Mein Twitteraccount @theRosenblatts wurde heute wiederhergestellt
Noch einmal vielen Dank an alle, die solidarisch mit und für mich waren bzw. sind und Hallo! an alle, die neu dazu gekommen sind.
aus dem Er_Leben mit dissoziativer Identitätsstruktur auf dem Autismus-Spektrum
Mein Twitteraccount @theRosenblatts wurde heute wiederhergestellt
Noch einmal vielen Dank an alle, die solidarisch mit und für mich waren bzw. sind und Hallo! an alle, die neu dazu gekommen sind.
“Oh the irony, oh bittersweet irony… “ in den letzten Tagen denke ich vor allem das.
Inzwischen habe ich vom Twitter Support die Nachricht erhalten, mein Account @theRosenblatts mit dem ich Termine, Hilfsanfragen von Einzelpersonen und Vereinen, Blog- und Zeitungsartikel verteilte, doch größtenteils über mich und meinen Alltagskram twitterte, “was found to be violating the Twitter Rules, specifically […] rules around participating in targeted abuse” und würde nicht entsperrt werden.
Übers Handy kann ich noch die Mentions an diesen Account lesen und mag an dieser Stelle meinen Dank an alle richten, die sich über die Sperrung ärgern und das Signal in Bezug auf den Umgang mit teils juristisch strafbarer Gewalt via Twitter ausübende Personen, als so falsch markieren, wie es ist.
Ich finde es auch schön, dass nochmal mein Vortrag bei der Openmind Konferenz, aber auch Artikel, in denen ich mich für eine andere Sprachführung und meine Ideen zum Umgang mit Gewalt in ihren Formen ausdrücke, in diesem Kontext geteilt werden.
Es ist ironisch, weil ich nie in Wortgefechte mit den, in meiner Twitterbubble bekannten und so genannten, “(Masku- ) Trollen” gegangen bin, damit ich nie in die Versuchung komme jemanden über den Dienst zu beschimpfen. Als #Aufschrei lief, bin ich durch die Timelines der Menschen, die zu der Zeit massive Bedrohungen, Beleidigungen und sonstige Verletzungen, genauso ertragen mussten, wie das Herumreichen von Daten wie Telefonnummer, Adresse und Arbeitgeber, und habe prophylaktisch jeden geblockt, der nachweislich Gewalt ausübte oder Gewalt ausgeübt hatte.
Ich setze keine Spamblocks, nur weil mir das in meiner Timeline jemand empfiehlt und, ohne mich von der Notwendigkeit für mich allein überzeugt zu haben, setze ich auch keine sonstigen Blocks.
Gemeldet habe ich genau zwei Mal Personen, die einfach nicht aufgehört haben mich oder andere Menschen zu verletzen und zu demütigen.
Das Eine war ein Account der jemandes Telefonnummer und Adresse über Twitter verteilte und das Andere war “meine irgendwieStalkerin”.
Ich blocke für mich allein.
Und, dass das so ist, aber immer wieder anders wahrgenommen und/oder gedeutet wird, ist mir heute morgen aufgefallen, als ich sah, dass einer der Menschen, die zu Aufschreizeiten und bis heute, regelmäßig Gewalt über Twitter ausüben, mir nun im neuen Account folgt.
Ich blocke, weil ich an einer ruhigen Timeline interessiert bin. Für mich allein.
Und, weil mir die Personen bzw. ihre Inhalte, die ich blocke, egal sind. Es ist mir egal, was sie sagen, was sie meinen, was sie denken. Ich will ihnen nicht zuhören und muss das auch nicht. Sie haben kein Recht auf meine Aufmerksamkeit. Sie können denken, glauben, fühlen, was sie wollen – mir ist es egal.
Was mir nicht egal ist, ist, dass es nicht hingenommen wird, für mich inhaltlich irrelevant zu sein. Dort beginnt Gewalt und es gibt absolut keine Zwischentöne an dieser Stelle.
Das ist das Moment in dem jedes “man muss ja auch alle Seiten sehen” ebenfalls Teil der Ausübung von Gewalt ist, weil sie legitimiert, das ich belästigt werde und bagatellisiert, dass jemand ohne meine Zustimmung auf mich einredet.
Ich verstehe es sehr gut, wie frustrierend das ist, wenn man jemandem etwas sagen will und das eigene Thema so groß und wichtig erscheint, dass man das unbedingt vermitteln will.
Hey – ich bin eine Person, die nichts hat außer sich selbst, einen Arsch voll Schulden, ihre Fähigkeiten und halbseidene Nebelperspektiven auf einen Platz in dieser Gesellschaft – was denkt ihr, wie oft ich das Wort an Personen und Instanzen richte, um ungehört wieder gehen zu müssen? Trotzdem fange ich nicht an (verbale) Gewalt auszuüben, nachzustellen oder irgendwas von Meinungsfreiheit zu reden.
Meine Meinung kann ich überall äußern, wo ich will. Aber ich habe kein Recht darauf, dass sich alle Welt diese auch anhört. Ich kann mir das wünschen und mich dann darüber freuen, wenn ich Menschen finde, die mit mir übereinstimmen. Aber meine Meinung ist keine Mission.
Meinungen sind dann Meinungen, wenn es sich um Bilder und Perspektiven handelt, die sich wandeln können.
Soweit ich weiß, wandeln sich Hass und Gewalt nicht. Schon gar nicht, wenn sie zusammenkommen, weil diese Mischung immer wieder in Zerstörung und/oder Tod endet, was wiederum einen Zustand von Chaos nach sich zieht, welcher wiederum mit einer Phase von Re-Orientierung und Konstruktion endet und erst dann in die Phase kommt, in der sich mehr oder weniger bewusst für oder gegen Gewalt entschieden werden kann.
Auch das ist, was mich eine bittersüße Ironie sehen lässt.
Meine frühsten Erinnerungen sind die, mit meinem bloßen Sein nicht richtig zu sein. Nicht dazu zu gehören, eingesperrt zu gehören, ohne verbindliche und bedingungslose soziale Bezüge sein zu müssen. Gehört und doch missverstanden bleiben zu müssen.
Hass und Gewalt waren vor mir da, haben mich zerstört und in chaotischem Zustand zurückgelassen. Ich habe mich dafür entschieden zerstörender Gewalt keinen Platz mehr in meinem Leben zu lassen, um anderen Menschen in meiner Lage als Kind und Jugendliche gut helfen zu können.
Die Ironie beginnt an der Stelle, dass ich immer wieder sage: “Opferschaft ist nichts, was man wählen kann. Opferschaft ist an den Status der TäterInnen*schaft gebunden [welche wiederum an Aufrufungsdynamiken in Kontexten von Macht gebunden ist]. Opferschaft besteht nur so lange, wie TäterInnen*schaft besteht (also gebunden an konkrete Taten [und teils auch ihre Auswirkungen] ). “ und durch die Einschätzung des Twittersupports gerade zu einer Person erklärt wurde, die Gewalt ausgeübt bzw. begünstigt hat.
Allerdings ohne mir meine Opfer zu nennen oder einen entstanden Schaden zu nennen.
Bin ich eine Täterin* ohne Opfer oder Schaden geworden?
Bin ich Täterin*?
Bin ich böse?
Ironie des Schicksals ist, dass mich diese Frage schon seit über einem Jahr durchbohrt und umtreibt.
Bin ich böse? Habe ich etwas Böses in mir, das alle Gewalt an die ich mich brockenweise und immer mehr erinnere, dann irgendwie doch legitimiert? War es am Ende gut, ohne Zugang zu Menschenrecht und Gewährung von Menschenwürde eingesperrt zu sein und keinen Zugang zu staatlichem Opferschutz zu bekommen? Ist es vielleicht am Ende infam, dass ich anderen Menschen, die Opfer von Gewalt wurden, helfen möchte, weil ich “in Wahrheit” ein so böser Mensch bin, der es nicht verdient hat am Leben zu sein?
Sollte ich nicht vielleicht doch sterben, wie ich es als 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21… Jährige immer wieder versucht habe?
Ist am Ende doch wahr, was ich von Menschen, die ich in den letzten Jahren “die TäterInnen*” nannte, gehört habe? Und doch falsch, was mir PsychotherapeutInnen*, MedizinerInnen*, BeraterInnen*, Verbündete und Gemögte sagten?
Wem kann ich trauen, wenn doch alles in Frage steht?
An und mit wem kann ich mich reflektieren, wenn doch vielleicht mein bloßes Sein schlicht falsch und deshalb böse ist?
Ich versuche im Lauf der Dinge zu bleiben, nicht zu erstarren.
In unserer Kultur gibt es die Auffassung vom Zweifel. Es gibt den Raum dafür und ich versuche ihn in und an mir geltend zu machen.
Es kann sein, dass mein Twitteraccount gehackt wurde und tatsächlich irgendwo Schaden und Opfer produziert hat. Es kann genauso gut sein, dass es bei der Sperrung gar nicht um Inhalte oder Personen geht, sondern um technische Fehler. Die Möglichkeiten diese Gegebenheit zu erklären sind unendlich.
Meine Möglichkeiten mich zu engagieren und im Leben zu halten hingegen nicht.
Ich habe meinen ehemals geheimen Account geöffnet und twittere nun wie gewohnt unter @theFREEHannah weiter.
Und schicke meine Bewerbung zur Teilnahme am Betroffenenrat des “Fonds sexueller Missbrauch” ab.
Im Zweifel, ob es klappt. Im Zweifel, ob ich dieses Ehrenamt verdient hätte.
Im Zweifel, ob allem und jedem.
Aber da.
Immer noch.
Ist das nicht ironisch?
Kurz nach 1 Uhr morgens ist es und ich logge mich in mein Mailpostfach ein, um mir sämtliche Twitterkorrespondenz der letzten Monate durchzulesen.
Grund dafür: mein Account wurde gesperrt.
Der Grund dafür wurde mir nicht genannt- vielleicht ist Twitter zu cool für sowas, vielleicht wurde ich aber auch von jemandem als missbräuchliche/r/* UserIn* gemeldet und die Angabe dieser Person aus Schutzgründen nicht an mich weiter geleitet. What ever. Egal.
Ich warte, was kommt.
Da ich weder Menschen betrüge noch absichtliche irgendwelche Urheberrechte verletze oder illegale Software an Twitter benutze, sehe ich mich erst mal im grünen Bereich.
Das ist das Eine – ich mag meine Twittertimeline und jetzt darf ich sie nicht mehr lesen. Blöd. Aua. Krampf mimimi Jaulimauli. Warten.
Das Andere ist – ich bin so blöd.
Vor einiger Zeit (also mehr als “Wochen” aber schon noch näher als “vor Monaten”) habe ich jemanden bei Twitter geblockt und dann dem Support von Twitter gemeldet, weil diese auf mein “Lass mich in Ruhe” nicht damit reagierte mich in Ruhe zu lassen.
Blocken ist eine gute Akutlösung. Aber dann kommt es vielleicht doch mal, das man um kurz nach 1 Uhr morgens mittelmäßig angetrunken, traurig und im Dis_sens mit der ganzen Welt ins Mailfach schaut und diesen Accountnamen wieder sieht. Und natürlich alles wieder hochgedrückt wird, woran man einfach nicht denken wollte.
Es kotzt mich so an, dass ich mit diesem Opfer- Armut- Behindert- Stempel nicht einen einzigen verdammten Schritt tun und feiern kann in den Augen mancher Menschen. Ich darf mich nicht hängen lassen vor den einen- ich darf nicht aktiv sein vor den anderen. Ich darf nicht um Geld oder Förderung meines Tuns bitten. Ich darf auch kein Geld ausgeben, denn wenn ich sage: “Ich habe keins” dann bedeutet das für solche Menschen den Pappkarton unter einer Brücke.
Ich darf keine Vorträge halten, weil das gleichbedeutend mit Arbeit oder Weiterbildung ist. Und natürlich bin ich in Wahrheit reich. Ich kriege ja für jeden Furz mit Glitzer dran Geld hinterher geworfen und trage meine Jahre alten Kleider because of the edge.
Es verletzt.
Ich bin wütend, weil mich so etwas einfach nur verletzt.
Und ich bin wütend, weil es Twitter schafft meinen Account zu sperren – den von hunderten Maskus oder auch dieser Person aber nicht.
Doch das eigentlich Schlimmste ist der Raum, den sich diese Person in meinem Kopf stiehlt.
Ich schreibe von dieser Person als “meine irgendwie Stalkerin” oder “sogenannter Twittertroll” – dabei kenne ich sie überhaupt nicht und sie wäre mir egal, wenn sie nicht permanent das Wort an mich richtete. Ihren Blick auf mich und vermeintlich durch mich und mein Leben richtete.
Das ist so eine Masche von Personen, die zwischenmenschliche Gewalt ausüben: “Quatsch sie voll, bis sie [die Person, die gerade zum Opfer wird] reagiert und wenn sie reagiert, dann pack sie dir- wickle sie ein, verschnüre sie wie ein Paket und heb sie auf deine Schulter – so kannst du sie mitnehmen. So gehört sie dir.”.
Es ist nicht nur Häme, die da an mich heran getragen wird – da sind auch Tweets, die völlig harmlos klingen. Aber in dem Kontext sind sie alles andere als harmlos.
Ich bin damit aufgewachsen zu hören, man solle auf solche Menschen nicht reagieren. Das Ding ist: nicht zu reagieren, heißt nicht zeitgleich keine Impulse aufzunehmen.
Personen, die bei Twitter geblockt wurden, erhalten jedes Mal eine Meldung, dass sie geblockt wurden von der Person. Selbstverständlich macht es mir auch Angst, wenn ich sehe, das dort eine Person trotz der Meldung jedes Mal, dass sie von mir geblockt wurde, was gut erkennbar ist als “Ich möchte nicht mit dir in Kontakt treten”, immer weiter schreibt und das Wort an mich richtet.
Und da ist also dieser Raum, der sich in meinem Kopf geklaut wird; dann ist da der Anspruch und das Beharren auf einen Kontakt mit mir; dann ist da dieses Bild von mir, das nah an mir dran ist, aber doch mehr Ähnlichkeit mit einer Springerverlag-Karikatur von mir hat und dann, ist da die Ohnmacht, die bleibt und bleibt und bleibt. Und zwar bei mir. Obwohl ich aktiv für meinen Schutz gesorgt habe. Obwohl ich mich verweigert habe.
Es macht ohnmächtig, wenn man sagen kann, was man will – erklären, offenlegen, verständlich machen – aber nichts, wirklich gar nichts genauso bei jemandem ankommt, wie es ist.
Es ist Quälerei, wenn man Menschen immer wieder in die Lage versetzt, sich zu erklären, diese Erklärung aber nicht gelten zu lassen. Ich mag an der Stelle eigentlich auch Sadismus erwähnen, aber wie gesagt: ich kenne diese Person nicht. Vielleicht hat das Ganze gar keine Lustaspekte. Aber wenn: wundern würde es mich nicht.
Tja, und wieso schreibe ich das jetzt mitten in der Nacht?
Weil ich vorhin dachte: “Hoffentlich findet diese Person irgendwann jemand anderen, an dem sie sich austoben will.”
G’tt und ich schäme mich für solche Gedanken. Meine Moral verprügelt mich gerade, weil ich im Grunde meine Ohnmacht auf jemand anderen verschieben will. Meine Ratio sitzt unten vorm Haus, dreht sich eine Zigarette und grunzt: “Ey- auf was Anderes kann man einfach auch nicht warten.” und der ganze Haufen verletzter Seelendreck sitzt vor dem Laptop und schreibt gegen das Weinen an.
Ich brauche einfach immer noch eine ganze Weile bis ich selbst an den Punkt komme, an dem ich merke, was der Trigger ist.
Vielleicht ist es gerade gut zu merken, das mein Trigger einfach immer wieder der ist, global und absolut geschwächt von meinen Gewalterfahrungen sein zu sollen; gehindert von meiner Behinderung sein zu müssen und mindestens kurz vor dem Status „Sterntaler ohne Goldregen“ zu sein, wegen meines Hartz 4 Lebens.
Man soll ja auch immer das Positive sehen.
Was daran positiv sein soll zu merken, dass ein Anspruch, der aus Diskriminierungsstrukturen herauskommt, denen ich mich bis heute nicht entziehen kann- egal, wie sehr ich es versuche will könnte hätte müsste – auf mich massiv bedrohlich, weil an lebensbedrohliche Ohnmacht erinnernd, wirken, kann ich an der Stelle zwar auch noch nicht sehen, aber vielleicht geht es auch nicht darum, das zu sehen. What ever. Ich hab was Positives gesehen- dann darf ich ja jetzt den Finger auf die Kackscheiße richten und sagen, dass die weg soll.
In diesem Fall: diese Person.
Sie erinnert mich an jemanden mit dem ich mal in einem Forum zusammen war. Ich hatte das Forum ihretwegen verlassen. Ich. Nicht diese Person.
Warum?
Weil so ein Verhalten wundergut in die “Ich scheiß auf political correctness – ich bin so rebellisch und wild – ich lass mir von niemand etwas sagen because – Meinungsfreiheit !!11!!!!1 – die wollt ihr jawohl nicht verbieten! Grundgesetz!!!11!1!1!” Ecke passt.
Natürlich will niemand die Meinungsfreiheit unterdrücken – aber wenn die “Meinung” [meist es ist ja keine wirkliche Meinung, sondern einfach nur das Gegenteil der Überzeugung einer anderen Person, weil man ja „aus Prinzip“ so rebellisch ist, das man immer erst mal das Gegenteil vertritt, um nicht zuletzt, vor sich selbst weiterhin super rebellisch und antiirgendwas zu sein] andere Menschen verletzt, dann kann sie nicht einfach kommentarlos stehen bleiben. In dem Forum aber blieb das so stehen. Warum ist mir egal- ich konnte es nicht verändern und hätte mich nur dran kaputt gemacht, es zu verändern.
Aus einem Forum, das mir nicht gut tut weil eine Person darin sitzt, die giftig für mich ist, zu gehen war leicht.
Ich habe gelöscht, was mir wichtig zu löschen war und den Account in Gedanken angezündet.
Twitter ist kein Forum. Mein Blog ist kein Forum.
Das sind _meine_ Kanäle mich mitzuteilen. Neben Facebook, mein einzigen Kanäle mich mitzuteilen.
Ich lese von Menschen, die mir sympathisch sind, die ich gerne mit in mein Bett und meine Küche, zu Partys und anderen spannenden schönen, vielleicht auch beängstigenden und traurigen Ereignissen mitnehme. Ich darf Anteil an ihren Leben nehmen, ich kann Kritik in einen Raum geben, der diese hinterfragt und/oder bestätigt, ich darf so etwas wie soziale Teilhabe haben. Ich kann gehört werden.
Außerhalb des Internet kenne ich nicht so viele Menschen. Ich habe keine Arbeit, bei der ich von einer Gruppe umgeben bin oder Ähnliches.
Das wird immer wieder so belächelt, wenn jemand sagt, er könne ohne Internet nicht mehr gut sein.
Wenn man sich aber ansieht, was so ein einziger Kurznachrichtendienst für mich tut, braucht man nicht mehr lächeln. Dann kann man sich zum Heulen in die Ecke stellen, weil einem klar wird, wie groß der Einfluss von Personen sein kann, die auf solche Kanäle toxisch einwirken (wollen).
Mir geht es dabei nicht darum, dass ich meine Beiträge für wichtig halte, sondern darum, dass es mir wichtig ist, sie (mit) zu teilen.
Das kann ich nicht gut, wenn ich dann immer wieder solche Impulse bekomme, die mir genau das aber im Grunde verbieten wollen.
Es ist jetzt halb 4 Uhr morgens.
Ich fühle mich bestohlen an Zeit, Kraft und geistigem Raum.
Einfach nur durch die Erinnerung daran, dass ich diese Person gemeldet habe.
Und das ist genau, was man keinem Gericht klar machen kann. Diese Personen brauchen gar nichts Konkretes mehr zu tun. Das, was sie schon getan haben, wirkt und wirkt und wirkt nach.
Gewalt ist so.
“Seit in mir alles durcheinander brüllt und weint und schreit und krampft und zappelt, gehts mir so gut, wie lange nicht. “, dachte ich heute morgennacht, als ich auf meine Betäubung wartend im Bett lag und dem Hund beim Atmen zuhörte.
Ich denke, “Ich muss doch mal wieder was ins Blog schreiben.” Und dann: “Ja was soll ich denn da rein schreiben?
Die lesen doch eh, was sie lesen wollen oder können oder dürfen oder müssen, what ever.
Darf ich da reinschreiben, dass ich meinen Selbsthass gerade gut finde und einfach gar nichts anderes machen will? Oder kommt dann ein großer Zeigefinger aus meinem Bildschirm und schimpft mich “Du du du- das geht aber nicht, das ist gar nicht positiv und heilsam!”?”.
Ich hab auch über diese “das Böse in mir”- Geschichte nachgedacht und gemerkt, dass sie die “falschen” Leute gefragt haben. Und, dass es in dieser Frage niemand “richtigen” gibt.
Was auch immer DAS DA innen ist, es kann nur sein, was die Menschen und Mächte zu sein haben wollen oder müssen oder brauchen oder what ever.
Mit uns und mir hat das aber nichts zu tun. Es ist schlicht nicht die Wahrheit, weil es so etwas wie Wahrheit und Wahrhaftigkeit nur auf klitzekleinen subjektiven Inselparadiesen des Bewussten geben kann.
Ich weiß gar nicht, wie sie und wir und alles im Innen darauf gekommen sind, diesem Wahrheitending hinterher zu hechten. Das war nie unser Kurs und es war und ist immer klar, dass Wahrheiten keinen so großen Einfluss auf das Leiden an oder mit oder unter etwas oder jemanden haben, dass es sich für uns lohnt, dem im Hoffen auf Entlastung nachzukommen.
Ich weiß, was mich entlastet und das ist akut sehr hilfreich.
Ich denke mir, dass Köpfe geschüttelt oder Hände über eben jenen zusammengeschlagen werden, wenn man von den superdupermegaweiten und ja schon fast fertigen Rosenblättern liest, dass sie sich gerade nicht mit Skills oder anderen positiven Ressourcen helfen, sondern damit, einfach gar nichts mehr davon zu machen, was ihnen andere Leute irgendwann mal beigebracht haben.
Das ist als würde ich Zähmung loszuwerden versuchen und ich fühle mich gerade sehr gut damit.
Ich habe den nächsten Therapietermin abgesagt – das heißt wir müssen da erst in 3 Wochen wieder hin bzw. nö – eigentlich ist erst 3 Wochen wieder ein Termin vereinbart. Müssen muss ich und müssen wir gar nichts. Ich will mir überlegen, was wir da eigentlich machen und wozu. Ob das überhaupt noch unser Kurs ist oder zu einem wurde der uns nicht gut tut.
Wir haben in den letzten Monaten so viel angefasst und durchgeschüttelt, aber Zeit zum Verarbeiten und Sortieren war nicht genug und ich denke, dass da irgendwas schief ist, wenn die Frontgängerin, die eigentlich NIE irgendwas merkt, mehrfach sagt: “Ich bin müde, ich bin kraftlos blablabla…” und man dann doch in der nächsten Stunde wieder etwas Heißes anpackt, weil das Gespräch einfach irgendwie so verläuft.
Ich mag diese Therapie sowieso auch nicht. Ich war schon von Anfang an dagegen mich fragen zu lassen “Wer sind sie? Mit wem spreche ich?”, zu Gunsten von Gefühlen von Kontrolle und damit Macht über die Situation und irgendwie auch mich als eine Uns, nur damit man am Ende irgendwas Fremdes zu denken bekommt und das in sich selbst finden soll, obwohls vielleicht gar nicht da ist und auch nie war.
Ich hab keinen Bedarf an Labeln von außen für das, was uns hat viele werden lassen. Mich interessiert nicht, was eine Gesellschaft zu etwas sagt, das sie, wie es ihr beliebt “Gewalt” nennt oder “Notwendigkeit”. Mich kotzt die Verlogenheit dieser unserer Umgebung in Bezug auf Verletzung, Demütigung und Unterdrückung schon an, aber richtig schmerzlich und unaushaltbar wird sie, wenn sie unreflektiert bei uns landet und dann Teil einer Norm wird, die, wenn sie als solche in anderen Kontexten benannt wird, abgelehnt werden würde.
Zum Beispiel wenn ich eine Email schreibe, dass ich den Therapietermin absagen will und die Therapeutin erst einmal schreibt, sie würde den Termin verbindlich gelten lassen. Was soll das denn? Wenn ich beim Zahnarzt einen Termin absage, sagt auch niemand: “Nee, sie kommen gefälligst her, because Termin ist Termin”.
Es interessiert mich nicht, was da für Intensionen hinterstehen. Es interessiert mich nicht, in wie vielen anderen Fällen so eine Rückfrage SCHON LEBEN GERETTET hat. Mein Leben ist nicht mehr bedroht als sonst. Überraschung- es ist in echt immer gleich scheiße, gleich belastet, gleich schwierig, gleich kompliziert, gleich nicht nachvollziehbar.
Ich glaube, für manch eine Person ist es wirklich eine Überraschung, wenn sich herausstellt, dass wir ein Mensch sind und dann auch noch einer, dem es beschissen geht, auch wenn Twitter, Facebook und diverse andere Spuren des Wirkens das gar nicht vermuten lassen.
Dann ist es plötzlich ganz verwunderlich, wie schnell man die Stigmatisierung von Krankheit und Behinderungen aufgrund psychischer Faktoren überwunden hat, als die gegenseitige Ähnlichkeit sichtbar und bewusst wurde.
Und plötzlich ist es peinlich, dass man Sätze wie “Es geht mir nicht gut” oder “Ich brauche eine Pause” oder “Ich muss langsam machen” irgendwie immer hat untergehen lassen, wie Sahne in heißem Kakao.
Es ist peinlich- nicht schmerzhaft, nicht überfordernd, nicht enttäuschend wie für mich und uns.
Und dann sollen alle Seiten machen, dass es wieder ins Lot kommt, obwohl es nur um eine Seite geht.
Es hat nichts mit uns zu tun, wenn andere Menschen uns nicht auf die Art zuhören, wie man jemandem zuhört, der gerade Bedürfnisse äußert oder Schwierigkeiten schildert oder Anteil an den Kämpfen in seinem ganz realen, ganz greifbar auch schmerzvollem Leben gibt.
Alles, was wir sagen können ist das, was wir schon seit Monaten sagen: Wir trauern, wir sind ungerächt, wir sind überarbeitet und froh um jeden Tag an dem sich etwas, was auch immer, erfühlen lässt, am Leben zu bleiben.
Für jetzt ist es ein Herbstcomic jeden Tag und ein Vortrag, der hoffentlich anderen Menschen hilft, in 3 Wochen.
Und eben nicht: ein Seelenarbeits- Seelenoptimierungs- Seelenseziertermin nächste Woche, der wieder neu in Frage stellt, was man gerade noch irgendwie in den Händen hatte. Und eben auch nicht: das Blog, in das so viel Arbeit, Zeit und Herzblut fließt und doch nicht das ist, was hilft, wenn es mir und uns so geht, wie es uns gerade geht.
Ich kann es so gut verstehen, wenn Kinder und ihre Eltern sich mehr Vielfalt in Büchern wünschen, wie Mareike das bei sich im Blog tut.
Für mich fängt es schon bei den Namen, der Hautfarbe und spezifischen Kultur- und/oder Religionseinflüssen in verschiedenen Alltagen an, die mir oft fehlen, aber natürlich fehlen auch die Leben von Kindern, die mit zum Beispiel Down Syndrom und und und und auf die Welt gekommen sind, in aller Regel in Kinderbüchern.
Für meine Eulengeschichte suche ich noch immer einen Verlag und arbeite nebenbei als kleines Ausruh-Eskapismus-Novemberüberstehdings an einer anderen Kindergeschichte. Deshalb stecke meine Nase gerade verstärkt in diese Szene und mir fallen da ein paar Dinge auf, die mitverantwortlich für wenig Diversität in Kinderbüchern sein könnten.
Meine Eulengeschichte ist so ein typisches Stück in Sachen “ein Kind bekommt etwas von einem Erwachsenen erklärt”. Davon gibt es ziemlich viele Kinderbücher, finde ich. Eigentlich kommt kaum ein Kind in Geschichten ohne elterliche/erwachsene Erklärung weg, was auf adultistischen Gesellschaftsstrukturen beruht. Erwachsene denken (und bekommen immer wieder von allen Seiten präsentiert), dass Kinder absolut hilflos sind und Dinge nicht verstehen oder nicht richtig verstehen und immer alles erklärt haben müssen.
Sicher ist das nicht nur falsch – aber in der Repräsentation schlägt es sich dann eben doch auch in Kinderbüchern nieder, in denen es so läuft, wie in meiner Eulengeschichte. Eltern wie Kinder finden sich darin wieder und kaufen solche Geschichten entsprechend (Überraschung- der Kreis ist geschlossen).
Die Eulengeschichte ist allerdings etwas philosophisch und sprachknickerig angehaucht. Da geht es um den Grat zwischen “ausgewachsen” und “erwachsen” sein – um Reife, die manchmal zu vermitteln schwierig ist. Für Kinder, die genau in dem Alter sind, in dem sie lieber stundenlang allein ein Treppenhaus hochklettern wollen, als wie “als sie noch klein waren” getragen zu werden, ist meine Geschichte vielleicht noch nichts. Für Jugendliche, die Dinge tun wollen, die den Handlungen von erwachsenen Personen nahekommen, ist der physische Aspekt des “Auswachsens” vielleicht nicht mehr so greifbar.
Das sind bis jetzt jedenfalls so die Rückmeldungen, die ich mit den Absagen erhalten habe. Es sind die Einschätzungen Erwachsener über die Rezeption von Kindern und Jugendlichen, die sicherlich auch begründet sind, keine Frage. Aber es sind eben nicht die Einschätzungen von den Personen, für die ich die Geschichte geschrieben habe und dieser Aspekt von Perspektive ist es, der eine Rolle spielt und den ich in der Geschichte, die ich jetzt angefangen habe, auch an mir selbst bemerke.
Es geht in der Geschichte um ein Kind, das sich etwas fragt und in einem Traum dann die Lösung findet.
Ich habe bemerkt, dass ich beim Schreiben und Zeichnen immer wieder mich selbst zum Vorbild nehme – obwohl es a) ein Kind ist, das b) einen Rollstuhl benutzt und, das c) in einer Familie (also nicht allein) lebt.
Meine Figur ist weit von meinem (Er-) Leben entfernt und ich sehe die Auswirkungen davon auf meine Ideen. Zum Beispiel wollte ich das Kind im Traum laufen lassen, weil es ja ein Traum ist und ein schöner Traum sein soll. In solchen Momenten bin ich dann froh darum, dass ich so viele Menschen, die Rollis und andere Hilfsmittel nutzen, direkt übers Internet erleben kann, sonst würde ich nicht den Impuls zur Reflektion bekommen haben, was das für eine Quatschidee ist.
Es gibt keinen Grund den Traum so weit von der (Er-)Lebensrealität meiner Figur zu entfernen und so nah an mich selbst heranzubringen, aber die “Verlockung” ist ganz klar da und kommt ja auch nicht aus dem Nichts.
Die “guten” Rolemodels für Menschen, die behindert werden, sind immer* die, die _trotzdem_ (nicht _auch_ ) klar kommen. Es sind immer die, die besonders strahlend von ihrer Lebensfreude und ihrer Kraft sprechen und natürlich “totaaaal normaaaaal” sind.
Sichtbar wird da nicht, dass es sich um Menschen handelt, die ohne (finanzielle) Unterstützungen gar niemals da angekommen wären, wo sie sind. Abhängigkeiten werden nicht als Abhängigkeiten benannt, sondern als Lebensstil oder großartig- fast unmenschlich aufopferungsvolle – Hilfe markiert. So, als hätten diese Personen die Wahl zur Hilfe getroffen, weil sie es wollten – nicht, weil ihr Überleben oder die Sicherung von Lebensqualität und Teilhabe an gesellschaftlichem Leben daran hängt. Also etwas, das man _braucht_ und deshalb will.
Das ist der Unterschied, den Behinderungen jeder Art einfach immer auch mit machen. Die Intension von Entscheidungen, die getroffen werden, haben immer auch mit dem Grad der Abhängigkeit von der Umgebung, in der diese Wahl getroffen wird, zu tun. Natürlich kann ein Rollifahrer zu den Paralympics fahren – wenn er genug UnterstützerInnen* hat, die die Ausrüstung, Hilfsmittel, Training, Transportkosten mitstemmen und er genug Resilienzfaktoren in sich hat, sich durch diese Herausforderung durchzubeißen.
Die Dynamik von Verwertungsinklusion, die derzeit überall gefördert (weil von KapitalistInnen* gefordert) wird, funktioniert auf Diskriminierungsachsen immer gleich und macht keinen Unterschied.
Ich glaube nicht (aber ich irre mich da gern), dass diese “Traum ohne Rollstuhl – Sequenz” bei einem Verlag direkt als schwierig markiert worden wäre, denn da ist ja noch “Heidi”.
Das Heidianime von 1989 – ich liebe es!
Klara war das erste Kind im Rollstuhl, mit dem ich als Grundschulkind in Berührung kam. Dass diese Figur durch das liebevolle Zuwenden und Üben; die gute Alpenluft und ihren Willen am Ende laufen konnte und alle Menschen damit glücklich macht, hat in meinem Bild von Menschen, die Rollstühle benutzen, bis heute eine Spur hinterlassen, an der ich nun als Kinderbuchautorin in Spee herumradiere.
Ich lebe heute allein und Rollstühle sind kein Alltagsgegenstand mehr für mich. Ich bin nicht mehr viel umgeben von Menschen, die körperliche Wuchsrichtungen mit Hilfsmitteln kompensieren (müssen), um sich an andere Menschen bzw. die auf sie und ihre Möglichkeiten ausgerichtete Lebensumgebung, anpassen zu können und ich merke, dass das etwas ist, woran ich mich jetzt aktiv erinnern muss, um nicht eine weitere Geschichte nach dem Heidistrickmuster bzw. mit einer Essenz von “Heidi” zu erzählen.
Das ist ein Faktor, der mich an der Darstellung auch meiner Behinderung nämlich sehr nervt: der Implizit der Veränderbarkeit der Behinderung (und nicht der Lebensumgebung).
Meine Behinderung aufgrund psychischer Faktoren wird immer und immer wieder als eine Phase, ein Lebensabschnitt, als krank (und deshalb von ÄrztInnen* “wegmachbar” oder zum Positiven veränderbar) dargestellt – nicht als etwas, das mich als jemanden sichtbar macht, der aufgrund bestimmter äußerer Faktoren so gewachsen ist. Es wird nicht klar, dass es sich um die Folge von Anpassungsreaktionen handelt, die bis heute und vielleicht auch für immer, wenn auch nicht immer gleich intensiv und umfassend, in mir und meinem Erleben wirken.
In meinen Fantasien über mich selbst, kommt nie drin vor, dass ich ohne Angst bin oder ohne Innens. Wenn ich mir ein Bild von mir in bestimmten Lagen mache – egal, wie fantastisch sie sind: “die Anderen” sind immer da, wie jetzt – meine Belastungsgrenze, meine emotionalen Kapazitäten, sind genauso ausgerichtet, wie jetzt. Meine Lebensumgebung verändert sich- aber ich selbst nicht.
Meine Fantasie sprengt immer nur die Grenzen, die ich auch real sprengen könnte (und sei es in Metaphern) und genau das jetzt bei dieser Kindergeschichte zu beachten.. woah- das ist wirklich überhaupt gar nicht so einfach, wie ich mir das am Anfang vorgestellt hatte.
Ich weiß, dass man in seine Figuren hineinschlüpfen muss, um sie voll und rund wirken zu lassen.
Es ist aber auch klar, dass ich nur so viel “Füllmaterial” mitbringen und positionieren kann, wie ich selbst wahrnehme.
So wird dieses kleine Ausruhprojekt auch eine Lektion in Demut vor meinen Fähigkeiten für mich.
Ich möchte keine Geschichte schreiben in der das Kind besonders ist, weil es den Rolli nutzt, sondern, weil es sich die Frage stellt, die es sich stellt und sich selbst beantwortet. Aber dadurch, dass es den Rolli nutzt (was es tut, gerade weil ich eben keine 08/15 Profitkindergeschichte schreiben möchte) wurde es für meine Vorstellung irgendwie doch wieder beinahe logisch, einen für viele junge wie alte Menschen alltäglichen Gegenstand zu etwas zu machen, das eben nicht so normal ist, dass er auch in einem Traum vorkommt.
Das ist, was Behinderungen zu Behinderungen im Sinne von Hindernissen macht: die eigenen (unreflektierten) Vorstellungen über die Lebensrealitäten anderer Menschen
und das ist, was Kinderbücher dann auch nicht divers macht.
Ich wollte in der letzten Zeit öfter mal etwas verlinken und dann hat es doch irgendwie nie gepasst- deshalb heute mal ein kleiner Linkspam
Ein paar interessante, lustige Webcomics habe ich inzwischen in meinem RSS-Reader
Chaoslife (sehr cool auch das “lesbian 101” auf der Seite)
shades of a (ein asexueller Mensch und seine Beziehungen)
oh joy sex toy (sexpositives Comic)
Beatrice the biologist (mehr Cartoon als Comic, aber immer witzig)
transchizophrenic (ein Transmensch und sein Leben)
that deaf guy (Comicstrips zum Leben mit Hörbehinderung)
Die Vorträge der Openmind Konferenz sind inzwischen online anschaubar. Ich habe dort zur Sprachführung über (sexualisierte) Gewalt gesprochen (meine Folien dazu gebe ich gerne per Mail weiter- die von mir gewünschte Möglichkeit, den Vortrag mit Untertiteln hier zu veröffentlichen, muss ich wegen Überarbeitung schieben – Entschuldigung dafür), ergänzend dazu, kann ich noch den von “Spiel_trieb” empfehlen, der den Titel “Schuldbegriff abschaffen” hat. Jasna hat zwei Vorträge gehalten, von denen ich den zur “Macht im öffentlichen Raum” sehr gut finde.
(Im Kanal des Seb findet man auch die Playliste zur #om14 – dort sind dann auch alle anderen Vorträge zu finden)
Charlott hat einen interessanten Text zu Feminismus in der rechten* Szene geschrieben. Der Blick nach rechts dürfte dann jetzt auch gerade nachdem gestern Abend eine braune Welle Kackscheiße durch Köln randalierte, auch allgemein mehr aktiviert werden.
Gendermom hat inzwischen einen Podcast angefangen (english). Ihre (Trans)Tochter ist inzwischen 6 Jahre alt.
Dann war da noch die Onlineumfrage zu alltäglicher Belästigung/street harassment und die Ergebnisse der Umfrage zur Gewalt, die übers Internet passiert.
Gestern habe ich dann noch das Radiofeature “Dunkelkammer Psychiatrie” gehört, das ich gut finde, weil es nicht nur um Medikalisierung und “Aber Hilfe!” geht.
Und dann folgt jetzt nochmal ein Aufruf an ComickerInnen*, CartoonistInnen* und FreundInnen* des Stop-Motion und Animierens:
Ich suche für mein Blog “Comics, Krikels und Krakels” noch MitmacherInnen*. Erwünscht ist alles vom Strichmännchen mit Witz bis zum supermega ausgereiften Ultracomic. Draußen bleibt, wer diskriminierend, gewaltverherrlichend, hetero – cis – sexistisch, rassistisch und sonstwie ungut für ein respektvolles Miteinander ist. Bei der Idee gehts darum, dass Comics ein breites Spektrum für Kreativität eröffnen, Sprache erweitern und Kunst alltäglicher macht – ich würde das gerne ein bisschen bündeln und mich selbst auch austauschen, um mich weiterzuentwickeln. Da erschien mir ein Blogkollektiv sinnvoll, das weniger den Anspruch hat kommerziell erfolgreich zu werden oder zu sein, sondern mehr Bezugspunkt einer Interessensgruppe ist.
Einfach eine Mail (ist im Impressum) an mich und dann können wir über alle Fragen sprechen.
Heute vor 10 Jahren lebten wir in einer Wohngruppe, in der wir eigentlich nicht sein wollten, eigentlich gar nicht gewollt waren und, die für uns überhaupt nicht konzipiert war. Wir hatten einen dünnen Faden zu einer psychologischen Beraterin in der Hand, konsumierten permanent Kaffee oder Tabak. Hier und da fuhr man für ein zwei Stunden weg.
Ohne, dass es jemand merkte. Oder verhinderte. Oder sonst irgendwas.
In dem Jahr hatten wir so viele furchtbare (beziehungs)retraumatisierende Erfahrungen zu kompensieren, dass ich heute kaum noch Platz für Zweifel an einer massiven Fähigkeit zur Dissoziation in mir habe.
Nach 1,5 Jahren Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig Holstein, zogen wir für 3 Wochen nach NRW, wo man sich mit uns übernommen hatte. Falsche Versprechen, zu hohe Anforderungen an uns und letztlich Verrat und Verlassen waren die Folge.
Es folgten 5 Monate Kinder- und Jugendpsychiatrie unter der Diagnose “histrionische Persönlichkeitsstörung”.
Es grüßte die Jahrhundertwende und hakte sich bei struktureller Misogynie unter, um der Realität von systematischer Gewalt und Ausbeutung an einer minderjährigen, völlig isolierten und perspektivlosen Person, nicht begegnen zu müssen.
Auch nicht direkt nebenan. Auf Station.
Ja. Es war furchtbar.
Und ja, selbstverständlich glaubte ich allen “draußen”, die mir sagten, es gäbe ein Morgen und ich könne handeln.
Die Tatsache, dass ich mit meinen 17 Jahren als massiv gestörte kranke unglaubwürdige Irre, absolut gar nicht handeln konnte, haben diese Personen, von dort aus der Ferne, nicht im Blick gehabt.
“Ich darf nicht voraussetzen, dass irgendjemand parteiisch für mich ist und gleichzeitig auch so mächtig, über mein Leben in meinem Sinne zu entscheiden.” – Erkenntnis einer 15 Jährigen, die auf Bäumen schläft, um sicherer zu sein, die sich erneut bewahrheitete.
Irgendwann war dieses Jahr natürlich vorbei.
Ich wurde 18, 19, 20 … dieses Jahr, 28 Jahre alt.
In mir drin sitzen bis heute Innens, Jugendliche, wie einzelne Kinderinnens, die sich all das – all die Psychiatrieerfahrungen, all das Verlassen und Verratenwerden, die Gewalt durch Personen, von denen man abhängig war und vor denen man nicht fliehen konnte, sowie die Notwendigkeit von TäterInnen*kontakten und anderen Arten der Selbstzerstörung – mit “dem Bösen” in sich, unter uns, in mir als Einsmensch, erklären.
Morgen steigen wir in den Zug und machen eine Reise in die Vergangenheit, um ein paar Fäden ins Heute zu nehmen und damit am Morgen zu knüpfen.
Denn, wenn jemand „das Böse“ in uns gesehen hat, dann eine der Personen, die wir in den 3 einhalb Tagen dort treffen werden.
Es tut schon jetzt weh.
Lässt mich nachts aus Träumen von Kämpfen mit einer Fixierungsliege oder vielen Personen gleichzeitig hochschrecken. Ich muss immer wieder meine Anspannung runterschrauben. Das schrille Fiepen in meinem Kopf mit Watte und Federn einwickeln. Manchmal von NakNak* beruhigen lassen.
Ich schlafe ein und mir ist schwindelig. Ich wache auf und mir ist schwindelig.
Ich sehe keine andere Möglichkeit mich anzunähern.
Ich hoffe so sehr, dass wir das Meer sehen werden.
Und in den Zug zurück zu NakNak*, unseren neuen Herzmenschgemögten, unserer Therapeutin, unserer dreckigen Muchtelbude, den Mimosenbabys und all den Eulen, steigen.
Wie die Dinge manchmal zusammenkommen…
Haben mich heute morgen bereits 4 “kritische” Kommentare um einen Ehrenplatz im Papierkorb gebeten, schrieb Antje über schmerzhafte Diskurse unter FeministInnen* und über die Kultur um Kritik.
Ich habe den Artikel so verstanden, dass sie sich mehr Innehalten und Reflektieren, statt Abwehren und Zurückschlagen wünscht, worin ich in Bezug auf viele Themenbereiche sehr zustimmen mag.
Andererseits ist “Innehalten” und “Reflektieren” (und “Umsetzen”) ein Privileg, das mir als solches in dem Artikel, genauso unerwähnt erscheint wie der Umstand, das Deutung mit Definitionsmacht einhergeht.
Nehmen wir die 4 langen, sehr wissenschaftlich eingefärbten und dennoch ganz klar weder opfersolidarischen noch meine Betroffenenexpertise anerkennenden Kommentare, die mich heute morgen erreichten und vor allem zum Ziel hatten, meine Sprachkritik als unverständlich und deshalb nicht gerechtfertigt zu erklären, weil sie wissenschaftlich nicht haltbar sei und sinngemäß auch nichts mit der Realität zu tun hätte.
Mein “Innehalten” besteht bei solchen Kommentaren schlicht mal darin, dass ich weder antworte noch freischalte und damit einen Diskurs im Keim ersticke, der kein Diskurs werden würde, sondern eine 1 Mann Show auf meinem Rücken und meiner Argumentation gegen eine opferfeindliche und bagatellisierende Sprachführung in Bezug auf Gewalt.
Für diesen Menschen, dort am anderen Ende, kann sein Kommentarschwall wunderwas sachlich und konstruktive Kritik sein – für mich, als Person, die weder Wissenschaftlerin, noch Person in Machtposition ist, hingegen schlichte Missachtung der Intension, die völlig neben Machtanspruch steht, weil sie eben von mir kommt.
Jetzt hatte Antje natürlich von Diskursen unter Feministinnen geschrieben und damit vielleicht Diskurse markiert, die sich in Gruppen abspielen, die sich neben oder auch ganz bewusst fern des Mainstreams™ verorten und damit fast schon als Subkultur wahrnehmen. Sie schreibt darüber, dass man* sich in Kreisen, die über Call outs funktionieren möchten/müssen/sollen, kaum noch traut etwas zu äußern, weil man die Konfrontationen, die folgen, nicht möchte.
Ein Phänomen, dass ich beim Queerfemcamp an mir auch bemerkt hatte, wenngleich nicht, weil ich Angst vor einem Call out hatte, sondern davor, jemanden zu verletzen und keine Wiedergutmachung, die genug ist, leisten zu können.
Diese Angst vor der Konfrontation habe ich viel häufiger bei Twitter und zwar, weil ich mich viel öfter öffentlich beschämt empfinde, als auf *istische Äußerungen oder Verhaltensweisen hingewiesen, wenn ein Call out an mich gerichtet wird. Mich zu beschämen und an meiner Haltung zu dekonstruieren ist leicht, weil ich auf keiner Achse außer dem Phänotyp der Weißen privilegiert bin. Alles was ich sage, ist mit einem einzigen wissenschaftlichen, im Berufsleben stehenden, älteren, mehr Peergroupsicherheit genießenden, besser beworteten Tritt in meine Kniekehlen umzuschmeißen. Das “guck mal was für ein Haufen Scheiße das hier ist”- Spiel wird schon seit immer an mir gespielt- aber nicht immer sichtbar vor anderen (vielen) Menschen (die mir wichtig sind und deren Solidarität ich natürlich auch nicht unwürdig sein oder werden möchte).
Ist das für die einen dann ein “schmerzhafter Diskurs”, ist es für mich wie eine Zerstörungserfahrung mehr, die dazu beiträgt, dass ich meine Perspektive nicht mehr für diesen Diskurs zur Verfügung stelle und ihn damit – vielleicht sogar ohne, dass die DiskutantInnen das spüren – um einen Faktor verarme.
Mein “aus dem Diskurs heraustreten”, kann dann wiederum für andere als “Innehalten” und “Reflektieren” gelesen werden – für mich ist es “Verstummen”.
Ich will überhaupt kein Muskelspiel, kein Abwehrverhalten oder “man wird jawohl noch sagen dürfen”, als “okay” markieren. Es ist einfach oft nicht okay, wie es manchmal oft immer wieder performed wird.
Allerdings denke ich auch, dass in manchen Diskursen genau das als offenes und allgemein anerkanntes Element fehlt, eben, weil sie innerhalb themenzentrierter Gruppen passieren.
Ich finde nicht, dass man alles und von jeder diskutierenden Person in sich aufnehmen und vereinen muss, um konstruktive Diskurse zu führen oder seinen Horizont zu erweitern. Ich denke, dass Diskurse genau davon leben, sich immer wieder abzugrenzen und zu definieren. Die Frage ist allerdings- und deshalb finde ich den Artikel gut – wie viele Schmerzen und Verstummungen es dafür braucht und bei wem.
Diskurs kann nicht Mainstream™ sein oder werden und kann sich immer nur entlang von Rändern bilden. Von Konflikt und Konfrontation. Und trotzdem sehe ich persönlich schon auch so etwas wie “feministische Mainstreamings” wo von Sichtbarkeit, Peergroupsicherheit, Lebenserfahrung, Gesundheit … jaja die Diskriminierungsachsen, profitiert wird und genau über diesen Anspruch von “nu reg dich mal ab”, “pluster dich nicht auf”, also so allgemeinem “mach ma friedlich hier” wiederum Machtdynamiken reproduziert werden, weil dieser Profit von Veränderungen bedroht werden könnte.
Ich denke, wenn “der feministische Diskurs” ™ an eine Stelle kommen könnte, in der Kritik und auch Kritikabwehr (als Kritik an der Kritik) nicht mehr markiert und diskutiert werden müssen, sondern als themenimmanenter Fakt anerkannt werden, könnte so einiger Schmerz und eben auch Verstummen nachlassen.
Es sind nämlich genau die Personen, die gar nichts sagen, die am Ende als “der Mainstream” ™ wahrgenommen werden und letztlich in Gruppen, die sich thematisch auseinandersetzen, dann wieder benutzt werden, um sich selbst als Subkultur wahrzunehmen, anstatt als Hinweis auf Probleme in selbiger.
Vielleicht wollte Antje das auch ausdrücken? Ich bin mir nicht sicher.
Ich nehme sie eben als privilegierte Differenzfeministin in eben jenem feministischen Mainstream wahr, in dem ich selbst herumschippere… ¯\_(ツ)_/¯
schwierige Feiertage sind schwierig, schöne Herbsttage sind schön
das neue Video dazu hoffentlich auch