und so viel schlimmer

Manchmal ist es wie eine Art innere Schwerelosigkeit.
Wie in einem Film mit langsamer Kameraführung, fast unmerklichen Eigenbewegungen der Objekte und subtilen Hinweisen auf die Anwesenheit eines Subjekts. Ein flatterndes Atemgeräusch, ein diffuser Farbfilm über allem, ein surrealer Anblick bekannter Gegenstände.

Es ist schwer nicht darin aufzugehen. Es tut nicht weh, es gibt keine Gedanken, es ist weder leicht noch belastend. Es ist einfach nur Sein ohne Anfang oder Ziel, ohne Funktion, ohne Rahmen, ohne all das Musskannsoll, das man als stetiges TickTack im Leben hat.
Es ist nicht schön. Es ist kein watteweicher Traum, in dem alles besser ist, als in “der Realität ™”.
Es ist einfach nur ein Zustand.
Ein dissoziativer Zustand.

Manchmal gehe ich aus Therapiestunden, in denen wir über traumatisierende Erfahrungen gesprochen haben, mit diesem Gefühl. Nicht komplett, aber schon so, dass mich die Welt auf dem Heimweg weder verletzt noch erschreckt, noch vereinnahmen kann.
Ich denke mir das wie eine Art Betäubung, denn zwischen dem Zimmer der Therapeutin und unser Wohnung mit NakNak*, Sicherheit und Stille, passiert die Welt mit ihrem Lauf der Dinge.

Es ist ein Geschehen, das mir das, was wir in der Stunde angestoßen haben, mit einem Schlag wieder entreißen kann. Ein Geschehen, das weder Raum noch Begreifen davon hat, was ich nach so einer Stunde von A nach B trage. Ein Geschehen, von dem ich mich so getragen fühle, dass ich mich auf dem Rad und in der Mitte von betäubtem Sein und nach außen achtsamem Handeln halten kann. Weil es immer gleich ist. Immer gleich rücksichtslos. Immer gleich unabhängig von mir. Immer gleich anfassbar, wie nach mir greifend.

Zuhause lässt es nach.
Da ist NakNak* die ihre Wange an meine Wange drückt und sich wieder einrollt, um zu schlafen.
Zuhause greift die innere Schwerkraft und die kleinen in der Stunde hochgewirbelten Teilchen sinken ab. Ich weiß, dass ich weder still auf meinem Platz sitzen, noch irgendetwas tun sollte, das mich sehr fordert.
Werde ich still und stumm, werde ich starr und das Erinnern absorbiert mich.
Werde ich mit vielen Reizen gleichzeitig konfrontiert, verliere ich den Faden zum Stundeninhalt und damit einen neuen Bezug zu mir selbst.

Ich weiß nicht, ob diese Zeit des Absinkens die eigentliche Verarbeitung ist. Manchmal kommt es mir so vor, denn ich merke Veränderungen an der Art, wie ich über die Dinge nachdenke.
Nicht komplett anders. Aber anders.

Zwischendurch rutsche ich ab und merke das.
Zum Beispiel esse ich dann etwas und erlebe, wie ich zwar die Gabel halte und führe, aber nicht esse.
Manchmal ist es so, als würde sich da etwas durch mich hindurch in das Heute und mich hineinweben. Und manchmal ist es, als würde mich etwas in das Früher hineinflechten, um ein Loch zu schließen oder einen Weg zu ebnen.

Wir kriegen Fieber nach solchen Stunden.
Es steigt schnell an, hält sich eine Weile und versickert von allein wieder.
Und wir tun was man tut, wenn man Fieber hat.
Viel trinken, liegen, schlafen, Ruhe und eine Art Sein im Selbst, weshalb ich mich frage, ob es vielleicht nur diese Funktion hat.
Also, dafür zu sorgen, dass ich weder körperlich noch geistig in der Lage dazu bin, irgendetwas mehr als das zu erfahren, was dann ist. Nämlich die äußere Ruhe (Sicherheit) und das Innere, das miteinander Geteilte und manchmal auch die Innens selbst, die ihren Weg aus dem Früher ins Heute gehen und sich mal hier und mal da abstützen, verwirrt stehen bleiben, warten, suchen, Versicherung in der äußeren Stille finden und weitergehen.

Jedes Mal wenn mir das passiert, denke ich, dass ich dachte, das hinter mir gelassen zu haben:
Den Körper als eine Art Schale oder Kostüm zu empfinden, das sich andere Innens nehmen können, um mein Heute zu erfahren.
Und dann muss ich mich doch wieder plötzlich übergeben, weinen oder anpinkeln und ähnliches, ohne etwas dagegen tun zu können. Weil ich zwar da bin und verstehe, warum das passiert, aber dann doch genauso nicht gegen diese Art der alten, heute plötzlich einfach möglichen, Reflexe ankomme, wie es den beteiligten Innens damals nicht möglich war.

Das ist, was ich an der Therapie so hasse.
Was ich immer vermeiden will, weil es immer wieder diese Momente so bodenlosen Kontrollverlustes gibt.
Nie lange, nie “wirklich” schlimm – also, in dem Sinne, dass es irgendwelche Auswirkungen auf das ganze Leben hat oder größere Schäden verursacht – aber schon so, dass ich neben dem in der Therapiestunde selbst erlangten Verstehen von einer früheren Situation, auch ein Begreifen von der Unausweichlichkeit und der Wucht einer äußeren Überlegenheit uns~mir gegenüber in ebenjener Situation bekomme.

Viele sein ist kein Gedankenspiel. Jedenfalls nicht nur. Manchmal spielen spontane Assoziationen während einer traumatisierenden Erfahrung eine Rolle, ja, aber es ist nicht so, dass man sich dann da reinsteigert und irgendwann glaubt, man selbst sei jemand anders.
Jedenfalls ist das nicht, wie wir viele sind bzw. wie wir die Entstehung von (ganzen) Innens rekonstruieren können.

Ich erlebe mich selbst, wie ich mich erlebe. Ich bin ich und bin darin konsistent. Mein Ich beginnt in dem Moment, in dem ich gefragt wurde, wer ich bin und endet dort, wo ich weiß, was ich mag und was nicht; was ich kann und was nicht; in welchen Situationen ich kompetent bin und in welchen ich eher Unterstützung brauche und warum das für mich problematisch ist.
Ich weiß, was ich erlebt habe und was nicht. Ich kenne meinen Kosmos und merke mal mehr mal weniger deutlich, wo der eines anderen Innens beginnt.

Für mich gab es nie einen Anlass (oder sollte ich sagen: die Möglichkeit?) mir einzureden, dass ich jemand anderes bin.
Denn: Ich bin allein entstanden. Da war niemand anderes. Da war nichts und niemand. Außer mir.
Mein Kosmos war mit mir und dem weißen Rauschen, das Gehirne sich machen, wenn sie nicht stimuliert werden, befüllt. Ich weiß noch genau, was ich damals gedacht habe und ich weiß noch genau, dass es zu keinem Zeitpunkt jemals war: “Also, ich bin die K. und ich bin x Jahre alt und …”.

Für mich ist das ein relevanter Aspekt meines Selbst_Verständnisses. Denn manchmal denke ich, dass von mir erwartet wird, einen Schritt zu machen, der mich negiert, wenn es um die Erfahrungen anderer Innens geht. Als sei die Anerkennung ihrer Erfahrungen gleichzusetzen mit einer Anerkennung eigener Erfahrungen.  Als wären ihre Erfahrungen gleichermaßen auch meine.

Das ist der Punkt an dem die Pathologie greift. An dem mein Empfinden als krankhaft bzw. gestört oder verzerrt oder verschoben … verrückt eingeordnet wird. Denn die Erfahrung hat immer ein Körper gemacht. Der Körper, in dem sowohl ich drin bin, als auch die anderen Innens.
Das ist aber auch der Punkt an dem ich bin, wie ich bin. Wer ich bin und was ich als mir zugehörig empfinde – und was eben nicht. Auch wenn es krank, gestört, verrückt, falsch ist. Auch wenn es sich der Logik von Körper-Seele-Geist-Verbund entzieht. Für mich fühlt es sich rund an. So, wie es eben ist, ich zu sein und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, gemacht zu haben.

Die Zeit im Fieber reißt mir das auseinander.
Da verstärken sich gemeinsame Erfahrungsqualitäten so sehr, dass unscharf wird, was zu meiner Erfahrung im Jahr XY, mit Verlauf AB, Ende X und Auswirkung Z im Heute gehört – und was zu dem, was das Innen mir aus einer ganz anderen Zeit, ganz anderem Verlauf usw. mitge_teilt hat, gehört.
Meine Selbst_Sicherheit wird erschüttert. Mein Selbst_Bild verändert, ohne, dass ich konkret sagen könnte inwiefern genau. Mein Verständnis für das Innen und dessen Gefühle, Wünsche, Impulse, Gedanken und Empfindungen wird zu einem Mit-ihm-Mit_Empfinden, Mit_Fühlen, Mit_Leiden.

Aus meiner Klarheit um meine Erfahrungen wird etwas, was die Erfahrungen des anderen Innens mitmeint.
Obwohl es nicht die gleichen sind. Obwohl da eine Linie bleibt, die mich von ihm trennt und Unterschiede aufzeigt.

Mir kommt das viel verrückter, kränker, durchgeknallter, schlimmer vor, als das, womit ich vorher umgegangen bin.

Ich merke jedes Mal, wie ich anfange mich zu bemitleiden, weil ich zu Bruchstücken des Mit_Geteilten auf einmal Gefühle und spontane Erinnerungen, die daneben stehen, habe – aber ganz sicher weiß, dass sie vorher nicht da waren.
Jedes Mal denke ich, dass ich jetzt wirklich durchknalle – dass ich jetzt wirklich richtig auf irgendeinen scheiß Psychotrick reingefallen bin, der mich verwirrt, mich verändert, in mich reingegriffen und völlig verdreht hat. Jedes Mal rutsche ich in die klassische False Memory-Argumentation der “von Therapeuten gemachten Erinnerungen” und falle von dort zurück in die (alten) Ohnmachtsgefühle vor äußeren Überlegenheiten.
Ich merke, wie ich vor mir selbst zum Opfer werde, weil meine innere Konsistenz aufgeweicht ist. Merke, wie wichtig es ist, mich zu orientieren.

Und merke dann, wenn ich klar weiß, was los ist, wie um noch viele Grade mehr schlimmer alles ist, weil es einfach ist, wie es ist.
Gerade weil, ohne dass irgendjemand irgendwas mit mir gemacht hat, das Erinnern bzw. der Prozess der Verarbeitung und inneren Kontextualisierung passiert und zu mir gehört und etwas mit mir macht, weil es das jetzt – hier und heute – kann.

Es ist schlimmer, weil ich mich nicht aktiv dafür entscheiden und, weil ich es nicht aktiv gestalten kann. Ich kann es nur aktiv verhindern und aktiv kaputt machen. Ich weiß, was mich rausreißen würde. Wie ich das alles von mir fernhalten kann. Beziehungsweise, wie ich mir einreden kann, dass ich es kann, bis ich es glaube, weil ich nicht mehr darüber nachdenke, sondern über tausend andere Dinge und Wahrheiten.

Doch mit einer Körpertemperatur zwischen 39 und 40 Grad ist so etwas einfach mörderisch.
Es ist leichter für mich dann liegen zu bleiben. Mich der Fürsorge aus dem Innen zu übergeben und zu glauben, wenn es mir sagt, dass alles in Ordnung ist und ich einfach nur liegen bleiben kann und nichts passieren wird, das mich zerstört. Dass wir das schon kennen. Dass wir einen Umgang damit haben. Dass wir nicht allein sind. Dass wir jederzeit fragen können, ob noch da ist, wen wir da zu wissen brauchen. Dass es echt war. Dass es eine echte Erfahrung war. Dass sie vorbei ist.

Das ist so viel leichter, als zu denken, dass es vielleicht einfach nur so irgendwas ist war vielleicht – keine Ahnung – anderes Innen – irgendwie… ach keine Ahnung – egal – oh guck ein Schmetterling!

Und so viel schlimmer.

10 Jahre später

10 Jahre sind seit unserem Ausstieg vergangen.
10 Jahre, die ein Drittel unseres Lebens sind.

Manchmal denke ich: “Ach das ist doch wie ein Rezept. Ein Teil Freiheit, ein Teil Gewalt und ein Teil Lauf der Dinge…” und stelle mir uns und unser heute-am-leben-sein, wie einen Hefeteig vor, der wächst und reift und sich entwickelt und … zu etwas wird, das man anders benennen kann.
Kuchen, Keks, Butterbrot – mir egal. Hauptsache irgendwie fertig.
Fertiger als jetzt.

Als wir uns damals dazu entschieden haben, der Selbstverständlichkeit unserer Verfügbarkeit etwas entgegenzusetzen, taten wir das ohne konkrete Vorstellungen oder Ideen davon, was dann so passieren würde.
Wir taten es nicht, wie es in zahlreichen Büchern zum Thema vorgeschlagen oder angeraten wird. Wir taten es nicht getragen von einer großen inneren Übereinkunft, dass der Ausstieg das Beste für uns sei. Wir taten es nicht einmal im Bewusstsein aller Innens.

Wir haben diesen neuen Lebensabschnitt angefangen, wie wir alle neuen Lebensabschnitte angefangen haben.
Überfordert, dissoziativ und letztlich: allein.

Das macht unseren Ausstieg nicht zu einem falschen Ausstieg oder zu einem, der nicht echt ist.
Es ist nur einer, der die Kluft zwischen außen und innen verstärkt hat.

Ausstieg, das klingt, als würde man eine Tür öffnen und von einem Raum in einen anderen treten.
Tatsächlich sind wir einfach in irgendeine Richtung gelaufen und merkten erst viele Jahre später, dass wir nicht mehr “im Ausstieg” waren, sondern mitten in einem Niemandsland aus Therapie, Selbstreflektion, klar kommen, wachsen, schrumpfen, verzerren, zerfallen, sich sammeln, erstarken, Hoffnung schöpfen, doch Bitterkeit schmecken.

Für uns war das eine Zeit, in der Stabilisierung wichtig war. In alle Richtungen.
Essen, trinken, schlafen, ausscheiden, interagieren, sicher sein – um nicht viel anderes haben sich diese ersten Jahre gedreht, denn nichts davon hat normgerecht funktioniert.

Wir haben nicht über das, was vor dem Ausstieg war, gesprochen.
Die, die vor dem Ausstieg waren, haben bis heute nicht gesprochen.

Aber gefunden haben wir sie. Wir sind uns ihrer inzwischen bewusst.
Haben verstanden, dass wir nur ihre Schutzschicht, ihr Beiwerk, eine Art funktionaler Alltagsschmuck sind.
Verstehen uns als ihre Dissoziation auf das Trauma, das unser Ausstieg für sie war.
Denn unser Ausstieg – unser ach so gutes uns selbst retten, war ihr Kontrollverlust, ihre Todesangst, ihre Vernichtungserfahrung ohne Hilfe oder Rettung von außen.

10 Jahre, das kann man so lesen und denken: “Boa das ist aber ganz schön viel Zeit.”.
Das kann man denken, wenn man erlebt, wie Tag und Nacht einander abwechseln, wie sich eine Woche in Tage hacken und hintereinander wegleben lässt und Zeiträume zwischen “Anfang” und “Ende” klemmen kann.
Wenn es diese Eindrücke des Selbst- und Umwelterlebens jedoch nicht gibt, sind 10 Jahre eine bloße Zahl in einem irrelevanten Kontext.

Gestern hatten wir Anlass darüber nachzudenken, ob es ein Zurück geben könnte.
Könnte man heute noch so auf uns zugreifen, wie vor 10 Jahren?
Könnten wir heute noch so funktionieren, wie es vor 10 Jahren wichtig war?
Was, wenn die letzten 10 Jahre nur eine Pause, ein Spiel, Teil eines Plans sind und das überbordende Gefühl der Innens, denen unser Ausstieg passiert ist, dass das alles einfach gar nicht wahr ist, stimmt?

Wir sind heute nicht mehr so allein wie vor 10 Jahren.
Wir sind heute auch nicht mehr so einsam und insgesamt dysfunktional wie damals.
In den Jahren seit dem Ausstieg haben wir uns so viel Bewusstsein erarbeitet, so viele dissoziative Brüche verschlossen – haben uns eingebracht und die Welt angefasst.
Aber ist das ein Schutzschild?

Wir wissen noch immer nicht, woraus wir da eigentlich ausgestiegen sind. Wissen nur, dass wir ausgestiegen sind, weil wir dachten, dass das unsere Aufgabe ist. Dass man so Therapie macht, wenn man viele ist und andere Menschen das ausnutzen.
Wir haben das nicht für uns gemacht.

Wir konnten es aber auch nie für uns machen.
Wir wussten damals noch gar nicht wer wir sind, was wir können und wollen.
Was wir wünschen und was wir empfinden.
Wovor wir Angst haben und was das überhaupt sein soll: Leben

Das hat sich inzwischen verändert.
Wir wissen umeinander. Wir wissen um unsere Vorstellungen und Ideen. Haben Ziele, die über akute Bedürfnisbefriedigung hinausgehen.
Wir haben ein Bild von uns als Körper, der re_agiert und auf den hin re_agiert wird.
Nichts davon ist in jeder Situation sicher abrufbar – aber es ist da und wird mal schneller, mal erst nach einiger Zeit als fehlend erkannt, wenn es nicht da ist.

Realistisch gesehen ist das kein Schutz vor Täter_innenzugriff. Wir wissen, dass wir als inneres System nur dann funktionieren, wenn wir auch “an” sind. Wird ein anderes System angesprochen, funktioniert dieses System. Das ist nachwievor so und wir würden uns bescheißen, würden wir das ausblenden.
Aber unsere Funktion und unsere Arbeit bisher ist ein Schutzfaktor.

Bewusstsein ist keine Einbahnstraße. Therapeutische Arbeit keine Punktlandung. Interaktion mit anderen Menschen keine Einzelaktion.
Wir können nicht wissen, was es mit bisher noch gar nicht oder wenig für das Heute bewussten Innens macht, wenn wir mehr von ihnen oder über uns verstehen. Wir können nie ausschließen, dass die Entwicklungsschritte, die wir machen, nicht auch die Entwicklungsoptionen der anderen Innensysteme begrenzen oder erweitern oder in ihrer Form modifizieren.

Aber das Risiko erneuter Übergriffe müssen wir als immer bestehend anerkennen und akzeptieren.
Das ist, was einfach nicht in unserer Verantwortung liegt.

Vielleicht liest sich das ernüchternd für andere (Viele), die im Ausstieg sind oder auf ihren Ausstieg, der schon eine Weile zurückliegt, schauen.
Vielleicht gibt es die Idee, dass 10 Jahre später ALLES vorbei ist, das Leben gut, alles verarbeitet – insgesamt einfach: alles tutti paletti – und dann schreiben wir so einen Text und alles steht wieder in Frage.

Dazu möchten wir Folgendes sagen: Herzlichen Glückwunsch zu der Idee an sich.
Es ist gut eine zu haben und wichtig sie sich zu bewahren – ganz egal, als wie realistisch umsetzbar sie sich später entpuppt.
Es gut alles verarbeiten zu wollen.
Es ist gut, eine Idee davon zu haben, wie “alles tutti palletti” konkret aussehen könnte.

Wir haben ungefähr 7-8 Jahre bis zu dieser Idee gebraucht. Und 9 bis wir verstanden haben, dass es weder falsch noch böse, noch zu viel verlangt, noch etwas, wofür man eine Erlaubnis braucht, ist, sie zu verfolgen und ihre Umsetzung im eigenen Leben zu wünschen. (Und wer weiß, wie lange wir noch brauchen, bis wir dieses Verstehen in eine echte innere Wahrheit, die für alle Innens passt, transformieren können.)

Aus Kontexten jeder Art auszusteigen (und das gilt für die, die gut tun genauso wie für die, die eher schädigen) bedeutet immer einen Weg zu gehen. Entwicklung zu machen. Manche machen das wie wir, indem sie einfach so vorwärts stolpern ohne nach links und rechts oder auf sich selbst zu schauen (also hoch dissoziativ und reaktiv auf äußere Impulse hin) und manche sehr bewusst, einen Schritt nach dem anderen. Manche verfolgen mit ihrem Ausstieg ein konkretes Ziel, manche verstehen das Ziel erst im Ausstieg selbst und manche begreifen erst am Ziel, was sie eigentlich erreichen wollten.

In der Literatur finde ich diese Varietät der Ausstiegsarten, bzw. der Wege an sich, nicht so vertreten. Schon gar nicht der Entwicklungsverläufe danach.
Das wird aber auch an der Literatur liegen. Beziehungsweise daran, dass wir dazu nur psychologische Fachliteratur gelesen haben.
Nicht alle Aussteiger_innen haben 10-20 Jahre nach dem Ausstieg noch die gleichen Behandler_innen wie zu Ausstiegszeiten und nicht alle Aussteiger_innen haben 10-20 Jahre nach dem Ausstieg noch Therapiebedarfe. Oder den Wunsch oder die Motivation oder den Mut oder irgendeinen Anlass, ihre Erfahrungen aufzuschreiben und zu teilen.

Darum schreiben wir unseren Weg und unsere Auseinandersetzung damit auf.

Wir können jetzt, gut 10 Jahre später, nicht zurückgelehnt in einer Hängematte sitzen und davon ausgehen, dass wirklich alles von dem ALLES vorbei ist.
Wir wissen noch nicht alles über ALLES.
Erinnern noch nicht alles – schon gar nicht als selbst erlebt.
Aber wir haben mit unserem Ausstieg einen Raum verlassen, in dem wir immer wieder darin gestört werden, uns damit auseinanderzusetzen.

Das hat unser Ausstieg uns ermöglicht und in diesem Stadium angekommen, können wir sehen, dass wir so etwas wollten bzw. dass die Personen um uns herum damals, genau das für uns wollten: eine Unterbrechung permanenter Reaktion auf Todesangst, Verletzung und konkrete Bedrohung.

Es ist bitter für uns, am Ende des Tages mit der Dankbarkeit für 10 Jahre freien Entwicklungszeitraum im Herzen, die Realität von wer weiß vielen Jahren, die da noch kommen werden, Unsicherheit darüber, ob ES wirklich ganz und gar vorbei ist, im Hinterkopf vereinen zu müssen.
Aber so ist es.

Genauso wie viele andere Dinge auch.

“Bin ich schon erholt?”

Häufig bewegen wir uns auf Ebenen die wenig bis gar nicht konkret sind. Obwohl sie um das Konkrete kreisen und sich daraus ergeben.
Das fällt mir an Tagen wie heute besonders auf.

Am Freitag hatten wir einen Krampfanfall in der Schule und mussten danach allein nach Hause. In unseren Alleinhaushalt, unserm Alleinleben mit all dem allein klar kommen.
In manchen Köpfen mag das wie ein Vorwurf hallen, ist in unserem Leben aber einfacher Fakt, der je nach Umstand mal gut, mal schlecht, mal schlimm, mal genau richtig, manchmal auch perfekt ist.

Wir wissen, was wir nach einem Anfall tun müssen und welche Ressourcen wir brauchen, um uns zu erholen.
Worin wir allerdings noch nicht sehr geübt sind ist, zu spüren, wann wir wirklich wieder fit sind und wann wir uns das nur einreden, weil wir dem eigenen Entsprechungswünschen nach außen nachgeben (wollen können (müssen))

Erholung, Ausruhen, Kraft tanken, das ist in unserem Alltag schon so lange eine Aktivität, dass wir das Gefühl für den Zustand selbst noch gar nicht näher betrachtet haben.
Wir gehen nach der Schule nicht 7 km wandern – wir machen bilaterale Stimulation, um die Verarbeitung der Reizüberflutung zu unterstützen.
Wir basteln nicht das ganze Wochenende, weil es so toll unanstrengend ist – wir basteln das ganze Wochenende, weil wir an unserer Frustrationstoleranz und Feinmotorik arbeiten müssen (und natürlich auch ganz gern einfach Dinge erschaffen).

“Bin ich schon erholt?”, das habe ich mich heute morgen gefragt und dann gemerkt, dass ich nicht weiß, wie sich das eigentlich anfühlt. “Erholt”.
Da stelle ich mir einen Zustand vor, in dem ich gar nicht weiß wohin mit meiner Kraft und Energie. Oder zumindest einen Zustand, in dem ich mich zu Dingen motivieren kann, ohne, dass die Belohnung fürs Schaffen dessen extra viel Zeit im Bett ist.

Ich kenne Zustände von Dauerstrom. Posttraumatischem Hyperarousel.
Ein Zustand, in dem ich auch nie weiß wohin mit all meiner Energie und Kraft – gleichzeitig jedoch auch nicht wirklich fähig bin, irgendetwas Konstruktives zu tun. Schon gar nicht über längeren Zeitraum. Der Hyperarousel ist dann eben doch nur ein Erregungszustand und kein allgemeines Energielevel.

Früher – also letztes Jahr um diese Zeit – haben wir uns mehr Tage Ruhe zugestanden, um uns von Anfällen zu erholen. Jetzt sind wir unsicher.
Da spielt auch die Klinikerfahrung letztes Jahr mit hinein.
Dort hatten wir jeden Tag hinzugehen und uns überfordern zu lassen, obwohl offensichtlich war, was es mit und an uns macht. Und wir habens passieren lassen, weil wir (vielleicht auch fälschlicherweise) annahmen, man wüsste, was der (therapeutisch) sinnvollste Umgang damit ist.
Das Klinikding ist für uns nachwievor nicht aufgelöst und gut. Wir wissen nachwievor nicht, was hinter den Anfällen steht, ob wir da etwas auflösen müssen, oder ob das Fallen und Krampfen einfach unsere Art des Meltdowns ist.

Ungünstig.
Aber Realität.

Realität, mit der wir heute irgendwie umgehen müssen und in der wir all die Facetten des Alleinlebens spüren.
Wir allein sind verantwortlich für das, was wir entscheiden. Das ist nicht schlimm. Manchmal macht es uns Angst, aber grundsätzlich denke ich, können wir diese Verantwortung gut tragen.
Wir sind aber auch allein in der Frage, woran wir uns in den Entscheidungsfindungen orientieren sollen. Und das ist schwierig.

Wenn es um unser Leben geht, scheuen wir inzwischen das laxe Trial and Error, das wir vor ein paar Jahren noch gewagt haben, weil es für unser Gefühl ständig um Leben und Tod ging.
Heute ist das nicht mehr so sehr der Fall.
Heute geht es um Gegenwart und Zukunft – was manchmal genauso viel Angst, Sorge, Unterlegenheits- bzw. Überforderungsgefühle, aber auch Kämpfergeist und Aber will!-Trotz auslöst, aber dann doch ein ganz anderes Level ist.

Heute wollen wir eher sicher gehen.
Abschätzen. Prüfen. Nachdenken. Nachspüren.
Erst mal schauen, ob und was genau wir wann wie wo und wofür anfangen. Erst einmal alle Konsequenzen für Scheitern und Versagen klar haben, um dann ganz langsam zu testen, ob es geht.
Nach Möglichkeit ohne Angst zu haben oder eine Angst wegdrücken zu müssen.

Angst wegdrücken kostet nämlich Energie.
Überhaupt alles kostet Energie. Logisch eigentlich – und doch fürchte ich, haben wir lange “Energie” mit “Erregung auf Anschlag” verwechselt und tun das zuweilen heute noch.

“Bin ich schon erholt?” ist damit eigentlich auch keine Frage nach Motivation oder Bereitschaft zur Schule zu gehen und sich dem auszusetzen, was uns dort jeden Tag erwartet. Eigentlich ist es mehr die Frage danach, was wir alles wegdrücken müssen, um dort sein zu können und ein bestimmtes Level der Präsenz zu halten – und wie viel wir von dort wegdrücken müssen, wenn wir am Abend in die Traumatherapiestunde gehen und wie viel wir von widerum all dem wegdrücken müssen, wenn wir dann zu Hause sind und “Erholung machen”.

Interessanterweise ist Hausarbeit und Tüddelkram im Moment das, was am meisten zur Erholung beiträgt. Was auch nochmal vor Augen führt, wie wenig wir Carearbeit wert_schätzen. Denn obwohl wir merken, wie gut es uns tut und wie viel weniger anstrengend einfach alles für uns ist, wenn wir frische Kleidung, eine saubere Wohnumgebung – und sowas Profanes wie eine Haarlänge, die nicht stört – haben, kümmern wir uns in letzter Zeit viel zu wenig darum. Um genauer zu sein: nur ums Nötigste.

Wir pfeifen auf dem letzten Loch und rangieren mit einem Akku auf 25%. Manchmal weil wir denken: “Ach, wir haben schon mit weniger…”, manchmal, weil wir denken “Ja, aber das geht doch allen so…” (obwohl wir keinerlei Ahnung davon haben, wie es anderen mit ihren Akkus so geht) und aber auch, weil wir die Welt als einen rücksichtslosen, ja sogar gnadenlos vorwärtsströmenden Lauf der Dinge sehen, der es immer und immer von uns abverlangt weiterzumachen – ganz egal aus welcher Ressource heraus. Ob nun aus tollster Erholungsphase oder Todesangst.

Das Schlimme ist, dass das stimmt. Wenngleich vielleicht nicht ganz so brutal und gnadenlos wie das in uns etabliert ist. Aus Gründen.
Aber alles geht weiter und wir müssen Schritt halten, wenn wir Schritt halten wollen.
Natürlich können wir uns auch dagegen entscheiden. Natürlich können wir uns treiben lassen, loslassen und zurück in das, was wir vor der Ausbildung hatten.
Das hatte aber keine Zukunft.

Gerade denke ich, dass wir die Ausbildung vielleicht auch nur deshalb unbedingt so dringend schaffen wollen.
Wegen der Bildungslüge mit Zukunftsversprechen zum Einen, ja – aber auch wegen des Effekts den dieses Bildungs- und Zukunftsstreben auf uns hat.

Das Leben mit Traumafolgestörungen und Traumafolgen an sich, ist für uns sehr lange eins gewesen, das nur dieses Verschwimmen von Früher und Jetzt hatte. Das war kein “weniger leben” oder so – aber es war begrenzt und damit auch irgendwie eher statisch inmitten dieses großen Stroms der Dinge, die sich immer ändern und immer entwickeln.

Jetzt ist da Früher und Jetzt und Morgen und Übermorgen und in ein paar Jahren und so viele “Wir könnten auch…” und “Vielleicht machen wir …” ’s mehr, als wir uns selbst in den Phasen, in denen wir wer weiß was für große Höhenflüge hatten, als realistisch machbar vorstellen konnten.

Vorstellungen und Hoffnungen sind wie Trockenschwimmübungen. Manchmal. Wenn man sie sich ganz konkret machen kann.
Ich glaube, unsere Ausbildung ist unser Trockenübungsraum. Irgendwie.

Vielleicht müssen wir uns die Frage auch grundsätzlich anders stellen.
Nicht “Bin ich schon erholt?”, sondern “Sind wir wenig genug angestrengt?” oder „Was strengt uns gerade alles an?“.

Auf diese Frage fällt mir nämlich viel mehr auf, welche Kraftfresser wir sinnigerweise entfernen sollten.
Vielleicht ist das ja ein guter Schritt.

Fundstücke #44

Sie hört sich fremd an. Unsere Gemögte, die ich anrufe, weil ich über den Text von vor 3 Jahren stolperte und plötzlich sehe, dass wahr wurde, was wir verhindern wollten: ein Kontakt, der ist, dann war und danach im Lauf der Dinge unterging, wie ein Boot aus Zeitungspapier.

“Wie geht es euch?”, fragt sie und es fühlt sich hohl an. Höflich.
Als nähme sie ein Stück Kuchen, das gerade verfügbar ist in die Hand und reiche es an uns, die gerade im Weg herumsteht.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Bin sowieso zurück in meinem dumpfen Brüten fern von allem, vor allem dem, was sie als “uns” kennt.
Ich frage mich, warum ich sie anrufe, wo ich die gleiche Kraft doch in Emails und Anrufe geben könnte, wo ich weniger erklären müsste.
Dann weint es Bäche aus mir heraus und ich denke: “Na gut, vielleicht dafür.” und warte bis es aufhört.

Sie sagt gar nichts. Vielleicht wartet sie auch.
Dann frage ich sie, ob ich zuerst fragen darf, weil doch ich es bin, die sich gefragt hat, wie es ihr geht. Was sie macht. Ob sie glücklich ist, oder wenigstens zufrieden.
Sie erzählt und ich höre zu.
Es ist ein fremder Alltag und doch ist sie es, die sich darin bewegt. Das merke ich und bin beruhigt.

Dann erzähle ich vom schwach sein, vom zum Opfer geworden sein und davon, was es mit mir macht, inzwischen einen Alltag zu leben, der für mich beinhaltet einmal ein Opfer gewesen zu sein, jedoch keinerlei Raum dafür in ihm zu haben.
Außer in der Therapie. Die ich im Moment aufgeben und kaputt machen will, gerade weil ich dort als Opfer gesehen werde.

Opfer-Talk – klar ist das das Einzige, was ich zu bieten habe. Nach gut einem Jahr, dass wir uns nicht gehört und gesehen haben, ist es das, was ich mit ihr teile und wieso ich mich noch gefragt habe, was unseren Kontakt hat austrocknen lassen, verstehe ich auch nicht mehr.
Ich ärgere mich schon wieder über mich selbst. Greife nach dem Wörterhahn, um ihn mir abzudrehen, denn what the fuck – es gibt doch so viel mehr als das.

Dann überrascht sie mich mit einem Dank und erzählt mir, dass es mein Opfer-Talk ist, der ihr heute immer wieder hilft Menschen zu verstehen, die früher mehr als ein Mal geschlagen, vergewaltigt, verkauft, ausgenutzt, verraten wurden.
Und plötzlich kann ich sie wieder fühlen. Spüren, wo sie steht und was es ist, was da so weit trennend zwischen mir und allem, was mich angucken kann, ist.

Es ist eben doch genau das. Das Opfer-Ding. Das Opfer-Ding, das schon so lange vorbei, aber doch in mir drin ist, wie in ihr das Vertrauen in Menschen, Welt und eigenes Wehe.

Ich werde es immer nur fühlen und anerkennen können. Selbst wenn mein Leben weiterhin so eine gute Wendung mit mir nimmt, werde ich immer wissen, woraus ich hervorgegangen bin. Auch dann, wenn ich mich dagegen entscheide, dem wie viel oder wie wenig Gewicht auch immer zu geben.

Meine Geschichte ist geschrieben. Und darin war ich Opfer.
Es gibt nichts, das ich dagegen tun kann.
Es gibt jedoch vieles, das ich dem hinzufügen kann.

Das Heute zum Beispiel. Und das, was ich über mich, uns und alle anderen in meiner Geschichte denke.
Was ich zunehmend erinnere. Und was ich mit mehr und mehr Erinnern über mich, uns und alle anderen denke.

Sie erinnert mich daran, dass ich nicht gezwungen bin, mich als Opfer zu sehen, nur weil ich eines war und wir lachen beide bitterlich, als wir wieder einmal merken, mit wie wenig Menschen man die Wahrheit, in dieser sich scheinbar widersprechenden Haltung, teilen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Als wir uns von einander verabschieden, fühle ich mich anders. Ich fühle mein am Leben sein und spüre all die kleinen großen Quetschungen, die dieses unser neues Leben an mir macht, weil es mich darin nicht gibt. Nicht, weil man mich nicht will, sondern, weil es fremd ist so am Leben zu sein wie ich.

Ich sitze am Fenster und schaue auf ein Stückchen Welt, das mich nicht braucht und doch in sich trägt.
Das Heute bewegt sich ungerührt weiter.
Und ich bin immernoch da.

Fundstücke #43

Am Abend liege ich im Bett und komme nicht umhin zu spüren, dass es mich gibt.
Mich, meine Krise, mein Ge.Denken, meine Muskeln, die wie mit glühender Lava gefüllte Weintrauben an meinen Knochen hängen.

Ich liege da und denke darüber nach wie das so ist.
Wie weh es tut und doch kein Schmerz ist, den ich anderen zufügen kann.

Es ist dieser Punkt, den ich als turning point kenne und fürchte.
Ein Bein steht im Lauf der Dinge. Arbeitet. Funktioniert. Kreiert. Ist offen und reagibel.
Und ein Bein steht in der Stasis. Ist dumpf. Existiert. Nimmt für wahr, doch keinen Anteil an dem was passiert.

“Wir haben jetzt keine Zeit für eine suizidale Krise. Wir haben noch Hausaufgaben, eine Buchrezension und andere Dinge zu tun.”, sagt es im Innen und ich merke, wie sie versuchen sich aus dem Treibsand zu strampeln. Sie streiten sich über Freitod und ich bin froh, dass die Menschen um mich herum sie nicht hören, sehen, fühlen können wie ich.
Wie absurd das ist, denke ich und möchte lachen, aber es kommt nur weinen heraus, das mir noch absurder vorkommt.

Und wieder denke ich, dass die Linderung meines Leidens unter dem was ist, einem Eigentlich folgt, für das ich mich entscheiden kann. Muss. Soll. Darf.
Eigentlich geht es um Assoziationsprozesse dissoziierten Materials früherer Traumatisierungen.
Eigentlich geht es um Überforderung durch die Schule.
Eigentlich geht es um schwierige Lebensverhältnisse.
Eigentlich sind wir einfach nicht passend für diesen Lauf der Dinge.

Es gibt so viele Eigentlichs, die sein könnten, dass wir damit überfordert werden, überhaupt nur einen Schritt zu tun. Eine Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung zu treffen, sich zu entscheiden.

Es zieht in alle Richtungen.
Und wir ziehen uns in alle Richtungen.
Von mitten rein bis so weit raus, dass es uns nicht mehr gibt.

Jetzt in eine depressive Episode zu rutschen, ergibt so viel Sinn.
Neuronaler Selbstschutzkrisenüberlebensschlaf – ich kann ihn so nachvollziehen.

Selbstverständlichkeiten

Selbstverständlich reagieren wir auf Ansprache.
Selbstverständlich machen wir mit. In diesem Leben. Dieser Welt. Diesem Lauf der Dinge, in dem wir sind, obwohl wir nie wählen konnten, ob wir darin sein wollen.
Selbstverständlich, denn wir sind ja da.
Und wenn man schon mal da ist, dann gibt es auch keine Zweifel mehr daran zu haben, was man wie wann für wen ist.
Oder?

Ich habe heute Nacht davon geträumt, wie meine Freunde von jemandem getötet wurden, der mir in meinem Haus aufgelauert hat.
In diesem Traum sagte ich, was ich meinen Freunden immer sage, wenn sie wissen, dass etwas auf mich zukommt, das schwierig, gefährlich, bedrohlich ist.
“Ich krieg das schon hin. Ist ok.”.
Sie haben das wohl nicht gehört, oder verstanden oder schlicht nicht geglaubt und wurden entsprechend vor meinen Augen abgeschlachtet, weil sie mir in das Haus gefolgt sind.
Alles was ich ab dann noch für sie übrig hatte war Wut, Hass, Aggression, den Willen das Stück Welt um mich herum zu zerstören, um es gleich mit mir zu machen.
In meinem Traum tötete ich dann aus Versehen auch noch die Person, die mir aufgelauert hatte und wachte von meinen eigenen Geräuschen auf.

Den Rest der Nacht verbrachte ich zwischen Hass und Selbst_Mordlust auf dieses Leben.
Dieses Sein, diesen unbeachteten Zwang reagieren zu müssen und doch nie den gleichen Zwang auf gehört und verstanden werden ausüben zu können.
Diese Arroganz der Einweltigen, die eigene Realität als selbstverständlich und ohne jeden Zweifel gesehen und geteilt haben zu wollen.  Diesen Anspruch an uns, uns selbst in ihre Welt einzuordnen und zwar dort, wo sie uns sehen und sein lassen können.

Es ist unser Thema seit wir nicht mehr bei der Herkunftsfamilie leben und massiv verstärkt, seit wir ausgestiegen sind.
Wir gehören nicht dazu. Wir sind kein Teil dieser Gesellschaft. Kein Mitmensch wie alle anderen auch. Und zwar nicht, weil wir uns dazu entscheiden und das so geil finden ständig und in allen Aspekten weder Fisch noch Fleisch, eingekeilt zwischen Baum und Borke zu sein, sondern weil wir nicht in der Lage sind, das was ist, als alleinig gegeben anzunehmen.

Das ist wichtig. Es ist keine Wahl. Wir sind keiner dieser bunten Glitzerleute, die normal langweilig finden und sich in Abgrenzung dessen wer weiß wie special selbstdarstellen und nach ein paar Jahren die Krise kriegen, weil sie merken, wie sehr sich diese Normalität nicht ändern darf, weil sie dann nicht mehr special sind.

Wir erleben uns fremd, weil wir uns fremd sind. Weil uns die Konstruktionen um Wert und Welt der Menschen, mit denen wir heute jeden Tag zu tun haben, fremd sind.
Für uns ist es harte Arbeit jeden Tag neu zu akzeptieren und hinzunehmen, dass wir von heutigen Gegenübern als Mensch gesehen und gedacht werden.
Zu akzeptieren und hinzunehmen, dass wir entsprechend behandelt werden, ohne gefragt zu werden, ob wir das überhaupt mitmachen wollen oder es unserem Selbstbild entspricht.

Es gehört zu dieser Welt und diesem Lauf der Dinge, dass wir in unserem (früheren) Sein nicht akzeptiert und gnadenlos, 24/7, seit inzwischen 14-15 Jahren, ignoriert und missachtet werden. Für uns gehört es dazu den Zweifel über das eigene Menschsein, das eigene Sein überhaupt, weder frei und konsequenzlos artikulieren noch leben zu dürfen.
Denn sich nicht als Mensch zu fühlen in schwierigen Zeiten oder zumindest den Zweifel an der eigenen Menschlich- und Zugehörigkeit zu dieser Welt nicht ausblenden zu können in besseren Zeiten, müssen wir uns verbieten.
Vor den einen, weil sie es als narzisstischen Zug deuten, vor den anderen, weil sie es als von Täter_innen eingeredet sehen und vor den nächsten, weil sie uns mit ihrem Mitleid quälen. Und vor den ganz nächsten, weil sie uns sowieso am liebsten tot sehen wollen, weil wir sie mit unseren ständigen Zweifeln an allem, was sie täglich umgibt und ihr Weltbild ausmacht, stören und verängstigen.

Die bittere Erkenntnis ist, dass wir es hingenommen haben in unserer Präsenz gedeutet und vereinnahmt zu werden.
Dass es unser Fehler war, dem nicht von Anfang an vehement zu widersprechen bzw. in unserem Zweifel an der Richtigkeit sichtbarer zu sein.
Unser Fehler war, den Übergriff für selbstverständlich zu halten.
Für den Preis den es eben hat, wenn man sich wünscht Begleitung, Hilfe, Unterstützung, Miteinander in diesem Hier und Jetzt zu haben.

Unser Fehler war der Illusion aufzusitzen, wir könnten wirklich völlig unabhängig von dem was und wer oder wie wir sind, mit Menschen zu tun haben und in ihre Gesellschaft hineinwachsen, wie ein Fahrrad, das in einen Baum hineingewachsen wird.

Der Fehler war den Zweifel auszublenden, weil die Illusion so schön aussieht.

jetzt ist die Zeit

Manchmal ist es einfach die Zeit.
Die Zeit, die ich verloren habe, ohne, dass ich Genaueres über sie weiß.
Die Zeit, die vergangen ist, bis alles so kommen konnte, wie es jetzt ist.

Ich habe einen 5 Jahresplan gemacht.
Ich, die am Ende des Tages froh ist, dass sie noch lebt und selbst den nächsten Morgen erst glauben kann, wenn die Mittagssonne auf der Haut keinen anderen Schluss mehr erlaubt. Irgendwie ist mir dieser Plan passiert und der Lauf der Dinge des Hier und Jetzt schiebt ihn mir jeden Tag ein bisschen fester an die Stelle, an der ich Trost finde, wenn wenn alles kippelt und schwankt.

Wir werden Deutschland verlassen.
Nicht jetzt, nicht morgen. Aber wenn die Ausbildung vorbei ist.
Wir werden den Appalachian Trail von Georgia nach Maine hochlaufen und von dort nach Kanada fliegen. Dort geben wir uns ein Jahr für die Frage, ob wir bleiben oder weiterziehen.
Wir werden dann 33 Jahre alt sein und 34 werden.
Das ist der letztmögliche Zeitraum für ein Holiday and Work-Visum in diesem Land.

“Warum?”, hatte eine Gemögte gefragt und mich überraschte die Frage danach.
Es ist ja nicht so, dass Deutschland mich braucht. Oder will. Oder Wert auf Menschen wie mich legt.
Es ist ja nicht so, dass meine Freundin nicht weiß, dass ich queer, alleinstehend, behindert und damit sagen wir: “unfreiwillig dauernonkonformistisch” bin, was zusätzlich zu unserem Gewalterfahrungshintergrund etwas ist, das die Lebensqualität nicht gerade steigert.

“Meine Familie werde ich nicht hier gründen und wachsen lassen können.”, dachte ich zu Beginn der Idee. Viele Tagtraumreisen durch ein Leben wo_anders als in Deutschland später sehe ich: Es wäre auch besser für diese Familie, würde sie so fern wie möglich von hier passieren. Unerreichbar für Menschen, die von meiner Ausbeutung profitiert haben. Fern von Strukturen, die mich nicht anerkennen und entsprechend dürftig schützen und stützen.

Wir werden in Deutschland zu den zwei Dritteln der Generation Y, die sich mit Selbstständigkeit aus eigenen Unternehmen zu finanzieren versuchen. Und das als schwerbehinderte Person. Diesen Stress können wir uns auch an einem Ort geben, an dem wir nicht auch noch unseren Opferschutz selbstständig balancieren und bewahren müssen.
Wir können es uns leichter machen.

Ich glaube, das ist eine Antwort auf das “Warum?”.
Weil wir unser Leben mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, einem Schulabschluss und einem Quäntchen Berufserfahrung aus diversen Quellen um den Faktor Schutz auf Kosten von Autarkie erleichtern können, wenn wir nicht mehr hier leben.
Weil es geht. Weil es für uns wo_anders auf eine Art leichter gehen kann, als für viele andere Menschen.

Auch wir werden uns all den Problemen und Dramen, die auf Auswandernde und Ausgewanderte zukommen stellen müssen. Natürlich. So wenig wie Deutschland mich braucht, braucht mich jedes beliebige andere Land.
Aber was ist, wenn eine Entfernung uns schützt, die wir nicht 24/7 so aktiv aufrechterhalten und sichern müssen, wie jetzt?
Was ist, wenn wir feststellen, dass wir entfernt von allem, was uns gemacht hat, Energien sparen, die uns zu einer völlig anders belasteten oder auch “anders beweglichen” Person manchen als jetzt?
Ich glaube, dass es wichtig ist, das wenigstens zu versuchen.
Wenigstens für ein Jahr.

Und zwar genau dann. In drei Jahren.
Denn in drei Jahren sind wir 33 und werden 34.

Das ist ein Umstand, den wir nicht vergessen dürfen.
Den ich aber gern vergessen würde.
Denn er tut weh.

Ich war nie jünger als 16 und als ich geboren war, war die Chance auf ein glückliches Leben im Kreise einer liebenden Familie, die mir Auslandserfahrungen zum Zwecke meiner Weiterentwicklung und Lebensperspektiven ermöglicht, schon vergangen.
Sollte sie überhaupt je bestanden haben. Wer weiß das schon.
Ich weiß es nicht. Mein Leben beginnt mit einem Einzelzimmer auf einer geschlossenen Station einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, ohne Kontakt zur Familie, ohne Aussicht auf mehr als das Nötigste zum Leben.
Ich habe meine Familie nie vermisst, denn ich habe sie nie kennengelernt.

In den letzten Wochen recherchiere ich nach und nach, was Auswandern bzw. ein längerer Auslandsaufenthalt erfordert.
Natürlich finde ich noch keine Informationen, die für behinderte Menschen passen. Natürlich finde ich noch keine Berichte von behinderten Menschen, die ausgewandert sind. Und natürlich komme nicht umhin sie zu sehen: Die jungen Menschen zwischen 18 und 25, die in die Kamera strahlen und nicht wissen, dass sie für mich aussehen wie Werbemodels eines Produktes, das ich nie im Leben auch repräsentieren werde.

Ich werde neidisch. Und wütend auf meinen Neid, denn er ist so unfair wie sein Grund.
Mir fehlen 16 Lebensjahre und eine Familie, die mich bedingungslos liebt, schützt und stützt – und mir so ein Strahlen vor dem Grand Canyon (mit)ermöglicht.

Es kann doch niemand etwas dafür, dass mir der eigene Grund und Boden in dieser Welt fehlt.

Das denke ich mir so, denn ich bin nicht der Typ für eine Anklage à là “Die Täter_innen haben mir alles genommen, was hätte würde wenn…”.
Ich weiß nichts von dem hätte würde wenn, das mir zusteht oder zustehen könnte. Oder zustehen sollte.
Ich bin erst seit ich habe, was mir zugestanden wird.

Was ich im Moment spüre ist: mir fehlen 16 Jahre und es fühlt sich nach einem unwiederbringlichen Verlust an.
Ich wünsche mir nicht wieder 16 zu sein. Ich wünsche mir Heute in “mein Anfang minus 16 Jahre”.
Ich wünsche mir einen anderen Anfang. Einen Anfang wie jetzt.

Ich werde von einer Therapeutin, die mir gut hilft, begleitet.
Habe den Begleitermenschen im Leben, der mich gut stützt.
Gemögte, Freunde, Gemochte, Gewohnte und Verbündete, die mich aus_halten und tragen, wenn ich allein nicht weiterkomme.
NakNak*, die mir hilft mich zu schützen.

Ich weiß, dass alles anders gekommen wäre, wäre es nicht gewesen wie es war.
Trotzdem. Es wäre schön gewesen und ich kann so ehrlich zu mir sein, dass ich weiß, warum es mir so leicht fällt, mir diesen Anfang zu träumwünschen, anstatt darüber nachzudenken und -zuspüren, warum mir meine Kindheit und Jugend so weit fehlt.

Ich weiß, dass ich, obwohl ich noch nicht weiß warum, in Trauer bin und auch die Idee überhaupt das Land zu verlassen, nicht nur aus rationalen Überlegungen heraus entstand.
Doch jetzt ist die Zeit für solche Ideen, Pläne und vielleicht auch Entscheidungen.

Vielleicht gibt es sie nur einmal.

normal ha ha

Wichtig ist, dass man diesen Basic-Kram ja immer machen kann. Gut essen, gut schlafen, sich gut versorgen und dann schauen, ob und wenn ja wie sich etwas verbessert.
Die Falle ist nämlich zu glauben, nur weil man “unnormale” Dinge erlebt hat und “unnormale” Lebensrealitäten daraus hervorgegangen sind, würden „normale“ Dinge nicht mehr reichen oder helfen.
Es wird erst kompliziert, wenn es sowohl hilft als auch nicht reicht.
Wenn aus A + B nichtgleich C wird, sondern ein anderes C. Ein “unnormales” C.

Ich war gestern um kurz nach 19 Uhr im Bett und schlief durch bis der Wecker um 7 klingelte. Als ich mich aufrichtete und der Schmerz meinen noch immer tief erschöpften Oberkörper zusammenpresste, wurde mir erst richtig bewusst, dass ich seit Freitag nicht geschlafen hatte.
Unsere Matratzensituation ist einfach ungut. Wir schlafen im Moment nicht gern, weil es Schmerzen macht zu schlafen.
Wir schlafen auch nicht gerne, weil es Erinnern macht zu schlafen. Weil es erinnerte Schmerzen macht zu schlafen.

Aber. Es waren fast 12 Stunden Schlaf und doch schaffte ich den Weg zur Schule nicht.
Ich hatte Schmerzen und einen detailreichen Artikel zu sexualisierter Gewalt an Kindern angelesen. Zonk – solche Fehler passieren mir eben doch auch noch manchmal. Die Schule ist anstrengend und ich schaffe es nachwievor nicht mich hineinfließen zu lassen. Da sind dissoziative Sollbruchstellen im Innen, gegen die ich ankämpfe. Da ist das Problem, dass die 90er ein Mode-Comeback erleben und der Anblick mancher meiner Mitlernenden mitunter ein Dauertrigger ist. Da ist mein Leistungsanspruch an mich und mein Kampf gegen die eigenen Grenzen.

Der Witz ist, dass A + B eben nie nur A + B ist.
A und B sind immer die Summe von etwas. Es reicht nicht, nur zu tun was A und B sind, um es zu einem “normalen” C werden zu lassen.
“Gut essen” und “gut schlafen” sind das Ergebnis von “gutes Lebensmittel” + “genug essen” und “gute Schlafmenge” + “gute Schlafumgebung”.
Ein normales C ist “gute Kompensationsfähigkeit”, während ein “unnormales” C mehr so etwas wie ein Bewusstsein ist. Ein Bewusstsein mit dem ich manches nicht wegkompensieren kann. Jedenfalls nicht bis zum “normalen Funktionieren” hin.

Jetzt steht hier so viel “normal”, dass ich fast schon wieder lachen muss. Weil mein Normal und meine Normierung ja nicht als normal gelten.
Was mir den letzten Stoß versetzt.
Zurück ins Bett. Wo ich doch wieder nur liegen und starren würde. Wie in den Nächten von Freitag bis Sonntag.

Vielleicht versuche ich doch noch irgendetwas zu tun, was mir die normale Tagesstruktur aufrecht erhält.

haha “normal”

hahaha

Traumascheiß

Und dann hatte ich gezielt und abgedrückt.
Den Anblick eingefangen. Die grau-blaue Hand mit den dunklen Fingernägeln, die an mir dranhing, obwohl sie jemand anderem gehört.

“Geht das schon wieder los”, dachte ich und versuchte mit genervtem Ausatmen genug Abstand zu gewinnen. Für meinen jagenden Puls. Die Enge im Oberkörper. Diese Starre im Kiefer. Im Nacken. Den Impuls wegzulaufen. “Was soll denn dieser Scheiß?!”, dachte ich und richtete mein Unverständnis wie eine Mauer vor diesen Übergriff auf mich. Diese Ansteckung. Diesen Virus, der sich etwas von mir nehmen will, was ich ihm nicht geben will.
Meine Anerkennung. Meinen Glauben an so etwas wie eine eigene Beteiligung an DEM DA

Vor ein paar Jahren habe ich aufgehört Armbanduhren zu tragen. Armbänder zu tragen.
Mein Haargummi am Handgelenk dabei zu haben.
Ich hatte jedes Mal unaushaltbaren Brechreiz empfunden, wenn ich etwas an meinen Handgelenken spürte. An einem Tag war das einfach so da. Von jetzt auf gleich.
Dabei bin ich auf eine jederzeit verfügbare Uhr angewiesen.
Dabei finde ich Armbänder ganz hübsch.

Das hat sich nicht verändert in den letzten Jahren.

Seit ein paar Monaten werden meine Hände plötzlich kalt.
Dann grau-blau. Dann taub. Einfach so.
Manchmal schrumpeln sie auch zusammen. Dann bleibt meine Haut stehen, als hätte ich seit Tagen nicht getrunken oder gegessen.
Ich kann sie bewegen. Es tut nicht weh. Mir geht es gut.

Ich wollte mich gegen Wände schmeißen und an ihnen hinunter rutschen, als es wieder passierte.
Außer dieses eine wehrhafte “Nein.” fällt mir nichts dazu ein. Dieses “Nein.”, das in seiner langen Version die Abwehr von Anerkennung und Glaube; in seiner kurzen Version das Schmerzmoment, durch das ich mich hindurchkrampfe, ist.

Ich wollte mich nicht verletzen.
Wollte die Stille in meiner Wohnung nicht mit diesem Inferno in mir verdrecken.
Ich machte ein Foto und rannte in den Wald.
Stopfte mir das Leben ins Maul und pumpte mich damit auf.

Da verschwand er wieder.
Dieser Traumascheiß.