Wofür

Kleben blieb, dass sie sagte „Vielleicht ist es gut, wenn Sie sich in Erinnerung rufen, wofür sie da raus sind“.
Weil es ein wunder Punkt ist. Etwas, das mir lange das Gefühl gab, ich könne meine Situation nicht mit der von Menschen vergleichen, die aus komplett abgeschlossenen Gemeinschaften oder Gruppen ausgestiegen sind.

Ich bin da nicht raus, weil ich einen Vergleich angestellt habe und fand: „Ja, nee, draußen ist schon besser für mich. Da bin ich frei, Freiheit ist cool, ich will coole Freiheit.“ Am Anfang meines Lebens „draußen“ stand keine Möglichkeit mir aufzuzählen, was ich jetzt alles darf und vorher nicht. Ich durfte immer alles tun oder nicht tun. Die Grenzen unter denen viele Aussteiger_innen aus „high controlling groups“ gelitten haben, habe ich gesucht, habe ich verlangt – ziehe ich mir heute in mein Leben um Halt und Orientierung zu haben. Mein Leben im Kontext organisierter Gewalt war nicht die Hölle und hat sich, was den täglichen Energieaufwand, die Zermürbung, die seelenzerquetschende Inkongruenz zwischen mir und dem Rest der Welt betrifft, ehrlich gesagt nur im Framing des Leidens darunter unterschieden. Jedenfalls soweit ich mich daran erinnere.

Viele sprechen von ihrem Ausstieg als eine Art Ausbruch aus einem Kerker – ich habe viele Jahre nur in einem Hundekäfig schlafen können, weil es der Rahmen war, in dem ich überhaupt Entspannung finden konnte. Ruhe im Kopf, Orientierung in meiner Körperlichkeit, Pause vom ständigen Greifen nach Dingen außerhalb von mir, um mein eigenes Ende zu fühlen.
Ich litt nie unter der Todesangst anderer Aussteiger_innen, die sich mit freiem Willen oder freien Entscheidungen eingestellt hat. Mir hat nie jemand verboten frei zu denken oder frei zu wollen – ich wurde immer nur für falsches Handeln, falsches Wollen umgebracht. Das ist ein Unterschied. Und ja, ich sehe, wie perfide das ist. Wie elaboriert bösartig das ist, gerade weil das außerhalb solcher Kontexte auch passiert.

Ich bin nicht für irgendetwas ausgestiegen und bleibe auch nicht für irgendetwas ausgestiegen. Ich bin wegen etwas ausgestiegen und das ist im Moment ein Problem, weil es sich bedroht anfühlt.

Vor einigen Jahren formulierte ich, dass das Leben immer nur sich selbst für sich selbst will. Weil das so ist.
Mir war klar, dass viele Menschen diese Formulierung nicht verstehen würden, weil sie sich selten, manche auch nie, mit solcherlei in sich geschlossenen, sich selbst brauchenden, selbst befriedigenden, selbst erschaffenden Systemen befassen. Dabei ist daran überhaupt nichts geheimnisvoll oder kompliziert zu verstehen – es ist nicht einmal besonders, sondern vielleicht einfach viel zu naheliegend, um es zu bemerken. Oder auch zu sehr im Widerspruch mit der Norm, in der alles Sinn und Zweck über sich selbst hinaus haben muss, um als etwas behandelt zu werden. Ein Menschenleben zum Beispiel. Oder ein Lebensziel.

Ich wusste, dass ich sterben würde, würde ich in diesen Kontexten bleiben. Entweder durch jemanden, die_r sich nicht genug im Griff hat oder durch mich selbst, weil ich mich nicht genug unter Kontrolle hatte, um mein eigenes Nicht_Handeln vorherzusehen oder zu beeinflussen. Und ich wusste, dass ich lebe. Dass das ein eigener Wert ist. Eine eigene Ressource. Dass ich, um zu leben, am Leben sein muss.
Und dass ich diesem Kontext nicht geben können würde, was er von mir braucht, fordert, erzwingt, wenn ich tot bin.

Mein Ausstieg war also nie die totale Abgrenzung von diesen Leuten und dem, was sie tun oder glauben, sondern das einzige Mittel, dass ich noch hatte, um zu tun, was sie von mir wollten. Es war eine täter_innen- eine kontextloyale Entscheidung.
Keine Umarmung meiner individuellen Freiheit. Keine Selbstermächtigung. Keine heroische Selbstrettung. Keine Entscheidung aus einem wundersam erhalten gebliebenem Körnchen Selbstwert. Ich hatte einfach nur Glück, mit meinen Überlegungen zufällig die eine logische Lücke in dem ganzen Gebilde gefunden zu haben und damit keinen Grund anzunehmen, dass irgendjemand etwas dagegen haben könnte.

Ich habe die Intentionen dieser Menschen nie verstanden. Selbst heute, wenn mir außenstehende Menschen erzählen, ich sei so sehr angelogen worden, sie hätten immer nur ihre eigenen Ziele verfolgt – ich verstehe es nicht. Für mich handelten sie logisch im eigenen Bezugsrahmen. Sie haben mich also nie angelogen. Sie wollen eine bessere Welt möglich machen. Das wollen viele andere Menschen mit anderen Mitteln auch tun. Wo ist also die Lüge? – In jedem anderen Bezugsrahmen, außer dem, in dem es passiert ist.
Zu welchem Bezugsrahmen gehöre ich? In welchem Kontext hat mein Leben nur eine Bedeutung für sich selbst? – Bis jetzt nur in meinem eigenen. Und in dem sind die Bezugsrahmen anderer Menschen und Gruppen für mich eher Räume, die ich vereinzelt betreten darf. Mal nur kurz und für den Zeitraum einer Arbeit oder gemeinsamen Tätigkeit – und mal über Jahre hinweg, sodass ich das Gefühl habe, ich gehöre dazu, dürfte Wurzeln schlagen und mich verbinden, obwohl ich weiß, dass Verbindung nicht das gleiche wie Verschmelzung ist.

Und das ist das einzige, das mich heute trägt. Dass ich weiß, dass selbst, wenn wir wieder zurückgehen, um das im Moment praktisch 24/7 in mir hallende Schreien, die Todesangst, die Albträume, dieses fahrig zittrige Greifen nach Halt zu beenden, es nicht bedeuten würde, einen Bezugsrahmen zu betreten, mit dem wir 1 zu 1 verschmelzen würden.

Es wäre alles anders und alles gleich.
Wozu also der Aufwand.

Sein kommt vor Werden

Für die Transformation von Konflikt braucht es mehr als den Willen zur Transformation. Mehr als die Einsicht, dass zu transformieren fruchtbaren Boden für weitere transformative Prozesse bereitet und deshalb erstrebenswerter ist als die Wiederholung im neuen Gewand.

Ich denke das so vor mich hin und streife R.. In ihrer Unnachgiebigkeit, ihrem Beharren finde ich keinen Raum zur Transformation. Vielleicht kann sie mich irgendwann als sich selbst einordnen und dann aufhören, mich als Erwachsene_n abzulehnen. Kann das reichen, um den Konflikt zu transformieren? Oder wäre das bereits etwas Transformiertes?

Vor mir liegt ein Haufen dichter Humus. Ich greife hinein und krümle die Brocken auseinander. Seit der Verabschiedung am Anfang der Woche tut mir alles weh. R.s nähere Anwesenheit lässt meine Muskeln erstarren. Bis es mir auffällt, ist es zu spät, Muskelkater incoming. So haben wir die letzten Tage verbracht. Steifness und Streching, Sadness und Rage of the doom. Nachrichtenvermeidung, Gartenarbeit, Verlagsarbeit. Dazwischen Kontakt mit einer der jungen Personen, die uns letzte Woche im Zug angesprochen haben.
Wenn ich einen Moment für mich hatte, dann dachte ich ans Schwangerwerden und ob ich meinen Kinderwunsch von mir wegtransformieren muss, weil es zu spät ist. Nicht nur Kein-Bock.auf-durchmedikalisierte-Risikoschwangerschaft-Blabla-zu spät, sondern Zeitfenster-der-Transformationsoptionen-des-Partners-und-der-Welt-zu spät.
Es gibt keine Antworten. Nur Bewegung.
Vielleicht bin ich, die_r mit Zukunftsplänen ihre_seine Ängste transformiert, mutig. Und vielleicht braucht es mich so mutig, um woanders Transformationsprozesse zu schaffen.

Ich greife in das wilde Beet und ziehe eine Erdbeer-Mutterpflanze hervor. Wie kleine braune Sonnenstrahlen stehen ihre Triebe vom letzten Jahr von ihr ab. An ihren Enden haben sich ihre Kinder unabhängig von ihr gemacht und Wurzeln geschlagen. Die Sperlingsgang hockt in der Hecke und wartet darauf, dass ich ihr Revier verlasse, um in Ruhe fressen zu können.
Im Hochbeet ist mehr Platz, im wilden Beet noch immer kein Humus entstanden. Ich gieße die frischen Anlagen und verliere mich eine Weile im Funkenregen des Wassers vor dem blauen Himmel, der Unendlichkeit des Seins.

Dann steht NakNak* auf ein Mal vor mir. Mein altes kleines Ömchen, das betulich einen Kontakt einfordert, um dann ihr Revier abzulaufen.
Sein kommt vor Werden, denke ich und spüre dem ersten Sonnenbrand in meinem Gesicht nach.

die Verabschiedung

Gestern machten wir etwas Besonderes. Etwas, das wir erst ein Mal und dann doch nicht machen mussten, konnten, durften.
Wir verabschiedeten eine Behandlerin. Eine Unterstützerin, eine Begleiterin, seit gut 18, knapp 19 Jahren.
Ich verdanke ihrer Arbeit, ihrer Präsenz, ihrer Erreichbarkeit viel. Vielleicht mein Leben. Das kann man so genau nicht mehr sagen, ich sage es trotzdem. Denn für mich ist egal, wer es denn nun genau war – sie, meine Therapeutin, der Begleitermensch oder die Therapeut_innen vor ihnen – ich lebe noch und ich täte es nicht mehr, wäre da niemand von ihnen gewesen.

 

Sie war nicht die Behandlerin unserer Wahl und sie hat uns auch nicht nach Wahl behandelt, als wir uns kennengelernt haben. Es waren überforderte Menschen, die uns zusammengebracht haben und eine bittere Versorgungsrealität, die uns zusammenhielt.

Sie hat mich nie geschützt und nur ein Mal war das etwas, das mir geschadet hat.
Sie konnte nicht wissen, dass ich in der Klinik, in die sie mich einwies, sexualisiert misshandelt werden würde. Sie hätte mich vor einer psychiatrischen Heilbehandlung schützen wollen müssen und das hätte erfordert, die Psychiatrie als gewaltvollen Ort, als absolute Institution zu verstehen – und abzulehnen.
Und eine Alternative anbieten zu können.

Es hat 10 Jahre gedauert, bis ich verstand, dass sie mir wichtig ist und bis heute, dass ich ihr vertraue.
Jetzt, wo sie mir keine Gefahr mehr sein kann.

Ich glaube, dass es wichtig ist, diesen Umstand zu benennen. Denn ja, so tief, so heftig, so lange hat die Helfergewalt in mir gewirkt und gleichzeitig hat es nicht verhindert, dass ich ein tragfähiges Arbeitsbündnis aufbauen konnte. Ja, im Kontakt war ich immer dissoziiert. Ja, ich habe ihr gegenüber nie alles mit_geteilt. Ja, ich habe aktiv und bewusst verhindert, dass sie weiß, wie es in mir aussieht, wenn wir einen Termin mit ihr hatten – und erst bei unserem Abschied habe ich erwähnt, dass es für mich immer Arbeit war, überhaupt in die Praxis zu kommen. Aber das hat keine Rolle gespielt und das war eine wichtige Erfahrung für mich.

Viel zu viele Behandler_innen haben mich mit ihrem Verständnis von Vertrauen und Zugewandtheit bedrängt, verwirrt und überfordert. Haben nicht verstanden, dass ihnen nicht zu vertrauen weder eine Aussage über sie noch über meine Fähigkeit zu vertrauen ist. Haben nicht begreifen können, dass sie eine soziale Barriere erschaffen, wenn Vertrauen eine Bedingung für die gemeinsame Arbeit sein soll.
Mein Verhältnis zu Menschen, die mich einweisen könnten, ist einfach nicht unbelastet. Die Gewalterfahrung zu wenig als solche bewusst, als dass ich davon ausgehen kann, dass irgendjemand überhaupt versteht, was daran die Gewalt ist und was davon verletzt wird.
Und was die Wunde, das Trauma, daran ist.
Und weil das so ist, ist der Umgang damit, die Heilung wie die Kompensation von Triggern, von Flashbacks wie der Notwendigkeit, sich dem immer wieder auszusetzen, wenn man medizinische Versorgung nicht vermeiden will kann, sehr einsam.
Nicht „einsam im Regen stehen-einsam“ sondern „allein im Vakuum-einsam“.
Trauma-einsam.

Ich bin heute an einem Punkt, an dem ich vor Menschen darüber sprechen kann, was Helfergewalt ist und was sie macht.
Dass sie so etwas wie mein Verhältnis zu dieser Behandlerin macht, habe ich dabei selten thematisiert. Denn die Conclusio darf nicht sein: „Ja gut, das war mal scheiße, aber ging ja dann doch.“ Sie muss sein, dass eine Einweisung in die Psychiatrie, egal warum und wie legitimiert, mit Verlusten einhergeht, die nie wieder aufzufüllen sind. Nicht mit einer guten Anschlussbehandlung und auch nicht mit einem Reframing des Aktes als lebensrettend. Und, dass diese Verluste nicht nur die AbEingewiesenen betrifft, sondern alle Menschen dieser Gesellschaft.

Jetzt muss ich mir eine_n neue_n Behandler_in suchen.
Weiß, dass ich mit vielen Absagen umgehen muss – und vielleicht sogar niemanden finde, die_r wenigstens ein Grundverständnis von Komplextraumafolgen, DIS, Autismus hat. Weiß aber auch: Ich bin nicht zuständig für Fort- und Weiterbildung, für Qualitätssicherung, für das Aushalten dessen, was es bedeutet, wenn Behandler_innen am lebenden Objekt ihre ersten Erfahrungen sammeln. Solche Arbeitsbeziehungen kann ich nicht er_tragen. Will ich nie wieder er_tragen müssen.
Es wird nicht einfach.

Aber das war es vorher auch nicht.

 

 

 

der Himmel ist über den Lebenden

„Der Himmel beginnt, wo die Erde aufhört. Kannst du das fühlen?
Wie deine Füße die Erde berühren, aber nicht die Erde sind.
Wo du dich mit dem Planeten verbindest, ohne ein Teil von ihm zu werden.
Wie leicht es ist, den Kontakt herzustellen.
Du musst nichts Besonderes machen, merkst du das?
Fühl mal, wie das einfach passiert.“

Ich höre ihnen zu. Spüre, wie sie spüren. Wie sie sich der Welt versichern und ineinander halten. „Sie sind frei beweglich“, das hat die Therapeutin stark betont. Ich bin steif und wund. Sitze im Zug nach Hause von einer Stunde, die so schlimm entgleist ist, wie lange nicht mehr. Ich habe keine Angst mehr, aber die Angst hat mich. Schrille Todesangst. So hochfrequent, dass sie kein heftiger Ausschlag ist, keinen Krater schlagend in mir wirkt, sondern wie eine gleißende Schnur alles durchdringt. Alle Energie ist in der Angst. Da ist nichts mehr übrig, um zu sagen: Ich habe Angst. Nichts mehr, um zu weinen, nach jemandem zu greifen, die Augen zu öffnen und Trost in der Omnipräsenz des Himmels und der Schwerkraft zu finden.

Es ist vorbei, sage ich mir am ersten Bahnsteig. Die Therapie. Ich stecke meine Nase in eine der Bäckertüten. Der süße Duft des Brotes krabbelt in mich hinein, bis ich nicht mehr einatmen kann. Als zwei junge Menschen auf mich zukommen, greife ich nach meiner Maske. Fühle die Scham, wie einen Sog in die Tiefe. „Do you speak English?“ Ich nicke und werde zum Streckengeleit. Sie kommen aus der Ukraine. Wollen nach Bremen. Die Bahn hat viele Baustellen und Verspätungen. Wir setzen uns zusammen. Sie sind tief müde, ich blute aus Wunden, die niemand sehen kann, der Zug fährt durch den Sonnenschein.

Auf der letzten Etappe wird eine 3G-Kontrolle angekündigt. Ich frage die beiden Menschen, ob sie die Corona Warnapp kennen, ob sie einen Test gemacht haben oder einen Impfnachweis besitzen. Nein, nein, nein, scheiße. Sie sind Schwarze Menschen. Die Angst, die bei den Worten „checking your verification“ in ihnen hochkriecht, ist ein Sturm, der nur von ihrer Haut bedeckt wird. Ich sage, dass meine Station gleich kommt, dass ich aber bleiben kann, wenn sie meine Unterstützung in der Situation wollen. Sie sagen ja, ich bleibe. Warte. Schreibe an meine Kolleg_innen, ob sie wissen, ob geflüchtete Menschen 3G erfüllen müssen, um zu einer Unterkunft zu kommen. Schreibe dem Partner. Warte. Die Unruhe zieht mich leer, bis ich ins Handeln falle.
Ich laufe den Kontrolleuren in die falsche Richtung entgegen. Der Krach im Zug ist wie ein Meer ohne Oberfläche. Als ich zurückkomme, palavert ein Coronaclown unsinniges Zeug mit einem anderen Coronaclown. Zum ersten Mal seit Pandemiebeginn ist mir so jemand in meiner Umgebung nützlich, denn sie werden sich nicht beschweren, wenn zwei Leute neben ihnen möglicherweise nicht geimpft oder getestet sind.

Und dann läuft alles ganz unspektakulär. Der Kontrolleur schickt seine Sicherheitsleute weiter und sagt mir, dass er eine Ausnahme macht, bevor er, ohne das Wort an die beiden Leute zu richten, weitergeht. Ich übersetze, teile meine Nummer und die Masken, die ich heute nicht mehr brauche. Wir trennen uns an meiner Station, ich wünsche ihnen alles Gute, ohne jede Vorstellung, was das sein könnte.

„Der Himmel ist alles, was du fühlen kannst, wenn du einfach so dastehst.“
„Sterben wir alle?“
„Ja. Und jetzt leben wir, merkst du das?
Der Himmel ist über den Lebenden.“

Grenzen

Die Sonne geht gerade auf, Wolken schleichen um sie herum, am Horizont steht eine Gruppe Wild.
Ich fahre zur Schwimmhalle, blinzle mir Fetzen aus den Augen. Der Impuls ist, sich zu verkriechen. Einrollen, verstecken, dunkel, still, nichts und niemand. Ich spüre ihn genauso deutlich wie den monolithen Leuchtturm in mir, der mich in die Selbstfürsorge leitet.

Das Wasser ist kühl, im Becken schwimmen außer mir nur drei andere Menschen. Das Morgenlicht wird zu hellen Rhomben, Drei- und Vielmehrecken auf der Oberfläche. Ich schalte meine Augen aus, um nicht die Orientierung zu verlieren.
Zwei Wochen war die Schwimmhalle geschlossen, weil so viele Mitarbeiter_innen krank gewesen sind. Ich liebe, wie anstrengend es nun wieder ist, mich vorwärtszubewegen. Meine Glieder schreien mich an, ich fühle mich ihnen näher als vorher. Die dumpfen Erinnerungen auf meiner Haut werden zu Schatten und verlieren ihre Macht über mich. Und endlich kann ich es loslassen. Das drängende Gefühl, mich um etwas kümmern zu müssen, was seit mehr als 25 Jahren nicht mehr bekümmerbar ist. Das Gefühl des Versagens, das damit verbunden ist. Das Gefühl der Überforderung vor einem Anspruch, der vielleicht nur von mir ausgeht, aber irgendwie doch nicht so richtig vom Außen zu lösen. Die Furcht vor Gesprächen, die dem Geständnis der Nichtversorgung von Kinderinnens folgen könnten.

Meine körperliche Anstrengung gleicht meiner psychischen. Ich fühle mich rund in mir und kann leichter mit der Eckigkeit der Welt umgehen. Ihre scharfen Kanten müssen im richtigen Winkel auf mich treffen, um nicht an mir abzurutschen, ich muss nur meinen Sicherheitsabstand zu ihr bewahren. Grenzen setzen, vielleicht.

In Gedanken suche ich meine Körpergrenzen ab und stolpere in die Geschichte meiner Narben. Ja, auch das war Kongruenz, Metapher, reale Invasion. Selbstverletzung, Angriff, Zugriff. Aus- und Nutzung. Leute, die Kinder schneiden, Kinder, die sich schneiden. Wenn man das übereinander legt, gibt es nicht nur Gegensatz und Ausschluss, sondern auch Gemeinsamkeit. Kongruenz. Rundsein. Identität.

Auf dem Rückweg scheint die Sonne. Nicht mehr lange, dann können wir wieder mit dem Fahrrad zur Schwimmhalle fahren. Ein Kinderinnen schickt mir seine Freude über den Gedanken durch ein Fuchteln. Manche Grenzöffnung ist okay.

Rache wäre leichter

Ich hatte keinen Anlass zu glauben, dass R. jemals etwas anderes wollen könnte als Rache. Vielleicht sogar blutige Rache. Zerstörerische, giftige Rache ohne Bewusstsein für ihre Folgen, ohne Willen zur Anerkennung von Ursachen oder der eigenen Verortung in Zeit und Raum.
In den letzten 18 Jahren hatte ich vor allem Hartes, Unnachgiebiges gespürt. Die generalisierte Ablehnung von Erwachsenen, die Abwehr von Nähe, die Vermeidung von allen, die nach ihr zu greifen versuchten, um ein eigenes Ziel zu erreichen. In ihrer Härte war sie nie Godzilla, der durch die Einrichtungen stampft, die sie zerstampft haben – aber schon ein Mädchen mit Todesblick und undurchdringlichem Geist. Ein Dorn, dessen Stich so wehtun sollte, dass er nicht ignoriert werden würde.

Und dann antwortet sie der Therapeutin, dass sie eine Entschuldigung will. Und das Versprechen, dass etwas dafür getan wird, dass sich ihre Geschichte nicht im Leben anderer Jugendlicher wiederholt.
Am Abend zuvor hatte ich schon die Idee in mir bewegt, den Brief zu schreiben, den R. nie schreiben konnte. Dann aber erinnerte ich mich daran, wie es mir nach dem Klinik-GAU ging. Wie unfassbar bitter mich die Erkenntnis traf, dass es den Menschen leider so unendlich egal ist, wie es mir ging, was ich dachte und wie ich gelitten habe, weil sie mich zur alleinverantwortlichen Quelle dieser Gefühle erklären können – und vielleicht auch müssen.

Denn das Schlimme an sogenanntem „institutional betrayal“ ist nie nur, dass Institutionen (Kliniken, (Wohn-)Einrichtungen, Firmen…) manchmal ihre Versprechen brechen, sondern auch, dass sie keine Verantwortung dafür übernehmen. Und dass es niemand von ihnen erwartet. Dass sie nichts und niemand dazu zwingt, wenn ihr eigenes Gewissen, ihre eigenen Werte, ihre Mitarbeiter_innen und Verantwortlichen es schon nicht tun.
Und dass das nur in bestimmten Aspekten problematisiert wird. Gibt es Blutvergießen oder systematische Vernachlässigung, Abrechnungs- oder Steuerbetrug, Etikettenschwindel oder Zwangsüberarbeitung, kann geklagt werden. Gibt es psychische Gewalt, autoritär begründeten Zwang oder Handlungen aufgrund von etwa Sexismus oder anderen *ismen, gibt es diese Möglichkeit einfach nicht. Denn das Wort der Opfer ist weder den Täter_innen noch dem Staat etwas wert, um Unrecht an_zu_erkennen und (Wieder-)Gutmachung zu bieten.
Das verkleinert das Leiden der Opfer nicht. Im Gegenteil kommt dadurch eine Ebene hinzu, die nichts mehr nur mit den konkret Beteiligten zu tun hat, sondern mit dem gesamten sozialen Kosmos. So hätte ich natürlich nach dem Klinik-GAU die Ärztin anzeigen können und mich in ein entwürdigendes – und mich voraussichtlich weiter demütigendes – Justizgemetzel stürzen können, aber die Falschbehandlung passierte durch ein Team unterstützt und von einer Struktur geschützt. Und die wären nicht auch zur Verantwortung gezogen worden, weil Verantwortung in solchen Häusern bis zur Nichtigkeit diffundiert ist. Am Ende kann in diesen Institutionen niemand Verantwortung übernehmen, weil sie niemand alleinig hat oder übernimmt und die kollektive Anerkennung einen Gesichtsverlust bedeuten könnte. Welcher in der Regel deshalb als ehrverletzend empfunden wird, weil man Patient_innen/Kund_innen/Nutzer_innen nicht als gleichwertig anerkennt.

Wir, R., ich und alle, die vor mir von und in Institutionen verletzt wurden, haben Entschuldigungen verdient, da bin ich mir sicher. Aber gewollt habe ich nie eine.
Wirklich aufrichtige Entschuldigungen haben etwas mit Frieden in allen Facetten zu tun. Mit Befriedung von Konfliktgräben, mit Befriedigung von sozialen Grundbedürfnissen und der Wiederherstellung eines friedlichen Miteinanders. Ihre Funktion ist also vorrangig die Veränderung der Qualität des Miteinanders.
Ich aber will nie wieder irgendetwas mit diesen Einrichtungen und ihren Vollstrecker_innen Mitarbeiter_innen zu tun haben. Ich brauche sie nicht, um meine Punkte zu validieren, ich will nicht hören, was sie über meine Punkte zu sagen haben. Ich sehe sie als gesellschaftlich gewollte Werkzeuge der Gewalt und Ausgrenzung, als Zubringer des Kapitalismus und gescheiterten Versuch einer Utopie, die sich ihrer eigenen Ableismen nie bewusst werden wollte. Sie sind Abgrenzungsgegenstand meiner heutigen Lebensrealität geworden und als nichts anderes will ich sie je wieder sehen.

Aber R.s Unnachgiebigkeit betrifft keine Psychiatrie oder Klinik für Psychosomatik. Sie betrifft keine Individuen und zieht keine Grenzen an sich selbst.
R. geht es ums Prinzip. Um eine Ungerechtigkeit, die weder sie noch andere verdient haben und von der sie weiß, dass sie niemandem gewünscht wird.
Das ist so viel schwieriger als Rache, weil es zwei Dinge bedeutet:
Erstens: Kontakt und den Wunsch zum Miteinander
Zweitens: Eine Arbeit, deren Ergebnis nur schwer messbar ist und also in der Regel kaum als Wert geschätzt wird. Was letztlich dazu führen kann, dass schon der erste Punkt nicht zustande kommt.

Unabhängig davon, wie ich es schaffen kann zur Erfüllung ihres Wunsches beitragen, hat er mich berührt. Denn dahinter kann ja kaum mehr als die Annahme stehen, dass man einander grundsätzlich friedlich gegenüber stehen will und dies ein gemeinsamer Wert ist.
Vielleicht war sie nie unnachgiebig uneinsichtig, sondern hatte ganz schlicht – völlig banal und logisch nachvollziehbar – nie die Chance auf ein Miteinander, in dem ihre „untragbare“ Frustration als in einem realen Sachstand begründet anerkannt wurde.
Sie hat Recht und sie weiß das. Sie ist wütend darüber, dass diesem Recht keine Wirkung folgt und weiß, dass ihre Wut abgelehnt wird. Wie sollte sie je nicht für immer und ewig todesfrustriert sein?

Ich weiß noch nicht, was wir jetzt machen. Hab selber Angst vor ihrer Wut, ihrem Frust, weiß ja selbst, dass es mich gibt, weil es sie gab und passierte, was passierte. Frage mich, ob es den Versuch wert ist oder der Sache nötig.

Ein Wunsch nach Rache wär jedenfalls irgendwie leichter. 😅

note on: die Menschlichkeit von Nazis

In letzter Zeit begegnet mir häufiger die Phrase „Man darf nicht vergessen, dass wir alle nur Menschen sind“. Als würde damit alles gesagt sein, ersticken darunter viele wichtige Gespräche über Solidaritäten, Verantwortungen und ihre Bedeutung für alle. Dabei sagt man damit allein nichts weiter als einen Fakt, der nichts mit dem Anlass zur Phrase zu tun hat.

Die Postperson in der Filiale sagte mir gestern, dass 3 Wochen ein Paket für mich bei ihr rumlag. Von dem wusste ich nichts. Dachte, der Versand aus UK würde einfach dauern. Brexit, Covid trallala. Ich hatte keine Benachrichtigung erhalten. Ja, die Zusteller sind auch nur Menschen. Ja, ich kenne Benno, unseren Zusteller. Der ist ein Mensch, der mir definitiv einen Zettel einwerfen würde. Und ein Mensch, der weiß, dass wir eine Ablageerlaubnis erteilt haben. Warum erinnert mich die Postfrau nur im Moment eines Fehlers, der mit einem Verlust für mich einhergeht, an Bennos Menschlichkeit? Warum erst in dem Moment, in dem ich etwas entschuldigen soll, was ich eigentlich nicht entschuldigen will, weil es klare Regeln für Fälle wie diesen gibt? Vielleicht, weil sie sich nicht streiten will. Oder nichts machen kann. Oder nichts machen will. Oder mich dazu bringen will, mich human zu streiten. Zivilisiert. Wenn schon.

Ich selber habe auf Twitter schon einmal geschrieben, dass man nicht vergessen darf, dass Nazis Menschen sind. Gerade, weil Nazisein nichts anderes sein kann als menschlich. Nazis sind keine Ungeheuer, Naturgewalt und erst Recht nicht die große übermächtige Eminenz, als die sie sich aufgrund ihrer Werte einordnen und behandelt werden wollen.
Der Hinweis auf die Menschlichkeit von Personen jeder Identität taugt nicht zur Entschuldigung oder Relativierung ihrer Handlungen. Nie. Er taugt allenfalls dazu, sich in den Erwartungen an das Miteinander zu versichern. Also dazu, dass wir einander erinnern, nicht mehr als üblich von einander zu erwarten. Auch von Nazis nicht.

Nun ist es aber so, dass ein Mensch zu sein keine universelle, also absolut kontextbefreite, Erfahrung ist, sondern auch eine soziale Position. Ein Status, definiert über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, verfestigt über soziale Normen und kulturelle Praxen.
Deswegen ist es so unsinnig, wenn Leute zum Beispiel sagen: „Ob Mann oder Frau oder etwas anderes, das ist ja eigentlich total egal, wir sind ja alle Menschen.“ Die Qualität des Lebens, die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung, -verkörperung und vielem mehr sind extrem unterschiedlich und in der Folge auch die Art und Weise, wie man (sich) als Mensch (er)lebt.

Jetzt gibt es zwei beliebte Wege damit umzugehen.
Viele Menschen denken: „Okay, alle er_leben wir unterschiedlich, also darf man nicht von allen das Gleiche erwarten“ und fangen an hinzunehmen oder verfestigen immer weiter die Idee, dass Leute, die etwas nicht können, halt etwas nicht können. „So ist die Natur.“, „So sind Behinderte.“, „So sind Männer.“, „So sind Frauen.“ ist dann das Mindset, mit dem sie mit anderen Menschen interagieren.
Sie integrieren die Begrenzungen und Be_Hindernisse, die andere Menschen erleben, als etwas, das nun einmal so ist und also auch nicht anders zu erwarten sein kann. Und vermeiden so sehr bequem ihre eigene Rolle als Be_Hinderer_in, Be_grenzende_r und sehen ihre Menschlichkeit in der Akzeptanz der Grenzen bewiesen. Heißt: Weil sie bereit sind, andere Maßstäbe an andere Menschen anzulegen, empfinden sie sich als menschlich ihnen gegenüber.

Die andere Art des Umgangs ist die starke Betonung einer Zusammengehörigkeit über alle Unterschiede hinweg. Eine Methode, die vor allem für jene Menschen praktisch ist, die nicht anerkennen wollen, wie facettenreich das menschliche Er_Leben und Sein ist oder, die nicht anerkennen wollen, dass die gleichen Lebensumstände in der gleichen Lebenszeit in der gleichen Gesellschaft zu erheblichen Unterschieden in den Lebensrealitäten der Menschen führen können. Die starke Betonung von Zusammengehörigkeit mit allen Menschen kann für unterprivilegierte, (mehrfach) diskriminierte Menschen nur verletzend sein, weil sie deutlich macht, wie wenig ihre Situation überhaupt an_erkannt wird.
Niemand, die_r in unserer Gesellschaft etwa rassistisch ausgegrenzt und bedacht wird, kann sich mit einer Gesellschaft zusammengehörig empfinden, die das passieren lässt. Geschweige denn kann man von so behandelten Menschen einfach erwarten, sich mit rassistisch motivierten Täter_innen zusammengehörig zu empfinden. In diesen Fällen ist es keine angemessene Erwartung, die gemeinsame Biologie als irgendetwas mehr als belastend, unangenehm, schwierig zu empfinden. Wenn dem doch so ist, dann ist es ein Plus. Ein Glück. Etwas von der Gewalt unberührtes von unbeschreibbarem Wert. Aber nie etwas, was erwartet werden darf.

Wie mein Umgang damit ist, kann ich noch nicht eindeutig verorten.
Ich kann Menschen gut sein lassen, wie und wer sie sind. Aber ich kann die Erwartungen vieler Menschen an die Praxis des Miteinanders nicht erfüllen. Für mich stellen sich in jeder Interaktion verschiedene Anpassungsaufgaben, die sich mir häufig verspätet erschließen oder deren Ziel ich nicht immer richtig einschätze. Ich bin dennoch immer um Anpassung bemüht, weil ich diesen Wert als zwingend für jedes Miteinander einordne. Daneben merke ich aber auch: Während mir klar ist, dass ich jede Interaktion und Kommunikation mit anderen Menschen benutze, um zu funktionieren oder Funktion zu geben, scheint dies den meisten anderen Menschen nicht bewusst auch so zu sein. Was dazu führt, dass ich mir im Grunde nie darüber sicher bin, was ich von anderen Menschen erwarten kann und entlang welcher Parameter sie ihre Erwartungen an mich überhaupt entwickeln.

Dieser und andere Komplexe, die traumabedingt sind, haben in mir tiefe Unsicherheit darüber erzeugt, wie menschlich ich bin bzw. was in Bezug zu mir als „nur menschlich“ zu erwarten ist. Meine biologische Verortung als Mensch ist mir sehr klar. Aber meine soziale Verortung nicht.
Ich bin immer wieder mit uneindeutigen Erwartungen an mich konfrontiert. Mal ist mir als menschlich anerkannt, dass ich Dinge nicht kann, in einer anderen Situation wieder nicht – da ist dann relevanter, wie ich gesellschaftlich verortet bin. Das eine Mal wird nicht von mir erwartet etwas zu entwickeln, das andere Mal doch, und zwar sehr selbstverständlich. Und gleichzeitig scheinen aber alle Menschen, mit denen ich zu tun habe, eine sehr eindeutige und universelle Idee davon zu haben, was sie für menschlich bzw. Menschlichkeit halten. Obwohl doch ganz offensichtlich ist, dass es diese Universalität gar nicht gibt.

Ich habe diesen Text damit eingeleitet, dass durch die Phrase „Wir sind ja alle nur Menschen“ viele Gespräche erstickt werden. Sie werden nicht durch den Satz erstickt, sondern durch dessen Funktion der Entlastung von (als zu hoch wahrgenommener) Erwartungen an einander. Also am Ende durch den Übergriff, mit dem kontrolliert werden soll, was wer von wem wann und wieso erwartet.
Es ist eine Manipulationsstrategie.
Man soll sich unsicher darüber werden, ob es vielleicht wirklich zu viel verlangt ist, wenn man erwartet, dass Postzusteller_innen ihre Arbeit korrekt machen. Ob man nicht vielleicht doch ein bisschen zu hart mit Leuten ist, die sich neben Nazis auf eine Demonstration stellen, weil die ja auch nur Gefühle haben, die ganz doll menschlich sind.
Ja, die Beispiele sind tendenziös, okay. Es gibt viele Richtungen, in die man damit manipulieren wollen kann.
Aber der Punkt bleibt: Es ist Manipulation. Der Griff nach etwas, das mit anderen Mitteln auch konsensuell hergestellt werden kann.

Konsens bedeutet in dem Zusammenhang das offene Gespräch über die Erwartungen und die bestehenden Möglichkeiten, sie jeweils zu akzeptieren und zu erfüllen, mit dem Ziel sich zu einigen und eine passende soziale Praxis zu entwickeln.
Das hätte in der Postfiliale bedeuten können, dass mich die Person fragt, was ich von ihr erwarte und dass sie mir sagt, was sie und ich dafür tun können oder auch nicht.
In Bezug auf Nazis funktioniert das nicht, weil Nazis Konsens als Prinzip ablehnen und also ausschließlich gewaltvoll mit anderen Menschen interagieren wollen. Egal, wie groß die Bereitschaft aller anderen Menschen auf der Welt ist, sie in ihren Motiven und Werten zu verstehen und anzuerkennen, die Erwartung an konsensuelles Miteinander wird enttäuscht werden. Es ist menschlich, sich gegen Konsens zu entscheiden. Es ist menschlich, gewaltvoll zu werten, zu urteilen, zu handeln und dies in sich auch verkörpert und über sich selbst verwirklicht zu haben.
Es ist nicht unmenschlich, sich gegen ein gewaltvolles Miteinander zu entscheiden.

Die Menschlichkeit von Nazis verbietet die Einordnung ihrer Taten als unmenschlich, weil Menschen immer Menschen sind. Egal, wie schlimm, unverzeihbar, unerträglich und unvereinbar mit jedwedem zwischenmenschlichen Wert ihr Handeln ist. Die Menschlichkeit von Menschen ist nicht und kann nie ein passender Parameter zur Beurteilung der Angemessenheit von Erwartungen aneinander sein, weil sie nicht universell ist. Sie kann uns an eine Gemeinsamkeit erinnern. Kann uns davon abhalten, einander wie Tiere und Pflanzen, Gegenstände und Objekte zu bewerten und entsprechende Erwartungen zu formulieren. Kann der soziale common ground werden, als der er sich offenbar gewünscht wird – jedoch, er ist es noch nicht und wird es auch nie, wenn Menschlichkeit immer erst dann zum Diskussionsgegenstand wird, wenn er eine spezifische Funktion über sich selbst hinaus erfüllen soll.

Wie wir miteinander umgehen ist so eine Funktion.
Und wir sollten uns damit befassen, wie wir sie gestalten.

unverzeihlich und vorbei

Wir haben uns lange nicht mehr als Körper erlebt. Meine Kolleg_innen und ich. Wir trafen uns zur Besprechung aller Dinge und zur Befühlung aller Prozesse, die es nicht von Monitor zu Monitor schaffen.
Hohes Risiko für alle. Auf allen Ebenen. Und auch – das Leben. Das es nicht ohne Risiko gibt. In dem man nur tun kann, was man tun kann.

Ich moderiere, führe durch die Methode, schreibe mit, bin stolz und dankbar, die Traumaarbeit am Tag vorher so gut ziehen lassen zu können. Das war so lange nicht möglich. So lange so viel belastender als jetzt. Was ich jetzt fühle und denke, das hat alles mit meinen Kolleg_innen zu tun. Und damit, dass ich sie am Herzen trage. Sie sind mir wichtig, ich mag sie, wir gehören zueinander.
Wir erwarten einen großen Prozess in diesem Jahr, ich erwarte meine Überforderung. Wir planen und überlegen zusammen, ich behalte meine Befürchtung für mich, denn mehr als diffuse Furcht ist es noch nicht.

Auf dem Weg zum Bett für die Nacht mischt sich das Dröhnen der Zugklimaanlage mit dem Erinnern an das Dröhnen meines eigenen Blutes im Ohr. Ich schütte Musik hinzu wie frisches Gemüse in eine Tütensuppe. Tippe mir den Rhythmus auf die Grenze zwischen der Welt und mir. Denke nichts, fühle nichts. Bin dankbar mir sicher zu sein, dass ich dennoch da bin. Ich bin nicht meine Gedanken, ich bin nicht meine Gefühle. Ich bringe sie hervor – wenn ich es kann, wenn ich es will, wenn ich es muss, kann, darf, soll. Sie brauchen mich, ich bin auch ohne sie. Es ist okay.

K. schreibt mir, dass es eine Demonstration von Querdenkern in der Innenstadt gibt. Ich plane Umwege ein, obwohl ich kaum die Augen aufhalten kann. Es regnet, ist kalt. Wer es ernst meint, lässt sich davon nicht abhalten und hat deshalb gerade jetzt die Gelegenheit Menschen wie mich echtem Psychoterror auszusetzen. Denn mir ist wirklich unbegreiflich, wie ernst man solchen Unsinn wie Impfchips und Freiheitsbedrohung durch Rücksicht auf chronisch kranke, behinderte, sehr junge und sehr alte Menschen meinen kann. Mir macht das Angst. Zusätzlich zur Angst vor Ansteckung und damit der Angst meinen Partner durch Ansteckung zu töten. Zusätzlich zur Angst, eine Ansteckung zu überleben und dann mit Longcovid umgehen zu müssen. Zusätzlich zur Angst, die sich aus der Erfahrung ergibt, eine behinderte Person in dieser Gesellschaft zu sein.
Schon das Wissen, dass ihre Demos genehmigt werden, macht mir Angst. Denn mit freier Meinung hat das alles nichts zu tun, sondern mit der Idee, dass Menschenverachtung und Hass etwas mit Meinung zu tun hätte. Beziehungsweise, dass sich menschenfeindliche und hasstragende Meinungen aus irgendetwas anderem als Menschenfeindlichkeit und Hass entwickeln.
Es ist struktureller Betrug am Recht der Allgemeinheit sich frei und sicher zu fühlen, wenn man Querdenkern die Raumnahme erlaubt. Und es ist unverzeihlich.

Die Altstadt umrundet komme ich eine Stunde später als nötig an. Denke nur noch in Fetzen, esse etwas, lasse eine Serie in mich hineintropfen, falle in einen Schlaf, aus dem ich wegen Luftnot wieder herausstürze. Meine Allergie. Kurz nach 3. Draußen rauscht es, drinnen ist es still. Ich wackle in meinem Körper herum wie ein Steinchen in einer Blechbüchse. Hinter meinen Gedanken ans Trinken, meine Tablette, mein Notfallspray und der Planung meiner Lebenserhaltung rauscht ein Traumawiedererleben entlang. Dazwischen ist ein Spalt. Eine Luftbarriere. Ich weiß nicht, wie ich sie herstelle, aber sie ist da und ich halte mich auf meiner Seite, ohne zu wissen wie eigentlich.
Ich atme und trinke, huste und schleime. Halte die Arme über meinem Kopf, schaue auf die Uhr, konzentriere mich auf die Wirkung meiner Maßnahmen.
Die Bilder rauschen in meinen Ohren. Ich sehe Unverzeihliches. Fühle Unverzeihliches. Denke Unverzeihliches. 20 Minuten später ist es vorbei.

12 Stunden danach liege ich auf der Couch unter der schweren Decke. Ich bin zu Hause. Bubi liegt neben mir, der Partner spielt etwas vor, NakNak* hat uns im Blick. Ich verkörpere mich, ES ist vorbei.
Unverzeihlich und vorbei.

Heilung ist nur Heilung

Ich konnte es aufschreiben, ohne davon zu träumen. Ohne mich in den Tagen danach beobachtet zu fühlen. Ohne in Wut und Ohnmacht zu ertrinken. Ohne die Bitterkeit meiner Position zu einer Süße anderer zu erklären. Mein Helferding. Mein Klapsentrauma~Ding.
Ich halte das für Heilung, selbst wenn es nur ein Trainingsergebnis aus jahrelanger Desensibilisierung sein sollte. Das muss man auch erst mal hinkriegen. Und okay damit werden. Und bleiben.

Renée drückten in der letzten Podcastepisode aus, dass ihnen dieser Ausblick fehlt. Das „nach der Therapie“, das „nach der Heilung“. Was ist denn 10 Jahre später? Und ich denke immer noch: Ja, was soll denn sein?
Soll mich 10 Jahre später noch alles daran erinnern, dass ich mal total zerstört war? Dass ich mich Stückchen für Stückchen suchen, erkennen, finden musste, nur um mich dann Jahr um Jahr zu bearbeiten, zusammenzufügen und zu ver_wachsen?
Die Gewalterfahrungen waren schlimm und haben weh getan. Meine Therapieerfahrungen erstrecken sich über mehr als die Hälfte meines Lebens und sind auch überwiegend mit (Wachstums)Schmerz und schlimmen Erkenntnissen verbunden gewesen. Heilung bedeutet für mich nicht nur selber heil, ganz, rund, okay mit meiner Lebendigkeit zu sein, sondern auch das Leben mit einer Wahl, die ich jetzt noch nicht umfassend habe. Ich muss jetzt nicht mehr über die Psychiatrie und gewaltvolle Behandler_innen schreiben oder sprechen, weil es mich quält und ich leide – ich kann das heute tun, weil es mich mal gequält hat und ich möchte, dass das niemandem mehr passiert. Wenn ich nicht daran denken möchte, dann kann ich mich dafür entscheiden, das nicht zu tun und dann funktioniert das auch. Das möchte ich über alle meine Gewalterfahrungen entscheiden können.

Heilung ist so leise. So leicht. So … einfach so.
Was soll dann sein? Was soll die Medizin, die Psychologie da diagnostizieren? Heilung ist, wo es keine Diagnose mehr gibt, die eine Wunde beschreibt oder impliziert. Da gibt es keinen Erkenntnisgewinn, keine Werkzeuge, keine Methoden. Leider. Aber auch: zum Glück.
Was ist, sind die Menschen. Die Überlebenden. Und ihre Wahl darüber zu sprechen, was 10 Jahre vorher mal war. Oder auch nicht.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich in 10 Jahren über meine Erfahrungen denke. Ich hoffe, dass ich überwiegend gar nicht dran denke. Hoffe, dass andere Überlebende oder auch Erlebende nicht von mir erwarten, ständig dran zu denken oder dass ich nie aufhöre dazu zu schreiben, aufzuklären oder anfange, die Massen in Bewegung zu empören. Hoffe, dass sie verstehen, dass meine Perspektive, mit so viel Abstand, mit so viel verheilter Wunde nicht das Beispiel ist, das es braucht, um zu verändern oder zu vermitteln, wie schrecklich Psychiatrie- und Behandler_innengewalt ist. Niemand wird helfen, wenn man es auch so gut überstehen kann. Niemand wird sich verstanden fühlen, wenn es mir nicht mindestens ein bisschen genauso weh tut, wie jenen, die es gerade erfahren (haben).

Ich hoffe, dass mich meine Heilung von anderen Überlebenden entfremdet. Nicht, weil ich mich nicht mit ihnen umgeben will, sondern, weil es Gewalterfahrung ist, die uns verbindet, obwohl es so viel mehr Verbindendes im Leben gibt.

Heilung ist nur Heilung. Auch 10 Jahre danach werde ich nicht vergessen und vergeben haben. Ich werde ich sein. Ich werde leben. Und dass das ein unfassbar unwahrscheinliches Glück ist, kann ich schon jetzt fühlen und mit Bedeutung füllen. Vielleicht fehlt die Erzählung vom geheilten Leben also auch, weil darin kaum etwas anders ist als in dem Moment, in dem man merkt: Da ist etwas verheilt.

Ist dir der Begriff „Trauma“ zu groß, ist dein Verständnis von Gewalt zu klein.

„Mir ist da das Wort „Trauma“ oft zu groß.“
Wir sprechen über Autismus und Trauma, ich darüber, dass es mich fassungslos macht, dass viele Autismustherapeut_innen mit Opfern von Peer-Gewalt („Mobbing“) arbeiten, aber sich primär auf deren Autismus konzentrieren.

Auf dem Weg nach Hause merke ich, dass ich wirklich Glück hatte.
Ein Haufen feministisch bewegter Frauen haben mich in den letzten Jahren therapiert und begleitet. Oft transfeindlich feministisch bewegte Frauen und in der Regel auch sexarbeit-feindlich feministisch bewegte Frauen, aber immer Frauen, denen klar war, dass meine Verfassung, mein InDerWeltSein ausschließlich mit meiner Verwundung zu tun hat – aber nie der wahre Grund für die Gewalt an mir war.
Ich musste niemals – wirklich, bei aller Falsch- und Schlechtbehandlung, die ich erfahren habe, niemals! – damit umgehen, dass jemand versucht hat, mir zu vermitteln, dass ich mich anders verhalten, anders mit den Menschen umgehen soll, die mich als Person absichtlich verletzen, damit sie mich nicht (weiter) verletzen. Vielen autistischen Kindern und Jugendlichen, die in der Schule gemobbt werden, passiert das aber und ich halte das für absolut miese Drecksscheiße, die nur von Erwachsenen kommen kann, die Kinder nicht als Täter_innen und Mobbing nicht als Gruppengewalt anerkennen können und/oder wollen. Und also bei aller guten Intention und Zugewandtheit trallalala – keine echten Verbündeten der Kinder und Jugendlichen sind.
Das sind in der Regel die gleichen Erwachsenen, die Wunden erst bei fließendem Blut oder maximaler Dysfunktion eines Menschen – also gewissermaßen im Katastrophenfall – als solche überhaupt verstehen und das Konzept von psychischer/emotionaler Gewalt nicht verstanden haben. Und oft – zumindest meiner Erfahrung nach – sind das Leute, die entweder selber als Kinder und Jugendliche (mit)gemobbt haben oder denken, dass sie nicht gemobbt wurden, weil sie alles richtig gemacht haben. Also Leute, die gewaltlogische Schlüsse nicht als solche reflektiert haben und heute entsprechend opferfeindlich denken und be_handeln.

Wer „Trauma“ für ein großes Wort hält, hat es nicht verstanden. Denn groß ist nie das Trauma selbst, sondern seine Ursache und/oder seine Nichtheilung/Nichtverarbeitung. Jedes aufgeschlagene Knie beweist das. Man knallt hin – das passiert halt, ist banal. Man hat eine Wunde, ein Trauma, und die heilt. Das juckt, man kann erstmal vielleicht nicht so gut laufen, muss sie regelmäßig säubern und trocken halten und irgendwann ist wieder gut. Trauma geheilt, bumms. Hier ist also erst einmal nur die Wirkung groß.
Aber, was, wenn man geschubst wurde. Wenn jemand wollte, dass man Schmerzen hat? Dann ist doch das Trauma nicht nur das kaputte Knie. Dann ist doch die Erfahrung, dem Willen eines anderen Menschen ausgeliefert zu sein, ganz klar auch etwas, das weh tut. Das kann man doch nicht weglassen aus der Wundversorgung oder nicht anerkennen, dass sich die Auseinandersetzung mit der anderen Person auch auf die Wunde, das Trauma und dessen Heilung auswirkt.

Und jetzt schaut bitte mal darauf, wie mit Kindern umgegangen wird, die einander absichtlich schubsen … mobben … oder sonst wie verletzend miteinander umgehen. Was, wenn nicht opferfeindlich – und also „täterlich“ – ist es in solchen Zusammenhängen dem Opfer primär zu vermitteln, dass es sich davor nur schützen kann, wenn es sich nach Schema x verhält, auf Anzeigen y achtet und so weiter. Die Wirkung kann nur die von victim blaming sein. Sie kann nur sein, dass der Eindruck entsteht, es sei von größerer Wichtigkeit, sich nicht der Versorgung der Wunde zu widmen, sondern der Verhinderung von weiteren.

Das Problem ist, dass Schutz nicht das gleiche ist wie ein Leben ohne Gefährdung. Auch der resilienteste Mensch, mit den besten Selbstschutztechniken und -mechanismen in sich, lebt nicht sicher. Lebt nicht entspannt. Kann sich nicht entfalten. Kann niemals erfahren, wie es ist, sicher zu sein – er kann immer nur wissen, wie es ist, geschützt zu sein. Und das ist etwas völlig anders. Ein völlig anderes Er_Leben.

Die Anerkennung einer Verletzung ist für Opfer nicht nur wichtig, um sich selbst zu verstehen oder irgendwie ein bisschen geplüscht zu werden, um sich selbst (wieder) (in einem sozialen Status) zu versichern. Sie ist auch für alle anderen Menschen um sie herum wichtig.
Es ist unfassbar wichtig für menschliche Gesellschaften von verletzenden, schmerzenden und gefährdenden Dingen zu erfahren – nur so kann sie Strategien entwickeln, um diese Dinge effektiv zu umgehen, einander im Schmerz zu verstehen, einander in der Heilung zu unterstützen und auch um in konsensorientierte Verhandlung darüber zu kommen, welche Art des Umgehens wie ins Miteinander eingepflegt sein muss, damit sie effektiv und effizient sind.

Opfer und Täter_in nicht eindeutig zu benennen, weil man denkt, das wäre zum Beispiel bei Kindern und Jugendlichen irgendwie die zu große Rolle, weil sie noch nicht die Reife von Erwachsenen haben oder weil man die Gewalt nicht als „wirklich krass“ einordnet (weil man sie selber nicht so schlimm findet und nur, was man selber für schlimm findet als Gewalt anerkennt) oder weil man annimmt, dass der soziale Kontext eine_n dann für überdramatisch und also nicht ernstzunehmen hält oder weil man fürchtet mit dieser Einordnung ein Urteil zu fällen – führt dazu, dass Gewalt an sich nicht konkret genug definiert wird.
Und alles, was nicht eindeutig definiert ist, bleibt unsichtbar. Unerkennbar. Unbenennbar. Unveränderbar.

Wir haben in unserer Gesellschaft ein Gewaltproblem und sind selbst schuld daran.
Wir machen einander abhängig davon, immer von allen als Nichttäter_in und nur in absoluten Ausnahmefällen als Opfer gesehen zu werden, weil wir als Gesellschaft einfach noch nicht kapiert haben, was Gewalt ist, wie sie wirkt und was sie für uns bedeutet.
Wäre das anders, hätte niemand je ein Problem damit, jemanden als Opfer anzuerkennen, wenn sie_r verletzt wurde – oder als Mit.Täter_in, wenn sie_r verletzt hat bzw. beigetragen hat zu verletzen.
Wir hätten Wund_Versorgungskompetenzen. Ganz allgemein. Wir gingen in den Kindergarten und lernten nicht nur das Wort „Entschuldigung“ wie eine „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte in unser Verhalten zu integrieren, sondern auch (Wieder)Gutmachung. Wir lernten, dass wir einen direkten Einfluss auf das Befinden eines anderen Menschen nehmen können – im Guten wie im Schlechten – und dass es in unserer Verantwortung liegt, sich darum zu kümmern. Sich zu interessieren. Auch dann, wenn keine Autorität (eine erwachsene Person, ein_e Richter_in) uns dazu auffordert.

Es ist unser Gewaltproblem, das die Anerkennung von Traumata erschwert. Es ist unser Gewaltproblem, das die Therapie der Traumafolgestörungen zu einer special Spezialisierung macht. Es ist unser Gewaltproblem, das verhindert, dass wir alle in Frieden und Zufriedenheit, Glück und Bedingungslosigkeit miteinander leben können.

Niemandem ist damit geholfen so zu tun als wäre es nicht da.
Niemandes Hilfe ist wahrhaft, wenn sie nicht aus diesem Bewusstsein heraus geleistet wird.

 

tl,dr: Ist dir der Begriff „Trauma“ zu groß, ist dein Verständnis von Gewalt zu klein.