das Opferetikett

wildeRose2 Wie eine Sandburg in der Brandung, lösten sich meine Beine auf.
Bis ich fiel und alle Scherben in mir über den Boden des Wartezimmers klirren hörte.

Wir hatten eine Therapiestunde, die mir aus den Händen geglitten ist, nach einem Tag, der mir am Denken vorbeigerutscht war, nach Wochen, die mich nur als Zaungast neben sich hatten.
Während es in mir schreit, kämpft, sich hartkrampft und ziellos durch den Schmerz hindurch vorwärts beißt, taumle ich durch die Gedankenschlösser, die auf dem brennenden Fundament eines fremden Maßstabes stehen.

Was mir begegnet, was mir ablehnend konnotiert begegnet, ist der Komplex einer Opferidentität. Wenn jemand sagt: “Ich bin ein Opfer”, passiert ein Schritt zurück. Ein Blick, der Wunden, Male, Zerstörungen sucht, um sich zu vergewissern.
Abzusichern und nicht einmal, kein einziges Mal zu fragen, ob dieser Blick überhaupt in Ordnung ist.
Dieser Blick kommt nicht aus einem Kopf heraus, der sich fragt, was er dort eigentlich sieht und warum. Mit welchem Recht.
Dieser Blick fragt nicht, ob er als Verletzung, als erneute Demütigung wahrgenommen wird.

Mir wird bewusst, was für mich das Problem in OEG und Strafanzeige nach Gewalt, nach sexualisierter Gewalt, in der Kindheit ist.
Es ist der fremd wertende Blick, der mich nicht nur streift, sondern durchbohrt. Mein Sein, mein Mich, mein Da, mein Früher und Heute auf einen Objektträger klatschen lässt und in feinsten Scheiben seziert, be-verurteilt, in Paragraphensoße ertränkt und mit einem guten Wein aus rape culture darreicht.
Ohne eine Wimper zum Zucken zu haben.

Ich werde nicht gefragt.
Und wenn doch, dann hängt an den Äußerungen anderer Menschen, auch denen der TäterInnen, ob wahr –scheinlich- ist, was ich sage.

Selbst die Verjährungsfrist durchbreche nicht ich, sondern die Vorladung der TäterInnen.
Nicht einmal das wird mir zugestanden.
Und ja, ich habe es als mein Vorrecht betrachtet, dass ich selbst in der Hand habe, ob das, was die Justiz als strafbare Handlung betrachtet, verjährt oder nicht (innerhalb des festgesetzten Zeitraumes). Schließlich wird ja auch die ganze Zeit an mich herangetragen, Gewalt anzuzeigen und sichtbar zu machen. Nicht an die TäterInnen.
Wie hatte ich ernsthaft glauben können, dass es irgendeinen echten Raum für Selbstbestimmung unter dem Schirm der opferbezüglichen Komplexe gibt?

Vielleicht hat es etwas mit dem sympathischen “Ich bin kein Opfer”- Gebaren zu tun, das immer wieder aus mir heraus kommt, sobald mir andere Menschen meine Kompetenzen und Rechte aufgrund der Gewaltfolgen absprechen wollen.
Die Etiketten “wehrhafter/resilienter/stolzer Grundcharakter”; “KämpferIn*”; “starke Persönlichkeit” machen gegen das schmerzhafte Bohren dieses einen speziellen Blickes immun.
Wenn ich das auf meine Stirn klebe und tue, was ich sonst auch tue, werde ich auf Ebenen unterstützt und gestärkt, die zwar in der Regel unfassbar weit an meiner Erwartung und Hoffnung vorbei gehen, aber mich einer Mehrsamkeit und damit Sicherheit versichern, die ich anders gar nicht oder tendenziell eher erneut in ungleichen Machtdynamiken eingebunden erhalte.

Das heißt, dass alles, was ein zum Opfer gewordener Mensch tatsächlich selbst bestimmen kann, ist, sich als ein solches zu erkennen zu geben oder nicht.
Alle Konsequenzen, alle Gewalten, die aufgrund dessen mit und an ihm passieren, hat er zu ertragen.
In Bezug auf das OEG nehme ich diesen Umstand als besonders infam wahr.

Denn ja: ich fühle mich dazu gezwungen einen Antrag zu stellen und mich damit als Opfer von Gewalt auf eine Weise sichtbar zu machen, die ich weder selbst bestimmen, noch beeinflussen kann- mit den Konsequenzen, die sich unter Anderem aus inexistentem Opferschutz, und anderen Leistungen zu meiner Unterstützung ergeben, hingegen wiederum unsichtbar zu bleiben.
Ich fühle mich gezwungen, weil es das einzige Mittel ist, meine Lebensrealität innerhalb des Systems, das für diese mitverantwortlich ist, sichtbar zu machen.
Natürlich könnte ich auch anfangen meine Krankenkasse zu verklagen, aber die Krankenkasse hat nicht im Schutz vor Gewalt versagt, wie der Staat.

Ich habe mich nie als Opfer betrachtet.
Jetzt fange ich damit an und spüre bereits, wie mir Boden und Beine unter all meinen kleinen und großen, zitternden und kämpfenden, frierenden und schmerzerfüllt weinenden Herzen wegrutschen- während mich der Lauf der Dinge unbeirrt an einer Schlinge um den Hals weiter hinter sich her zieht.

Es ist tröstlich, dass die Welt nicht stehen bleibt, weil ich das Etikett des Opfers neben all die eigenen hänge.
Es ist aber auch eine weitere Erfahrung, die mich in ein Gefühl der Machtlosigkeit bringt, weil sie keinen Effekt über mein klitzekleines Dasein hinaus hat. Wieder verortet sich alles in und an mir allein- nicht an den TäterInnen, nicht an dem System, nicht an unserer Kultur, nicht an G’tt.
Wieder bin ich mit etwas, auf diese eine ganz spezifische Art, die nur Gewalt produziert, allein.

In einem Moment des weißen Rauschens, da auf dem Boden des Wartezimmers gestern, schwamm dieser Satz des “Es ist vorbei” durch mich hindurch und ich fragte mich, ob es überhaupt noch irgendeinen Sinn hat, an irgendeinen Menschen ein “Ja, aber…” zu richten.
Diesen  Punkt des Wiedererlebens, den Gewalt, die an die Schwelle zum physischen, psychischen und geistigen Tod treibt, den erlebt man so allein, dass die Lüge des “es ist vorbei” von sonst niemandem gesehen wird.
Jedes “Ja, aber…” provoziert den Blick, die Abwehr, die Einsamkeit auf allen Ebenen.

 

Ich muss anerkennen, dass ich versuchte das Falsche zu wollen.
Anerkennen, dass “nichts bis wenig”, noch das Beste ist, was ich an “gut” zu erwarten habe.

Dass es für mich eben doch nie vorbei sein wird, nur weil es mir jemand sagt, der mit mir ist.

und sie sah, dass “gut” der falsche Wunsch war

Es war etwa so:
Hören: “Trau dich, Mut ist gut- Mut wird unterstützt”
Trauen zu wollen
feststellen: “Oh, das ist ja ein Haufen ganz besonders bunt glitzernder Scheiße”

und: “Oh, guck an, das kommt also immernoch, wenn du etwas für dich willst”

Es bleibt:

alleine durch die Straßen laufen
in den Himmel schreien
vor lauter Lachen

Und dann ist da der Zeigefinger:
du du du das gilt jetzt aber nicht, wenn du einfach alles von dir tropfen lässt- du willst, dass etwas sichtbar wird
du willst, das es ein Ende haben kann

irgendwann
für irgendwen

damit dein kleines erbärmliches hässlich verpacktes Scheißlebenswirken
als Dunkelziffer
aus X shades of grey

 

irgendwann
für irgendwen
einen Sinn hat

 

du wolltest genau solche, diese Dinge aufschreiben und zeigen
dann zeig

 

Und ich zeige
opferschutz
und bin gemeinsam

alleine in meiner Küche
verlassen
verängstigt
überfordert
ertrinkend in VIELZUVIEL

ein Stück, Verwesung an sich fressen spürendes, Holz, das sich tröstet mit Visionen von einer Zeit als Kohle auf dem Weg zum Diamanten

Ich hab das Gefühl, die ganze Zeit zu schreien
mich taub zu schreien
Menschen
wegzuschreien

unter meinen Schallwellen zu einem Pulver zu werden

Ich weiß nicht, wie ich das hier packen soll.
Ich weiß es einfach nicht
mehr

und jetzt frag mich bitte niemand “Was denn genau?”

ich habs aus Versehen rausgeweint
oder geblutet
oder gekotzt?
Irgendwo da in dieser Lache Inneres ist es drin

und äh- nein- ich fass das nich an

 

meine Hände sind weg
abgefallen

 

vor lauter los
lassen

Inklusionsjauche am Sonntagabend

 TropfeninPusteblume Gestern Abend – Jauche im Fernsehen.
Ich schaltete ein, weil es um die Einschulung von Henri geht. Der Junge lebt mit Trisomie 21 und wird vom Schul- bzw. Bildungssystem und Le(e)hrkörpern wie Kraus behindert.

Ich fand die Sendung nicht besonders feierlich. Obwohl eine Frau* mit Downsyndrom und eine Frau*, die zeitweise einen Rollstuhl braucht, dort sprechen konnten. Ich nehme Sichtbarkeit und Autonomie in der Selbstdarstellung als wichtig wahr, wenn es um von der (sozialen/kulturellen/ *) Umwelt behinderte Menschen geht.

Ich selbst erlebe meine Behinderung auch nicht als etwas, das nur in mir allein verankert ist und auch nur mit mir allein zu tun hat. Wenn ich allein bin und mir meine Umgebung allein zurecht klöppeln kann, spüre ich nichts bzw. weniger von ihr. Wenn ich aber mit anderen Menschen zusammen lebe (und das ist, was ich gerne möchte), dann geht es darum eine gemeinsame Umgebung zu erschaffen, in der weder ich, noch andere Menschen in irgendeiner Art behindert werden, in dem was sie tun oder tun möchten.

Nun ist es so, dass ich viel in der Diskussion um Inklusion schwierig wahrnehme und mich damit befasse.
Um Negativbeispiele für diesen Diskurs zu finden, war die Jauche am Sonntag wieder einmal perfekt – obwohl es, wie gesagt, löbliche Babystep- Anfänge gibt.

Ich halte es für unpassend, wie der Film zu Karina Kühne gemacht wurde.
Die Sprachführung ist entlarvend für ein Weltbild, in dem Menschen ohne Trisomie die Norm sind und genau das ist das Problem. Man mag mich radikal nennen, aber ich finde, wenn Menschen mit Trisomie 21 oder irgendeiner anderen sogenannten Behinderung ihr Leben und ihre Fähig- und Fertigkeiten zeigen möchten, dann sollten sie das allein tun dürfen bzw. mindestens selbst einsprechen.
Zur Lebenswelt von umfassend behindert werdenden Menschen, gehört es nicht nur “anders” auszusehen oder Dinge “anders” zu machen, sondern auch “anders” zu bewerten und einzuschätzen, was sich wiederum auch in der Art ausdrückt, wie sie darüber sprechen.
Die Norm ist dann nicht der ablierte Körper bzw. “Geist”, wie es das bei nicht gleichsam behindert werdenden Menschen der Fall ist, sondern die, die relevant ist für diese Menschen.
“Man hat der jungen Frau nicht viel zugetraut” – das ist ihre Behinderung und nicht die Trisomie 21 “trotz” der sie Klavier spielen und im Supermarkt arbeiten kann.
Das hätte in dem Film nicht fehlen dürfen.
Tat es aber.
Natürlich.
Wir sind ja bei Jauch.

Ich lese es immer wieder mal, dass die Leidmedien, ein Projekt, das sich mit der Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen auseinandersetzt, als eine Art Sprachpolizei wahrgenommen werden. Auch an mich wird immer wieder herangetragen, ich solle mich zurückhalten mit meiner Kritik an der Sprachführung zu Gewalt und anderen Themen.
Interessant ist dabei, dass es in der Debatte dazu nie um den Kern “Machtbestätigung bzw. – erhalt durch diskriminierende, behindert/ klein/ schwach/ ohnmächtig machend/ haltende Sprache” und, dass sehr oft auch hier der ablierte weiße Mann als Norm nicht in Frage gestellt wird, sondern als etwas gilt und weiter gelten soll, an das sich “trotz aller Wider und Missstände” anzupassen; zu integrieren ist- ja ja ja- notfalls auch zu inkludieren ist.

Gemerkt?
”Ja ja ja- auch du mit deiner Behinderung darfst dich mir jetzt anpassen- ich sperre dich nicht mehr ins Heim, wenn ich es nicht schon vorher mittels Pränataldiagnostik geschafft habe dein Leben zu verhindern- aber die Sonderbehandlung, die bleibt, denn du bist nicht wie ich.”
Inklusion ist kein Zauberwort, ist kein riesiger Akt, ist nicht sagenhafte, schier unglaubliche Irgendwas, das in unseren Köpfen als Framing aufploppt, wenn wir sehen, das zum Beispiel Karina Kühne, die in der Sendung saß, in einem integrativen (!) Supermarkt arbeitet oder die Norm ist, über Menschen als Teil einer besonderen Gruppe zu sprechen oder immer wieder trennende Marker setzen. Zum Beispiel das “trotz der Trisomie 21” oder auch “behinderte und nicht behinderte Kinder”, das in den Einspielern und Worten Jauchs immer wieder auftauchte.

Das ist Geschwafel im Geiste der Integration, die aber eigentlich lieber die Exklusion hätte.

Inklusion beschreibt in der Debatte eigentlich eine Gesellschaftsform, in der eine Einheit mit vielen unterschiedlichen – auch widersprüchlichen – Eigenschaften entsteht. In der es eben nie “trotz Rollstuhl/ Blindenhund/ Hörgerät/Lernhilfen/ großem Hilfebedarf” heißt, sondern “mit”.

Als These zur Behinderung der Debatte, denke ich über den Einfluss der Marktwirtschaft nach.
Es drängt sich mir eine Verlagerung im Diskurs auf, die viel mit kapitalistisch verwertbaren Eigenschaften und Potenzialen zu tun hat. Wir sprechen über inklusiven Schulunterricht – aber (noch) nicht über inklusive Ausbildungsmodelle außerhalb von integrativen Werkstätten (in denen es btw weder Streikrecht noch gleichen Lohn gibt!). Wir sprechen auch noch lange nicht über Inklusion im Alter. Und wir sprechen auch nicht, und darüber schrieb ich bereits im
Artikel über das Teilhabegesetz, über Inklusion für alle Menschen mit Behinderung.
Des weißen Mannes liebstes Lockbonbon ist wirtschaftliche Machtsicherung durch Menschenmaterial, das nutzbar bis ausbeutbar ist.
Wir würden überhaupt gar nicht erst über Inklusion sprechen können, wenn es diesen Faktor nicht gäbe.

Und vielleicht ist es auch dieser Faktor, der mich bei der bis heute (und noch immer überwiegend) stattfindenden Berichterstattung zum Thema “Behinderung”, an Menschenausstellungen der Jahrhundertwende denken lässt.
Da ist der Blick auf die Defizite – aber hochmodern und integrativ: auch der Blick auf das “was noch zu retten und zu nutzen ist”.

Das ist ekelhaft und genau das sollte, meiner Meinung nach, endlich ganz ganz dringend hinterfragt werden.

Ich will nicht in eine Gesellschaft inkludiert werden, die mich in seine Mitte lässt, weil sie in mir etwas sieht, was sie nutzen kann und mir ebenjenen Platz nur im Tausch anbietet. Ich will mir Inklusion nicht mit meinen Potenzialen quasi erkaufen, sondern selbstverständlich angeboten bekommen bzw. später selbstverständlich inne haben.
Wenn es nur um diese meine Potenziale geht, wie es jetzt gerade passiert, dann geht es auch darum, diese zu suchen und zu finden, zu rechtfertigen und einzuschätzen- völlig an mir vorbei und ausschließlich unter wessen Norm? Richtig- die der mächtigen weißen reichen nicht gleichsam behindert werdenden Männer*.

Wenn man sich ständig auf die Suche nach verwertbaren Funktionen und Potenzialen machen muss, dann kann es durchaus passieren, dass man Menschen dann auch einfach mal so als Last bezeichnet, wie es Kraus dann in der Sendung- Sonntagabend im ZDF – vor Millionenpublikum getan hat.
Ohne rot zu werden oder aus der Sendung geworfen zu werden.

Ich glaube, wir gehen die Sache mit der Inklusion falsch an.
Es funktioniert nicht, wenn wir nicht die grundlegenden Machtstrukturen unserer Gesellschaft in Frage stellen und ihre Ausläufer verändern.

post- Trauma

kaputt Ich hatte diesen einen klaren Moment, in dem ich nicht nur wusste: “Trigger – Flashback – gesamte Bandbreite von Überregung – Depression – mentale Isolation – Dissoziation – > hol dir Hilfe, sorg dafür, dass es einen doppelten Boden unter dir gibt”,
sondern auch wusste: “
Was hier jetzt gelaufen ist, ist eine Re- Traumatisierung für mich. Ich darf mich verletzt und kaputt, irgendwie zerstört und wund fühlen. Ich muss niemandem einen Grund zur Freude oder Bestätigung meiner Authentizität liefern. Ich muss niemandem sagen, was er oder sie gerne hören möchte, damit es ihm oder ihr mit meiner Not besser geht.
Ich muss niemanden bestätigen und meine Ablehnung von Äußerem rechtfertigen.”

Traurig ist es für mich, diese Gedanken und Impulse erst eine Woche später zu haben, nachdem ich zum zahnärztlichen Notdienst gehen musste, weil mir eine große Füllung aus einem eh schon mühsam geretteten Zahn gebrochen war.
Wieder eine Notsituation. Wieder ein Moment, in dem ich von innen Angst vor einer Art Sterben spürte, Hilfe suchte und dann so übergriffig mit mir umgegangen wurde.
Ich für mich, kam mir wie eine verdammte Heldin vor, wie ich da- kaum in der Lage Wörter zu produzieren, das Zittern zu unterdrücken, Tränen aus scheinbar 5 zusätzlichen Tränendrüsen rauslaufend zu haben und hyperventilierend – seinen Arm wegdrückte, aufstand und vom Stuhl kletterte.

Ich sah ein Mich da stehen vielleicht 6 oder 7 Jahre alt, verletzt und bedürftig und mein Ich so heldinnenhaft, weil ich es schaffte, genau in dem Moment, in dem das wichtig war, dieses Kind an mich zu nehmen- obwohl dieser (unfassbar furchtbare) Arzt und seine Helferin, die uns – natürlich ungefragt- ständig den Arm streichelte, genau diesem kleinen Mir und diesem großen Ich weiter zusetzten mit ihren sexistischen, unempathischen- einfach unangemessen groben Phrasen.

Und- es kam jemand, der mit uns ist.
Ich spürte, wie das Kleine in mir aufatmete und sich ein Gefühl ausbreitete, in dem es um Sicherheit durch ZeugInnenschaft, Gemeinschaft, durch Chance zur Überprüfung der eigenen Wahrnehmung geht.
Mein Atemrhythmus regulierte sich, meine Haut, die Hände und Füße wurden wieder durchblutet, die Angst wich Unverständnis und Wut, die näher an die eigene Lebendigkeit führte.
Ich musste nicht alleine in der Nacht noch mit der Bahn nach Hause, in meine Wohnung, die sich noch immer nicht wirklich wieder okay anfühlt. Ich musste nicht alleine sein. Ich musste nicht sachlich bleiben, weil “Na na na- der wollte dir doch nur helfen- was hast du denn erwartet- Ärzte sind Ärzte”. Ich musste nichts können- ich durfte mich schlecht fühlen und ich durfte mich auch heldinnenhaft fühlen. Das war so eine gute Insel, die mich nicht nur daran erinnerte, dass mein Anspruch von HelferInnen gut und grenzwahrend behandelt zu werden absolut in Ordnung ist, sondern auch noch durch mein bloßes in Not sein- nicht durch die Art, wie ich als Person bin- gerechtfertigt ist, und auch darin bestätigte, dass mein ablehnendes Verhalten in Ordnung war, obwohl ich ihn um Hilfe gebeten hatte.

Wenn einem etwas passiert, was im Kopf und im Gefühl alles auf einmal durcheinander wirbelt, dann hilft es manchen Menschen sich auf eine Ebene zu stürzen. Am liebsten die Sachebene, weil diese nicht mit persönlichen Befindlichkeiten vermischt sein darf. Das ist gesellschaftlich anerkannte Spaltung und “gesellschaftlich anerkannt” ist immer gut- gerade dann, wenn man das Gefühl hat, dass einem gerade etwas (wieder) passiert ist, das so sonst gar niemandem jemals auf dem ganzen Planeten passiert ist.
Auch dabei geht es um Gemeinschaftsgefühle und ein Agieren, das absichern soll.

Was bei größeren Belastungen eine gute Möglichkeit zur Verarbeitung des Erlebten und Aufrechterhaltung der Fähigkeit einen eigenen Alltag zu leben führt bzw. dabei hilft, kann bei einer Belastung, die das absolute “Zuviel” in sich hat (also ein Trauma ist) genau das sein, das zu innerer Spaltung führt, weil es ein weiteres “Viel” bedeutet.
Ich bin in der Therapiestunde nach der sogenannten Suiziddrohung tatsächlich vor der Therapeutin geplatzt und hab sie angeschrien und, anstatt mich zu erinnern, dass auch meine viel zu kurze Lunte zum Impulsdurchbruch in dem Moment, ein Symptom für nachwievor bestehende Überregung war, habe ich mich (und mein Leben und alles) fertig gemacht, weil ich nicht entsprechen konnte.
Ich konnte – und kann noch immer nicht zur Tagesordnung übergehen. Kann nicht in meinen Alltag zurück, weil mein Alltag und meine Alltagsumgebung kaputt ist.
Ich kann kaum schlafen, esse um mich zu fühlen- nicht um satt und genährt zu sein. Wenn ich mich zwinge mein Grübeln zu beenden, geht die Grübelenergie in meine Muskeln und Nerven, die unkontrollierbar unter meiner Haut zucken. Seit über einer Woche schwanke ich zwischen “Ich schreie gleich meinen Schmerz, meine Angst, meinen ganzen inneren Kosmos heraus” und “Bin ich überhaupt da?”

Ich will die Emotionen anderer Menschen nicht- sie sind mir mal scheiß egal gerade, weil meine eigenen mich beißen und aufessen wollen und ich mich kümmern muss, ihnen andere Quellen als meine Ich-Struktur anzubieten.

Wenn ich darüber rede/ schreibe, dann geht es mir nicht um Schuld, dann geht es mir nicht um Verantwortung, dann ist mir jedes “hätte”, “würde”, “wenn” fern. Dann geht es darum dieses VIELZUVIEL in seinen feinsten Fäden zu entwirren und nebeneinander darzulegen, zu betrachten, zu analysieren und erst dann zu einem verarbeitbaren Knäul zu machen. – Und eben nicht von mir zu erwarten dieses eine Erlebnis mal eben zu erklären- G’tt wie viel Zeit ich jetzt damit verbracht habe, diese Situation immer wieder erklären zu müssen – mich immer wieder damit konfrontieren zu müssen, immer wieder nochmal neu nachzufühlen – und dann die Sachebene zu bearbeiten.

Ich weiß, dass die da ist. Ich weiß, dass ich mich kümmern muss.
Ich weiß aber auch, dass die Tatsache, dass ich das gerade tue, genau das ist, was uns im Innen total auseinanderreißt und nicht auch noch haltbar ist.

Der Notfallzahnarzt hat es mir sehr leicht gemacht, nicht entsprechen zu wollen. Manche Menschen in meinem sozialen Umfeld machen es mir nicht so leicht.
Bei manchen steht viel Zukunft auf dem Spiel und viel mühsam abgerungenes Zutrauen – zum Beispiel bei der Therapeutin.
Bei manchen steht viel Zuspruch und stärkende Unterstützung in Gefahr- zum Beispiel bei der Frauenberatungsstelle.
Bei manchen steht viel Leichtigkeit und nährende Alltagsinsel in Frage- bei unseren Gemögten zum Beispiel.

Es geht darum, mir zugestehen zu können, dass ich gerade nicht die “C. Rosenblatt” bin, die sonst aus ihren Texten, ihrem Wirken, ihrem Auftreten herausrezeptioniert wird.

Für äußere Beobachter war das alles “unangenehm”, “ätzend”, “totale Scheiße”, “nicht schön”.
Aber uns drin war das eine Situation, die uns traumatische Situationen in unserem Leben hat fast 1 : 1 noch mal- schon wieder- erleben lassen und zwar nicht nur eine- die ganz ganz fern zurück liegt und verarbeitet, gerächt und begraben ist- für die wir irgendwelche Maßstäbe in irgendeiner Form haben- sondern mehrere, die nachwievor in uns drin ablaufen – immer und immer und immer wieder.
Das ist nicht nur “ätzend”.
Tut mir leid – ich wünschte, ich könnte mich mit diesen Menschen hinsetzen und mit dem Abwurf eines plumpen “is ja blöd gelaufen” alles das einfach abhaken.

Kann ich aber nicht.
Und ehrlich gesagt will ich das auch nicht, weil es mir vorkommt, als würde ich das tun, um mir Gemeinschaft von Menschen zu sichern, die mich nur annehmen, wie ich das kleine Mich beim Zahnarzt, wenn ich mit ihnen auf der Sachebene treffe: Sortiert, sachlich, mäßig emotional, _ein_fach, unempfindlich, stark, stabil, freundlich, empathisch und nicht zuletzt: dankbar

Uns ist etwas wirklich richtig Schreckliches passiert und ich nehme mein Umfeld verschoben wahr.
Mir drängen sich permanent unausgesprochene Ansprüche auf und immer wieder flackert dieses tausend Male bestätigte, x- fach eingebrannte Kindwissen auf: “Wenn du dem nicht entsprichst, wird es weh tun bis du nicht mehr bist.”. Alle- wirklich alle jemals verwendeten Antennen fahren auf Hochtouren und lösen den Vollalarm aus, sobald irgendeine Form von Nicht-Kontrolle wahrgenommen wird.

Das geht nicht weg mit: “Macht es euch mal gemütlich”, “Habt es schön”. Auch das ist ein Imperativ auf den mein Innenleben mit diesem uralten Reflex des: “Ja, ich bemühe mich so sehr wie ich kann! Ehrlich- ganz wirklich- ich mache was ich kann- ich tue was du willst” reagiert.

Ich weiß nicht, was mir jetzt hilft.
Ich hab keine Ahnung, was wir jetzt brauchen.

Was ich will ist: _sein_ dürfen; mich in der Welt fühlen dürfen, von deren Rand ich mich heruntergefallen wahrnehme
Auch ohne Aktivismus auf allen Ebenen. Auch mit Heldinnencape und Heulrotztropfen auf der Brust. Auch mit Brüllen vor Ohnmachtsgefühlen. Auch ohne akut geäußerte Dankbarkeit. Mit Verletzlichkeit, die man mir nie zugetraut hätte. Mit allen Gedanken und aller ungefilterten Intellektualität, die mich vielleicht schwer verständlich macht. Mit aller Nicht-Gegenseitigkeit, die mein Fordern mit sich bringt. Mit allem, was andere Menschen nie tun würden/ könnten/ wollten/ dürften/ müssten/ sollten.

Ich bin mit all dem gerade da. Wird mir begegnet, als sei dem nicht so, taucht jemand anders auf und das ist das Problem, das ich als Viele – Mensch habe.
Innere Spaltungsprozesse bzw. Innens, passieren nicht wegen Gewalt, sondern wegen vieler Überdosen “ZUVIEL”.
Wenn wir bzw. meine Psyche als Einsmensch eines in unserem Leben gelernt haben, dann ist es Anpassung durch Spaltung. Es wird immer wieder passieren, dass wir spalten (weg gehen) wenn wir nicht mit allem _sein_ können und das Außen wird genau das nicht spüren, wenn es sich nur um sich dreht.

Und sich darüber beschwert, was mir denn einfällt, sie mit meiner Not zu belästigen oder, wie dieser Zahnarzt, auf meine Panik mit einem genölten: “Was soll das denn jetzt- nu stell dich mal nicht so an- leg dich hin und lass XY machen” reagiert.

Ja verdammt- ich kann die Gründe für sowas sehen und verstehen. Ich weiß, der Arzt hatte einen scheiß langen Tag und in seiner Welt haben “kleine Mädchen” voll viel Interesse daran, einem tollen großen alten Arzt zu gefallen – was für ein Unkomfort, dann so zu agieren, wie ich.
Ich weiß, was das für ein Gefühl ist von: “Woa fuck- was mach ich denn jetzt?!”- wenn jemand kommt und einem sagt: “Ich kann nicht mehr- mir geht es schlecht und alles ist zu viel- ich weiß nicht, was ich machen soll”. Ich weiß genau, dass man sich dann erst mal hilflos und ohnmächtig fühlt, als erstes Gedanken an Verantwortung und Schuld hat und mehr oder weniger bewusst hat, dass man auf sich selbst achten muss.
Ich weiß aber auch, dass es verdammt noch mal so so so so viel öfter dran ist, jemandem einfach nur die Hand hinzuhalten und mal so einen Moment so gar nichts zu machen oder zu verlangen oder zu wollen oder zu verändern oder wegzumachen oder oder oder
und diesem Menschen einfach mal kurz – und sind es 2-3 Minuten das Gefühl zu geben da_sein_ zu dürfen.

Auf mehr warte ich gar nicht. Mehr suche ich nicht. Mehr will ich nicht.

 

Wir bekommen gerade von allen Seiten so viel “mehr” angeboten.
Und

können

nichts

damit

anfangen.

Außer mit diesem fremden Lächeln immer besser und immer reflexhafter rauszulügen: “Danke”

 

Vielleicht können wir das in zwei drei vier fünf Wochen, wenn wir keine Angst mehr vor dem Zusammenbruch unserer bürokratisch regulierten Lebenslegitimation haben müssen. Wenn wir diesen Strafanzeige-OEG –Mist irgendwie in einer Art abgesicherten Handlungsablauf haben. Wenn ich vielleicht endlich einmal richtig ausgeschlafen habe.
Wenn es nicht mehr so weh tut, Gemögte verloren zu haben. Sicherheiten verloren zu haben.
Wenn die Erinnerung wieder etwas weiter im Hintergrund ist.

Vielleicht dann.
Dann sind wir wieder voll der Bereitwilligkeit uns auch für die Gefühle und Lebenswelten anderer Menschen zu öffnen und uns zurückzustellen.
Aber jetzt nicht.

neulich

nach einem Vortrag mit dem Titel “Psychoanalyse queer gelesen”,

 

“Also ich gehe jetzt aus diesem Vortrag mit dem Fazit “Geschlecht braucht Gesellschaft” “

– “Der Mensch braucht Gesellschaft”

 

…, flatterten Rosenblätter, wie Motten, die sich für Falter hielten, doch als Schmetterlinge gelesen werden, doch eigentlich noch immer mit der Puppe um sich kämpfen

 

wie ein Hauch, ein Atem, eine Psyche
ganz selbst und Selbst

durch die Nacht

 

“In einer sozialen Gesellschaft, ist man nie man selbst.”

“Die Psychoanalyse sagt, es wird verdrängt, was nicht sein darf und zur Identität, was bleibt”

 

so allein
ganz und gar
Seele

 

_IST_  nicht

das Leben geht nicht ohne _sein_

so werden Innens geboren
vielleicht


auch

Norm – Schön

bildzIch habe meine Momente, in denen ich aus der Dusche klettere und innehalte, um den feinen Härchen auf meiner Haut dabei zuzuschauen, wie sie sich aufrichten.
Meine Sicht wandert über meine Arme, meine Beine; gerät ins Stolpern und Straucheln über jene Narbe, die meine natürliche Bleiche in verschiedenen Rot-, Lila- und Weißtönen unterbricht.
In diesen Momenten seilen sich Wassertropfen von mir ab und ich spiele Wörterpsychologie.
Bin ich schön bin ich bin ich schön schön bin ich ich schön bin ich ich bin schön, sage ich mir dann. Ich lasse diesen Wörterkringel immer schneller und schneller kreiseln und wie ein Glücksrad bleibt er immer wieder auf “Ich bin” stehen.

Ich glaube, dass meine Zellenverteilung so ist, wie ist, weil sie eben ist.
Schönheit ist ein soziales Konstrukt und damit ein Machtinstrument. Wäre dem nicht so, bräuchte niemand einen Betrachter um sich seiner Schönheit gewahr zu werden oder – eigentlich das Schlimmste: bestätigt zu bekommen, schön zu sein.

Der Begriff “Normschön” ist noch neu in meinem Kosmos und ich versuche mir diese markierte Norm greifbar zu machen.
“Norm” als eine Art Synonym für “Massenübereinstimmung” zu betrachten, kommt mir schwierig vor, gerade auch, je mehr ich über die Mechanismen der Definitionsmacht lerne und verstehe. Wenn jemand etwas von “normal” und “unnormal” faselt, dann in der Regel, weil er machtsatt ist und es kann – nicht, weil er das Spektrum von “normal” kennt und/oder lebt.
In unserer Kultur sind es weiße, (reiche), heterosexuelle, Cis- Männer, die über die Norm bestimmen und Schönheit als Machtinstrument selbstverständlich nur zur Untermauerung ihres eigenen Status einsetzen. Was dem weißen Mann gefällt ist schön- was nicht, das nicht.

Ich dachte lange, dass ich doch irgendwie schon eher in diese Normkiste passen könnte.
Immerhin gehe ich in Läden und finde (rein theoretisch) immer etwas. Ich habe das Privileg? Glück? unter 1,80m groß zu sein und im Umfang unter bestimmten Zentimeterzahlen zu sein. Hurra- ich bin Teil der Formnorm des weißen Mannes.
Und was ist mit dem Rest?
Kleider machen Leute- aber schön?

Um als Frau* als schön zu gelten- irgendwie Krümel vom Schönkuchen abzukriegen, sei es von sich selbst, weil der Blick in den Spiegel einfach mehr gefällt oder von Anderen, weil es Komplimente gibt oder Beachtung allgemein, bietet auch hier der weiße Mann unfassbar viel Kosmetik, Körperschmuck und “unterstützende Pflege” an.
Ich kenne nicht viele Frauen*, die sich gerne schminken, weil sie sich selbst, dann schöner finden.
Die meisten Frauen*, die ich kenne, schminken sich um schön zu werden.

Ich selbst verwende Kosmetik immer genau dann, wenn ich unsicher bin und mich verstecken möchte- und zwar in genau dieser scheinbar so allseits anerkannten Norm, dessen was “okay” ist.
Für mich ist Kosmetik in dem Sinne etwas, das in die Natur eingreift und die Wahrnehmung meines Seins verschiebt. Ich fühle mich unehrlich, undankbar und von innen heraus hässlich, wenn ich mich schminke, weil ich nicht mit den Menschen interagiere wie ich bin, sondern, wie es die (von mir unbeeinflussbare) Macht von Schönheit bewirkt.

Nun habe ich ja aber noch Glück? das Privileg? eine formnormkonforme Bedeckung zu finden und zu wissen, dass es Menschen gibt, die Kosmetik in Menschengesichtern nicht sehr schön finden- mit denen ich also aufgrund ihrer Norm von Schönheit, durchaus ein Stück Schönheitskuchen knuspern könnte.
Aber was ist mit meiner Nacktheit?
Welche Norm greift, wenn alle äußeren, marktwirtschaftlich konkret beeinflussbaren Marker wie Kleidung, Schmuck, Kosmetik, fehlen?

Greift die Norm von “nach dem Trauma”, die ich mir selbst bis heute abringe?
Die Norm von “nach der Magersucht/der Adipositas/der Bulimie und mitten im latenten Essensgemurkse” mit der ich lebe und bei allem was ich zu mir nehme, neu abstecke?
Sind meine Normen noch da, wenn meine Sie mich anschaut?

Ich habe am Anfang unseres Miteinander gemerkt, dass es mir nicht reicht zu hören: “Ach, ich habe gerne mit dir Sex- egal, wie du aussiehst. Ich mag dich und deinen Körper.”. Mir wurde klar, dass es mir auch um das Machtgefüge zwischen uns ging, das sich mit dem Anblick unser beider Nacktheit schlicht verändert hatte und wir sprachen darüber.
Was mir klar wurde war, dass ich mich verletzbar gefühlt habe, weil ich heute nur noch meinen Körpernormen entsprechen möchte und meine Macht über mich nicht teilen oder abgeben will- aber kein sozial anerkanntes Machtinstrument dazu verwenden will- wie zum Beispiel das Instrument “Schönheit”.
Mein Körper trägt die Spuren von Gewalt, (Selbst) Hass, Entwicklung und Tod – das Konstrukt “Schönheit” hingegen nicht. Selbst wenn ich wollte, kann ich, wenn ich nackt vor jemand anderem stehe, nicht mit “Schönheit” kommen, um mich meiner (Eigen)Macht zu versichern.

Es ging um Sicherheit bzw. Absicherung in dem Moment. Nicht, weil ich Angst hatte wieder Gewalt zu erfahren, sondern, weil ich mich in meinem Sein berührt gefühlt habe und mich außerhalb der Norm ™ sah, die ich bei meiner Sie internalisiert vermutete. “Ich möchte ihr gefallen, weil es mir gefällt, wenn ihr etwas gefällt”, war am Ende ein Satz, der mir die Dynamik zwischen uns dann klarer machte und auch, welche Rolle unsere Normen dabei spielten.
Am Ende blieb es dann tatsächlich bei “das Äußere ist nicht entscheidend”, weil unser gemeinsames Agieren übergeordnete Normen hat, die einzig für uns beide bestehen und die durch unseren Austausch viel klarer wurden.

Spannend in der Hinsicht finde ich, dass wir uns dessen erst in dem Moment bewusst wurden, als wir einander nackt gegenüber saßen.
Man sollte meinen, das sei nicht der Zeitpunkt um über Normen und Werte, Macht und Ohnmacht zu sprechen.
Im Nachhinein denke ich, dass es keinen besseren Moment geben kann.

der Folterbericht 2014 von Ai und die Notwendigkeit über Menschenrechte Bescheid zu wissen

”Folter ist verboten” meint ein Großteil unserer Gesellschaft ™ und trotzdem ist die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter noch immer absolut unterfinanziert.
Was heißt das für uns?
Folterbericht lesen, auf sich achten [Video und Texte = graphic!] und überlegen, was die eigene Haltung in Bezug auf Gewalt und Menschenrechte ist.
zur Seite von Amnesty international


Es gibt Menschen, die meinen, weil bei uns hier in Deutschlands Straßen nicht jeden Tag literweise Blut verteilt wird, wären wir ein Land in dem Menschenrechte kaum ein Thema sind.
Überraschung- allein der Fakt, dass das Thema Menschenrechte etwas ist, das als eine Art Intellektuellenaccessoire fern vom täglichen Leben gilt, zeigt uns, wie viel Informationsbedarf nachwievor besteht, um öffentliche Diskurse zu Gewalt und das Ziel eines friedlichen Miteinanders zu erreichen.

Ein Volk, das nicht bemerkt bzw. keine Kenntnis davon hat, dass es Orte und Situationen gibt, in denen sämtliches Grundrecht beschnitten oder abgesprochen wird, ist ein Volk, das Gewalt verharmlost, ignoriert, internalisiert und nicht zuletzt permanent ausübt.

Etwa, indem es die einzige unabhängige Stelle zur Folterbekämpfung in Klinken, Heimen und anderen Haftanstalten nicht im Ansatz ausreichend finanziert.
Etwa, indem es in der Berichterstattung den Fokus auf Menschenrechtsverletzungen außerhalb der eigenen Landesgrenzen legt.
Etwa indem es Entschädigungen für Betroffene niemals „ohne wenn und aber“ ermöglicht.
Etwa indem ein Klima geschaffen und gehalten wird, in dem Hilfeeinrichtungen zum Strafinstrument werden.
[…insert so much more…]

Links zum Thema Menschenrechte bzw. Organisationen:
Das Jugendnetz hat eine schöne Übersicht auf ihrer Plattform Menschenrechte gestaltet.
Das „Forum Menschenrechte“ ist ein Netzwerk deutscher Menschenrechtsorganisationen – ein interessanter Newsletter erscheint wöchentlich.
Die „internationale Liga für Menschenrechte“ hat ebenfalls einen umfangreichen Webauftritt.
Eine „Bühne für Menschenrechte“ sensibiliert für das Thema mit dokumentarischem Theater und eröffnet so ganz neue Räume sich mit den Thema Menschenrecht im Zusammenhang mit Antirassismus und Migration zu befassen.
Das deutsche Institut für Menschenrechte hat neben einer um Barrierefreiheit bemühten Webauftritt auch einen Twitterkanal (@DIMR_Berlin), den ich nur empfehlen kann.
Die „Infomationsplattform human rights“ aus der Schweiz hat eine großartige Zusammenfassung für ThemeneinsteigerInnen erstellt.

Tag 281

tag Die Sonne geht schon früh auf
im Aufgrauen des Morgens auf das Klingeln des Weckers zu warten
ist so seltsam nah und vertraut

Zahnschmerzen – ein mächtiges Wegschieben nach links
Rückenschmerzen- ein kräftiger Stoß nach rechts
erste Angstwellen an einem weichem weißen Gefieder aufbranden lassen
das Pochen hinter vermauerten
gitterbombengesicherten Fenstern – ein Bleistiftpunkt im Tagebuch

“2014 – volljährig – mündig – Wohnhaft in … – im Notfall zu verständigen” ein Riss entstellt diesen festen Fels in der Brandung
meine Liste
“Schreibs auf, denn dann IST es”

Es regnet Frühling
windet letzte Winterfetzen

die Sonne… mit aller Macht wird diese Tresortür
mit allen Zellen
in mir drin
mitten in meinem Kopf
mitten im Sein
zugeschlagen

tut mir auch
fast gar nicht
weh

 

da ist diese Neue mit diesem offenen Lächeln
auf wie ein Scheunentor
und abgeschlossen von mir und meiner Kontrolle
Vielleicht bilde ich sie mir nur ein

Betreuungsanregung
steht auf dem Zettel
all das Chaos in meinen Behördenangelegenheiten
passt kaum in diese kleinen drei Zeilen
all der Zeitdruck
ist in den 4 Buchstaben
da mit dieser fremden Schrift
E I L T

Das kann nicht sein
wo ist mein Fels?
meine Liste, dessen Riss an der Seite mir wie ein Schnitt in die Haut
einmal quer durch mein Leben vorkommt

 

nahe stehende Angehörige (Familie, Freunde…)
frei
los

ge

ver

einfach lassen

um dann
kurz vor Schluss
einen Namen hineinzuschreiben

ohne zu wissen, wer oder was
eigentlich

_IST_

 

in diesem Jahr
zweitausend
vier

zehn

#Conchita hat gewonnen

mit dem viertbesten Ergebnis des Eurovision Song Contest hat gerade der Travestiekünstler Tom Neuwirth alias “Conchita Wurst” für Österreich gewonnen

Warum das geil ist?
Für mich, weil es mir ein Hoffnungsschimmer ist.
Ich freue mich erleben zu dürfen, dass Europa- unser Umfeld- mehr kann, als Hass und Gewalt gegen Frauen* mit Bart; mehr als Verachtung von Männern* mit Brüsten; mehr als Ablehnung derer, die leben, wer und wie sie sind. Zumindest, wenn es um die Kunst geht.
Wir dürfen uns wünschen, dass der Phönix der Ausgegrenzten* weiter und weiter aufsteigen kann.

conchita2

“This night is dedicated to everyone who believes in a future of peace and freedom,
you know who you are”

Wochenschnipsel

Bevor ich mich in den absoluten Shabbat verabschiede, den ich mir ausschließlich mit Lorelai und Rory, meinen Farben und dem absolut ge-ni-alen Musikmix, den mir Nadia aus Shehadistan zum Lebenstag geschenkt hat, teilen werde, hier noch ein bisschen was für

Kopf und Rückgrat
– Anfang der Woche lief die re:publica 2014, mit vielen vielen vielen Vorträgen und Workshops zu Internet, Kommunikationskultur, Netzaktivismus und Onlinesonstigesdingsi wofür es sicherlich viele coole eingeenglischte Wörter gibt, die ich nicht kenne, weil ich keine Ahnung von Netzelitegemeindeavantgarde dingsikirchenhausen habe
Hier ist der Link zum Kanal der re:publica und hier ein Vortrag, der mich sehr interessierte und beschäftigt hat.

 

– Motzmutti Rosenblatt hat sich heute in Sachen Inklusion reingehängt und live von der 1. Plattform “Inklusions Impulse” in Bielefeld getwittert.
den Hashtag
#InklusionsImpulse hab ich mir dafür ausgedacht, einen Artikel geschrieben und an Zeitungen geschickt – ich fühle mich Guerilla aktivistisch (aktiv! schu- bi- du!) und als Eine, die mehr als nur meckern kann, wenn es um Teilhabe und Sichtbarkeit geht.

 

Herz und Seele
– der Kanal von “Maymo”

 

 

 

und was noch?
Irgendwas war diese Woche noch mit Sichtbeton und Backsteinen, Macker oni und Male tears als Aperitif

Außerdem: viele liebe, aufmunternde, stärkende, mein Herz berührende Worte, Gesten, Momente

worte

 

Jetzt gehts ins Bett.
Ich hab so im Gefühl, dass ich heute ein bisschen mehr Chance auf Schlaf habe.
Das wird bestimmt total schön, wenn ich morgen meine Augen auch ohne Hebebühne wieder offen halten kann.