Es ist, dass mein Hund nicht da ist und ich dem Punkerhund dabei zusehe, wie er einen Kinderschuh hinter seinem taumelnden Menschen herträgt.
Offenbar ist so ein Kinderschuh kein Grund zu schauen, welcher Fuß nun ungeschützt ist. Bin ich die Einzige, die einzelne Schuhe auf der Straße beunruhigend findet?
Es ist eine novembergraubunte Masse, die sich an mir reibt, ohne mich zu berühren.
Es ist nicht schön, es ist nicht hässlich.
Es ist vermutlich einfach Berlin. Kreuzberg.
Fahrradskelette, die an Laternen hängen, die wiederum einen Pelz aus Aufklebern, Flyern und Plakaten am Leib flattern haben.
Graffiti, schrabbeliges Schmuckflickwerk, Tourist_Innen, die Aufkleber an Häuserwänden, auf Mülltonnen stehend photographieren, ohne das müde Gesicht, im Schaufenster darunter, zu beachten.
Und wenn ein Weg bekannt ist, dann ist es nur noch laut und viel und Wucht und Schrei.
Es ist so viel, dass man selbst auch gut gar nicht sein muss.
Wenn man nichts sagt, wird man zur Lücke im Viel. Ein Loch im Lärm, das Stille ausblutet.
Vielleicht wird man hier ein Jemand aus Selbstresterhaltungsschutz. Verhält sich laut, um die Stummstilllöcher der Wortlosen und Toten mit sich selbst auszufüllen.
Es wird nicht dunkel.
Nicht einmal die Nacht hat ihr übliches Dunkeltiefweitschwarz an, wenn sie über Berlin wacht.
Hier riecht es nicht nach Stadt, Land, Fluß, Wald oder Wiese. Es stinkt nach Mensch und Zivilisation. Und manchmal nach Leben, das sich in Essensdüfte hineinkringelt.
Ich schlafe in einer Höhle und bin.
Ich bin da und merke das am Sein des Ummichherum, das mich einfach lässt. Atmen, essen, sprechen, spielen.
Sein.
In Berlin.
Dieser,
vielleicht,
furchterregend lauten
Viel-Wucht.
In 3 Tagen, da halte ich einen Vortrag und in 4 Tagen, da hab ich Therapie.
In einer Stunde spreche ich mit neuen Menschen über die Anforderungen an Hundesitter_Innen, die NakNak* mitbringt, weil sich plötzlich doch eine Möglichkeit ergibt, dass wir zum Inklusionskongress fahren können.
Kurz nach der Fahrt in 6 Tagen zu den Menschen und dem Konzert in Berlin, auf das ich mich schon so lange freue. Und mein Innenleben in weiten Teilen auch.
Ich bin so froh, dass ich mich nicht so viel ertragen muss und gleichzeitig merke ich, dass ich auf Felgen fahre.
Mit Vollgas einen Berg runter.
Aber…
Vor einem Jahr, da hätte ich mir so ein Programm gewünscht.
Und jetzt bin ich in Trauer, bin ich im Umbruch, reiße ich an mir herum und habe einen Tagesablauf, der einen unaufhörlichen Schaffensstrom darstellt und nur von Hunderunden, Twitter- und Candy Crushpausen unterbrochen wird.
Und von Schlaf. Wenn ich denn schlafe.
Manchmal schreibe ich auch Briefe und Emails, die ich dann doch nie wegschicke, weil sie mir falsch und übergriffig oder jammernd und über-fordernd klingen.
Viel hat sich in den 3 Tagen Lübeck hochgedrückt und bahnt sich seinen kantigen Rundweg am Tagesdenken entlang.
Ich habe gerade meine Vortragsvorbereitung unterbrochen, weil mein Kopfinneres nicht damit aufhört, mir von schräg hinten links nach vorne reinzurufen: “Mach’s nicht so übernormal – erheb’s nicht so – es sind übliche Muster – denk an S. und H. “
und dann denke ich an S. und H. und erinnere mich an die Angst, die sich inzwischen aufgebaut hat, sie irgendwann nochmal zu sehen. Trauer und Angst – ich bin doch echt gestört.
Und dann denke ich an die Angst, die ich vor dem Wieder-sehen anderer Menschen habe.
Nächstes Jahr im Februar. Oder wann anders.
Und dann muss ich aufhören irgendwas vorzubereiten, weil ich steif geworfen bin und meine Hand die zwölfte Seite “mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm” angefangen hat, ohne dass ich es merkte.
Morgen, da treffe ich unsere neue gesetzliche Betreuerin.
Hurra hurra – Mai Juni Juli August September Oktober November. Just for the record.
Nein, ich hab’s nicht auch toll alleine hingekriegt.
Ich will meine “Akte” und meine Ordner mitnehmen und weiß nicht einmal, ob ich das tragen kann. Und ganz eigentlich habe ich schon längst vergessen, was ich eigentlich brauche. Oder verdrängt oder verdisst. Oder ach, vergessen, es nicht zu vergessen und dann doch vergessen. Wie das so ist.
Zum Glück bin ich ja nicht ganz dicht und irgendwo liegt eine Liste herum. Selbst wenn meine Welt kokelt und flammt, tropfen noch regelmäßig Listen aus mir raus.
Morgen Abend da hören wir eine Lesung und vielleicht gibt’s Kuchen.
Jetzt gleich gibt’s auch Kuchen. Hoffentlich. Immerhin ist der Treffpunkt für das Hundesitter_Innencasting ein Café und es ist Sonntag und 15 Uhr ist Kaffee- und Kuchenzeit.
Kartoffelkultur galore.
Und jetzt ich denke an Chanukka.
Das ist ja auch bald.
Ein bisschen mehr Licht.
Ich glaub, das fänd ich sehr schön.
Es ging mir besser, hatte ich gedacht.
Meine Zeichnungen waren ruhig und fließend, ich tröpfelte langsam in sie hinein.
Und dann verweigerte der Scanner den Dienst, weil er auch ein Drucker ist, dessen Tinte auch aufgebraucht werden kann.
Ich habe das Gerät von jemandem übernommen, mit dem ich heute keinen Kontakt mehr habe. Also nehmen Fragen wie: “Wo füllt man die Patronen am günstigsten auf, ohne extrem viel zahlen zu müssen? Wie macht man das? Wie entfernt man die Patronen? Wenn ich in den Drucker fasse, werde ich dann sterben?” viel Platz ein und irgendwo darinnen habe ich mein Bewusstsein für Körper, Raum und Zeit verloren.
Meine Zeitverluste merke ich nicht so, dass ich das Gefühl habe “da schiebt sich ein anderes Innen vor” oder “und dann wurde alles schwarz und plötzlich wieder hell” oder “ach da war ich ein bisschen konfus und ich weiß nicht mehr genau…”. Für mich ist es so, dass ich das Gefühl habe zu vergessen, dass ich da bin. Als würden solche Fragen, wie die nach den Druckerpatronen, mich aus dem Raum saugen, in dem mein Bewusst-sein für die eigene Existenz ist.
Früher habe ich nicht so deutlich gespürt, wann sie Zeit so eine Falte für mich geschlagen hatte. Da war ich irgendwie mal weg und irgendwann merkte ich mehr oder weniger überraschend, dass es mich ja gibt, ohne Zeit zu haben, mich darüber zu wundern oder zu erschrecken, weil ich damals noch zur Schule ging. Einen Tagesablauf mit Struktur im Außen hatte.
Ich hatte keine Zeit, keinen Raum und keinen Anlass mir Gedanken anzusehen wie: “Habe ich eine Familie? Was bedeuten die Worte Mutter, Vater, Familie, Liebe, Nähe, Zukunft und Vergangenheit für mich eigentlich?”. Heute weiß ich, dass das Teil der Funktionalitätserhaltung ist, die die DIS eben bedeutet.
Ich wäre zerfallen, wäre mir damals wie heute bewusst gewesen, dass ich keine Erinnerungen an meine Familie habe. Das ich nie geliebt habe und mein emotionales Spektrum zwischen Angst und Produktivität allein liegt. Wäre mir damals aufgefallen, dass ich mich nie erinnerte, wie, wo und wann – vielleicht mit wem zusammen – ich meine Hausaufgaben gemacht habe, hätte es mich zerrissen.
Heute ist mein Tagesablauf ein “unser Tagesablauf” und ich weiß das.
Dass ich Zeit verliere ist mir bewusst und den anderen auch. Wir wissen, dass wir auf Angstspitzen achten müssen – nicht auf konkrete Ereignisse im Außen. Es hat keinen Sinn ins Tagebuch zu schreiben, dass der Scanner nicht arbeitet, weil die Druckerpatronen leer sind. Das Innen, das statt mir an der Lösung des Problems arbeitet, muss notieren, dass es Überforderungsgefühle und Ängste gab [und vielleicht noch hochgetriggerte Reste- die wiederum aber nur mit Überschriften benannt werden] und zwar um XY Uhr in, zum Beispiel, der eigenen Wohnung.
Und dann geht die Listenschreiberei los. Das Innen notiert seine gemachten Etappen – wenn es denn schreiben kann* – neben seiner eigentlichen Aktivität.
Und genau so eine Liste habe ich mich gestern schreiben sehen.
Von mir, aber eben doch nicht mir.
Ich hatte nie das Gefühl, das ein anderes Alltagsinnen mal beschrieb, dass es sich wie ein Püppchen in eine fremdbekannte Welt gepflanzt fühlt, wenn es wieder bewusst für sich und uns wird. Aber diesmal hatte ich es und es war furchtbar mit einer neuen Dimension.
Normalerweise wäre so eine Episode so ausgegangen, dass ich vor dem Drucker verschütt gehe und Stunden später im Zeichnen/Schreiben/Lesen merke: “Oh, ich bin ja ganz schön steif geworden – ich mach mir mal einen Tee- Oh es gibt mich – Oh Mist – wie viel Zeit hab ich verloren? Wo ist die Liste? – Ah okay, es ist nichts sehr Außergewöhnliches passiert. Uff, okay Business as usual…”
Und diesmal saß ich in einem Café in der Altstadt, von dem ich weiß, dass wir es eigentlich boykottieren, weil es nicht barrierefrei und sowieso auch viel zu teuer für uns ist, vor einer Tasse Kakao und sah meine Hand aufschreiben, dass das Auffüllen der Druckerpatrone 25€ kostet und man sie in einer Stunde abholen kann.
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich war noch nie in einem Café drin. Als Gästin.
Was ich von der Innenstadt gesehen und erlebt habe, sind die Innereien von BehandlerInnen*praxen und dem KünstlerInnen*bedarfeladen.
Und dann saß ich eine halbe Stunde vor der Tasse, als wäre ich in einem Wartezimmer.
Und obwohl ich mich unwohl fühlte, hatte ich Angst rauszugehen und den Laden zu suchen, in dem ich die Patronen abholen konnte. Die Stunde war schon längst um, draußen dunkelte es Novemberdunkelheit, aber es war dieser Zustand des “da und doch weg” in dem ich mich der Stadt stellen sollte, der mich wieder in Angst fallen ließ.
Und als ich Stunden später dachte: “Hm, ich müsste den Drucker allgemein mal wieder reinigen” war schon alles vorbei.
Ich pustete meine Comicseite für mich auf. Machte sie nötiger fertig zu stellen, als eigentlich geplant, um nicht noch mehr zu denken oder zu fühlen.
Ich erinnere mich nicht einmal, ob dieser Kakao gut geschmeckt hat. Habe ich ihn getrunken? Ich erinnere mich nicht.
Zeit verlieren ist nicht lustig. Meine Amnesien produzieren für mich nie irgendeine Situation, über die ich dann eine ach so lustige Episode schreiben könnte, die einen Platz im großen Märchenbuch der Multimythen bekommen könnte.
Es geht immer wieder um Angst, die für mein Gehirn nicht anders kompensiert werden kann, als mit der Dissoziation.
Sein eigenes Dissoziieren spüren und beworten zu können, kann heißen, dass es einen Fortschritt gibt. Aber wenn sich dieser Fortschritt so stückig und schlimm anfühlt, vergeht mir schon der Impuls zum hoffnungsvollem Blick auf das Geschehen.
Dann geht es mir plötzlich doch nicht wirklich besser.
Dann bekomme ich auch Angst vor dem eigenen Heilen.
“Es ists so lange wie wir gar nicht hier waren”, sie spricht mit gespitzten Lippen und einem Hauch Wundern in der Stimme. “Dabei ist es schön hier… Ne?”.
Sie läuft langsam, mit den Füßen und Fingerspitzen tastend durch das erste Herbstlaub an unserem Platz. Sie atmet ein und fährt mit der Videokamera dicht vor dem Gesicht über die Rillen des langsam verwesenden Baumstammes, auf den wir uns setzen, wenn wir hier sind.
Ich würde sie gerne verstehen. Glaube ich.
Erst dachte ich, sie wäre eines der Innens, das von einem Geschehen übrig ist. Manche Innenkinder sind so entstanden. Dann ist etwas gebrochen und sie blieben zurück. Manche wie Krümel aus der Bruchstelle und manche wie ein Keks, der nie gegessen wurde, dessen Präsenz aber wichtig war.
Sie ist nicht so.
Eigentlich ist sie dysfunktional und im Alltag, im Leben, das wir heute leben, deplatziert. Zumindest, wenn es um Kontakt mit anderen Menschen geht oder darum selbstbestimmt zu leben.
Als 28 Jahre alte Person.
Und doch vergeht kein Tag, ohne, dass ich sie spüre oder, dass sie am Rand meiner Bewusstseinsfetzen klebt wie Honig. Süß und nahrhaft – klebrig und untrennbar.
Wie Wahrnehmungskotze von Bewusstseinsbienen.
“Weißt, was ich mal will? Ich will ehrlich auch mal so ein Gleiterfliegen machen.”, sie lächelt in den Himmel, wo zwei Mäusebussarde auf der Jagd auf dem sachten Oktoberwind gleiten. Sie zoomt aus dem Anblick heraus. “Weißt, wo einer, der das gut kann, so alles Wichtige macht und wo ich wie eine Babyraupe in einen Rucksack bin an seinen Bauch. Und dann hopsen wir einen riesigen Berg runter und gleiten wundergut über ein Tal drüber.”.
Hat sie gerade gejauchzt?
Hallo peinlich?
Ich schaue mich um. Sehe nur Schemen durch ihre Augen.
Ich verstehe auch den Körper nicht. Schon gar nicht, wenn sie ihn benutzt. Das ist jedes Mal, als würde sie sich ein Menschenkostüm anziehen, das viel zu groß ist. Manchmal merke ich so einen ganz dumpf dröhnend brüllenden Schmerz, der wie Fasern in Tweedstoff mit ihr verwoben ist und wundere mich, dass sie das nur dann äußert, wenn sie jemand fragt.
Warum muss man sie eigentlich immer alles fragen?
Sie ist eine Schnasselliese und eine ganze Zeit dachte ich, dass das genau ihre Spezialität ist: Machen, dass Menschen nett sind. Menschen glücklich machen. Menschen freundlich machen. Menschen manipulieren, um sich selbst abzusichern.
“Und wenn wir dann so gleiten, dann sitzts vielleicht auch ein Kindchen im Wald und guckt in den Himmel. Und dann sieht es uns und freut sich. Und dann winkt es zu uns hin vielleicht.”. Sie hebt die freie Hand und winkt den Greifvögeln über uns zu.
Sie lächelt und krault NakNak* hinter einem Ohr.
“Wir sind kein Kindchen mehr, F..”.
Ich weiß gar nicht, wieso ich das sage.
Es ist, was TherapeutInnen* immer wieder sagen. Blablabla Orientierung blablabla Selbstwahrnehmung blablabla Realitäten blablabla Norm blablabla aber eigentlich tut es ihr nur weh. Ist eine Erinnerung an die 13 Jahre, die ihr fehlen und das große Beben der Welten als wir ausgestiegen sind.
Ich merke, dass sie schluckt während sie mit ihrem Ersatzauge Fotos macht.
“Tschuldigung. Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich erwachsen bin. Dass ich kein Kindchen bin.”, ich halte ihr meine Hand hin und versuche sie zu sehen. “Aber du bist eins und das ist okay.”.
Sie kräuselt mein Gesicht in Wogen und Wellen. Dreht sich um. Löst sich auf.
Lässt ihre Augen auf dem Baumstamm liegen.
und dann halte ich ihn hoch und versuche mich wie Poseidon, Zeus oder wenigstens König Triton zu fühlen und Kraft meines Wissens die Situation zu beherrschen
In Wahrheit schwenke ich ein weißes Fähnchen aus Papier
Es begann damit, dass der Wecker um 7 Uhr klingelte. 2 Stunden nachdem die Augenlider wie schwere Vorhänge vor die Glutbröckchen mit denen sie Buchstaben zu erkennen versuchte, rutschten und 2 Stunden bevor der nächste Zahnarzttermin war.
Nur einmal nachpolieren. Am Montag hatte sie eine Panikattacke bei der Zahnärztin. Nur einmal kurz die Panikleiter rauf. Hyperventilieren und dann unter dem Lächeln der Assistentinnen erstarren. Innehalten, den Kiefer einrasten lassen. Warten. Gehen.
Auch mit der scharfen Kante.
Halb 10 in der Innenstadt.
Frühstücksbuffet hier, Kaffeeduft da. Tauben die Bettler anbetteln und Hunde, die in dieser Wüste aus Stein und Grau der Natur ihren Lauf lassen.
Hunger bohrte sich durch sie hindurch. Ihre Schritte schlackerten wie nett gemeinte Gesten unter ihrem Körper daher. Die Sonne versuchte sich in kurzen Stippvisiten.
“Gehts mir wieder gut?”
Mit der Zunge fuhr sie über die Lücke, die noch immer scharf und rau zwischen 5er und 6er klafft.
“Hab ichs jetzt überwunden?”
Da stießen schon wieder Tränen aus den unsichtbaren Grotten neben der Nase.
Sie fuhr nach Hause, streichelte den Hund. Legte sich hin und schlief ein paar Stunden.
“Bin ich jetzt bereit?”, sie schlug die Decke von sich.
Sie stand auf der Wiese und beobachtete die Hände, die die Videokamera umschlossen. Hörte dem Murmeln des Innens zu: “Nicht wackeln. Ausatmen und halten. Langsam- nur halten. Der Rest passiert allein. Ich kann das. Ich übe nur…”
Eine Biene, eine Hummel, eine Fliege, eine Schnecke, Klee, Disteln, Kamillen, Gräser, Luft, Sonne und Himmel.
Stille.
“Ich bin draußen.”
Vielleicht war es zu viel Luft zum Atmen.
Es endet mit dem Fazit:
Versuche eine Krise von sich aus für beendet zu erklären scheiterten erneut.
Vielleicht brauchte es nur das. Ein einfaches “What the fuck?!” von jemandem, den ich nicht gut kenne, der auf etwas reagiert, was ich so ewig ohne ein Wörtchen an jemanden mit mir rumgeschleppt habe.
Einfach irgendwie eine spontane, ehrliche Mitfühlung eines WHAT THE FUCKING FUCK?!- Moments.
Ich habe wohl gemerkt, dass es mir schwerer als sonst fällt, diese Welt zu berühren und Kontakt mit ihr auszuhalten.
Einfach schon, weil sich in meinem Kopf die Optionen der Reaktionen stapeln. Er/Sie/ * könnte denken dass… könnte finden, dass… denkt bestimmt, dass… findet mich sicher… hasst mich in Wahrheit… sieht mich nicht… hält mich für unfähig… und überhaupt weiß ich doch sowieso, dass ich…
So ein Optionenstapel wächst, schmilzt, wird zu einem Brei in dem ich meine Tage verbringe und schweigend, einhaltend, warte und nur hier und da Dinge äußere, die mir “sicher” erscheinen.
“Dieses und jenes kann man sagen- hatten wir schon zusammen- geht… gerade so/gut/okay/sicher aushaltbar”. In meinem Kopfannahmenbrei ist das wie die Stange vom Bademeister.
Wenn man schon nicht unter Kontrolle hat, wer die Wohnung betritt; wer einen verlässt oder verlassen muss; den Lauf der Welt weder beeinflussen noch anhalten kann, dann ist still-halten im Kopfbrei, der sich immer realer, immer echter, immer wahrhafter anfühlt, je länger man ihn nicht der Überprüfung aussetzt, das, was ich eben kann.
Klappe halten, warten, atmen, so tun, als wäre nichts. Irgendwann ist auch sicher nichts. Irgendwann ist alles gewesen. Eine Episode. Vorbei und vergangen. Tüdelü.
Bis jemand “What the fuck” sagt.
Dann ist es immer noch vergangen und vorbei. Weit weg, vertan, versackt, dreimal verdunstet und als Augenregen in Kissen reingetropft.
Aber es ist dann _gewesen_
Kein Angstfreudealptraum, den man nur von sich weisen _kann_, weil Fähig- Mutig- Kräftigkeiten fehlen. Surrealität, Absurdität, das krass krass krass der potenziellen Eventualitätsoptionen soweit über den Kopf ragen, wie die drei Zauberbohnen.
Weil allein, verlassen, einsam. Weil Angst vor dem Leben. Dem Dann. Dem Wenn. Dem und dann und dann und dann und dann.
Diesem ganzen Lauf der Dinge, den man nur mitmachen oder ohnmächtig, still, stumm anstarren kann. Ohne Kontrolle, ohne Einfluss.
Vorhin ist mir aufgefallen, dass ich mir die ganzen Kontroll- und Sicherheitslosigkeiten in meinem Leben mit Hass, Ablehnung, Dummheit, Opportunismus, Ignoranz, Mitgefühlslosigkeit, Zwang und persönlichen Ohnmachten erkläre.
Die Menschen müssen mich ja hassen, mich verachten, zu dumm sein mich und meine Entscheidungen zu verstehen, nur auf sich selbst bedacht oder einer anderen Instanz unterworfen- sonst würden sie mich ja nicht verletzen, kränken, diskriminieren. Mich so ohnmächtig fühlen lassen.
War ja immer so.
Kann ja gar nicht anders sein.
Hast du das denn schon wieder vergessen Rosenblätterdummchen? Du bist einfach scheiße- was hast du denn gedacht, was sich ändern würde, wenn…?!
Alle sind mächtig und du nicht.
Alle anderen kriegen ihr Leben geschissen und du nicht.
Weil du kaputt bist. Verkorkst. Von Natur aus falsch. Du brauchst dir nichts auf deinen Phänotyp des homo sapiens sapiens einbilden.
Du bist nicht wie sie.
Und dann geht mein ganzer Kopfbreistapel kaputt, weil andere, die, wie ich sie sehe, alles richtig machen, gänzlich okay und in Ordnung sind, nicht mehr als ein “What the fuck” äußern, um dem was war zu begegnen. Genau wie ich, als ich damit konfrontiert war.
Was Gewalt und Überwältigendes kann, ist Trennungen zu verursachen.
Ich habe mich von Menschen abgetrennt, die mich lange und nah begleitet haben. Von Menschen, die mich lieber anschweigen als in die Konfrontation zu gehen.
Ich habe mich von meinem Körper abgetrennt. Von Mutreserven, die die Überprüfung meines Kopfbreis, meines Handelns, meines Seins im Hier und Jetzt ermöglicht hätten.
Ich war außer mir und hab vergessen wieder in mich zu gehen.
So macht man das. So hats klein Rosenblatt doch gelernt.
Wenn man außer sich bleibt, dann ist aller Hass, alle Gewalt, alle Abwertung okay. Man kann ja sowieso nichts daran ändern.
Alles was zu viel, zu nah, zu überwältigend war und in der Folge passierte, hab ich in meinen Brei aus erklärenden Annahmen geworfen und mich an meiner Bademeisterstange aus Äußerungskontrolle festgeklammert.
Ich hab mich räumlich, sozial, emotional getrennt gehalten und es war okay.
Und, weil es für mich okay ist, muss es für andere ja scheiße sein.
Für mich darf ja nichts okay sein.
Also Druck und noch mehr Isolation.
Noch weniger Atem.
Noch mehr Trennung.
Noch mehr Gewalt, die von mir allein ausgeht.
Noch mehr Selbsthass für genau diese Gewaltausübung.
Noch mehr Gedanken zu Sinnlosigkeit, Ohnmacht.
Noch mehr Stille.
Noch mehr um sich kreisen, statt in sich hinein fühlen.
Ich denke, es ist gut, wenn ich das so spüre und für mich ausdifferenziere.
Wenigstens meinem Kopfannahmenbrei wieder mehr Marker für seine Eventualität hinzufüge.
Ja, kann sein, dass mich alle Menschen hassen und das aus gutem Grund – kann aber auch sein, dass XYZ der Fall ist und der einzige echte Fehler von mir ist, meine Ängste zu Annahmen und meine Annahmen zu Wahrheiten werden zu lassen.
Ich kann immer noch Einsiedlerin werden.
Aber ich muss es nicht sein, weil ich Angst davor habe den Gefühlen und Handlungen anderer Menschen auf immer und ewig hilflos ausgeliefert zu sein, die ich dann irgendwie in meiner Kontrollstarre aushalte.
Reicht, wenn ich eine werde, weil mir Menschen sicher sagen, dass sie mich verletzen, kränken, zu Tode ängstigen, weil darum.
bis dahin könnte ich
mit dem großen Zeh zuerst
zurück in mich, an mich heran gehen
irgendwann heute morgen ist mir eingefallen, dass ich aufgehört hatte zu warten
ich glaube nicht, dass da ein gedanke war, der mir sagte, es käme niemand. so denke ich erst seit ein paar jahren.
erst seit es kommende und gehende menschen in meinem leben gibt.
aktion und reaktion waren tragend. das weiß ich noch. aber irgendwann werden sich meine reaktionen auf eigene aktionen begrenzt haben. manchmal hat das rauschen in meinem kopf sich zu einem schrillen sirrenden faserig flirrenden ton verwandelt und ihn mir fast gesprengt. also schüttelte ich den kopf und ließ den ton aus meinen ohren herausfallen. ich bin im kreis gelaufen und hab das gitterbedeckte loch im boden ausgelassen.
heute morgen dachte ich, dass das aufhören eines wartens, das erste in sich hinein- und aus der welt herausfallen ist
wenn man nicht mehr wartet, dann ist es, als trenne man eine letzte verbindung, um neue wege des ich zu gehen
man lautet um etwas zu hören, greift sich alles außer sein selbst und steckt es sich in den mund, um zu fühlen und eine reaktion zu provozieren. und sei es das hochwürgen und erbrechen der eigenen fäkalien.
wenn das ende des wartens auf den reiz menschlicher existenz, zur reizung an sich selbst wird
das ist, als würde das leben versuchen, sich selbst zu reanimieren
eine art implosion, die denkt sie sei fähig zur explosion ist das
ich hab lange gedacht, dass mich das warten zermürbt hätte. diese ohnmacht vor der verschlossenen tür, die sich nicht auf schreien, treten, verhandlung, fragen, bitten, betteln, weinen, versprechen öffnete. die nur da war und irgendwann zu einem wandstück wurde, das anders schmeckte, als die anderen.
jetzt denke ich, vielleicht war das mürbende element viel mehr, dass es nach dem ende des wartens weiterging
dass selbst das ende der existenz des “außerhalb von mir” in meinem eigenen inneren kosmos nicht das ende von mir bedeutete
ich weiß nicht wieso ich nicht ausgewichen bin auf das warten auf den tod
wieso hab ich damals aufgehört zu warten
und wieso besteht heute, wo ich licht, nahrung, wärme, sauberkeit, luft, bewegungsfreiheit und ansprache habe, der großteil meiner alleinsamkeit daraus, alle reize von mir abzutrennen und
Ich hatte diesen einen klaren Moment, in dem ich nicht nur wusste: “Trigger – Flashback – gesamte Bandbreite von Überregung – Depression – mentale Isolation – Dissoziation – > hol dir Hilfe, sorg dafür, dass es einen doppelten Boden unter dir gibt”,
sondern auch wusste: “Was hier jetzt gelaufen ist, ist eine Re- Traumatisierung für mich. Ich darf mich verletzt und kaputt, irgendwie zerstört und wund fühlen. Ich muss niemandem einen Grund zur Freude oder Bestätigung meiner Authentizität liefern. Ich muss niemandem sagen, was er oder sie gerne hören möchte, damit es ihm oder ihr mit meiner Not besser geht.
Ich muss niemanden bestätigen und meine Ablehnung von Äußerem rechtfertigen.”
Traurig ist es für mich, diese Gedanken und Impulse erst eine Woche später zu haben, nachdem ich zum zahnärztlichen Notdienst gehen musste, weil mir eine große Füllung aus einem eh schon mühsam geretteten Zahn gebrochen war.
Wieder eine Notsituation. Wieder ein Moment, in dem ich von innen Angst vor einer Art Sterben spürte, Hilfe suchte und dann so übergriffig mit mir umgegangen wurde.
Ich für mich, kam mir wie eine verdammte Heldin vor, wie ich da- kaum in der Lage Wörter zu produzieren, das Zittern zu unterdrücken, Tränen aus scheinbar 5 zusätzlichen Tränendrüsen rauslaufend zu haben und hyperventilierend – seinen Arm wegdrückte, aufstand und vom Stuhl kletterte.
Ich sah ein Mich da stehen vielleicht 6 oder 7 Jahre alt, verletzt und bedürftig und mein Ich so heldinnenhaft, weil ich es schaffte, genau in dem Moment, in dem das wichtig war, dieses Kind an mich zu nehmen- obwohl dieser (unfassbar furchtbare) Arzt und seine Helferin, die uns – natürlich ungefragt- ständig den Arm streichelte, genau diesem kleinen Mir und diesem großen Ich weiter zusetzten mit ihren sexistischen, unempathischen- einfach unangemessen groben Phrasen.
Und- es kam jemand, der mit uns ist.
Ich spürte, wie das Kleine in mir aufatmete und sich ein Gefühl ausbreitete, in dem es um Sicherheit durch ZeugInnenschaft, Gemeinschaft, durch Chance zur Überprüfung der eigenen Wahrnehmung geht.
Mein Atemrhythmus regulierte sich, meine Haut, die Hände und Füße wurden wieder durchblutet, die Angst wich Unverständnis und Wut, die näher an die eigene Lebendigkeit führte.
Ich musste nicht alleine in der Nacht noch mit der Bahn nach Hause, in meine Wohnung, die sich noch immer nicht wirklich wieder okay anfühlt. Ich musste nicht alleine sein. Ich musste nicht sachlich bleiben, weil “Na na na- der wollte dir doch nur helfen- was hast du denn erwartet- Ärzte sind Ärzte”. Ich musste nichts können- ich durfte mich schlecht fühlen und ich durfte mich auch heldinnenhaft fühlen. Das war so eine gute Insel, die mich nicht nur daran erinnerte, dass mein Anspruch von HelferInnen gut und grenzwahrend behandelt zu werden absolut in Ordnung ist, sondern auch noch durch mein bloßes in Not sein- nicht durch die Art, wie ich als Person bin- gerechtfertigt ist, und auch darin bestätigte, dass mein ablehnendes Verhalten in Ordnung war, obwohl ich ihn um Hilfe gebeten hatte.
Wenn einem etwas passiert, was im Kopf und im Gefühl alles auf einmal durcheinander wirbelt, dann hilft es manchen Menschen sich auf eine Ebene zu stürzen. Am liebsten die Sachebene, weil diese nicht mit persönlichen Befindlichkeiten vermischt sein darf. Das ist gesellschaftlich anerkannte Spaltung und “gesellschaftlich anerkannt” ist immer gut- gerade dann, wenn man das Gefühl hat, dass einem gerade etwas (wieder) passiert ist, das so sonst gar niemandem jemals auf dem ganzen Planeten passiert ist.
Auch dabei geht es um Gemeinschaftsgefühle und ein Agieren, das absichern soll.
Was bei größeren Belastungen eine gute Möglichkeit zur Verarbeitung des Erlebten und Aufrechterhaltung der Fähigkeit einen eigenen Alltag zu leben führt bzw. dabei hilft, kann bei einer Belastung, die das absolute “Zuviel” in sich hat (also ein Trauma ist) genau das sein, das zu innerer Spaltung führt, weil es ein weiteres “Viel” bedeutet.
Ich bin in der Therapiestunde nach der sogenannten Suiziddrohung tatsächlich vor der Therapeutin geplatzt und hab sie angeschrien und, anstatt mich zu erinnern, dass auch meine viel zu kurze Lunte zum Impulsdurchbruch in dem Moment, ein Symptom für nachwievor bestehende Überregung war, habe ich mich (und mein Leben und alles) fertig gemacht, weil ich nicht entsprechen konnte.
Ich konnte – und kann noch immer nicht zur Tagesordnung übergehen. Kann nicht in meinen Alltag zurück, weil mein Alltag und meine Alltagsumgebung kaputt ist.
Ich kann kaum schlafen, esse um mich zu fühlen- nicht um satt und genährt zu sein. Wenn ich mich zwinge mein Grübeln zu beenden, geht die Grübelenergie in meine Muskeln und Nerven, die unkontrollierbar unter meiner Haut zucken. Seit über einer Woche schwanke ich zwischen “Ich schreie gleich meinen Schmerz, meine Angst, meinen ganzen inneren Kosmos heraus” und “Bin ich überhaupt da?”
Ich will die Emotionen anderer Menschen nicht- sie sind mir mal scheiß egal gerade, weil meine eigenen mich beißen und aufessen wollen und ich mich kümmern muss, ihnen andere Quellen als meine Ich-Struktur anzubieten.
Wenn ich darüber rede/ schreibe, dann geht es mir nicht um Schuld, dann geht es mir nicht um Verantwortung, dann ist mir jedes “hätte”, “würde”, “wenn” fern. Dann geht es darum dieses VIELZUVIEL in seinen feinsten Fäden zu entwirren und nebeneinander darzulegen, zu betrachten, zu analysieren und erst dann zu einem verarbeitbaren Knäul zu machen. – Und eben nicht von mir zu erwarten dieses eine Erlebnis mal eben zu erklären- G’tt wie viel Zeit ich jetzt damit verbracht habe, diese Situation immer wieder erklären zu müssen – mich immer wieder damit konfrontieren zu müssen, immer wieder nochmal neu nachzufühlen – und dann die Sachebene zu bearbeiten.
Ich weiß, dass die da ist. Ich weiß, dass ich mich kümmern muss.
Ich weiß aber auch, dass die Tatsache, dass ich das gerade tue, genau das ist, was uns im Innen total auseinanderreißt und nicht auch noch haltbar ist.
Der Notfallzahnarzt hat es mir sehr leicht gemacht, nicht entsprechen zu wollen. Manche Menschen in meinem sozialen Umfeld machen es mir nicht so leicht.
Bei manchen steht viel Zukunft auf dem Spiel und viel mühsam abgerungenes Zutrauen – zum Beispiel bei der Therapeutin.
Bei manchen steht viel Zuspruch und stärkende Unterstützung in Gefahr- zum Beispiel bei der Frauenberatungsstelle.
Bei manchen steht viel Leichtigkeit und nährende Alltagsinsel in Frage- bei unseren Gemögten zum Beispiel.
Es geht darum, mir zugestehen zu können, dass ich gerade nicht die “C. Rosenblatt” bin, die sonst aus ihren Texten, ihrem Wirken, ihrem Auftreten herausrezeptioniert wird.
Für äußere Beobachter war das alles “unangenehm”, “ätzend”, “totale Scheiße”, “nicht schön”.
Aber uns drin war das eine Situation, die uns traumatische Situationen in unserem Leben hat fast 1 : 1 noch mal- schon wieder- erleben lassen und zwar nicht nur eine- die ganz ganz fern zurück liegt und verarbeitet, gerächt und begraben ist- für die wir irgendwelche Maßstäbe in irgendeiner Form haben- sondern mehrere, die nachwievor in uns drin ablaufen – immer und immer und immer wieder.
Das ist nicht nur “ätzend”.
Tut mir leid – ich wünschte, ich könnte mich mit diesen Menschen hinsetzen und mit dem Abwurf eines plumpen “is ja blöd gelaufen” alles das einfach abhaken.
Kann ich aber nicht.
Und ehrlich gesagt will ich das auch nicht, weil es mir vorkommt, als würde ich das tun, um mir Gemeinschaft von Menschen zu sichern, die mich nur annehmen, wie ich das kleine Mich beim Zahnarzt, wenn ich mit ihnen auf der Sachebene treffe: Sortiert, sachlich, mäßig emotional, _ein_fach, unempfindlich, stark, stabil, freundlich, empathisch und nicht zuletzt: dankbar
Uns ist etwas wirklich richtig Schreckliches passiert und ich nehme mein Umfeld verschoben wahr.
Mir drängen sich permanent unausgesprochene Ansprüche auf und immer wieder flackert dieses tausend Male bestätigte, x- fach eingebrannte Kindwissen auf: “Wenn du dem nicht entsprichst, wird es weh tun bis du nicht mehr bist.”. Alle- wirklich alle jemals verwendeten Antennen fahren auf Hochtouren und lösen den Vollalarm aus, sobald irgendeine Form von Nicht-Kontrolle wahrgenommen wird.
Das geht nicht weg mit: “Macht es euch mal gemütlich”, “Habt es schön”. Auch das ist ein Imperativ auf den mein Innenleben mit diesem uralten Reflex des: “Ja, ich bemühe mich so sehr wie ich kann! Ehrlich- ganz wirklich- ich mache was ich kann- ich tue was du willst” reagiert.
Ich weiß nicht, was mir jetzt hilft.
Ich hab keine Ahnung, was wir jetzt brauchen.
Was ich will ist: _sein_ dürfen; mich in der Welt fühlen dürfen, von deren Rand ich mich heruntergefallen wahrnehme
Auch ohne Aktivismus auf allen Ebenen. Auch mit Heldinnencape und Heulrotztropfen auf der Brust. Auch mit Brüllen vor Ohnmachtsgefühlen. Auch ohne akut geäußerte Dankbarkeit. Mit Verletzlichkeit, die man mir nie zugetraut hätte. Mit allen Gedanken und aller ungefilterten Intellektualität, die mich vielleicht schwer verständlich macht. Mit aller Nicht-Gegenseitigkeit, die mein Fordern mit sich bringt. Mit allem, was andere Menschen nie tun würden/ könnten/ wollten/ dürften/ müssten/ sollten.
Ich bin mit all dem gerade da. Wird mir begegnet, als sei dem nicht so, taucht jemand anders auf und das ist das Problem, das ich als Viele – Mensch habe.
Innere Spaltungsprozesse bzw. Innens, passieren nicht wegen Gewalt, sondern wegen vieler Überdosen “ZUVIEL”.
Wenn wir bzw. meine Psyche als Einsmensch eines in unserem Leben gelernt haben, dann ist es Anpassung durch Spaltung. Es wird immer wieder passieren, dass wir spalten (weg gehen) wenn wir nicht mit allem _sein_ können und das Außen wird genau das nicht spüren, wenn es sich nur um sich dreht.
Und sich darüber beschwert, was mir denn einfällt, sie mit meiner Not zu belästigen oder, wie dieser Zahnarzt, auf meine Panik mit einem genölten: “Was soll das denn jetzt- nu stell dich mal nicht so an- leg dich hin und lass XY machen” reagiert.
Ja verdammt- ich kann die Gründe für sowas sehen und verstehen. Ich weiß, der Arzt hatte einen scheiß langen Tag und in seiner Welt haben “kleine Mädchen” voll viel Interesse daran, einem tollen großen alten Arzt zu gefallen – was für ein Unkomfort, dann so zu agieren, wie ich.
Ich weiß, was das für ein Gefühl ist von: “Woa fuck- was mach ich denn jetzt?!”- wenn jemand kommt und einem sagt: “Ich kann nicht mehr- mir geht es schlecht und alles ist zu viel- ich weiß nicht, was ich machen soll”. Ich weiß genau, dass man sich dann erst mal hilflos und ohnmächtig fühlt, als erstes Gedanken an Verantwortung und Schuld hat und mehr oder weniger bewusst hat, dass man auf sich selbst achten muss.
Ich weiß aber auch, dass es verdammt noch mal so so so so viel öfter dran ist, jemandem einfach nur die Hand hinzuhalten und mal so einen Moment so gar nichts zu machen oder zu verlangen oder zu wollen oder zu verändern oder wegzumachen oder oder oder
und diesem Menschen einfach mal kurz – und sind es 2-3 Minuten das Gefühl zu geben da_sein_ zu dürfen.
Auf mehr warte ich gar nicht. Mehr suche ich nicht. Mehr will ich nicht.
Wir bekommen gerade von allen Seiten so viel “mehr” angeboten.
Und
können
nichts
damit
anfangen.
Außer mit diesem fremden Lächeln immer besser und immer reflexhafter rauszulügen: “Danke”
Vielleicht können wir das in zwei drei vier fünf Wochen, wenn wir keine Angst mehr vor dem Zusammenbruch unserer bürokratisch regulierten Lebenslegitimation haben müssen. Wenn wir diesen Strafanzeige-OEG –Mist irgendwie in einer Art abgesicherten Handlungsablauf haben. Wenn ich vielleicht endlich einmal richtig ausgeschlafen habe.
Wenn es nicht mehr so weh tut, Gemögte verloren zu haben. Sicherheiten verloren zu haben.
Wenn die Erinnerung wieder etwas weiter im Hintergrund ist.
Vielleicht dann.
Dann sind wir wieder voll der Bereitwilligkeit uns auch für die Gefühle und Lebenswelten anderer Menschen zu öffnen und uns zurückzustellen.
Aber jetzt nicht.