Schlagwort: virtuelle Gewalt

man blockt nicht, was weh tut

Kurz nach 1 Uhr morgens ist es und ich logge mich in mein Mailpostfach ein, um mir sämtliche Twitterkorrespondenz der letzten Monate durchzulesen.

Grund dafür: mein Account wurde gesperrt.
Der Grund dafür wurde mir nicht genannt- vielleicht ist Twitter zu cool für sowas, vielleicht wurde ich aber auch von jemandem als missbräuchliche/r/* UserIn* gemeldet und die Angabe dieser Person aus Schutzgründen nicht an mich weiter geleitet. What ever. Egal.
Ich warte, was kommt.
Da ich weder Menschen betrüge noch absichtliche irgendwelche Urheberrechte verletze oder illegale Software an Twitter benutze, sehe ich mich erst mal im grünen Bereich.

Das ist das Eine – ich mag meine Twittertimeline und jetzt darf ich sie nicht mehr lesen. Blöd. Aua. Krampf mimimi Jaulimauli. Warten.

Das Andere ist – ich bin so blöd.
Vor einiger Zeit (also mehr als “Wochen” aber schon noch näher als “vor Monaten”) habe ich jemanden bei Twitter geblockt und dann dem Support von Twitter gemeldet, weil diese auf mein “Lass mich in Ruhe” nicht damit reagierte mich in Ruhe zu lassen.
Blocken ist eine gute Akutlösung. Aber dann kommt es vielleicht doch mal, das man um kurz nach 1 Uhr morgens mittelmäßig angetrunken, traurig und im Dis_sens mit der ganzen Welt ins Mailfach schaut und diesen Accountnamen wieder sieht. Und natürlich alles wieder hochgedrückt wird, woran man einfach nicht denken wollte.

Es kotzt mich so an, dass ich mit diesem Opfer- Armut- Behindert- Stempel nicht einen einzigen verdammten Schritt tun und feiern kann in den Augen mancher Menschen. Ich darf mich nicht hängen lassen vor den einen- ich darf nicht aktiv sein vor den anderen. Ich darf nicht um Geld oder Förderung meines Tuns bitten. Ich darf auch kein Geld ausgeben, denn wenn ich sage: “Ich habe keins” dann bedeutet das für solche Menschen den Pappkarton unter einer Brücke.
Ich darf keine Vorträge halten, weil das gleichbedeutend mit Arbeit oder Weiterbildung ist. Und natürlich bin ich in Wahrheit reich. Ich kriege ja für jeden Furz mit Glitzer dran Geld hinterher geworfen und trage meine Jahre alten Kleider because of the edge.

Es verletzt.
Ich bin wütend, weil mich so etwas einfach nur verletzt.

Und ich bin wütend, weil es Twitter schafft meinen Account zu sperren – den von hunderten Maskus oder auch dieser Person aber nicht.

Doch das eigentlich Schlimmste ist der Raum, den sich diese Person in meinem Kopf stiehlt.
Ich schreibe von dieser Person als “meine irgendwie Stalkerin” oder “sogenannter Twittertroll” – dabei kenne ich sie überhaupt nicht und sie wäre mir egal, wenn sie nicht permanent das Wort an mich richtete. Ihren Blick auf mich und vermeintlich durch mich und mein Leben richtete.
Das ist so eine Masche von Personen, die zwischenmenschliche Gewalt ausüben: “Quatsch sie voll, bis sie [die Person, die gerade zum Opfer wird] reagiert und wenn sie reagiert, dann pack sie dir- wickle sie ein, verschnüre sie wie ein Paket und heb sie auf deine Schulter – so kannst du sie mitnehmen. So gehört sie dir.”.
Es ist nicht nur Häme, die da an mich heran getragen wird – da sind auch Tweets, die völlig harmlos klingen. Aber in dem Kontext sind sie alles andere als harmlos.

Ich bin damit aufgewachsen zu hören, man solle auf solche Menschen nicht reagieren. Das Ding ist: nicht zu reagieren, heißt nicht zeitgleich keine Impulse aufzunehmen.

Personen, die bei Twitter geblockt wurden, erhalten jedes Mal eine Meldung, dass sie geblockt wurden von der Person. Selbstverständlich macht es mir auch Angst, wenn ich sehe, das dort eine Person trotz der Meldung jedes Mal, dass sie von mir geblockt wurde, was gut erkennbar ist als “Ich möchte nicht mit dir in Kontakt treten”, immer weiter schreibt und das Wort an mich richtet.

Und da ist also dieser Raum, der sich in meinem Kopf geklaut wird; dann ist da der Anspruch und das Beharren auf einen Kontakt mit mir; dann ist da dieses Bild von mir, das nah an mir dran ist, aber doch mehr Ähnlichkeit mit einer Springerverlag-Karikatur von mir hat und dann, ist da die Ohnmacht, die bleibt und bleibt und bleibt. Und zwar bei mir. Obwohl ich aktiv für meinen Schutz gesorgt habe. Obwohl ich mich verweigert habe.

Es macht ohnmächtig, wenn man sagen kann, was man will – erklären, offenlegen, verständlich machen – aber nichts, wirklich gar nichts genauso bei jemandem ankommt, wie es ist.

Es ist Quälerei, wenn man Menschen immer wieder in die Lage versetzt, sich zu erklären, diese Erklärung aber nicht gelten zu lassen. Ich mag an der Stelle eigentlich auch Sadismus erwähnen, aber wie gesagt: ich kenne diese Person nicht. Vielleicht hat das Ganze gar keine Lustaspekte. Aber wenn: wundern würde es mich nicht.

Tja, und wieso schreibe ich das jetzt mitten in der Nacht?
Weil ich vorhin dachte: “Hoffentlich findet diese Person irgendwann jemand anderen, an dem sie sich austoben will.”

G’tt und ich schäme mich für solche Gedanken. Meine Moral verprügelt mich gerade, weil ich im Grunde meine Ohnmacht auf jemand anderen verschieben will. Meine Ratio sitzt unten vorm Haus, dreht sich eine Zigarette und grunzt: “Ey- auf was Anderes kann man einfach auch nicht warten.” und der ganze Haufen verletzter Seelendreck sitzt vor dem Laptop und schreibt gegen das Weinen an.

Ich brauche einfach immer noch eine ganze Weile bis ich selbst an den Punkt komme, an dem ich merke, was der Trigger ist.
Vielleicht ist es gerade gut zu merken, das mein Trigger einfach immer wieder der ist, global und absolut geschwächt von meinen Gewalterfahrungen sein zu sollen; gehindert von meiner Behinderung sein zu müssen und mindestens kurz vor dem Status „Sterntaler ohne Goldregen“ zu sein, wegen meines Hartz 4 Lebens.
Man soll ja auch immer das Positive sehen.
Was daran positiv sein soll zu merken, dass ein Anspruch, der aus Diskriminierungsstrukturen herauskommt, denen ich mich bis heute nicht entziehen kann- egal, wie sehr ich es versuche will könnte hätte müsste – auf mich massiv bedrohlich, weil an lebensbedrohliche Ohnmacht erinnernd, wirken, kann ich an der Stelle zwar auch noch nicht sehen, aber vielleicht geht es auch nicht darum, das zu sehen. What ever. Ich hab was Positives gesehen- dann darf ich ja jetzt den Finger auf die Kackscheiße richten und sagen, dass die weg soll.

In diesem Fall: diese Person.
Sie erinnert mich an jemanden mit dem ich mal in einem Forum zusammen war. Ich hatte das Forum ihretwegen verlassen. Ich. Nicht diese Person.
Warum?
Weil so ein Verhalten wundergut in die “Ich scheiß auf political correctness – ich bin so rebellisch und wild – ich lass mir von niemand etwas sagen because – Meinungsfreiheit !!11!!!!1 – die wollt ihr jawohl nicht verbieten! Grundgesetz!!!11!1!1!” Ecke passt.
Natürlich will niemand die Meinungsfreiheit unterdrücken – aber wenn die “Meinung” [meist es ist ja keine wirkliche Meinung, sondern einfach nur das Gegenteil der Überzeugung einer anderen Person, weil man ja „aus Prinzip“ so rebellisch ist, das man immer erst mal das Gegenteil vertritt, um nicht zuletzt, vor sich selbst weiterhin super rebellisch und antiirgendwas zu sein] andere Menschen verletzt, dann kann sie nicht einfach kommentarlos stehen bleiben. In dem Forum aber blieb das so stehen. Warum ist mir egal- ich konnte es nicht verändern und hätte mich nur dran kaputt gemacht, es zu verändern.

Aus einem Forum, das mir nicht gut tut weil eine Person darin sitzt, die giftig für mich ist, zu gehen war leicht.
Ich habe gelöscht, was mir wichtig zu löschen war und den Account in Gedanken angezündet.

Twitter ist kein Forum. Mein Blog ist kein Forum.
Das sind _meine_ Kanäle mich mitzuteilen. Neben Facebook, mein einzigen Kanäle mich mitzuteilen.

Ich lese von Menschen, die mir sympathisch sind, die ich gerne mit in mein Bett und meine Küche, zu Partys und anderen spannenden schönen, vielleicht auch beängstigenden und traurigen Ereignissen mitnehme. Ich darf Anteil an ihren Leben nehmen, ich kann Kritik in einen Raum geben, der diese hinterfragt und/oder bestätigt, ich darf so etwas wie soziale Teilhabe haben. Ich kann gehört werden.
Außerhalb des Internet kenne ich nicht so viele Menschen. Ich habe keine Arbeit, bei der ich von einer Gruppe umgeben bin oder Ähnliches.

Das wird immer wieder so belächelt, wenn jemand sagt, er könne ohne Internet nicht mehr gut sein.
Wenn man sich aber ansieht, was so ein einziger Kurznachrichtendienst für mich tut, braucht man nicht mehr lächeln. Dann kann man sich zum Heulen in die Ecke stellen, weil einem klar wird, wie groß der Einfluss von Personen sein kann, die auf solche Kanäle toxisch einwirken (wollen).

Mir geht es dabei nicht darum, dass ich meine Beiträge für wichtig halte, sondern darum, dass es mir wichtig ist, sie (mit) zu teilen.

Das kann ich nicht gut, wenn ich dann immer wieder solche Impulse bekomme, die mir genau das aber im Grunde verbieten wollen.

Es ist jetzt halb 4 Uhr morgens.
Ich fühle mich bestohlen an Zeit, Kraft und geistigem Raum.

Einfach nur durch die Erinnerung daran, dass ich diese Person gemeldet habe.

Und das ist genau, was man keinem Gericht klar machen kann. Diese Personen brauchen gar nichts Konkretes mehr zu tun. Das, was sie schon getan haben, wirkt und wirkt und wirkt nach.

Gewalt ist so.

vom Glück keinen Darktwitteraccount zu haben

Schnecki1 Heute gibt es auf Kleinerdrei einen Artikel zum sogenannten Darktwitter.
Neben allen Spaltungprozessen sozialer Interaktion, die anhand des Internet bzw. der Kommunikation darüber, an diesem Nutzungsverhalten wunderbar illustriert werden können, tauchte mir gerade die Frage auf, was es eigentlich sagt, wenn so eine Nutzung als “besonders sicher” gelabelt ist.

So sicher, dass besonders nahe, schmerzliche, persönliche, private Erlebnisse und Erfahrungen ausschließlich in diesem Setting geteilt und getauscht werden.
Dass das passiert, ist in meinen Überlegungen als völlig selbstverständliche Grundlage menschlicher Kommunikation abgelegt. Natürlich teile ich nicht mit jedem alles. Natürlich twittere ich nicht mit Menschen, die mich verachten.

Spannend wird es für mich an dem Punkt, an dem klar ist: “Ich will etwas teilen, dass mich anders auf dich wirken lässt- schnell mal ins Darktwitter reingeben, denn woanders ist das nicht sicher.”
Und ich frage mich: “Wieso habe ich denn keinen Darktwitteraccount?”

Und bing- plötzlich ist mir klar: Ich habe überhaupt keinen Grund dazu.
Ich habe keine Reichweite und damit einhergehend einen Ruf/ ein Image, wie zum Beispiel die AutorInnen von Kleinerdrei oder auch UserInnen, die so kontroverse Nachrichten verschicken bzw. teilen, dass sich früher oder später ein Account, in dem man nicht permanent angegangen wird, einfach als nötig erweist.
Ich habe weder analog noch digital ein Netzwerk, das sich so spalten lässt.

Darktwitter ist ein Privilgiensicherungswerkzeug.
Du bewahrst dir deinen Ruf, deine Reichweite, deine FollowerInnen, wenn du bestimmte Dinge einfach nicht in denen AktivistInnenaccount reinschreibst. Dein Profil bleibt unangetastet. Du bestimmst, wer ein rundes Bild von dir bekommt und wer nicht.
Schwierig, oder naja, ich sage mal besser: einen faden Beigeschmack macht es mir schon, zu wissen: “Jo, du kriegst hier ne Show geboten, weil das hier alles nur die öffentlichen Accounts sind, denen du folgst.”.

Ich weiß nicht, ob solche Performances ein kommunikationsimmanenter Teil sozialer Interaktion sind. Vielleicht ist das so und muss akzeptiert werden, um anderen Menschen Raum zu lassen, sich innerhalb ihrer Grenzen (der Komfortzone) frei bewegen zu können. Das ist ja etwas, dass ich auch möchte.
Der Punkt ist, dass ich keinen Showaccount habe und es als Fragmentierung meiner Selbst erleben würde, hätte ich nebenbei einen.

Ich habe einen Account der geschützt ist. Am Anfang dachte ich, dass es einer werden könnte, in dem ich meinen Hund zeige, mich zeige, mehr von dem teile, worüber ich weder hier schreibe noch mit den FollowerInnen, die ich nicht analog kenne, teilen will.
Tja. Bis auf Hundefotos läuft auf dem Ding nichts. Es ist unnötig für mich und eigentlich mehr schmerzhaft, als entlastend oder schön.
Einfach, weil es mir (neben meinem kleinen Radius der näheren Interaktionen) auch zeigt, dass meine Nutzung der Kommunikationsmittel Twitter, Facebook etc. ziemlich genau nur um das kreisen, was ich ins Internet hineinschreibe. Nicht, was ich lebe.
Natürlich bedingt das Eine das Andere und eine absolute Aussage ist hier nicht zu treffen, es zeigt aber deutlich welche Privilegien eben doch auch an das ach so offene, freie Internet gebunden sind bzw. sein können und auch sein müssen, bis Darktwitter, Darkfacebook, Darknet allgemein einen Sinn für die jeweiligen NutzerInnen ergibt.

Irgendwie,
jetzt, wo ich diesen Gedanken so ausformuliert habe, verstehe ich diesen Schlag an mich heran besser.

Vielleicht ist es auch etwas, was ganz normal und zwangläufig passiert, wenn man sich über die jeweiligen Intensionen hinter der Art, wie und womit Menschen miteinander kommunizieren, austauscht.
Ich glotze in Kleinerdrei hinein und sehe eine Welt, die auf so vielen Ebenen fern von mir ist und, trotz aller “Phhs!” und “Achs!” immer doch irgendwie vielleicht eventuell das Leben als junge Erwachsene abbilden könnte, dass ich auch leben würde, wäre ich nicht in diesem Leben drin, in dem ich jetzt nun einmal bin.
Wie ich darüber vergessen kann, dass solche Leben auch andere Nutzungsverhalten mit sich bringen, ist dann wieder einer meiner blinden Flecke, doch das Autsch bleibt natürlich nicht aus.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Twitter nutzen und eine Performance abliefern. Für mich sind das halt alles keine sinnentleerten Klicks, Zeichen und “eigentlich total egal, weil das “echte”/ “richtige”/ “wichtige” eh woanders bleibt.
Ich nehme mein Handy in die Hand und habe die ganze Zeit bewusst, dass ich über Twitter zu anderen Menschen spreche. Menschen anspreche. Was ich nicht anspreche und teile, das ist eben mein (sogar vor mir oft) unsichtbares Sein ohne Form und Farbe, das sich erst von “wabernd” zu “Sprache” zu “Wort” und “mit-teilbar” evolutionieren muss.

Vielleicht ist das mein Fehler zu denken, dass “man nun mal so mit Menschen übers Internet redet, wie man es auch analog/direkt tut bzw. tun muss”.
Vielleicht ist es aber auch mein kleines Privileg und Glück, dass ich es mir leisten kann, in meinem öffentlichen Twitteraccount genauso zu agieren, wie ich auch analog/direkt agiere (wenn ich denn besagte innere Evolutionskette durchlebt habe)
Zumindest so lange mir niemand mit eindeutiger Gewaltintension begegnet.

Twitter hat zwar die Block- und auch die Mutefunktion eingeführt bzw. verbessert, letztlich drohen, hetzen, verletzen und stalken noch immer die gleichen GewalttäterInnen* wie vor einem Jahr über Twitter hinter vielen UserInnen* meiner Timeline her.
Weil diese Menschen eben nicht, wie in allen anderen Kontexten der sozialen Interaktion bzw. Kommunikation behandelt werden, agieren die von Gewalt bedrohten UserInnen auch nicht, wie in allen anderen Kontexten und allein das bringt Darktwitter in seine Sonderposition:
Es ist die gleiche Unfähigkeit Gewalt aus dem Miteinander herauszuhalten, wie überall sonst.

So bleibt mir der Punkt der Dankbarkeit davon soweit verschont zu sein, dass mir bisher die Block- und Mutefunktion gereicht hat, um weder in die dunklen Ecken des Netzes kriechen, noch meine Kommunikation übers Internet so weit zerpflücken, wie ich es in mir selbst bin, zu müssen.

“Wir sind Viele” ~ Teil 9 ~

Ich wollte mich spontan auf den Raumboden fallen lassen, als das Wort “Cybermobbing” fiel.
Wir saßen im Workshop mit dem Titel “Tatort Kinderseele – Die gesellschaftspolitische Dimension der Verleugnung sexualisierter Gewalt”. Ein Workshop über dessen Teilnahme ich lange, allein schon wegen der Überschrift, gründlich nachgedacht hatte.

Ich bin bis heute davon überzeugt, dass die Gesellschaft ™  gar nicht mal so viel Gewalt verleugnet, wie das bis heute gerne in den Medien ™ die Runde macht, sondern viel eher einfach gar kein einheitliches Verständnis davon hat, was Gewalt ist, welche Formen wann und wo auftreten und – dass sie einen so alltäglichen Stellenwert in sowohl unserer Gesellschaft, als auch unseren Vorstellungen von Moral und allgemeinen Umgang hat, dass die Auseinandersetzung damit einfach immer schwierig und an vielen Stellen undifferenziert ist- obwohl das allgemeine Framing ist: “Gewalt ist schlecht/ böse/ schlimm/ darf nicht sein”

Wir hatten nur eine Tasse Kaffee, viel zu wenig Schlaf und dann auch noch diese Themen. Und dann war ich wiederholt live dabei als über “dieses Internet” gesprochen wurde, als wäre es einzig das Darknet in dem sowohl “Silk Road” als auch andere illegale Plattformen zu Hause sind und auf kleine unschuldige Kinderseelchen, die doch nur ein bisschen unschuldigen Spaß mit dem Smartphone machen, warten, um sie sich einzuverleiben und ihnen Gewalt anzutun.

Ich dachte wieder darüber nach, ob es ein Thema der Generationen ist. Ob man mit dem Internet irgendwie groß geworden sein muss, um nicht nur in Sorge oder mit einem moralischen Zeigefinger in der Höhe damit zu interagieren.
In der ganzen Tagung war ganz oft die “Internet als Raum”- Metapher und so auch der Faden “dort drin in diesem Internet, da sitzen auch TäterInnen und dort lassen Menschen ihre Kinder rein”, obwohl das Internet nichts weiter ist (und auch nie mehr war) als ein Kommunikationsmittel bzw. korrekter ausgedrückt ein Datentransfermittel.

“Cybermobbing” ließ mich wieder an die 90 er Jahre denken. Der Begriff dafür ist heute “virtuelle Gewalt” und dieser ist in meinem persönlichen Empfinden einerseits besser, weil er alle Formen von Gewalt, die via Internet passieren, unter einen Hut bringt (vom unaufgefordert geschickten Pimmelfoto bis zur Hassmail mit Morddrohung) andererseits aber auch schwierig, weil die Gewalt nicht virtuell ist, sondern nur virtuell transportiert wird. Die Einschläge, die sie hinterlässt, sind genau die gleichen, wie es analog/ direkt/ physikalisch transportierte Gewalt tut, was man zum Beispiel am Leidensweg der Amanda Todd sehr gut nachzeichnen kann.

Alles in allem hat mir in der gesamten Tagung, wenn das Thema Internet zur Sprache kam (und das kam es oft), sehr der, für mich persönlich auch sehr wichtige, Leitsatz gefehlt, dass es Menschen sind die Gewalt ausüben und das Internet als Mittel dazu benutzen- und zwar a) Menschen jeden Alters b) in jedem über das Internet verfügbaren Medium und c) mit jeder Intension, die Gewalt haben kann- das Internet als solches, aber weder Brutstätte noch Ursache für Gewalt und ihre Folgen sind.

Wir sprachen über das “Sexting” und darüber, dass das wirklich schlimm ist.

Das Thema hatten wir auch schon im Workshop mit Claudia Fischer am Vortag und mir ist dabei diese Haltung gegenüber den Jugendlichen aufgefallen, bei der ich immer wieder denke: “und genau deshalb kommen sie dann nicht zu Erwachsenen, wenn sie mit sexualisierten Inhalten konfrontiert sind, sie selbst produzieren und verteilen oder jemanden sie sogar nötigt dies zu tun”.
Das war für mich sehr von der Verleugnung getragen, dass Kinder und Jugendliche eine Sexualität haben und natürlich auch leben. Irgendwo darunter war für mich die Kette: “Kinder sind immer unschuldig, rein, sauber und unantastbar wertvoll- aus ihnen selbst heraus kann nichts “Schlimmes” (moralisch Falsches/ Böses) kommen- schon gar nicht, wenn das Umfeld gut ist.”

Dass dieses Umfeld aber mehr beinhaltet, als die Kernfamilie und den Pausenhof, und, dass Medienkompetenz nicht meint “da ist der Knopf zum An- und Ausmachen”, fehlt mir oft, wenn ich mit dem Thema “Sexting”, sexualisierte Gewalt & Internet & Jugendliche zu tun habe.
Für mich persönlich ist Sexting die logische Folge aus (weiblicher) Sexualität als Mittel zum Zweck, die gerade unter Jugendlichen, die in ihrer Entwicklungsphase sehr klar mit den Themen der Außenwirkung und (sexueller) Identität befasst sind, gar nicht Halt machen kann und im Zuge der massiven Konsumkultur mit all ihren Mitbringseln auch gar keinen Platz mehr zur Kritik haben kann. So denke ich, liegt das Entsetzen (?) Erwachsener nicht im Sexting selbst, sondern in der Selbstverständlichkeit und eher positiven Belegung der Jugendlichen, beim Hergeben ihrer Intimität.
Als gäbe es die Option im Internet (wieder die Raummetapher) wirklich intim, geheim, anonym zu agieren. Die Währung des Internet sind Daten und diese Daten sind immer personenbezogen. Wir bezahlen unsere Vernetzung über das Internet immer und immer mehr mit Teilen von uns selbst. Und Jugendliche tun das schon ihr ganzes Leben lang so massiv, wie wir heute, die wir das im Verlauf beobachten.
Privatsphäre ist, wie auch persönliche Intimität ein Mittel zum Zweck und hat mit Selbstwert eher später etwas zu tun. Nämlich dann, wenn auffällt, dass man “im Internet” nur ist, was man produziert, teilt und am Ende für andere Menschen als sich selbst darstellt- was cool ist, wenn Selbst- und Fremdwahrnehmung kongruent sind- nicht aber, wenn dem nicht so ist und eine Abwertung passiert.

Und dann- die Scham, die trotzdem noch irgendwo da ist.
Darf man sich heute noch unverblümt für Sex oder noch eine Stufe darunter: Körperlichkeit schämen, ohne pathologisiert oder aus anderen Gründen darin nicht respektiert zu werden? Was für eine soziale Rolle blüht Menschen, die sagen: “Der letzte Unterwäscheclip von C & A hat mich grad näher an Sex herangeführt, als es der Mitternachtserotikfilm bei Kabel 1 vor 10- 15 Jahren tat.”.
Es ist das Eine als Jugendliche/r da zu stehen und zu sagen: “Ich habe über das Internet Kontakte mit der ganzen Welt und einer von denen, hat mir ein Bild von seinem Penis geschickt und hört nicht auf, mich damit zu ekeln” – das erfordert Mut und ein gutes Verhältnis.
Das Andere ist es aber, Eltern/ Erwachsene/ ein soziales Umfeld auszuhalten, das dann nicht etwa sagt: “Das ist Gewalt und es tut mir leid, dass du diese Erfahrung machen musstest. Hast du das Bild und den Kontakt gespeichert? Ja?- dann komm zack!- wir gehen zur Polizei und blocken dann den Kontakt in deinem Netzwerk (oder reagieren sonstwie irgendwie konstruktiv und gehen in eine Diskussion, wie Netzwerke sicherer nutzbar sind/ werden könnten)” sondern mit höherer Wahrscheinlichkeit sagen: “Mit was für Leuten treibst du dich rum? Was hast DU getan, damit der das macht? Handyverbot- Internet gestrichen… weil ich muss dich schützen.”.

An der Stelle beginnt für mich auch der konstruktive Ansatz in Sachen Strafverfolgung und Verantwortung der DienstleisterInnen und BetreiberInnen von Netzwerken, Diensten, Programmen und Portalen. Wenn man heute zur Polizei geht und solche Dinge anzeigt, dann kann man Glück haben und eben nicht zu hören bekommen: “Ja, du hast es provoziert/ du hast dich unvorsichtig verhalten/ ihr Jugendlichen mit eurer Dummheit- war doch klar… “; man kann aber auch Pech haben und genau dieser Glanzvorführung von “rape culture” zuschauen, um dann aber am Ende immer gleich vor einer Ohnmacht der Justiz zu stehen, die schlicht nicht in der Lage ist, auf diese Art der sexualisierten Gewalt/ sexuellen Belästigung etc. einzugehen, weil die Handhabe fehlt oder die (technischen) Möglichkeiten fehlen, um zum Beispiel zu beweisen, dass der Inhaber des PC dessen IP- Adresse nachweisbar ist, auch derjenige ist, der die Gewalt verübte.

Das ist eine Krux, doch nichts, wovor man weiter ohnmächtig bleiben muss.
Bleiben wir mal beim Sexting, sehe ich schon Möglichkeiten des Umgangs und zwar die, dass den Kindern und Jugendlichen klar gemacht wird, dass ihre Fotos, vielleicht nicht sofort hier in Deutschland aber in den Staaten, in denen die Server stehen, über die ihre Fotos wandern und weitergesendet werden, als illegales pornografisches Material gelten und dies eine Straftat ist. Das ist die Sachebene in der ich mir viel mehr Medienkompetenz in der breiten Masse wünsche, die über: “Ebay, Amazon, große böse Täterlandschaft = Internet” hinausgeht. Die Jugendlichen wissen um ihre Reichweite, sie wissen, was sie damit erreichen wollen und in der Regel wissen sie auch um das Risiko, das sie eingehen. Sie wissen es aber nicht auf allen Ebenen und können in der Regel noch keine so umfassenden Abwägungen anstellen, wie Erwachsene. Das heißt nicht, dass man sie davon entbinden muss- das heißt, dass sie Vorbilder brauchen.

Dann ist da die individuelle Ebene in der es darum gehen muss, Kindern und Jugendlichen eine Sicherheit in Bezug auf sich selbst zu vermitteln. “Du bist deine Daten, aber du bist nicht, was ein Algorhythmus oder sonst irgendjemand aus deinen Daten macht!”.
Damit meine ich nicht “Du musst deine Kinder zu Selbstbewusstsein erziehen” sondern “Es ist wichtig sich seiner selbst bewusst zu sein und genau den Blick dafür zu stärken und als ausschließlich von und für sich selbst als wertig zu schätzen.”.

Generation “Wehr dich doch”, will, dass die Politik alles richtet. Will die Vorratsdatenspeicherung, will Internetpolizei; will, dass wem etwas passiert ist, sich auch wehrt und zur Not auf die VerursacherInnen draufhaut und donnert empört seine rechtschaffende Faust auf den Tisch, wenn das nichts bringt.
Ohne sich zu fragen, ob das einfach vielleicht auch daran liegt, dass Gewalt nicht mit Gewalt zu bekämpfen ist.
Auch nicht in Sachen Internet.

Ich glaube daran, dass wir die gesamtgesellschaftliche Aufgabe haben, Gewalt als solche zu benennen; die Betroffenen zu schützen und zu stärken; die Taten zu ächten und die TäterInnen zur Verantwortung zu ziehen und in Sachen Internet dafür zu sorgen haben, dass jedes Unternehmen sich geschlossen gegen Gewalt und Ausbeutung zu stellen hat- sowohl in der Unternehmensstruktur, als auch im Hinblick darauf, welche Inhalte mit ihrer Hilfe geteilt und so verbreitet werden.
Die Anbieter hinter Internetdiensten und Co. sind in meinen Augen bis heute und auf sehr vielen Ebenen die unsichtbaren MittäterInnen in jedem Fall von Kinderfolterdokumentation und ihrer Verteilung über das Internet, in jedem Fall von Selbstmord eines Menschen nach einem Shitstorm und an jeder Gefährdung eines Menschen, der sich zur Ware macht/ zur Ware gemacht wird (machen lässt), weil er analog keine andere Chance sieht bzw. leben kann, etwas zu erreichen.

Es ist unser Internet und wir haben die Verantwortung es so zu gestalten, dass Gewalt darin keinen Platz hat.
Dazu müssen wir lernen, was genau Gewalt ist und wann wir selbst gewalttätig agieren- egal, über welchen Kanal wir gerade miteinander zu tun haben.

 

Ich war so froh um den Kaffee, den es nach dem Workshop gab und so stolz auf mich, dass ich nicht still geblieben bin.
Aber so langsam breiteten sich auch unangenehme Gefühle in mir aus.

obwohls alle™ machen

Es ist kein neues Thema.
Eigentlich.
Und doch kommt es immer wieder auf. Ist Anlass für Tränen, Wut, Fragezeichen, die wie Pilze aus dem Boden der sicher geglaubten Basis schießen. Verletzung, Kränkung, durch diesen, objektiv betrachtet, winzigen Schritt zu nahe an einen heran.

Trolle und Schwarmdummheit, wie es der Autor Arno Frank in der Fluterausgabe zum Thema „Internet“ in seiner Polemik: „Was sagt man dazu?“ nennt.

An vielen Stellen seines Textes nicke ich zustimmend.
Ja, das Internet ist ein Raum, der eine breite Öffentlichkeit anspricht und so frei gestaltet ist, dass, wenn schon nicht direkte Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt werden, jeder Mensch in der Lage ist, sich dort ein Nest zu bauen und von dort aus gegen AutorInnen von Blogs, Webseiten und Foren zu kommentieren oder großflächig Ketten rasseln zu lassen.

Niemand kann sie hindern, denn das Recht auf freie Meinungsäußerung greift, sofern sie nicht gegen andere Gesetze verstoßen.
Es ist entfernt von sozialem Anstand, von Respekt und dem Bewusstsein über die eigentliche Fremdheit zwischen AutorInn und KommentatorIn.

Das Internet stellt eine künstliche Form von Kommunikation dar.
Tatsächlich passiert im menschlichen Gehirn auch real nicht genau das Gleiche, als wenn man sich über die gleichen Themen analog austauschen würde. Ein Großteil unserer Spiegelneurone gehen schlafen, wenn wir im Internet chatten, Emails schreiben oder Twitternachrichten austauschen. Das sind genau die Neurone, die uns im direkten Austausch helfen würden Gefühle von Empathie und Nähe zu entwickeln. Kompromissbereitschaft verstärken oder auch Toleranz walten zu lassen.

Wir empfinden Texte oder auch virtuelle Kommunikation dann als „echt“ und „real“, wenn sie gewalt-ig ist oder einen ganz erheblich wunden Punkt bei uns trifft (und verletzt).
Ob dies bei allen Menschen so ist, weiß ich natürlich nicht, aber wenn ich von mir ausgehe, erklärt sich so auch, warum viele Kommentare in Foren, oder unter Artikeln hochgradig emotionsbelastet sind. Es sind starke Affekte, die da walten. Ein mittleres oder niedriges Erregungslevel senkt die Bereitschaft überhaupt einen Kommentar zu hinterlassen. Der Text hat ja auch nichts mit einem gemacht, was man nun unbedingt mal noch eben los werden will. Was soll man dann also noch darunter schreiben als: „Schöner Text“?

Unsere Haltung war zwischenzeitlich einmal die, dass wir davon ausgingen: „Es meckert niemand- dann kanns ja nicht so schlimm sein.“. Das ist eine Positionierung, die wir für uns allerdings ablehnen oder mindestens ungern hinnehmen. Einfach, weil sie bedeutet: „Ich muss gerade keine Gewalt aushalten, dann mache ich wohl alles richtig.“. Das ist, als würde man von einen Hundeerziehungserfolg sprechen, weil der Hund nicht mehr an der Leine zieht, weil er Schläge als Strafe zu erwarten hat.

So haben wir 21 Jahre lang leben müssen und wissen, dass viele Menschen da draußen noch immer so leben müssen. Das finden wir furchtbar, weil es Gewalt als normalen Bestandteil des Miteinanders impliziert.

In diesem Blog sind wir bisher fast verwöhnt worden. Zumindest erscheint es uns so, wenn wir erleben, was andere Menschen zu ertragen haben oder durchstehen mussten.
Wir hatten auch unter den feministischsten Artikeln noch keine Kommentare von sogenannten „Maskutrollen“ und wir haben keine direkt körperlichen Gewaltandrohungen erhalten.
Alles fein?
Nein.
Bereits drei Mal erhielten wir Kommentare von Menschen, die uns davon überzeugen wollen, dass Kinderfolterdokumentation auf freiem Willen der Opfer basierend entstehen. Acht Mal waren wir damit konfrontiert, dass uns jemand davon überzeugen wollte, dass wir es als erfüllend erleben würden, vergewaltigt zu werden.
Mehrere Male sahen wir uns Kommentaren gegenüber, in denen zumindest für uns ein Bild von uns als Person deutlich wurde, das einfach nicht stimmt.

Das Wunder der Rezeption!
Man sucht das Bekannte und verknüpft es mit den gemachten Erfahrungen, moralischen Werten und seinem Weltbild. Daraus entsteht auch die Kette: „Das muss der bloggende/ schreibende Mensch jetzt so und so meinen- geht ja gar nicht anders- meinen ja alle so“.
Schlimm, wenn dann jemand versucht ohne Wertung zu schreiben oder mindestens einen möglichst breiten Interpretationsraum zu erschaffen versucht. Das ist anstrengend und keine leichte Kost für zwischendurch.

Mir fallen solche Texte selbst oft schwer als Leserin, weil sie mich vornehmlich informieren oder mir Aspekte zum Nachdenken mitgeben, statt mir eine persönliche Meinung oder eingleisige Sichtweise zu präsentieren.

Entsprechend trifft es mich- uns als Autorin, die sich wirklich darum bemüht eben nicht auf Stereotypen und Eingleisigkeit zurückzugreifen, in der Hoffnung noch besser und noch richtiger verstanden zu werden, wenn mir Kommentare begegnen die implizieren, das wäre der Fall.
Das ist dann zum Einen eine Nichtachtung unseres Bemühens (mit dem Implizit einer journalistischen Leuchtfeuerleistung, die hier frecherweise enttäuscht wird, denn Überraschung: Wir sind weder Journalistin noch Leuchte) und zum Anderen eine unverschämt anmaßende Haltung uns als Person gegenüber, die nicht mit sozialer Nähe erklärt werden kann, wie man es vielleicht im analogen Leben tun kann, wenn man einander schon lange kennt, jeden Tag sieht und spricht.

Das löst ein berechtigtes Empfinden von Grenzverletzung aus, die wir hier für uns und auch unsere LeserInnen ausschließen wollen.
Wir sind darum bemüht hier eine sichere Insel für so viele Möglichkeiten des Lebens ohne Gewalt zu erschaffen, wie möglich. Doch natürlich ist dieses Bemühen angreifbar.
Schon allein durch unsere Position als Administratorin, die einzig durch die Verantwortung, die wir uns hier sowohl annehmen als auch einfach vor dem Gesetz haben, begründet ist, ist dieses Blog de facto kein gewaltfreier Raum. Doch das ist kein Freifahrtschein in Richtung: „Na wenn die das macht…“.
Auch nicht für uns.

Wir möchten uns hier aufhalten, ohne, dass uns, wie in den letzten Tagen, Übelkeit überkommt, sobald wir unser Emailpostfach öffnen oder die Website an sich.
Ich mag es nicht, festzustellen: „Yeay verdammt- wir können ja doch ganz schön giftstachlig werden, wenn uns jemand hier zu nahe kommt.“. Genauso wenig, wie ich es mag zwischen vernünftig denkenden Erwachsenen, wie eine Kindergärtnerin Grenzen aufzuzeigen. Vor allem, wenn sie für mich persönlich eigentlich mit Flatterband, Leuchtschildern und Warnhinweisen ausgestattet im Bewusstsein sind.

Wir haben diese Position inne, doch halten es für grundsätzlich möglich miteinander Kontakt zu haben, ohne, dass wir diese nutzen müssen.

Und da komme ich an einen Punkt, an dem ich nicht mit dem Artikel, der oben verlinkt ist, d’accord bin.
Nein, ich muss es nicht akzeptieren, wenn sich jemand hier so verhält. Und nein, nur weil es die Masse ist, muss ich ihr hier keinen Platz lassen. Nur, weil Gewalt im Miteinander als normal dargestellt und oft genug mit der Öffentlichkeitspräsenz legitimiert wird, ist sie noch lange nicht auch wirklich legitim!

Wir erinnern uns mal kurz was von 1939 bis 1945 eine Menschenmasse so richtig und normal und legitim fand…

Nur weil es viele Menschen tun, ist es nicht automatisch auch richtig.
Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt gegen andere Menschen, als Gewalt selbst.

Nur weil es noch nicht überall praktiziert wird, ist es kein unerreichbares Ziel, das wir hier verfolgen.

Was wir verstehen ist, dass auch wir Gefühle verletzt haben werden, falsch rezipiert haben können und mitunter eine Linie in unseren Texten fahren, die nicht die Gleiche unserer LeserInnen ist.
Verletzungen tun uns leid, natürlich- (ja, wir meinen Mariesofie und Mosine im Moment)- aber, sie entstanden nicht aus Willen heraus auch tatsächlich zu treffen, sondern aus einem Affekt, der auf etwas folgte, das nun einmal passiert, wenn man einander weder analog kennt, noch Körpersprache und allgemeinen Habitus lesen kann.

Wir haben dafür mit Psychosomatik deluxe bezahlt; uns Strategien für die Zukunft überlegt und uns klar gemacht, dass dies nicht alle Beteiligten auch tun.
Das ist etwas, das wir im Grundsatz akzeptieren, doch hier nicht dulden werden.

Wir sind nicht unsere Texte.
Wir veröffentlichen Texte von uns, doch versuchen dabei so wenig tendenziös wie möglich zu sein.
Wir haben eine Position inne, die uns eine gewisse Gewaltausübung möglich macht, doch wollen sie nicht nutzen müssen.

Es ist unser Blog, unser Wirken, unsere Gedanken, die hier sichtbar werden.
Wir wollen sie im Grundsatz akzeptiert haben, genauso, wie wir die Texte anderer AutorInnen im Grundsatz akzeptieren, stehen lassen und kommentieren, ohne die AutorInnen als Person in Frage zu stellen, zu bewerten oder über ihre Motive zu mutmaßen.
Das ist weder zu viel verlangt, noch impliziert es eine Intension von uns, immer und mit allen Texten unsere LeserInnen glücklich zu machen, oder das Denken, dies auch zu können.

Es geht um genau den Respekt vor der eigenen Person, den man in der analogen Welt schon oft genug vermisst.
Das Internet und unser Blog mit seinen Möglichkeiten Gemeinschaften und Austausch entstehen zu lassen, muss nicht so gestaltet werden, wie das Umfeld, mit dem man umgehen muss, wenn der Computer aus ist.

Auch wenns alle so machen.