür für Nach-und Hinterfragen, muss man fast schon intellektamputiert (oder halt in einem desorientiertem Seinszustand) sein, um da noch daneben zu greifen.

Mittels so gestalteter Gespräche haben wir jetzt auch endlich für uns klar (geklärt- uns selbst erklärt), warum Konflikte sogar auf der schriftlichen Ebene so kompliziert für uns sind. Dachten wir doch lange, dass wir rein schriftlich klar im Vorteil seien. “Kann doch jeder sehen was ich meine- steht doch alles total pur da!” (frei von evtl. ablenkender Körpersprache und anderen äußeren Einflüssen)… Hm Hand —-> Stirn
Nein- wer es gewohnt ist Subtext zu suchen, der findet in der Regel auch welchen und macht ihn nicht von den verwendeten Worten (und ihrer Bedeutung) abhängig, sondern vom Gesamtkonstrukt aus Bedeutungen und eigener Interpretation.
Und so muss es zu Missverständnissen kommen, die entsprechende Folgen haben.
Wir sind dann eben noch eine Weile “einen Schritt” zurück und entfernt vom anderen Menschen.

Das heißt ja aber nicht, dass ich nicht doch ein bisschen drauf bestehen kann, dass mein Gegenüber entweder wartet bis ich ihn eingeholt habe (indem ich eine Erklärung oder Verdeutlichung erbitte) oder selbst diesen einen Schritt zurück geht (indem er selbst seine Worte erklärt oder auch meine Erklärungen anhört).
So gesehen, habe ich schon völlig richtig gehandelt, als ich begann mich zu erklären, in der Hoffnung, dass mich dies näher an andere Menschen bringt. Es ist meine Sache dafür zu sorgen, dass ich verstanden werde.
Wenn meine Art mich auszudrücken und verständlich zu machen aber von anderen nicht verstanden wird, aber kein Interesse an einer Erklärung besteht, dann ist es nicht meine Schuld.

Heute wie früher ist es nicht meine  Schuld, wenn die, die mich isolieren kein Interesse daran haben mich richtig zu verstehen und mit mir gemeinsam zu sein.
*abgelegt unter: “Sätze die ich mir vorsagen muss, wenn es um Konflikte geht”

von Weltuntergängen und anderen Feiertagen

Der Weltuntergang hat uns auch beschäftigt.
Und Religion. Und Pseudoreligion.
Und Atheismus. Und Pseudoatheismus.
Und unsere Angst haben wir nebenbei auch beguckt.
Aber da gibts kein Pseudo.

War schräg.
Auf einmal- keiner weiß woher- geisterten überall und überall Omen, dunkle Zeichen, Channelingsergebnisse, Geister und große neblige Mächte, zusammen mit atheistisch motivierter Religions- und Kirchenverachtung, wissenschaftlichen Analyseergnissen und lapidarem Schwarzätzhumor in einem groteskten Massentanz wie bei Disney, vor unseren Augen durch die Medien. 

Und unsere inneren Augen hatten große Pupillen.
Plötzlich drehte sich nicht nur unsere innere Welt um diesen einen Tag, sondern auch noch die Äussere. Und das auch noch auf die gleiche Art wie hier bei uns im Innen bis dato!

Die jährlichen Sonnenwendfeiertage sind in unserem inneren Weltbild verankert- auch wenn der pseudoreligiöse Inhalt dazu, alles andere als eindeutig zu benennen ist und mir das bis heute nicht schlüssig ist. Ich habe aufgehört diesen Teil der an uns verübten Gewalt im Ganzen verstehen zu wollen. Es ist uns schlicht (noch) nicht möglich nachzuvollziehen worum es ging und wieviel “echter Pseudomist” geschah und wieviel davon einfach besser verkaufbares “Thema” von Gewalt und Folterdokumentation war.
Wir leben heute einen individuellen-hilfreich-kaputtmach-(pseudo)religiösen Mischmasch aus Altem, Neuem, Gutem und Schlechtem (aber notwendigem). Alles hat seine Geschichte, seine Berechtigung und damit seinen Platz. Es herrscht der Konsens, dass wir erst verstehen und dann bewerten wollen. So kommen wir uns am Wenigsten ins Gehege und schaffen eine neutrale Basis.

Das Ganze sah dann am Tag des vorhergesagten Weltuntergangs und der Wintersonnenwende etwa so aus: 
Da gibts eine ganze Batterie von Innens, die wie ein verschrecktes Häschen in der Ecke hockt und wartet/ hofft/ fast umkommt vor Angst/ in den Startlöchern herumhibbelt, auf das die Nachricht zu uns kommt, die ihrer Meinung nach garantiert und echt wirklich immer kommt und ins Laufen kommt, was ihrer Meinung nach immer echt und wirklich und auf jeden Fall kommt. (Was seit Jahren nicht mehr geschiet, sie aber nicht mitkriegen, da sie als Anteil dieser Persönlichkeitsstruktur schlicht getrennt vom Alltagsbewusstsein sind).

Dann sind da die knackharten Alltagsinnens, die mit diesem ganzen Kram mal so gar nichts zu tun haben und sich eigentlich nur über heftige Schmerzen und ab und an aufwallendes Weinbedürfnis wundern und sich die ganze Schose rational und weltlich wissenschaftlich darlegen. Sie schauen nicht nach links und nicht nach rechts, dümpeln sicher und stumpf durch den Tag. Haben aber immerhin schon klar, keine Verachtung mehr ins Innen zubringen, wenn es um (Todes-)Ängste und Todeserwartung geht und achten so gut es ihnen möglich ist, auf reale Bedrohungen von aussen, um sofort Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Und dann sind da die Innens die so dazwischen stehen. Die sich ihre guten Inseln gesichert haben schon als der Körper noch ganz klein war. Die ihre eigenen Erklärungen vom Funktionieren der Welt und der Seele haben. Es sind so die Innens, die sehen, wie die Natur Sonne ausatmet, die an Chanukka nicht nur “eine Kerze anzünden”, sondern Lichter in die Welt und an die “schon inordnungingen Stellen in der Welt und in die Leutmenschen dadrin” bringen. Die einfach für sich völlig klar im Glauben sind- komplett unabhängig von religiöser oder weltlicher Bedeckmantelung.
Sie wissen einfach, dass es ein Morgen gibt. Immer.

Durch den Umstand, dass überall aussen etwa gleiche “Lager” zu sehen waren, wie wir sie innen haben, haben wir zum ersten Mal in den ganzen Jahren direkt sehen können, was uns helfen kann über ganz allgemein alte- schwere- (pseudo)religiöse Feiertage (Yom Kippur ist auch nicht ohne für uns) zu kommen und gut für uns zu sorgen.

– Wertneutralität- keine Verachtung oder Hohn gegenüber jedwedem Gedankengut
– Offenheit für einander
– Angstmachendes benennen und sich gegenseitig zeigen was davon heute und was früher war, Alltagsinnens festen Handlungsrahmen für selbiges zeigen
– Ängste annehmen- nicht dämpfen oder kleinreden ganz allgemein
– Pläne für die Tage danach machen
– einen oder mehrere Kontaktknotenpunkte nach aussen haben (sich zum telefonieren und einfach “Blabla machen” verabreden)
– sich von aussen nicht ins Innenleben bzw. das Glaubens-Religions-Peseudoreligionskonstrukt reden lassen (bzw. eher “drüber reden”, als es zu erklären oder rechtfertigen)
[ba- ich erkenne hier ein Muster bei uns *Augenroll* haha]
– Schmerzmittel, Taschentücher und (allgemein akzeptierte) Nahrung im Haus haben

Hab ich schonmal erwähnt, dass wir dankbar für die Gnade der späten Geburt sind?
Wie lange hätte uns das eine Therapeutin oder irgendwelche schlaue Literatur erzählen können, ohne, dass wir die Notwendigkeit so wirklich mal aufgezeigt bekommen hätten?

So, durch den Weltuntergangshype, haben wir mit angesehen, wie es sich auswirkt wenn Atheisten, Religionsverächter und missachtende Rede auf (todes)ängstliche Menschen treffen. Und wie wertvoll die Menschen, die einfach wissen, dass es immer ein “Morgen” gibt, sind für solche Szenarien.

Schon irgendwie interessant zu sehen, dass man einen im Aussen gewünschten Umgang miteinander nicht hinkriegt- aber auf jeden Fall irgendwie doch bei sich selbst.

Danke liebe Mayas… wer weiß wie es gekommen wäre, wenn ihr euch um noch ein paar Jahre mehr verrechnet hättet und wir nie davon erfahren hätten?

Ausweis Beweis Nachweis Hinweis

Tag der Weisungen…

Bei der Spaßkasse war der Automat ausser Betrieb und es wurde eine Schalterauszahlung gemacht. “Ihren Personalausweis bitte?”
Unser Personalausweis ist seit den Wahlen futsch- der Vorläufige schon ewig abgelaufen. Ein neuer mit biometrischem Hässlichfoto kostet 28,45€ + 10€ für neue Fotos.
“Der ist aber gelaufen- haben sie etwas anderes da?”
“Ja- äh… mich?! Ich bin nicht abgelaufen”, charmantes Lächeln…
Die nette Frau “lässt sich mal drauf ein- immerhin will der Automat ja auch nie einen Ausweis sehen”.

Ich bin erleichtert. Nichts erklären.
Mich nicht beweisen. Mich nicht ausweislich beweisen. Nicht nachweisen, dass ich echt bin. Nicht noch ein Kampf um meine Existenz (und damit leicht implizit: mein Sein.)

Ich fühle diesen Kampf im Moment sehr oft und rutsche immer wieder fast in den Zustand vom letzten Wochenende. Aus einer Erklärung meiner Worte, meiner Wortwahl wird eine Kontrolle meines Seins, meines Echt-Seins. Und in mir artet es aus, in verzweifeltes Flehen um Gnade, ob meiner Unfähigkeit mich verständlich zu machen. Als würde genau jetzt in diesem Moment etwas wer weiß was Furchtbares mit mir passieren, wenn ich es nicht schaffe mich- etwas aus mir kommendes, verständlich zu machen und damit zu rechtfertigen.

Es hat sich viel verändert seitdem. Und wir haben unsere Umgebung verändert.
Wir haben beschlossen, aus der “Internet- Austausch-Multiszene” auszusteigen. Unser Forum ist inzwischen privatisiert, diverse Accounts von uns, sind gelöscht bzw warten auf ihre Überprüfung und wir werden auch nicht mehr jeden Blog, jede Homepage oder sonstwie geartete Selbsthilfeseite lesen und aktiv unterstützen. (Etwas das wir bis jetzt immer, absolut bedingungslos und gern taten, weil wir denken, dass jeder Betroffene von uns ganz selbstverständlich mindestens Solidarität kriegen muss, weil diese Webseiten extrem viel Mut erfordern, den wir prinzipiell immer unterstützen wollen).

Aber nun wollen uns schlicht nicht mehr rechtfertigen!
Es ist jetzt genug.
Wir erkennen tiefes Misstrauen von Betroffenen an, gar keine Frage. Wir haben Verständnis für diverse Forderungen und auch sogar für Grenzverletzungen an uns, um uns zu prüfen.
Aber wir werden uns nicht mehr erklären und als echt und wirklich real von Gewalt betroffener Mensch ausweisen!
Das sind wir niemandem schuldig und wir sind es leid, dass es in der Selbsthilfeszene inzwischen Usus ist, quasi einen “stilles leidenes Opfer”- Ausweis bei sich führen zu müssen, um anerkannt und in seiner Art und Sprache akzeptiert zu werden.

Nein, wir sind nicht mehr verhuscht und kriegen den Mund nicht auf.
Nein, wir scheuen keine Konflikte mehr und kritisieren auch mal.
Ja wir sprechen über Sex und Pornos und hängen deshalb nicht mehr gleich weggetriggert in der nächsten Ecke- stell dir vor manche von uns haben sogar richtig Spaß damit und erleben genussvoll Sexualität mit diesem Körper!
Ja, wir schlucken keine Medis mehr- und stell dir vor, wir tun das nicht, weil es uns so super toll oberprima geht, sondern weil sie uns in unserem Sein verstümmeln und Nebenwirkungen haben.
Ja, wir gehen zur Therapie um Veränderungen bei uns zu schaffen und nicht um eine Mami nachzuerleben!
Ja, wir haben keine wochenlangen Amnesieen- stell dir vor- sowas geht nach 10 Jahren Therapie!
Nein echt, wir haben nur die Sachen im Kleiderschrank, die wir als Gesamtperson ausgesucht haben.
Nein, mir ist noch nie bei der Arbeit ein kindliches Innen (oder sonst eines, das dort nichts verloren hat) “rausgefallen”, obwohl es sie echt in mir gibt.
Nein, wirklich ja wir waren im Fernsehen zu sehen mit unserem Realnamen, obwohl wir einen organisierten Verbrechenshintergrund haben und anonym leben.
Ja, echt ich weiß was Suizid bedeutet. Könntest du meinen Körper real sehen, würde dir diese Frage im Hals stecken bleiben.
Ja, wir sind multipel und sprechen trotzdem in der Regel in der Ich-Form.
Ja, wir haben Spaß.
Ja, wir lachen sogar ab und an, obwohl wir noch keine Traumabearbeitung gemacht haben.
Ja, wir weinen auch mal so, weil uns was anrührt- ganz ohne dramatische Erinnerungen dahinter.

Ja verdammt- wir sind ein multiples Opfer, dass nicht nur betroffen-leidend ist 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr-möglichst noch lebenslang, um auch ja für immer und ewig im Kreise anderer Betroffener weilen zu dürfen.
Ich benutze eine möglichst klare Sprache und will, dass die ganze Welt die gleichen Worte für die selben Dinge benutzt und nicht reserviert für bestimmte Personengruppen. Ich finde Frauenberatungsstellen und Vereine für Missbrauchsopfer toll und hilfreich ohne Ende- kritisiere aber trotzdem offen, dass man auch dort einem gewissen Gefälle ausgesetzt ist und das mögliche Miteinander verhindert wird.
Ich kritisiere Therapiekonzepte und Kliniken und weiß aber gleichzeitig, dass sie auch hilfreich sein können.

Und trotz alle dem und alle dem, sind wir ein Opfer von Gewalt.
Wir wollen kein schwarz weiß- kein “gut” und “böse”, kein “betroffen” und “nicht betroffen” mehr in unserem Leben.
Wir wollen es bunt, lautleise, wildzahm und völlig frei von alten Zwängen und Kontrolle durch Fremde. Wir wollen auch ohne Beweis unserer Gewaltvergangenheit anerkannt werden und mit allem anderen, was uns ausmacht ebenso- völlig ohne Erklärungszwang.

Der Grund weshalb wir uns Selbsthilfeforen im Internet gesucht haben, war die Seltenheit der Diagnose.
Wenn nur eine von 100 von Gewalt so wie wir betroffenen Frauen, genau meine Probleme hat, ist völlig logisch, dass die Wahrscheinlichkeit von Austausch und Kontakt im Realleben und in meiner Stadt minimal ist. Und wenn man dort wo der Austausch ginge,  auch noch einer Szene/Clique entsprechen muss… tsss- das ist als käme man Freitagnacht zu Türsteher Heinzel und hätte ein hässliches Outfit an.
Der Club ist exklusiv sozusagen. Wer die falsche Uniform trägt, wer das falsche Leiden hat- oder nur so wirkt, weil er sich noch nicht ausdrücken kann- oder sich auch nicht ausdrücken will, wie alle anderen, der bleibt eben draussen.

Wer nicht reinkommt ist auf eine Art einsam, wie man es niemandem wünschen sollte.
Gerade wenn man selbst doch ein real betroffener Mensch ist.

Für mich ist die Form von Ausschluss durch aufgedrücktes Beweisen des- ausschliesslich beim Kontrolleur so wahrgenohmmenen!- echten Opferseins, eine Art der Gewalt, wie ich sie nicht mehr aushalten und in letzter Konsequenz auch nicht mehr selbst ausüben will, indem ich als Administratorin in meinem Forum aktiv bin.

Und so, erlebe ich es also wieder einmal.
(Gewalt)Freiheit macht unglaublich einsam bzw. birgt das extrem hohe Risiko von Einsamkeit.

Aber:
Wer frei ist, muss sich nicht erklären und rechtfertigen.
Auch schön.
Entspricht der Wegweisung, die wir für unsere persönliche Freiheit angenohmmen haben.

Was will es sagen, wenn es allen etwas sagt und es alle schon wissen?

Manchmal denke ich immernoch, dass meine Art zu sprechen und mich auszudrücken missverständlich ist. Ziemlich sogar.
Eigentlich ist es fast schon ein Projekt für mich heraus zu finden, wie man so gestrickt sein muss, um mich in bestimmter Hinsicht misszuverstehen. Nicht nur mit meiner Wortsprache.

Anlass für diesen Gedanken war unsere letzte Therapiestunde.
Es ist in der Regel so, dass ich meine ersten Sätze dort, in der ganzen Zeit zwischen den Stunden gebügelt, gestärkt und zurechtgelegt habe.
Sie liegen mir hübsch sortiert auf der Zunge und im Kopf.
Ich brauche keine Angst vor einem Schweigen haben, während dem mich jemand direkt anschaut.
Die Schrittfolge für mein Vermeidungstänzchen sitzt. Meine Rede stützt meine Schutzblase um mich herum und ja- ich brauche keine Angst haben, dass… nein- eigentlich kann ich nicht einmal der Angst einen Namen geben.
Mir ist es völlig klar- ich will nur bitte nicht dissoziieren. Ich weiß, dass das mein Problem ist. Dass ich eine übermäßige Angst vor Erinnerungen habe, die immer wieder hoch kommen, wenn ich an etwas denke, etwas tue, etwas betrachte, eine Situation erlebe.
Jedes Mal habe ich Angst und schütze mich mit der Dissoziation, die mein Gehirn in traumatischen Situationen so gut eingeübt hat, dass es heute auf alles wie eine solche reagiert.

Die Therapeutin fragte, was genau ich denn so “mitkriege” und ich sagte: “Immer so die Mitte, glaube ich.”
Ich fing an nachzudenken und dann- rutschte ich aus. Schrittfolge verpasst. Der Walzer zog ohne mich weiter.  Ein riesengroßer dunkler Ahnungsdonner schob sich auf mich zu. Ich habe nicht hingeschauen können- ein Schmerz von dort heraus zerriss mich.
Ich versuchte wirklich angestrengt und innerlich schon völlig überfordert noch ein paar Schritte aus meinem Programm “In die Realität mit Mathematik” und verlor den Rest der Stunde.

Wir haben wieder überzogen. [BÄÄÄM]
Und die Therapeutin legte ihre Zettel ineinander und sagte, dass sie sich fragt, was ihr dieser Schmerz sagen soll. Ob ihr jemand etwas sagen will.

Und ich saß da und dachte: Was soll es ihnen denn sagen, wenn es einfach so sagt?
Ich dachte, wie absurd es ist, dass ich vor einer Erinnerung flüchte, die mich gerade mal so erwischt auf der körperlich-somatischen Ebene- sie aber meint, der Schmerz sei ein Kommunikationsversuch.
Für mich ist die Botschaft von Schmerz völlig klar. Schmerz steht da und brüllt in seinem neongelben Sein: Schmerz!
Fertig.

Aber viele Therapeuten lernen anscheinend ganz viel zu interpretieren. Ganz viel zu deuten.
Als würde das, was die Klienten sagen und das was sie von sich aus heraus lassen, nicht auch für sich selbst sprechen und stehen können.
Gerade bei mir (allgemein Menschen mit DIS oder auch DDNOS) sieht man das doch sogar eigentlich sehr deutlich.
Ich bin “weg”, wenn der Schmerz zu groß, die Ahnung, die Erinnerung zu nah an mich heran kommt. Und wer ist dann da? Eine Seite von mir- mein Ich in einem Zustand, der näher dran ist. Der auch etwas sagen kann. Der auch für sich stehen und sprechen kann.
Man braucht nicht zu fragen: “Was hat das jetzt zu bedeuten”.
Man kann einfach fragen: “Warum hast du Schmerzen? Kannst du merken, dass es eine Erinnerung ist und kein echter Schmerz?”
Das ist zumindest was ich machen würde, wäre ich in der Lage meine Innens so wahrzunehmen, wie Aussenstehende. Allein, die Tatsache, dass dort Innens sind, macht doch klar, dass es sich um ein Hasch mich- Spiel zwischen mir und meinem Erinnerungssortierungsversuchsgeplagtem Gehirn handelt. Und nicht darum, dass ich nicht merke, wie ich vor meinen Konflikten weglaufe und das unbewusst ausdrücke und unbemerkt kommuniziere.

Wenn mir aber meine Therapeutin so gegenüber sitzt und mich fragt, was es zu bedeuten hat, fange ich an mir zu zweifeln. An meiner Sprache und meinen Worten.
Und was nehme ich mir für die nächste Stunde vor?
Extra Stärke, extra Bügeleisenhitze, extra scharfe Wortfalten, die ich mir in die Zunge und den Kopf stampfe, damit ich auch ja nicht meine Schrittfolge im Vermeidungswalzer verpasse.

Immerhin- ich tue es nicht mehr unüberlegt und reflexhaft. Ich habe den Mechanismus klar, der zu meinen Zweifeln geführt hat und kann auch das kommunizieren.
Vielleicht so, dass die Therapeutin mir vormacht, dass ich nicht alles sagen können muss, um zu kommunizieren, wovor ich mich zu erinnern fürchte.

Haben wir richtig gewünscht

Eigentlich ist es gar nicht so anders.
Eigentlich ist es nur anders anders.

Ich denke, gerade im Bezug auf die multiple Persönlichkeit(sstörung), wie DIS früher hieß, kann man die Macht der Sprache sehr schön fest machen. Man kann sehen, was für einen Einfluss Worte auf unsere Vorstellungen und daraus hervorgehende Einstellungen und auch Umgangsformen haben.

Ich lese immer wieder in Büchern von Betroffenen, auf Homepages oder auch in Blogs, wie sie sich abmühen Worte zu finden, die ihr Gefühl beschreibt und möglichst nah an etwas kommt, was beim Gegenüber ein möglichst nachvollziehbares Bild entstehen lässt.
Da wird dann davon gesprochen, multipel zu sein, sei wie in einer WG. Oder wie in einem großen Haus, wo man sich nicht so recht kennt. Oder man sei ein Team, dessen Mitglieder ganz unterschiedlich seien. Man sei eben eine Gruppe unterschiedlicher Menschen in einem Menschen.

Fakt ist, dass das nicht genau so ist.
Es ist ein subjektives Empfinden, dass meine Innens zu “Menschen mit Persönlichkeit” werden lässt. Ich finde es sehr witzig, dass ausgerechnet ein Disneyfilm, mir ein gutes Werkzeug in die Hand gibt, um es etwas Grundlegendes beim Multipelsein zu erklären.

Der Film heißt “Verwünscht” und zeigt, wie es einer Disneyfilm-fast-Prinzessin, einem Disneyprinzen [der Erste mit Namen im Disneyuniversum übrigens haha], einem Disneybackenhörnchen, einer bösen Stiefmutterhexe und ihrem devoten Lakaien ergeht, die in der Realität von New York landen und dort auf einen Vater mit seiner Tochter und dessen Fast-Verlobte treffen.

Von der eindimensionalen Welt in die 3D Welt. Von einer Welt in der man seine Gefühle singend und in absurden Tanzeinlagen mitteilt, Tiere sprechen können, und ein Wunsch- eine Aufgabe- ein Posten- ein Gefühl-  eine Sehnsucht- eine Angst oder auch reine Machtgier, alles zu sein scheinen, worum sich die Existenz der Figuren dreht.
Niemand fragt, warum die Stiefmutterhexe Angst um ihren Platz auf dem Thron hat, niemand denkt drüber nach, was das für ein Mädchen ist, dessen Freunde die Tiere des Waldes sind und vergeht in der Hoffnung auf der wahren Liebe Kuss. Es stellt niemand das kriecherische Dienen des Lakaien in Frage. Und wieso sich der Prinz ewig kämpfend- aber von Liebe singend gebärdet- hm darüber wundert sich im Disneyland nie jemand.
Dort ist es eben so. Dort passt es eben. Würde sich dort auch nur einer dieser Punkte verändern, würde sich dort alles verändern- und das nicht zum Besten aller.

Es ist bei meinen Innens genauso. In unserem früheren Leben bestand ihre Existenz in ausschließlich der Ausführung einer Funktion, dem Aushalten eines Gefühls(gemischs), dem Umgang mit einer einzigen (Körper)Empfindlichkeit (in jeweils einer bestimmten Situation) oder auch einer einzigen Art zu denken, zu bewerten, und wahrzunehmen.
Wäre dem nicht so gewesen, hätte sich alles verändert. Wir als Gesamtperson (wir als Disneyfilm) wären gestorben (ein Kassenflop geworden), wenn sie nicht so gewesen wären.

Und genau wie die Fast-Prinzessin im Film, hatten wir das Glück die andere Welt kennenzulernen.
Genauso erschreckt, verängstigt, verwundert, verwirrt und verletzt, weil wir uns direkt auch erstmal an einen Menschen wendeten der uns in seinem Sein vertrauter als andere erschien, klopften wir, ebenso wie dieses Mädchen, das durch die Stadt geschubst, vom Regen durchtränkt und von einem Bettler bestohlen, an ein Bild der Realität, die wir schon kannten. Voller verzweifelter Energie- aber doch unerschütterlich davon überzeugt, dass es dort der einzig richtige Platz ist. Und dort alles schöner sei.

Auch wir wurden gefunden, aufgefangen und so gerettet. Und auch wir werden an die Hand genommen und belehrt wie das Leben in dieser Welt so ist.
Nun ist es aber so, dass Eindimensionalität alles andere als kompatibel ist in einer 3D-Welt.
Es gibt eine Szene, die ziemlich gut unsere Frontfrau darstellt. Die Prinzessin ist wütend- aber wütend sind in Disneyland ausschliesslich die Bösen oder die Bockigen. Nie aber die Prinzessinnen- die sind vielleicht mal beleidigt oder schmollen.
Unsere Frontfrau ist nicht einmal das jemals von sich aus gewesen. Sie war immer einfach nur existent und so wenig “Sein” wie nur irgend möglich.
Die Prinzessin ballt die Fäuste, läuft auf und ab, redet lauter, deutlicher- stockt zwischendrin, weil ihr nicht sofort heraus will, was sie sagen will. Ihr Gesicht ist dunkler und der Mann sagt:
“Du bist wütend” und sie sagt: “Ja…. Ja! Hurra! Ich bin wütend”.

So ähnlich ergeht es uns (und aber am Meisten schon der Frontfrau), wenn wir einander berühren innerlich. Wenn wir ein Stückchen näher an uns heran kommen.
Oft ist nicht klar, was es für Gefühle, Gedanken, Intensionen sind, die innen arbeiten und herausquellen. Dann brauchen wir andere Menschen wie Mensch XY, unsere Gemögten und unsere Seelenfrau um eine Einordnung zu schaffen. Erstmal nur das. Denn wie diese Fast- Prinzessin, können wir die gesamte Wahrnehmung nicht direkt ganz aufnehmen. Die Dissoziation verhindert dies, um eine Überflutung und damit einen Zerfall zu verhindern.
Aber allein der Name auf diesem Aktenordner der Wahrnehmung innerer Prozesse, hilft bereits etwas grundsätzlich zu ordnen und als etwas von sich selbst und normal und als ganz basal in Ordnung zu empfinden. Schon dies bewirkt eine Veränderung. Schon das nimmt unglaublich viel Angst und damit weiteren Dissoziationsanlass.

Wie dieses Mädchen im Film lernen wir unterschiedliche Dimensionen kennen- und finden sie in Form der Innens in uns als Gesamtperson wieder. Wir lernen eine andere Art der Umgangsformen kennen, so wie die Prinzessin lernt, dass es nicht so läuft: Prinzessin wird gerettet, singt im Duett mit dem Prinzen und heiratet dann. Sondern dass es heißt: Sich kennenlernen, schauen was man an sich mag, was man am anderen mag, was man gern miteinander tut. Dass man Dates macht und sich verliebt. Dass ein einziger Kuss vom Prinzen noch lange nicht der wahren Liebe Kuss sein muss.

Unsere Frontfrau muss das auch so lernen. Wir müssen ihr Nichtssein mit uns verknüpfen, um überhaupt ein Gesamtbewusstsein darüber zu erlangen, was uns als Persönlichkeit im Ganzen gefällt und was nicht, was uns körperlich angenehm ist und was nicht und was uns, welche Gefühle verursacht und wie man mit ihnen gut umgeht.

Am Ende des Filmes ist es so, dass die böse Stiefmutterhexenfrau stirbt (obwohl wir wirklich gern gewusst hätten, warum sie ihren Thron nicht teilen wollte- aber am Ende hätte sie eh nicht mehr draufgepasst, weil sie sich in einen KingKong-Drachen verwandelt hat), die anderen Figuren bewerten sich neu und führen ein neues Leben, dass sie sehr erfüllt und glücklich macht.

Der Lakai öffnet sich für seine Wut und seine Verletzung durch die böse Stiefmutterhexe; das Backenhörnchen (das den ganzen Film über darunter leidet, nicht sprechen zu können, schreibt in der Disneywelt ein Buch darüber, die Fast- Prinzessin lebt mit dem Vater und seiner Tochter zusammen und macht, was sie gut kann: Nähen.
Hochinteressant fand ich, dass der Prinz in die Disneywelt zurückging- im Schlepptau die Fast-Verlobte des Vaters, die so glücklich mit einfach genau dieser einzigen Funktion- nämlich der der klischeehaft geliebten Königin, ist. Der es offenbar egal ist, dass Teile von ihr fehlen- oder vielleicht nicht gewünscht sind oder schlicht nicht vorkommen können.

Das finde ich deshalb so interessant, weil ich nicht mehr nachvollziehen kann, was so schön- so einfach-so erfüllen daran sein soll, nur noch eine Aufgabe zu erfüllen- ohne alles das, was es noch so gibt.

Tja… so kann ein Therapieerfolg auch aussehen:  Dass man plötzlich… beim Schreiben des 150sten Artikels seines Blogs merkt, dass man doch bereits sehr viel deutlicher „3D“ ist, als man es sich vorher je klar gemacht hat…

Edit auf Nachfrage:
Heißt im Klartext: multiple Persönlichkeiten sind keine Menschen mit vielen Persönlichkeiten in sich, sondern Menschen die Teile ihrer Identität bzw. die verschiedenen Seins-Zustände von sich als so fremd und getrennt von sich selbst wahrnehmen (und von aussen ebenfalls so wahrgenohmmen werden), als seien es andere Persönlichkeiten.
Jedes meines Innens ist in der Lage aktiv zu handeln- aber extrem eindimensional und „flach“- erst in Verbindung mit anderen Innens bekommt es eine Tiefe (und Höhe und Breite… eine Dimension, wie man sie gemeinhin mit Persönlichkeit assoziiert).

ich erklärs dir mal…

Es ist zu eng, zu fern, zu weit von diesem Kind, das viel nah unter der Oberfläche ist.
Dort ist kein Platz- kein Millimeter mehr, um mich dazwischen zu drängen, meine Schwingen auszubreiten, es aufzufangen und in die Höhle auf meinem Rücken zu heben.

Es gibt für mich keine Möglichkeit- ich kann nicht in das Kellerloch, aus dem es um sein Leben schreit- ich kann nicht die steife, harte- stummblinde Verschalung, die sich Frontfrau nennt, sprengen, wenn so etwas passiert.

So ist es für mich, wenn “Herr Trigger” bei ihr anklopft..

Wenn das Schreien herausbricht, das Kind in einer Realität landet, die es nicht kennt.. dann ist niemand da, der es hört. Da ist niemand der sein Leiden beendet.
Es ist stockfinstere Nacht und wir sind allein in unserer Wohnung.
Es weiß nicht, wie das Telefon funktioniert, es hat keine Ahnung von mir, es weiß nicht, dass ihm nichts passiert. Es ist was es ist: das verselbstständigte Flehen um ein Leben, das nicht mehr ihm gehört. Es hört nur noch das Lachen jenes Monsters, dass es in dieses Loch schmiss und sieht nur noch die Wände von eben diesem.

Manche glauben ich sei Nähe in Reinkultur. Ein Beschützertier. Ein allmächtiger Schwan.

Dabei bin ich nur das, was sie einen ewigen Zeugen nennen.
Ich bin nur das, was sich von dort unten befreien konnte.

Ich kenne sein Leiden nicht aus eigenem Überleben.
Aber ich habe nie vergessen können, woraus ich mich befreit habe.
Und was ich dort zurück zulassen gezwungen war.

Ich wünsche mir, mit den gerecht wütenden und den starken Aufrechten zusammenzukommen.
Vielleicht könnten wir dieses meiner Herzen retten
und die Frontfrau stünde nicht so stumpf-ertaubt sich fragend, wieso dieser Konflikt sie nicht mehr zu weinen aufhören lässt, in unserer Wohnung.

Ich spüre wie es in mir summt. Die Tränen laufen mir schon seit Stunden einfach aus den Augen heraus. Auch wenn ich nicht genau weiß warum und wem  wirklich gegenüber merke ich, dass ich mich dringend erklären muss- unbedingt und jetzt und sofort.
Nicht nur- als ob- sondern weil, mein Leben davon abhängt.

[Und weil wir schon mal dabei waren uns eh dumm und dusselig zu erklären und uns irgendwie einfach nur noch zu retten, haben wir uns auch noch einen Notarzt ins Haus gerufen, um uns weiter zu erklären… Kopf —-> Schreibtisch
Grandios, dass wir in einem Land leben, wo es das gibt. Also die Möglichkeit jemanden zum helfen ran zurufen. Scheiße ist leider, dass man oft irgendwie an Leute gerät, die einfach nur immer ihr Schema F durchziehen wollen. Nachhaltig denken? Vielleicht bisschen realistisch logisch?
Es kommt immer wieder das “Angebot” in “eine Klinik”  gebracht zu werden. Da könne uns viel besser geholfen werden. Hmm, jo… Eigentlich war die Dosis Diazepam schon gar nicht mehr nötig, so wie ich mich über diese Kurzsichtigkeit aufgeregt und mich damit gut geerdet hab. (Haben die dann bestimmt anders gesehen haha).
Es ist nämlich keine Hilfe auf nen Samstagabend für 3 Tage zur “Krisenintervention” eingewiesen zu werden, wo wir den Sonntag verpennt hätten und am Montag nicht mehr im Alltagssystem “geordnet” wären, sondern in genau dem System, dass uns die Umgebung “Psychiatrie” immer hat überleben lassen. Diesem System ist unser Leben hier egal- es hat damit nichts zu tun. Wozu also auf Entlassung pochen…?
Auch fies- wenn so was ist und man schon jemand ruft, damit die einen einfach nur für diese Nacht bitte körperlich abschießen, dann sprechen sie schon nicht mal mehr mit uns- die darum gebeten hat, sondern nur noch mit der Gemögten, die mit unserer Rechtsanwältin rum droht, falls sie uns gegen unseren Willen irgendwo hinbringen,]

Und dann- wenn hier endlich wieder Ruhe ist, wir medikamentös versorgt sind und es nur noch eine Weile dauert, bis wir wissen, dass wir dieses schreiende Innenkind, ohne die körperliche Panik im Nacken versorgen können, dann sind wir wieder allein.

Das ist der Moment in dem ich mich an den Rand des Lochs setze und versuche zu erklären…

 

 

 

P.S. Ich bin erschreckt, wie sich unsere Art zu schreiben, verändert, wenn Medikamente im Körper sind. Diejenige, die sonst unsere Einzelbeiträge zu den Artikeln verbindet, ist nicht erreichbar.
Obwohl mir diese Art nicht gefällt, veröffentliche ich diesen Artikel doch. Er zeigt viel von uns- zeigt aber auch einen Grund, weshalb wir Medikamente für uns so strikt ablehnen. Diesen Artikel so zu sehen, hilft auch mir, meinem Innen in dem Wunsch beizustehen und achtsamer mir gegenüber zu sein, wenn ich einen Konflikt zu lösen versuche.

so richtig

“…Ach und- nicht vergessen: Du bist so richtig- ihr seid so richtig!…”
Es regnete und obwohl wir gerade nur ein kurzes Stückchen gelaufen waren waren, glänzte der Schirm schon vor Feuchtigkeit.
Mensch XY drehte sich nach meiner reflexhaften Antwort um und lief in den Abend hinein.
Ich stand im Hauseingang roch meine angesengten Nackenhaare.

[“Na für wen bist du richtig?”
”Nur für dich und immer und immer nur für dich”
„Hmmm”.]
Ich fühlte schier körperlich, wie sein Nicken die Hitze an mir herunterfliessen liess.

So manches Mal lasse ich mich dazu hinreißen diesem Schönen zu glauben. Dieser Bestätigung meiner Gedanken und meines So- Seins als Gesamtperson. Es sind solche Sätze, die spürbar gemochte Zwei-Mehrsamkeit und sogar der mutige Tanz währenddem ich ein Herz an meinem Ohr habe.
Sie sind Träume von einem schönen Morgen, Futter für die uns tragende Überidealisierung des Lebens auf das Wir hinleben und gleichzeitig der schlimmste Verrat.

Manchmal komme ich davon, indem ich eine falsche Realität nach innen leite.
“Es war nur ein Traum… nur ein Traum… nur ein schöner- ja ich weiß: verbotener Traum- bestraf mich dafür so zu träumen… ich habe aber nichts real getan… es war nur ein Traum…”.

Manchmal aber erreichen mich solche Worte komplett und stärken mich wirklich. Sie klären mich und helfen mir, mich zu positionieren- neu zu positionieren.
Mensch XY macht mich verrückt! Ver- Rückt. Ver-rückt meine Gedanken und Gefühle in Richtungen die ich nicht kenne, die neu sind, die schön sind, die spannend und aufregend und sooooo viel Leben sind.

Die BÄÄÄMs wollen auch leben. Aber sie haben eine andere Grundlage dazu als ich.
Wo ich nach dem Leben mit anderen Menschen strebe, Hund, Kind, Mensch und zusammenpassende Schlafanzüge will; wollen sie nur die Lebenskraft die ihrer Meinung nach aus Schmerz und Qualen geboren wird. Ohne wirklich eine Idee zu haben, was sie mit all dieser Lebenskraft dann anfangen wollen.
Ohne zu wissen, wie leer man von Leben ist, wenn man vergewaltigt und noch anders gequält wurde.

Sie sind so richtig. Was wissen sie denn Anderes? Haben sie mal ein schlagendes Herz gehört? Haben sie mal eine lebende, tröstende Hand gefühlt? Haben sie mal jemanden gehabt der sie annimmt, ohne ihre Loyalität zu verachten oder für sich in seinem Kämmerlein konträr zu bewerten und ohne, dass sie zusätzlich den Körper und die Kontrolle darüber, was mit ihm geschiet, abgeben mussten?

Wo ich so richtig bin, wenn ich mir die Augen ausweine, weil ich gefühlt nirgendwo Selbsthilfeaustausch finde, wo ich gehalten und in meiner Ansicht gestärkt werde, da ist auch die absolute Loyalität jener richtig, die mich genau für den Wunsch danach quälen und stellvertretend foltern.

Es fühlt sich seltsam an, die BÄÄÄMs so zu betrachten. Es ist eine neue, fremde, spannende, aufregende Position, ihnen zuzugestehen, dass ihr Handeln, Denken, Einfordern… all ihr Sein, auch richtig ist.
Genau wie ich es für zumindest diesen einen ge-XYpsilonten Menschen auf der Welt bin.

Erschütterungen

Jemand schrieb mir in einem Kommentar:
“ich bin immer wieder erschüttert, wenn ich deine texte lese.”
In einem spontanem Aufwall von: “Ach du je- der Arme!”, entschuldigte ich mich und schrieb, ich würde ja gar nicht erschüttern wollen mit meinen Artikeln.
Das stimmt aber eigentlich gar nicht.
Ja, doch- ich will erschüttern. Anstoßen. Impulse geben.
Nur die Grundfesten- die sollen bitte um Himmels Willen stehen bleiben bei meinen Lesern!
Mensch! Die werden doch noch gebraucht!

Ich will nicht, dass jemand nach dem Lesen meiner Artikel, weint und denkt, die Welt- die Menschen seien schlecht. Oder, dass sich jemand ohnmächtig und hilflos fühlt.

Während wir gestern so im Schneegeflimmer standen und die Flocken auf NakNak*s Fell betrachteten, habe ich darüber nachgedacht, wie ich besser ausdrücken könnte, dass es für uns normal war, Gewalt zu erleben. Und dass wir manchmal fast besser funktionieren würden, wäre das noch immer so.
Ich kam zu dem Schluss, dass es nicht besser geht. Ob noch nicht oder jemals, weiß ich natürlich nicht. Ich kann sowieso nicht beeinflussen, was und wieviel hier jemand versteht. Wieviele und welche Impulse aus meinen Worten die Herzen und Köpfe meiner Leser erreichen. Vielleicht kommt alles an und die Welt eines Menschen steht plötzlich Kopf- vielleicht kommen aber auch nur Fetzen an und ich muss mir grenzüberschreitende Kommentare hinter den Blogkulissen antun.
So wie die Flocken auf NakNak*s Fell landeten, werden meine Artikel- und ihre Inhalte landen und ankommen.

Und doch möchte ich auch andere Aspekte an der uns gegenüber ausgedrückten Erschütterung (und dazugehörenden Gefühle) nicht verschweigen. Meine Unfähigkeit damit angemessen umzugehen zum Beispiel.

Ich für mich, will es eigentlich gar nicht wissen, was andere fühlen, wenn sie meine Geschichte erfahren. Ich würde gerne erstmal selbst fühlen, was ich so fühle in Bezug darauf, bevor ich mich den Gefühlen anderer stelle.
Und da beißt sich die Katze in den Schwanz.
Ich habe keine Gefühle dazu. Ich erinnere zu wenig und zu blitzlichtartig/ zusammenhanglos. Und das, was ich erinnere verängstigt mich zutiefst.

Wenn ich das in Bezug auf andere Dinge habe, dann gehe ich auf meine Gemögten zu und versuche meine Gefühle zu formulieren, in der Hoffnung, dass mir Worte und Rahmen gegeben werden. Zum Beispiel: Als NakNak* plötzlich fester Bestandteil unseres Lebens wurde, lernten wir eine heutige Gemögte kennen und waren froh an ihr unsere Gefühle und auch Unsicherheiten in weiten Teilen gespiegelt zu sehen.

So zu handeln ist einer der Züge die uns Menschen dazu befähigt Kultur und Sozialität zu erschaffen.
Und es ist genau das Verhalten das jemand zeigt, wenn er mir schreibt, was meine Texte, meine Erlebnisse, meine Vergangenheit und auch Teile meines Innenlebens, in ihm auslösen. Es ist der Versuch zu ordnen, sich zu positionieren, sich selbst am oder auch im Anderen zu erkennen.

In meinem Fall trifft aber leider der Blick auf einen fast blinden (Zerr-) Spiegel.
Ich bin für mein Erleben, mein Sein und meine Geschichte als Ganzes fast komplett blind. Zu spiegeln gibt es selten mehr als das Schweigen der dissoziativen Leere und die um sich beißend- schmerzende Masse die einfach so aus mir heraus- durch mich hindurch- um mich herum brandet, die eben diese kurze Erinnerungsblitzlichter darstellen.
Oder auch: die Normalität der Gewalt, die andere Innens hier ab und an durchblicken lassen.
Jemand von ihnen hinterliess mir Folgendes für diesen Artikel:

Liebe Menschen,
kennt ihr den Schmerz der durch die Haut flitzt, wenn ihr euch beim Nähen in den Finger stecht? Autsch-ne? Braucht man nicht öfter, richtig?
Habt ihr mal nen von oben bis unten tätowierten Menschen gefragt, ob “es denn nicht wehgetan hat”?
Wart ihr ihm gegenüber genauso erschüttert, als euch der Mensch sagte, dass es das nicht getan hat?

Es stimmt- was man immer wieder erlebt wird normal- nicht weiter aufregend- nicht weiter schlimm. Das Erleben einzelner Punkte rückt in den Hintergrund und verschmilzt zu einer grauen Eminenz. Vorallem wenn man von Ergebnis überzeugt ist. Bei dem volltätowierten Menschen ist es vielleicht die Kunst auf der Haut- in unserem Falle, war es das “noch immer am Leben sein”.
Und heute erst fangen wir an zu lernen, dass es Menschen gibt, die nicht so aufgewachsen sind; dass es Menschen gibt, die solche Taten als schlimm und Unrecht bewerten; dass es Menschen gibt, die uns für so wertvoll halten, dass sie regelrecht nach- mit- leiden, wenn sie erfahren, was wir durchgemacht haben.

Doch das ist der Punkt. Es ist ein “nach- mit- leiden”. Ein rückblickendes “Nach-leiden”. Mindestens ein nach(trägliches)-empfinden.
Was genau hat das für einen Zweck?
Es ist doch schon passiert. Wir haben doch schon fertig gelitten und die Situation ist vorbei. Nun ist es nicht mehr nötig (nach-) zu leiden und mir das zu sagen.
Ausserdem scheinen ja nicht alle von uns wirklich auch immer nur gelitten zu haben- irgendwas an diesem Leben gab es ganz offensichtlich immer, dass uns am Ende half weiter zu überleben.
Es wäre doch viel sinniger, ein Bedauern auszudrücken und den Impuls des Nachempfindens auf die Gegenwart zu übertragen.
Genauso wie die Impulse, die auf eine Erschütterung aufgrund von hier Gelesenem folgen, schlau genutzt werden könnten.

Es tickt dich an, wenn du von (sexualisierter) Gewalt hörst und liest?
Dann sag das laut und deutlich! Werde aktiv und  hilf zu verhindern, dass es weiter geschehen kann!
Es erschüttert dich, wie sehr erniedrigende Objektivierung (im Rahmen von Pseudoreligiösität, pseudopolitischer Auseinandersetzung, Misshandlung und Gefangenschaft) auf allen Ebenen in einem Menschen verankert bleiben kann, selbst, wenn sie nicht mehr erfahren wird?
Dann vergiss das nicht, wenn du das nächste Mal vor jemandem stehst, der dir seine Erfahrungen damit anvertraut!
Es macht dich wütend, wenn du liest, wie schwer es ist zu heilen und Hilfen und gerechten Ausgleich zu erhalten als Opfer von Gewalt?
Dann mach nicht den Fehler und krähe nach der Todesstrafe für die Täter, sondern für angemessene Opferhilfen!
Dein Kopf gibt dir keine Sicherheit im Umgang mit einem Menschen der soviel Gewalt erlebt hat?
Dann öffne doch mal die Klappe in deinem Herzen und folge den Impulsen die dort herauskommen ein Stückchen!

Das ist, was ich hier erreichen möchte.
Und das ist, wozu eure Grundfesten so dringend gebraucht werden!
Wenn ihr das nicht erlebt habt, habt ihr die Stütze, die uns fehlt. Dann ist genau dies der Teil, der zu uns hinreflektiert wird- den Zerrspiegel ebnet- die Oberfläche blank reibt- , wenn ihr uns eine Hand reicht.
Und das ist soviel wertvoller als alles Bedauern, Wüten, (stellvertretend) Trauern und auch (teils stellvertretende) Leiden mit dem Uns von früher.

Seid erschüttert und tragt die Erschütterung weiter!