Autismus und DIS #3

“Autistin, klingt nach Artistin.”, denke ich und schwanke aus der Straßenbahn direkt gegen eine Wand aus feuchtwarmer Luft.
Es ist kurz vor 20 Uhr und meine Bewegungen haben nichts mehr mit mir zu tun.

Während ich das Rad losschließe, denke ich darüber nach, wie es jetzt weiter geht und wer noch bleibt.
Ich denke an Mensch XY und wie er den Kopf schüttelte, als ich ihm sagte, dass ich mich auf die Diagnostik einlasse. “Nee – Autismus. Du nicht… oder?”, war seine erste Reaktion und obwohl ich weiß, dass die Zweite und Dritte nicht die Gleiche sein muss, ist mir klar, dass ich mich wieder in einer Situation befinde, in der ich Kraft aufbringen muss, wenn ich mit Menschen darüber reden werde. Ich muss mich auf Verletzungen und Anforderungen einstellen.

Als die DIS-Diagnose gestellt wurde, war das ähnlich.
Wir haben niemanden mehr aus der Zeit vor der DIS-Diagnose in unserem Leben und jeder Mensch, den wir danach neben uns fanden, hatte den Kontakt zu uns gewollt und dafür auch ausgehalten/ertragen/geduldet/akzeptiert, dass wir viele sind und damit manches einhergeht, das nicht einfach ist.

“Ich wünsche mir, dass die Menschen, die jetzt sind, bleiben.”, denke ich und merke, wie ein Jemand ein Kinderinnen verprügelt.
Menschen wünschen ist noch immer schwierig. In jeder Hinsicht.

Ich richte meine Aufmerksamkeit auf die in meinem Gesicht und unter der Haut zuckenden Muskeln. Atme durch.
Mit dem Fahrtwind im Gesicht und auf den freien Armen ist es schön. Federstreichelluft.
Ich habe ein Wimmern im Kopf und am Rand meines Bewusstseins pocht ein Schmerz. Vielleicht mache ich es nur schlimmer mit dem Gedanken, dass ich jetzt gern jemanden hätte, der statt mir einkauft. Oder auf mich warten kann, ohne selbst in Not zu kommen.

Sie stampft durch den Laden und geht die Route ab. Milch, Jagdwurst, passierte Tomaten, Wassereis. An der Kasse frage ich sie, ob wir uns das überhaupt leisten können. “Nein.”, antwortet sie mit einem Stolz in der Stimme, der deplatzierter nicht sein könnte.
Ich frage nicht nach. Nehme mir aber vor, in dieser Woche mein Honorar und die Fahrtkosten, die mir noch immer nicht gezahlt wurden, einzufordern.
Ihr Stolz stärkt mich. Ihr Stolz sagt: “Ich bin es wert, nicht betteln zu müssen.”.

Im Blindflug fahren wir nach Hause.
Als die Welt zu schwanken beginnt, steigt er vom Rad.
Zu Hause wartet NakNak*. Wir füttern sie, gehen mit ihr in den Garten.
Ich will meine Arbeit weiterführen. Ein Krampfanfall tritt mir in die Kniekehlen.
”Vielleicht habe ich Krampfanfälle, weil mein Körper versucht auf alles zu reagieren, was mein Denken und Fühlen anstößt.”, denke ich noch im Fallen.

Ich sehe diesen Körper ziellos durch die Luft um sich herum zucken.
“Hilflos, ohnmächtig, überfordert von den Prozessen, die alle gleichzeitig in mir und um mich herum passieren. “.
Der Satz will an mir vorbei fliegen. Vergessen werden.
Aber ich will ihn nicht vergessen.

Damals als die DIS-Diagnose gestellt wurde, hatte ich ihn einfach ziehen lassen.
Ich habe nicht geäußert, wie es für mich war damit konfrontiert zu sein und mich von den Implikationen überfordert zu fühlen.
Diesmal will ich es anders machen.

NakNak* legt ihren Kopf auf meine Brust und schließt die Augen.
Ich spüre ihrem Fell unter meiner Hand nach und merke, dass ich nicht verlassen bin.
Das Wimmern im Innen verstummt.

ein „bisschen viele sein“

(~ Fortsetzung ~)

“Ein bisschen verrückt sind wir ja alle.”, “Wir sind doch alle irgendwie viele”…
Mich machen solche Worte wütend, weil sie mich verletzen und ich mich ohnmächtig davor fühle.

Nein, wir sind nicht alle ein bisschen irgendwie verrückt und irre. Und nein, wer nicht viele im Sinne einer DIS ist, die:r ist nicht irgendwie auch ein bisschen viele.

Verrückt oder auch irre sein bedeutet nicht “some crazy shit” zu machen oder “voll irre Dinger abzuziehen”. Also Dinge zu tun die anders sind als andere – wagemutig, halsbrecherisch, gegen die Konventionen, gegen alle Regeln.
Menschen, die von sich sagen, dass sie viele sind, sind keine Menschen, die viele verschiedene soziale Rollen erfüllen/ sozialen Erwartungen gerecht werden müssen.

Diagnosen sind keine Label, die man sich selbst aussuchen und bedienen kann.
Eine medizinische oder psychiatrische Diagnose ist ein anderes Wort für “Abgrenzung vom Üblichen”. Dieses Übliche, das könnte dieses ominöse “Wir” in “Wir sind doch alle irgendwie verrückt” sein.

Wenn wir versuchen Menschen klar zu machen, was viele sein bedeutet, dann versuchen wir es mit einer Abgrenzung des Üblichen – nämlich der sozialen Rollen, die in unserer westlichen Gesellschaft üblich sind.
Und ja, soziale Rollen und der Umstand, dass die Menschen diese Abgrenzungen verstehen haben sehr viel mit unserem westlichen Selbstverständnis und auch mit dem Kapitalismus in unserer Gesellschaft zu tun.

Heute ist es so, dass niemand nur eine Rolle in unserer Gesellschaft inne hat.
Selbst wenn man völlig allein lebt ist man immernoch gleichzeitig auch Single, Steuerzahler_in, Konsument_in, Arbeitskollege/Arbeitskollegin, Leistungserbringer_in, jemandes Tochter/Sohn, und alles, was man an sich selbst noch bemerkt und beachtet.
Der Übergang von Identität und sozialer Rolle erscheint oft fließend und, weil das so ist, machen es sich manche Menschen sehr leicht: sie tun einfach so, als ob das Eine das Andere ist. Und weil der Kapitalismus genau diesen Mechanismus nutzt, um seine Konsumenten zu erreichen (aber auch: sie zu binden und zu definieren), fühlen sich viele Menschen darin bestätigt. Stichwort Gendermarketing.

Was nun genau der Unterschied zu Identität und sozialer Rolle ist, wird viel diskutiert und ich fürchte eine leichte Antwort darauf gibt es nicht, denn ganz losgelöst von einander sind sie dann eben doch nicht.
Was für das Verstehen des viele seins wichtig ist, ist, dass es kein aktiv gelebtes Bewusstsein um die Gleichzeitigkeit gibt. Selbst dann, wenn sie (durch die Diagnose und vielleicht auch eine begonnene Therapie) bewusst gemacht wurde und der Ratio klar ist, dass es sie gibt, wird sie nicht als solche erlebt, weil an dem Punkt die Dissoziation as in “dissoziative Identitätsstruktur” ins Spiel kommt.

Für mich als Innen (18 Jahre alt, K., Autorin so ziemlich jedes Rants in diesem Blog) ist mein sein – mein viele sein – verbunden mit Angst und Unsicherheiten vor denen ich mich ohnmächtig fühle. Ständig passiert mir irgendwas, was mich in genau diesen Zustand – mein Ich, mein ganz eigenes “Da_sein” – bringt und ich kann mich nicht erinnern, dass das jemals anders war.
Mein Kopf weiß, dass ich auch lachen und ausgelassen sein kann – ich habe das aber noch nie erlebt und dabei das Gefühl gehabt, dass ICH das erlebte.

Entweder schwebe ich neben solchen Momenten irgendwie daneben und achte – ich weiß nicht mal wieso genau – einfach nicht drauf (und denke in solchen Momenten auch nicht: “Oh ich weiß ja, dass ich mal besser drauf achten sollte” und hasse mich inzwischen für genau das, weil ich denke: “Das soll die Therapie doch auslösen – wieso tut sie das nicht?!”.
Oder ich bin einfach nicht dabei und weiß von diesen Momenten so lange nichts, bis mir jemand mitteilt, dass mein Körper diesen Moment erlebte. Wenn ich dann zurückdenke und mich aktiv darauf konzentriere, dann kann ich eine Ahnung davon fühlen. Vielleicht ist das aber auch nur Einbildung, weil ich mir wünsche, ich würde genau das fühlen, denn faktisch würde ich nicht merken, wenn ich ausgelassen und fröhlich bin, weil ich es einfach noch nie war.
Ich würde merken, dass etwas anders ist als sonst – dass ich anders bin als sonst und würde – ta da: Angst bekommen und mich ohnmächtig fühlen und würde darüber wütend werden.

Es gibt eine Idee vom Viele sein, die sagt, dass die Innens in Menschen, die viele sind, da sind um bestimmte Funktionen zu erfüllen und bei einer sekundären DIS kann ich mir dieses Modell auch gut passend vorstellen.
Bei einer sekundären DIS gibt es eine sogenannte Hauptperson (manche sagen auch “Host”), die für frühere Traumatisierungen (und manchmal auch traumanahe Situationen) amnestisch ist, und eine Reihe von Innens, die gar nicht oder nur teilweise amnestisch sind. Für uns klingt die Konstruktion dieser Innenleben von Personen, die viele sind, reichlich defizitorientiert, weil sie impliziert, dass die Hostperson ein Hohlbrot ist, das ohne die anderen Innens im Grunde nicht lebensfähig ist. Tatsächlich ist das aber nicht so.
Wenn man schon davon anfangen will, dass Innens einander brauchen und irgendwo auch von einander abhängig sind, dann sollte man schon so eine Einteilung in “Hauptperson” [A(nscheinend)N(ormale)P(ersönlichkeit)] und “das andere Gekröse” [E(motionale)P(ersönlichkeit)] einfach mal lassen.
Manche Menschen mit DIS tun das für sich schon, in dem sie sich selbst im Innen als “System” bezeichnen.

Es gibt aber eben auch die tertiäre DIS mit der wir leben und in der sich die Innens nicht mehr 1:1 immer und in Bezug auf alles zuordnen lassen, weil es mehrere (Funktions-)Systeme gibt, für die es untereinander ebenfalls eine Amnesie gibt.
Mit so einem Innen ist es durchaus möglich mehrere Leben, die tatsächlich autark nebeneinander her ablaufen zu haben,  wenn man sieht, welche Funktionsbereiche diese bedeuten.
Wir haben erst gemerkt, dass wir von der Kunstschule eigentlich nichts weiter wissen, als, dass wir da tatsächlich hingehen und einen Fotokurs mitmachen, als wir danach gefragt wurden, was wir da nun eigentlich konkret machen. Die Kunstschule fordert ein Funktionslevel ab, das ein anderes Funktionssystem bei uns abruft/anspricht, als das Bloggen im Büro zu Hause.

Genauso solche “Huch-  Ääääh hä?!” – Momente, wenn uns jemand dann nach Details aus uns innerlich fremden Funktionsbereichen fragt, bestimmen unser Leben.
Das war tatsächlich noch nie anders und die Leistung – wenn man denn überhaupt von Leistung bei Anpassungsreaktionen sprechen will – ist, dass wir über diese Momente nie an einen Punkt gekommen sind, an dem wir nicht mehr weiterleben konnten.

Frage an alle, die bis hierhin gekommen sind: Gemerkt, dass wir gerade von “Leistung” und “Funktion” sprechen und nicht mehr von “Identität”?

Im Zuge diverser Veröffentlichungen zum Thema DIS (egal ob sekundär oder terziar oder im Fließbereich zu anderen dissoziativen Störungen* (wie der DDNOS oder auch (!Achtung, wir sortieren das so – Psychiatrie/Medizin nicht!) das Borderlinesyndrom) wird vom “fragmentierten Selbst” oder der “zersplitterten Seele” oder dem “multiplen Ich” gesprochen.
Es werden also Formulierungen verwendet, die nichts mit Leistung (Anpassungsleistung) oder Funktion zu tun haben,  sondern welche, die wiederum mit Identitäten und darüber dann wieder um sozialer Rolle vermengbar sind.

Das wiederum macht es sehr schwer seine Lebensrealität als Mensch, der viele ist und eben mit einer tertiären DIS lebt, irgendwie klar zu machen, denn einerseits ist dieses Schema um DIS sehr gut um zu erklären, wo Defizite liegen, wie welche Funktionen warum sinnhaft und logisch (wenn auch unter Umständen dysfunktional in äußeren Kontexten) sind; andererseits sind diese Schemata unbrauchbar als Kartografie des Ich eines Menschen.

Für uns als Einsmensch braucht es aber ein Ich an dem ein Verständnis von eigener Identität kleben kann, ohne, dass es eventuelle andere Identitäten und Ichs in sich ausklammert, um sich als Teil des “Wir” zu betrachten, das in Sätzen wie “Wir sind doch alle irgendwie verrückt” steckt.
Ich, K. gelte als Autorin, weil ich Dinge schreibe und Menschen zu Menschen, die schreiben sagen, sie seien Autor_innen.

Ich für mich bin einfach immer nur K. die wütend wird, wenn sie sich ohnmächtig fühlt. Ich definiere mich über meinen Zustand. Ich betrachte mich als Zustand eines ICH, das in Folge der erlebten Gewalt nicht in der Lage war sich so im Außen zu finden, dass es eine Identität entwickeln konnte.
Und nein – der Umstand, dass ich einen Namen habe, bedeutet nicht, dass ich eine Identität habe – das bedeutet nur, dass ich mich so benenne.

Für uns ist klar, dass das Vielesein keine Identität ist. Die soziale Rolle, die Menschen, die viele sind gern aufgedrückt wird, schwankt irgendwo zwischen Opfer, Kranke, Verrückte, Überlebende – alles Rollen, die mit einer Leistung bzw. einem Status verknüpft sind, die nichts mit den Menschen und ihrem Selbst zu tun haben. Man muss kein Ich haben, um Opfer (geworden) zu sein, um krank zu sein, um verrückt zu sein oder überlebend(e) zu sein – man muss nur etwas sein, das jemand anderes benennt.
“Opferidentität” ist auch deshalb ein Arschnasenwort, das bitte gerne auch nicht mehr verwendet werden muss.

Für mich ist klar, dass es schwierig ist das, Ich in meiner Selbstbeschreibung irgendwie von dem ICH, dessen Zustand ich bin zu trennen. Das liegt aber nicht daran, dass das nicht sein kann oder daran, dass ich hier unlogisches Zeug daher rede, sondern daran, dass der Begriff von Selbst und Sein und Ich und Identität und dem, was den Menschen als Menschen mit Seele und der Fähigkeit zwischen sich und anderen zu unterscheiden ausmacht, noch nicht fertig und klar und einfach zu definieren ist.
Schon gar nicht, wenn man es möglichst einfach haben will.

Die Menschen, die mir früher immer wieder gesagt haben, meine Probleme und alles, womit wir uns an sie gewendet haben, wären ja viel zu viel, die haben in aller Regel nicht mal so weit gedacht, dass das Kernproblem aller Probleme in unserem Leben nicht die Tatsache ist, dass wir funktionieren, wie wir funktionieren, sondern, dass wir immernoch funktionieren und einfach immer wieder vor der Frage stehen, ob wir überhaupt für ein ICH oder ein Selbst funktionieren und wenn ja, was das eigentlich genau ist. (Und wenn nein: Sind wir dann noch etwas, was man als „Mensch“ bezeichnet?)

Wenn wir nicht gerade gegen massive dissoziative Symptome anleben oder mit den Folgen, die unverarbeitete Traumatisierungen eben mit sich bringen beschäftigt sind und uns 24/7/365 um das eigene noch-immer-am-Leben = im Funktionieren – sein versichern.

So zu er-leben, wie es Menschen tun, die viele sind, ist eine Lebensrealität die “verrückt” im Sinne von „nonkonform“ zu nennen, schlicht ignorant und versimpelnd ist.

~ Fortsetzung folgt ~

viele sein erklären

~ Fortsetzung ~

“Und wann hast du gemerkt, dass du in der Pflicht bist alle Menschen mit DIS zu repräsentieren?”

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann das zum ersten Mal in einem Gespräch zwischen unserer Gemögten und uns aufkam und was der Auslöser war.
Dass ich das nicht mehr weiß, macht mir klar, dass es für uns bei dem Thema Projektion und Anspruch an uns um mehr geht, als nur das übliche Problem, das Blogger_innen (und *ist_innen allgemein) haben.

Immer wenn ich mit der DIS sichtbar wurde, gerade in Jugendhilfeeinrichtungen oder Betreuungen, manchmal auch bei Mediziner_innen, Beratungsstellen und Praxen für Psychotherapie, gab es die große Unwissenheit. Man sollte es nicht glauben, aber bis heute wissen Mediziner_innen nur selten mehr über Traumafolgestörungen* als das, was unter dem Begriff der PTBS benannt wird.
Bis heute ist es nicht selbstverständlich, dass es in Frauenberatungsstellen mehr als eine oder zwei Berater_innen gibt, die Kenntnis von dissoziativen Störungen als Traumafolge haben.
Mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu tun zu haben, ist den meisten Erzieher_innen in der Jugendhilfe klar, doch was dies in Bezug auf ihre Arbeit bedeuten muss und worin sich diese Besonderheiten begründen, wissen die wenigsten. Ähnliches gilt für Eingliederungshilfen für Erwachsene.

Wir haben heute eine so glatt geschliffene Art die DIS zu erklären, weil wir jahrelang oft nichts anderes als unbezahlte Aufklärungsarbeit gemacht haben, die nicht als solche anerkannt wurde, sondern oft genug auch unter “die Bekloppte reden lassen” einsortiert wurde.
Dass wir dort etwas taten, was weder in unserer Verantwortung lag, noch etwas ist, wofür sich manche Behandler_innen richtig was bezahlen lassen (und dabei oft auch noch weit weniger wirklich begreifbar machen), war uns nicht klar.

Dass es aber auch Auswirkungen auf den Blick auf uns als glaubhafte, wahrhaft multiple Person haben würde, wussten wir ebenfalls nicht und vergessen das auch heute oft.

Es gibt die Diskrepanz zwischen den Worten, die man für seine Umwelt- und Selbstwahrnehmung hat und dem, was man davon wie nach außen für andere sichtbar (findbar) ist.
Wenn ich sage, dass ich depersonalisiere oder derealisiere (das sind die Artikel im Blog, die immer wieder so klingen, als würde ich eine Geschichte schreiben), dann merkt es das Außen nicht unbedingt. Vielleicht sieht man eine motorische Fahrigkeit, bemerkt Schwierigkeiten mit der Sprache, bemerkt, dass es verzögertes Reagieren gibt – doch all das geht nicht zwangsläufig miteinander einher.

Und dann gibt es da die Problematik, dass die Diagnosebeschreibung oft auch das eine oder andere (unausgesprochene) Vergabegebot unter BehandlerInnen begründen.
Das heißt, wenn ein creepy Sherlock auf mich zukommt, 20 Minuten mit mir zu tun hat und mein Sein anhand der Diagnosekriterien seziert, wird si:er nicht immer zu 100% Übereinstimmungen finden.
Solche Personen blenden dann oft auch unsere Entwicklung und ihre Folgen aus.
Es ist kein Anzeichen von einer Nicht-DIS, wenn man nach 13 Jahren DIS- Diagnose irgendwann aufhört, die Diagnose an sich so in Zweifel zu ziehen, wie man das noch tat, als sie frisch war bzw. wie man das noch tat, als man begriff, was sie impliziert.
Es ist auch kein Anzeichen einer Nicht-DIS, wenn man nicht für jede umstehende Person offensichtliche Wechsel des Seins hat. (Genauso wenig ist es ein Anzeichen einer DIS solche Wechsel zu haben.)

Hinzukommen Faktoren wie der, dass es kaum Diagnosen gibt, deren Symptome nicht auch Schnittmengen haben können mit anderen Diagnosen. Wir sehen das ja an den Bereichen, in denen unsere Symptome auch als spezifisch für einen bestehenden Autismus betrachtet werden können. Und wir sehen das an Dingen, wie der chronischen Essstörung, der chronischen Depression und den Schlafstörungen, die ebenfalls verschiedene Folgen und Auswirkungen mit sich bringen.

Eine unserer Jugendhilfebetreuer_innen war Bulimikerin (recovered) und hat jedes andere unserer Probleme ausgeblendet, weil sie nur die Essstörung und ihre Folgen wirklich begriffen hat. Viele traumatisierte Kinder und Jugendliche entwickeln Essstörungen (und andere Süchte).
Ich kann über diese Herangehens- und Arbeitsweise der Betreuerin also gar nicht sagen, sie hätte Scheiße gebaut – sehr wohl aber kann ich sagen (und tue das auch), dass sie die grundlegende Struktur unserer Selbst- und Umweltwahrnehmung ausgeblendet hat, was am Ende für uns bedeutete, nicht die Hilfe (und Ansprache) zu erfahren, die wir gebraucht hätten.

Das Schlimme ist: Uns war das damals nicht so klar und als wir das klar hatten, sind wir auf das ewige Professions-sorry-gesülze reingefallen. Das bedeutet, wir haben sie aus ihrer (den Leistungsträger aus seiner) Verantwortung genommen, weil uns immer wieder gesagt wurde, unser Sein wäre so krank, dass sich da nur Ärzt_innen WIRKLICH RICHTIG GUT drum kümmern können. Und Psycholog_innen. Wenns denn sein muss.
“Ein_e ganz normale_n 08/15 Erzieher_in kann das ja gar nicht stemmen das Thema und das kann man ja auch nicht erwarten, dass die sich jetzt noch extra hier wegen einem Fall fortbilden… “, das ist so der Tenor unserer Betreuungen gewesen.

Das Problem ist natürlich: unser Recht fachlich kompetent betreut zu werden wurde nicht gewahrt.
Das Problem ist aber auch: es hat ja trotzdem gut geklappt

Ja, das ist wirklich ein Problem, denn: nur weil ich aus der Sache insofern heil raus bin, als dass ich nicht in eine Klinik musste oder tatsächlich verstorben bin, heißt es nicht, dass da gute Arbeit an und mit mir passiert ist.

In der Eingliederungshilfe, die wir zuletzt in Anspruch genommen haben, gab es eine fertige Erzieherin, die fortgebildet war und eine, die gerade eine fertige Erzieherin wurde, die fortgebildet war. Das macht zwei über eine “Krankheit” näher informierte Betreuungspersonen. Nicht: zwei kompetente, supervidierte, kontinuierlich weitergebildete, im Team vernetzte, gut für sich sorgen könnende Fachkräfte.

Es läuft für diese beiden Personen so, wie es für viele läuft, die etwas wissen, was die Kollegen nicht wissen können, weil nur eine oder zwei Personen des Teams die Fortbildung vom Arbeitgeber finanziert bekommen: sie kriegen die entsprechenden Fälle zugeschoben und wenn sie sich nicht abgrenzen können, sich verantwortlich für die Menschenleben hinter der Diagnose fühlen oder (das gibts auch) sie nur noch die Arbeit mit Personen, die mit dieser Diagnose gelabelt sind, erfüllend finden, dann übernehmen sie diese Fälle natürlich.
Und betreuen am Ende vielleicht ausschließlich Menschen mit DIS. Was unterm Strich und tatsächlich zu oft im Scherz gesagt bedeutet: Gruppenbetreuung bei jedem Termin.

Es bildet sich in der Folge gerne mal eine Betreuungsrandgruppe.
“Du und deine Multis… (ihr wollt immer ne Extrawurst/ ihr seid doch beide nicht mehr ganz dicht/ die verändern dich total (zum Negativen – ich will nichts mehr mit dir zu tun haben)… )”, das wird dann schnell zum üblichen Ton.
Das Ergebnis sind Betreuer_innen, die in ihrem Team keinen Rückhalt erleben, die sich nicht trauen Urlaub zu nehmen, in Ruhe Krankheiten auszukurieren, die sich für ihre Betreuten aufopfern und die irgendwann nach 20 – 30 Jahren, bei Mindestlohn und verweigertem Streikrecht verbrennen und chronisch krank bis arbeitsunfähig bis selbst eine Betreuung, eine Therapie brauchen.

Und die Multiplen? Sind die dumm und merken das nicht? Nein. Natürlich nicht. Sie wurschteln sich zurecht, weil ihre “Krankheit” sie dazu befähigt das zu können. Am Ende einer Betreuungszeit gibt es immer die Möglichkeit zu sagen: “Na es war schwierig, aber das hat ja geklappt.”.
Die nachfolgende Person mit DIS übernimmt in der Folge ein Erbe, das sie vielleicht aufgrund früherer Betreuungen schon kennt und eigentlich loswerden wollte: nämlich den Anspruch, dass es schon klappen können muss, weil es ja bei allen Menschen mit DIS, die vorher da waren auch geklappt hat.

Für uns war ein wichtiger Schritt uns nicht mehr herzugeben für diese Dynamik.
Wir sind aus der Betreuung raus, statt zu versuchen auf Fort- und Weiterbildungen unserer Betreuer_innen zu bestehen und suchten nach einer Psychotherapeutin, die erfahren ist, aber noch keine 20 30 40 Jahre mit Menschen mit DIS arbeitet.

Es hat sich für uns gelohnt offen zu sein. Wir leben in einer Stadt, die auf vielen Ebenen gut für uns ist. Hier gibt es viele offen nicht heterosexuell lebende Menschen, es gibt viele Menschen, die den Begriff “Inklusion” nicht als feschen Sozialaufwertungbutton auf sich kleben haben, es gibt eine bunte Frauenrechtsbewegung und das Thema “Trauma” wurde und wird hier bis heute an entsprechenden Stellen diskutiert.
Natürlich haben auch wir lange nach einer Therapeutin gesucht, aber die Absagen, die wir erhielten (und die wir erteilten) basierten aber nur in 2 von 27 Fällen auf dem Umstand, dass die Personen absolut keine Ahnung von Traumafolgen hatten.

Wir sind mit einer Attitüde in die Gespräche reingegangen, die jede_n Diagnosezweifler_in darin bestätigt hätten, dass wir eine Hysterikerin (eine Fakerin) sind, die ein “diagnose passing” (also: von den Behandler_innen in dem Glauben gelassen werden, man würde diese eine Krankheit behandeln) erhalten hatte.
Für uns ist es ein Problem, dass wir an uns bemerkt haben: es gibt diese permanenten Notlösungen, weil einfach niemand sagen will, er oder sie hätte Ahnung von dem viele sein einer jeden einzelnen Person, letztlich aber doch so handeln muss.

So passiert es eben auch, dass ich hier als Bloggerin* die betroffen ist, so schnell zum Vorzeigemulti gemacht werde, obwohl ich schon die Bezeichnung “Multi” zum Kotzen finde. So kommt auch der Anspruch an mich zustande, “den Multis” doch gefälligst nicht zu schaden, indem ich bestimmte Haltungen vertrete, die für mich gut und wichtig sind. Etwa die Haltung, nach der es einfach keine inneren Terminpläne und Wechsel geben kann, oder die Haltung, dass (die meisten) Innenkinder am sichersten in der Therapie sind – und nicht im Alltag eines erwachsenen Menschen.

Ich gehöre auch nicht zu denen, die sagen: “Ja viele sein ist bei jeder Person anders” – paradoxerweise ist das für mich nicht so. Ich habe aber auch noch keine Worte dafür, was denn genau wie bei allen, die viele sind, gleich sei und ich will mich in der Hinsicht auch nicht festnageln lassen.
Überhaupt: immer wieder diese Intensionen mich als Einsmensch auf irgendwas festnageln zu wollen, weil ich etwas für die Öffentlichkeit zugänglich ausgedrückt habe.

Ich ermutige immer wieder sich bitte gerne selbst ein Blog zu schreiben, sich selbst in Worte zu bringen und sei es, das man damit beginnt auf meine Texte zu antworten, ihnen etwas hinzuzufügen, eine Gegenrede zu formulieren. Verdammte Axt- mich vollnölen und mit Forderungen zu überschütten ist so leicht, sich analog über unsere Texte und uns als Person zu beschweren und das immer schön damit zu garnieren, dass wir ja höchstwahrscheinlich gar nicht viele sind, weil man ja viel behaupten kann in diesem Internet und weil es ja gar nicht möglich sein, was wir hier alles von uns unserer Lebensrealität erzählen BLABLABLA – aber selbst den Arsch hoch zu kriegen und sich auszudrücken, sich selbst mal zu reflektieren und zu gucken: “Hm ist das denn bei mir anders und wenn ja wie?” oder “Was denke ich eigentlich über XY?” oder “Wie ist das viele sein/multipel sein/Opfer gewesen sein/ mein eigenes Sosein eigentlich für mich?”, das ist dann, aus welchen Gründen genau, nicht möglich oder zu viel … Verantwortung?

Ich habe als Jugendliche vor Betreuer_innen, die keine Ahnung hatten, bereits die Verantwortung übernehmen müssen, für jeden nach uns folgenden Menschen mit DIS zu sprechen. Es ist so klar, dass, weil die Hilfen so beschissen sind, aber alles gut ging, der nächste Mensch wieder vor dem gleichen Ding steht, wenn ich nicht das Maul aufmache oder mich aus der Nummer rauswinde und vertrete, viele sein wäre so individuell, dass man da halt eigentlich gar nichts zu sagen kann und sich auch auf nichts verlassen kann und ach überhaupt man weiß es ja nie so genau und Festlegungen gehen nicht.

Bullshit ist das. Richtig bequemer Bullshit, der einfach immer wieder dazu führt, dass keine Entwicklung passiert.
Es gibt immer noch Menschen, die sich einen sekundären Krankheitsgewinn von einer DIS vorstellen können und sich genau in dieses “Man weiß es halt nicht genau” hineinbegeben.
Ich finde es wichtig öffentlich sichtbar zu vertreten, dass (frühere) Opferschaft absolut 0 Gewinn mit sich bringt.

[Fußnote: jede Unterstützung, die wir von Leser_innen hier erhalten, all die Geschenke und Geldspenden, erhalten wir vielleicht, weil klar ist, dass wir benachteiligt sind. Vielleicht auch aus Mitleid. Vielleicht mochten sich auch Schenker_innen frei machen. Vielleicht aber, ist es einfach mal die Bezahlung, die wir nicht als Gehalt auf unser Konto bekommen, weil wir jede Woche um die 5000 Wörter schreiben und uns offen angreifbar machen, damit andere Menschen, die viele sind, die queer sind, die Opfer geworden sind; die einfach gerne hier lesen, in Worte und Ideen kommen.
Soll es geben. Vielleicht gibts das für mich – psst: ich weiß ganz sicher, dass das so ist]

Wir finden es wichtig, dass die DIS auch auf die Art besprochen und betrachtet werden kann, wie wir das jetzt machen.
Für uns ist es nicht mehr wichtig, dass Mediziner_innen uns gesund machen, weil unser Konzept von Gesundheit und Krankheit ein anderes ist, als das, was immer und unbedingt die Medizin braucht. Das geht für uns nicht mit einer Abwertung der Personen einher, für die das so ist und wir haben das sehr oft schon klar gemacht.
Für uns ist unsere Therapeutin die Person, die sich unserem inneren Chaos widmet und uns dabei begleitet, (unter)stützt es sowohl zu verstehen/begreifen und es zu sortieren ohne es zu normen. Sie ist nicht die, die uns heil macht, repariert oder uns beibringt, wie wir zu sein haben. Sie ist unsere Prozessbegleitung- nicht unsere Dompteurin.

Wir sind fertig damit unserem Umfeld zu erklären, was viele sein ist.
Gerne erklären wir das noch Menschen, die gar keine Ahnung haben. Aber nicht mehr hier im Blog, nicht mehr in unserem Privatleben als ein Mensch, der sich gut um sich kümmern möchte und der sich entwickeln will.

Wir denken oft, dass die Traumatherapieszene endlich ihren Scheiß zusammenkriegen muss und damit aufhören muss, die Leiden der Behandelten zu individualisieren, was bedeutet: dieses Leiden außerhalb (sozial)politischer Kontexte zu erfassen und zu verorten. Es muss einen Diskurs geben, in dem Lösungen gefunden werden, jeder Person einkommens-“rasse”-klasse-alters-zeit- unabhängig die Verarbeitung von Traumatisierungen zu ermöglichen und nicht den tausendsten darüber, wie und ob und nach welcher Schule und wie zertifiziert und nach wessen Lehre und wer mit wem und wo gabs mal Zwist und BLABLABLA innerhalb von episch unnötigen Diskussionen mit der Politik™ darum, was wann wie wo und ab wann überhaupt.

(Achtung ich verwende jetzt ein kollektives Wir – niemand muss sich davon angesprochen fühlen)
Wir Betroffenen müssen aber genau unseren Scheiß zusammenkriegen. Wir sind aus Gründen von Hilfesystemen abhängig – das bedeutet aber nicht, dass wir alles darin auch hinnehmen müssen, weil das ja nun einmal so ist.
Wir dürfen uns dafür einsetzen, dass unsere Betreuer_innen vernünftig fort- und ausgebildet, bezahlt und berechtigt werden. Wir dürfen uns dafür einsetzen, dass unsere Therapeut_innen nicht mehr von Gutachter_innen angekackt werden. Wir dürfen dafür kämpfen, auch dann noch als leidend und belastet und what ever gesehen und anerkannt werden, wenn wir nicht mehr tun, was diesem Stereotyp entspricht.
Wir dürfen jemand sein der viele ist – und nicht so viele, dass wir niemand sind.

Wir brauchen keine Verantwortung übernehmen, die nicht unsere ist – wir dürfen verlangen, dass die Gesellschaft, die mit dafür gesorgt hat, dass wir viele sind, den Arsch hoch kriegt und Gutmachung an uns versucht.

Wir dürfen aufhören zu glauben, weil eine Person, die viele ist, etwas für sich geltendes sagt, sei die eigene Selbstwahrnehmung des viele seins falsch.
Wir sind – es gibt uns und wir sind die Einzigen, die das konkret und richtig für uns beworten können.

Es geht darum aufzuhören sich einzelne „Viele“ rauszusuchen und als Statt-selbst-Sprecherinnen zu wählen. Wir können das und wir dürfen verlangen, dass andere zuhören und begreifen.

Ihr* braucht keine H. C. Rosenblatt, die euch Wörter gibt. Ihr könnt sie nehmen, weil sie da sind und das ist okay. Ihr könnt aber auch eigene Wörter suchen, finden und nutzen. Sie sind genauso richtig.

~ Fortsetzung folgt ~

viele_s nicht werden // Fundstücke #6

~ Fortsetzung ~

Manchmal wünsche ich mir, ich sei für andere Menschen auf die Art sichtbar, wie ich mich sehe. Mich und meine Lage. Unser Sein und Werden.

Ich sehe mich oft vor so einem Moment mit anderen Menschen, in denen ich angeschaut werde und nicht gesehen bin, weil jemanden anzusehen immer mit Perspektiven der Ansehenden zu tun hat.

Als “ich” mit 14 anfing zu rauchen, obwohl “ich” Sängerin in einer Band und zwei Chören war, obwohl “ich” Sport trieb, obwohl “ich” ein Mädchen aus der Mittelschicht, das ein Gymnasium besuchte war, sagte man “mir”, das Rauchen würde “mir” nicht stehen. Es würde “mich” hässlich machen. Es würde “mich” krank machen. Es würde überhaupt nicht zu “mir” passen.
Nie hat jemand gefragt, warum “ich” das tue. Es war Fakt, was gesehen wurde und das war das Rauchen und das, worüber man dieses “mich” konstruierte.

Ich dachte lange, mein Sein sei eine Geschichte, die ich mir ausgedacht habe und irgendwann vergaß. Ich hielt mich nicht für echt in dem, was ich tue und sage, weil die Kluft zwischen meinem Bild als Beobachtende, die sieht, dass sich etwas (an einer Kippe) festhält, weil es keinen Halt hat, so groß war.

Es war eine Entlastung zu erfahren, dass meine Perspektive auch ein Sein ist. Dass ich bin, obwohl andere Menschen etwas wie mich als Handlung erleben.

Schwieriger erlebe ich die Konsequenzen.
Menschen stellen Anforderungen an mich, die mehr als mein Sein implizieren und gehen von einem kontinuierlichem Werden aus – nicht aber von einem kontinuierlichem Sein. Ich denke oft, dass dies die Schnittstelle ist, an der soziale Rollen mit der DIS vermischt werden und genau dort beginnt der Punkt, an dem nicht mehr ich gesehen werde, sondern die, die es gibt, weil es soziale Rollen gibt.

Ich denke oft, dass ich allein bin, weil ich allein neben der Welt stehe und sie betrachte, wie eine Freakshow, die ich aus Versehen betrat und nur mit Absicht verlassen kann. Ich weiß, dass meine Ausweglosigkeit darin besteht, dass ich irgendwie an dieser Freakshow, diesem sozialen Zirkus, dieser Aneinanderreihung von Inszenierungen einer unlogischen Norm beteiligt bin, es aber nicht sein soll, doch muss, auch ohne zu wollen. Es gibt keinen friedfertigen Weg hinaus, keinen Weg, der niemanden stört, weil immer und alles von und an mir stört.

Mein Leben, wie mein Tod. Mein Sein, wie mein Werden.

Immer werde ich sein und werden, was andere nicht wollen, aber gemusst ist und als ein Soll auf mich geladen wird, weil es ein Teil dieses ständigen “So tun als ob”-Spiels ist, dessen Ursprünge gleichsam ausgedacht und irgendwann vergessen sind.

Ich habe nie um dieses Sein gebeten. Weder um das Hiersein, noch das Wegsein, noch das Anderssein, noch das Niemandsein.
Ich bin und werde.
Und das tut mir leid.

~ Fortsetzung folgt ~

Autismus und DIS #1

„Mussten Sie als Kind verschiedene Rituale durchführen?“, fragte der Psychologe im Autismus Therapiezentrum und schaute mich an.

Für mich sind durch die Frage viele Aspekte noch einmal bewusster geworden. Zum Einen ist mir aufgefallen, dass ich die Frage sofort als eine überprüfte, die sowohl wörtlich als auch auf die faserige Art zu verstehen ist, was ich früher nicht so bemerkt hätte.
Weil mir das aufgefallen war, ist mir eine globale Tragik aufgefallen, die in mein so typisches Hadern um all das “hätte würde wenn”, das über meiner Kindheit und frühen Jugend schwebt, gehört. Hätte man mich vor vielleicht 20 – 23 Jahren mit dieser Frage konfrontiert – was hätte ich dann geantwortet? Ich weiß, dass ich vor 12 Jahren danach gefragt wurde und keine Antwort gab.

Ich weiß, dass ich heute solche Fragen absichtlich mit Wortspielen wegvermeidungstanze, etwa in dem ich antworte: “Ja klar – wir haben jedes Weihnachtsfest begangen, jedes Silvester, jeden Geburtstag – klar mussten wir eine Zillion Rituale in unseren Leben durchführen.”, denn bisher wurde ich nämlich nur nach Ritualen gefragt, um zu erfahren, ob ich sogenannte “rituelle Gewalt” erfahren habe, weil das gängige Bild von Menschen, die viele sind, genau diese eine Art der Gewalterfahrung beinhaltet.

Ich bin amnestisch für meine Kindheit und frühe Jugend – es kann alles und nichts passiert sein. Kein Ja oder Nein zu einer Frage nach etwas, das über die zur Verfügung stehenden Worte erdeutet werden muss, trägt zu einer Faktenlage bei. Am Ende macht es mir nur Druck, weil ich eventuell lüge – egal wie ich antworte.
Und so mache ich also Wortspiele und denke mir dabei, dass dies eine prima Methode ist, um auf etwas hinzuweisen. Für uns ist es wichtig immer wieder aufzuzeigen, dass es toxischer Stress ist, der Menschen zu vielen werden lässt und keine spezielle Form der Gewalt.

Meiner Erfahrung nach, sind solche offensichtlichen Wortspiele allerdings keine Methode um zu zeigen, dass ich eine klarere Formulierung brauche, um manche Themen bzw. meine Gedanken zu manchen Themen in der Therapie zu äußern. Offene Forderungen hingegen transportiere ich wahrscheinlich immer irgendwie falsch.

Für die Einen ist es eine nervige Sprachmacke – eine Spitzfindigkeit, die ich auch mal lassen kann. Für mich bedeutet “es sein lassen” hingegen “das Sprechen sein lassen”, weil es mich übermäßig anstrengt zu raten, was denn jetzt genau was wie meint.
Manchmal denke ich, dass die Therapie deshalb oft auch so anstrengend ist.
Wenn ich im Rausbringen von etwas kämpfe, versucht meine Therapeutin oft einzelne Wörter zu etwas zu machen, wofür ich viele gemacht habe. Und diese einzelnen Wörter schneiden aber alle etwas ab und sind in der Folge falsch. Und dann sage ich ihr, dass es nicht so ist, wie sie sagt. Und dann sagt sie “Wie ist es denn?” und ich wiederhole meine vielen Wörter und sie sagt wieder ihre einzelnen und dann sage ich “Orr!” und es entsteht so ein Moment, in dem ich entweder umschwenke oder wir beide auf die Uhr gucken, ob die Stunde nicht eventuell schon vorbei ist (was sie meist schon längst ist).
Manche von uns sagen in der gleichen Situation aber auch gar nichts mehr und hören auf darüber zu sprechen.

Was mir außerdem bewusst wurde, war etwas, was mich überhaupt erst zu dem Zentrum und dem Wunsch nach einer Diagnostik auf das Asperger Syndrom brachte: die Erkenntnis, dass Symptome häufig zwischen Verhaltensweisen und Sein (Selbst) trennen, weshalb Verhaltenstherapien immer wieder als der Heilungshit in der Medizin gelten bzw. geändertes Verhalten als Heilungsbeweis gilt.
Ich habe darüber nachgedacht, dass viel der zwischenmenschlichen Gewalt in meiner Familie* auch als “Erziehung” bzw. als “erziehende/korrigierende Maßnahme” aufgefasst wurde (vielleicht: bis heute wird).

Wenn man früher meine Eltern gefragt hätte: “Tillt ihr Kind durch, wenn Dinge anders laufen als sonst?” Dann hätten sie geantwortet: “Nein- wir bestimmen hier wer wann wie wo und weshalb durchtillt” oder (das ist dann der Dreh, wenn klar wird, dass die Kinder irgendwie doch alle kaputt gespielt sind und man gut dran tut, zu sagen, sie seien krank) “Hm, eigentlich tillt es immer durch, weil es ja krank ist – machen Sie’s mal gesund.”.

In dem Abklärungsgespräch, das wir gestern hatten, sollten wir viele Fragen dazu beantworten, wie wir früher waren und natürlich scheiterten wir, weil wir nicht über Deutungsräume lügen wollten. Was ich aber auch merkte war: es wurde gar nicht nur nach Verhaltensweisen gefragt, die kamen und wieder gingen, sondern nach Dingen an uns als Mensch, die auf ihre Art immer schon da waren, wie das Viele sein schon immer da war, egal wie sich das über die Jahre nach außen geäußert hat.

Für uns sind viele unserer Schwierigkeiten abgelegt unter: “Naja – dein Kopf mal wieder.”. Ich denke so oft, dass es sich nicht lohnt Kraft zu investieren, um Gespräche, Kontakte, Auseinandersetzungen anzufangen oder weiter zu machen, weil ich zu viel erklären müsste, zu viel reden und erklärend beworten müsste, damit ich und das, was ich äußere, verstanden werden.
Wie gut, dass man von Mädchen bis heute eher erwartet die Klappe zu halten und “Schweigen ist Gold, Reden ist Silber” in den Kopf drückt, als darauf zu bestehen, dass sie sich ihren Gedanken, Ideen, Theorien und Empfindungen entsprechend äußern bzw. sichtbar machen – und zwar immer und überall, ohne sie zu sanktionieren, wenn sie dabei nonkonform sind.

Wir gehören zur klitzekleinen Gruppe der Menschen mit einem IQ von über 170 und wenn wir mit diesem Quotienten argumentieren, weshalb uns seichtes Soapgeplänkel, Small Talk und wenig gehaltvolles Kommunizieren allgemein eher nervt oder nicht interessiert, denken viele Menschen, sie würden das verstehen. Ich merke von diesem Verstehen oft nichts, denn sie sagen dazu dann Dinge wie: “Ja, das ist bestimmt unterfordernd”- als ob wir es geil fänden immer von allem geistig gefordert zu sein. Als sei “genervt sein” oder auch “nicht interessiert” sein, etwas, das nur aus einer Nichtbedienung von Vorlieben heraus entsteht und nicht etwa auch aus Langeweile oder Überreizung, die bei Menschen, denen bestimmte (unangenehme) Dinge schneller und vielleicht unausblendbarer erscheinen, vielleicht schon nach zwei Episoden aufkommt und nicht erst nach 7 Staffeln.

Wir brauchen keine reine Beschäftigung mit Quantenphysik oder unterschiedlichen Systematiken, um unterhalten oder berührt zu werden oder uns bereichert zu fühlen, aber wir brauchen Klarheit, die in uns nicht entsteht, wenn Menschen ständig Dinge abschneiden, um es sich selbst leichter zu machen. Ich hasse sexistische Stereotypen in Serien zum Beispiel nicht, weil es mich nervt ein Hetenpaar nach dem anderen in den immer gleichen Konflikten zu sehen, sondern, weil sie mich auffordern mir im Kopf ständig das, was fehlt zu ergänzen.
Für mich ist dieses Ergänzen auch keine Entscheidung “mache ich das jetzt oder nicht?” sondern etwas, das mir Druck macht und nicht auszublenden ist.
Im Gegensatz zur gefühlten Mehrheit der Menschen kann ich nicht einfach Dinge weglassen, von denen ich weiß, dass sie eigentlich dazugehören.

Deshalb ist Traumabearbeitung für uns ebenfalls so ein allumfassend belastendes (bis erneut traumatisierendes) Ding.
Manche Menschen denken, es sei schlimm sich mit der traumatischen Situation zu befassen und neue Erkenntnisse über sich zu verarbeiten – ich finde es schlimm, weil sich mit jeder neuen Perspektive neue zu ergänzende Universen eröffnen und ich sie nicht beworten kann. Dann kann ich nach ein paar Tagen oder Wochen sagen: “Es arbeitet in mir” oder “Das ist alles ganz schön viel”, aber der ganze Rest bleibt in mir drin und muss von mir allein zurecht sortiert werden.
Und meistens schaffe ich genau das nicht – es entsteht Druck und noch mehr Druck und noch ein bisschen mehr Druck und es kommt zu so einem Moment, in dem ich merke, das es mir besser geht, mich aber auch fragen muss: “Oh – war dieses Innen schon immer da?”.

Es gibt laut verschiedenen Therapeut_innen, die mit rituell misshandelten Personen arbeiten, sogenannte “Programme”, die in diese Personen konditioniert/erzogen/trainiert wurden, um Geheimhaltung, stetige Verfügbarkeit und eine gewisse bedingungslose Hin(Her)gabe an die misshandelnden Personen(gruppen) zu gewährleisten.
Ich weiß nicht, wie oft Menschen schon von uns gedacht haben, wir hätten so ein Programm in uns drin, das Traumaarbeit verhindern soll, weil wir eben diese Reaktion von immer neu auftauchenden Innens haben, obwohl wir ganz sicher keine Gewalt wie früher mehr erfahren.

Und ich weiß auch nicht, wie oft ich schon geäußert habe, dass viele Innens bis heute eher aufgrund von Überforderungen bzw. dem toxischen Stress, der in mir entsteht, wenn ich überfordert bin (und keine Hilfe erhalte, weil es zu unbewortbar ist, um verstehbar nach außen gebracht zu werden und damit allein bleibe, weil es eben die Mehrheit der Menschen ist, die mich nicht versteht), entstehen.

Es ist aus meiner Sicht ein massiv unterbeachtetes Problem der Diagnose “dissoziative Identitätsstruktur”, dass viele Entstehungsmechanismen in Kategorien und Unterkategorien gesucht (und gefunden) werden, ohne die zum Beispiel in den Genen der betroffenen Personen angelegten (“naturgegebenen”) Faktoren gleichsam zu werten.
Natürlich passt die Idee, ich wäre so abgerichtet und gequält worden, dass ich nie “Eine” werde – die Idee, dass ich vielleicht mehr Unterstützung und Widmung nach einer Traumabearbeitung brauche, um nicht mehr werden zu müssen, damit ich hinter dem, was mein Kopf mir aufzeigt, nachkomme, passt aber genauso gut.

Hier kommen wir aber dann auch an die Probleme der Gruppe begleitender, therapierender und medizinisch be.handelnder Menschen, die sich und ihre Arbeit in Widmungsnormen und Zeitvorgaben gedrückt sieht und jeden Wunsch (jede Notwendigkeit) ihrer Klient_innen nach einem wie auch immer geartetem “mehr”, mit “mehr Aufwand”, “mehr (unbezahlte, unabgesicherte, nicht von der breiten Masse der Bevölkerung unterstützte und gewertschätzte) Arbeit”, “mehr abverlangter Kraft”, “mehr abverlangtem persönlichen Wachsen” abwägen muss.

Es ist am Ende, so argwöhne ich jedenfalls manchmal, dann irgendwie einfacher? befriedigender? egostreichelnder? richtiger? belohnter? aufopfernd und selbstlos für einen als massiv gequälten und ergo massiv leidend gelabelten Menschen gegen ein System zu kämpfen (und im Scheitern vor einer Übermacht mit den Behandelten verbunden zu sein).
Ja ja die Rosenblatt ist jetzt böse, das sie sowas ins Internet schreibt.
Ich weiß, dass es Menschen gibt, bei denen wirklich solche Programme gesetzt wurden – über die spreche hier aber nicht.
Ich spreche über Therapeut_innen, die die gegebenen Potenziale und Wuchsrichtungen ihrer Klient_innen ausblenden, um ihre eigene Situation von Über.Forderung und Rückhaltlosigkeit unter Kolleg_innen und Gesellschaft besser zu ertragen. Von Therapeut_innen, die ihren Klient_innen eher zwischenmenschliche Traumatisierungen, die zu Sprech- und Kommunikationsproblemen führten in die Patient_innenbiografie schreiben, als anzuerkennen, dass dort schon vor der Gewalt etwas schwierig gewesen sein könnte.

Ich weiß nicht genau, wie unsere Therapeutin uns so für sich persönlich einordnet, aber sie hat auf all unsere Abgrenzungen zu ritueller Gewalt (und allgemein jeder Objekt.ivierung dessen, was wir erinnern) geäußert, dass sie das akzeptiert und berücksichtigt.
Mehr brauchen wir nicht, um gut miteinander zu arbeiten.

Wie sich unsere Therapie verändert, sollte sich herausstellen, dass wir durchaus auch die Kriterien für eine sogenannte “Störung auf dem autistischen Spektrum” erfüllen, wissen wir nicht. Es gibt kein Buch zur Traumabehandlung von Autist_innen mit dissoziativer Identitätsstruktur.

Wir wissen nicht, ob wir ein weiteres rosenblattsches Special an uns integrieren und gleichzeitig an dem Wunsch ein Teil dieser Welt zu werden, festhalten können.

Herzensangelegenheiten #6

“Und das ist also Apparatemedizin”, denke ich, während ich meine Arme vor meinen nackten Oberkörper verschränke und warte.

“Ich bin ein Wellenbrecher”, denke ich. “Ein FlashFlashFlashwellenbrecher…”, ich lache beinahe, weil ich die Melodie von Flipper im Kopf habe. “Denn das ist ein Flää’ hääsch Flää’ hääsch ti didel di …”.

Die Krankenschwester, die mir sagte: “Machen Sie ihren Oberkörper ganz frei und legen die Sachen dorthin.”, steht mit dem Rücken zu mir und tippt in einen Computer.
“Können sie mir sagen, was jetzt gleich passiert bitte?”. Ich ärgere mich über das Bitte in dem Satz, weil – Hallo ich stehe halb nackt in einem Raum vor einer Fremden, in einem Raum mit 3 Türen, einer Liege, schwer einsehbaren Ecken und vielen Gerätschaften. Warum zum Teufel sage ich noch “Bitte”. Warum zum verdammten Mistdreckshenker muss ich darum betteln, mich orientieren und versichern zu können?

Ich denke: “Oh oh, wenn ich mich jetzt aufrege, dann verfälscht das die Werte.”. Und dann lache ich wirklich, weil ich schon seit 20 Minuten jenseits von cool bin und das auch weiß. “Scheiß auf die Werte”, denke ich.
Die Krankenschwester misst links und rechts den Blutdruck – warum ich dafür so ganz ausgezogen sein musste, verstehe ich nicht. Hinter mir brodelt es und ich zittere. Sie sagt nichts. Notiert die Werte.
Sie sagt, ich solle mich hinlegen. Ganz entspannt hinlegen. Und ich denke hochgradig ressourcengeimpft an eine Gitarre. Die ist auch immer gespannt, kann aber auch ruhig irgendwo herumstehen. “Das ist ein Fläää’ häsch Fläää’ häsch ti didel di…”

Ich weiß noch, dass ich früher immer irgendwie hart geworden bin und einfach nur hab machen lassen. N. der Wellenbrecher, der Stein in der Brandung.
Und jetzt liege ich da und auf meiner Brust saugen sich Elektroden fest. Ich lasse sie einfach machen. Lasse die Krankenschwester einfach machen. Ich bin ein Stein.
Ebenfalls sehr steinig ist die Ärztin, die in den Raum tritt. Sie schaut auf das Gerät, schaut auf die getippten Worte der Krankenschwester.
Fragt, ob ich rauchen würde. Ich hätte gern ein medizinisches Belohnungsbienchen dafür, dass wir vor inzwischen fast 3 Jahren aufgehört haben.

Sie fragt, weshalb wir da sind. “Zufallsbefund”, krächze ich.
Ich weiß, dass dieses Anamnesegespräch die einzige Chance für Patient_innen ist, sich irgendwie kurzfristig an ihre Behandler_innen zu binden. Kurz zu ermöglichen, miteinander durch die Untersuchung bzw. später auch die Behandlung zu gehen. Die ganzen Ziffern und Zahlen und Nummern und Werte schreddern uns das.
Die Ärztin fragt nur nach Zahlen und Werten, gibt Anweisungen zu atmen, während sie ihr Stethoskop auf meiner Brust umherschiebt.

Von innen kommt der Druck etwas zu sagen. Kontakt nach Außen zu machen, damit das Innen nicht so nah rückt. Ich weiß nicht mehr, welches Außen jetzt eigentlich das Richtige ist und bleibe still. Ich lasse machen und es ist egal. Wellenbrecher-N. ein Stück Fleisch unförmig, bleich, zerstört. Egal.

Ich soll mich auf die Seite legen während die Ärztin meine Lunge behorcht und dann einen Ultraschall vom Herzen macht.
Mein Herz ist schön.
Es hat kleine flatternde Klappen und bewegt sich in aller Ruhe.

“Na, die Aufregung geht jetzt langsam?”, fragt die Krankenschwester und ich würde sie gerne hauen. Wenn sie doch gemerkt hat, dass ich “aufgeregt” war, wieso zum – naja – hat sie nicht mit mir geredet?
Aber mein Herz wackelt noch immer so schön auf dem Monitor herum. Wir hören uns die Klappengeräusche an. Verfolgen den Blutfluss. Betrachten das Gewebe. Irgendwo innen lacht es, dass man das irgendwie auch Selbstberuhigung nennen könnte: das eigene Herz angucken.

Schade, dass sie nichts erzählt hat. Sie musste Zahlen aufsagen und Tasten auf dem Gerät anschlagen.
Ich denke, diese Gerätemedizin macht erstaunlich wenig Spaß, wenn die Menschen, sie nur benutzen, aber nichts von ihr haben. Also Spaß an der Nutzung oder Faszination oder so.
Ich bin hingerissen.

Und dann soll ich Fahrrad fahren und darf mich schon wieder nicht anziehen. Ich habe eine Jacke, die hätte offen bleiben können. Aber nein. Mich streift ein Kinderinnen und ich lasse es in den Wogen, die sich an mir brechen ertrinken.
Ich trete mechanisch auf eine Mechanik ein und die Untersuchungsmaschinistin aka Krankenschwester tippt auf ihren Computer ein. Die Ärztin bespricht ein Diktiergerät. Ich soll mich auf eine Zahl konzentrieren und diese halten. Die Nummer 60 und ich werden Untersuchungsbegleiter.

“Ihr Herz funktioniert gut soweit. Was sie da haben, haben viele andere auch und können gut damit leben. Es ist wie Sommersprossen. Niemand weiß woher man das bekommt und es geht nie wieder weg.”, sagt die Ärztin, als sie mir zum ersten Mal konkret gegenüber sitzt.
Auf einem Zettel, den sie mir reicht steht, was wir machen können, um unser Herz zu entlasten.

“Sie werden nicht sterben” von jemandem zu hören, steht nicht auf diesem Zettel.

weiter_gehen

Es ist eine Frage des Atmens. Weil ich gegen den Strom atme und immer schön weiterknirschKRACHplapfschepperBÄNGsplitter…gehe, habe ich noch nicht geweint.
Weil die Welt doch so schön ist. Zum Niederknien und in der Luft zerfleddern schön. Reich. Voll.

Ich spare mir das Weinen auf, weil ich weiß, dass ich die Kraft, die es kostet mich in Tränen aufzulösen, noch brauche.
Für den Herztermin, einen Testtermin nächste Woche. Für zwei 4 Stunden Zugfahrten mit Hund. Für 4 themenintensive Arbeitsstunden in 6 Tagen.
Für die Foto- und Filmbearbeitung. Fürs nicht Loslassen. Fürs Aushalten dieses weiterkaputtgehens, ohne zu wissen wohin und wozu eigentlich.

Vielleicht geht man nur um zu gehen.
Ich weiß es nicht.

Unsere Therapeutin hat bald Urlaub und zum ersten Mal habe ich wirklich Angst davor den Sommer nicht zu überstehen, weil ich mir zu viel und zu wenig vorgenommen hab und nicht einmal weiß, ob ich irgendetwas davon wirklich schaffe.

Der Körper ist im Moment ein mitunter unaushaltbarer Ort, weil er auf vielen Ebenen als zu raumeinnehmend erlebt wird. Zum Einen, weil er seit Wochen, wenn nicht Monaten immer irgendwie irgendwo weh tut, versorgt werden will und doch dauernd den Dienst versagt und zum Anderen, weil die einzige Antwort, die mein Denken darauf hat, die MagersuchtBulimie ist, die nur auf der Verhaltensebene aktiv gedämpft werden kann.

Daneben rieselt es vom Inmitten bis zu mir, wie krass der Schmerz um soziale Verluste eigentlich ist und wie viel Untröstlichkeit um die Nichtlösung, die wir leben müssen. Es reicht nicht, dass sich weite Teile in ihrem Denken um die menschliche Natur bestätigt fühlen, es reicht nicht, dass andere Menschen uns in unserer Abgrenzung und Perspektive bestätigen, wenn ich doch eigentlich nur darauf warte auch mal positiv von Menschen überrascht zu werden.
Wenn ich eben doch darauf warte, dass das Telefon klingelt oder das Mailpostfach blinkt.

Da ist diese Versuchung loszulassen. Diesem Sog nachzugeben und einfach nicht zu denken. Mich eben nicht mehr an die Dinge zu erinnern, die ich machen willmusssollkannmöchte damit ich sie nicht aus Versehen dissoziiere. Da ist diese Idee, in den Zug nach Budapest zu steigen und einfach eine ganz wirklich Fremde unter Fremden zu sein. Ein Nichts. Ein Niemand. Ein ganz und gar richtig im Falschen und Unbekannten.
Und diese Hoffnung dann irgendwie okay weg zu sein.

Da ist der Wunsch nie ausgestiegen zu sein.
Da ist der Wunsch nie weggelaufen zu sein.
Da ist der verzweifelte Schrei ins Universum um 15 Jahre Fehlentscheidung.

Vielleicht lebt man nur, um zu leben.
Ich weiß es nicht.

viel~e sein

~ Fortsetzung ~

Das Eine ist: da gibt es ein Wort – eine Diagnose. Das Andere ist: da gibt es etwas, das mit diesem Wort, dieser Diagnose benannt wird.

Wenn die Diagnose gestellt wurde, gibt es früher oder später dieses Moment, in dem man andere Menschen in unterschiedlichen Kontexten dieses Wort sagt. Und dieses Moment entscheidet darüber, wie sich der Kontakt entwickelt und auch, wie man selbst in der Zukunft damit umgeht, dieses Wort für sich zu haben, bzw. dass es Menschen gibt, dessen Selbst- und Umweltwahrnehmung mit einer Diagnose bezeichenbar ist.

Wir sind inzwischen ziemlich fatalistisch was das angeht. Da für uns nicht nur alle Züge in Richtung Zukunft abgefahren sind, sondern auch noch der Bahnhof dazu abgerissen wurde, ist es uns egal (weil es uns egal sein kann) wer weiß, dass wir viele sind.
Die Essenz unserer Erfahrungen, die Diagnose anderen Mensch mitzuteilen ist: Es ist scheiß egal, ob es jemand weiß oder nicht – denn das Wissen darum ist nicht entscheidend.

Wir haben unsere Diagnose Menschen mitgeteilt, damit sie uns helfen – sie haben uns nicht geholfen.
Wir haben unser Sein vor Menschen erklärt, von denen wir dachten, es gäbe den Wunsch mit uns in Beziehung zu sein – sie haben den Kontakt kaputt gemacht und Teile von uns gleich mit.
Wir haben die DIS als Behinderung angegeben, haben beim Jobcenter, bei Mediziner_innen und Betreuungspersonen die DIS erwähnt, erklärt, vermittelt – wie viel das gebracht hat, kann man ja sehen: 10 Jahre Hartz 4, ein GdB von 70 wegen “depressiven Störungen”, eine Allgemeinmedizinerin, die uns nach einer schwerwiegenden Diagnose alleine aus der Praxis torkeln lässt und Betreuungspersonen, die uns weder beim Ausstieg geholfen haben, noch in irgendeiner Form ihr Verhalten und seine Wirkung auf uns, reflektieren.

Am Ende geht es nicht darum, dass die wichtigen Menschen in einem Leben wissen, dass man viele ist, sondern darum, dass sie es begreifen und zwar nicht als eine Laune des Laufs der Dinge oder eine Entscheidung eines verwirrten Geistes, sondern als massive Entwicklungsstörungsproblematik und zwar auf die Entwicklungsstörung “massives, wiederholtes, komplexes Trauma in der frühen Kindheit”.

Wir haben letztes Jahr und dann auch noch dieses Jahr enge Kontakte zu Menschen beendet bzw. beenden müssen, weil nicht begriffen bzw. einem Begreifen folgend gehandelt wurde, was für eine massive, innerglobale Not das Verhalten dieser Menschen uns gegenüber ausgelöst hat.
Man erwartete von uns zum Beispiel Reaktionen, die existenzielle Bedrohungsgefühle, so wie kindliches Erleben von konkretem Überschwemmtwerden eigener Emotionen, Gedanken und Ängste, ausklammern, innerhalb von Konflikten, die genau das aber losgetreten haben.

Viele sein bedeutet einfach nicht nur: X hat einen Konflikt und Y weiß davon nichts.
Es bedeutet: X und Y plus eine unbekannte Anzahl anderer Innens versuchen verzweifelt A und B plus eine unbekannte Anzahl von Innens von dem Bewusstsein um einen Konflikt im Außen fern zu halten, damit der Alltag weiter läuft, während H I J K L M N plus noch wieder unbekannt viele andere schon längst in Wiedererleben stecken und das gesamte Inmitten lahmlegen – während die Umlaute einen Termin nach dem anderen abracken, und jederzeit irgendwo komplett neu anfangen können (und es in aller Regel auch tun).
Viele sein bedeutet: In einem Menschen passieren viele Prozesse gleichzeitig und autark nebeneinander her – und doch haben einzelne Ereignisse im Außen die Macht, sie alle mit einem Schlag zu beeinflussen, sobald es bestimmte Faktoren gibt, die mit existenzieller Bedrohung einhergehen bzw. so interpretiert werden.

Die Menschen zu denen wir den Kontakt beendet haben, haben vergessen oder vielleicht auch nie wirklich begriffen, wie wichtig es ist uns immer und immer und immer – auch nach vielen gemeinsamen Jahren und Erfahrungen – zu vermitteln, dass es sich bei einem Konflikt oder allgemeiner: Schwierigkeiten nicht um existenzielle Bedrohungen handelt.
Ja, so blöd das klingt: Wir müssen sehr oft hören, dass wir an Dingen, die für andere eine Kleinigkeit sind, nicht sterben oder in unserer psycho-physischen Integrität verletzt werden.

Für uns ist es ein Akt gewesen, das zu fühlen und wissen und zu lernen. Und das Ende dieses Prozesses ist für uns, zu lernen, dass wir uns das auch selbst nach innen bringen können und uns das von dort innen auch geglaubt wird. Soweit sind wir noch nicht.

Womit wir beim nächsten Aspekt wären. Uns Rosenblättern wird oft sehr viel mehr Belastbarkeit und Stabilität zugetraut, als tatsächlich da ist und manche Menschen sind zutiefst enttäuscht von uns, wenn wir das nicht bedienen können.
Was wiederum bei uns alles mögliche anmacht und letztlich dazu führt, dass wir uns nach außen noch mehr anstrengen, noch härter machen. Ich denke, das passiert vielen Menschen und ist nichts, was speziell mit unserem viele sein zu tun hat.
Das Problem ist: Wenn man viele ist und sich nach außen hart wie Stein macht, dann hat man, wenn die Tür hinter einem zu geht und kein Außen in dem Sinne mehr da ist, keine Kraft mehr für die unversorgte Hölle, die in einem drin brennt.

Wir haben gemerkt, dass alte Bekannte wie die Suizidalität, der Drang sich zu verletzen (kaputt bis tot zu machen), die Essstörung und hinten dran natürlich: die Täter_innenintrojekte mit ihrem Hass, auftauchen und es zusätzlich erschweren offen zu legen und zu erklären, worum es beim viele sein geht.

Viele sein bedeutet nämlich in dieser Welt auch: viel sein.
Es ist belastend, nervig, anstrengend, wenn eine Person immer und bei allem darum bittet, (bitten und betteln muss), dass manche Dinge einfach nicht gehen, weil sie Dinge auslösen, die dann wieder irgendwas abverlangen und und und

Ich habe seit der Diagnosestellung durchgehend das Gefühl eine Belastung zu sein. Ein Fehler, ein Mensch, dem man sich aus moralischen und nicht aus positivem “Einfach so” – Grund widmet und die Stimmen, die mir schon früher gesagt haben, dass ich anstrengend und nervig bin, bestätigen das natürlich.
Die Störung, der wir als Einsmensch ausgesetzt wurden, zieht sich bis heute durch unser Leben und hat sich mit uns selbst vermengt.

Heute stören wir, weil die Störung unserer Entwicklung nicht folgenlos endete.

Viele Personen, die von uns erfahren, dass wir viele sind und dass das so ist, weil wir 21 Jahre lang auf allen Ebenen miss-be-handelt wurden, übertragen die Verbindung “viele sein” = “misshandelt worden sein” auf uns “Rosenblätter sein” = “Gewaltthematik”.
Und was machen Menschen, die die Wahl haben, ob sie sich widmen oder nicht, mit Gewaltthematiken? Richtig: sie verpissen sich, machen den Kopf zu, fangen an die gesellschaftlich anerkannten Vermeidungstänze aufzuführen – und lassen uns stehen.
Im günstigsten Fall hängt nichts an dem Kontakt – da können wir dann selbst auch gehen und trösten uns mit dem Gedanken: “Naja, wenigstens hat sie Person jetzt mal davon gehört.”.

Schlimm wird es bei Personen, die nah sind. Oder nah geworden sind. Oder wo es um Abhängigkeiten geht.
Die letzte KJP in der wir waren, hatte die DIS-Diagnose zum Beispiel negiert und uns als Hysterikerin (jupp – die gibts noch als Diagnose) behandelt, was im Großen und Ganzen bedeutet auf nichts (und niemanden) von uns zu reagieren. Was für uns einen Raum aufmachte, in dem wir 24 Stunden am Tag spürten, dass wir alleine waren. In einem fremden Bundesland, mit dem Wohnort Kinder-und Jugendpsychiatrie, in der ein Pfleger seine Position ausnutzte.

Anderes Beispiel ist die Jugendhilfe, die wir teilstationär danach in Anspruch nahmen. Wir sagten, dass wir viele sind und, dass wir Gewalt erfahren.
Die Diagnose wurde von einer Klinik für Psychosomatik dann bestätigt und [Trommelwirbel] NICHTS passierte. [TUSCH]
Wir wurden in unserer Wohnung überfallen – das Schloss wurde 3 Wochen später ausgetauscht.
Ostersamstag 2007 riefen wir den Hintergrunddienst der Betreuung an, weil wir nach einem Spaziergang, verletzt in unserer Wohnung gelandet waren, obwohl wir eigentlich untergetaucht bei unserer damaligen Gemögten lebten. Wir baten um Begleitung ins Krankenhaus. Spurensicherung, Anzeigeerstattung – hatten wir (schweinemutig wie nie zu vor!) im Kopf – der Betreuer im Dienst, hatte aber die Stadt verlassen. Wollte so gerne ein ruhiges Wochenende. Er bat um Verständnis – wir nickten, legten auf, zersplitterten.

Viele bunte Schimpfwörter haben wir heute dazu im Kopf.

Vor allem, wenn wir heute in Veranstaltungen wie der Fachtagung “Wir sind viele” letztes Jahr in Mainz sitzen und hören, warum so viele Betreuer_innen so viel derbe Kackscheiße mit ihren Betreuten machen: Sie haben einfach keine Ahnung oder keine andere Wahl und nicht zuletzt sind manche auch einfach ignorante Arschlöcher, die, weil sie Gewalt selbst nicht erlebt haben, keinen Grund sehen davon auszugehen, dass es sie gibt und eben auch nicht folgenlos bleibt.

Was mir unter anderen Menschen, die viele sind, daneben begegnet ist eine mich traurig machende Bereitschaft zu glauben, dass Betreuungspersonen oft deshalb keine Ahnung vom Umgang mit komplex traumatisierten Menschen haben, weil sie nur Faker_innen vorher betreut haben.
Eine ähnliche Abwertung passiert meiner Ansicht nach, wenn Menschen sagen: “Ja in Klinik XY kriegen ja alle, die wollen eine DIS-Diagnose und deshalb machen die da nur Bullshit, weil da sind ja nur Fakes, die davon profitieren.”.
Leute: Scheiße entsteht, wenn Scheiße passiert und was in unserer Gesellschaft und in unserem Gesundheits- und Sozialleistungssystem passiert, ist so widerwärtig stinkende Scheiße, über die man sich genauso aufregen kann – nur komisch: das passiert ja gar nicht.

Haben wir da etwa einen blinden Fleck, weil es sich leichter in Richtung einer konstruierten Autorität motzen und abwerten lässt, als sich zu solidarisieren?

~ Fortsetzung folgt ~

Fundstück

Meine Regulation ist gestört. Das weiß ich und trotzdem tauche ich meine Hände in die Küchenspüle.
Ob das jetzt zu heiß war oder nicht, werde ich schon noch erfahren. Denke ich. Es dampft nicht verdächtig und eigentlich habe ich nichts anders gemacht als sonst. Aber mir fehlt das Stück zwischen Reizerfassung und Erkenntnis.

Während ich den Abwasch mache, denke ich an das Kind und den Bösen. Der Böse ist auf einer Insel und irgendwo lacht es immer noch darüber, dass die Therapeutin ihn von uns versorgt wissen wollte.
Ich weiß gar nicht, ob die Bösen überhaupt solche Bedürfnisse haben. Sie haben ja nicht mal das Bedürfnis nicht als “die Bösen” von mir gedacht zu werden.

Ich kratze auf der Teflonpfanne herum. “Es haftet ganz schön inbrünstig auf so einer Antihaftbeschichtung”, denke ich und überlege, ob meine Hände eigentlich immer so rot sind, wenn ich abwasche.

Und das Kind? Wieso schreit es eigentlich gar nicht?
Weiß es denn nicht, dass es ihm etwas Schlimmes passiert..e? Es muss doch jetzt ein Weh haben, ein Weh klagen, ein Weh in den Äther schicken und schreien.
Das macht man doch so.
Wir hatten mit der Therapeutin besprochen, dass wir uns kümmern. Dass wir es von dort mitnehmen und gut versorgen. Weil man das so macht.

“Noch einmal mit Pril abwaschen.”, denke ich, “und dann ist die Flasche alle und dann können wir endlich wieder das Fit nehmen.”. Ich denke an die Frauenhände meiner Familie* in Küchenspülen neben denen oft, immer, manchmal, das Fit stand und merke, wie erbärmlich meine Art Familien*verbundenheit eigentlich ist. An andere Dinge, die mich dem was eine meine Familie* hätte würde wenn gewesen worden wäre, näher bringen, kann ich mich aber auch nicht erinnern.

Es schreit nicht, es weint nicht, es bewegt sich nicht. Ich fühle nur Nichts von ihm. Weißes Rauschen, das kein Dissen ist.
Ist es dann eigentlich leiden? Wenn es nicht leidet, braucht es dann “gut kümmern” von uns?

Mein Abwasch ist fertig und in der Spüle vor meinem Bauch, treiben Speisereste, Fettaugen und letzte Restschauminseln umher.
“Wie fühlt sich eigentlich Ekel an?”, frage ich mich und fühle mich so fern von all dem was ist und wäre hätte würde wenn. “Wieso habe ich das jetzt eigentlich gemacht?”.

Ach ja, da war das Kind, vielleicht im Grundschulalter, das vor einer Wand kniet und weder sieht noch hört, noch ist und die Frage, ob es wohl leidet.
Und die Verlassenheit vor der Frage, ob man sich kümmern muss, wenn es kein Leiden gibt.

Die Frage was Leiden ist.

Und der Versuch um etwas anderes als dieses weiße Rauschen, das nicht ist und war und wird und ganz in Wahrheit überhaupt alles gar nicht ist.
So wie ich.

zur zweiten Episode “Viele–Sein”

Diesmal geht es um neue Wege und die Privatisierung, die das Leben mit Traumafolgen erfährt.
Ein Gespräch war nicht möglich, aber das hat uns glücklicherweise nicht abhalten können.

Also bitte – hier geht’s lang zur zweiten Episode “Viele – Sein” dem Podcast über das Leben mit dissoziativer Identitätsstruktur.