gedachte Morde

12-10-2013Da war so ein Augenblick im Geschäft, in dem es um die Möglichkeit ging Christbaumkugeln durch den Raum zu schmeißen und in den Scherben zu baden. Galgenmenschlein an einen Tannenbaum zu hängen und Köpfe in bunt verkleidete Päckchen zu stecken.
Ein Wechselspiel aus Explosion und planvoller Absurdität, versteckt hinter meiner Stirn.

Das war so ein Moment, in dem ich mich sonst dabei beobachte, wie ich irgendeine schwelende Wunde aufreiße und in ihr grabe, als würde ich einen Schatz finden können. Diesmal sah ich mir beim Ertrinken zu und dachte mit Gift besetzte Gedanken über die Therapie und das Hoffglimmen auf Heilung.
Dachte Worte und Gespräche, dachte Räume und Möglichkeiten und lachte als die
BÄÄÄMs auf mich zugerollt kamen.

Quoll über und blieb zurück mit einem Rest aus „Ich weiß nicht genau. Ich weiß nicht. Ich nicht. Nicht ich.“

Wieder dieses Knäul aus dem ich beim letzten Therapietermin nicht heraus kam. Dem Termin aus dem ich heraus ging, mir selbst einen Darwinaward für Ressourcenverschwendung verlieh und nach dem ich, Stunden später, von einem Fremden auf die Stirn geküsst wurde.
Dem Termin von dem ich gehofft hatte, er würde wie ein Messer auf den Strick um meinen Hals wirken.

Als ich vor den ordentlich gestapelten Christbaumkugeln an meinen gedachten Morden starb, wusste ich, dass es nur Angst war. Nur etwas Altes.
Ein Tod wie jeder andere.
Ich wartete darauf zu erkalten.

Statt dessen die Hand meiner Gemögten in meiner. Warm und fest.
Mich und meinen Leichnam nach Hause bringend.
Ins Trockene.

Dorthin, wo es nicht nötig ist sprechen zu können, um seinen Tod durch Ersticken zu betrauern.

mein Schweigen und die Therapie

helldunkelmischNachdem ich in der letzten Woche so mit einem Schweigen rang, so sehr um meine Lautsprache kämpfen musste, saß ich in der Therapiestunde und versuchte das Schweigen weiter in Worte zu wickeln. So fest wie es ging, um es an einem Ende der Therapeutin in die Arme zu legen.

Hatte sie doch gesagt, sie könne etwas aus-halten.
Wollte ich doch nur, dass sie etwas mit mir hält, was mich drückt.

Mir fiel auf, wie viele Schichten Worte ich über die Jahre bereits darum gewickelt habe.
Und wie sie anfing eine Schicht nach der anderen abzutasten- lose Fäden ohne Sicherung herunter hängen zu lassen und das Bündel immer wieder zurückzuschieben, wenn der leere Kern erste Schatten voraus warf.
Immer dann wenn ich denke: „Jetzt ist es gut verpackt und liegt auch noch woanders- jetzt kann ich- jetzt darf ich das Verschwiegene bündeln und aus seinem Nest in meinem Bauch- und Rippenfell herausklauben.“, dann liegt mein Schweigen wieder unverpackt- unversichert- ungebunden auf meinem Schoß und versucht sich wie ein Korsett um meine Mitte zu legen.

Seine Fänge wandern meinen Hals hinauf und drücken zu. Stopfen mir Mund und Nase zu, bringen mich dazu durch die Augen atmen zu wollen. Mein Schweigen ist ein nebulösschwarzschreiendes Biest, das mir die Ohren rauschen macht und mir das Denken vernebelt.

Am Ende war ich dankbar um die Wut der verletzten Ungeholfenen hinter mir.
Ließ mich und meinen Mund sagen, dass es doch nicht die Hilfe der Psychologie- der Psychotherapie- sein kann, für alles ein Wort zu haben.
Sie begann einen Satz mit „Doch….“

und das Schweigen tötete mich für einen Moment.

Jetzt sind viele Stunden vergangen und ich halte es, wie auf eine Spindel gespießt, in der Hand und wickle erneut Worte darum herum.

Ein anderes Innen soll herausfinden, was gesagt werden darf.
Ich fange an zu zweifeln, ob je eines meiner gewickelten Worte gehört wurde.
Frage mich wieder, ob ich selbst das Schweigen bin.

Bin ich für sie?
Sichtbar?
Hörbar?
Warum sagt sie mir nicht, was sie hört, damit ich höre, ob sie mein Schweigebündel gehört hat und mit mir hält?

Ich fühle mich alleingelassen mit meinem Schweigen.
Und jetzt auch noch hilfe-los, weil ich beim „Therapie machen“ versage, obwohl ich mich an die Regeln halte.

Die Ungeholfenen brüllen und haben Recht.
Helfer sollen helfen. Sie sollen nicht lügen, dass man Hilfe bekommt, wenn es keine Hilfe ist. Hilfe ist nicht allein Erkenntnis. Sprache ist hilfreich- aber keine Hilfe.

Ich schweige- trotz funktionierender Sprache.

Und nun weiß ich endgültig nicht mehr, was ich dort in der Therapie soll.
Weiß nicht einmal mehr in welche Richtung ich überlegen soll, wenn sie immer wieder sagt, wir sollen uns überlegen, was wir bei ihr wollen.
Waren die Antworten darauf falsch oder hat sie sie nicht gehört?

Herbstsein

P1010134Zwischen fallenden Blättern stehen

den Wind umarmen

in Nebelschwaden tanzen

Auf Zehenspitzen, kaum den Boden berühren und doch…

mit

weg

aneinander vorbei

laufen

Angst?
Ich laufe mit dir mit
oder vor dir weg
oder an dir vorbei

Ich bin nicht verletzt
Hör doch mein Lachen im Rauschen an deinen Ohren
Ich blute nicht
Ich versprühe flüssiges Leben in alle Richtungen
In Tropfen und leuchtenden Schlieren hinter mir her.
Bin ich, bin ich da.

Ich mag den Herbst, denn er ist so wunderbar kräftig in seiner Art des natürlichen Mordens
Alles stirbt und wallt ein letztes Mal auf
P1010054Leuchtet wie ein letzter Versuch von einem Wunder zu zeugen

Ich kann noch so sehr versagen die Zeitfäden zu verwirren, ich kann immer sagen: Es ist Herbst
Ich gehe raus und bin sofort da
Hallo Welt! Wer will mit mir laufen?

Auf Zehenspitzen
entrückt im wundervollen Sterben der Welt
lebendig, sterbend, tot
und dabei mitten in der eigenen Geburt

Es ist ein Sein im Herbst
Vielleicht ist es meins
wenn ich den Boden berühre

Wenn

der Witz, der keiner ist

… geht so:
Kommt ein multipler Mensch in ein Selbsthilfeforum für Menschen mit Gewalterfahrungen: „Und dann… muahahaha… dann musst du, um der beste Multiple von allen zu sein, dies und das und jenes tun. Nur so wirst du überall akzeptiert und du bekommst was willst- auch wenn du nicht wirklich multipel bist.“
Kommt ein anderer multipler Mensch dazu und …

keine Pointe.
Obwohl der Saal zu brüllen scheint.

Humor kennt keine Grenze- schon gar nicht die des guten Geschmacks, die des Anstands, die der Empathie zu jenen Menschen, die irgendwo mitgemeint sind oder sich als mitgemeint empfinden müssen. Nun ja- darum geht es bei manch bissigem Humor vielleicht auch. So sind satirische Abhandlungen zwar immer wieder der Anstoß in kontroverse Debatten und formen immer wieder den Umgang mit gewissen Themenbereichen und sind damit letztlich eigentlich ein sehr gutes Mittel zu thematisieren und lösend zu debattieren, doch ist dafür, meiner Meinung nach, eine mehr oder weniger neutrale Umgebung notwendig.

Witze bzw. ihre Positionierung und ihr Inhalt sind, meiner Meinung nach, auch ein Herrschafts- und Machtinstrument.

Das Typische „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ zum Beispiel in der N-Wortdebatte, wie in der Z-Wortdebatte, wie eben überall dort, wo sich gegen eine Fremdbezeichnung verwehrt wird, kommt immer- immer!- von jenen, die darum gebeten werden, das Privileg der Verletzung und/ oder Diskriminierung (also eine Art der Gewaltausübung) anderen Menschen gegenüber aufzugeben.
Und genau diese Menschen sind es, die einen Witz auch dann noch für einen Witz halten, wenn das N-Wort darinnen ist oder die Pointe des Witzes purer Rassismus ist.

Genau diese Menschen, sagen den Menschen, die sie verletzen und auf etwas reduzieren das deren Menschlichkeit bewertet und jenen, die es genau so sehen und empfinden, dass ihre Empfindungen „humorlos“ sind. „Ach- is doch nicht so gemeint- ist doch nur ein Witz- stell dich mal nicht so an.“.
Ganz großartig ja auch, wenn dann noch jemand meint auf diesem momentanen Deutungshoheitenhochwasser mitfahren zu müssen und so Perlen wie: „Ich bin ja selbst auch irgendwie gemeint/könnte gemeint sein und finds total witzig. Und jeder Mensch, der das nicht so sieht, ist humorlos und hat hier eh nichts zu suchen.“ kommen.

Im Grunde läuft es darauf hinaus: Auf eine Gewaltanwendung, die genau das tut: Sie definiert, wer sich wie zu welchem Thema äußern darf und wer eben nicht.
Außerdem passiert Folgendes: Aufgrund solcher Äußerungen werden Wahrheiten produziert, die ausschließlich bestimmten Menschen dienen und bestehende Probleme im Miteinander noch weiter unterfüttern.

So wie jeder Witz diverse Rollen braucht, so zementiert er sie mit jeder Wiederholung.
Ich will keine Judenwitze mehr hören, weil ich sehr klar im Kopf habe, welche Kackscheiße gemeint ist.
Ich will keine Blondinenwitze mehr hören, weil mit jeder Entwertung nicht nur blonde Menschen, sondern weibliche Menschen gemeint sind und so weiter und so weiter.

So will ich eben auch keine witzigen Textchen über Menschen mit DIS oder solchen, die nur so tun als hätten sie eine DIS, lesen, weil eben bestehendes Faken, Vorurteile und Klischees, denen ich hier im Blog und auch sonst, wenn ich irgendwo offen als Menschen mit DIS lesbar bin, ausgesetzt bin, immer wieder aufs Tapet gebracht werden und wieder in irgendjemandes Kopf eine Schneise fahren, wo sonst gar keine weitere Schneise zum Thema DIS ist.

Solche „Nicht-Witze“ machen es sowohl mir, als auch anderen Menschen mit DIS, immer wieder schwer so wahrgenommen zu werden, wie wir sind- unabhängig von irgendwelchen Möglichkeiten und Klischees. Auch vor Menschen, die ebenfalls diese Diagnose erhalten haben, ist so kein unbelasteter Austausch mehr möglich.

Immer wieder kommt es so zu einem „Kampf“ um die Deutungsmacht über mich und mein Verhalten als Mensch mit Stempel: „Ist sie echt oder ein Faker?“- „Ist sie nur ein bisschen multipel oder ganz doll?“.

Ich finde es zum Kotzen überall dort, wo ich mich als multipel oute – vor allem in Selbsthilfeforen/ Selbsthilfegruppen- immer wieder und wieder durch dieses so called „Selbstschutzradar“ gejagt zu sehen, obwohl ich niemandem etwas getan habe und auch keine Verantwortung für die Verletzung durch andere Menschen trage.
Ich finde es zum Kotzen, dass ich mich inzwischen nicht einmal mehr in Schutzräumen wirklich traue offen zu sein, weil es genau solche Sprüche, Texte und „satirische Einwürfe“ gibt.
Ich finde es zum Kotzen, dass das Machtverlangen- das Kontrollbedürfnis- anderer Menschen über andere Menschen als legitimes Verhalten nach Verletzung gilt und ohne Widerrede erlaubt wird.
Undiskutierbar, weil jedes Aufbegehren zum Rütteln am Thron wird und damit ja eh schon etwas ist, was nur bedeuten kann, eben außerhalb der Gruppe zu sein, die geschlossen definiert was lustig ist und was nicht- was verbindend ist und was nicht- was wo von wem wie gefunden wird oder nicht. Innerhalb der Gruppe muss ja nicht gerüttelt werden- da ist ja alles klar.

Ich finde es bitter genau das jetzt gerade in einem – ja doch trotz allem- Schutzraum erleben zu müssen.
Feststellen zu müssen: „Oh ja, ist doch ganz gut, dass ich nicht sofort und offen als multipel lesbar bin.“, „Gut, dass ich von diesen Menschen nicht so abhängig bin, wie es sich durch ihr Verhalten manchmal anfühlt.“.

Dort ist nicht die Frage was Humor darf- dort ist die Frage, ob es sich überhaupt um Humor als Kommunikationsmittel und Anstoß einer (kontroversen) Debatte handelt, wenn die Auswirkungen solcher Texte/ „Nicht-Witze“ in anderen Bereichen (zum Beispiel eben dieser Selbsthilfeforen- eben jenen Freiräumen, in denen eine Abwesenheit solcher Inhalte als nötig und normal betrachtet werden sollte), diskutiert, beweint und beschimpft werden (müssen).

Ich habe hier im Blog mal ein „Ave Multipla“ veröffentlicht.
Als mir klar wurde, welche Art Diskurs ich damit verhinderte- nämlich den, in dem es um einen konstruktiven Austausch, Anerkennung der Menschen als Menschen, die sie sind- nicht als die Menschen, zu denen ich sie mit meinem Labeling mache- und die Möglichkeiten einander respektvoll zu begegnen, stellte ich ihn als „nicht mehr sichtbar“ ein.
Ja, ich habe auch meine Vorurteile- meine Klischees- sehe diverse Strukturen, die sich wiederholen.
Aber ich will sie immer wieder hinterfragen und tue das auch. Bei jedem Menschen neu.

Wer das nicht tut oder tun will (meistens hingegen: nicht tun muss), der nennt Kackscheiße einen Witz und jene, die nicht lachen humorlos.
Letztlich geht es dabei darum, sich über andere zu stellen, was eine schwierige Haltung ist. Denn wer sich nicht hinterfragt, ist in meinen Augen nicht derjenige Mensch an den ich mich halten oder mit dem ich mich austauschen möchte, wenn es um die Definition einer Situation oder (soziale Werte-) Konstellation geht.

rotesBlattIch möchte den Menschen offen begegnen.
Empfinde es als emanzipatorisch mir erlauben zu können, keine generalisierte Angst vor Menschen haben zu wollen und mich bei jeder Begegnung aufs Neue von dem was mir im Kontakt begegnet, beeinflussen zu lassen.
Das hat sich bisher als unglaublich wertvoll für mich herausgestellt.
So wertvoll, dass ich Nicht-Witze dann eben auch als solche benenne.

Manch ein „Witz“ ist eben keiner.
Egal, wie viele lachen.

das Recht zu Schweigen

„Ich erlaube dir auch zu schweigen“.

P1010102Das wars.
Mehr hatte es gar nicht gebraucht.

Wir saßen in der Sonne und sahen NakNak* dabei zu, wie sie erste sacht schwebende Blätter erlegte.
Mein letztes gesprochenes Wort erschien mir so weit weg.
So weit, als hätte ich noch nie etwas gesagt.
Als wäre noch nie etwas durch diesen Stau aus Schmerzschamekelleere gedrungen, den ich nun seit Tagen mit wachsender Verzweiflung von links nach rechts zu sortieren versuchte.

Sie schaute in den Himmel hinauf. An der Sonne vorbei, ins Universum hinein.
Ich starrte sie an und erbrach ein Danke neben ihre ausgetreckten Beine.

„Du darfst heute auch Geheimnisse haben.“.

Ich ließ die ganzen Angst-Abers meine dichte Schweigeleere aufweichen.
„… aber dann versteht sie ja nicht…“
„… aber dann hört es ja nie auf…“
„… aber dann denkt sie…“
„… aber dann muss ich…“

„Ja aber dann könntest du sterben?“, fragte sie und berührte damit die Wurzel.
„Vielleicht?“ piepste es aus meinem Mund und schon kam mir wieder diese Scham hoch. Ich hasse es, wenn Kinder durch mich sprechen und ich so verloren winzig vor mir selbst bin.

„Schatz, du wirst nicht sterben, wenn du der Seelenfrau oder auch mir oder irgendjemandem etwas nicht sagst.“. Sie sprachen über Privatsphäre, Wunscherfüllungsgrenzen, Machtgefühle und Hilflosigkeit.

Später stellte ich fest, dass „neunormal“ vorbei ist.
Spürte ich, dass ich hungrig war.
Dass der Seelenschmerz weniger ist.

Und als ich, spät in der Nacht, versuchte einen Brief an die Therapeutin zu verfassen, fiel mir ein, dass sie genau das eigentlich schon einmal gesagt hatte.

Jetzt kann ich es mir erlauben auch zu schweigen.
Nicht, weil es mir peinlich wäre, es zu sagen. Nicht weil ich denke, ich müsste, weil „man eben so Therapie macht“; nicht, weil ich Angst habe, dass sonst alles so schlimm bleibt, wie es ist, wenn ich es nicht tue.

Sondern weil da jemand außen ist, der mir erlaubt, mir etwas zu erlauben.
So lange, bis ich es mir selbst erlauben kann.
So lange, bis ich das Recht zu schweigen genauso bindend, wie den Zwang zu schweigen empfinde.

Ende

übers Schweigen schweigen

P1010037Will ich über mein Schweigen schweigen?

Da war so ein Moment im Kontakt mit der Therapeutin und fast wäre ich über meine selbst gehaltene Klinge gegangen. Sie fragt in letzter Zeit so oft, ob jemand etwas erzählen will.
Es ist also eine Willensfrage- keine Frage bestehender Privilegien wie Sicherheit, Ruhe, Zutrauen und die Fähigkeit die Echtwerdung des Gesagten sowohl ertragen als auch aushalten zu können.
Ist das so?

Wenn ja- ist das nicht der Moment, in dem ich gepflegt unter der Decke kleben und meine abgefressenen Fingernägel auf den Boden herunterrieseln lassen kann?!

Wenn nein- kommt der Moment dann jemals?

Ich fühle mich ein bisschen entkernt durch diese Nachfrage. Sehe mich wie eine Art Horrorgeschichtenbehältnis. Biologisch abbaubar mit integriertem Verschluss und Abtropfschwämmchen. Selbstreinigend mit Konservierungseigenschaften.

Was habe ich schon zu erzählen?

Vielleicht bin ich das Schweigen selbst.

Fortsetzung folgt

abnorme Achsen

Heute morgen rief meine Therapeutin an, um sich zu vergewissern, dass wir ihr die richtige Klinik genannt hatten, in der wir so lange waren und deren Bericht auch als, ich glaube, fast einziger einen umfassenden Abriss der Biographie und Krankengeschichte enthält.

Ich sagte ja und begann meine Unterlagen noch einmal durchzuschauen, ob ich nicht doch auch eine Kopie davon besaß. Ich weiß, ich hatte mal eine. Aber das Ganze ist jetzt 9 Jahre her. Wer weiß, ob nicht doch die erste Einrichtung, die uns gar nicht schnell genug loswerden konnte und nicht wieder zurückwollte, jede Menge unserer Sachen weggeschmissen hatte.
Oder, vielleicht ist er auch in dieser furchtbaren Klinik, in sie uns abschoben, verschwunden. Oder in der Wohngruppe. Oder ich habe ihn der ersten ambulanten Therapeutin gegeben. Oder in der Klinik abgegeben. Oder der Psychiaterin. Oder… vielleicht brütet er in irgendeinem Ordner vor sich hin, wie der Bericht, den ich dann heute wiederfand.

Er enthielt keinen biographischen Abriss, war nicht an eine behandelnde Instanz gerichtet, sondern an ein Amt.
Es ist eine Aufzählung meiner Defizite.
Eine Sichtbarmachung der „abnormen Achsen“.

Ich rief die Therapeutin an und… naja, eigentlich könnte hier jetzt gut stehen, dass ich darum bettelte dieses Ding nicht, wie einen heißen Stein, bei mir tragen zu müssen, bis wir uns morgen sehen. Eventuell vielleicht auch nicht, denn schon wieder wurde das Haus, in dem die Praxis ist, eingerüstet.
Ich sagte, ich fühlte mich angeditscht. Ich hätte eigentlich auch zugeben können, dass mir der Hulk die Faust in den Bauch gehauen hat.

Nicht, weil ich die Klinik furchtbar fand.
Sondern, weil mir heute zum ersten Mal klar wurde, was da eigentlich steht.

Da steht nicht: „Ach keine Bange- in 10 Jahren wird sie mehr schaffen als heute.“
Da steht: „Diese 17 Jährige ist tiefgreifend gestört, kaputt, dysfunktional auf vielen Ebenen, traumatisiert.“.

Ich weiß noch, dass mir damals das Gefühl von Unzulänglichkeit, vielleicht auch Unnormalität – Abgestoßenennormierung sehr nah war. So nah, dass ich oft diese Art kitschig aufdrängender Pseudogedichte schrieb. So etwas wie:
„Wieso ist mein Normal so unnormal für dich?
Wieso ist dein Biest mein Spiegelbild?“
mit Zeilen über mehrere Seiten.
Klar, ich saß permanent in irgendwelchen Kliniken oder Gruppen, wo man sich mehr über mich erschreckte, wenn ich etwas anderes tat, als die Milliardste Runde Phase 10 zu spielen oder eben eine dieser Pseudoblüten der Literatur zu verfassen.

Aber ich konnte nie genau sagen, was es ausgemacht hat.
Vielleicht das Gruppe sein. Das die Gruppe der Bekloppten, der Irren, der Auf-Ver-Abgestoßenen, der Ungebetenen zu sein… obwohl nein, das war normal. Es war ja eine Gruppe- eine Gruppe stellt die Norm. Eine Andere, als die der Menschen, die uns nicht haben wollten. Dies allein aber hatte mir nicht das Gefühl einer Unzulänglichkeit gegeben.
Ich hatte nicht das Gefühl, dass jemand in mir abnorme Achsen sah. Oder Defizite.
Oder ich wollte es nicht sehen.

Vermutlich wollte ich es nicht sehen. Wer weiß, ob ich die anderthalb Jahre in der Klinik so hätte nutzen können, wie ich es tat, wenn mir die ganze Zeit über klar gewesen wäre, was für ein Objekt der wissenschaftlich- psychologischen Neugier- was für ein Fall, dessen A-Normalität als Reaktion auf eine krankmachende Realität, irgendwie vage doch völlig normal erscheint und doch im letzten Schlenker der Definitionsmacht gänzlich unnormal benannt wird…,  ich vielleicht doch auch darstellte. Neben all der Normalität, die in mir drin ist und dort auch eben zu sehen, hören und spüren war.

Die Therapeutin sagte, es sei okay den Bericht direkt heute bei ihr vorbeizubringen.
Ich war froh, dass ich mich nicht in Erwachsensein üben und das jetzt aushalten musste, dieses schmerzende Zetteldings so bewusst zu haben und zu wissen, dass es da und bei mir ist. Anklagend vom Turm herunterdonnernd auf mich einbrüllend: Du unzulänglich defizitär- abnormes Ding!

Und dann stieg der Wegegänger zwei Stationen früher als sonst aus. Ich weiß nicht was ihn dazu getrieben hat. Ich verstehe ihn ja meistens nicht. Wir liefen fast den gleichen Weg, wie wir ihn mit der Kliniktherapeutin, die diesen schweren Papierklotz in meinem Rucksack geschrieben hatte, gegangen waren, bevor wir hier her zogen.

Ich versuchte mich zu erinnern, ob es damals auch geregnet hatte. Ich weiß nicht einmal mehr, welche Jahreszeit wir da hatten. Winter? Frühling? Ich weiß nicht einmal mehr wirklich, wie sie aussieht. Ich ertappte mich dabei wie ich dachte: „Ach- in 9 Jahren wird sie sicher einen wundervollen Wust weißer Haare bekommen haben und sitzt nun glücklich und zufrieden…“
Ja, es hätte auch ein Gong oder eines dieser Domgeläute sein können, dass mir den Kopf berührte.

9 Jahre. Und ich empfinde so eine Momentaufnahme von damals in Form eines Berichtes, als aktuell schmerzhaft?!
Suche immer noch den ultimativen Beweis für mein nichtreichen, mein nichtgutgenug, mein puttgehtnichtheilezumachen, mein letztes Quäntchen zur Legitimation meiner Selbstentsorgung?
Es hat sich doch soviel verändert, warum kann ich es nicht sein lassen?

Ist dies allein am Ende meine abnorme Achse? Einfach nicht glauben zu können, dass es nichts Abnormes an mir gibt, was meine Selbstzerstörung legitimiert?
Vielleicht ist es damals schon mit aufgelistet gewesen. Vielleicht gibt es dafür auch keine Bezeichnung außer „Selbsthass“. Vielleicht ist es alles der absolute Bullshit. Vielleicht hat sich in 9 Jahren bei mir eigentlich nichts verändert. Die meisten Dinge, die man dem Leben übergibt und von sich stößt, kommen in einer Maskerade wieder zurück. Oder in einer anderen Form. Manchmal kann man sie so versteckt oder in neuer Form leichter annehmen und verändern, als vorher.

Vielleicht ist der Bericht etwas, dass ich genau so brauchte, wie er war. Ich habe ihn in den Briefkasten meiner Therapeutin geschmissen und mich vom Wegegänger tragen lassen. Ich spüre ihn heute, während er damals einfach nur Löcher in meine Stadtbilder fraß. Ich spürte den Regen, die Kälte, die Schwere der Kleidung. Ich bewegte mich in der Stadt, die wir zuerst mit der Kliniktherapeutin zusammen betreten hatten. Alles das beachtete ich bewusster als sonst. Noch aktiver, vielleicht lauernder, als vor dem Moment, in dem ich den Bericht las.

Während einem Moment, in dem der Regen auf das Gesicht platschte, dachte ich: „Hauptsache da sind Achsen. Eigentlich ist es egal, für wen da was normal oder abnormal ist. Es ist fast 10 Jahre her. Für mich ist es normal, wie es ist.“.

mein Auge und der Schmerz ohne Nerven

Sie räumt.
Wieso räumt sie jetzt in der Wohnung herum, wenn sie eigentlich am Telefon sein sollte, um ÄrztInnen anzurufen? Vermutlich räumt sie, gerade weil sie eigentlich etwas Anderes tun sollte.

22326_web_R_K_B_by_Linda Dahrmann_pixelio.deMir tut das Auge so weh. Das linke. Das kaputte. Das Auge, auf dem ich nie besser als verschwommen sehe.
Die Kugel im Kopfloch, die manchmal auch gar keine Bilder hinein lässt. Dann wird sie zum Pfropfen, der den Strom unterbricht.
Das andere brennt und fühlt sich an, wie mit Sand paniert. Jeden Abend wieder.
Es kommt mir vor, als würde das rechte Auge mehr Weg zurück legen. Mehr arbeiten und deshalb schlimmer verdrecken, als das linke.

Sie hat Angst vor Ärzten.
Sie stellen Fragen. Sie sind Fremde. Sie sind Autoritäten, die sie schrumpfen lassen. Manche fassen sie an. Manche, wie ein Augenarzt zum Beispiel, machen sie blind. Oder, wie die Zahnärztin, taub an einer Stelle.

Sie sitzen in Räumen, die komisch riechen. Voll sind und hektisch, obwohl die Abläufe in Zeitlupe zu passieren scheinen. Sie haben Instrumente mit Namen, die selten genannt werden. Geräte, deren Nutzung genauso unbekannt sind, wie das Ziel selbiger.

Und sie alle mögen die Psyche nicht.
Psyche frisst Zeit, verschleiert und verzerrt. Ist das, was am Ende steht, wenn die Symptombeschreibung nicht zusammenpasst.

Sie räumt die Wohnung auf. Sortiert, heftet, archiviert. Spürt den Schmerz im Auge.
Sie sitzt am Schreibtisch und spielt mit einem Zirkel herum. Denkt an Schaschlikspieße mit Glaskörpern darauf. „Wünsche guten Appetit“ denkt sie, während sie die Spitze des Werkzeuges in den Malblock rammt. Direkt in mein Bild vom schmerzenden Auge hinein.

Mein Auge wurde verletzt. Aber es sieht ganz normal aus. Der Schaden ist darinnen.
Wir waren schon mal beim Augenarzt. Der hatte getropft und meinen Kopf in ein Gestell geklemmt, aus dem ich nicht mehr herausgekommen wäre, wenn ich gewollt hätte. Er schaute meine Augen an und sagte, mein gelbgrüner Ring um die Iris herum sei schön. Er sagte, da sei eine Deformierung. Eine Narbe.
Ich dachte an die Nabelschnur von Kükenembryonen. „Vielleicht sieht es so ähnlich aus.“, dachte ich.

Er sagte, man könnte operieren. Das ginge vielleicht. Aber nur vielleicht.
Er sagte, ich müsse dabei wach sein. Mein Augenlid würde fixiert und… Ich konnte ihm nicht mehr zuhören. Jemand unterbrach ihn. Eine Operation käme nicht in Frage.
Er gab uns Tropfen mit, die das Auge besser im Kopf herumflutschen lassen.

Das hatte ganz gut geholfen. Gegen die Schmerzen, die ich jetzt wieder verspüre, helfen sie aber nicht.

„Es ist nur eine Erinnerung.“, schreibt sie auf mein Bild.
„Das Auge kann nicht weh tun. Keine Nerven.“

Es tut trotzdem weh.
Ich glaube, mein Schmerz braucht keine Nerven, um da zu sein.
Vielleicht braucht er nur meine Erinnerung dafür.

Co-Therapeutin Sieglinde

391474_web_R_K_B_by_Heidi Apel_pixelio.deIch nenne es „posttherapeutisches Fieber“.
Nach jeder Sitzung dauert es ein zwei Stunden und der Körper läuft heiß.

Manchmal steigt es nur auf 38° hoch, manchmal kratzt es aber auch scharf an der 40° Marke.
Dann hilft nur liegen, ausruhen, dem Kopf zugucken, wie er zum heißen Pflaster der Gedanken und Gefühle wird. Tee trinken, NakNak* streicheln, Reize runterdimmen.
Oft wird Fieber mit einem Anzeichen für Überlastung gleichgesetzt, als sei der Prozess eine Reaktion, die sich wie ein Knüppel vor den Füßen ausmacht.

Wir nennen es auch „Sieglinde“. Ein sanfter Sieg. Eine Kuschelkämpferin.
Sie kommt, kämpft, siegt und geht wieder.

Was sie bekämpft, weiß ich nicht genau.
Tatsache ist, dass erlebte Traumatisierungen auch auf das Immunsystem einwirken.
Menschen mit Traumafolgestörungen haben, neben vielen anderen Folgebeschwerden durch die körperliche Reaktion auf traumatische Ereignisse, ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten und Probleme mit der Zellreparatur. (Literaturempfehlung: „
Das Gedächtnis des Körpers“ von Joachim Bauer)

Früher habe ich mir die Ruhe nicht zugestanden.
„Schwachfug, wegen so nem Gelaber mach ich doch jetzt nicht auf krank!“, dachte ich mir und ging nach dem Therapiestunden zurück in meinen Alltag. Nahm an Lerngruppen und Veranstaltungen teil, räumte in der Wohnung herum oder unternahm übermäßige Ausflüge mit dem Hund.
So provozierte ich öfter mal ein Wechselchaos und brachte mich in echte Überforderungssituationen.

Heute komme ich von der Therapie und will immer noch nicht so schwach sein, wie sich mein Körper anzufühlen beginnt. Also gehe ich mit NakNak* raus oder zum Schwimmen.
Nach manchen Stunden ist das sogar sehr hilfreich.
Etwa, wenn jemand von seinen Erlebnissen gesprochen hat und die Körperempfindungen von damals auch nach der Stunde noch spürbar sind.
NakNak* würde sich schütteln und ausrappeln, indem sie Windhund spielt und über Wiesen flitzt.
Wir machen mit ihr Wettrennen die Berge hinauf oder schütteln uns im Schwimmbad die Anspannung aus den Muskeln.
Wenn wir zurück nach Hause kommen, fällt es mir leichter zu sagen: „Phu- ich bin ganz schön erledigt. Waren ja auch 30 Bahnen/ 8 Kilometer, die ich gerade hinter mich gebracht habe. Erst mal eine Tasse Tee und ins Bett kuscheln.“.

Letzte Woche ging das nicht so schnell. Wir wollten Rosh Hashana mit unseren Gemögten feiern und dann in die Pause gehen. Es war eine schöne Feier und ich spürte Sieglinde nicht besonders.
Am Freitag aber blühte sie richtig auf und war erst heute fertig.

Offenbar hatte sie noch ein paar Viren gefunden, die auch NakNak* als Veranstaltungsort ihrer Party auserwählt hatten. Für uns beide war es aber auch eine große Woche, sodass ich mir nicht ganz sicher bin, ob es wirklich Viren gab.

Unseren Hund in die Hände anderer Menschen zu geben, wenn wir so weit weg sind, löste einiges an Ängsten aus, die sich irgendwo in mehr oder weniger gut verpackten Kisten austobten, neben den Kisten, in denen es sich Unsicherheiten auf die Reise und ihre Vorbereitungen so richtig gemütlich machten.

Wir haben viele Erwachsenensachen gemacht. Viel Freiheit praktiziert und vor sich hin brütende Konflikte angerührt. Obendrauf kam die erste Therapiestunde nach 4 Wochen Urlaub der Therapeutin und der Feiertag.

Die erste Therapiesitzung nach einem Urlaub ist für uns schwierig.
In 4 Wochen gibt es jede Menge Freiraum für die Therapeutin zu erkennen, dass wir ein hoffnungsloser Fall sind. Oder nervig. Oder übermäßig kräftezehrend. Oder eigentlich doch gar kein Mensch, den man sich freiwillig jede Woche in sein Zimmer holt. Es gibt auch Raum für die Erkenntnis, bisher Schrotttherapie gemacht zu haben.
Das sind jedenfalls die Ergebnisse zu denen wir immer kommen, wenn wir 4 Wochen Therapiepause haben.
Neben der fast noch schlimmsten Erkenntnis, sich ernsthaft an einen anderen Menschen gebunden zu haben, die in der ersten Woche, trotz aller Bemühungen ihn im Kopf sterben zu lassen, ihre Wellen auslöst.

Ich hatte eine Veränderung bemerkt im Vergleich zu früheren Therapeutinnen.
Da gab es das natürlich auch. Ängste, dass sie nicht wieder zurück kommen, uns für immer verlassen, nicht mehr haben wollen. Doch damals kippten diese Ängste dann leichter in ein Funktionieren, das eine stumpfe Ausrichtung auf den Alltag zur Folge hatte. Das dauerte eine Woche und schwupp war klar: „Sie kommt nicht wieder- vergiss sie- du hast hier zu tun- alles ist wie vorher.“ Das ging auch mit einem gewissen Schmerz einher. Einer Art Trauer und einem Hadern.
Aber ich habe nie erlebt, dass wir darüber geweint hätten, wie es diesmal passierte.
Das Kippen in den Funktionsmodus funktionierte nicht mehr rund. Plötzlich saßen da Innens, die auf sie gewartet haben. Auf einmal machten Innens Notizen zum Therapieverlauf und Themen, die zu besprechen sind, wenn der Urlaub vorbei ist.
Statt wie sonst in der dritten Woche, gänzlich an einem Punkt angekommen zu sein, an dem die Verbindung nach innen fast gänzlich gekappt ist und das reine Funktionieren abgespult wird, gab es die Erkenntnis, dass wir jemandem einen Platz nah an uns dran gewähren, der uns auch mit nur einem Satz zu Grunde richten kann.

Zum Glück hatten wir in der letzten Woche dann so eine Agenda umzusetzen. Keine Zeit sich in der Angst darüber zu verlieren, kein Platz für ein wirres Treiben zwischen Früher und Heute. Das Heute knallte in bunten Farben auf uns ein und riss uns mit.

Und dann stand das Mädchen in der Praxis, das uns in der Woche durch alle Erwachsenenchallenges getragen hatte, während wir im Hintergrund festhielten, was sich möglicherweise an die Beine der Therapeutin geklammert oder sonstige Peinlichkeiten produziert hätte.

Schon im Wartezimmer spürte ich die ersten Schritte von Sieglinde, auf ihrem Rundgang zur Zellenbefreiung.
Vielleicht von Ängsten.
Vielleicht von Vergangenheitsgift.

Ich glaube, Sieglinde kommt nur, um uns frei von allem, was uns schaden oder behindern könnte, der Freiheit und allem Neuem widmen zu können.
Wenn sie weg ist, fühle ich mich stark und bereit neue Erkenntnisse anzunehmen und umzusetzen.
Etwas, das die wahren Knüppel vor den Füßen, nämlich alle Ängste und alle alten Überzeugungen, nie tun.

Ich glaube Sieglinde ist unsere körpereigene Co- Therapeutin.
Auf sie müssen wir uns genauso einlassen, zu einer Verbündeten machen, wie unsere Therapeutin.