Sommeransichten

Jetzt filme ich schon ein paar Wochen und hab daran viel Spaß.

Was mir aufgefallen ist
– es ist schwierig für mich ein ordentliches Bild aufzubauen, wenn mehr als zwei oder drei Sachen drin sind
– Seifenblasen sind schwierig zu filmen
– Yeay, Stative!
– wieso sind Kaninchen/ Nilgänse/ Vögel immer so weit weg und vor allem immer dann, wenn mein Stativ zu Hause liegt?
– Schmetterlinge sind keine Rampensäue, wie Bienen und Hummeln
– Wind ist der Feind
– Menschenmassen und Events sind sehr anstrengend zu filmen, nicht nur, weil man ja auch hin- und zurückfahren muss
– wieso kann ich die Tonspur nie vom Bildmaterial lösen?
– der Upload eines Videos in hoher Auflösung bei YouTube dauert zwischen: ein Abwasch, ein Mal Staubsaugen, das Büro aufräumen, Müll rausbringen, einen Blogartikel schreiben, 20-30 Nörgeltweets absetzen, 3 Tassen Kaffee und 5 Leben Candy Crush verspielen (5 Stunden) und eine Blogschau, eine Newsfeedsammlung lesen, 2 Tassen Kaffee und 4 Twitterlinks folgen (2 Stunden)
– der Schnitt eines Videos beinhaltet etwa 3 Mal Gedanken an die Notwendigkeit eine neue Maus zu kaufen, 20 x den Vorsatz das Stativ nie nie nie wieder zu Hause zu vergessen, 5 Mal daran zu denken, dass solche Minifilme im Infoscreen laufen und die FilmerInnen* dafür Geld bekommen (mit anschließender Diskussion darüber was Dinge wert sind, wenn sie kostenlos sind und dann doch nie ™ angeschaut werden) und Spaß an den Animationen zwischen den Schnitten
– der Filmfeinschliff mit der Musiksuche und der bereits beim Bloggen heißgeliebteste Teil der Titelsuche, ist das Stadium in dem Haare fliegen
– Royalty Free Music ist nicht schwer zu finden- aber die passende Royalty Free Music zu finden schon
– YouTube hat das gleiche Problem wie Blogs und Twitter: Menschen, die richtig mies kommentieren, obwohl sie nicht mal selbst bloggen, “richtig twittern” oder Videos machen

Was ich besonders gern mag:
– mit anderen Leute darüber reden, wie sie ihre Filme machen und Ideen sammeln
– rumspielen und dabei coole Effekte rausfinden
– Zoomen

Was ich traurig finde:
– wir können keine VLogs machen, wie andere YouTuberInnen*
– wir können keine Hundetrickvideos machen, wie andere YouTuberInnen*
– wir können keine Videos machen, bei denen man unsere Stadt sieht
Manchmal vergesse ich, was wir stattdessen machen können und bin deshalb vielleicht unglücklicher darüber, als ich eigentlich sein muss.

 

Gestern hab ich ein neues Video hochgeladen.
Ich hoffe, es gefällt euch.

Take 1

Manchmal macht sie mir noch kurz Angst mit ihrem großen Auge, diese Videokamera.
Aber im Moment ist es leicht mir Angst zu machen. Mich an den Rand meiner Kraft zu bringen.

Das Wetter, das Leben, die kommenden Termine strengen mich jetzt schon an und zwischendurch fühle ich mich, als würde ich auf einer Nadelspitze Pirouetten tanzen wollen.
Aber ich fühle mich gehalten von diesen Anstrengungen. Die Hitze, die sich zusammen mit NakNak* in meiner Dachwohnung an mich drängt, gibt mir genauso viel Halt, wie Vorbereitungen für Termine und Arbeiten.

Ich denke nicht viel.
Wenn ich anfange zu denken, dann denke ich Neualtes über Vergangenjetziges.
Also machen wir neben den Fotos und der Kunst auch noch Filme.

hier ein Ausruhfilm

 

und hier einer, in dem jemand von uns erklärt, wie man Zines machen kann

ein Tag

Es begann damit, dass der Wecker um 7 Uhr klingelte. 2 Stunden nachdem die Augenlider wie schwere Vorhänge vor die Glutbröckchen mit denen sie Buchstaben zu erkennen versuchte, rutschten und 2 Stunden bevor der nächste Zahnarzttermin war.
Nur einmal nachpolieren. Am Montag hatte sie eine Panikattacke bei der Zahnärztin. Nur einmal kurz die Panikleiter rauf. Hyperventilieren und dann unter dem Lächeln der Assistentinnen erstarren. Innehalten, den Kiefer einrasten lassen. Warten. Gehen.
Auch mit der scharfen Kante.

Halb 10 in der Innenstadt.
Frühstücksbuffet hier, Kaffeeduft da. Tauben die Bettler anbetteln und Hunde, die in dieser Wüste aus Stein und Grau der Natur ihren Lauf lassen.
Hunger bohrte sich durch sie hindurch. Ihre Schritte schlackerten wie nett gemeinte Gesten unter ihrem Körper daher. Die Sonne versuchte sich in kurzen Stippvisiten.

“Gehts mir wieder gut?”
Mit der Zunge fuhr sie über die Lücke, die noch immer scharf und rau zwischen 5er und 6er klafft.
“Hab ichs jetzt überwunden?”
Da stießen schon wieder Tränen aus den unsichtbaren Grotten neben der Nase.

Sie fuhr nach Hause, streichelte den Hund. Legte sich hin und schlief ein paar Stunden.
“Bin ich jetzt bereit?”, sie schlug die Decke von sich.

Sie stand auf der Wiese und beobachtete die Hände, die die Videokamera umschlossen. Hörte dem Murmeln des Innens zu: “Nicht wackeln. Ausatmen und halten. Langsam- nur halten. Der Rest passiert allein. Ich kann das. Ich übe nur…”

Eine Biene, eine Hummel, eine Fliege, eine Schnecke, Klee, Disteln, Kamillen, Gräser, Luft, Sonne und Himmel.
Stille.

“Ich bin draußen.”

Vielleicht war es zu viel Luft zum Atmen.

Es endet mit dem Fazit:
Versuche eine Krise von sich aus für beendet zu erklären scheiterten erneut.

und einem Wahrnehmen eines Innen, das wächst

 

ein Montag

Geisterhaar “Ich habe einen Drive- G’tt sei dank. Dann ist dieses übelste aller PMS-Dinger ever vielleicht morgen schon durch.”, dachte sie und kämmte die nassen Haare.
”Duschen ohne weinen. Auch schon länger her.
Gehört das zu “Wie Sie existieren”?”.

Dem dumpfen Branden im Hinterkopf lauschend, schreibt sie lächelnde Emails, füllt Überweisungträger aus.
Telefoniert mit dem Betreuungsgericht.
“Nächste Woche noch mal anrufen”, kritzelt sie als Gesprächsnotiz an die Innenseite ihrer Gedanken.

Die nassen Lockwelldellen wirbeln im frischen Sommerwind, als sie zur Sparkasse geht. “Ich könnte ja auch mal wieder in die Bücherei gehen… Nadia und Charlott lesen so coole Sachen und ich immer nur Arbeitszeugs.”. Der dicke Stapel Kontoauszüge gemahnt ihrer Schlampigkeit.
“Du kannst echt nicht mit Geld umgehen.” knirscht es in ihrem Kopf. Enttäuscht. Muttienttäuscht.
– “Mir hat nie jemand beigebracht, wie “man” mit Geld umgeht”, schickt sie zurück. Enttäuscht. Tochterenttäuscht.

on another love …
all my teeeears…

la la lalaaaa

on another love…

Sie macht Fotos.
“Wie Ihr Existieren aussieht” hatte die Therapeutin gesagt. “Machen sie mal Fotos davon” und sie hatte abgewiegelt.
Unser Hartz 4 – Palast mit Kellerleben drin, nein so wie er ist, zeigen wir ihn nicht.
Aber das Existieren vielleicht. Irgendwie, wenn Fotos so etwas transportieren können.

Ein neues Regal haben wir. Ein blaues hohes Regal von dem zugemüllten Schrotthaufen auf dem Dachboden nebenan. Alle Mal- und Kunstkrempelsachen sind dort jetzt drin und das Arbeitszimmer evolutioniert sich langsam zum Wohnzimmer.
Vielleicht wird es aber auch eine Art Gebärmutter.

Dort war noch kein Fremder drin, der keine Erlaubnis dazu hatte.

Auf dem Herd kocht ein Gulasch. Szegediner Gulasch ohne stopfige Kartoffeln gibts heute.
Wir wollen ab jetzt einmal in der Woche richtig echt kochen. Nicht “essen machen” und damit Glutamatsuppe oder andere gesundheitsschädliche Dinge meinen.
Mal sehen, wie lange das klappt.

Heute hatten wir PMS- Wonderwomenstiefel an.
Morgen arbeiten wir an unseren Projekten weiter.

I wanna cry and I wanna love
but all my tears have been used up
On another love, another love,
All my tears have been used up

“Wir sind Viele” ~ Teil 10 ~

TröpfchenaufBlüte “Ein Körper mit System” wurde gezeigt.
Ein Film von den Nickis, der ihre Lebensrealität beschreibt und versucht das Viele sein begreifbar zu machen.

Im Hinblick auf den Akt der Selbstermächtigung und der Kraft, die der Erstellung eines Filmes (Buches, Blogs oder anderen Medien) zu Grunde liegen, kann man so einen Film nur feiern. Kein Roman, kein “Profi” der über jemanden mit DIS spricht, sondern der Mensch selbst gewährt Eindrücke, die ihm wichtig erscheinen.

Für uns war der Film in Sachen “Hoffnung auf Zukunft” eine Katastrophe.
Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir einfach furchtbar übermüdet waren. Ob es an den von mir aufgenommenen Mechanismen im Workshop lag, die mich ganz subtil getriggert haben oder, ob mir in dem Moment klar wurde, dass dort gerade viele Menschen sitzen und hören, dass Viele sein ein Zustand für immer ist.

Es kommt ganz am Ende und sie sagen sinngemäß: “Ich kannte eine, die hat sich integriert und kam in die Geschlossene.”. Und die gefilmte Therapeutin sagt in etwa: “Ja klar, denn sie wurden Viele, weil eine allein, die Gewalt nicht ertragen hätte.”.

Wir hielten noch etwas aus. Hofften, dass sich der Abstand zu der Lebensrealität dieser Überlebenden wieder vergrößerte und gingen in den von Licht gefluteten Park, als die Tränen fast schon aus dem Kopf fielen.

Da waren sie wieder die Jugendlichen, die vor BetreuerInnen, Krankenschwestern, ÄrztInnen stehen und hören: “Du wirst die geschlossene Psychiatrie nie verlassen.”, die fixiert in einem leeren Raum liegen, während ein Pfleger um sie herum geht und ihnen sagt, wie unheilbar krank sie sind.
Da stand Sie und fragte sich, ob sie gerade sich selbst in 10 Jahren gesehen hatte und, ob es sich überhaupt lohnt in Therapie zu gehen, wenn sie “diese Missbrauchssache” nicht einmal wirklich richtig spürt, wenn “das mit den Anderen” doch nie “weggeht”.
Da war Frau Wüterich und schwenkte ihre Fäuste asynchron zum Kopfschütteln “soneveralteteKackscheißeverdammtkanndochnichseindassdiesowashierzeigenverfickterDreckskack…
GegengenausowasschreibenwiranverdammteScheiße… ORRRRRRRR”
Und mittendrin ein Kinderinnen, das seine Kugel aus Hoffnung in der Hand hielt und den dicken Sprung auf der Oberfläche betrachtete.

Wir hatten schon lange nicht mehr so einen Moment, in dem wir darüber zerfielen, was noch aus uns werden könnte.
Zum Team “ich bin Viele und das ist total okay für mich” gehören wir nicht.
Zum Einen, weil wir es immer wieder unfassbar bereichernd wahrnehmen, wenn eine Integration oder auch vorher schon mehr Nähe untereinander passiert und zum Anderen, weil wir diesen Schaden einfach nicht akzeptieren wollen.

Wir haben massive Gewalt ertragen und nicht nur in Abgründe sehen, sondern haben in ihnen leben müssen. Andere Menschen haben unseren Körper, unsere Seele und auch noch unser Denken an sich gerissen, manipuliert und ausgenutzt. Wir sind ein Mensch, der sich so oft von sich und seiner Umgebung abtrennen musste, dass er sein Selbst und Dasein bis heute als fremd wahrnimmt.
Ich fühle mich nie willkommen und okay. Nirgends, nie und bei niemandem. Nicht einmal in mir selbst. Nichts, aber auch gar nichts in meinem Leben ist einfach oder leicht. Jeder Aspekt meines Alltags wird in Definitionsdebatten zwischen früher und heute, an Wertmaßstäben jeder Couleur überprüft und in Frage gestellt. 24 Stunden am Tag und das schon seit Jahren. Was ich bin, ist ein Flickwerk, das mir mindestens einmal am Tag zusammenkracht, wieder aufgebaut wird, um dann vor Angst vor dem nächsten Krachen zu zittern.

Mein Leben ist nicht schön. Es ist zum Kotzen. Es besteht aus Angst vor der Angst, permanenten Todeserwartungen und Belastungssymptomen, die so tiefgreifend an den Kräften fressen, dass bloßes Dasein an manchen Tagen schon zu viel ist.
Mein Leben ist: Blümchen pflanzen, wo 21 Jahre lang Brandrodung betrieben wurde.
Ich lebe es, weil es das Einzige ist, das mir geschenkt wurde, ohne, dass ich darum gebeten habe.
Meine Existenz ist es, an der Raubbau betrieben wurde. Rücksichtslos, gierig, aus Lust am Sadismus. Sie haben mir das einzige Geschenk, das ich jemals einfach so haben durfte zerstört, verschoben und verknotet.
Und wenn es die Chance gibt, nämlich die Therapie, nämlich sich jedem Riss, jeder Delle, jedem abgeplatzten Fetzen zu widmen und ihn so, wie es sich für mich/uns allein gut anfühlt, zusammenzufügen, dann ist es das, was wir machen.

Auch wenn das heißt, dass wir vielleicht nie passen werden. Vielleicht nie in eine Arbeit kommen, die von der Gesellschaft akzeptiert wird. Vielleicht nie die Art der Familienplanung, die wir uns wünschen, machen können. Vielleicht heißt es, dass wir uns immer in Grauzonen bewegen müssen, die in den existierenden Strukturen unsichtbar sind.

Aber wir werden unser Leben bzw. die Arbeit daran, die wir tun können, nicht beenden, bevor es sich nicht wenigstens ein einziges Mal okay und zusammengehörig angefühlt hat.

“Das ist nicht mein Leben in dem Film”. Ich schüttelte meinen Kopf so sehr, wie ich konnte und strich mit der Fingerspitze über die Rinde eines Baumes neben mir. “Ich bin noch keine 30, wir haben endlich eine gute Therapeutin gefunden, haben Menschen um uns herum, die sich ehrlich an unseren Erfolgen und unserem Zusammenwachsen innen erfreuen. Das da ist nicht mein Leben gewesen. Ich will nicht Viele bleiben, also werde ich das nicht.”.
Ich atmete ein, schmirgelte die verlaufene Wimperntusche von der Haut unter den Augen ab und ging zurück in Richtung Tagung.

Mit jedem Schritt das Kraftmantra:
Ich will das
Ich kann das
Ich mach das

Dem Kinderinnen dabei zuschauend, wie es mit meiner Energie den Riss in seiner Hoffnung kittete.

“Wir sind Viele” ~ Teil 8 ~

GänseblümchenSchlossWaldthausen Wir mussten los. Schnell, denn um 22 Uhr würde niemand mehr in der Jugendherberge sein, unseren Koffer freigeben und uns den Schlüssel zum anderen Zimmer, dem Mehrbettzimmer, geben.

Wir stiegen in das beheizte Taxi, hörten “diamonds are a girls best friend” nach Musik zum französischen Heimatfilm, der Sonnenschein und kleine Dörfer zeigt, als wir durch die Kulissen dazu hindurchglitten. Mitten in der Nacht.

Ich ging in das Zimmer hinein und legte die Sachen ab. Obwohl es im Gebäude brummte und summte, war es seltsam still und ein hohes Fiepsen irrte in meinem Hören umher, wie eine Ratte im Labyrinth.

“Wir brauchen ein Minilaptop – eins von diesen ganz winzigen Dingern- ich muss schreiben- ich muss das loswerden- ich will das nicht in mir drin behalten, da krieg ich Verstopfung und blärg. Mir ist jetzt schon so schlecht ihgitt ba ich muss gleich kotzen, alter the fuck- wieso siehts hier aus wie bei Hempels unnerm Sofa verdammter Dreckskack- ich will- gib her ich muss schreiben- ich will- muss das- ich muss das aufschreiben the fuck verdammter Scheiß raus damit” sie wühlte den Koffer durch, kramte im Rucksack und versuchte zu schreiben, statt den Stift zu zerstören.
Wenn sie so in Fahrt ist, muss ich an eine Szene in die Schöne und das Biest denken, in der das Biest sein Gesicht im Suppenteller versenkt, während Belle einen klitzekleinen Löffel in ihrer klitzekleinen Mädchenhand hält. Dann stimme ich ihr zu. Mit weniger Konzentration auf die Mechanik des Schreibens Assoziationen, Erinnerungen, Gedanken und Gefühle aus sich heraus zu holen und woanders als in sich zu stapeln, ist in solchen Momenten genauso erlösend, wie ein Finger im Hals oder eine Ohnmacht in Panik.

Sie krickelte drauf los und endete frustriert. Die Hand kam nicht mit ihrem Tempo mit. Die Mine des Stifts brach, die Erschöpfung des Tages riss alles in seinen Abgrund. Sie legte die Sachen beiseite.
“Es ist Shabbat…” wisperte es von irgendwo und schon standen die Teelichter angezündet auf dem Tisch.
Durchatmen, sich dem Licht widmen, sich in der Schöpfung, dem Sein zentrieren, auch das in dem Moment eine Er- vielleicht auch Loslösung.
Eine Pause auf dieser rasanten Fahrt durch Gedanken, Lebensrealitäten, Meinungen und Weltbilder, Erinnerungen und Trauer, die unter Gefühlen aller Art zu ersticken drohte.

Gerade hatten wir die Kerzen gelöscht und Besinnung (und Sinne) in uns verteilt, öffnete eine Mitschläferin die Tür zum Zimmer.
Eine Stunde später, trat die zweite fremde Person hinein.

Wir versuchten bis halb 3 Uhr morgens unseren Angstpuls an den Schnarchrhythmus eines der Menschen im Zimmer anzupassen. Dann ging die mit dem Charme eines mittleren Eisenbahnunglücks vor die Haustür und fragte die dort lautstark trinkenden Jugendlichen, ob sie noch alle Latten am Zaun hätten.
Wir versuchten uns irgendwie in der Waage zu halten und wenigstens körperlich etwas zu ruhen.

“Alter, das machn wir nie wieder, damit das klar is- ich will son Minilaptopdings zum ordentlich schreiben und ich will entweder auch was zu trinken oder n Zimmer alleine verdammte Scheiße und jetzt hier Fresse maaaaan ich will schlafen- krieg dich ein mal jetzt hier is bald Aufstehzeit verfickter Kackscheißdreck verdammter- kanndochwohlnichwahrseinverdammtnochmal … “

Frisch wie der junge Morgen, flanierten wir wenige Stunden später auf dem Gelände des Schloss Waldthausen herum.
Natürlich.

“Wir sind Viele” ~ Teil 2 ~

Die Reise begann und noch während sie sich in ihrem Platz einrichtete, beugten wir uns über die Architektur der folgenden Tage.

Im letzten Jahr haben wir viele Reisen unternommen und trotz vieler kleiner Inseln, in denen wir Kraft tanken konnten, gemögte Menschen besuchten und unsere Sinne wie Saugnäpfe an die Umgebungen hefteten, gab es immer die klare Linie: Hingehen, machen, wieder weggehen.
Wir riskieren keine Lücken, wenn wir wissen, dass wir zu arbeiten haben oder Arbeitsrelevantes tun. Freizeit ist die Fahrtzeit. Das Stück zwischen: “Ist es wirklich der richtige Zug, aus der richtigen Stadt, in der richtigen Zeit?” und “Komme ich zur richtigen Zeit, in der richtigen Stadt an?”.

Donnerstag, heute, würden wir unsere erste Lücke leben. Einen Nachmittag nur für uns allein. Ohne hundische Assistenz, dafür ohne Druck von außen.

Sie saß dort und dachte ihre Gedanken, die keine sind.
Wir schauten aus dem Fenster und lenkten uns von der Angst vor Menschen ab.
Ich liebe die Zugstrecke zwischen Koblenz und Mainz.
Wie sich der Fluss in den Schoß der Weinberge schmiegt und die Schiffe auf sich trägt.
Wie kurz vor kitschig, die kleinen Häuser am Ufer stehen, wenn die Sonne auf sie scheint. Und immer wieder die Frage, ob es schlossartige Gutshäuser oder guthausartige Schlösser sind, die dort, wie von einem riesenhaften Kind auf die Berge geklebt, erscheinen.

Mainzzug
Ich nahm so viel dieser ruhigen Idylle in mir auf, wie ich tragen konnte und steckte sie in kleine Säckchen, als emotionale Wegzehrung bis wir am Samstag Abend wieder hier entlang fahren würden.

In Mainz angekommen, wartete die erste Anforderung an unsere, sich vorsichtshalber unterm Tisch versteckende, Alltagskompetenz: “Finde den richtigen Bus, der dich zur richtigen Jugendherberge bringt und kaufe dafür das richtige Ticket.”
Vielleicht ist jetzt ein guter Moment einmal zu beschreiben, was genau NakNak* in solchen Momenten für uns tut, wenn sie bei uns ist.
Gleich zuerst einmal drückt sie sich ins Geschirr hinein und spannt die Leine. So spüren wir sie und uns gleichzeitig und das Wissen einen Körper zu haben, wird eine feste Konstante. Wer einen menschlichen Körper hat, der hat meistens zwei Beine mit Füßen dran, die auf einem festen Boden in einem Hier und Jetzt stehen.
An Orten wie Bahnhöfen oder offenen Plätzen, läuft sie in kleinen Ausschlägen vor uns her oder wenn wir gerade stehen, steht oder sitzt sie neben uns und achtet darauf, dass Menschen einen Abstand zu uns halten. Sie hilft uns also, unsere Individualdistanz zu wahren bzw. gewahrt zu wissen.
Hunde sind beliebte Haustiere und viele Menschen wissen nicht, dass es so etwas wie Assistenzhunde auch für Menschen, die gut sehen können gibt. “Ach ist der aber süß”, war schon sehr oft ein hilfreicher Gesprächsstart für uns. Sowohl um Hilfen zu erbitten, als auch um nicht zu vergessen, dass NakNak* manchmal auch auf unseren Schutz angewiesen ist. Meistens jedoch ist NakNak* aber die beste erste Hilfe, wenn wir menschliche Unterstützung brauchen und zu gefangen in Gefühlen sind, um sofort darum zu bitten.
Zum Beispiel wenn jemand von uns überfordert und verwirrt an einem Fahrkartenautomaten steht. 

In Mainz sind die Menschen aber irgendwie “auf”. Zumindest, der Mensch, der die Verwirrung in unserem Gesicht sah und uns bei der Auswahl half, ohne, dass wir darum bitten mussten und der Mensch, der uns die Buslinienkarte erklärte, als sich die Stirn erneut unter Fragezeichen kräuselte.
Dort wo wir wohnen, schauen die Menschen oft erst einmal eine Weile zu und überlegen, ob sie ihre Unterstützung anbieten sollen oder nicht. Deshalb ist NakNak* dort oft so ein Gewinn für uns.

So landeten wir also in der Jugendherberge. Die Sonne schien und jede Pflanze wisperte uns den Frühling ins Ohr.
Von Gepäck befreit, gingen wir im Volkspark und im Rosengarten spazieren.

StiefmütterchenMainz

 

BlütenHimmelMainz

Von Weitem sahen wir dort schon den Rhein.
Keine Frage- egal, was es noch alles Schönes in dieser Stadt geben könnte- das Wasser… oh bitte bitte endlich ein bisschen mehr fließendes Gewässer als Bäche und modrige Mückentümpel… endlich…

Wir kommen aus dem Norden.
Dort, wo das “da” ein winziger Punkt auf der haarfeinen Linie des Horizonts ist; wo der Blick frei ist, ohne an Bergen und Wäldern abzuprallen, wie eine Stubenfliege an der Scheibe, waren wir seit Jahren nicht. Oft ist es kein Thema, wie groß das Meerweh ist. Heimweh folgt dem nur allzu oft auf dem Fuße und mit ihm die Gedanken an die Zeit, in der wir weggingen und so viel mehr als Gewalt und Todesnähe verließen.

Wir liefen auf das Ufer zu und durchquerten dabei die hübsche Altstadt von Mainz, in der wir einem Saxophonisten, einem Klarinettisten und einer Cellistin, die von einer Querflötenspielerin begleitet wurde, lauschten und mit etwas Kleingeld beglückten.
Nebenher ein Schnappschuss vom Dom

domdings 

Und dann endlich standen wir am Rhein.
Typischer Wasserwind, Möwen, Enten, Schwäne, Kähne, Kutter und Schiffe. Dazu eine Aussicht, die so nah an das, was wir nicht mehr Heimat zu nennen wagen, kam, dass es über meine Kraft ging, die Tränen aufzuhalten.
Es ist so ein großes Opfer gewesen wegzugehen und wir hatten nie den Raum, die Zeit und vielleicht auch nie das echte “Okay” dafür, genau diesen Schritt zu betrauern und zu integrieren. Zu groß war die Last als Jugendliche hinter einer Entscheidung zu stehen, die blind getroffen wurde und in aller Konsequenz zu leben war. Und später war es der (oft unausgesprochene) Anspruch, doch froh zu sein, von DORT und von DEM weg zu sein.
Als hätte das Meer und seine Weite uns misshandelt, nicht Menschen, die dort leben.
Geblieben sind kleine Herzen, die in Trauer sind und ihre Tränen, wie Steine zum Gedenken ans Ufer eines Flusses fallen ließen. Ich wiegte sie auf meinem Rücken und fütterte sie aus meinem Säckchen voll Idylle.

Andere machten Fotos. (einige werden wir in unserem Fotoblog “einfach mal angucken” veröffentlichen)
rheinufer

 

RheinMain

Am Abend wollten wir uns mit einer Bekannten treffen. Ein bisschen Reden, zu Abend essen, die Stadt näher betrachten.
Da wir leider zu spät für einen Besuch des Gutenbergmuseums dran waren, setzten wir uns auf von der Abendsonne beschienene Bänke davor und ließen die Umgebung auf uns wirken. Neben uns saßen zwei Künstler und zeichneten den Dom mit Tinte.
“Ich glaub, das ist einer der Dialekte, der T’s, K’s und Endungen frisst… “runnäfalle” hahahaha Lass des ma nisch runnäfalle Schädse”, hörte ich von weiter vorn. Die Frontgänger wieder mit ihrem “Sprachknall”.

GutenbergmuseumAbendsonne

Mit der Bekannten haben wir “durcheinandrige Pommes” gegessen und Tee getrunken, wie noch nie zuvor. Twitterfazit dazu: “und es ist nur mittelseltsam”.
Tee kannten wir nur in Beutelform und Pommes als “zu teuer”, “ungesund”, “gerade geschnitten”. “Curly Fries” haben den gleichen Status wie “Früchte, die komisch gucken”.
Vielleicht erscheint es irrelevant- es ist eine Mahlzeit und ein Getränk- “Kriegt euch ein Rosenblätter- man kann es auch übertreiben…”. Für uns ist es Freiheitspraxis und immer wieder ein Reiz, der mit nicht vielen anderen Situationen abgeglichen werden kann. Solche Dinge sind es, die uns klar machen, wie begrenzt unsere Lebenserfahrung ist und wie facettenreich das ist, was die Menschen “Norm” nennen.
“Eure Welt ist so reich und ihr zuckt mit den Schultern…”, sie schaute die Menschen um uns herum an und beobachtete sehr genau, wie das Sieb im Teeglas die losen Teeblätter vom Wasser trennte.
Mittelseltsam, denn immerhin: Angst hatte sie keine. Wir haben das Sitzen in Cafés und Restaurants schon oft geübt.

Am Ende des Tages fanden wir uns in dem Jugendherbergszimmer wieder und telefonierten in Ruhe mit den Sommers.
Beruhigende Abendroutine inmitten eines Tages, der ziemlich weit neben “Routine” passierte.

Später fiel auf, dass wir unser Schlafnilpferd vergessen hatten.
Wir streichelten und summten, verfütterten ein weiteres Säckchen voll Idyll.
Bis irgendwann die letzte Träne geweint war und der Schlaf seine Decke über uns ausbreitete.

~ Fortsetzung folgt ~

„Wir sind Viele“ ~ Teil 1 ~

kleineBlütenweiss Die Idee sich selbst im Spiegel zu betrachten und zu sehen, was es zu sehen gibt, geistert noch immer in ihr herum und arbeitet sich von Knospe zu Blüte.
Ich schaue ihr zu, wenn sie das Glas mit einem Finger berührt und darüber nachdenkt, wie es überhaupt möglich sein soll, sich zu sehen.
Ist es doch nur Glas, das Licht reflektiert
und sie… ein Dunkel, ein Leer, ein Da.

Am Morgen des 26.3. 2014 hob sie den Kopf und starrte in die Pupille hinein.
“Ich will das.
Ich kann das.
Ich mach das.”

und glaubte es wirklich.

Wir sind nach Mainz zu der 2. interdisziplinären Trauma- Fachtagung “Wir sind Viele” gefahren.

Wieder eine fremde Stadt. Zum ersten Mal ganz allein.
Als Fremde unter Fremden, fern aller Netze.
Eigenverantwortlich, erwachsen, autonom.
Das erste Mal.

Ich strich ihr über den Kopf.

“Wir, mein Herz…
wir machen das.”


~ Fortsetzung folgt ~

… und beleuchte die Dunkelheit

Gestern Abend hatte ich es mal wieder in der Hand
“… und besiege die Finsternis” von Marie Balter, geboren 1930.
Psychiatriepatientin. 20 Jahre lang.
In den Anstalten der 50 er Jahre.
Zu Zeiten der massenhaften Medikalisierung. E- Eis- Insulinschock- Folter im Namen der medizinischen Hilfe.
Das ist keine leichte Kost. Aber ich mochte das Buch.

Sie hat überlebt, wurde Ärztin und sprach dann für die Betroffenen. Sie ist 1999 verstorben.

Das letzte Kapitel des Buches heißt “Eine Stimme für die psychisch Kranken”.
Damals, als ich das Buch zum ersten Mal las, verbrachte ich die meiste Zeit des Lesens getriggert und mich und mein Leiden kleinredend.
Das letzte Kapitel erschien mir so wohltuend in all dem, was dort steht.
Sie schreibt von ihren Vorträgen, den Reaktionen der ZuhörerInnen, aufbauschenden, oberflächlichen JournalistInnen, ihrer Angst abzustumpfen, ihren Gebeten, den Menschen, denen sie bei der Verfilmung ihres Lebens begegnete.
Und: “Anderen Menschen Hoffnung zu bringen, heißt ihnen die Macht geben zu ändern, was sie bedrückt. Wir, die wir Möglichkeit haben, müssen sie nutzen. Doch das darf nicht so weit gehen, dass andere nicht mehr eigenständig handeln können.”

Vor 2 Wochen habe ich das Exposé für mein Buch bei einer Literaturagentur landen lassen. Als Leseprobe ist ein Artikel dabei, der meine Zeit in einer der vielen Kinder- und Jugendpsychiatrien aufnimmt. Ich glaube nicht, dass ich damit Hoffnung verbreite.

Mir fiel aber auch auf, dass ich denke: “Ja haaaa ICH muss anderen Menschen Hoffnung geben, denn ich habe ja überlebt. ICH muss den Menschen ja sagen, dass man das alles überleben kann. Und das dann alles besser ist…”. Ich merke, dass ich mir schon wieder ein Kostüm in einem Schrank anschaue, das mir weder passt noch gefällt. Das ich mir aber natürlich trotzdem anziehen würde, weil … darum.
Während bei vielen Vielen das Thema “Überlebensschuld” kreiselt, kreiselt bei mir “Überlebensverpflichtungen”. Immer wieder der Komplex: “Ich habe überlebt und jetzt? Was gebe ich jetzt zurück und wie stelle ich das an?”.

Ich glaube nicht, dass ich heute keine Psychiatriepatientin mehr bin (oder auch die Gewalt überlebte, die mich dort hinbrachte), weil meine Seele so besonders stark ist, oder weil in mir irgendein Schalter umgelegt wurde, der mich zu neuer Hoffnung und Kraft brachte. Ich glaube auch nicht, dass ich überlebt habe, weil an oder in mir irgendetwas ist, dass mich durch die Momente der Todesnähe trug und etwas zu erhalten vermochte, als scheinbar nichts (und niemand) mehr in mir war.
Ich weiß, dass ich keine Schuld an meinem Überleben trage, weil niemand Schuld an seinem Sterben trägt.

Aber ich merke, dass ich nicht nur etwas überlebt habe, sondern auch von etwas zeuge. Meine Schäden sind ein Er-Zeugnis der Gewalt. Wenn ich beschreibe, was ich sah und erlebte, dann ist es eine Art Zeugnis ablegen von dem, was für andere- die Verschonten, die Ungeschlagen, wie C. Emcke sie so treffend nennt, unsichtbar, unerlebt- und un- über-lebt ist.

Das Überleben ist mir einfach so passiert. Ich habe weder darum gebeten, noch dafür gekämpft.
Die Lebensrealität in der ich und die Zerstörung an mir unsichtbar sind, und sogar gehalten werden, hingegen, betrachte ich als unbedingt zu verändern. Denn es ist eben genau die Unsichtbarkeit, in der Gewalt geboren und genährt wird. Es ist immer wieder genau das Moment, in dem man Gewalt nicht Gewalt nennt, auch das Moment, in dem Gewalt triumphiert und sich weitere Opfer einverleibt.

Ich stelle mir nicht die Frage “Warum ist mir das passiert?” oder “Warum habe ich überlebt, aber dieser und jener Mensch nicht?”.
Ich habe meine Antworten dazu und daraus eben auch die Anforderung an mich, zu verhindern, dass es anderen Menschen auch so ergeht. Dieser Überlebenskult, diese Mystifizierung des Überlebens und dessen, was es abverlangt, ist in meinen Augen eine zwar nachvollziehbare menschliche Eigenschaft, doch nicht hilfreich, wenn es darum geht, einen Weg zu gehen, der ohne Gewalten auskommt und so immer wieder Menschen zum Überleben zwingt.

Es kann nicht sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, der es einerseits völlig egal sein kann und darf, was in Psychiatrie, Heim, Gefängnis, Misshandlungsfamilie passiert, die Überlebenden dann aber in eine Position bringen darf, in der besonders wertvolle Eigenschaften impliziert sind, die sich zeigten, als es dieses Umfeld und die ihm inne liegende Gewalt, abverlangte!

Marie Balter hatte zu ihrer Zeit immer wieder betont, dass es nicht reicht, die Menschen rauszuholen. Sie war eine der ersten, die darauf zeigte, wie unterschiedlich die Welten “Psychiatrie” und “draußen” sind. Was es für einen krassen Bruch bedeutet von der Rechtlosigkeit in die Stigmatisierung; aus dem Klima eines menschenverachtenden Nihilismus in ein Klima des Anspruchs dem (noch bzw. nicht immer sofort) zu entsprechen ist, zu gehen.
Sie sagte immer wieder, wie wichtig es ist, dass entlassene Menschen aufgefangen werden und Orientierungshilfen bekommen.
Heute gibt es Peer to Peer- Hilfen, ambulante Betreuungen, ein bis heute ausbaufähiges obgleich immer weiter zusammengespartes und so dauermarodes System von Hilfen, die Menschen über den Bruch helfen und in ein Leben in Eigenständigkeit hinein begleiten soll.

Aber Gewalt taucht in all dem als Begriff nicht auf.
Hilfe darf nicht auch Gewalt genannt werden, obwohl hier und da schon Verknüpfungen bekannt sind, beobachtet werden und Überlegungen angestellt werden, wie sie zu verhindern sein könnten. Alles natürlich systemimmanent und orientiert am Status Quo, den zu hinterfragen komplex und unbequem ist.

Ich habe das Buch weggetauscht und werde es auf die Reise schicken.
Gestern dachte ich noch, dass ich in der Geschichte so viel Schönes gelesen habe und nicht noch einmal groß darüber nachdenken möchte. Heute ist mir klar, dass ich diesen Absatz “Anderen Menschen Hoffnung zu bringen, heißt ihnen die Macht geben zu ändern, was sie bedrückt. Wir, die wir Möglichkeit haben, müssen sie nutzen.” in meinem Denken umändern muss.

Vielleicht in “Anderen Menschen von der Dunkelheit erzählen, heißt ihnen Macht zu geben Licht zu verbreiten. Wir, die wir beides kennen und die Möglichkeiten haben, müssen sie nutzen.”.

hölzerner Schatz

P1010092“Sehe ich festlich aus?”, fragt sie und schraubt sich die Hände vom Bauch weg.
Sie schaut sie an und lächelt. “Ja, sehr festlich. So könnt ihr gehen, das ist hübsch.”. Sie wird rot, streicht mit den Handflächen über den glatten Stoff über ihrer Haut.

Ein Festtagskleid zu Purim.
Dem Freudentag.

Dem Tag, an dem sie rückwärts, wie vorwärts denkt.
Von Familie° umgeben ist.
Religion lebt.

Tausende Zeichen wollen hier stehen. Von Gemeinschaft, Dankbarkeit, Demut, Erfüllung und Wahrhaftigkeit.
Zeichen, die von Gefühlen kunden. Von Menschlichkeit, Verletzlichkeit, Leben und Tod.

Doch ich bewahre sie.
Vor Blicken, Bewertungen, Fremdwahrnehmung, Definitionsmacht, Neugier.

Ein hölzerner Schatz.
Doch einer, der das Kleid, die Feier, die Gebete, die Worte zum Tag noch wertvoller erscheinen lässt.