neulich

nach einem Vortrag mit dem Titel “Psychoanalyse queer gelesen”,

 

“Also ich gehe jetzt aus diesem Vortrag mit dem Fazit “Geschlecht braucht Gesellschaft” “

– “Der Mensch braucht Gesellschaft”

 

…, flatterten Rosenblätter, wie Motten, die sich für Falter hielten, doch als Schmetterlinge gelesen werden, doch eigentlich noch immer mit der Puppe um sich kämpfen

 

wie ein Hauch, ein Atem, eine Psyche
ganz selbst und Selbst

durch die Nacht

 

“In einer sozialen Gesellschaft, ist man nie man selbst.”

“Die Psychoanalyse sagt, es wird verdrängt, was nicht sein darf und zur Identität, was bleibt”

 

so allein
ganz und gar
Seele

 

_IST_  nicht

das Leben geht nicht ohne _sein_

so werden Innens geboren
vielleicht


auch

Tag 281

tag Die Sonne geht schon früh auf
im Aufgrauen des Morgens auf das Klingeln des Weckers zu warten
ist so seltsam nah und vertraut

Zahnschmerzen – ein mächtiges Wegschieben nach links
Rückenschmerzen- ein kräftiger Stoß nach rechts
erste Angstwellen an einem weichem weißen Gefieder aufbranden lassen
das Pochen hinter vermauerten
gitterbombengesicherten Fenstern – ein Bleistiftpunkt im Tagebuch

“2014 – volljährig – mündig – Wohnhaft in … – im Notfall zu verständigen” ein Riss entstellt diesen festen Fels in der Brandung
meine Liste
“Schreibs auf, denn dann IST es”

Es regnet Frühling
windet letzte Winterfetzen

die Sonne… mit aller Macht wird diese Tresortür
mit allen Zellen
in mir drin
mitten in meinem Kopf
mitten im Sein
zugeschlagen

tut mir auch
fast gar nicht
weh

 

da ist diese Neue mit diesem offenen Lächeln
auf wie ein Scheunentor
und abgeschlossen von mir und meiner Kontrolle
Vielleicht bilde ich sie mir nur ein

Betreuungsanregung
steht auf dem Zettel
all das Chaos in meinen Behördenangelegenheiten
passt kaum in diese kleinen drei Zeilen
all der Zeitdruck
ist in den 4 Buchstaben
da mit dieser fremden Schrift
E I L T

Das kann nicht sein
wo ist mein Fels?
meine Liste, dessen Riss an der Seite mir wie ein Schnitt in die Haut
einmal quer durch mein Leben vorkommt

 

nahe stehende Angehörige (Familie, Freunde…)
frei
los

ge

ver

einfach lassen

um dann
kurz vor Schluss
einen Namen hineinzuschreiben

ohne zu wissen, wer oder was
eigentlich

_IST_

 

in diesem Jahr
zweitausend
vier

zehn

die Frage

Flauscheblume Es ist eine Frage, die ganz harmlos in einer Musterpackung Fragezeichen liegt. Sie beißt nicht, schreit nicht…
Sie war einfach da und rollte aus dem Mund des Anwalts in meinen Kopf hinein:
Was genau ist Ihnen denn passiert?

Seit 2001 stellen mir PsychologInnen, BeraterInnen, ÄrztInnen und Menschen aus anderen Kontexten, Fragen zu meinem Lebenslauf, meinem Befinden, meinen Vorlieben und Abneigungen, aber niemals hat jemand diese Frage gestellt.

Was genau ist denn passiert?

Die Frage belastet mich nicht, weil mir sofort eine besondere Situation eingefallen ist, oder weil ich Schweigegebote und Drohungen im Kopf hatte, sondern, weil sie sich langsam wie eine Retardtablette aufgelöst hat und mich dem Bewusstsein zuführte, dass ich bis heute die schlimmsten und mächtigsten Erfahrungen in meinem Leben mit niemand anderem als den TäterInnen teile und so eine Art TäterInnenkontakt halte, der näher kaum sein könnte.

Die Frage kullerte in meinem Kopf herum wie eine Kugel in einer Schale und stieß einen großen Ochsenfrosch an, der mit einem dumpfen “Quak” auf die Berührung reagierte.
Fröschequaken, Grillenzirpen, das ist die Art Stille, die sich auf solche Fragen ausbreitet. Es ist nicht Nichts, aber viel mehr als artikuliertes Hintergrundrauschen ist es in der Regel auch nicht.
Mein ganzes ES und alles DAS DA, ist eine einzige wabernde Masse. Wie ein Eintopf der 21 Jahre Zutaten erhielt und bereits 28 Jahre auf dem Herd steht.

Ein verbindendes Element meiner Gewalterfahrungen ist genau dieses Un(be)greifbare und die Definition des “_da_Seins”.
In den Situationen, an die ich gerade denke, war nichts und niemand _da_.
Ich sah nichts und hörte nichts als die Geräusche, die ich selbst verursachte und selbst die verschwammen irgendwann mit dem, was meine Nerven nur noch rudimentär an mein Bewusstsein weiterleiteten. Ich dachte meine Brocken und nahm die Qualität und ihre Zusammenhänge nicht mehr bewusst war.
Da war nur  Nichts und ganz viel Niemand zum Teilen. Zum Mit- teilen. Zum Anteil haben. Da wurde sich einfach irgendein abfallender (Persönlichkeits-) Anteil genommen, der selbst produziert wurde – und zwar von den TäterInnen.
Ich brauchte keine Worte dafür zu entwickeln oder zu verwenden, was mir passiert ist, denn passiert ist mir nur Kontakt mit einer Art von _Nichts_, das am Ende eines Schmerzes und einer Angst auftauchte, die völlig normal für mich waren und nie mit einem Begriff belegt wurden, der eindeutig war.

Ich habe meine Sprachmacke nicht, weil mir irgendein Genschalter umgelegt wurde, sondern, weil es genau das einzige Mittel war (und bis heute ist) an dem ich Punkte zur Selbstpositionierung finden konnte.
Doch niemand in meinem Umfeld sprach die gleiche Sprache wie meine Familie*.

In jeder Familie gibt es geflügelte Worte oder Synonyme, die nur in dieser Gruppe verstanden werden, eine Geschichte und Bedeutung haben, was gerade Familien oder ähnlich funktionierende Kleingruppen zu ganz einzigartigen Kosmen macht.
Natürlich gibt es dann auch eine Bewegung des Angleichens und Anpassens an äußere – andere – Systeme. Zum Beispiel den Kindergarten, die Schule und so weiter. Doch meine Chance dieser Anpassung mit einem Bezug zu beiden Systemen war bereits kaputt, als der Kontakt dazu unvermeidbar wurde.
Dazu kommt meine Hochbegabung, die mich sehr früh hat sowohl die Logik von Sprache erfassen, als auch die Verwendung der Wortbatterien in Bezug auf äußere Kontexte hat zuordnen lassen.

Als ich dem Anwalt gegenüber saß, kam mir ein weiteres Problem neben der Sprache in den Sinn.
Was genau meint er eigentlich mit “was genau”?

Ich weiß, dass in juristischen Kontexten konkrete Taten relevant sind- weiß aber auch, dass meine Schädigungen, nicht nur in genau diesen konkreten Taten begründet sind, sondern eben auch in dem allgemeinen Umgang voller Mikroaggressionen, Abwertungen, Abschottung und immer wieder betonter Andersartigkeit.
Wie oft sich allein am Esstisch über dem Abendessen gegenseitig und (für mich) systematisch gedemütigt wurde, dies aber vor anderen Menschen “Abends kommen wir alle zusammen und erzählen uns vom Tag” genannt wurde. Allein sowas macht in meinem inneren System heute Zahnräderknirschen auf mehreren Ebenen.
Das ist keine brutale Gewalt – aber es ist Gewalt unter der ich gelitten habe, weil sie mich immer wieder verwirrte und mit nichts kongruent anfühlte. Weder mit meiner Selbstwahrnehmung, noch mit dem Bild, das andere soziale Systeme von mir sowohl in, als auch mit meiner Familie* hatten.
Ich weiß, dass genau solche Gewalten nur allzu oft und allzu gerne auf die Betroffenen individualisiert werden und deshalb oft nicht mitgemeint sind in der Frage danach, was passiert ist und trotzdem sind es genau diese Situationen die immer herrschten.

Dieses grundlegende Klima von „Achtung Gefahr“ – „Gefahr“ – „inneres Sterben“ – „Ruhe/Stille/ Tod nach dem Sterben“ , das ist mir passiert. Das genau ist mir passiert.
Diese Wiederholung, diese Schlange, die sich in den Schwanz beißt- immer wieder, weil sie nie satt wird, das ist passiert. An mir, mit mir, in mir drin und immer wieder objektiv ungesehen, weil unbenannt von situativ objektiven BeobachterInnen.

Ich mache mir Sorgen, dass wir dieser Frage nach dem was passiert ist, die falschen Antworten geben. Nicht für das Außen, sondern für uns.
Ich weiß, dass die Justiz eine andere Sprache verwendet und weiß, dass auch der Fokus ein anderer ist. Weiß, dass es um Sichtbarkeit geht und als sichtbar eben gilt, was nicht nur individuell wahrnehmbar/ sichtbar ist. Es geht darum der Gefahr, dem Sterben eine objektivere Sichtbarkeit und Worte zu geben.
Obwohl ich und wir doch immer alle unsere Augen zugemacht haben, um gar nichts mehr wahrnehmen zu müssen; obwohl wir doch noch gar keine Chance hatten, Worte für das Erlebte – das objektiv sichtbar Erlebte- zu finden.
Auch, weil einfach wirklich nie jemand gefragt hat.

Am Anfang war das Wort.
Wo im Verlauf stehe ich, wenn ich kein Wort habe?

Genesis?

Hineinschauend in einen  Topf voll eigener Ur- Suppe?

es ist

und ich stehe unterm Wasser
lasse meinen Blick von den Schwaden vor meinem Gesicht forttragen
”Das ist heiß heiß heiß heiß heiß”
ein Gedanke, der keiner ist
sich Hut und Stock nimmt und einen Spaziergang über den Jordan macht

der Schmerz schießt durch meinem Kopf
streift die glitschige Watte aus Nichts, die ich so krampfhaft zu einem Seelensein zu formen versuche

“laufen lassen”
ein Impuls, der sich an mir herunterrollt
in Blut, Tränen, Wasser zu einer Pfütze um meine abgerissene Beine sammelt
um im Abfluss zu verschwinden

bin ich
verdisst
getriggert
überreizt
überfordert
reißend
eximplodierend, wie ein schwarzes Loch, das eine Sonne gebären will

ein Stoß von hinten
ein Schlag gegen den Kopf gegen Fliesen gegen Welt und Sein
ein Ankommen
Warten

Fühlen
Ruhen

ein Schrei, der den Wasserhahn herumreißt
mich anbrüllt
aufschlitzt
häutet

an einem Haken über der Realität baumeln lässt

Fassungslos in mich hinein sieht
Worte, Nähe, Arme um mich legt
weder Tränen noch Wasser von seiner Haut wischt

meine Schuld stapelt
meinen Selbsthass vermultipliziert
in den Myriaden des Niegesagten

im Kosmos des Ichweißauchnicht

kosmos

wenn ich Zeit als “verloren” empfinde

BlattimBach Da ist diese Formulierung “Zeit verlieren”.
Ich stelle mir vor, wie jemand an einer Quelle steht. Die Zeit, wie Quecksilber, in seine Hände sprudeln und durch die Finger rinnen lässt.
Sie verliert. Irgendwie ungenutzt und gelebt.

Ich habe noch nie Zeit verloren.
Worüber ich aber immer wieder stolpere, ist das Fehlen ihres Seins in meinem Bewusstsein.

Ich weiß, dass ich einen Therapietermin hatte und da war.
In dem Büro, das jedes Mal irgendwie anders aussieht und doch gleich. Das Aufzählen aller Verrückungen und auch das Rumkartoffeln über die eine, unordentlich über den Vasenrand baumelnde, Tulpe- ich weiß, ich habe das gelebt. Die Blumen waren rot und gelb- nächstes Mal wird die Farbe anders sein. Aber Blumen werden wieder dort stehen.
Ich habe die Zeit in diesem Raum nicht wirklich verloren. Sie war da und schwappte in meinen Händen.
Aber sie berührte mich nicht.

“Wie ist es Ihnen mit der letzten Stunde ergangen?”
Knurren, Fauchen, brodelnde Hitze, kurze Schattenbilder an Dinge, die im Dunkelbunten wabern.
Ein Kind, das Händchen hält.
“Schicken Sie mir mal dies und das.”.

Das Gefühl, dass alles okay ist.
Lächeln, atmen, schlucken, witzeln, gehen.

Im Wanken durch die Stadt merken: “Wart mal – was?!”.

Und dann das Schwimmen.
Das in den Zeitfluss hineinspringen und so schnell es geht, den gerade noch obenauf treibenden Fetzen, nachhechten. Atmen, Luft anhalten, hineingehen. Missachten, was dort unsichtbar über die Füße glibbert, was links und rechts streift, sich organisch anfühlt und doch nie genug greifbare Konsistenz hat, es herauszuheben und mit dem Kopf in den Wolken zu betrachten.

Und dann irgendwann, beruhige ich mich.
Erinnere mich daran, jetzt nicht “ach egal” zu denken. Das ist, als würde ich die Fetzen gleich wieder in den Fluss werfen.
Ich schreibe es auf und warte.

Ich achte darauf, wie sich die Zeit in meinen Händen anfühlt, während ich mit NakNak* und Sieglinde im Wald herumtorkle, mich über große Schnecken freuekle und irgendwie doch alles okay ist. Nur ab und an wischt etwas durch mich hindurch und ich betrachte meine Hände beim Schreiben.

Das ist als würden die längst vergangenen Tröpfchen Zeit auf mich herunter nieseln und sich zwischen die von mir geborgenen Fetzen legen. Manchmal entstehen so Ahnungen und Bilder, immer aber ist da das Gefühl, dass es Arbeit ist, sich das Gestern, Vorhin, Heute und Jetzt anzueignen.
Nicht zu finden, nicht zurück zu erobern. Nur, zur eigenen… selbst gelebten Zeit zu machen. Manchmal auch: überhaupt erst echt, begreifbar und sortierbar zu machen.

Was ich verliere, ist nicht die Zeit. Es ist die Möglichkeit zum Eingreifen, zur Gestaltung, zum in mich einbringen, die verloren geht.
Es ist die Kontrolle, die fehlt.
Nicht nur über mich und den Lauf der Dinge, das Sprudeln dieser Zeitquelle, sondern auch über meine Außenwirkung.

Ich könnte sagen: “Tschuldigung- ich war letztens nicht ganz ich selbst”; könnte Vermeidungstänze mit vielen glitzernden Schleifen aufführen; könnte mich zusammenziehen und zu einem Bündel aus Antennen für die Signale des Gegenübers werden lassen. Aber die Möglichkeit den ersten, zweiten… irgendwannsten Eindruck von mir als Einsmensch irgendwie so hinzudrehen, dass ich als “in Ordnung” wahrgenommen werde – die ist vielleicht – vielleicht aber auch nicht –  weg.
Ich erfahre darüber immer erst später etwas. Bis dahin muss ich schwimmen, vertropfschmelzen lassen, ahnen, Bilder betrachten, das Hallen der Worte von meinem Ohr in meinen Mund wandern lassen und spüren, ob sie vertraut schmecken.

Amnesie, das ist so ein umfassender Begriff.
Lange suchte ich nach schwarzen Löchern in meinem Wahrnehmungsuniversum. Ich dachte, dass ich einen löchrigen Verlauf sehen müsste. Oder, wie im Film, sagen können müsste: “Ich erinnere mich nicht.” Tatsächlich sage ich immer: “Ach, keine Ahnung” oder “ich weiß nicht” und drücke damit eigentlich mehr meine Unsicherheit darüber, ob das, was ich wahrnehme, überhaupt stimmt, aus.
Es wäre gelogen zu sagen, dass ich mich nicht erinnere. Aber es wäre auch eine Lüge zu sagen, ich wäre total bewusst um alles.

Ich denke darüber nach, warum mir die Formulierung des Zeit verlierens trotzdem so nah kommt.
Ich spüre Verlust und muss mich bemühen, darüber nicht auch noch meinen Kopf rollen zu lassen, wie eine unordentliche Kugel in einem Bowlingcenter.

Ich finde Menschen unheimlich und gefährlich.
Menschen lügen und wenn ich nicht weiß, wie die Umstände wirklich sind- wenn ich mir nicht wenigstens sicher darüber bin, wie sie ganz subjektiv für mich sind – dann bin ich abhängig von ihnen.
Das ist ein Gefühl von gleichsam umfassender Ohnmacht, wie vor dem Fließen der Zeit durch mich hindurch, das mich mal mitnimmt und mal nur umspült und manchmal auch nur anhaucht oder in feine Netze wickelt.
Niemand merkt mir das an und so soll es auch sein. Ich bin keine zarte eher ätherisch waberige ungreifbare Multiple. You know: Modell “Huschi muss erst mal vorgelockt werden, um Vertrauen zu fassen”. Ich bin eine von denen, bei der man Angst und Misstrauen nicht merkt, gerade weil sie die Klappe aufmacht und so tut als gäbe es nichts zu fürchten. Ich bin so laut, dass man das, was ich eben nie sage, auch nicht vermisst, wenn man nicht danach sucht.
Was ich kann ist, immer wieder so zu tun, als würde ich nie um Verluste an Sicherheitsgefühlen und Kontrolle trauern, wenn ich merke, dass ich andere Menschen brauche, um mir ein Bild aus der Zeit zu machen.

Manchmal noch kommt es, dass wir uns in unsere Nussschale setzen und auf dem Zeitstrom einfach nur so herumtreiben.
Dann, so mittendrin und ganz alleine, spüre ich keine Verluste, keine Abhängigkeiten. Dann geht es mir gut.
Auch dann erlebe ich es, dass ich nach einer Aktivität kurz innehalte und mich frage: “Warte mal…- was?!” aber es ist dann egal. Ich muss mich dann nicht anstrengen, weil ich nicht entsprechen muss. Weil dann, wenn wir so treiben, auch keine Menschen da sind, die irgendwie… nun ja, das ist jetzt einfach ausgedrückt : “machen”, dass ich an mir vorbei gezogene Zeit als verlustig empfinde.

Am Ende meiner Gedanken bemerke ich, dass viele Formulierungen ein Wurzelende in dem ewigen Kampf um Anpassung an das Außen haben und frage mich, wie wichtig das für uns wirklich ist.
Und plötzlich finde ich mich im Reigen der Selbstzerpflückung und frage mich, wie viel von mir eigentlich da ist, weil es eben da ist und nicht, weil es irgendwann mal wichtig wurde zu haben, damit das Außen mich nicht umbringt.

Und das alles nur, weil… naja, weil ich nicht glauben kann, dass in der Therapiestunde wirklich alles so okay lief, wie es die Therapeutin ausgestrahlt hat.
Wäre dem so, würde ich mich nicht abhängig fühlen. Wäre dem so, dann wäre es nicht wichtig allen letzten Fetzen nachzuspringen. Wäre dem so, dann wäre das ja auch total okay in meiner kleinen Nussschale herum zu treiben und es gäbe wirklich keinen Grund vor irgendetwas Angst zu haben, was diesen kleinen Rahmen betrifft.

Ich tus aber nicht.
Menschen sind die gefährlichsten Tiere auf diesem Planeten.
Und manchmal ist die eigene Wahrheit die letzte Waffe, die man hat, um sich selbst zu verteidigen.

“Wir sind Viele” ~ Teil 10 ~

TröpfchenaufBlüte “Ein Körper mit System” wurde gezeigt.
Ein Film von den Nickis, der ihre Lebensrealität beschreibt und versucht das Viele sein begreifbar zu machen.

Im Hinblick auf den Akt der Selbstermächtigung und der Kraft, die der Erstellung eines Filmes (Buches, Blogs oder anderen Medien) zu Grunde liegen, kann man so einen Film nur feiern. Kein Roman, kein “Profi” der über jemanden mit DIS spricht, sondern der Mensch selbst gewährt Eindrücke, die ihm wichtig erscheinen.

Für uns war der Film in Sachen “Hoffnung auf Zukunft” eine Katastrophe.
Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir einfach furchtbar übermüdet waren. Ob es an den von mir aufgenommenen Mechanismen im Workshop lag, die mich ganz subtil getriggert haben oder, ob mir in dem Moment klar wurde, dass dort gerade viele Menschen sitzen und hören, dass Viele sein ein Zustand für immer ist.

Es kommt ganz am Ende und sie sagen sinngemäß: “Ich kannte eine, die hat sich integriert und kam in die Geschlossene.”. Und die gefilmte Therapeutin sagt in etwa: “Ja klar, denn sie wurden Viele, weil eine allein, die Gewalt nicht ertragen hätte.”.

Wir hielten noch etwas aus. Hofften, dass sich der Abstand zu der Lebensrealität dieser Überlebenden wieder vergrößerte und gingen in den von Licht gefluteten Park, als die Tränen fast schon aus dem Kopf fielen.

Da waren sie wieder die Jugendlichen, die vor BetreuerInnen, Krankenschwestern, ÄrztInnen stehen und hören: “Du wirst die geschlossene Psychiatrie nie verlassen.”, die fixiert in einem leeren Raum liegen, während ein Pfleger um sie herum geht und ihnen sagt, wie unheilbar krank sie sind.
Da stand Sie und fragte sich, ob sie gerade sich selbst in 10 Jahren gesehen hatte und, ob es sich überhaupt lohnt in Therapie zu gehen, wenn sie “diese Missbrauchssache” nicht einmal wirklich richtig spürt, wenn “das mit den Anderen” doch nie “weggeht”.
Da war Frau Wüterich und schwenkte ihre Fäuste asynchron zum Kopfschütteln “soneveralteteKackscheißeverdammtkanndochnichseindassdiesowashierzeigenverfickterDreckskack…
GegengenausowasschreibenwiranverdammteScheiße… ORRRRRRRR”
Und mittendrin ein Kinderinnen, das seine Kugel aus Hoffnung in der Hand hielt und den dicken Sprung auf der Oberfläche betrachtete.

Wir hatten schon lange nicht mehr so einen Moment, in dem wir darüber zerfielen, was noch aus uns werden könnte.
Zum Team “ich bin Viele und das ist total okay für mich” gehören wir nicht.
Zum Einen, weil wir es immer wieder unfassbar bereichernd wahrnehmen, wenn eine Integration oder auch vorher schon mehr Nähe untereinander passiert und zum Anderen, weil wir diesen Schaden einfach nicht akzeptieren wollen.

Wir haben massive Gewalt ertragen und nicht nur in Abgründe sehen, sondern haben in ihnen leben müssen. Andere Menschen haben unseren Körper, unsere Seele und auch noch unser Denken an sich gerissen, manipuliert und ausgenutzt. Wir sind ein Mensch, der sich so oft von sich und seiner Umgebung abtrennen musste, dass er sein Selbst und Dasein bis heute als fremd wahrnimmt.
Ich fühle mich nie willkommen und okay. Nirgends, nie und bei niemandem. Nicht einmal in mir selbst. Nichts, aber auch gar nichts in meinem Leben ist einfach oder leicht. Jeder Aspekt meines Alltags wird in Definitionsdebatten zwischen früher und heute, an Wertmaßstäben jeder Couleur überprüft und in Frage gestellt. 24 Stunden am Tag und das schon seit Jahren. Was ich bin, ist ein Flickwerk, das mir mindestens einmal am Tag zusammenkracht, wieder aufgebaut wird, um dann vor Angst vor dem nächsten Krachen zu zittern.

Mein Leben ist nicht schön. Es ist zum Kotzen. Es besteht aus Angst vor der Angst, permanenten Todeserwartungen und Belastungssymptomen, die so tiefgreifend an den Kräften fressen, dass bloßes Dasein an manchen Tagen schon zu viel ist.
Mein Leben ist: Blümchen pflanzen, wo 21 Jahre lang Brandrodung betrieben wurde.
Ich lebe es, weil es das Einzige ist, das mir geschenkt wurde, ohne, dass ich darum gebeten habe.
Meine Existenz ist es, an der Raubbau betrieben wurde. Rücksichtslos, gierig, aus Lust am Sadismus. Sie haben mir das einzige Geschenk, das ich jemals einfach so haben durfte zerstört, verschoben und verknotet.
Und wenn es die Chance gibt, nämlich die Therapie, nämlich sich jedem Riss, jeder Delle, jedem abgeplatzten Fetzen zu widmen und ihn so, wie es sich für mich/uns allein gut anfühlt, zusammenzufügen, dann ist es das, was wir machen.

Auch wenn das heißt, dass wir vielleicht nie passen werden. Vielleicht nie in eine Arbeit kommen, die von der Gesellschaft akzeptiert wird. Vielleicht nie die Art der Familienplanung, die wir uns wünschen, machen können. Vielleicht heißt es, dass wir uns immer in Grauzonen bewegen müssen, die in den existierenden Strukturen unsichtbar sind.

Aber wir werden unser Leben bzw. die Arbeit daran, die wir tun können, nicht beenden, bevor es sich nicht wenigstens ein einziges Mal okay und zusammengehörig angefühlt hat.

“Das ist nicht mein Leben in dem Film”. Ich schüttelte meinen Kopf so sehr, wie ich konnte und strich mit der Fingerspitze über die Rinde eines Baumes neben mir. “Ich bin noch keine 30, wir haben endlich eine gute Therapeutin gefunden, haben Menschen um uns herum, die sich ehrlich an unseren Erfolgen und unserem Zusammenwachsen innen erfreuen. Das da ist nicht mein Leben gewesen. Ich will nicht Viele bleiben, also werde ich das nicht.”.
Ich atmete ein, schmirgelte die verlaufene Wimperntusche von der Haut unter den Augen ab und ging zurück in Richtung Tagung.

Mit jedem Schritt das Kraftmantra:
Ich will das
Ich kann das
Ich mach das

Dem Kinderinnen dabei zuschauend, wie es mit meiner Energie den Riss in seiner Hoffnung kittete.

“Wir sind Viele” ~ Teil 3 ~

Es war halb 6, als das Handy über den Boden unseres Zimmers rappelte, um uns zu wecken.
Sie öffnete die Augen und sah sich um. Atmete ein und studierte unsere Liste für den Tag.
“Ich will das. Ich kann das. Ich mach das.”, dachte sie, während wir einen Punkt nach dem anderen durch sie hindurch abhakten.

“So Herzi- weinen und diverse andere Aktivitäten, bei denen vermehrter Tränenfluss üblich ist, sind ab jetzt mit dem Risiko verbunden ein Waschbärengesicht zu bekommen.”, tönte es von innen, als ihr eine Frontgängerin klebrige Schwärze auf die Wimpern legte. Sie betrachtete das Innen durch diese so vertraute innere Wand aus Glas im Spiegel. “Und wo bin ich?”, strich wie ein Hauch durch sie. Wie immer, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Blitzlicht:
Wer bin ich und welche Rolle wartet auf mich? Wie muss ich sein, um anwesend… existent sein zu dürfen? Wer darf ich, muss ich, soll ich für das Gegenüber sein?
Für uns sind das zentrale Fragen. Bis heute hängt an der Antwort auf jede einzelne ab, wer von uns da ist und wie wir sortiert sind.
Natürlich haben wir uns vor der Tagung überlegt, wo es Schutz braucht; von wo die Signale zu erwarten sind, wenn Grenzen berührt werden und natürlich gibt es grobe Muster, auf die aufbauend wir planen und uns in Reihe schalten können, doch das Außen kann man schwer bis gar nicht beeinflussen. Noch immer gibt die Umgebung bzw. unsere Fähigkeit den von ihr ausgelösten Stress zu verarbeiten, maßgeblich vor, wer von uns “da” ist und die Möglichkeiten im Außen, diesen Stress adäquat zu regulieren, wer wieder “geht”.
Als wir begannen für die Tagung zu sparen, kämpften wir bereits mit diesen Fragen.
“Du bist eine Betroffene- komm was willst du da? Da werden PsychologInnen, PsychiaterInnen, PsychotherapeutInnen und sonstige Menschen sitzen, die einen Beruf, ein Sein vorweisen können und wir? Wir sind wir und waren nie mehr. Was willst du in die Anmeldung schreiben, hm? “Guten Tag, mein Name ist Hannah Rosenblatt- Berufsmulti seit 2007 in eigener Praxis für Lebenserforschung, diagnoseerfahren seit 2002, oder was?”.

Dann veröffentlichten wir den Artikel “Warum sich die Sprachführung über sexualisierte Gewalt verändern muss”. Inzwischen wurde dieser Artikel 181 Mal auf Facebook geteilt, bei der Mädchenmannschaft erneut veröffentlicht und mit einem Namen in Verbindung gebracht: Hannah C. Rosenblatt
”Okay, das ist schräg- aber hey- ich bin ein random Internetjemand- komm, das muss reichen- anmelden und zack jetzt hier- Bäng!”, brubbelte es vor sich hin, als wir die Anmeldungsmaske zur Tagung ausfüllten.

Was uns dann in die Hand gegeben wurde, als wir uns am Freitagmorgen anmeldeten, war dann aber doch unerwartet mächtig:
Namensschild

Sie schwebte wie ein Irrlicht in sich selbst herum, als wir zur Begrüßungsrede in die Aula eintraten. Obwohl es nicht ihre Brust war, an der das Namensschild baumelte.

 

~Fortsetzung folgt~

 

 

Vorschau: Wir werden in den folgenden Artikeln Vorträge und Workshops kommentieren bzw. die Dinge formulieren, die wir gerne formuliert hätten.

Wie viel “Opfer” steckt in meinem Genderlabel?

Faserfrühling2 Neulich hatte ich eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema “Geschlecht und Gender im Kontext von sexualisierter Gewalt in Form von Misshandlung in der Familie als Kind”. Dabei entstand in mir die Fragestellung, wie viel von meinem Selbstlabeling darin begründet ist, dass ich misshandelt wurde.

Fakt ist: Gewalt verändert die Wahrnehmung. Sowohl von sich selbst, als auch von der Umwelt und anderen Menschen.
Diese Wahrnehmungsveränderungen können dazu führen, dass der Umgang mit sich, der Umwelt und anderen Menschen verändert ist und etwas anderes mit sich trägt, als ohne diese Erfahrungen.
Hinzukommt der Prozess des Lernens. Man lernt basierend auf seiner eigenen Wahrnehmung von sowohl der direkten Rückmeldung von außen, als auch dem Effekt der sich auf einen selbst auswirkt.

So weit, so verkürzt, so aber ausreichend.

Ich habe gelernt, dass ich ein Stück Scheiße bin, das man eben misshandeln kann, weil man das kann.
Das ist so zusammengefasst, was ich mir aus der Gewalt, die ich erfuhr, mitgenommen habe. Ich bin kein Mädchen oder Junge, ich bin nicht von Wert für Menschen, die so viel Kraft/ Macht haben, dass sie einfach tun können, was sie tun, weil sie es eben können.
Das sind also so zwei Bereiche, die vielleicht- vielleicht aber auch nicht- von der Gewalt ver-rückt worden sein können: Die Wahrnehmung meines Körpergeschlechtes, daraus folgend, die meines sozialen Geschlechtes (Gender) und die Einschätzung des Wertes meiner Selbst vor Menschen, die Macht haben (Autoritäten).

Ja, es kann sein, dass ich mich als geschlechtslos wahrnehme, weil mir begegnet wurde, als hätte ich keins.
Auf der anderen Seite habe ich ja Augen im Kopf und kann sehen, dass mein Körper als weiblich kategorisiert werden kann, was in meinem Umfeld die Folge hat, auch dem sozialen Geschlecht der Frau zugeordnet zu werden, welches wiederum immer stärker von Medien und kapitalistisch motivierter Vermarktung definiert wird. Also nicht einmal mehr wirklich von Menschen um mich herum, sondern von einer grauen Eminenz- einer Macht, die tut, was sie tut, weil sie es kann.

Etwas, was Gewalt aber auch kann ist, Gefühle von Entfernung, Entfremdung machen. Irgendwie ist es immer wieder so, dass Gewalt, obwohl sie in vielen Formen auftritt und es keinen Menschen auf dieser Welt gibt, der keiner Form von Gewalt (und sei es der Naturgewalt) ausgeliefert ist, etwas ist, das Menschen an den Rand ihrer Welt bringt und manchmal auch von dort herunter fallen lässt.

Je tabuisierter die Art Gewalt ist, die das zur Folge hat, desto stärker ist dieses Gefühl. Und je mehrdeutig verwaschener die Kommunikation darüber ist, desto ferner (surrealer, fremder, unvereinbarer, spezieller) erscheint das eigene Sein in eben jener Position als Überlebende/r. Die Norm erscheint da oft als etwas, das nicht (mehr) für sich selbst gilt.

Ich habe so viel Zeit in meinem Leben damit verbracht Nichts (und nur vor mir selbst ein Jemand) zu sein, damit mir nichts Schlimmeres als ES widerfährt, dass ich das auf vielen Ebenen in mir drin habe. Da ist das innere Leitbild, dass es immer das Beste ist nicht nur das Nichts zu sein, sondern auch am Besten gar nicht zu sein. Da ist die Autarkie, die Unabhängigkeit als eine der höchsten Prioritäten, die alles einschließt. Auch in Bezug auf meine Art Sexualität zu leben: ich bin mir selbst völlig genug.
Das habe ich so definitiv nicht durch die Gewalt gelernt. Was ich in Bezug darauf gelernt habe ist, dass meine Gefühle, die im Zusammenhang mit meinem Genital stehen, völlig irrelevant sind, wenn sie jemand anderes benutzt.
Wenn ich welche hatte, dann wurden sie umgedeutet, wenn ich keine hatte, wurden mir welche unterstellt.
Das heißt nicht, dass ich im Zuge der Gewalt mein Geschlecht negierte oder nichts gespürt habe. Aber ich habe diese Empfindungen mit dem Menschen verbunden – nicht mit dem Umstand ein weibliches Geschlecht zu haben.

Wenn ich alles selbst tue, ist alles gut. Dann bin ich nichts, nehme nichts, brauche nichts (und niemanden). (Könnte auch heißen: “Ich muss dann nichts für jemanden sein”, aber da bin ich noch nicht dran.)
Ist das ein ausschließlich erlerntes Muster, das, wenn ich es änderte, all meine Selbstwahrnehmung verändern würde? Vielleicht in eine Cisfrau, die liebend gerne den ganz besonderen Kugelschreiber für Frauen benutzt und ihrem Mann die Chips für den Fußballabend mit Freunden am Grill kredenzt? Ist denn das die Norm? Ist Heterosexualität und die Cis-Genderperformance die Norm? Ist das, was ohne Gewalt/ Einfluss von außen entsteht, die richtige Norm?

Nein.

Heute bin ich von meinem Innenleben nicht mehr so sehr entfernt, wie noch vor ein paar Jahren. Ich merkte, dass andere Innens sich nicht als geschlechtslos wahrnehmen, sondern, dass es durchaus Innens gibt, die sich woanders auf dem Spektrum verorten oder sich selbst sogar auf diesem herumwandernd empfinden (also manchmal sehr weiblich, manchmal eher männlich, manchmal männlich, manchmal wie ich).

So entsteht in mir die Frage, ob die Verknüpfungen, die unter Gewalt entstehen, abhängig vom Selbstzustand sind.
Das Modell nach der Frage, wie viel meiner Selbstwahrnehmung bzw. meiner Selbsteinschätzung also aus dem “zum Opfer geworden sein” kommt, orientiert sich an der Idee, die Summe meiner Erfahrungen und Umwelten zu sein.
Das passt aber nicht mehr, wenn ich dann Menschen begegne, die sich gleichsam als geschlechtslos, trans, nonbinary, queer  etc. etc. etc. wahrnehmen, ohne (als Kind) sexuell misshandelt worden zu sein und erst dann sexualisierte Gewalt erfuhren, als sie sich nicht entsprechend ihrer Selbstwahrnehmung auch offen nach außen labeln und entsprechend agieren durften. (Also ja: ich persönlich halte es auch für sexualisierte Gewalt, wenn ein Transmann weiterhin Frauenperformance betreiben muss oder sich jemand, der sich als jemand ohne Geschlecht fühlt, mit “Herr” oder “Frau” angesprochen wird, weil because of fucking status quo).

Es gibt diese Haltung zu Gewalt, dass sie alles und jeden von Grund auf verändert.
Ich zweifle inzwischen mehr und mehr daran, dass das wirklich so ist.

Was mir passiert ist, hatte eine ganz eigene Dynamik mit der ich aufgewachsen bin. Da ist das Paradox: Ich hatte früher nie das Gefühl Unnormales zu erleben oder selbst unnormal zu sein- aber als klar wurde, dass es Gewalt war, fiel ich über den Rand der Welt.
Alles, was mir hätte sagen können: “Du, das ist nicht okay, wenn jemand deinen Körper manipuliert- das ist Gewalt- du kannst/ darfst/ musst das jetzt hier schlimm finden und dich so und so verändern, um damit zurecht zu kommen”, war mir nicht bewusst und spielte so überhaupt gar keine Rolle. Wenn ES passierte, dann ging es darum, dieses ES so kurz und knapp wie möglich zu halten (und mir gelang das immer am Besten, wenn ich mich eben darauf besann, dass ich _nicht bin_. Ein Jemand, aber ansonsten Nichts.
Da spielten lediglich die sozialen Rollen von “mächtig”/ “Etwas und Jemand” und “ohnmächtig”/ “Nichts und Jemand” eine Rolle. Weniger oder zumindest nicht ausgesprochen meine soziale Rolle als Kind oder mein biologisches Geschlecht.

Ich werde nie herausfinden, ob ich mich anders wahrnehmen würde, wenn ES mir nie passiert wäre. Denn es ist mir passiert und ich erinnere keine Zeit, in der das nicht so war. Ich habe mich nie anders wahrgenommen und eingeschätzt. Und ich erlebe es nicht als Verlust oder als einen Akt von Abwehr gegen meine Biologie oder soziokulturelle Rolle. Auch so ein bequemer Normengewaltmythos: Non-Cisgender und Homo- und Non-binary- Sexualität als abweichender Lebensstil, weil die Gewalt “gemacht hat”, dass die betroffenen Menschen sich und ihre Rolle und ihr Geschlecht so sehr ablehnen, dass sie ihre Genitalien nicht mehr normgerecht benutzen wollen oder können (also heterosexuell entsprechend ihres biologisch eingeteilten Geschlechtes).

In den ganzen Überlegungen traf mich ein Gedanke, wie ein Asteroid beim Wandertag, als ich das Viele- sein auch noch einmal in den Kontext hineinbrachte.
Nämlich der, dass die Gewalt, die mich zu Vielen hat werden lassen, auch vielschichtig war und sich da die Frage eröffnet: Wenn das alles nicht gewesen wäre- wie würde ich mich dann labeln?
Ich habe keinen Zweifel daran, dass mein Selbstlabeling ein Anderes wäre- aber wäre ich dann ganz grundlegend auch ein anderes Jemand?

Ich glaube nicht. Aber- und das ist, was ich als größten Verlust wahrnehme- ich werde das nie herausfinden können, denn passiert ist passiert. Da ist ein Ende der Persönlichkeitsentwicklungsoptionen abgeschnitten und für immer verloren.
Alles, was ich heute zusammenführen und integrieren kann, hat sich getrennt entwickelt und in Autarkie gebracht. Ich denke, dass es wichtig sein kann, an manchen Stellen zu sehen, welche Verknüpfungen sich wo, wann und warum gebildet haben und ob sie heute noch genauso übereinstimmend mit dem jeweiligen Selbst wahrgenommen werden.

So gab es früher schon die Notwendigkeit und auch die innere Übereinstimmung damit, die Rolle eines Cismannes inne zu haben, die dann aber nach der Bearbeitung der Entstehungssituation dieses Selbsts nicht mehr als so übereinstimmend wahrgenommen wurde und in ein Selbst mit anderem Gender integriert wurde. Das Gleiche erlebten wir aber auch schon anders herum, genauso, wie ich auch schon Innens mit binärer Geschlechterzuordnung in mir integriert habe.

Am Ende wird, denke ich, ein Selbstlabeling dabei herauskommen, das ist wie es ist. Nicht mehr oder weniger hinterfragbar oder mit dem “zum Opfer geworden sein” in Zusammenhang stehend, als das, was ich jetzt an mir und anderen Innens sehe.
Es ist die Gewalt, “die machte”, dass ich mir das jetzt alles zusammensuchen muss. Aber ob sie das, was da jetzt so herumfliegt, auch alles gemacht hat?
Keine Ahnung.

Und wer weiß- vielleicht finden wir Menschen irgendwann heraus, dass unser Selbst so oder so immer anteilig gemischt ist und wir durch die Summe unserer Erfahrungen und Umwelten lediglich unterschiedlich gewichten.

Und vielleicht vielleicht vielleicht… darf dann ja auch irgendwann jeder Mensch einfach so sein, wie er sich wahrnimmt.

weiter nichts

BlattimBach2 Ich spüre ganz genau diesen vertrauten Schmerz.

Wie sie sich von mir abtrennt, meine Haut vom Sein reißt, sich in die Ränder einwickelt und Schleifen an die Ecken bindet.

Wie sie meine Muskeln bluten lässt, mit jedem erbarmungslosem Schritt diesen Berg hinauf, hinunter, die Kilometer unter sich ablaufend.
Durch die Sonne, mit dem Wind, in Gedanken, die keine sind.

“Dann sag ich nichts mehr dazu. Dann ist das so. Egalegalegal…”. Mit jedem Schritt ein Egal mehr. Ein Wollen weniger.

JoggerInnen, FahrradfahrerInnen, andere SpaziergängerInnen sprengen die Blase um sie herum und lassen das tragende Stakkato in ihrem Kopf zittern, wie Gräser in der Brise.

Sie setzt sich an das Rinnsal, das ihre Stadt an Wasser zu bieten hat.
Schluckt, atmet, streicht dem Hund Insekten aus dem Gesicht.
”Alles ist gut”, kreist es in dem Raum den ihre Schädelknochen bilden.

Weiter nichts.

Bis die Sonne untergeht.

Bis die Tränen ins Nimmermeer fließen und mein Sein wieder bekleiden.

mit ÄrztInnen reden

Himmel Noch immer gehen wir fleißig zur Zahnärztin und lassen uns das Dresden ‘45 in unserem Mund kernsanieren.
Ich bewundere die Ärztin für ihr handwerkliches Geschick und die Geschwindigkeit mit der sie so präzise arbeiten kann. Ihre Assistentinnen sind alle nett.

Manchmal schaffen wir es auch kurz zu reden.
Dann wirds schwierig.

Ich glaube, sie hält mich für einen Menschen der “empfindlich” ist. Schublade: “rohes Ei”. Ob ich nun dahinein gehöre oder nicht, stelle ich jetzt mal dekorativ in eine nicht so ferne Ecke, denn obwohl Fingerspitzengefühl sehr wichtig für mich ist, ist es nicht, worum es mir geht, wenn ich mit meiner Zahnärztin, oder auch meinem Augenarzt oder anderen MedizinerInnen über mich spreche.

Mir fallen nicht viele Gelegenheiten ein, die so viele subtile Trigger neben dem offensichtlichen Machtgefälle von BehandlerIn- PatientIn, in sich tragen. Es ist schwierig sie sofort als solche wahrzunehmen, es ist schwierig sie zu benennen und selbst, wenn das geklappt hat, heißt das noch lange nicht, dass meine BehandlerInnen auch wissen, was das bedeutet und welcher Umgang damit für mich hilfreich ist.

Ich bleibe mal bei meiner Zahnärztin, die mich nach der letzten Behandlung fragte, was denn ein “Flashback” ist. Wie sie sich das vorstellen kann.
Bei mir machte die Frage drei Wellen:
1) Woa geil- sie fragt nach.
2) Woa scheiße- sie fragt nach.
3) Wo fange ich denn jetzt an?

Das Gute an Medizinstudien ist das Grundstudium. Wenn ich von Hippocampus und Amygdala rede, wird neben “Pferdeparade” und “Star Wars Prinzessin” sicherlich auch “Gehirn” als Assoziationselement von irgendwo aufploppen. Manchmal liegt das Studium aber auch sehr weit zurück, dann versuche ich es mit “allgemeiner Stressphysiologie”.
Ich erklärte ihr, dass mich manchmal Gefühle, die mit früheren traumatischen Erlebnissen zusammenhängen so sehr überrollen, dass ich nicht mehr so genau weiß, ob sie in aktuellen Umständen begründet sind, oder früheren, weil ich diese Erfahrungen noch nicht integriert habe. In solchen Momenten reagiert mein Körper wie damals, nämlich hochgradig gestresst, was sie als Behandlerin wissen muss.

Ich sagte ihr, dass mich der ganze Besuch bei ihr grundsätzlich schon stresst und in einen Alarmzustand versetzt, der entweder in “Ich nehme alles und jede noch so winzige Mikrobenregung um Faktor 100 deutlicher wahr- habe einen hohen Blutdruck, eine niedrige Schmerztoleranz und geistige Leere” oder in “Ich fühle nichts, ich habe nichts, ich bin das Nichts aus Nichts gemacht” kippt.
In der Interaktion nach Außen- nämlich mit ihr- ist das relevant, denn sie kann mir schon zu Beginn helfen diesen Stress zu regulieren, so dass wenigstens mein Kopf wieder mit mindestens dem Grund meines Kommens gefüllt ist.

Meine Zahnärztin und ich werfen uns dazu Schnackphrasen, die belanglos aber herzlich sind, zu.
Das ist für mich und mein Innenleben ein gutes Signal für “Jupp- hier ist- bis auf die Trigger, die mich an Altes erinnern werden, was ich aber schon weiß und entsprechend reagiere- alles tutti.” Wo gewitzelt wird und Lächeln unwillkürlich ist, da ist in der Regel auch alles tutti. (Neue Lebensweisheit- das hatten wir kurz nach dem Gewaltausstieg so noch nicht etabliert!)

Es ist auch relevant für sie, um mein Verhalten und meine Empfindlichkeitsschwankungen einzusortieren.
Für andere BehandlerInnen ist es ebenfalls relevant zu wissen, dass meine Stressverarbeitung nicht so funktioniert, wie bei Menschen ohne komplexe Traumatisierung in der Biographie.
So schwanken diverse Werte, die an der Adrenalin und Cortisolausschüttung hängen und beeinflussen so die Beurteilung des eine Diagnostik versuchenden Menschen. So ist der mentale Status nicht stabil und so schwankt auch die Absorption von Medikamenten und damit wiederum die Wirkweise auf dem gesamten Spektrum der erwünschten, der unerwünschten und der “habichnochnievongehört”- Wirkungen.

Eigentlich sehe ich mich als Patientin nicht in der Position, meine BehandlerInnen darüber aufklären zu müssen, was relevant für ihre Diagnosefindung bzw. den Weg dahin ist. Ja, eigentlich finde ich es ein Unding, dass MedizinerInnen von ihren PatientInnen an die Funktionsweise des Gesamtorganismus (mit individueller Biographie und Lebensweise) erinnert werden müssen und diesen Kontext nicht von Haus aus klar haben. Mal abgesehen davon, dass die meisten* PatientInnen das selbst nicht einmal wissen.

Meiner Zahnärztin bin ich in der Hinsicht auch fast ein bisschen böse, denn eigentlich hat sie alles Wichtige in meiner Akte stehen, wie ich neulich feststellen konnte.
Als wir zu ihr kamen, wohnten wir in einer Schutzeinrichtung für weibliche Jugendliche. Es ist eine Pseudoepilepsie vermerkt. In den 10 Jahren, die wir uns kennen, hat sie mein Körpergewicht von niedrig auf hoch, auf mittel auf hoch, auf niedrig auf mittel schwanken gesehen, in Zeiträumen, bei denen sogar die WeightWatcherfraktion die Kinnlade wieder einsammeln geht. Da steht, dass immer eine Nervbetäubung passieren muss.
Ich bin da schon so oft “plötzlich” in Tränen ausgebrochen, konnte nicht sprechen und bin völlig “weggebeamt” da in der Praxis herumgetaumelt, konnte Beschwerden nicht linear formulieren und habe kein konstantes Bissprofil… und trotzdem kam ihr wohl nie der Gedanke, dass das Elend in meinem Mund eventuell vielleicht etwas mit einer chronischen Essstörung … ganz dezent vielleicht eventuell rein theoretisch begründet in einem Trauma zu tun haben könnte.

“Nunja, sie ist ja auch Zahnärztin und nicht Psychologin”, könnte nun argumentiert werden. Doch das ist in meinen Augen ein Trugschluss, denn die Psychologie sagt ja nichts weiter als: “Da gibt es eine Essstörung- begründet in traumatischen Erfahrungen, die es zu verarbeiten gilt, um die Schädigung von Körper und Seele als Folge zu beenden.”, meine Zahnärztin arbeitet sich gerade genauso an der Reparatur diverser Schäden ab, wie meine Psychotherapeutin und – so ich denn endlich mal die Chuzpe dazu habe, mir eine zu suchen- meine Hausärztin.

“Wer Schäden repariert, der weiß woher sie kommen”- alte HandwerkerInnenweisheit

Als Patientin kläre ich meine BehandlerInnen aus einem gewissen Antrieb des Selbstschutzes oder auch der Selbstfürsorge auf, wenn diese sich willig zeigen, mit mir eine Ebene zu halten, die sich um mein Wohlbefinden und mein Heil-werd-en dreht. Sitze ich vor jemanden, dem es um Definitionsmacht oder auch nur um viel Geld für wenig Aufwand auf meinem Rücken geht, bleibe ich zur Akutversorgung und suche mir jemand anderen für die Weiter- und/oder Nachsorge.

Komme ich zu einem Arzt oder einer Ärztin, bin ich schon unter Stress, weil ich mich erklären, klar bis durchsichtig machen muss, was für mein Gehirn soviel bedeutet wie “Achtung Gefahr- du bist existenziell bedroht”. Es sind die Fragen:
Wer sind sie?
Was haben sie?
Was wollen sie von mir?

die in der Übersetzung für mich bedeuten:
Ins Schwimmen kommen
Rutschen
Abstürzen

Die Art Gewalt, die ich erfuhr, war keine Naturgewalt oder etwas das einfach so halt passiert ist.
Die Folgen von zwischenmenschlicher Gewalt sind spezifisch und für jede Sparte “BehandlerIn” relevant.
Mein Ich-gefühl ist diffus bis nicht existent.
Mein Körpergefühl schwankt massiv.
Mein Umgang mit sowohl subjektiv als auch objektiv wahrgenommener Autorität schwankt zwischen absoluter Unterwerfung (von “mach alles, was du willst” bis “du brauchst gar nichts für mich wertloses Ding machen”) und genauso absoluter Abwertung (von “ach du hast doch keine Ahnung!” bis “Nu komm ma- gib mir mal besser den Rezeptblock”).

Als sinnig hat sich für mich herausgestellt, meinen BehandlerInnen im Voraus zu sagen, dass ich massive Gewalterfahrungen mit Menschen gemacht habe (genauso ausgedrückt) und entsprechend gestresst, vielleicht auch ängstlich bin, wenn ich bei ihnen in der Praxis ankomme. Dass ich eventuell nicht so klare Angaben machen kann, wie sie gebraucht werden und, dass ich mehr Zeit in Anspruch nehmen muss, als die 10 Minuten Durchlaufzeit, die sie eventuell gewohnt sind, um diesen Pegel runter zu regulieren. Ich mache ihnen klar, dass ich das kann bzw. gelernt habe; dass ich sagen kann, wenn ich etwas von Ihnen brauche, das mir dabei hilft. Dies hat sich bis jetzt als positiv herausgestellt, um nicht in die “einmal Opfer- immer Opfer” Schublade hineinzufallen und als total inkompetent vor der eigenen Lebensrealität zu gelten.

Für viele (Viele) klingt das nach “Raum einnehmen”, “sich wichtig machen”, “sich etwas (heraus)nehmen”, “schwer/umständlich sein” und oft kommt die Frage nach der Berechtigung dessen auf.
Eigentlich brauchen ÄrztInnen die PatientInnen, denn ohne wären sie nur Menschen mit sehr teuren Zetteln in der Tasche.
Wir PatientInnen spüren unsere Berechtigung für einem respektvollen und positiven Ich- zentralen Umgang nicht immer sofort, weil wir ja in der Regel in Not zu ÄrztInnen kommen. Ein Zustand, der als solcher für Gewaltüberlebende schnell zum Ablauf alter Reaktionen führt und auch allgemein als etwas gilt, in dem Anstand oder Etikette nicht den gleichen Rang haben, wie normalerweise. Not ist eben nicht die Norm.
So ist es wichtig, sich ganz genau alle Fakten einer aktuellen Not heranzuholen, die nicht an den Menschen gebunden ist. “Menschen sind nicht allmächtig, auch wenn sich das gerade so anfühlt/ sich dieser Mensch so verhält, als sei das so.”, sage ich mir dann immer. (klingt simpel- macht aber trotzdem mächtig “Ping”, wenn man sich das in dem Moment von Kopf zu Herz zu Seelenfitzel weiterreicht, während man da im Behandlungszimmer sitzt).
Es ist wichtig zu wissen, ob es sich nach sterben anfühlt, weil es ein Sterben ist oder, weil eine Erkrankung, die vorbei gehen wird, dieses auslöst.

Ja, es ist ein Akt von “Raum einnehmen” und “umständlich sein” und ja, auch “sich wichtig machen” und das ist völlig okay so.
Ich weiß, dass ich mehr Raum einnehme, wenn meine BehandlerInnen mich als Patientin durch Exitus verlieren, weil ihre Behandlung relevante Faktoren meiner Anamnese nicht berücksichtigte. Ich weiß, dass die Umstände, die ich anderen für 20 Minuten in einem Arbeitsalltag bereite, die Folgen der Umstände sind, unter denen ich 21 Jahre zu leben gezwungen war. Und ich weiß, dass meine Behandlung nicht wichtiger oder weniger wichtig werden darf, im Vergleich zu den anderen PatientInnen, die mein Arzt/ meine Ärztin betreut. Mein Bemühen um eine gute, respektvolle Zusammenarbeit gehört in den Bereich PatientInnenpflichten, denen ich zustimme, sobald ich anerkenne, dass ich mich mit jemandem umgebe, der Pflichten als praktische/r MedizinerIn (oder allgemeiner: BehandlerIn) nachkommen muss.

Meine Zahnärztin und ich sind nun also auf dem Level von: “Ach- es gibt sogar einen Namen für dein Zittern und Starren und nichts sagen können? Spannend- erzähl mal!”.
Nach 10 Jahren kommt das irgendwie spät und ganz streng betrachten will ich auch gar nicht erst, dass sie mich fragt was das ist, anstatt sich selbst um eine Fortbildung zu kümmern. Ich weiß nicht einmal, ob es so gelagerte Fortbildungen für ZahnmedizinerInnen gibt. Aber gut.
Ich kann sie gut leiden, sie “mag mich gerne leiden” und also suche ich ein bisschen Infomaterial zusammen, das sie weiterbringt und letztlich mir die Behandlung meiner Zahnruinen weniger stressauslösend macht.

Hätte ja auch was, nicht jedes mal schon am Tag vorher gegen Angstwellen anzukämpfen, kurz vorm Termin keine Drogen nehmen zu müssen und den Rest des Behandlungstages nicht in die Tonne treten zu müssen.
Genauso, wie es für sie sicher etwas hat, wenn sie Frau Rosenblatt nicht mehr ganz so arg, wie ein rohes Ei durch die Behandlung balancieren muss.