Zurück in die Vergangenheit

Heute vor 10 Jahren lebten wir in einer Wohngruppe, in der wir eigentlich nicht sein wollten, eigentlich gar nicht gewollt waren und, die für uns überhaupt nicht konzipiert war. Wir hatten einen dünnen Faden zu einer psychologischen Beraterin in der Hand, konsumierten permanent Kaffee oder Tabak. Hier und da fuhr man für ein zwei Stunden weg.
Ohne, dass es jemand merkte. Oder verhinderte. Oder sonst irgendwas.

In dem Jahr hatten wir so viele furchtbare (beziehungs)retraumatisierende Erfahrungen zu kompensieren, dass ich heute kaum noch Platz für Zweifel an einer massiven Fähigkeit zur Dissoziation in mir habe.
Nach 1,5 Jahren Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig Holstein, zogen wir für 3 Wochen nach NRW, wo man sich mit uns übernommen hatte. Falsche Versprechen, zu hohe Anforderungen an uns und letztlich Verrat und Verlassen waren die Folge.
Es folgten 5 Monate Kinder- und Jugendpsychiatrie unter der Diagnose “histrionische Persönlichkeitsstörung”.
Es grüßte die Jahrhundertwende und hakte sich bei struktureller Misogynie unter, um der Realität von systematischer Gewalt und Ausbeutung an einer minderjährigen, völlig isolierten und perspektivlosen Person, nicht begegnen zu müssen.
Auch nicht direkt nebenan. Auf Station.

Ja. Es war furchtbar.
Und ja, selbstverständlich glaubte ich allen “draußen”, die mir sagten, es gäbe ein Morgen und ich könne handeln.
Die Tatsache, dass ich mit meinen 17 Jahren als massiv gestörte kranke unglaubwürdige Irre, absolut gar nicht handeln konnte, haben diese Personen, von dort aus der Ferne, nicht im Blick gehabt.

“Ich darf nicht voraussetzen, dass irgendjemand parteiisch für mich ist und gleichzeitig auch so mächtig, über mein Leben in meinem Sinne zu entscheiden.” – Erkenntnis einer 15 Jährigen, die auf Bäumen schläft, um sicherer zu sein, die sich erneut bewahrheitete.

Irgendwann war dieses Jahr natürlich vorbei.
Ich wurde 18, 19, 20 … dieses Jahr, 28 Jahre alt.

In mir drin sitzen bis heute Innens, Jugendliche, wie einzelne Kinderinnens, die sich all das – all die Psychiatrieerfahrungen, all das Verlassen und Verratenwerden, die Gewalt durch Personen, von denen man abhängig war und vor denen man nicht fliehen konnte, sowie die Notwendigkeit von TäterInnen*kontakten und anderen Arten der Selbstzerstörung – mit “dem Bösen” in sich, unter uns, in mir als Einsmensch, erklären.

Morgen steigen wir in den Zug und machen eine Reise in die Vergangenheit, um ein paar Fäden ins Heute zu nehmen und damit am Morgen zu knüpfen.
Denn, wenn jemand „das Böse“ in uns gesehen hat, dann eine der Personen, die wir in den 3 einhalb Tagen dort treffen werden.

Es tut schon jetzt weh.
Lässt mich nachts aus Träumen von Kämpfen mit einer Fixierungsliege oder vielen Personen gleichzeitig hochschrecken. Ich muss immer wieder meine Anspannung runterschrauben. Das schrille Fiepen in meinem Kopf mit Watte und Federn einwickeln. Manchmal von NakNak* beruhigen lassen.
Ich schlafe ein und mir ist schwindelig. Ich wache auf und mir ist schwindelig.

Ich sehe keine andere Möglichkeit mich anzunähern.

 

 

 

Ich hoffe so sehr, dass wir das Meer sehen werden.
Und in den Zug zurück zu NakNak*, unseren neuen Herzmenschgemögten, unserer Therapeutin, unserer dreckigen Muchtelbude, den Mimosenbabys und all den Eulen, steigen.

Huch, mich gibt’s ja oder Trauma–Yoga Teil 1

Unsere Therapeutin ist vor ein paar Monaten mit der Praxis umgezogen. Wenn man jetzt aus einer Stunde wabert/schwabbelt/kullert/plumpst, dann läuft man immer erst mal gegen eine Wand aus Straßenlärm und dieser typischen Ignoranz, die der Lauf der Dinge neben einem her irgendwie an sich hat.
Heute fand ich das erstmals bewusst angenehm.
Manchmal komme ich aus der Therapie und das Gefühl im Zentrum einer Aufmerksamkeit zu sein, klebt noch eine Weile an mir. Es dauert bis diese Verschiebung nachlässt – außer, mir wird meine Egalheit so schön bewusst wie heute.

Egalheit ist gut. Auch.
Nicht immer. Manchmal kotzt mich meine globale Egalheit auch an.
Aber manchmal, wenn es um _mich_ geht – nicht um “Hannah C. Rosenblatt Einsmensch mit Funktion A B C und Labelpalette von –> bis “ – sondern um mich: Existenz, Präsenz, Metabolismus , dann ist es offenbar noch immer öfter sicherer für mich einfach egal zu sein. Also “egal” as in “gar nicht da”.

Ein Herz dort draußen hat mir das Buch “Trauma – Yoga – Heilung durch sorgsame Körperarbeit” von David Emmerson und Elizabeth Hopper von meiner Wunschliste zukommen lassen (Danke <3 ) und ich habe angefangen es zu lesen. Es ist ein Yoga – Übungsbuch, aber auch ein “Traumafolgen neu- verstehen”- Buch für mich, die bis jetzt nichts mit Yoga zu tun hatte.
Ich bin jetzt bis zur ersten Übung gekommen.
Mit Luft anhalten und Erinnerungen daran, dass es nur ein Buch ist und nichts woran Bedingungen geknüpft sind.

So ist das nämlich: Dann liest man “hat schon vielen Tausenden geholfen” und denkt “und? Muss es dann jetzt deshalb auch mir helfen? So wie dieses für mich nur stressige Stressbewältigen mit den sicheren Gärten und dem leisen Schnarchen vom Mitpatienten 2 Meter weiter, offenbar ALLEN und IMMER geholfen hat?” und auch: “Oh G’tt- ich habe eine Wunderwaffe in der Hand? – ist alles andere doch schon immer sinnlos gewesen? Habe ich Zeit verschwendet….?” und dann sind sie alle wieder da: die Zweifel, die Abwertung und das Vergessen der Entwicklungsschritte.

In dieser ersten Übung geht es darum die Verbundenheit mit dem Boden, auf dem man sitzt, oder mit dem man über Bett/Stuhlgestell verbunden ist, wahrzunehmen und schließlich mit dieser Verbundenheit zu interagieren.

Frau Rosenblatt hatte an der Stelle einen winzigkleinen Erkenntnis – meltdown, um vor sich irgendwie zu verpacken, dass es sie ja gibt.
Ich habe nicht weitergemacht, weil ich mich nicht schon wieder selbst auf Vermeidungstänze konditionieren will, wie ich das mittels Dialektisch- Behavioraler- Therapie gemacht habe, sondern lieber vorher so große Impulse hinterfragen.
Sehr hilfreich war dabei, dass der Übungstext schon genau so formuliert war, dass darin Raum für: “Ob sie das machen oder nicht, ist okay” war, denn “okay” ist nahe genug an “egal” für mich an Stelle, um mich dann auch darauf zu beziehen und mich sowohl zu trauen, aber auch wieder rauszuziehen.

Es ist jetzt nicht so, dass ich bisher durch die Welt gegangen bin und dachte ich sei inexistent, aber in meiner Sicht auf mich gibt es schon blinde Flecke, die eben genau da anfangen, dass ich vor weiten Teilen des Lebens eher “in Wahrheit gar nicht da bin” als wirklich präsent und verbunden mit irgendwas oder irgendwem. Und wenn ich dann verbunden bin, dann hat es einen Zweck, der mit einer Dualität bzw. Mehrsamkeit zu tun hat. Das ist in der Therapie mit der Therapeutin, mit meinen Gemögten im Gespräch oder mit NakNak* in manchen Situationen.
Das ist vom Spannungsgrad her schon etwas Anderes. Das ist BÄNG ICH BIN DA WO IST DIE KATASTROPHE DIE JETZT GLEICH SOFORT UND GANZ SICHER PASSIERT? KEINE PANIK ICH HAB ALLES IM BLICK – Präsenz, die der Logik des “in Wahrheit gar nicht da seins” Futter gibt, denn wer nicht da ist, der hat auch nicht alles im Blick.

Ich habe mir überlegt, dass ich erst einmal bei dieser Eröffnungsübung bleibe, bis sich der Gedanke “Ich bin” üblich in dem Zusammenhang anfühlt. Also nicht “normal” oder so, dass sich meine Spannungskurve nach oben schiebt “aber ja noch händelbar ist“, sondern so, dass mir gleich mit bewusst bleibt, dass ich mich gerade in meinem Da – sein wahrnehme, weil ich mich drauf konzentriere und nicht, weil gerade Alarm ist.

Vielleicht heißt es deshalb auch “Yoga üben” und nicht “Yoga machen”.
Erst mal üben, dass die eigene Existenz auch ohne Not oder Alarm wahrnehmbar ist.

was “Objektivität” mit Opferfeindlichkeit zu tun hat oder: Wovon die “false memory syndrome foundation” lebt

“Auch Jennifer Freyd hat ein wichtiges Buch zu diesem Thema geschrieben. Sie ist die Tochter der Eltern, welche die False Memory Syndrome Foundation gegründet haben, eine international sehr mächtige pressure group von angeblich zu Unrecht des Missbrauchs bezichtigten Eltern. Jennifer Freyd hat ihre Eltern nie öffentlich angeklagt. Die Eltern sind in die Offensive gegangen und haben eine Stiftung ins Leben gerufen, die ausschließlich mutmaßliche Täter verteidigt und mit sehr viel Geld eine pseudo-objektive, tatsächlich aber opfer-diffamierende Öffentlichkeitskampange finanziert.”
[aus “Wege der Traumabehandlung” v. Michaela Huber]

Im Blog von Paula und Co gibts heute einen Artikel zur FMSF, den ich wichtig finde, weil er sich an HelferInnen* und UnterstützerInnen* richtet, die sich mit der Frage befassen, ob denn wahr sein kann, was sie von Menschen erfahren, die von Gewalt berichten.

Es gibt wenig klar umrissene Punkte über die sich so offen (salonfähig, gesellschaftlich (heimlich) akzeptiert) opferfeindlich geäußert werden kann, wie mit der Frage nach der Wahrheit der Ereignisse, die jemanden offiziell zum Opfer erklären, denn Wahrheit, ist etwas, das zu definieren sehr schwer ist. Vor allem, weil sie etwas anderes als Fakten ist.

Die meisten Menschen, mit denen ich mich über rituelle und sexualisierte Gewalt unterhalten habe und, die selbst nicht diese Erfahrungen machen mussten, dachten, sie fragten sich: “Ist das denn wahr?”.
Sie würden diese Ereignisgewalten als wahrhaft anerkennen, wenn sie sie selbst (mit)erfahren hätten, oder wenn diese Ereignisse reproduzierbar wie Umstände wäre, die Fakten hervorbringen. Es sich also um etwas wie das Phänomen handelte, das Wasser zu Eis verwandelt, wenn man es in den Froster stellt.
Letzteres ist noch eine sehr junge Art Wahrheit zu betrachten und findet ihre Ursprünge darin, dass Wissenschaftler(Innen* –  es waren erst einmal nur Männer, was mit dem Patriarchat  in dem wir Menschen im Westen leben (bis heute!) zu tun hat ) als Personen gelten, die Wahrheiten erforschen und Glauben(sinhalte) widerlegen bzw. berichtigen. Darauf könne man sich verlassen, denn Wissenschaft sei objektiv.

Nun ist es aber so, das nichts objektiv ist. Objektiviert, ja. Objektifiziert, ja. Aber so etwas wie “die Objektivität” gibt es nicht. Kann es gar nicht geben, weil jeder Mensch auch Subjekt seiner eigenen Wahrheit, Ergebnis seiner eigenen Sozialisierung und gesellschaftlicher, wie auch kultureller Konvention ist.
RichterInnen* sprechen kein Recht, weil sie die Wahrheit objektiv erfasst haben, sondern weil es Gesetze gibt, für das, was die unparteilich richtende Person aus dem, was ihm die klagenden Parteien schildern, gemäß der eigenen Lebensrealität und daraus folgend: seiner eigenen Wahrheit, zu rezeptionieren fähig ist. Gleiches gilt für AnwältInnen* und nicht juristische FürsprecherInnen*.

Wenn ich mit Menschen über die Schilderung von Gewalt anderer Menschen spreche, dann sage ich, dass es sich immer und in jedem Fall um die Wahrheit der Menschen handelt und frage nach, ob sich die Frage nach der Wahrheit bzw. der Wahrhaftigkeit auf Fakten bezieht, oder darauf, vor etwas zu stehen, das nicht mit der eigenen Wahrheit (die sich aus einer bestimmten Lebensrealität speist) in Verbindung zu bringen ist.
Meistens sagen die Menschen dann, dass es tatsächlich mehr darum geht, dass für so furchtbare Ereignisse absolut kein Anknüpfungspunkt in der eigenen Lebensrealität gesehen wird und es deshalb schwierig ist, die Wahrheit anderer Menschen anzuerkennen.
Ich habe aber auch schon mit Menschen gesprochen, die nichts von eigenen Wahrheiten halten. Was für diese Menschen zählt ist “Objektivität”, was in aller Regel Fakten in Form von Studien- und Untersuchungsergebnissen meint und ganz eigentlich sogar nur eine Sicht meint: die es gut situierten, weißen, heterosexuellen Cis-Mannes (mittleren Alters), auf dessen Blick auf die Welt, sämtliche westliche Forschung aufbaut und aus dessen Wahrheit heraus sich die Mähr der Objektivität überhaupt erst hat entwickeln können.
Irgendwann ist es einfach passiert: aus der weißen männlichen Subjektivität, die mittels Wissenschaft hinterfragt und/oder bewertet werden sollte, wurde urmännliche Objektivität, die fortan zur Wahrheit im Gewand des Faktes auftreten sollte.

Es gibt diesen einen global blinden (obwohl heute oftmals schon einmal angeleuchteten) Fleck in der Wissenschaft und zwar Gewalt bzw. Diskriminierungen
Je kleiner und unfähiger zur Bildung einer allgemein wahrnehmbaren Masse, die zu untersuchende Gruppe ist, desto wahrscheinlicher wird diese nicht in den Genuss kommen, ihre Lebensrealität und die daraus entstehenden eigenen Wahrheiten in Form von Fakten abgebildet zu sehen.
So entstehen zum Beispiel gerade im Bereich der rituellen Gewalt, die mit explizit antichristlicher Ideologie durchzogen ist, einerseits Anerkennungsdynamiken in unserem christlich kultivierten Land, gleichzeitig aber genau auch nur daraus resultierende Blindheit für zum Beispiel christlich fundamentalistisch motivierte rituelle Gewalt, oder die Rezeption dieser Art Gewalt, als ein Angriff auf “die Grundwerte” Deutschlands. Da geht es in der Argumentation dann sehr schnell darum zum Beispiel satanistischen Kulten eine antidemokratische Haltung zuzusprechen, auch wenn solche Kulte sich selbst vorgeblich als lediglich antichristlich wahrnehmen und (zu recht) aufgrund der “Trennung” von Kirche und Staat in unserer Demokratie™ als nicht an staatliche (demokratische) Werte gebunden.

Das gleiche Muster ist in Bezug auf sexualisierte Gewalt (an Frauen und Kindern) zu finden.
Einerseits wird anerkannt, dass es Vergewaltigungen und Verletzungen von Personen aufgrund ihres Genitals und das daran geknüpfte soziale Geschlecht gibt- andererseits gebietet es die Abwertung dieses sozialen Geschlechtes “Frau” und der Adultismus, der sich auf Personen unter 14 ergießt, diese Verletzungen nicht selbst beurteilen zu können.
Die Definitionsmacht liegt in Bezug auf Personen, die als Frauen angesprochen werden darauf, das eine der Objektivität (und eben nicht dieser hysterischen Subjektivität) verpflichteten Person (am besten (cis-)männlich, mit Macht und Würde) diese physischen (genitalen) Verletzungen (etwas anderes zählt nicht, weil Psyche individuell und ergo nie mit 100%iger Sicherheit in objektive (wahrhaftige) Kategorien pressbar ist) als existent und ergo geschehen und ergo wahr markiert.
Bei Kindern ist es tendenziell jede Person, die erwachsen ist oder als erwachsen gelesen wird.

Gruppierungen wie die false memory syndrome foundation machen sich genau diese Diskriminierungsdynamiken zu eigen. Und zwar zum Einen, weil sie es (aus Gründen) wollen und zum Anderen, weil sie es können und zwar mit wenig Aufwand und unter Einbeziehung der gesamten westlichen Kultur, die die Wissenschaft als (einzigen) Wahrheitsträger, Wahrheitsfinder und Wahrheitsdefinierer anerkannt hat.
Interessenvertretungen wie die FMSF bilden keine pressure groups, weil sie basierend auf Fakten eine große Gruppe von Personen, die zu Unrecht angeklagt/ angezeigt werden darstellen [vgl. hierzu die polizeiliche Untersuchungskommission von New York, 1974 und die Untersuchungen zu Falschanzeigen von Vergewaltigungen in Deutschland von Volk, Hilgarth und Kolter 1979, die zu dem Schluss kommen, dass nur 2% falsche Anzeigen waren – ergo 98% aller Meldungen Anzeigen sexualisierter Gewalt tatsächlicher Taten sind], sondern, weil sie es schaffen die anzeigende Person nicht offen eine/n/* LügnerIn* zu nennen.

Das false memory syndrome wurde genau dazu erfunden, die Glaubwürdigkeit von Personen, die durch ihr soziales Geschlecht und/ oder ihre gesellschaftliche Position in ebendieser bereits als abhängig von der Definitionsmacht überlegener Personen stehen, herabsetzend darzustellen und zwar über das Mittel der Pathologisierung und/oder dem sehr wirksamen Mittel der Deutung und Bewertung der Kontexte, in denen sich diese abhängigen Personen befinden.
So wird vertreten, das Psychotherapie Misshandlungsideen kreiere und die PatientInnen zu krank/so kognitiv dissonant/ zu ungebildet/ zu verwirrt sind, diese vom eigenen Erleben (und ergo Erinnern) zu trennen oder zu (emotional) abhängig von ihren BehandlerInnen sind, um diese Ideen eben nicht offen von eigenem Erleben (und Erinnern) abzugrenzen.
Ich komme nicht umhin einen Puls durchs Dach und einmal um den Erdball kreisend zu haben, ob dieser Unverschämheit, sich über die Wahrnehmung (und das subjektive Selbst) von Personen zu stellen, die sich in psychotherapeutische Behandlung begeben, und dem Implizit, dass PsychotherapeutInnen sich gezielt, um anderen Menschen (die sie nicht einmal kennen oder von deren Leiden sie selbst in irgendeiner Form profitieren, außer in ihrer Fantasie- was aber auch ohne den Aufwand der PatientInnenmisshandlung funktionieren würde) zu schaden, die Mühe machen, ihren PatientInnen irgendwas einzureden.

Ich vertrete die steile These, dass Menschen, die tatsächlich zu krank/so kognitiv dissonant/zu verwirrt/zu ungebildet sind, um fremde Ideen nicht von sich selbst zu trennen sind, ebenfalls nicht in der Lage sind, das Unrecht an sich zu erkennen, eine juristische Vertretung für sich zu finden, Tathergänge zu schildern, Beweise zu liefern, Anzeigevernehmungen und Klageverfahren durchzustehen. Nicht alleine. Nicht ohne, dass noch eine unbeteiligte Person noch mal und noch mal auf die Beziehung in der Psychotherapie zu schauen wagt.
Vor allem an dieser Stelle zeigt sich die unterschiedliche Wahrnehmung von Vorgängen rund um Lebensrealitäten von diskriminierten Personen, die zu Opfern von Gewalt wurden.

Was für ein einfaches Leben muss jemand haben- wie viele Erfahrungen von “ich sage etwas- dann passiert auch etwas und in aller Regel genau das, was ich will”, eine Person gemacht haben muss, um zu dem Schluss zu kommen: “Es muss nur einziges Mal jemand sagen: “Ich wurde von XY misshandelt” und zack landet XY im Knast (und es hat genau die Auswirkungen, die dieses jemand wollte)” , kann ich mir nur aus der Ferne überlegen.

Einige Kritik an der FMSF wird meiner Ansicht nach auch fehladressiert.
Es ist natürlich zu kritisieren, dass diese Gruppe propagiert, Erinnerungen könnten produziert werden und es gäbe nicht so viele Fälle von sexualisierter Gewalt, wie immer und überall geschildert – andererseits gibt es auch für das öffentliche Bild keinerlei Entsprechung für das Gegenteil. Und es ist nun einmal das öffentliche Bild, welches die Subjekte produziert, die dann “objektiv” richten/werten sollen.

Natürlich taucht mit schöner Regelmäßigkeit eine Studie auf, die uns Alarme schlagen lässt. Selbstverständlich gibt es inzwischen neurophysiologische Belege für die Phänomene um Dissoziation, PTBS und komplexe wie chronische Traumatisierungen, aber welchen Effekt haben diese blitzblank objektivierten Ergebnisse auf die Lebensrealität der Menschen im Alltag?

Wenn ich mich als Opfer von Gewalt mit meiner Expertise als Opfer von Gewalt in Fachkreise einbringen will, gilt diese Expertise nicht. “Zu individuell” heißt es dann. “Wollen wir nicht, brauchen wir nicht. Nicht wissenschaftlich genug”.  Meine Gespräche mit HelferInnen*, JuristInnen*, RichterInnen*, BeraterInnen* und anderen Betroffenen gelten nicht etwa als fachliche Korrespondenz oder gar als Beratung.
Weil ich keine “objektive” Sicht habe, gilt sie nicht.
Sie gilt nur als Opferwahrheit und wird damit mehr oder weniger bewusst, abgewertet.

Als objektiv gilt, wer die Macht hat, seine subjektive Wahrnehmung um ein Objekt, als objektiv zu bezeichnen.

Deshalb ist auch der Anspruch an Menschen, die von anderen Menschen als FürsprecherInnen* oder BegleiterInnen* gewählt wurden, objektiv zu sein so falsch.
Dieser Anspruch zwingt MedizinerInnen*, JuristInnen*, (Psycho-) TherapeutInnen*, BeraterInnen*, Hebammen und überhaupt alle Menschen, die andere Menschen begleiten, in eine Position,in  der sie selbst unter Umständen, Menschen beistehen müssen, die sie aber selbst verachten, ablehnen, abwerten und von ihren zu Begleitenden nicht als verachtend, ablehnend, abwertend handelnd markieren können.

Objektivität ist also auch ein Wegbereiter in das silencing – ins Wort- und Stimmlos machen von Personen, die sich an Personen wenden, um durch ihre Stimme gehört zu werden, weil es die Abhängigkeit der Personen voneinander zementiert und immer wieder zu einem Schauspiel um (Definitions)Macht führt.

Personen, die Gruppen wie die FMSF unterstützen, begründen ihr Engagement damit, dass sie wollen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dass niemand zu Unrecht einer Strafe zu geführt wird.
Das ist toll und etwas, was unser Rechtssystem und auch unsere Gesellschaft wünscht und ergo unterstützt. Zum Beispiel in dem man “False Memory Deutschland” eine Gemeinnützigkeit anerkennt, weil diese keine StraftäterInnen* unterstützt und/oder schützt.

Dass sie dieses aber auf dem Rücken von tausenden Personen, die es aufgrund der von dieser Gruppe verbreiteten Falschinformationen und Ausnutzung bestehender Diskriminierungsstrukturen, nie und nimmer nicht überhaupt jemals auch nur in die Nähe von Sichtbarkeit und Anerkennung ihrer Lebensrealität als zu Opfer von Gewalt gewordenen Menschen schaffen, ist verabscheuungswürdig und ein Skandal, wie er nur in Kulturen passieren kann, denen eben jene Lebensrealitäten mitsamt der damit einhergehenden Subjektivität wertlos sind.

Perspektive 5

SadistInnen* arbeiten mit Sichtbarkeit. Sie sind sehr gute BeobachterInnen* und haben ein Gespür für die Art, wie Menschen funktionieren. Wie ihre Opfer funktionieren. Wie, was und wann ihre Opfer fühlen, sehen, hören, bewusst und sicher wahrnehmen.
Man kann vor ihnen keine Geheimnisse, keine Privatheit, keinen Alleinbesitz haben. Kein Alleinbesitz sein. Manche machen einen zu ihrem Besitz und manche zu sich selbst.
In jedem Fall ist die Person nicht sie selbst. Sie kann gar nicht sie selbst sein, denn die sadistische Person bestimmt und reguliert alles Fühlen, Denken, Werten, Sein. Wie man es mit Puppen tut.

Der sadistische Mensch spielt mit den Reizen, die unwillkürlich sind, um (Lust)Befriedigung zu empfinden und im Kern seines Opfers sitzt etwas und spielt das “Kuckuck- Spiel”.
Eine Demütigung für SadistInnen* muss es sein, wenn ihre Opfer bewusst klar bekommen, dass sie für diese Menschen mehr Symbol als irgendetwas anderes sind. Wenn ihnen die Differenz zwischen dem, was die SadistInnen* sehen (wollen/müssen) und dem, was für sie aber eigentlich nur sichtbar sein kann, bewusst wird.

Wenn man Hunger hat, findet man Dinge, die man sich in den Mund stecken kann.
Irgendwann.
Aber egal, wie man sich bemüht, das zu verstecken, zu verschleiern…
“Es wird gesehen, wenn man keinen Hunger mehr hat.”,
sie macht sich hart, ohne Bedürfnis, ohne Sprache und hält die Hände vor das zugeschwollene Gesicht.

Kuckuck – Wo ist der Kern, der zu zerstören versucht wird?

Daaaaa ist er!
Weit hinter dem, was überhaupt versichtbart werden kann. Egal, wie weit gespreizt, gebohrt, gerissen, gefetzt, zur Anpassung gezwungen wird. Egal, wie sehr der Linsenfokus brennt. Egal, wie vernichtend Wertung, Demütigung und Sinngebung wirkt.
Dieser klitzekleine Kern spielt nicht für die sadistische Person das “Kuckuck-Spiel”, sondern allein für und vor sich selbst. Um sich zu schützen, sich zu bewahren, ohne es bewusst zu spüren oder zu wissen.

Ich glaube, ich verstehe, warum wir vorsichtshalber lieber kaum etwas sehen [die dissoziative Blindheit], unbeeinflusst hören [der Tinnitus] oder sicher wahrnehmen und bewegen [die Schwindelattacken], noch unkommentiert bewerten [das Rauschen der BÄMs].

Könnte ja sein, jemand sieht das.

Ende

Perspektive 4

“Wieso spreche ich hier?”. Sie hatte sich vorgenommen, sich jedes Mal diese Frage zu stellen, wenn sie irgendwann mal – in “einer Zillion Jahren” – eventuell vielleicht – die Gelegenheit dazu bekäme.

Es ist sinnlos sinnlos sinnlos
BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM

“Weil es Menschen verletzend ist.”

Unreehehehehehehehehehehecht
BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM

“Weil sonst niemand drüber redet.”

Und dass das so ist, sagt dir nichts du
BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM

“Weil es etwas verändern helfen könnte”

Das hier zu ändern, ist
BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM

“Weil ich Glück hatte. Weil die Menschen mich nicht kennen und keine Ahnung von mir haben und lieber im Nachhinein bereuen, als Angst vor ’nem Griff ins Klo zu haben”

Du bist so eine
BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM

ES IST SINNLOS
ALLES WAS DU TUST IST SINNLOS

ES HAT KEINEN WERT
ES GEHÖRT NICHT ZU DIR

ES HAT NICHTS MIT DIR ZU TUN
DU GEHÖRST NICHT DAZU

BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM BÄM

“Ich will nicht, dass die Sprache, das Leiden, die Gewalt so bleibt, wie sie ist. Für die, die es betrifft. Wir müssen nicht sie sein und hier hergehören, um Dinge verändern wollen zu dürfen.”

Und was es bringt siehst du … exaaaaakt….
jetzt

Nachrichtenportal
Fernsehen
Zeitung
Interviews
Expertentalk
Verbündetensprech

das riesige Loch
wo mal Solidarität mit ihr war
bevor sie mit allen anderen solidarisch wurde

Dort, wo sie sich sicher fühlt, gibt es kein Licht. Keine Notwendigkeit für Augen.
Um zu tun, was sie zu tun für wichtig hält, muss sie nichts und niemandem ins Gesicht schauen.
Sie spricht mit der Menschheit, dem Kontext.

Gewalt leben, Gewalt spielen – eine Notiz

Mein letzter Spielzug und es hat nix genutzt. “Mau, jetzt hab ich kein Leben mehr”.
Ich meine die 5 Freiversuche ein Level Candy Crush Saga zu spielen, doch ich sage: “Ich habe kein Leben mehr.”. Was das in meinem Gehirn macht, weiß ich nicht, aber vermutlich ist die Botschaft nun, ohne einen weiteren Versuch gegen blöde Schokolade, nervige Wirbeltornados und Bomben, die mein Spiel begrenzen, kein Leben mehr zu haben.

Um die Botschaften, die mit dem Spielen von Computerspielen (und anderen Medien) einher gehen, drehen sich auch die Videos der  YouTuberin Anita Sarkeesian, die Anfang der Woche den zweiten Teil ihrer Analyse zu weiblichen Spielcharakteren als nicht spielbare Sexobjekte veröffentlichte und dabei auf die Funktion von Gewalt (an Frauen) in Videospielen einging. Die Reaktion auf den Film war ein Shitstorm, widerliche Twitternachrichten, Stalking, Bedrohung ihrer Person und ihrer Familie. Die Medien berichteten und in meiner Twittertimeline gibt es hier und da Diskussionen zum Thema.

Ich weiß nicht mehr, ob es die Morde von Littleton, Winnenden oder Erfurt waren- wann haben wir gelernt, dass Marilyn Manson, gewalttätige Computerspiele und “dieses Internet” schuld an den Gewalttaten der Jugendlichen ist?
Nun, nach #Outcry, #Aufschrei und #YesAllWomen erscheint es mir sehr logisch in der Argumentation eine Verbindung in Sexismus als Norm (in dem Kontext unserer westlichen Kultur) und zwischenmenschlicher physisch destruktiver Gewalt in Spielen jeder Art aufzuzeigen. Die Schlüsse, die gezogen werden, sind, für meinen Kopf jedenfalls, aber schief.

Ich glaube, dass wir Spiele mit diesen Elementen haben, weil wir in einer Gesellschaft leben, in der es diese Elemente gibt. Nicht anders herum.
Beinahe jeder Film, jede Serie und allgemein hauptsächlich visuelle Medien enthalten sexistische Machthierarchien und legitimieren so degradierende Verhaltensweisen der AkteuerInnen*. “Der verhält sich so, weil er in der Serie diese und jene Rolle hat” – das ist ein Satz aus dem Frontallappen. Kühl durchdacht, im bestehenden Kontext abgewägt- alles erscheint legitim und logisch.
Warum sollte es bei Computerspielen anders sein?
ForscherInnen* der Uni Bremen haben an einer winzigen Gruppe Versuchspersonen (männliche* Versuchspersonen- und ja, das ist relevant) herausgefunden, dass Computerspiele und ihre Inhalte tatsächlich woanders verarbeitet werden, als Inhalte von Gewalt aus anderen Kontexten*.

Das Gefühl, dass das Eine (Gewalt im Spiel = Frontallappen) mit dem Anderen (Gewalt als Ereignis außerhalb des Spiels = limbisches System “Alarmteil des Gehirns”) überhaupt nichts zu tun hat, ist also nachvollziehbar.
Aber: Sie haben nur bewiesen, dass es einen Unterschied gibt – nicht den größeren Rahmen gespannt*.

Wie ging es den Versuchspersonen, die männlich sozialisiert wurden, männlich privilegiert sind und entsprechend spezifische Verarbeitungsmöglichkeiten der dargebotenen Gewaltszenen haben, nach dem Versuch?
Was war das Erste, was sie danach getan haben? Wie kurz oder lang nach der Präsentation haben die Versuchspersonen Aktivitäten, wie Sport, wohltuende (nah, warm, freundschaftlich, liebevoll) soziale Interaktionen und auch Computerspiele zu spielen, aufgenommen und welchen Effekt hatten diese Handlungen auf sie?

Diese ForscherInnen* haben auf ihren Monitoren gesehen, dass die Gehirne ihrer Versuchspersonen weit entfernt von cooler Überlegung waren, als sie Gewalt ohne Spielkontext aufnahmen. Häkchen dran und fertig. Mehr wollte man offenbar nicht wissen.

War eine der Versuchspersonen zufällig jemand, der animieren kann? Jemand, der mal ein Computerspiel entwickeln könnte?
Wie groß waren der Hippocampus der Versuchspersonen jeweils? Gab es Hinweise auf Atrophie in der Region (das gilt derzeit als Hinweis auf (Beweis für) Verarbeitungsstörungen durch wiederholte Überreizung = Traumatisierung)?
Wer von den Personen hatte Gewalterfahrungen (von Gewalt als Ereignis, wie zum Beispiel Misshandlung an sich oder Zeugenschaft von Misshandlung anderer Personen) in der Vorgeschichte oder hat einen wenig bis gar nicht anerkannten Job/ eine Beziehung in der die Person erniedrigt wird?

Meine Ressourcen reichen leider nicht soweit, dass ich mit Quellen, die jünger als der Spruch von Pierre Janet “Wer sein Trauma nicht verarbeitet hat, muss es reinszenieren” argumentieren kann, aber ich glaube auch nicht, dass es von der Hand zu weisen ist als Option.
Wer permanent von Sexismus umgeben ist; wer permanent (oder: ein paar Mal extrem und langfristig überfordernd (traumatisierend) ) von der Erniedrigung, Degradierung, Ermordung, Reduktion auf Biologie und Sexualität von Personen umgeben ist, der lebt nicht in einem Umfeld, in dem es okay ist, sich selbst (sicher bzw. ohne Verluste auf irgendeiner Ebene) als darunter leidend, daran verletzt, davon berührt zu markieren.
Der entwickelt Gedanken und Phantasien, den grundlegenden Wunsch nach Möglichkeiten, selbst solche Situationen in irgendeiner Form kontrollieren, beeinflussen, beherrschen zu können. Der erfindet vielleicht Computerspiele, vielleicht Romane, vielleicht einfach nur einen Klumpen im Kopf an dem sein Wunsch nach Kontrolle erfüllt wird. Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht konsumiert er einfach Filme, Romane und auch Computerspiele, die irgendwie “kicken”. Die irgendwie reizen, auch, weil Kontrolle da ist, obwohl es auch dort unter anderem die Situation geben kann: “Du wurdest gerade erschossen- du hast kein Leben mehr.”.
Aber- weil es ein Kaufspiel ist, eine Konsole, die den ganzen Tag laufen kann, es immer wieder eine neue Chance gibt, alles hinzukriegen.

Ich glaube nicht, dass man solche Gedanken und Fantasien bewusst haben muss, um solche Spiele zu mögen oder zu spielen. Aber ich glaube, dass sich ein Großteil unserer Gesellschaft in permanenter Unterdrückung, (subjektiv wahrgenommener) Ausbeutung und überhaupt alle Teile der Gesellschaft in Gewaltkontexten befinden und die Spiele in dieser Form einfach ein Symptom sind. Ein Verarbeitungsversuch, eine Reinszenierung- der Versuch real (und evtl. bedrohlich Wahrgenommenes) zu abstrahieren, der zumindest auf Neuroebene ja sogar gelingt.

Die Mechanismen dahinter sind aber nicht gelöst. Die Ursache ist nicht weg und wird über die Verfügbarkeit und Präsenz der Spiele vielleicht auch noch gefördert, weil sie zum Teil der Norm werden bzw. als zugehörig betrachtet werden.
So wird aus dem Werkzeug “Spiel”, ein Wertetransporteur, der die Gewalt in der Gesellschaft legitimierend erscheinen lässt, was dazu führt, dass sie nicht mehr hinterfragt werden dürfen.

Auch nicht in einem YouTubeVideo.

Und genau das ist das Problem, dem sich über diese derzeit passierende Debatte schon wieder zu entziehen versucht wird.

 

 

[*Also: nein- sie haben nicht herausgefunden, dass Killerspiele nicht aggressiv machen, wie in manchen Artikeln darüber steht- sondern sie haben herausgefunden, wie das Gehirn auf in Spiele eingebettete Gewalt reagiert- das ist nicht nur ein anderes Paar Schuhe, das ist ein anderer Kleiderschrank!]
[* Ich konnte nicht die gesamte Studie finden, deshalb bitte meine Fragen dazu einfach nur als Fragen betrachten und nicht als „das haben sie gar nicht bedacht!“- Ansage]

da ist was

Ich stand in der Praxis meiner Gynäkologin und sagte ihr: “Es kann auch sein, dass meine Beschwerden für mich größer sind, als es das, was ich letztlich habe, in der Regel so verursacht.”. Sie lächelte mich an und sagte: “Ja, aber Sie haben ja was. Das ist ja alles so entzündet, dass ich mich frage, wie sie damit überhaupt zurecht kommen.”.

Schwierige Ansage. Obwohl- Psychosomatik geht immer mit schwierigen Ansagen einher. Zumindest wenn ich mit MedizinerInnen* zu tun habe. Das Eine ist: “Es kann gar keine Psychosomatik sein, weil sie ja da was haben.” , das Nächste ist: “Es ist so schlimm, dass ich mich frag, wie sie zurecht kommen” und das Dritte ist: “Ja, aber…”.

Ich war mit meinen Unterleibsschmerzen in der Praxis, weil ich mir selbst nicht mehr helfen konnte.
Wenn es einen Ort gibt, den ich auf mehr als der Ebene “Medizin = Körper = uääää” verabscheue, dann die gynäkologische Praxis, meiner netten freundlichen Ärztin*. Nirgendwo sonst befeuern sich meine erarbeitete Sexpositivität, mein eingebrannter Selbst- und Körperhass, mein Genderdurcheinander und meine Angst zu sterben so heftig, wie da. Wenn ich dort hingehe, dann erwähne ich meine Psyche nach Möglichkeit nicht, weil es eben auch keinen anderen Ort gibt, an dem sexuelle Misshandlung, Verstümmelung und ihre Folgen so zweischneidig präsent ist.
Wenn Menschen einen Ort suchen, an dem Vergewaltigungskultur pulsiert, dann finden wir ihn auf jeden Fall in der Gynäkologie.

Niemand sagt: „sexuelle Misshandlungen gibt es nicht“ – doch wenn jemand sagt: “Ich habe diese und jene Folgen von sexueller Misshandlung (zum Beispiel ein Schmerzempfinden zwischen Level 1 Zillion und 0 in einem Zeitraum von Minuten)”, dann kollidiert dies nachwievor mit dem “Medikus- Ja, aber…”

Meine persönliche Diagnose ist: Ich habe Anfang Mai eine der krassesten (Bindungs-) Retraumatisierungen der letzten zwei Jahre erlebt; meine engste Gemögte ist weggezogen; eine Fastgemögte wollte nach einem Konflikt keinen Kontakt mehr mit uns; ich hab mich aus der Selbsthilfeforenszene rausgezogen, nachdem ich vor einem dauerschwehlenden Konflikt nur noch ohnmächtig war und mein Innenleben und ich stecken in für uns großen Projekten mit unüberschaubaren Auswirkungen auf unser Leben. _Selbstverständlich_ streckt mein Immunsystem die Waffen und kann trotzdem nicht überall sein. Ich bin einfach nur noch müde, bewege mich kaum und meine Hauptmahlzeiten sind, wenn mans runterbricht, Fett und Zucker. Ich fange morgens um 9/ 10 Uhr an zu arbeiten ™ und höre irgendwann um Mitternacht damit auf.
Wenn ich eine Infektion wäre, ich würde mir auch einen Partyhut aufsetzen und mir den schwächsten immer irgendwie schwierigen Punkt in diesem Körper aussuchen.

Ich habe jetzt Antimykotika und Bakterienkiller geschluckt, Kortisonsalbe und Ringelblumenöl verwendet- der Schmerz ist aber noch da. Jetzt bin ich an dem Behandlungspunkt, an dem ich mir wünschen würde, unser Gesundheitssystem hätte so etwas wie eine etablierte Doppelbehandlungskiste. Gerade wegen Wartezeiten und Wochenenden.
Weil ich nun auf Laborergebnisse warten musste, um zu wissen, was die Symptome auslöst, fing ich an, mir die Sorgen, die ich sonst schön bei der Ärztin gelassen habe, anzuschauen. Ich dachte an Bakterien, die ich mir vor Jahren in Misshandlungskontexten eingefangen haben könnte und die in der Folge mit 5 partybehüteten Köpfen in meinem Uterus herumhüpfen. Ich dachte an Krebs und Zysten, an AIDS, weil ich keine anderen Krankheiten kenne, die “Immunsystemschwäche” bedeuten. Ich dachte an all die Geschlechtskrankheiten, die ich eventuell gehabt haben könnte und erinnere mich nicht, ob ich wirklich immer alles ordentlich behandelt habe. Und wo ich gerade schon an meinen Unterleib dachte, dachte ich an alles, was dort jemals passiert ist (und/oder passiert sein könnte) und mochte mich am Ende unter 30 Decken einrollen und darauf warten, dass einfach alles sofort zu Ende ist.
Genau für solche Zeiträume, hätte ich gerne eine Mischung aus meiner Therapeutin und meiner Gynäkologin. Jemand, der sich mit meiner Geschichte und meinem Körpermist auskennt; mich aus den 30 Decken rauspult und mir die Angst abbauen hilft.

Ich weiß, dass ich Schmerzen vor Angst vor dem Schmerz haben kann. Dafür lebe ich einfach auch schon lange genug mit Angst vor der Angst und der Panik, die immer dann kommt, wenn die Angst mal nicht zuverlässig kommt.

Bei Psychosomatik geht es nicht darum, ob “da etwas ist” oder nicht. Es geht (zumindest mir) nicht darum, getröstet und geflauscht zu werden, weil ich etwas “habe”.
Meine Somatik sind Schmerzen. Immer und immer wieder sind es Schmerzen, die weder in Muskeln noch Knochen, noch Sehnen noch Organen sitzen, sondern genau in dem Stoff, den es angeblich nicht gibt. Aristoteles nannte es “Äther”. Im Buddhismus ist es als “Akasha” bekannt. Ich weiß heute, dass ich damit eigentlich schon genau benenne, was mir weh tut, wenn ich psychosomatischen Schmerz benenne: mein Bewusstsein für (oder/und Erinnern an?) einen Schmerz, der mich an die Grenze meines Bewusstseins brachte und mehr als einmal drüber schubste.

Es wird gerne gedacht, man könnte Psychosomatik mit dem Placebo-Effekt behandeln, weil man vergisst, dass der Placebo- Effekt lediglich den Beweis für die Macht des Bewusstseins über körperliche Empfindungen darstellt. Bei der Manifestation von psychischen Konflikten und Wunden, an der Physis von Menschen, handelt es sich nicht um “nichts”, das bewiesen werden sollte. Es ist selbst ein Beweis dafür, dass dort etwas ist.
Ich muss nicht anfangen zu denken: “Es ist jetzt alles okay.” Ich muss das fühlen können und genau das tue ich nicht.

Dass ich jetzt auch noch “wirklich was hab” ist mir dabei irgendwie so ein richtig schöner Knüppel vor den Füßen. Einerseits fühle ich ganz genau, dass mein Immunsystem damit total gut auch ohne die Ärztin und ihre Behandlung klarkommen könnte – andererseits merke ich, dass ein Großteil meiner Abwehrkraft in Richtung “Seelenschutz” geht.
So große Konflikte, wie den im Mai, habe ich sonst immer mit meiner Wut kompensiert- ich hab mich stark gefühlt- aktiv. Nach dem großen Autsch, kam immer ein Anlauf, in den ich mich reingewütet hab und die Explosion hatte in aller Regel eine Klärungslawine in Gang gesetzt. Tja.
Und dieses Jahr hab ich Therapiefortschritte gemacht. Hab genickt als meine Therapeutin sagte, meine Wut würde nichts bringen. Hab geschwiegen auf jedes “Geh weg” und habe einfach gar nichts mehr an den Stellen berührt. Nichts ist passiert. Nichts ist geklärt.

Es ist nichts gut geworden. Dann brauche ich auch nicht anfangen mich noch obendrauf zu belügen und mir zu sagen, ich müsse nur wollen, dass es mir besser geht, dann ginge es mir auch besser. Es ist einfach nichts okay. Ich hatte schon was, bevor meine Ärztin oder meine Therapeutin oder meine Gemögten und Bekannten mir angesehen haben, dass ich was hab.

Jetzt ist es alles gleichzeitig und wo ich anfangen soll, weiß ich selber nicht.
Ich weiß inzwischen: medizinisch bin ich gesund zu kriegen- das Gewebe muss nur aufgebaut werden.

 

Und der Rest…?
Ich halte mich an meinen Projekten fest und hoffe, dass die Schwindel- und Schwächegefühle nachlassen.
Nachher gehe ich mit dem Hund raus. Zähle nochmal nach, wie viele Tage die Therapeutin Urlaub hat.
Ich (fr)esse. Ich arbeite ™. Ich bin.

Ich hätte auch was, wenn die ganze Welt mir sagte, da wäre nichts.

 

Es ist einfach gar nichts okay.
Nichts ist mehr okay, wenns weh tut.

Scheiße, die sind nett zu mir!

oder: “Wie viel Dissens verträgt der Konsens?”

Dass “Freiwilligkeit” kein Synonym für “Konsens” ist, ist für mich Fakt, weil ich persönlich das Konzept des freien Willens ablehne. Freiheit gibt es nur dort, wo nichts ist (Abwesenheit von Machtdynamik und damit Machtungleichgewicht = Abwesenheit von Gewalt = alle und alles ist gleich (ohn/mächtig) – wir* aber leben in einem Land, dass von mindestens Staatsgewalt dominiert und normiert ist, welche wiederum patriarchaler (Norm)Gewalt entsprungen ist. Also keineswegs in einem gewalt(en)freien Raum.

So bedeutet Konsens für mich ein Konzept, das bestehende Machten (Gewalten) anerkennt und eine beider/allerseits gleich be/er/entmachtende Positionierung ermöglicht und damit arbeitet.
Die Grundlage für Konsens ist neben Anerkennung von Unter- und Überlegenheiten, auch das Anerkennen, das Unter- wie Überlegenheit mit spezifischen Anpassungs- und Reaktionsmustern, Habitus, körperlichen, kognitiven und psychischen Befähigungen (aber auch ihrem Fehlen) und einem individuellem (Un-) Bewusstsein für eigene Präferenzen einhergeht.

Mein Tweet “Ich bin aufgewacht und der erste Mensch, der mich anschaut, lächelt. Vielleicht schlaf ich noch? <3”, ist für mich entsprechend sehr groß, da er mir selbst viel reflektiert:

– ich habe es geschafft unter Menschen zu schlafen
– ich habe es ausgehalten, dass mich ein Mensch anschaut, so dass ich merken konnte, dass er mich anlächelt
– ich konnte mir bewusst werden, dass sich das für mich angenehm und unwirklich neu anfühlte

Doch was stelle ich mit dieser Erkenntnis an?
Es ist das Eine zu spüren, das Freundlichkeit wenig mehr, als den Wunsch nach Harmonie und das Privileg der Gemeinschaft, die in Harmonie miteinander sein möchte, braucht, das Andere ist, in sich selbst genau das als neue Option, neue und fremde Interaktionsgrundlage zu empfinden.

Als ich die erste Nacht in der Hütte lag und versuchte meinen Körper auszuruhen, erkannte ich, dass ich den Trigger unterschätzt hatte, den es für mich bedeutet, wenn sich Nachts die Tür zu dem Raum öffnet, in dem ich schlafe.
Mein Denken und Fühlen passte sich an, schrumpfte, wurde weich, waberte wie Morgennebel ganz dicht neben meinem Gesicht.

Um mich herum wuselte es sachte. Einzelnes Lachen, gedämpfte Stimmen und das Rauschen des Waldes rahmten den Campkontext ein und allein mein Erinnern bildete für sich einen Dissens in all dem.
Diese Scheiße gehört in der Form nicht in eine Gruppe in der Diskriminierungen und andere Gewalten benannt und beendet werden wollen. Dieser rostige Nagel, den mir mein Kopf immer wieder neu in meine eiternden Wunden reintreibt, passt einfach nicht. Für mich. Als Fakt.

Mir wurde einmal mehr bewusst, wie viel von der Gewalt, die ich er- mit- ge- lebt habe, in mir selbst verankert ist und nicht durch den Konsens einer Ablehnung oder den Wunsch zur Veränderung verschwindet.
Auch in meinem Workshop wurde es kurz zum Thema, als ich sagte, dass man ein Trauma- ich möchte es ab sofort lieber “eine Erfahrungsverwundung” nennen – nicht “überwinden” kann. Wunden, Verletzungen, Schmerzen, die über physische Versehrungen hinausgehen, sind nichts, was man Kraft seiner geistigen Entscheidung oder Haltung allein “hinter sich lassen“ kann.
Wunden sind Löcher, Täler, die man durchschreiten oder mühsam umgehen muss.
So erlebe ich das jedenfalls. Was man überwinden kann – wo die Berge und Huckel zum überwinden und beklettern sind- sind meiner Meinung nach die Art Ängste, die erneute Ängste vor Verletzung, Ausbeutung und Verrat anhäufen.

Ich kann nicht in Gruppen sein, in denen meine Position heißt “Mach mal einfach- das wird schon alles passend sein.”. Gesagt mit Lächeln, ist es der Overload.
Dann muss ich sowas denken wie: “Vielleicht schlaf ich noch? <3”. Als Übersprungshandlung, weil Overload. Wohin mit all meiner Okayheit? Wie lange gilt mein Okaysein, als okay? Wie viel Nichtokaysein von mir wird geflissentlich übersprungen, kompensiert oder hobelt sich im Lauf der Zeit zu einem Huckel im Okaysein ab? Woran werde ich merken, wenn ich nicht mehr okay bin und mein Verhalten allen Konsens auf die Grundfesten reduziert und zu Gunsten einer Wunschvorstellung zwangsweise immer wieder neu belebt wird, wenn nicht durch Gewalt? Das ist doch woran ich immer und überall all mein Nichtokaysein merke! Absolut verlässlich und auf allen Ebenen.

Ich hätte es nicht ausgehalten, dort zu sein, wenn ich nicht den Workshop/Vortrag gemacht hätte. Ich brauchte meine innere Positionierung innerhalb einer Verwertungsgewaltendynamik (die nur vor mir selbst und einem nicht vorhandenen äußeren Beobachter von Belang und Bestand war!) um mir das Mehrsamsein in dieser großartigen neuen Form erlauben zu können.
Ich hätte nicht den Mut gehabt, nicht die innere Erlaubnis der Annahme zu vertrauen, dass sich jede/r* gut und hilfreich für die Gemeinschaft einbringen kann. Der Mut zur Überprüfung wäre nicht da gewesen.

Wieviel meiner Gewalt(en)sozialisierung ist umlernbar umerfahrbar überschreibbar durch Erfahrungen in konsensualen Miteinanders?
Ich reproduziere doch für mich selbst Gewalten bzw. Machtungleichgewichte, um mir diese Erfahrungen zu erlauben- sind sie dann noch purer Konsens oder eher das, was von meinem Eitersumpf übrig bleibt?

wie ich einmal begriff, dass ich auch ein Körper bin

orchideeSeit 7 Jahren liefere ich mir Gefechte mit der Sprache, Worten und dem Schweigen.
Ich schweige viel, weil ich es muss, weil ich es soll und aber auch, weil mir gründlich und oft die Sprache verschlagen wurde.

Das Bloggen, das freie Schreiben allgemein, war und ist für mich die krasseste Aneignung meiner Macht und Freiheit als Überlebende von sexualisierter Gewalt, als Sinn- und Bestimmungssuchende, als Frau, als Liebende, als sinnlich lebendiges Wesen. Mir ist es wichtig mich ausdrücken zu können und dafür verwende ich natürlich auch noch andere Kanäle, wie die Kunst zum Beispiel.
Doch das Wort… – am Anfang von Allem war das Wort.

Was nicht benannt ist, existiert nur als Geist, als Idee, als Hauch, als Atem, als Odem. Es ist da, doch nicht als Objekt.
Was nie Objekt ist, kann auch nicht Subjekt sein.

Es ist ein Verdienst meiner Twittertimeline  und ihrem Gespür und Geschmack für feministische Literatur, Webseiten und Projekte, dass ich mir den Begriff “Vulva” angenommen habe, ihn verwende, wenn ich es kann und mich darüber an das eigene zum Opfer geworden sein herantasten konnte.
Wieso ich so einen Begriff brauchte, wird mir klar, seit ich mich mehr mit biologischer Weiblichkeit (und Sexualität) befasse, anstatt bei der sozial (und darüber politisch) konstruierten Weiblichkeit zu bleiben, die mir gerade wegen ihrer scharfen Abgrenzung zu meiner Körper- meiner Fleischlichkeit (Objekt-ivität) immer irgendwie sicherer erschien. Kühl, sachlich, logisch.
Hübsche, schnurgerade Spaltung durch einen Themenkomplex, der unfassbar eng verwoben ist.

Wie die Ebenen “Körper”, “Geist” und “Seele”.
Seit ich meine Selbstzerstörung offenlegte, wurde ich mit meinem Erleben auf die Ebene “Seele” reduziert und darüber um die Ebene “Geist” betrogen.
Verrückte Menschen können sagen, was sie wollen und warum sie es wollen – sie sind verrückt auch wenn (vielleicht für einige Menschen auch gerade, weil) ihr IQ alle Grenzen sprengt. So funktioniert Stigmatisierung und genau darauf basiert die Solidarität, die unter Ex- Klapsis, ehemaligen MitpatientInnen* und Menschen mit Diagnose doch auch herrscht bzw. als herrschend gewünscht wird. Man ist eine Einheit durch die Diskriminierungen, die mit Pathologisierung und Stigma von (Er-) Lebensweisen einhergehen.
Das Problem dabei: Man verbleibt in genau dem Bereich, weil man sich nur dort sicher, verbunden, verstanden fühlt und wird zum Gruppen_körper.

Die ureigenste innere Ebene “Körper” bleibt draußen (abgespalten) und kann es auch ruhig.
Der ist ja sowieso ein ekelhafter Verräter, Versager, hässlich, unvollkommen, unbrauchbar, einzig nützlich zur Manipulation für Gefühle von Kontrolle, Gewalt(re)inszenierung, Projektionsfläche für alles und alle, jede, jeden … eine Liste, die beliebig erweiterbar ist, jedoch in diesen Kontexten selten als ein integrierter Bestandteil des Selbst-Seins auftaucht.
Ich habe in Selbsthilfeforen von und für Menschen mit Misshandlungserfahrungen, glaube ich, immer nur dann über meinen Körper gesprochen, wenn er mal wieder krank oder verletzt war oder von mir traktiert wurde. Alle ™ haben es verstanden und die Ablehnung meines Körpers- den Hass, der sich oft genug von TäterInnenintrojekten und täterInnenloyalen Innens reinszeniert an meinem Körper entlud (und bis heute entlädt), damit auf eine Art legitimiert, die mir den Druck nahm, mich für meine Selbstzerstörung schämen zu müssen. Was mir natürlich oft geholfen hat und meiner Meinung nach auch wichtig ist.

Ich kann mich spontan aber auch an keinen einzigen Thread erinnern, in dem jemand davon erzählte, sich einmal genau angeschaut zu haben und es okay/gut/toll/befriedigend/ sich seiner selbst (seinem eigenen Selbst) versichernd erlebt zu haben.

Sexuelle Gewalt ist nicht nur deshalb so schlimm, weil sie beschämend ist oder mit Schande und Schuld an der falschen Stelle belegt, sondern, weil sie die “Körper Geist und Seelen-  Integrität” von allen Menschen verletzt bis vielleicht an manchen Stellen auch zerstört.
Scham, Schuld und Schande sind es, die diese Spaltung nach der Traumatisierung aufrecht erhält, wenn nicht sogar überhaupt erst als “nötig abgespalten zu werden” markiert.

Und damit sind wir bei Scham und damit beim Auslöser dieses Artikels.
Mein Körper kämpft seit Juni gegen eine heftige Vaginalinfektion und ich bemühe mich souverän- kühl, sachlich und logisch damit auseinanderzusetzen.

Ich sorge dafür, dass meine Kinderinnens viel vom Heute durch meine feste Verankerung hier fühlen können. Ich kommentiere nach innen alles, was ich im Außen tue. Jeden Tag neu und immer wieder. Und immer wieder neu und fest und ruhig. Ich bin so aufrichtig wie ich kann dabei und äußere sowohl meine Sicherheiten, wie Unsicherheiten und wie ich womit umzugehen gedenke.
Das ist für mich ein bisschen wie in der Wohngruppe für Menschen, die mehr Hilfe beim Lernen und Begreifen brauchten, in der wir früher einmal gelebt haben, aber ich merke wie sehr das nötig ist.
Darüber komme ich langsam in die Richtung, in der mir klar wird, wie viel (eigentlich irgendwie alles) mein kindliches Innenleben überhaupt nicht einordnen kann, weil es gar nicht meine Ebene verwendet.  Für viele von ihnen ist alles “Körper” und ein bisschen “Seele” (im Sinne von “das mag ich/ das tut mir gut, weil es sich körperlich gut/wohlig/schön anfühlt”).

Und dann tut es auch noch DA weh. Und dann brennt auch noch DAS DA und dann ist man alleine mit einem Menschen (meiner Gynäkologin) in einem Zimmer (ihrem Behandlungsraum) und es gibt die klassischen Tänze des Schweigewörterpaars (“da” und “dort”) und ich Heldin Eis-enherz mit Wörterwaffen zur Selbst-Erhaltung mitten drin.
Ich hab mich so gefeiert, wie ich da saß.
Bis an die Frisur meiner Zähne bewaffnet und voll da- Schlaglicht- Superstarosenblatt- und benutzte die korrekten Wörter für meine Genitalien, während ich meine Symptome schilderte. Ich bin bisher nie über Schweigewörter wie “da” und “dort” und “zwischen meinen Beinen” und “im Schritt” hinausgekommen.
Und dann: Schweigen auf medizinisch vor angehaltenem Atmen hinter riesigen Innenaugen.

Alle meine Waffen sind auf einmal kaputt gegangen und ohne Mist- _ich_ habe gemerkt, wie der Trigger griff und ich anfing mich zu schämen für meine Wortwahl, meine Aneignung. Mit jeder Minute mutierte mein so so so toller Schritt in Richtung “sich-selbst- bewusst-werden/sein/bleiben-weil-Selbst- selbst-benennen” (seine Körperteile zum Objekt machen um ihr Subjekt (gewesen) sein anzuerkennen) zu einem Fehler, einer Frechheit, einer Schande, einer Straftat…
und als sie mir dann beim Entnehmen einer Laborprobe auch noch weh tat, war für mein Innen (und ein bisschen auch für mich) alles klar. Klar musste das jetzt weh tun (und dann doch nicht richtig gelaufen sein), klar war es Schwachsinn so zu reden- “Guck die Frau ist Ärztin und sagt auch immer nur “da” und irgendwas mit “Scham”! Das würd nich was mit Scham heißen, wenns nix Peinliches wär- ist besser nur “da”. “Da” könnt ja alles sein- dann weiß es keiner und alles ist sicher.”.
Ein zwei drei Schritte zurück.

#Mau

Ich versuchte mich zu sortieren und zu orientieren. Irgendwie Ruhe zu finden und meine Sicherheit wieder aufzubauen und merkte, dass ich wiederum nach innen verzagte und selbst wieder Schweigewörter verwendete. Ich sagte nicht: “Meine Vulva tut weh, weil da eine Infektion ist”, sondern “da ist was, aber das hat nichts mit Gewalt zu tun”.
Natürlich hatte das so überhaupt keine Klarheit mehr und war einfach das typisch wabernde Wortschwallen, mit dem ich mich für mein Innenleben bewusst-los mache, um zu funktionieren.

Als ich dann aus der Praxis ging, kam aber auch Ärger über die Ärztin auf.
Dass ich keine einfache Patientin bin weiß ich- ich bin ja auch nicht nur Eine.
Ich fordere inzwischen schon ein zu erfahren, was genau in und an und um meinen Körper passiert, einfach um genau diese Spaltung zu überbrücken und bestehende Brücken zu stabilisieren.
Wenn mir jemand erklärt, wie mein Körper versorgt wird, visualisiere ich mir das (mache mir ein Bild- eine Idee- einen Hauch) und lege diese Idee auf die Körperstelle, die betroffen ist (verbinde Idee und Objekt und erfasse so die Stelle als Subjekt der BehandlerIn bzw. der Umgebung oder auch des sozialen Kontextes). So wird für mich viel besser begreifbar, dass ICH in Behandlung bin und zwar auf eine spezifische Art und Weise, die in bestimmten aktuell nachvollziehbaren Kontexten beeinflussbar ist. Das versichert mich, beruhigt mich und das Lernen durch Begreifen bekommt eine Chance (ich und mein abgespaltenes Innenleben rücken näher zusammen).

Ich fühle den Körper nicht konstant. Wenn etwas weh tut oder “irgendwie nicht richtig ist”, dann erfahre ich das über die Ebene “Geist”: als Notizzettel neben einem Termin bei einer/ einem MedizinerIn und kann mir so diverse Wellen aus der Ebene “Seele” erklären. Wenn meine BehandlerInnen* dann genau meine Spaltungen kopieren (etwa mein Schwimmen, meine Unsicherheit und auch mein Schweigen spiegeln oder übernehmen), weil sie denken, das wäre leichter für mich, kann ich das wohl verstehen. Es ist auch leichter für mich, weil es ist, was ich kenne. Es hilft mir aber weder dabei ein Wachsen anzubahnen noch bestehendes Wachstum zu stabilisieren oder auch in Verbindung zu bringen mit dem “Außerhalb von mir”.

Ich habe gemerkt, dass in mir Wut auf das Schweigen war.
Schweigen ist ansteckend und ich bin der perfekte Nährboden für Wortlosigkeit.

Ich feiere den Begriff “Vulva” nicht, weil ich Feministin bin und denke, dieser Körperteil gehört auf Altare gehoben.
Aber es ist der Körperteil, der von außen zu sehen ist- der allen Augen ein Objekt ist, was es für mich jahrelang eben nicht war, sein konnte und vielleicht nicht sein durfte. Ich hatte kein Wort dafür und habe andere Begriffe immer schwierig empfunden. Es gibt genug Frauen und Frauen* deren Vulva Namen, wie die von Haustieren tragen oder letztlich doch fälschlicherweise sagen “ist was zum was reintun”.
Das Schweigen, jedes “das da” und “dort” meiner ansonsten wirklich aufmerksamen und guten Gynäkologin, hat mir etwas von mir weggemacht und ich bin in meiner Berechtigung dort in der Praxis zu sein, der Legitimation einer Schmerzäußerung, der Forderung nach dem Verstehen, was passiert und auch gleich selbst  mit verschwunden.

Früher habe ich mich weggemacht, weil ich die Überreizung durch die Gewalt nicht tragen konnte oder auch, weil die Gewalt nicht mehr als mein Mich übrig gelassen hatte.
Heute erlebe ich mich weggemacht, nicht da und inexistent, wenn meine Präsenz als Reiz(auslösend)- los, weil Körper(benennungs)los belegt wird. Etwa, indem nicht (korrekt) benannt wird, was von mir kommt, an mir dran oder drin ist.

Es hat mich geflasht zu spüren, dass die Wichtigkeit von Worten auch für etwas an meinem Körper als Ganzes besteht.
In den ganzen letzten Jahren habe ich Sprache, Worte und die Art, wie sie miteinander arbeiten, seziert und mir Stück für Stück angenommen, um das, was ich auf meiner Ebene von “Geist”, die immer wieder zu Todesnähe erschrocken wird, von der Ebene “Seele” erlebe, zu einem Objekt werden zu lassen, um das “zum Subjekt der TäterInnen geworden sein” nach Außen zu bringen.

Diese Infektion zum jetzigen Zeitpunkt, der noch immer noch Trauer, Schmerz und einem Wachsen, auf das sich so sehr verbotener Stolz regt, bestimmt ist, bringt mich näher an die Ebenen “Seele” und “Körper” und lässt mich sehen, dass meine “Körper- Geist und Seelen- Integrität” nicht gänzlich zerstört sein kann.
Kann man sich denken, mit was für einer Freude dieser Gedanke für mich belegt ist?
Da ist noch etwas in mir heil oder heil geworden!
Wie schön!

Vielleicht darf man dann auch wütend auf ÄrztInnen sein, wenn sie das durch Schweigewörter anders darstellen.
Denn Letztlich brauche ich auch nach Jahren voller Selbstwahrnehmung, Selbstreflektion und Selbsterkenntnis, die Rückmeldung, dass es mich gibt. Dass ich physisch korrekt benennbar bin, weil ich eben nicht nur ein Geist bin, der Angst davor hat, seine Seele zu fühlen.
Wie jeder andere Mensch auch.

“meine Angst, ist nicht deine Angst”

inBalance“Was würden Sie ihr gerne sagen?”, hatte er mich gefragt.
”Vielleicht, dass meine Angst nicht die Gleiche ist, wie ihre.”.

Das ist, was ich mir aus meiner letzten Quasisupervision mitgenommen habe.
Wir sprachen über meine Angst irgendwann zu nah zu sein, um auch Entfernung, Entfremdung und vielleicht auch selbst gewählte Lebensenden tragen zu können.
“Was, wenn es mir irgendwann nur noch darum geht, dass ich nur noch bleibe, weil der andere Mensch mich braucht? Was ist, wenn ich es irgendwann so sehr brauche, gebraucht zu werden, dass ich übergriffig denke und fühle und vielleicht auch handle? Was ist, wenn ich mich irgendwann nicht mehr frage: “Moment mal- wer bin ich denn, dass… ?”?”

Als ich nach Hause ging, dachte ich darüber nach, welche Ängste ich als Begleitete immer wieder in Bezug auf mich und meine BegleiterInnen* habe.
Ich habe Angst davor zu viel(e) zu sein oder zu werden. Weil ich weiß, wie gerne und schnell Belastungen abgestoßen werden. Wenn ich in meiner Jugendhilfezeit eines gelernt habe, dann das.
Ich habe Angst davor, Angst auszulösen, indem ich ein relativ heiles Weltbild in Frage stelle. Weil ich weiß, wie wichtig für manche Menschen ein inneres “Es wird schon alles werden” ist.

Eine meiner BegleiterInnen* erzählt mir immer wieder von einer Unsicherheit (nicht Angst) über die möglichen Folgen der eigenen Handlungen, Aussagen, Fragen und Gedanken in den Menschen, die sie begleitet. Sie möchte nicht, dass es den Menschen schlecht geht, weil sie etwas getan oder gesagt hat, das diese Gefühle auslöst. Schon gar nicht, wenn die Strukturen ihrer Arbeit gar keinen Platz dafür lassen, auch in aller Ruhe negativen Gefühlen Raum zu geben und darüber in Kontakt zu kommen.

Mir ist gestern noch einmal mehr klar geworden, wie unsicher und vorsichtig ich mich (und vielleicht auch die Menschen, die ich begleite) im Miteinander bewegen.
Wir spüren, dass es ein wertvolles Dings ist. Etwas, das empfindlich ist. Etwas das, wenn es sich verändert oder bewegt, sei es konflikt- oder allgemein entwicklungsbedingt, als gefährdet wahrgenommen wird. Vielleicht manchmal auch als gefährdend. Immer wieder ist die Frage: “Zu nah? Zu fern? Wann ist der richtige Abstand um Forderungen oder Wünsche, Ansprüche oder Ratschläge zu äußern?” und im Nacken sitzt immer wieder die Angst vor dem Fehler, der eine andere Angst, einen Schmerz, eine Enttäuschung oder das Gefühl von Schutzlosigkeit zur Folge hat.
Vor ein paar Wochen noch kamen meine BegleiterIn* und ich zu dem Schluss, dass man es einfach versuchen muss.
Dass man wohl immer einfach irgendwie hineingehen muss und erst dann schauen kann, wie sich was auswirkt.
Inzwischen möchte ich hinzufügen, dass es eine Offenheit in Bezug auf seine Ängste braucht und diese gründlich kommuniziert werden müssen.

Ich weiß aber auch, wie lange das manchmal dauert und dann vielleicht am Ende viel vom jeweiligen Lauf der Leben abhängt, was wann wie kommuniziert (und rezeptioniert) werden kann.

Nehmen wir meine Therapeutin und mich.
Sie war Erstgespräch Nummer, ich glaube, 23 und wären die Gespräche mit den TherapeutInnen* vor ihr, nicht solche Katastrophen bzw. eher semiprima gewesen- und hätte ich nicht so vier fünftelmäßig daran geglaubt, dass es sowieso nichts wird – hätte ich ihr gegenüber gar nicht erst davon angefangen, dass ich viel(e) bin und sie sich das ordentlich überlegen soll.
Jedes Gespräch vorher hatte ich in einem zarten Eiertänzchen angefangen, weil ich dachte, ich müsste das kostbare Einhorn “TraumatherapeutIn” sachte und vorsichtig auf diese meine überladene Problemblütenwiese führen, damit sie nicht gleich sofort in Überforderungs_ängste flattern und mich als Begleitete ablehnen.
Am Ende trampelte ich in die Praxis meiner Therapeutin und fragte sie einfach nur noch: “Sind sie ein Pferd? – Ich hab da eine Wiese… “.

Wir hatten große Not und brauchten einfach irgendjemanden. Ich glaube, in der Situation konnten wir uns Eiertänzchen vielleicht auch einfach gar nicht mehr leisten.

Eiertänzchen ist ein gutes Wort. Es ist meine persönliche Magie: “Wenn ich mich nur leicht genug mache, nur lieb genug bin, nur offen genug bleibe, nur dies nur das- dann wird alles schon.” und sie ist Bullshit.
Okay, nicht ganz- sie treibt mich an, im Rhythmus meiner allgemeinen Vermeidungstanzerei zu bleiben und damit irgendwie auch mal Teile meines Lebens im Pflichtbereich zu schaffen. Aber die Kür… die Kür ist Schnörkel, ist “Gemögte halten” und “Kontakte schön/angenehm gestalten”. Ist “gemocht sein”, “angesprochen werden und angehört werden” außerhalb von Notsituationen.
Ist manchmal aber auch genau der schmale Grat, auf dem ich nicht nur Begleiterin bin, sondern auch Begleitete.

Wo mir dann manchmal alle Unsicherheiten und Ängste gleichzeitig in den Kontakt reingrätschen und die Angstsplitter vom Gegenüber gleich noch mit.

Und dann sind es nicht, wie bei meiner Begleiterin, bei der es die unmöglichen Strukturen der sozialen Arbeit sind, die einfach keinen Platz für diesen Bereich des Sozial(en)lebens lassen, sondern Unsicherheiten, ob ich den Menschen nah genug dafür stehe ( oder auch: weit genug weg) um Dieses oder Jenes zu sagen, zu meinen, zu äußern, darzustellen und einfach neben ihnen zu sein. Manchmal auch: Wohnen wir nahe genug bei einander (oder von einander weg)? Oder: Sind unsere Lebensrealitäten nah genug beieinander? Und: Wie und warum sind mir miteinander verbunden?

Meine soziale Angst besteht darin Menschen zu zerstören. Nicht nur zu verletzen, sondern zu zerstören.
Vielleicht ist es deshalb für mich an manchen Stellen überfordernd mit Menschen, die ebenfalls Viele sind, umzugehen. Bedrohungsgefühle passieren schnell und genauso schnell wird sich vor mir zu Boden unterworfen oder auch empfindlich tief in mich hineingebissen. Als Botschaft an mich bleibt dann nur eine Bestätigung meiner Angst.
Und dort rauszukommen ist schwer und gelingt mir in aller Regel nur über Entfernung.

Entfernung birgt aber eben auch Entfremdung.
Und dann die Fragen: Haben wir überhaupt genug Punkte, die den Kontakt “rechtfertigen”? Genug Übereinstimmungen und innere Nähe, um einander anzuhören?

Am Morgen nach der Quasisupervision dachte ich, dass ich mir vermutlich in fast allen Kontakten vor Augen halten kann, dass meine Angst nicht, die Angst des Gegenübers ist.
Sie äußern oft: Ich will dich nicht belasten- Ich will nicht zu viel sein- Ich will nicht, dass du meine Ohnmächte/ Zweifel/ Schwächen (mit)trägst.
Und ich äußere: Ich will dir nicht alles abnehmen wollen – Ich will nicht deine Retterin werden – Ich will nicht vergessen, dass du dein eigenes Leben führst und zwar nicht erst seit ich da bin.

Wir können darüber sprechen, eben, weil es nicht die gleichen Ängste sind.
Der Ängsteoverkill ist, wenn sich bei beiden Menschen Ängste bestätigen und beide Seiten überfordert von einander in eine Entfernung gehen und warten, was passiert.
Ich denke dann jedes Mal: “Nee- da war ein Stoppsignal- weitergehen ist Gewalt.” auch wenn das Gegenüber ein Weitergehen aber als Hilfe oder als eine Art Beweis meiner Wertschätzung deuten würde und darauf wartet, dass von mir etwas kommt.

Ist meine Angst zerstörerisch und verletzend zu sein aber einmal bestätigt, dann steht mir vor mir selbst nicht einmal mehr der Wunsch nach Kontakt zu.
Es ist eine Selbsthassspirale, die sich dreht und ausdrehen muss.
Alles was ich an der Stelle tun kann ist, das den Menschen in der Anfangsphase eines Kontaktes zu sagen und zu hoffen, dass sie es verstehen und begreifen können. Und mir letztlich auch meinen Selbsthass zugestehen können, als etwas, das ein fester Bestandteil meines (Er)Lebens ist, der nicht von jemandem außen weggenommen werden kann (muss).

Und als ich das dachte, kam mir plötzlich in dem Kopf, was ich in Bezug auf einen Menschen neben dem ich hergehe, tun könnte.
Einfach nur _da sein_  und mir klar machen, dass da gerade Ängste und Ansprüche und Kräfte am Werk sind, die sich schon ihre Bahn brechen werden.
Wenn der Mensch darüber Schmerzen, Trauer oder Wut hat, werde ich schon einfach passend für ihn da sein- ansonsten werde ich seine Hand in meiner gar nicht erst fühlen.

Und- ist das okay für mich?
– Ja, das ist völlig okay für mich.