Tage mit Rettungsauftrag

Tage, wie heute sind „zu rettende Tage“. Tage mit Rettungsauftrag. Tage, die kaputt beginnen und nur durch Routinen oder Elemente dieser Routinen zu etwas „zu rettendem“ werden, damit sie zu etwas werden, das wir gelebt haben.

Der heutige Tag ist nicht durch irgendwas bestimmtes „zu rettend“ geworden. Es war einfach schon alles falsch, als ich vom Wecker aus einem komatösen fast 10 Stunden-Schlaf gerissen wurde und mich fühlte, als wäre mein Gehirn ein ausgetrockneter Schwamm, der von innen am Schädelknochen entlang reibt.
Ab dem Moment wusste ich, dass es ein Tag wird, an dem es darum geht, ihn als gelebt abzuspeichern und extrem darauf zu achten, welche Trigger was wann in welchen Ecken von uns machen. Gerade jetzt.
Und ab dem Moment wusste ich schon, dass wir in den nächsten Stunden zunehmende Schmerzen haben werden, überreizen werden und dennoch durchhalten müssen. Weil unsere Lage im Moment keine ist, in der wir nach unseren Kräften gehen können. Wir müssen nach Deadlines und Abläufen gehen, denen es scheißegal ist, wie viel Kraft wir für sie haben.

Dabei ist dann im Krisen- oder Ankergespräch später immer wieder die Frage: “Wie kann ich Ihnen helfen?” oder “Was könnte denn jetzt helfen?” vor der wir (gerade an „zu rettenden Tagen“) stehen und denken: Is doch egal, was jetzt „helfen“ kann – a) was heißt “was” und b) was heißt “kann” (und c) helfen! –PH! Nix! Gar nix! Niemals! Je! Irgendwas!) – Hauptsache irgend___was passiert und hilft dann auch wirklich.
Es ist das kindliche ABERJETZTSCHNELLSOFORTGLEICHMITOHNEABERHÄTTEWÜRDEWENNPLANUNG – JETZTJETZTJETZT like: JETZTSOFORT!!!!!! in Kombination mit einem Egoding, neben dem Gefühl sowieso keinen Überblick zu haben und keine Priorität einordnen zu können, neben dem Wunsch einfach irgendwie ein großes Stopp in die Vorgänge zu halten und ausruhen zu können.

Vorhin habe ich ein Video gesehen, das meiner Wahrnehmung von heute ziemlich nah kommt (Wir sehen nicht so verwackelt wie in dem Film umgesetzt, sondern immer eher so als wäre die Umgebung eine durcheinanderwirbelnde Schachtel Puzzleteile – also viele Details, aber nie ganze Räume oder Personen)

Aufgewacht bin ich um 7:30 Uhr mit einem Wahrnehmen wie ab 0:42 – heulend auseinandergebröselt, bin ich aber erst gegen 15:50 Uhr – nach 4 Straßenbahnfahrten, einmal Tierarzt plus Geldsorgen und Familienkontaktwunschgegensteuern, intensiv arbeiten an Stiftungsschreiben, intensiv arbeiten in einer ungewohnten/fremden Arbeitsumgebung mit ungewohnten/fremden Umgebungsgeräuschen (die zwei Baustellen, eine Hauptstraße mit Straßenbahn und Passanten enthielt), eine neue Person kennenlernen, fremdes Frühstück essen und dem Versuch mich mit meinen Gefühlen und meinem Wahrnehmen (ab 0:53 bis 1:18) verständlich auszudrücken (und nicht zu schreien, mir absichtlich weh zu tun oder sonst irgendwas lautes bzw. überintensives zu tun).
Die 11 Sekunden zwischen 0:42 und 0:53 waren im Grunde unser Tag von „Aufwachen“ bis „dem Begleitermenschen am Telefon vollheulen und sich die Kopfhaut reiben bis aufkratzen“.

Letztes Jahr um diese Zeit wusste noch nicht, was ein Overload ist und erst Recht nicht, dass es um Überforderung und Überreizung geht und nicht darum, dass ich mich einfach anders fokussieren muss.
Ich wusste nicht, dass es in echt ein Zuviel geben kann, das nicht viel mit dem zu tun hat, was andere Menschen auch wahrnehmen und merken und wissen. Vielleicht sogar nachfühlen können, wenn sie sich das vorstellen, sondern um ein Zuviel, das nur wir merken, weil nur wir die Welt so wahrnehmen, wie wir sie wahrnehmen, weil wir eben so wahrnehmen, wie wir wahrnehmen.

Was in dem Video ein zunehmend dunkler Hintergrund ist, ist bei uns mal ein weißer Nebel (Dissoziation, die zu Wechseln führt und eine dissoziative Amnesie, aber auch Fugue-Erfahrungen und Krampfanfälle für mich bedeutet), mal ein milchiger Schleier (dissoziatives Erleben im Sinne von Depersonalisation oder Derealisation), als aber auch so ein dunkles Loch (wo dann nichts mehr geht – weder sprechen, noch denken, noch orientieren, noch sitzen, noch laufen – dann brauchen wir unseren dunklen engen Käfig und eine ganze Weile ganz viel Nichts).

An vielen „zu rettenden Tagen“ verlasse ich mich darauf, dass wir einfach alles wegdissen. Dass wir funktionieren, weil wir funktionieren müssen. Und zwar einfach manchmal wirklich müssen, weil ausruhen, Pause, Stopp, langsam und Schritt und für Schritt zu viel Zeit frisst und wir nach wie vor nicht immer und überall hingeben können: „Ich kann gerade nicht, weil ich nicht kann.“
Und: weil wir weder einfach delegieren können, noch wollen.

Wir haben an wenig Dingen ein Egoding dran.
Aber Dinge, die wir wollen (weil wir sie brauchen oder von denen wir den Eindruck haben, dass sie uns helfen können) machen wir alleine. Weil wir das können. Weil wir schon viele Dinge geschafft haben und ja: Dinge, vor denen andere Menschen abkacken, weil sie nicht die Fähigkeiten dazu haben, sie zu schaffen.
Ja, da ist ein Vergleich und ja, da ist ein: “Wir können etwas sehr sehr gut, das andere nicht können” und ja: da ist ein Egoding dran. Kein Überlebensstolz, aber ein Fähigkeitenstolz.
Ein Fähigkeitenstolz, den wir uns auch klemmen könnten, weil sich funktional zu dissen keine wirklich trainierbare Fähigkeit wie gute Manieren oder ein Handwerk ist, sondern das Ergebnis von Gewalterfahrungen, die uns auch ganz greifbar und konkret das Leben hätten kosten können – aber er ist da und er erfüllt einen Zweck nur für uns allein. Nämlich den, sich durch Tage wie den heutigen zu bringen und daran auch noch etwas Gutes zu finden.

Unsere Gemögten und der Begleitermensch und ganz viele andere Menschen, möchten uns immer wieder so gerne helfen. Fragen, was sie tun können oder sagen uns, dass sie gerne helfen würden, aber nicht können.
Und wir schwanken jedes Mal zwischen: “Ja, okay dann hilf mir ABERJETZTSCHNELLSOFORTGLEICHMITOHNEABERHÄTTEWÜRDEWENNPLANUNG-JETZTJETZTJETZTlike: JETZTSOFORT!!!!!!” und “Ph, ich krieg das schon hin. Ich hab ja schon Dinger geschafft…” und “Ja, ich weiß ja auch nicht oben unten Zeit Raum schwalla la la la la ach ja…”
Und in aller Regel schlängeln wir uns aus den Angeboten raus oder nehmen sie an und kriegen kein Gleichgewicht mehr hin. Können Schulden nicht (schnell oder wie geplant) zurückzahlen, können nicht so viel emotionalen Saft reingeben, wie es der Umgang mit uns erfordert, können nicht die Freuden schenken, die wir schenken wollen würden, fangen an den Kontakt zu zerstören, weil anfangen uns zu überanstrengen möglichst keine Konflikte oder Reibungsflächen aufzumachen.

Alles alleine zu schaffen schützt uns vor diesem Dilemma. Und fühlt sich nachträglich auch noch super an. Irgendwann.
Jahre später, wenn man zurückblickt und denkt: “Alter, wasn krasser Scheiß – Ausstieg während Abendschule und Therapie – krasse Leistung!”. Ich ziehe daraus den Gedanken: “Ja, dann schaffe ich das jetzt hier auch.” und impliziere damit auch: “Ich schaffe das genauso alleine wie damals, als wir alles alleine bzw. fast alleine und immer einfach auf gut Glück ohne Netz und doppelten Boden machen mussten, weil es anders nicht ging. Ganz klar und konkret, ohne eventuell vielleicht hätte würde wenn man könnte … nicht anders ging, als alleine, funktional gedisst und über alle Grenzen und Maßen hinaus auch leidend.

Damals hatten wir kaum Gespür für uns als uns. Hatten kein Gefühl für Grenzen und es ging über Jahre darum zu merken, wann das Stresslevel so hoch war, dass wir gedisst haben und mit welchen Strategien wir versucht haben, etwas dagegen zu tun.
Jetzt geht es darum zu merken, warum wir dissen und welche Strategien ein nice try, aber sinnloser Bullshit sind.

Und die Konsequenzen daraus.
Und die fressen mein Egoding. Aber das sollen sie doch nicht machen. Ich mag es nicht, wenn logische Konsequenzen meine Egodinger aufessen. Ich hab nicht viele davon, deshalb verwechsle ich sie auch manchmal mit Würdedingern, die man gesellschaftlich akzeptiert auch mal harsch verteidigen darf. Weil unantastbare Würde und so.

Daneben ist es aber auch so, dass wir immer wieder die “bedürftige Hannah” sind. Entweder die “bedürftige Hannah, die aber nicht jammert, sondern macht und kämpft” oder die “bedürftige Hannah, die ja einfach nur mehr XY und weniger AB machen müsste, damit…” oder die “bedürftige Hannah, die ein Mahnmal dafür ist, wie gut man es doch selbst hat” oder die “bedürftige Hannah, die so wahnsinnig inspirierend ist, in ihrem Kämpfen um den eigenen Weg”.

Wir sind selten die Hannah, die ganz sicher sein kann, dass alles okay ist und bleibt, wenn sie hunderttausend Dinge nicht mehr macht, weil sie ernst nimmt, wie sehr sie sich damit auch quält.
Oder die Hannah, die nichts (vor allem keine existenziellen Notlagen) zu befürchten hat, wenn sie im eigenen Tempo, im eigenen Level tut, was zu tun ist.
Und wir wissen, wie wenig wir in dieser Gesellschaft eine “kompetente, ernstzunehmende, professionelle, im Leben stehende Hannah” sein können, wenn wir Menschen brauchen, die uns  sagen: “Du bist erschöpft – tu jetzt, was dir gut tut, anstatt zu tun, was du tun musst.” oder “Du quälst dich (andere Innens), weil du (für sie) ein Wiedererleben traumatischer Situationen erzwingst – mach eine Pause.”, weil wir es sonst nicht merken oder merken  und:  “Aber trotzdem! Aber will, weil brauch und dafür wollen sollen muss!” rufen und mit dem Kopf durch die Wand und die Wände hinter ihr wollen.

Es geht an „zu rettenden Tagen“ manchmal auch darum, dass wir merken, dass wir sie retten können.
Dass wir nicht schaffen, was uns üblicherweise (durch Routinen, Tagesplan und bestimmte Inseln des Ist) darin versichert, dass ein Tag ist und war und von uns mit_gestaltet und von uns gelebt wurde, aber, dass wir uns ihren Anfang und ihr Ende ganz sicher und klar vor Augen halten können.

Und sei es mit einem Blogartikel, der das letzte bisschen Denkleistung aufgegessen hat.

jemand, di_er da ist

Mit der Auseinandersetzung um Autismus und unsere Psychkarriere kommt das Erinnern, wie ein Sterntalerregen auf ein Ich ohne Hemdchen.

Da bin ich und habe nur meine zwei Hände, die ich aufhalten kann. Da bin ich und weiß, dass, was auch immer in ihnen landet, mir weh tun und etwas für mich verändern wird. Weiß, dass es regnet, egal ob ich mich bei lebendigem Leib auflösen lasse oder nicht.
Weiß, dass es vorbei ist. Weiß, dass meine Reaktionen dennoch eintreten werden. Meine Seele funktioniert nicht nach Raum und Zeit, sondern nach Ist oder Nicht-Ist.

Nach wie vor beginnt mein Erinnern mit dem ersten scheppernden Knall einer gelben Metalltür in ihren Rahmen. Eine kinder-und jugendpsychiatrische Station einer Uniklinik. Alles davor ist weg. 14 Jahre und ein paar Monate. Nicht von mir gelebt, nicht von mir gepflegt.
Ich dachte immer, ich hätte ein festes gutes Erinnern ab dem Moment, aber während ich mir frühere Arztbriefe und Klinikberichte anschaue, merke ich die Löcher. Bekomme ich eine Idee davon, wie wir so auf Psycholog_innen und Mediziner_innen gewirkt haben müssen, obwohl doch ich da war und genau gar nicht so bin.

Wir haben geschaut, welche Persönlichkeitsstörungen uns bereits andiagnostiziert wurden. Ja, wegen diesem Narzissmusdings und ja, weil in einem anderen schlauen Buch steht, dass autistisches Sein gerne mal falsch verstanden und fehldiagnostiziert wird. Und, weil ich meine Fehlersuche noch nicht abschließen kann. Meine Fehler in der Klinik zuletzt, meine unsere Fehler in den Kliniken früher. Meine unsere Fehler, die dazu geführt haben, dass wir heute hier leben und wirken und sind – und nicht in einer Pflegefamilie an der Ost-oder Nordsee, in deren Schoß wir heute kriechen könnten, um uns über Zukunftsängste beruhigen und Sorgen entlasten zu lassen.
Ja, nein, irgendwie kann ich es nicht lassen. Kann nicht aufhören die Verantwortung bei mir zu suchen, denn jedes weitere Erinnern gibt mir ein Fundstück in die Hand, das auf Fehler, Missverständnisse, ungünstige Kompromisse und naive Annahmen von mir und uns deutet – während die anderen Beteiligten, ihre Ansichten, Meinungen, Kompromisse und Annahmen jeweils in Diagnosen und mehr oder weniger transparente Berichte destilliert sind und einzig sind in ihren Möglichkeiten etwas mitzuteilen.

Die erste Persönlichkeitsstörungsdiagnose lautete auf “anankastische Persönlichkeitsstörung”.
Ich habs gegoogelt und mich daran erinnert, wie tatsächlich auch nach außen aktiv und transparent wir bestimmte Dinge taten und verlangten.
Und werde auch traurig, denn einige der Ängste hinter so manchem sogenannten “Zwang” zeigten bereits damals mit grell blinkender Leuchtschrift auf Erfahrungen bestimmter Gewalt und mind control (im Sinne von “von Täter_innen durch Gewalt gesetzte Gedanken/Ideen/Denkweisen”).
Ich erinnere mich an eine Debatte mit einer Stationsschwester darüber, ob auch wirklich keine Spinnen oder Schlangen unter der Tür oder durch die Fensterritzen des Zimmers kommen könnten, nachdem sie uns verboten hatte, uns darüber ständig zu versichern, statt zu schlafen.
Und ich weiß noch, dass ich selbst nur wusste, dass es lebenswichtig war mich darüber zu versichern und es mir schlecht ging, sobald ich mehr darüber nachdachte. Da waren intrusives Erleben, Flashbacks, erste Psychosomatiken – die jedoch alle unter “Schlafstörung” bzw. “pavor nocturnus” (“Nachtschreck”) zusammengematscht und nicht weiter beachtet wurden.

Ich erinnere mich, wie ich damals versuchte zu kompensieren was mir fehlte: Zeit_Bewusstsein und Kontrolle über mich selbst.
Damals las ich noch viel darüber, wie man sich wo richtig benimmt, welches Verhalten wann und wo in Ordnung ist. Was man wie genau sagt. Ich kopierte Gesichtsausdrücke und die Stimmlagen von Menschen, die meiner Ansicht nach alles richtig (sicher/okay) machten. Ich weiß, dass wir damals tanzten, sangen, in einer Zirkusgruppe aktiv waren. Alles Dinge, bei denen man okay ist, wenn man perfekt kopiert (und später in der Lage ist, eigenständig zu variieren – worin wir jedoch nie “gut” waren).
Heute würde ich sagen, wir versuchten uns soziale Erbsenmomente zu machen. Versuchten uns mit anderen Menschen okay zu fühlen, weil wir als okay wahrgenommen werden. Aber wir versuchten es auf eine Art, die eine pathologisch Einordnung ermöglichte.
Obwohl, das einzig Pathologische an diesem Versuch der war, dass wir etwas absichtlich konstruiert getan haben, was andere Menschen nicht in der Form konstruieren müssen, weil sie es aufgrund einer geheimnisvollen Fähigkeit einfach können.

Auch so etwas, das ich heute nicht nachvollziehbar finde bzw. nur mit psychologischer Denkdummheit erklären kann: da ist ein 14/15 Jahre alter Mensch – also ein_e Jugendliche_r, was ein Ausschlusskriterium für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sein und viel mehr Anlass geben sollte, sich die Umwelt der Person anzusehen und wie sie mit dieser interagiert. Welche Strategien werden da versucht und warum?

Damals wie heute kann man sehen, das viele unserer täglichen “Zwänge/Wiederholungen/Rituale/Abläufe” sehr wohl triftige Gründe haben bzw. auf nachvollziehbare Impulse und/oder Defizite, sowie bestimmte Erlebensqualitäten für uns zurückgehen. Man muss diese Gründe jedoch erfragen, annehmen und als für uns gegeben akzeptieren (wollen) und das ist damals (und auch lange Zeit danach) nicht passiert.

Noch heute kopieren wir die Stimmlagen, Wortcluster und bestimmte Handlungsarten von anderen Menschen, von denen wir wissen, dass sie die jeweiligen Situationen “richtig machen”, weil wir wissen, dass wir es “falsch (like: awkward, unsozial, unsympathisch, weird, unangenehm usw.) machen” würden, würden wir es machen, wie wir es spontan machen würden.
Nicht nur, weil manche von uns glauben, dass sie es ja nur falsch machen können, weil wir ja so ein falscher Mensch sind, sondern, weil Menschen, die sich verhalten, wie wir es tun würden, über kurz oder lang die wie auch immer gegebene Rückmeldung erhalten, dass ihr Verhalten falsch sei – oder eben awkward, unsozial, unsympathisch, weird, unangenehm usw.

Noch heute “streben wir nach Perfektion”. Wir tun es aber nicht, weil wir uns so unvollkommen erleben. Wir tun es, weil wir sehen, wie Menschen auf “perfekt” reagieren und uns denken: Wenn wir dies und das perfekt machen, dann ist alles okay. Dann ist “Erbsenmoment”. Dann ist “loslassen und okay für das Umunsherum und ganz viel Raum frei für Inmittendrin”.

Wenn man so will, könnte man sagen, dass wir durchgehend versuchen uns das Umunsherum vom Leib zu halten, um für bei mit uns sein zu können, ohne gestört zu werden.
(Und ja – ich lese selbst, wie man das lesen kann.)

Die nächste Persönlichkeitsstörungsdiagnose war “Borderlinepersönlichkeitsstörung”.
Interessanterweise eine Diagnose, die von einem sicherlich sehr kompetenten Chirurgen gestellt wurde, der uns selbst zugefügte Schnitte genäht hat. Erst Jahre später tauchte diese Diagnose wieder auf.

Dazwischen lag noch die “schizoide Persönlichkeitsstörung”.
Doch auch dort fehlte der Blick auf den sozialen Kontext. Diese Diagnose gab es nach einem Suizidversuch und einem Zeitraum ohne Sprechen, nachdem wir von Heim zu Heim geschubst wurden, weil wir immer wieder irgendwas falsch gemacht haben, was heute nicht mehr richtig nachzuvollziehen ist.
Was ist bitte die logischere Erklärung für Rückzugstendenzen, abgeflachte Affekte und allgemein eher abweisend/kühle Interaktion, nachdem man auf alles, was man tat oder sagte oder machte, mit seinen 7 Sachen wieder weggeschickt, verlassen, mit schwierigen Dingen (wie etwa Verstrickungen in organisierte Gewalt, schwierige Symptome und Überforderungen im täglichen Leben) alleine gelassen wurde?
A) eine Persönlichkeitsstörung als fast 16 Jährige oder
B) die Frage (und selbst gegebene Antwort) danach, welchen Sinn die Interaktion mit einem unbegreiflichen Außen haben soll, das man einerseits braucht und dessen Schutz man sich wünscht – das andererseits aber genau nichts versteht?

[Gameshow-Musik-Geräusch]

Und dann war da noch die Hysterie.
Die gute alte Hysterie heißt heute “histrionische Persönlichkeitsstörung” und ist ein Psychologen*(sigh!)*wort für “die *(sigh!)* spinnt”.
In unser Diagnosenbonuspunktesammelheft geklebt bekommen haben wir dieses Goldstück in einer Klinik, in der dissoziative Symptomatiken als “unüblich” und Diagnosen wie die DIS eine Glaubensfrage darstellen. (Kein Scheiß – hat der Chefarzt genau so in einem Gespräch gesagt).
Menschen, die als “histrionisch” diagnostiziert werden, werden nach und in Bezug auf das Außen gerichtete Intensionen unterstellt. Da kommen dann so Sätze wie “Sie macht XY nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen” her oder die Annahme, diese Menschen würden mehr oder weniger aufwendige Szenarien konstruieren bzw. inszenieren, um sich selbst in einer bestimmten Art wahrgenommen zu wissen.

Ich habe schon geschrieben, dass wir durchaus Verhalten kopieren, um bestimmte Zwecke im Außen zu erfüllen bzw. um als okay wahrgenommen zu werden.
Im Mittelpunkt zu stehen ist für uns dann aber in der Regel doch zu anstrengend und etwas, das wir heute nur noch ertragen, wenn wir davon überzeugt sind, etwas zu tun, wofür es sich lohnt zeitlich und inhaltlich klar begrenzt von anderen Menschen angeguckt, beobachtet, angehört und analysiert zu werden.
Zum Beispiel in der Therapie oder auch während Projekten wie dem Nachwachshaus, in Workshops oder bei Vorträgen.

In der Klinik damals wiederum sind wir aus für uns bis heute nur mehrdimensional erklärbar sozialen Dynamiken heraus immer wieder in negativen bzw. für uns unangenehm oder uns ängstigenden Fokus geraten. Die Kommunikation war durchgehend dysfunktional und unsere soziale Situation eine über alle Maßen überfordernde. Denn wir waren nicht dort, weil wir behandelt werden wollten oder Hilfe suchten, sondern weil wir keinen Wohnort hatten und noch nicht volljährig waren.
And again: etwas mehr Fokus auf die soziale Situation einer Person im Kontext ihrer tatsächlichen Fähig- und Fertigkeiten und die Idee einer in der inneren Struktur einer Person liegenden Problematik wäre als obsolet klar gewesen.
Doch dazu hätte man in Betracht ziehen müssen, dass eine Person eventuell ganz basic Interaktions- und Kommunikationsprobleme hat und permanent Ängste kompensiert, weil sie sich auf niemandem verlassen kann. Nicht einmal sich selbst.

Selbst heute, wenn ich versuche mich daran zu erinnern, wie wir uns in dieser Klinik verhalten haben, erinnere ich mich nur an Missverständnisse und Momente von Verzweiflung darüber, dass es nichts Beruhigenderes als körperlichen Schmerz gab. Obwohl wir uns damals schon 9 Jahre lang immer wieder selbst geschnitten, verbrannt, geschlagen oder verätzt haben, haben wir nie so darunter gelitten, wie damals in dieser Klinik. Es war das tragischste Erbsenmoment, das wir uns selbst machen konnten und diese Belegung von Schmerz durch körperliche Versehrung als Beruhigung ist etwas, das wir heute mühsam wieder zu entkoppeln versuchen.

In einem Gespräch mit dem Begleitermenschen kam jemand an den Punkt in der Auseinandersetzung um die Persönlichkeitsstörungsdiagnosen, dass der uns erschreckende Anteil daran immer wieder der ist, an dem uns Intensionen hinter Verhalten unterstellt werden, für die wir selbst meist weder Kraft noch Fokus hatten.
Was wiederum in der Narzissmuskrise der Teil ist, der uns die letzte Klinik am Ende vollends als guten Ort zur Unterstützung in der Begegnung und dem Auseinandersetzen mit uns und unserem Er_Leben verbrannt hat.

Gerade in der letzten Klinik hatten wir sehr bewusst massive Probleme überhaupt teilhaben zu können, schwerwiegende Kommunikationsprobleme und ein wie wir finden gutes Gefühl für unsere Überforderung vor bestimmten Anforderungen. Und wir sind einer Täuschung erlegen, die uns – zumindest nach jetzigem Stand der Auseinandersetzung und Fehlersuche – dazu verleitet hat, anzunehmen, es wäre okay, wenn wir selbst bestimmen, wofür wir Kraft aufbringen und wofür nicht. Wir haben uns um uns gekümmert und nicht darum, ob wir nach außen okay sind. Wir haben uns auf das Inmittendrin konzentriert und nicht darauf, die flache phrasenbasierende PITT-Sprache zu kopieren und spiegeln, während wir klinikfunktional dissoziieren.

Wir haben etwas gemacht, das ein High Five auf der Heilungsskala bedeuten könnte– aber nur, wenn der Heilungsbegriff auf den Leiden basiert, die wir empfinden.

In keiner der Persönlichkeitsstörungsdiagnosen, die wir in unserer Behandlungsgeschichte erhalten haben, wurde auf unsere Leiden geachtet, sondern überwiegend auf unser sichtbares Verhalten als Einsmensch und die Erklärung, die die jeweiligen Psycholog_innen sich dafür vorstellen konnten.
Wir haben immer genau dort eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert bekommen, wo man uns in unseren Fähig- und Fertigkeiten über- bzw. falsch eingeschätzt und überfordert hat. Wo das nicht passiert ist, verlegte man sich auf die Benennung sichtbarer Probleme und die deuteten schon früh auch in Richtung PTBS und ASS (Autismus-Spektrum-“Störung”), neben ganz schlicht (nicht pathologisierend bewortet) “belastete/überforderte/dekompensierte Jugendliche”.

Wenn ich mich den aufkommenden Erinnerungen widme, merke ich neben der üblichen Bitterkeit auch zunehmend den Wunsch mich und die Innens, die anders als ich nicht gealtert sind, auch mit etwas anderem als den Erklärungen für diese Sachverhalte trösten zu können.

Doch ich spüre die Spaltung zwischen uns sehr deutlich. Manche debattieren bis heute im Innen mit irgendwelchen Krankenpflegern und Schwestern darüber was für widersprüchliche Aussagen sie gemacht haben, die dazu geführt haben, dass man sich “falsch” verhalten hat. Manche sitzen noch immer weinend in der Heilerinquisition (eine wöchentliche Visite mit allen Behandler_innen einer Klinik) und stottern an Worten herum, die nicht ihrem jagenden Puls im Hals vorbei kommen. Manche liegen immernoch fixiert auf irgendeiner Krankenliege und schwanken zwischen Wohlgefühl durch Gefühle von Gehaltenwerden und Verwirrung über aufkommende Flashbacks von Gewalterfahrungen anderer Innens.

Ich merke, dass es ihnen nicht um Trost geht. Jedenfalls nicht vielen. Ich merke, dass es für viele um die Verwirrung und die schier unüberbrückbare Differenz zwischen Außen und Inmittendrin geht, die macht, dass ich sie überhaupt mehr wahrnehme als noch vor ein paar Monaten. Und ich beginne zu begreifen, dass es vielleicht genau diese Spaltung ist, die mir die Autismusdiagnose so schwer macht.

Sie macht mir nämlich den eigenen Anteil der jahrelangen Klapsenqualen bewusst, während der Inklusionsaktivismus, den wir heute unterstützen, eine Haltung in uns hat entstehen lassen, nach der wir unsere Behinderungen (auch im Sinne von “Unfähig-und –Fertigkeiten”) als etwas angenommen haben, das wir als von anderen Menschen ernst zunehmen und mitzudenken einfordern dürfen und sowohl zum Anstoß gesamtgesellschaftlicher Veränderungen im Sinne der Inklusion aller Menschen gleichermaßen, als auch zur Ermöglichung von Teilhabe und Steigerung der eigenen Lebensqualität auch müssen.

Ich komme nicht mehr um eine anerkennende Haltung gegenüber diesen jugendlichen Innens herum. Ich muss sehen, wie super stark, hartnäckig und aus wie vielen guten, wichtigen Gründen sie jeweils getan haben, was sie getan haben und spaltungsbedingt bis heute tun.
Die pedantischen Regelpapageien. Die nervigen Anstandsroboter. Die Kämpfer_innen für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte auch auf einer geschlossen Station. Die taktierenden Gruppentherapiebestreiter_innen. Die schweigend auf Wände und glitzernde Folien starrenden. Die mutigen “Ich werde misshandelt”-sager_innen. Die intellektuell in Grund und Boden quatschenden. Die “diesmal mache ich alles (die Behandlung/die Therapie/der Versuch in einem Heim zu wohnen) richtig”- Denkenden.

Ich reflektiere an mir die Übernahme des psychologischen Blicks, der mich daran gehindert hat sie so zu sehen. Für mich waren sie bisher immer eher grundlegend dysfunktional und leidend. Weil – DIS –Entstehungslogik: sie ja weiter gewachsen wären, wären sie funktional gewesen bzw. kompatibel mit sich verändernden äußeren Anforderungen. Ich wäre ja nie nötig gewesen, wären sie besser, richtiger, heiler, fähiger, kompatibler gewesen. Sie sind nicht alltagstauglich, geschweige denn orientiert – wie wertvoll können sie dann schon für meinen Er_Lebens.Alltag sein?

Well, ich sehe, dass dieser neuere Blick etwas an ihnen wertschätzt, das nichts mit ihren Fähigkeiten im Heute zu tun hat, sondern mit dem, was sie getan haben, als ich nicht da war. Vielleicht, weil ich damals nicht da war. Vielleicht, weil sie kleben geblieben sind, wo es mich von ihnen im Lauf der Dinge weggerissen hat.

Während meiner Fehler- und Erinnerungssuche merke ich, dass ich ihre Erfahrungen auch gemacht habe und bis heute mache. Aber ich bin keine 14, 15, 16, 17, 18 Jahre alt und bin so global wie sie damals davon abhängig, was wer in welche Berichte über uns schreibt.
Klar sind wir in Teilen abhängig davon, dass unsere Behandler_innen keine Quatschberichte schreiben, weil unsere Hilfen und Unterstützungen entsprechend unserer Bedarfe gebraucht werden und nicht entsprechend dessen, was irgendwer irgendwann aus was auch immer für Gründen von uns und unserem Verhalten hält – auf der anderen Seite aber, steht hinter jedem Antrag auf Unterstützungen auch der implizite Apell an die Logik. Niemand bittet um Unterstützung, wenn si_er nicht die Idee hat, welche zu brauchen oder gut nutzen zu können.

Und: Ich bin eine von den wenigen wirklich Erwachsenen von uns und merke im Moment immer wieder mal, wie sehr auch unsere Einsamkeiten in diverse Fortbestände von Ängsten und Unsicherheiten hineingespielt haben.

Das könnte ich für sie werden, denke ich.
Jemand, di_er da ist.

die ganz normale Ausbildung

Seit der Nachricht um den Ausbildungsplatz, formuliert jemand an einem Brief an die Familie*.

Kein Wort davon ist bisher niedergeschrieben. Da ist die Angst: “Wenn ich anfange, dann kann ich nicht mehr aufhören.”
Da ist der Umstand, dass Briefe abgeschickt werden müssen, wenn sie geschrieben sind. Weil Briefe keine Briefe sind, wenn sie nicht abgeschickt werden, sondern bloße Texte.

Da sind all die möglichen Alternativen.
Es ist einfach nur eine dysfunktionale Familie. Es ist einfach nur eine dysfunktionale Tochter. Es sind einfach überfordert gewesene Eltern. Es sind einfach nur Leute, die es nicht besser wussten.
”Heute ist doch heute”, sagt das Innen. “Heute ist vielleicht alles anders, als vor ein paar Jahren.”.

Das ideale Szenario, in dem alles nur ein Traum war, eine Episode der Verw.irrung war, ist, dass man, wie so viele andere Menschen, bei der Familie anruft, sich zusammen über den Ausbildungsplatz freut, feiert und die Eltern von sich aus fragen, was man für Unterstützung brauchen könnte.
Dieses ideale Szenario würde bedeuten, dass wir viele Jahre an eine geistige Umnachtung verloren haben, aber das ist diesem Innen vielleicht nicht so wichtig. Was heißt schon “viele Jahre”, wenn Zeit und Raum schon immer durcheinander fallen und am Bewusstsein vorbei krümeln.

So viele der jugendlichen Innens kleben in diesem Brei aus Verwirrung um Fremdunterbringung, Klapsenschock und “Ich bin das Problem in dieser Familie”. Die wenigsten haben unsere Entscheidung den Kontakt abzubrechen, um uns selbst zu schützen, überhaupt mitgetroffen. Aber viele haben gemerkt, dass es uns besser ging, nachdem wir es getan haben und, dass “es geht uns besser” für sie bedeutet, eine okaye Umgebung für die Dinge zu haben, die sie mögen.

Ob sie merken, dass diese okaye Umgebung von uns als bedroht empfunden wird, ist nicht zu sagen.
Wir machen uns Sorgen darum, was die Ausbildung neben der Ausbildung und dem Schulalltag bedeutet. Es ist absehbar, dass uns die letzten 15 Jahre in staatlichen Sozialleistungssystemen nun auf die Füße fallen, weil wir keine Rücklagen haben. In der Ausbildung werden wir nichts verdienen. Wir können Geld dazu verdienen, aber wann genau sollen wir erarbeiten, was wir verkaufen könnten? Wenn wir nach der Schule nach Hause kommen? Von der Therapie nach Hause kommen? Die nächsten drei Jahre werden viel Kraft fressen und wenn wir aktiv gegen die Spaltung anarbeiten wollen, wird “Dazuverdienen” schwierig. Vielleicht zu schwierig. In jedem Fall eher nicht so wahrscheinlich, als dass wir uns darauf verlassen können.

Wir haben ein bisschen Zeit in Recherchen investiert um eine Stiftung zu finden, die Menschen in unserer Lage unterstützt. Und dann stoßen wir auf Formulierungen wie “Wir helfen Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind” und rutschen in aufkreischende Gedankenschleifen darum, ob wir überhaupt in Not sind und wie sehr wohl doch selbst verschuldet unsere Lage ist.
Wir hätten ja schließlich auch zu Hause bleiben können. Wir hätten ja arbeiten gehen können. Wir hätten ja diesen einen Autorenvertrag bei diesem Verlag unterzeichnen können. Wir hätten ja nichts von dem machen müssen, von dem wir dachten, wir müssten es machen, um uns zu retten, zu schützen, am Leben zu halten.

“Und wir müssen diese Ausbildung ja auch nicht machen.
Wir können das auch sein lassen und einfach irgendwie so in Auflösung übergehen. Wir könnten das alles auch einfach sein lassen.”, wabert es in einer weißen Nebelschleierwand aus der Ferne. So tröstlich. So beruhigend. So dissoziativ.

Ja, einfach nicht zu kämpfen, einfach loszulassen und gar nicht erst anzufangen, das wäre leicht.er.
Nicht schon wieder einen Kampf um Geld für ein bisschen Sorglosigkeit und Luft zum Atmen. Nicht schon wieder ein Kampf um Alltagskraft, Lebensperspektiven und sichere Hoffnungen führen. Das hatten wir doch jetzt die letzten Hartz 4 –Jahre dauernd. Jetzt haben wir doch aber einen Ausbildungsplatz – dann müsste das doch jetzt mal langsam aufhören. Jetzt muss doch mal gut sein mit der Bedürftigkeit, den Nöten, die heimlich irgendwie immer doch selbst gemacht sind.

Wir können auch einfach so tun, als würde sich alles von allein erledigen.
Einfach nicht drüber nachdenken und gucken, was geht, wenn die Luft dann wirklich brennt. Etwa, wenn das Laptop dann endgültig seinen Geist aufgibt oder sich herausstellt, dass man das Schulgeld in echt und wirklich auch bezahlen muss. Wenn der Kühlschrank irgendwann nicht mehr nur Wasser verliert, sondern selbst ins Wasser geht und die Waschmaschine mitnimmt. Wenn uns die Realität dieses über die Jahre zusammengehamsterten Stückelhaushalts um die Ohren fliegt und wir uns wieder entscheiden müssen, ob wir das selbst verursachten und wieviel Not wir wirklich haben.

Glücklicherweise wissen sie nicht, wie sie den Brief beginnen lassen könnten.
Selbst ihnen kommt es wohl falsch vor “Liebe Mutti, lieber Vati” zu schreiben und von dort die Kurve zu “bitte kauft mir einen Computer, ein paar NakNak*sachen, ein paar Haushaltsdinge und bezahlt das Schulgeld für mich. Ich kann das nicht selbst aufbringen, weil ich ja von euch weggelaufen bin” zu kriegen.

Daneben steht, dass wir sie bemerken. Nicht nur diesen Wunsch, sondern auch einen Teil ihrer Gefühle. Wie nah die Trauer plötzlich ist und wie greifbar ein Leiden wird, das sie selbst vielleicht gar nicht so als Leiden einschätzen.
Letztlich versuchen wir die Ausbildung vielleicht auch dafür, sie weiter wahr.zu.nehmen. Mehr und mehr zu begreifen, wie ihr unser Leben früher gewesen sein muss, weil sie mehr und mehr begreifen, dass sie eine Parallele statt einer Wiederholung im Jetzt haben, die sie hervorholt, des.orientiert und mit uns zusammenstoßen lässt.

Mit uns, die wir eine über 300 Kilometer lange Radtour planen, um uns eine Weglauferfahrung zu ermöglichen, die anders als die Dissoziation des Selbst ist. Die wir weglaufen und aus alle dem rausgezogen sein wollen, was noch zu tun und auszuhalten ist, bis die Ausbildung los geht und eine Zeit beginnt, die uns ganz klar und ganz bewusst, Schmerzen bereiten, uns heraus- bis überfordern und mit unumgehbaren Notwendigkeiten des Kämpfens und Verlierens, Vermittelns und der Einigungsfindungen konfrontieren wird.
Ganz selbstverschuldet, weil wir uns das so sehr gewünscht haben.

Dieses “ganz normal eine ganz normale Ausbildung machen können”, obwohl und weil der Rest in unserem Leben nach wie vor nicht normal ist.

das “so-tun-als-ob-die-DIS-Diagnose-neu-wäre”-Ding #1

Während sie uns die Treppen hinunter manövrierte, drehte sie sich zu mir und sagte: “Läuft doch gut, oder nicht? Landkartendings – check!” und fuchtelte ihr Fröhlichfuchteln.

Ich hielt inne und beschloss umzudrehen. Die Treppen zurück nach oben, Sturmklingeln und den krausen Wirrwusch zwischen Denken, Begreifen und Kontrollverlust per Telepathie ins Verstehen der Therapeutin hineinpflanzen. Beschloss: “Nein – Nein – Nein” und all die anderen Konstruktivitäten, für die ich bekannt bin.
Griff nach meinen glatten Wortketten zur Erklärung von allem, drehte mich um und bemerkte, wie andere schon längst um den Lenker des Fahrrads schwirrten, um nach Hause zu fahren.

“Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, wieso du dich immer so schuckich anstellst, wenn es mal irgendjemand von uns schafft, mehr als Mimimi und Nein-Nein-Nein zu sagen?”, fragte mich ein Knäul etwas neben der beschwingt auf dem Rad um sich fuchtelnden Jugendlichen.

Leises Grummeln walzte sich durch das Grau über unserem Kopf. “Ich bin nicht mehr phobisch euch gegenüber.”, antwortete ich und hörte, wie das Knäul missbilligend schnaubte.  “Uns nicht – aber dir selbst gegenüber – Herzilein – dir selbst gegenüber…”.

Manchmal denke ich noch: “Ach – ich warte jetzt einfach kurz bis ich wieder normal bin und dann mach ich alles wieder gut. So wie vorher.”. Dann krause ich neben uns her und summe in mich hinein, dass alles okay ist, weil alles okay ist und nichts nicht rückgängig gemacht werden kann.
Leider weiß ich schon, dass mein Vorher eine tröstliche Selbstverarsche ist, die mich über mein Unvermögen flauschen will. Und leider weiß ich selbst auch schon, dass jedes Nein-Nein-Nein und Mimimi nichts weiter beinhaltet als: “Wääh – ich will aber bitte nicht, dass das so ist, sondern bitte irgendwie weniger SO und mehr – naja – ich weiß auch nicht – fuchtel fuchtel keine Ahnung alles – Hauptsache nicht SO” as you know – i’m the queen of konstruktiv

Und trotzdem verfolge ich diese Therapie weiter. Stehe neben der Tür und beobachte, wie sie mit der Therapeutin reden, höre manchmal hin und manchmal weg.

Die Idee eines So-tun-als-hätten-wir-die-DIS-Diagnose-neu fand ich interessant. Denn ich hatte nie die Chance diese Diagnose als neu zu empfinden oder zu denken. Es gab sie schon, als meine Erinnerung beginnt und einen Umgang, eine Haltung, eine Identifikation damit zu haben, werden von mir genauso erwartet, wie von allen anderen eher in den Alltag wirkenden Innens, die sich damit schon seit 2003 auseinandersetzen.
Ich hatte mir einen sichereren Rahmen dafür gewünscht. Mehr aufgefangen werden, mehr Option sich umzudrehen und jemandem – auch wenn es gar nichts verändert – alles von mir empfundene: “Ja – aber – Mimimi” sagen zu können, um nicht damit allein sein zu müssen, während man nicht weiß, wohin damit.
Jetzt versuchen sie es im Rahmen der ambulanten Therapie weiter.

Es gibt jetzt eine neue innere Landkarte und sie lag heute vor der Therapeutin auf dem Boden. Ich dachte an Metaphern wie  “das Innerste vor jemandem ausbreiten” und viel “oh nein – nein – nein” und wunderte mich wie die Jugendliche und die Therapeutin so miteinander reden.
So ruhig und ganz klar umrissen.
So überhaupt gar nicht dem chaotischen Kreuzfeuer, das in meinen Ohren rauschte, entsprechend und allgemein so… surreal alltäglich.

“Dein Problem ist nicht, nicht zu glauben, dass du zusammen mit uns viele bist – dein Problem ist, dass du denkst, das Viele-Sein an sich, hätte mit dir nichts zu tun, Herzilein.”, sagte das Knäul mit den ersten auf uns herabfallenden Regentropfen.

Ich weiß, dass das stimmt.
Aber.

Mimimi

Missverständnisse und ihre Folgen

Es ist 2:40 Uhr.
Ich liege in unserer Schleiereulenhöhle, schaue auf die fluoreszierenden Sterne und höre dem Innen zu.

Wo es immer schreit und weint, schreit und weint es. Wo es immer Lösungen sucht, flackerflirrsirrsummen Wort-und Wissenscluster. Wo es nach Eindrücken greift, stinkt es nach Angstschweiß und wo ich bin, das ist es schmerzensstill wie im Auge eines Tornados.

Jemand von uns sagte, dass man klagen können müsste. Mehr als wehklagen, mehr als selbstbefreiend und selbstregulierend klagen. Man müsste strukturell klagen können. Auf Schmerzensgeld, Entschädigungen für entstandenes Leid und wirtschaftlichen Schaden, Wiedergutmachungsleistungen nach seelischen Verletzungen und Verletzung der Menschenrechte.
Allein die Möglichkeit das zu können – die Wahl darum zu haben, für sich auf struktureller Ebene eintreten zu können, würde für manche von uns einen erheblichen Unterschied bedeuten und die Situation erträglicher gestalten.

Man müsste es nicht einfach hinnehmen durch den verspäteten Aufnahmetermin in der Klinik, dann eben Dinge abgesagt zu haben, die Geldeinnahmen bedeutet hätten und jetzt vieles einfacher aussehen lassen würden. Man müsste nicht einfach hinnehmen, dass man uns behandelt hat, wie jemand di_er ganz die eigene Krankheit ist, statt ein Jemand, das seit 16 Jahren in der inhaltlichen Auseinandersetzung und dem Umgang mit dem eigenen als Krankheit bezeichneten Zustand ist. Man müsste das fachlich inkompetente Eingreifen in unsere zukünftigen Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten nicht hinnehmen.

Man müsste einfach nicht gezwungen sein, sich demütigen und kränken, behindern und verletzen lassen zu müssen. Von anderen Menschen. Erneut.
Und erneut ohne wie auch immer gelagerte Konsequenzen für diese Menschen.

Hintergund dieses Wunsches, war ein gestern angekommener Arztbrief von der Klinik, in dem in den Diagnosen stand wir hätten eine „dissoziative Identitätsstörung bei narzisstischer Persönlichkeitsstruktur“,  Asperger-Syndrom … , bla bla – der ganze Rest.
Nachdem wir mit den Kränkungsgefühlen, die mit dem Begreifen der Annahme der Gegenüber, dass es sich bei uns um a) eine Person mit Persönlichkeit und darauf fußend b) eine Person, die sich selbst so großartig macht, dass ihr alles Äußere irrelevant bis nieder(er) erscheint, weil sie ein inexistentes Selbstwertgefühl hat, handelt, fertig waren, klackerten Verständnisprozesse wie Dominosteinketten durch uns hindurch.

Plötzlich ergab alles Sinn. Die Verweigerung uns zuzuhören und ernst zunehmen. Die Vermeidung sich anzuhören, was genau wir für Schwierigkeiten aufgrund welcher Umstände und eigenen Reaktionen hatten. Der Entzug der Möglichkeit individuelle Lösungswege der Integration in die Therapieangebotsstrukturen für uns zu finden.
Wenn man denkt, jemand erhebt sich mit seinen Äußerungen oder macht sich wichtiger, als si_er ist, mit dem, was si_er sagt – ja sicher verhält man sich dann genau so, wie sich unsere Behandler_innen uns gegenüber verhalten haben.

Und wir dachten die ganzen 3 Wochen, wir müssten nur immer deutlicher und verständlicher sagen, was genau unsere Probleme sind.

Alice im Wunderlandszene, in der sich Alice seufzend an die Stirn greift
Alice im Wunderlandszene, in der sich Alice seufzend an die Stirn greift

Weil man uns immer wieder sagte, wir sollen mit diesen Menschen zusammenarbeiten, weil wir ja schließlich etwas von ihnen wollten.

Meryl Streep, die sich an die Stirn greift
Meryl Streep, die sich an die Stirn greift

Weil es für uns so ein üblicher Bestandteil der Interaktion mit anderen Menschen ist, weil wir verschiedene Behinderungen erleben.

Cäpt'n Picard, der sich an die Stirn greift
Cäpt’n Picard, der sich an die Stirn greift

Weil wir in dieser Klinik nie zuvor die Erfahrung gemacht haben, nicht gehört und verstanden zu werden.

weißer Mann*, der sich an die Stirn greift
weißer Mann*, der sich an die Stirn greift

Weil wir dachten, wir hätten in diesen Menschen viele Gegenüber, die daran interessiert sind uns gemäß unserem Auftrag an sie zu unterstützen und zu helfen.

einem weißen Mann*, der seinen Kopf mit beiden Händen hält, greifen zwei zusätzliche Hände an die Stirn
einem weißen Mann*, der seinen Kopf mit beiden Händen hält, greifen zwei zusätzliche Hände an die Stirn

 

Das Dilemma an so einer, wie der Begleitermensch sagt “Narzissmuskeule” ist: die absolut sichergestellte Abwertung aller Äußerungen, Einwendungen und Reaktionen, die von einer als narzisstisch bezeichneten Person kommen.
Das ist, wenn kein Narzissmus vorliegt, die absolute Unterwerfung einer Person unter die Deutungshoheit einer anderen und damit Gewalt.
So ein Umgang, wie der den wir erfahren haben wirkt sich damit auch zwangsläufig als genau so aus, wie wir es empfunden und auch gegenüber diesen Personen zurückgemeldet haben: ignorant und grausam.

Am Ende dieses Tages, in der Nacht zum nächsten Tag rastete die Erkenntnis bei uns ein, erneut Helfergewalt erfahren zu haben und genau nichts – aber auch gar nichts weiter tun zu können, als es aufzuschreiben, unser von uns dokumentiertes Handeln in der Situation auf zukünftig veränderbare Anteile zu prüfen und als die Gewalterfahrung abzulegen, die sie für uns war.

Selbstverständlich werden wir mit unserer Therapeutin darüber sprechen. Werden mit unserem schlauen Aspergerbuch unterm Arm in die Praxis gehen und ihr hoffentlich klar machen können, dass wir ihre Unterstützung dabei brauchen, diesen Arztbrief korrigieren zu lassen, weil er uns so, wie er jetzt ist, die Autismusförderung, die wir zum Schaffen der Berufsausbildung, zur effektiveren Nutzung ebenjener ambulanten Therapie und zur Anbahnung von so etwas wie Lebensqualität durch soziale Teilhabe brauchen, zerschießen kann (und aufgrund diverser Faktoren sogar relativ wahrscheinlich auch: wird).
Das ist eine Ebene, die wir können. Unter Aufwendung von viel psychischer Dissoziationsleistung, aber durch genug Erfahrungen geübt.

Die andere Ebene ist die Berührung eines wunden Punktes von uns.
Die ewige Frage danach, wer wir denn nun sind. Ob wir so etwas eine Persönlichkeit haben, oder nicht. Wie wir auf andere Menschen wirken und wie viel dieser Außenwirkung dafür verantwortlich ist und vielleicht schon unser ganzes Leben lang war, Gewalt zu erfahren.
Also: Waren wir vielleicht schon immer so ein Arschlochwesen, das man nur treten, schlagen, halbtot vergewaltigen kann, weil es so ein mieser Charakter, ein unangenehmer Störfaktor, ein unaushaltbares Irgendwas ist?

Machen wir unser Leben lang schon etwas, dass so logisch den Kontakt zu anderen Menschen für uns immer wieder ganz zwangsläufig in Gewalt an uns verwandelt?
Und kriegen wir genau das nicht mit, weil wir zu dissoziativ funktionieren, um das überhaupt jemals selbstständig verändern zu können?

Wir haben diese Fragen schon lange als typisch für in rape culture sozialisierte Menschen, die zwischenmenschliche Gewalt erfahren haben, erkannt und akzeptiert. Haben genauso lange die Antworten in uns parat, die uns sagen, dass wir selbst, wenn wir die schlimmsten, gemeinsten, bösesten Menschen auf der Welt wären, die Gewalt an uns nicht gerechtfertigt wäre.
Und dennoch sind sie da und wirken. Und tun weh, wenn passiert, was uns gerade passiert.

Wir haben 4 Jahre daran gekaut die DIS als psychische Entwicklungsform zu akzeptieren, die den Großteil der bestehenden Persönlicheitstheorien in ihrer Anwendung ausschließt. Haben noch 2 weitere Jahre für die Trauer um einen Normalitätsfakor (nämlich den eine (Kern oder Ursprungs) Persönlichkeit zu haben) gebraucht und konnten erst dann damit beginnen das als gegeben anzunehmen, was uns von einander in der Innenarbeit begegnet.

Jetzt kauen wir seit der Autismusdiagnostik an der Anerkennung eines weiteren in uns liegenden Faktors, der eine Persönlichkeitsentwicklung erschwert bzw. spezifisch beeinflusst haben wird und fühlen uns zunehmend einer guten Prognose beraubt.

Bisher haben wir weder Literatur, noch valide Fallbeispiele noch theoretische Modelle zur angemessenen Traumatherapie von autistischen Menschen mit DIS (oder andersherum hochdissoziativen Autist_innen) gefunden. Wir sehen uns vor einer Zukunft der Hilfen und Unterstützungen, die sich immer wieder durch so grundlegende Missverständnisse aufgrund von menschlichem Versagen und fachlichen Inkompetenzen auszeichnen wird, wie jetzt während der 3 Klinikwochen geschehen.
Also: Helfergewalterfahrungen, denen wir weder präventiv noch im Nachhinein mit so etwas wie Entschädigungsforderungen und als legitim verankerten Anspruch auf Wiedergutmachungen für erlittenen Schmerz begegnen können.
Zeigt mir mal bitte, wo genau hier der Opferbonus, das Behindertenspecial, der Ego-Keks, auf den ich mich selbstverherrlichen kann, ist.
Vielleicht würde das schon reichen, zu ertragen, was hier gelaufen ist.

Es ist 4:34 Uhr, als ich das letzte Mal auf die Uhr schaue und mein Gesicht an das Fell von NakNak lege, um mich von ihren Atembewegungen in den Schlaf hinein und weg von der Not streicheln zu lassen. Ich höre ein Weinen und merke irgendwann, dass ich mich selbst höre.

Und dann ist es morgens und ich stehe auf einer Wiese circa 8 Kilometer von unserer Wohnung entfernt.

Fundstücke #24

Ich fuhr mit dem Rad auf einen Berg zu, den ich mag, weil sein Radweg nicht kaputt ist. Da flog mir ein Insekt ins Gesicht, ins Auge.
Ich hielt an, nahm die Brille ab und hob die Hand, während es begann weh zu tun. Und dann faserten sich die Ereignisse von einander ab.

Die eine Hand griff nach der Tasche im Fahrradkorb, um die Wasserflasche hervorzuholen, die andere Hand rieb von außen nach innen den toten Fremdkörper hinaus. Der Mund öffnete sich und ich würgte an einer Masse, die sich zwischen Schreiwerdung und Ersticken nicht entscheiden konnte. Es roch nach irgendeinem Desinfektionsmittel und eine Oberfläche schmeckte nach Torf.

Ich beobachtete mich dabei, wie ich mir Wasser in die hohle Hand goss und mein Auge in die Lache hielt. Wie ich wieder aufs Rad stieg und mich mit einer ganz im Takt der Musik getretenen Fahrt auf den Berg zu trösten versuchte.
Ich schwebte neben mir her und bemerkte das erst, als ich Abends erneut mein Auge ausrieb und ein letztes Stück des Insektes auf dem Finger entdeckte.

Ich hab den halben Tag verdisst, weil mir irgendein Insekt ins Auge geflogen ist.

Ich weiß, dass ich mich auch an irgendetwas hätte erinnern können. Irgendwas mit Anfang, Ende, Kontext, weiterführender Selbst_Erkenntnis.
Hab ich aber nicht.

Ich hab einfach nur einen halben Tag verloren.
Wegen nichts.

 

Lebensrettende Selbstschutzressource am Arsch!

innere Tode

Sie führt den Bleistift rasch übers Papier auf dem Schoß und schaut mich an.
“Und wenn es wieder passiert?”
Ihre Stimme klingt ruhig, aber ich bemerke das Rot in der Frage und sehe, dass sie sich an etwas erinnert, das lange vor mir passiert ist.

“Was ist denn passiert?”, frage ich, obwohl ich es gar nicht wissen will.
Sie antwortet, dass sie schon einmal so eine innere Landkarte mit Namen angefangen hat. Atmet ein, macht einen weiteren schnellen Strich und sagt: “Und dann bin ich gestorben.”.

Der Satz schlägt auf und kullert in das leere Rund zwischen uns.

“Aber du bist nicht wirklich gestorben, richtig?”, frage ich. “Du bist ja jetzt da.”. Sie nickt. “Aber trotzdem. Vielleicht passiert es wieder.”.

Ich weiß nicht, was ich ihr sagen könnte.
Ärgere mich schon wieder diesen Prozess nicht in der Klinik durchmachen zu können. Werde wütend, weil wir allein in eine Innenarbeit gehen und zwar durch äußere Vereinbarungen gesichert sind, aber keinen gleichermaßen gesicherten Beistand für die inneren Chaosherde haben. Dass wir einfach genau keine Helfer_innen haben, die schon vor 10, 12, 14, 15 Jahren innere Tode von Innens miterlebt haben und uns heute sagen könnten, worauf wir achten könnten. Was vermeiden. Wen unterstützen. Wann nachfragen lohnt und wann es eine Krise provoziert.

Unsere Therapeutin hatte sich gefragt, ob es uns überfordert dann doch jetzt einfach in die Erstellung einer aktuellen inneren Landkarte zu gehen. Und vermutlich hatte sie genau oder einen ähnlichen, wie unseren Gedanken: “Ja – nein – keine Ahnung – aber, ohne irgendeinen Anfang, gehts nicht weiter.”

Ich schaue dem Innen weiter zu und merke, wie sich mein Zwerchfell unter den erahnbaren Ausmaßen zusammen zieht.
„Ich will das alles nicht. Nicht so. Nicht so wie es ist, weil es anders nicht geht.“.
Ich denke das so oft, dass ich den Faden verliere und erst verzögert merke, dass ich es laut ins Telefon sage. “Ich will keine Herz-OP ohne Abitur, Studium, chirurgische Megaausbildung und 20.000 Simulationen bei milliardenschwerer  Fehlerhaftpflichtversicherung  hinlegen müssen, nur weil sich die studierte Task Force of Psychotrauma verweigert und lieber Blinddärme aus Leichen popelt.”, schiebe ich nach, weil ich den Vergleich gut finde und mir das auszusprechen plötzlich wichtiger ist, als irgendeine Prüfung des Raumes, in den ich das hineinsage.

Unsere Gemögte lacht.
“Hast du Angst?”, fragt sie. “Ja.”, sage ich und weine das Weinen von jemandem vor mir einfach weiter. “Wovor?”, fragt sie.

“Ich hab keine Ahnung”, sage ich. Und ertrinke in der Panik eines anderen Innens.

wie ich einmal meine Knie entdeckte und mich in einen Baum verwandelte

Und plötzlich gings. Der stabile Stand und das fluffig bewegliche Obenrum.
Heute morgen – in der Dusche.

Seit etwa 9 Jahren leben wir diffusem Schwindel. “Verspannungsbedingt” dachten wir und beendeten irgendwann die Auseinandersetzung damit. Manchmal mögen wir Schwindel sogar ganz gern, weil er uns hilft in veränderte Bewusstseinszustände zu gehen bzw. sie zuzulassen.
Im Alltag ist er hingegen etwas, das uns daran hindert, uns aus der Bereitschaft uns jederzeit abfangen können zu müssen zu bewegen.

Während des ersten Mals Qigong üben, in der Klinik, dachte ich: “Na, das kann ja heiter werden” und war versucht an eine Balanceübung zu glauben. Dann sagte der anleitende Mensch, dass es um bewegliche Stabilität ginge. Was auch etwas mit Balance zu tun hat, aber irgendwie nicht so angestrengt, wie wir das so hübsch eingeübt haben in den letzten Jahren.

Ich wende immer noch viel zu viel Kraft auf, um den Körper zu bewegen. Obwohl die Situation, in der es wirklich nötig war, jeden noch überhaupt von mir willentlich zu nutzenden Muskel so sehr anzustrengen, dass es weh tut (also ich ihn überhaupt fühle), damit ich mich bewegen konnte, schon viele Jahre vorbei ist.
Daneben ist es eines unser Reiz-Ableitsysteme hart zu werden. Jedes Zuviel an Reizen oder Überlastungen, bahnt sich Muskelkrämpfen oder versteiften Gliedmaßen den Weg aus dem Körper heraus. Je komplexer die Belastung, etwa weil man hart versucht nicht besonders zu sein und doch besonderisiert wird – etwa in einer Klinik – desto komplexer die Entladung.
Auf Zehenspitzen laufen, Krampfanfälle unterschiedlicher Schwere, Fuchtelbewegungen, (Stachel)-Buckel, Arme eng am Körper halten – und: die Beine wie zwei Stahlpfeiler zwischen Bauch und Boden geklemmt.

Ich dachte heute morgen darüber nach, ob wir uns so einen Qigongkurs vielleicht auch außerhalb der Klinik ermöglichen können. Der anleitende Mensch war ein freundliches ausgedorrte Büropflanze-Grüngelb und sein Faden so wie das, was er sagte: stabil und leicht. Sowas für eine Weile im Alltag zu haben und danach nach Hause zu schweben, wie wir jedes Mal nach dem Üben in den letzten drei Wochen, hätte schon was.

Wenn wir duschen gehen, kann ich mich meistens ganz gut fühlen und ich wollte nochmal etwas testen, was der Mensch gesagt hatte, nachdem ich ihn fragte, ob ich etwas falsch mache, wenn mir manche Übungen den Schwindel bereiten.
In einem Nebensatz sagte er, dass man ja den vorderen Teil des Fußes belasten würde, wenn man stünde und …
Ich hingegen belaste immer den Hacken und ein Stück von der äußeren Seite. Deshalb auch der tolle Fersensporn und mein Soldatengang – wenn ich nicht gerade wie ein sterbendes Schwanenküken auf Zehenspitzen umherstakse.

Ich hab mein Gewicht also ein bisschen mehr nach vorne verlagert und dachte, dass das ja nun nicht besonders stabil ist. Weil ich ja so stehe wie ein Skischanzenspringer. Und dann ist mir eingefallen, dass ich ja Knie hab. Und – das liest sich jetzt vielleicht schräg bis lustig, aber, das war wirklich genauso so ein Gedanke: “Hm- wie kann ich das denn jetzt irgendwie … knicken?”.

Naja. Also: ich habe meine Knie entdeckt und stand dann irgendwie recht stabil in unserer Dusche. Wie ein Baum im Regenwald.
Mich hat überrascht nicht hinzufallen oder abzusacken oder irgendwie in mich zusammenzufallen. Ich musste nicht einmal die Arme weiter weg vom Körper halten oder mich irgendwoanders mehr anspannen, um mich zu halten.
Tse. Ich wusste vorher nicht einmal, dass das eine Sorge von mir war. Hinfallen, absacken, (zusammenbrechen und vielleicht nicht mehr aufstehen können).

Ich werd mich jetzt vielleicht öfter mal baumartig irgendwo hinstellen.
Es fühlt sich ziemlich gut an.

Fundstücke #22

Ich bin nah am Wasser gebaut. Die Klinik saugt und saugt und bis zum Ende mancher Termine weiß ich nicht, ob sie uns auch etwas gibt, außer die Reflektionsfläche der eigenen Therapieerfolge neben dem kaputt, zerschlagen, verkorkst, wild verwachsen sein, zu bieten.

Noch immer sind die Sprechprobleme im Kontakt mit den anderen Patient_innen da. Noch immer torkeln oder balancieren wir uns selbst überwiegend auf Zehenspitzen mit schwer unterdrückbaren Fuchtelbewegungen durch die Flure. Und noch immer ertragen wir Reiz-Reaktions-Schmerzen, ohne es mitzuteilen.
Das tun wir nicht, weil wir glauben, das müsse so sein oder wir hätten es nicht anders verdient, als allein mit etwas klarzukommen, das niemand mit uns teilt.
Es geht nicht anders.

Und es geht wirklich nicht anders.
Vielleicht will ich deshalb eigentlich nur noch weinen. Weil ich es so hart anders können will und brachial wie nie zuvor merke, dass es nicht (mehr?) geht, wie früher.
Einfach von einer Mitpatient_in ansprechen und vereinnahmen lassen, damit wir nicht allein sind. Einfach Gespräche mit küchenpsychologischen Inhalten, wie dem, “dass niemandem mehr aufgebürdet wird, als si_er zu tragen in der Lage ist”, aushalten. Einfach über Schreckmomente gehen. Einfach in den hellhörigen Bereichen der Klinik stehen. Inmitten von 15-20 redenden Menschen, die alle Dinge tun, nach irgendwas riechen und Massen von Wissensclustern vor uns explodieren lassen. Einfach so. Ohne NakNak*sein und trotzdem durchhalten. Aushalten. Dissen und unauffällig konform wie alle anderen therapeutisch wertvoll funktionieren.
Ich merke so krass, wie nie in den letzten 4 Jahren, dass wir “die Rosenblätter” und “die anderen Innensysteme” sind. Und eben nicht “Frau P.”, die alle eineinhalb Jahre in die Seelenwerkstatt einfährt, weil ihr Leben eine stinkende Scheißkloake ist, aus der sie ganz offensichtlich nicht ohne ein paar therapeutische Rettungskräfte rauskommt.

Wir hatten gestern und heute einen Krampfanfall, bei dem wir umgefallen sind. Kommt immer gut, wenn man die Patientin ist, die als extrem verängstigt, schüchtern oder awkward gilt, weil sie das Maul nicht aufkriegt. Nicht.
Vor allem, wenn man Angst davor hat, in irgendeiner Art und Weise aufzufallen, weil “auffallen” in einer Klinik in der Regel “auffällig sein” bedeutet, ist so ein Krampfanfall superklasse. Nicht.
Die Krönung ist: spektakuläres “die Kontrolle über sich und seinen Körper verlieren” vor Menschen, die sich überwiegend aus Gründen der Erfahrung und ihren Folgen, die Kontrolle über sich und den eigenen Körper verloren zu haben, dort befinden, wo man sich selbst befindet.

Es fällt mir schwer, nicht permanent zu denken: “Ich will mich hier niemandem antun.” oder mich darüber auseinander zu pflücken, was für eine ekelhafte Belastung, Störung, Fremdheit und Monstrosität ich bin.
Es fällt mir schwer, die aufsteigenden und durchbrechenden Klinikflashbacks abzufangen, zu reorientieren und so zu tun, als würde mich nichts belasten, außer der wortlosen Masse hinter “Therapie ist ja auch anstrengend.”.

Ich zwinge mir positives Denken ab und merke selbst, dass meine positiven Aberungenschaften überwiegend daraus bestehen, zu hoffen, dass niemand unter mir leidet, weil alle so super gut von dem Klinikprogramm profitieren und sich von mir abgrenzen können.
Oder darauf zu hoffen, dass es mir nach einem Termin vielleicht nicht besser, aber etwas gelöster und entspannter geht. Überwiegend werden diese Hoffnungen auch erfüllt, aber ob ich gelöster bin, weil ich meinen Körper nicht mehr spüre, oder entspannter bin, weil kein einziges Innen mehr hinter mir steht – das merke ich erst auf dem Weg nach Hause.
Mal an einem Fastunfall, weil ich eine Ampel bei Rot überfahren bin, mal an einem Faststurz, weil mich der Fahrtwind auf der Kleidung völlig fertig macht. Mal, weil ich mich dabei beobachte, wie ich vom Rad steige und mir einen Ast auf den Rücken schlage, wie ein Flagellant.
Dass ich entspannter und gelöster bin, weil etwas wirklich gut getan hat, merke ich im Moment am stärksten nach dem Qigong üben. Weil wir nach den Terminen genug Kopf für “das-muss-ich-heute-noch-erledigen” und “wir-werden-es-uns-jetzt-gemütlich-machen” haben, das wir brauchen.

Thematisch haben wir genau 5% arbeiten können.
Wüssten aber auch gerade nicht, wo das möglich wäre. Vielleicht in der Kunsttherapie. Da haben wir – falls wir 6 Wochen dort sind, wie geplant – noch 3 Termine á 1,5 Stunden. Wie gesagt, falls wir die 6 Wochen da sind, auf die wir uns eingestellt haben. Und – jetzt muss ich fast lachen unter all dem Geheule – falls man in der Kunsttherapie überhaupt thematisch arbeiten darf. Vielleicht darf man nur in der Gesprächstherapie an Themen arbeiten und in allen anderen Terminen nur an Ressourcen? Wer weiß?! Ich weiß es nicht, denn irgendwie scheinen alle zu glauben, wir wüssten, was wir wo wie wann dürfen oder nicht dürfen, sollen, müssen, können, oder eben nicht und sagen uns entsprechend genau nichts darüber, was wir wo wie wann dürfen oder nicht dürfen, sollen, müssen, können, oder eben nicht.

Wir rechnen damit, dass wir morgen rausgeschmissen werden.
Weil man uns nicht helfen kann und zu dem Schluss gekommen ist, dass wir nicht profitieren.
Vielleicht, weil wir ein böses Mädchen sind, vielleicht aber auch, weil man halt nicht allen helfen kann, die Hilfe wollen. Brauchen.
Solche Fälle gibts.
Man gibt sie nur nicht gern zu.

Wir rechnen damit, weil wir katastophisieren. Kann auch sein, dass wir morgen nur deshalb schon wieder ein Gespräch mit der Einzeltherapeutin und der Oberärztin haben, weil man zu einem Schluss gekommen ist, der in meinem Kopf derzeit überhaupt nicht denkbar ist.

Letztlich, weil sich eine Schleife seit nun fast 3 Wochen durchgehend dreht und nicht beruhigt.
“Kann man mir nicht helfen? Ist alles umsonst (gewesen)? Hätte ich doch besser sterben sollen? Hätte ich all das Leiden unter mir, dem Leben und der Welt um 15 Jahre abkürzen können, weil es doch nichts gibt, was macht, dass es endlich aufhört?”

Ich weiß, dass diese Schleife veraltet und reflexiv ist. Ich weiß aber auch, dass diese Schleife ein 14 jähriges Mädchen ist, das von niemandem im Außen hört, wie weit der Begriff “Hilfe” und wie eng verknüpft er mit “Entwicklung” und “Hoffnung” ist, weil man denkt, dass die Frau Rosenblatt das doch schon längst weiß.

Bei der ganzen Therapieerfahrung und dem Intellekt.

Wände streicheln oder: Wissen ist Kontext

Ich habe am Wochenende stundenlang Wände angestrichen (“Wände gestreichelt”) und die köstliche Kombination aus Streichgeräusch und Cellomusik in meinem Mund hin und her bewegt.

Was unseren Gemochten, die wir gedenken zukünftig “Freunde” zu nennen, eine nervig lästige Arbeit war, die sie lange vor sich herschoben, war uns ein stundenlanges Schwelgen in Erbsenmoment und endlichem Vakuum. Endlich, weil klar war, dass wir irgendwann fertig sein werden – Vakuum, weil wir in weiten Teilen nicht in der Arbeit waren, sondern irgendwo dort, wo wir so mit uns sind, dass wir diesen Zustand als Idee der Ein.s.igkeit bezeichnen.
Dafür sind Erbsenmomente gut. Um uns an diese Idee zu bringen. Uns in einen Raum zu erweitern, der irgendwo zwischen den Rändern von “assoziiert” und “dissoziiert” ist, doch nie bleibt.

Meditation? Trance?
Oder ein Reflex des Gehirns äußere Monotonie mit innerem Budenzauber zu füllen?

Wir mögen diesen Zustand.
Deshalb streichen wir gerne, laufen lange (langweilige Hunderunden), fahren vorzugsweise Fahrrad, drehen Kreisel, drehen uns selbst, sortieren, symetrietesieren.
Ich fühle mich dann sicher. Die Welt ist mir dann ein guter Ort, weil sie sowas kann und uns in dem Zustand kaum noch hat.

Was andere Menschen so an uns nervt, reizt, stört, als ungewöhnlich und nicht einfach im Kontakt wahrnehmen lässt, sind die tausend scheinbar offensichtlichen Fragen und In-Fragestellungen, die aus heraus kullern. Selbst Menschen, die wache, kritische, neugierige Menschen mögen, mögen es nicht an Grenzen des eigenen Wissens und Erklären.Könnens geführt zu werden. Das ist so, weil es eine kaputte Haltung zu Unwissen und Unerklärbarkeit gibt.
Für viele Menschen ist Wissen gleich Macht. Für uns ist Wissen gleich Kontext.

Kontext ist Orientierung. Kontext ist das Oben und Unten, das für so viele Menschen ganz selbstverständlich da ist, nie infrage steht, nie tückisch, erschreckend, unerträglich wirkt. Kontext ist, von wo wir uns in immer weiteren Kreisen entfernen und so die Menschen mit ihrer Welt von uns befreien können.

Wir sind ein Mensch, der aufwacht und um Kontext ringt. An manchen Tagen vielleicht auch einzig, um sich aus allem entfernen zu können, weil nicht aushaltbar ist, was ist und war und vielleicht auch immer sein wird.
Und das ist, was für uns den Kern unserer dissoziativen Identitätsstruktur darstellt und das Drama um die Autismusdiagnose erklärt.

Ich bin nie sicher, ob ich die Nacht, den Morgen, die Mittagszeit, den Abend überlebe. Ob ich die ganz alltäglichen Handlungen wie Aufstehen, Zähne putzen, sich waschen, die Kaffeemaschine anmachen, mit NakNak* rausgehen usw usw usw überhaupt erinnere. Wer mich kennt und wer nicht, ob und wenn ja wessen Tagesplan und Tagesplan B, C oder D dem Lauf der Dinge standhält, ob meine Haut schmerzt, als würde sie verbrennen oder mich eine überbordende Schmerz-Reiz-Reaktion zerfetzt– das ist Zufall für mich. Immer und immer und immer wieder. Schon immer.

Und immer wieder ist es entweder die weiße Wattewand oder das tiefschwarze All zwischen mir und der Welt, was mich beruhigt und aus dem Kämpfen entlässt. Immer wieder ist es der letzte, äußerste Rand dessen, was ein Mensch empfinden kann, der uns verortet und mir den gröbsten aller Kontexte produziert: Ich (bin)

Neulich blieb von einem Wortschwall, der an uns gerichtet war, der Satz “Sie machen immer alles mit dem Kopf.” bei mir kleben.
Es klang wie ein Vorwurf. Die Kenntnis eines Defizits.
Und nicht wie die Anerkennung eines von uns autonom steuerbaren Handelns, uns irgendwie zu orientieren. Uns selbst zu sichern. Uns selbst zu verorten. Diese Welt für uns er.greifbar zu machen. Kontakt herzustellen, den wir er.tragen und pflegen, gestalten und entwickeln können.

Vielleicht haben wir keine Intuition oder diesen einen special emotionalen Punkt innerer Sicherheit um das Bewusstsein des Selbst.seins, der immer wieder über diverse Therapieansätze anzusprechen versucht wird.
Sehr wohl aber haben wir Massen von Wissensclustern im Kopf, deren Anwesenheit für uns niemals je infrage stand oder fehlte oder uns im Stich gelassen hat. Sicher ist das kein Ausgleich für eine Ebene des menschlichen sich-selbst-bewusst-seins, doch ganz sicher ist es weder Defizit oder etwas, das uns daran hindert, am Leben teilhaben zu können.

Es macht unsere Art das Leben auszuhalten und immer weiter zu versuchen es zu be.leben, einfach nur sehr viel anders, als das sehr vieler anderer Menschen, die versuchen das Leben auszuhalten und immer weiter zu versuchen es zu be.leben.
Nicht mehr, nicht weniger.