mit dem großen Zeh zuerst

weißeRose Vielleicht brauchte es nur das. Ein einfaches “What the fuck?!” von jemandem, den ich nicht gut kenne, der auf etwas reagiert, was ich so ewig ohne ein Wörtchen an jemanden mit mir rumgeschleppt habe.
Einfach irgendwie eine spontane, ehrliche Mitfühlung eines WHAT THE FUCKING FUCK?!- Moments.

Ich habe wohl gemerkt, dass es mir schwerer als sonst fällt, diese Welt zu berühren und Kontakt mit ihr auszuhalten.
Einfach schon, weil sich in meinem Kopf die Optionen der Reaktionen stapeln. Er/Sie/ * könnte denken dass… könnte finden, dass… denkt bestimmt, dass… findet mich sicher… hasst mich in Wahrheit… sieht mich nicht… hält mich für unfähig… und überhaupt weiß ich doch sowieso, dass ich…
So ein Optionenstapel wächst, schmilzt, wird zu einem Brei in dem ich meine Tage verbringe und schweigend, einhaltend, warte und nur hier und da Dinge äußere, die mir “sicher” erscheinen.
“Dieses und jenes kann man sagen- hatten wir schon zusammen- geht… gerade so/gut/okay/sicher aushaltbar”. In meinem Kopfannahmenbrei ist das wie die Stange vom Bademeister.

Wenn man schon nicht unter Kontrolle hat, wer die Wohnung betritt; wer einen verlässt oder verlassen muss; den Lauf der Welt weder beeinflussen noch anhalten kann, dann ist still-halten im Kopfbrei, der sich immer realer, immer echter, immer wahrhafter anfühlt, je länger man ihn nicht der Überprüfung aussetzt, das, was ich eben kann.
Klappe halten, warten, atmen, so tun, als wäre nichts. Irgendwann ist auch sicher nichts. Irgendwann ist alles gewesen. Eine Episode. Vorbei und vergangen. Tüdelü.

Bis jemand “What the fuck” sagt.
Dann ist es immer noch vergangen und vorbei. Weit weg, vertan, versackt, dreimal verdunstet und als Augenregen in Kissen reingetropft.
Aber es ist dann _gewesen_
Kein Angstfreudealptraum, den man nur von sich weisen _kann_, weil Fähig- Mutig- Kräftigkeiten fehlen. Surrealität, Absurdität, das krass krass krass der potenziellen Eventualitätsoptionen soweit über den Kopf ragen, wie die drei Zauberbohnen.
Weil allein, verlassen, einsam. Weil Angst vor dem Leben. Dem Dann. Dem Wenn. Dem und dann und dann und dann und dann.
Diesem ganzen Lauf der Dinge, den man nur mitmachen oder ohnmächtig, still, stumm anstarren kann. Ohne Kontrolle, ohne Einfluss.

Vorhin ist mir aufgefallen, dass ich mir die ganzen Kontroll- und Sicherheitslosigkeiten in meinem Leben mit Hass, Ablehnung, Dummheit, Opportunismus, Ignoranz, Mitgefühlslosigkeit, Zwang und persönlichen Ohnmachten erkläre.
Die Menschen müssen mich ja hassen, mich verachten, zu dumm sein mich und meine Entscheidungen zu verstehen, nur auf sich selbst bedacht oder einer anderen Instanz unterworfen- sonst würden sie mich ja nicht verletzen, kränken, diskriminieren. Mich so ohnmächtig fühlen lassen.

War ja immer so.
Kann ja gar nicht anders sein.
Hast du das denn schon wieder vergessen Rosenblätterdummchen? Du bist einfach scheiße- was hast du denn gedacht, was sich ändern würde, wenn…?!
Alle sind mächtig und du nicht.
Alle anderen kriegen ihr Leben geschissen und du nicht.
Weil du kaputt bist. Verkorkst. Von Natur aus falsch. Du brauchst dir nichts auf deinen Phänotyp des homo sapiens sapiens einbilden.
Du bist nicht wie sie.

Und dann geht mein ganzer Kopfbreistapel kaputt, weil andere, die, wie ich sie sehe, alles richtig machen, gänzlich okay und in Ordnung sind, nicht mehr als ein “What the fuck” äußern, um dem was war zu begegnen. Genau wie ich, als ich damit konfrontiert war.

Was Gewalt und Überwältigendes kann, ist Trennungen zu verursachen.
Ich habe mich von Menschen abgetrennt, die mich lange und nah begleitet haben. Von Menschen, die mich lieber anschweigen als in die Konfrontation zu gehen.
Ich habe mich von meinem Körper abgetrennt. Von Mutreserven, die die Überprüfung meines Kopfbreis, meines Handelns, meines Seins im Hier und Jetzt ermöglicht hätten.

Ich war außer mir und hab vergessen wieder in mich zu gehen.
So macht man das. So hats klein Rosenblatt doch gelernt.
Wenn man außer sich bleibt, dann ist aller Hass, alle Gewalt, alle Abwertung okay. Man kann ja sowieso nichts daran ändern.
Alles was zu viel, zu nah, zu überwältigend war und in der Folge passierte, hab ich in meinen Brei aus erklärenden Annahmen geworfen und mich an meiner Bademeisterstange aus Äußerungskontrolle festgeklammert.

Ich hab mich räumlich, sozial, emotional getrennt gehalten und es war okay.
Und, weil es für mich okay ist, muss es für andere ja scheiße sein.
Für mich darf ja nichts okay sein.
Also Druck und noch mehr Isolation.
Noch weniger Atem.
Noch mehr Trennung.
Noch mehr Gewalt, die von mir allein ausgeht.
Noch mehr Selbsthass für genau diese Gewaltausübung.
Noch mehr Gedanken zu Sinnlosigkeit, Ohnmacht.
Noch mehr Stille.
Noch mehr um sich kreisen, statt in sich hinein fühlen.

Ich denke, es ist gut, wenn ich das so spüre und für mich ausdifferenziere.
Wenigstens meinem Kopfannahmenbrei wieder mehr Marker für seine Eventualität hinzufüge.
Ja, kann sein, dass mich alle Menschen hassen und das aus gutem Grund – kann aber auch sein, dass XYZ der Fall ist und der einzige echte Fehler von mir ist, meine Ängste zu Annahmen und meine Annahmen zu Wahrheiten werden zu lassen.

Ich kann immer noch Einsiedlerin werden.
Aber ich muss es nicht sein, weil ich Angst davor habe den Gefühlen und Handlungen anderer Menschen auf immer und ewig hilflos ausgeliefert zu sein, die ich dann irgendwie in meiner Kontrollstarre aushalte.

Reicht, wenn ich eine werde, weil mir Menschen sicher sagen, dass sie mich verletzen, kränken, zu Tode ängstigen, weil darum.

bis dahin könnte ich
mit dem großen Zeh zuerst
zurück in mich, an mich heran gehen

surreal

IMG_20140107_090507 Langsam kroch das Licht ins Zimmer. Schnitzte Umrisse schärfer, nuancierte Farben, verkündete den neuen Tag.
Ich hätte mir gewünscht, dass jemand bei mir ist.

War das echt? Dieses Gestern?
Wann spürte ich, dass es ein Kampf auf existenzieller Ebene wurde und diesen Kampf, mit den üblichen Empfindungen von Endlosigkeit inmitten der Krise, abgelöst hatte?

Ich hatte ein Zugticket gekauft.
Fühlte mich selbstsicher und stark, weil ich es geschafft hatte, eine Fahrkarte zu kaufen, die mich nicht “nach Hause” brächte. Weil ich mit einem Bahnmitarbeiter sprechen konnte. Weil ich sagen konnte, bezahlen konnte, machen konnte, was ich wollte.
Ich überlegte im Rausgehen, wo die kleine gelbe Eule hängen könnte. Wann ich die Ohrringeulen wohl tragen könnte.

Und dann trat ich wie Hans- guck- in- die- Luft in ein schwarzes Wurmloch und strudelte in der Art Angst, die mit Schweißflecken und Zittern einhergeht, zurück in die Innenstadt. Konnte nicht abrufen, wo ich war. Schickte meine SOS Signale durchs Handy. Ließ das Batsignal über den Himmel streifen und heulte in vielstimmigen Sirenen in den Äther.

Waren das Minuten oder Stunden? In welchem Intervall zerfaserfloss ich dort zwischen Spiegelwand und Juwelier? Wie lange kann ein Mensch in der Fußgängerzone still herumstehen, bis er auffällt?

“Sie hat gesagt, sie hat artig da im Wartezimmer gewartet und niemanden gestört. Hat sie sich da reingeschlichen oder wie war das?”. Es war die laute Gemögte. Die starke mutige, missachtende, die eigentlich irgendwie doch gar nicht mehr so richtig gemögt ist. Aber irgendwie doch. Oder nicht? Oder? Und wieso fragt sie mich, was ein anderes Innen wie gemacht hat, wenn doch sie die Quelle ist, die mir etwas sagen muss?
Es ist surreal.
Der arme Mensch im Wort „Therapeutin“.

Alles, was wir an dem Abend taten, war surreal.
Schmerzen, Muskelkrämpfe, beißender Dursthunger, Putz- und Spülmittel, Katzen, die ihre Köpfe schnurrend in meine Hand hineindrückten, NakNak* die ängstlich und verwirrt an meiner Seite war, eine wabbelige Körpergrenze und der dringdrängend notnötigende Zug zum Fenster. Später zu den Messern im Abwaschwasser.

Sie versteht die Bezeichnung “Gemögte” nicht.
Dabei war sie doch der Grund, weshalb wir nicht mehr von “FreundInnenschaften” sprechen.
Sie findet die Bezeichnung blöd.
Meine echten Gemögten mögen es.

Sie drängte zu trinken und zu essen.
Und ich war dankbar um diesen Druck von außen. Ich hatte schon lange weder gegessen noch getrunken.
”2 Tage sind schon gefährlich!”, hatte sie geeindringlicht und verständnislos den Kopf geschüttelt.

Was hätte ich ihr mehr sagen können als, dass ich das weiß? Es ging eben nicht. So einfach.
Mitternacht war es dann, als sie mich dann zu Hause absetzte.
Nicht einmal fragte, wie es mir inzwischen ginge.
Ob der Zug zum Fenster noch da sei.
Früher hätte sie gefragt und keine Antwort gelten lassen. So oder so, hätte ich bei ihr schlafen müssen.
Früher.
Wann ist das Früher zu Ende gewesen?

Mir tut jedes Wort, jeder Gedanke weh.
Trotzdem muss ich schreiben.
Muss ich sortieren.

“Ob das eine Art selbstverletzendes Verhalten ist?”, klirrte ein Gedanke auf den Boden und scheppert metallisch lachend von links nach rechts.

hier

lilaHimmelSie umkreisen einander, wie Monde einen Planeten.

3 Wochen waren lang.
Die Entfernung unendlich.
Die Annäherung brennt und reißt. Wärmt und erweitert.

Sie tasten vorsichtig. Nehmen auch das zarteste Fühlen in sich auf, wie tief ausgetrocknete Erden.
Fluten sich zu Ertrinkenden in ihrem Durst nacheinander.

Es ist noch immer wieder neu, wenn jene, die gehen auch wiederkommen.
Dass ein Abschied nicht für immer sein könnte.

da

Federkunst1 So ein sachtes Brummen, nur wenige Zentimeter von meinem Hören entfernt, vielleicht ein- zwei Fingerdicken unter ihrer Haut.
Und ich bin los- aufgelöst gehalten.
Wir sitzen auf dem Boden. Vielleicht, weil Erwachsene einander eben nicht auf einem Stuhl richtig in die Arme, auf den Schoß, ineinander hineinfallen können.
Und ich spüre, wie meine Tränen versuchen zu erkalten und doch von der Haut unter ihrem Pulli immer wieder erwärmt werden.

Sie summt irgendwas.
Sie ist nicht musikalisch, sagt sie.
Meinem Hören ist das egal. Es lässt sich auf den Wellen in ihrem Brustraum treiben und meinen Rücken herunter tropfen.

“Ich hab auf dich gewartet.”
– “Ich weiß.”
“Ist das blöd?”
– “Nee.”

Mehr muss ich nicht wissen.
So ist gut.

Jetzt ist es gut.
Jetzt kann das mit dem neuen Jahr und dem Alltag und allem auch für mich losgehen.

das Ist

Stifte rollen über den Tisch, Farben ergießen sich auf festes Papier und zerlaufen zu Formen.
Töne und Laute schrauben sich im Hals zusammen, um von der Zunge springen gelassen zu werden.

Da passiert so viel, wenn sie miteinander telefonieren.
Es braucht das freundlich vorsichtige „Hei du“ um anzufangen; die Lautsprachenmaschine im Rachen anzuschalten, die Betriebssysteme hochzufahren und aus dem stummstillen Sein, das nicht einmal mehr mit dem Hund sprechen kann, heraus zu brechen.

Es ist eine komplizierte Sache geworden das Sprechen. Die Sprache. Die Fähigkeit etwas auszusagen.
Treffen und soziale Interaktionen, die direkten Kontakt erfordern, sind abhängig von einer gewissen Unwissenheit, einem: „Ach ich red halt drauf los.“ vom Gegenüber, um die Tür zum Sprachserver zu öffnen.
Wenn es keine Ansprache gibt, gibt es keine Worte.

Das ist eine Abhängigkeit, die sie genau spürt und von der sie bemerkt, dass die meisten Menschen überhaupt keinen Zugang zu diesem Umstand haben.
„Ich bin ja auch verrückt“, denkt sie und schmiert eine weitere Schicht Panzerplattenepitel auf ihren Rücken.

Sie kann es noch.
Worte sammeln. Sinne bündeln. Fäden spinnen, aus denen ich Texte webe.
Sie kann es noch.
„Hei du“ wie Morgentau auffangen und in den Rachen fallen lassen. Erste Satzreflexe abhusten und sich der Situation versichern.

Dann sprechen andere und die sprechen anders.
Sichtbar, fröhlich, freundlich, offen und bewusst. Nah und fürsorglich, manchmal albern oder besorgt.
Die Ansprache macht sie wach.

P1010188Sie öffnen sich wie eine Rose von Jericho und lassen ihre Kunst zur Sprache ohne Worte werden.

Sie selbst hat sich einen Orden gemacht.
Für außerordentliche Mutigkeiten.

Dazu gehört das Telefonieren genauso, wie das Nichtsterben, wenn sie die Bilder am Morgen einsammelt und in die Mappe legt.

Wortlos, denn wann sie das nächste Mal ein Mensch anspricht, damit überhaupt Wortmaterial in ihrem Kopf landen kann, ist von Tag zu Tag anders.

Das ist, das Ist.

die eigentliche HeldInnentat

„Phu und jetzt noch zum Zürichsee und Bahnhofstraße?“. Draußen dunkelte es und die Anspannung floss langsam zu einem See unter unseren Plätzen im Zug zusammen.

Wir verzichteten. Irgendwann kommt man sicher noch einmal nach Zürich und sei es um diesen eigenartig bildungsspießbürgerungetümlichen Drang der Rosenblätter nach Wissen um die Geschichte eines Landes mit mehreren anerkannten Sprachen zu befriedigen.

Am Gleis des Hauptbahnhofs, an dem wir umsteigen müssen, sehen wir ein Kind seine Harfe schieben, einen öffentlichen Trinkbrunnen und kleine dicke Spatzen die im Sandbett zwischen den Zügen baden.
Viele Menschen, mehrsprachige Hinweisschilder und Züge, die anders aussehen als die in Deutschland.

Der Flughafen ist heimlich eine eigene Stadt, durch die ein eigener Strom fließt. Mal laut murmelnd, mal sachte ebbend, dann wieder sprudelnd und pulsend.
In einem kleinen Schrunzladen finden wir kleine Aufziehfiguren, im Zeitungskiosk eine NZZ. Wir bezahlen mit Euro und bekommen schweizer Franken zurück.
(Zu Hause stellt sich heraus, dass das Rückgeld zurück getauscht mehr Euros rein bringt, als ausgegeben wurden… so viel zum Thema „Ich habe mich nach vorne verarmt, weil ich schweizer Franken getauscht habe“- jetzt bin ich nach hinten reich geworden.)

„Habe ich schon mal „Menschen gucken“ gemacht?“, frage ich mich und schaue in den stetigen Strom von Personen über mein Wocheneinkauf- Star Buckskaffee und Snackdings hinweg.
Wir sprechen jetzt anders miteinander, meine Gemögte und ich. ´
Dort wie wir da sitzen geht mir das Grenzgefühl flöten.
Raum, Zeit, Körper und Selbstdichte matscht sich zu einer fließenden Masse.
Nicht brockig, nicht stockend, nicht zäh. Alles ist da, aber es ist unbegrenzt.

Wir machen Fotos von Flugzeugen auf dem Rollfeld draußen, finden einen kostenlosen Internetzugang und winken wild in die Twitterbubble, die uns fröhlich zurückwinkt.

Die Ausrichtung auf Konsum und der immer wieder auftauchende (plakative) Klassismus stößt mich ab. Irgendwie tut es weh und ist doch so nah, dass mein Blick dazu nicht besonders ist.
Im Duty Free Shop nehme ich die Tobleroneverpackung auf der „Zürich“ steht mit und nicht die Schokolade. Meine Gemögten bekommen alle welche- ich möchte nur diese glänzende Pappe in mein Bücherregal stellen und angucken.
Ich will das alles nur angucken. Nicht haben, wie es doch das Ziel zu sein scheint.
Dort in dem Flughafen gibt es Luxusgeschäfte. Echte Luxusgeschäfte wie „Tiffanys“, wo wir auch kurz drin sind um diese hauchzarten Schmuckstücke hinter Glas zu betrachten. Obwohl meine Gemögte logische Argumente für diese Einrichtung hat, fehlt mir der Haken um es zu begreifen.

Beim Einchecken werden die Passagiere in „Economy“ (drei Terminals rechts) und „first class“ (zwei links) aufgeteilt- um nach dem Lesen ihres Codes auf dem Ticket doch wieder nebeneinander zu stehen.
Beim Durchlaufen zum Sicherheitscheck das Gleiche.
„Alles, wie es mir wohl ist“ ist jetzt vorbei.
Hallo Hartz 4 – wie konnte ich dich vergessen?

„Wie siehst du deine Perspektivchancen in der Zukunft?“, war eine Frage am Samstag im Interview.
„Düster…“, ein Wort, das in meiner Antwort vorkam.

Wir fahren eine Roll-Nichttreppe zum Terminal an dem unser Flugzeug starten wird. Wieder sehe ich ein Raucheraquarium und bin froh noch immer (wieder) rauchfrei zu sein.
Meine altneue Jacke riecht noch so schön nach Waschmittel und dem Parfum, das wir uns zum Lebenstag schenken konnten.
Alles geht plötzlich schnell- die Zeit war doch ganz schön gehuscht am Ende.

Diesmal finde ich den Start nur schön.
Wie es mich in den Sitz drückt und für eine kleine Weile wieder ganz von allem entfernt. Alles was da unten ist, alles was war, was sein und/oder eventuell vielleicht werden könnte/ wollte/ sollte und gemusst werden müsste…
es ist weg.
Das Gefühl ist das Gefühl von Benzos nach 4 Tagen aus Angst nicht schlafen können und bei jedem Dösen ins Erinnern rutschen. Weich, weit, warm und doch irgendwie begrenzt an einer Stelle.

Ich fliege und es ist gar nicht mehr so groß. Wie lautes Zugfahren mit Ohrenknacken und zwischendurch auch Zahnschmerzen.
Draußen machen sich die hellen Wolken wie Schnee aus und an den Lichtern der Tragfläche, an welcher wir sitzen, sehe ich, dass es zwischen durch sogar kurz regnet. „Wir fliegen durch Wetter“, sagt meine Gemögte.

P1010240Als wir einen ohrenknisterknackigen Sinkflug anfangen mache ich Fotos.
Wir sind schneller gewesen, als angenommen.
„Ob der Pilot eine Abkürzung geflogen ist?“
– „Oder wir hatten Rückenwind.“
Wir sind sogar so viel zu früh, dass wir aus Versehen mit der Bahn schwarz fahren. Zugbindung fideralalalaaa

Es ist Mitternacht zu Montag, als wir uns am Bahnhof trennen und in Taxis zu unseren Heimathäfen steigen.
Vorher fragte ich, ob ich sie umarmen darf.
Ich habs gemacht und sie war echt. Immer noch.

Vielleicht ist die eigentliche HeldInnentat, dass ich nicht ein einziges Mal über die Tatsache geweint hab, dass ja jemand ist, der so etwas mit mir erlebt hat und erleben wollte; der mich- uns er-ge-tragen hat. So richtig fest und da. Immer noch.
Auch nicht über die Angst, die mir das macht. Nicht über die Sorge, die mir das macht. Nicht über die Bewunderung für den Menschen, die ich hab. Nicht ein Mal.

Bis jetzt.
Wo ich keine Heldin mehr bin und das das Einzige ist, das niemand von mir erwartet.

Ende

Klick hier, für den Anfang des Reiseberichtes.

Aufwachen und frei sein…

Zwischendrin war ich aus etwas wach geworden, das ich Mischtraum nenne.
Hatte Angst gehabt und war verwirrt, bis die Gemögte vom Bett nebenan gefragt hat, ob sie etwas tun soll.
Da hatte es dann aber schon zu klickern angefangen.
Auch und obwohl der Angstmotor etwas später noch einmal hustend loszustottern Anlauf nahm, als laute Stimmen von im Hotel ankommenden GästInnen vom Flur her schallten.
Aber sie war ja da. Nicht allein ist gut.

Es ist kurz nach 8 Uhr morgens, als wir beide richtig aufwachen und beschließen doch zum Frühstück runterzugehen.
Das ist schon wieder so außenstrukturiertes Essen und im Innen äugt es misstrauisch, ob irgendwelcher Essenspläne und Klinikmarker.
Ich finds toll. Es ist ein Buffet und die Menschen, die im Hotel arbeiten, fragen, was wir trinken möchten.
Ich kann meinen ganzen Platz vollmüllen und jemand anders räumt es weg. Ich kann vieles durcheinander essen und einfach irgendwie testerisch wirken (nicht etwa so, als wenn ich mich in den Wünschen von innen nicht einschränke). Also gibt es Brötchen mit Honig und Schweizer Käse, Schokocornflakes, Kaffee und Saft gleichzeitig. Sonntagsfrühstück, wie im Fernsehen finde ich. Ich wollte schon immer mal Frühstücksfernsehen leben. Zack!

Dann drehen wir eine Runde durch Brugg bei Tageslicht und machen viele Fotos, die nun in unserem Fotoblog „Einfach mal angucken“ zu finden sind.

Wir laufen und reden. Zeigen einander Dinge. Lachen.
Es ist irgendwie nah mit Abstand ohne Markierung.
Sie fragt, was es heißt: „Sie weiß ja nicht, was sie tut.“.
Ob sie die Metapher vom fröhlich in die laufende Kreissäge hopsenden Hoppelhäschen verstanden hat, weiß ich nicht. Ich will sie nicht draufstoßen. Denke kurz, es könnte ein Moment sein, in dem ich es könnte.
Zeigen könnte, was ich meine; die Worte dazu, die ich in den 4 Jahren, die wir uns kennen, wie Steine immer wieder in meinem Mund hin- und her bewege, hervorhole.
Und dann bleibt es doch eingewolkt, wenn auch vielleicht etwas klarer in der Luft hängen.

Jetzt- ausgerechnet jetzt- so deutlich zu werden, dass sich bei ihr Platz für Angst und Bewusstsein über mich und mein Innenleben, ausbreiten könnten, wäre, wenn nicht ein Schuss ins eigene Knie, so doch einer ins eigene Fleisch. Von innen beruhigt es mich, sagt mir ihre Worte vom Nichtmüssen nochmal.

P1010262Gegen Mittag kommt unser Mensch und lädt uns zum Kaffee ein, nachdem wir Touristenschokolade gekauft haben.
Ich habe am Frühstückskaffee gemerkt, dass der Kaffee in der Schweiz nichts mit dem zu tun hat, was ich mir zu Hause literweise in den Bauch schütte. Also trinke ich eine Schokolade mit X. Eine Xocolate oder so ähnlich. Sie ist großartig. Einerseits, weil es halt Schokolade oder „Schoggi“, wie es hier heißt, ist und andererseits, weil dieses Getränk genauso intensiv schmeckt, wie das Koffeeinkonzentrat, das sie Kaffee nennen. Es ist wirklich flüssige Schokolade.
Ach, dieses Café ist schön.
Es heißt Café „Frei“, ich sitze hier und mache Freiheitspraxis, neben uns sitzen zwei kleine Kinder, deren Schweizer Dialekt so klingt, wie der Dialekt, den alle Kinder in dem Alter haben und für einen Moment ist es einfach nur gut.

Dann gehen wir in Richtung Hotel, wo wir auch schon die beiden Filmer treffen und uns zum zweiten Teil richten.
An meinem Schal wird ein Mikrophon mit Puschel befestigt und an der Rocktasche ein Funkdingsi.
Diesmal steht das Reden aber nicht so im Vordergrund.
Erst einmal sollen meine Gemögte und ich nebeneinander hergehen. Gässchen rauf und runter, Treppen rauf und runter, von links nach rechts, stehenbleiben, gehen.
Sie findets toll. Sagt, sie geht jetzt zum Film, weil es ihr Spaß macht.
Ich schnappe mir den Fotoapparat und filme sie alle für 30 Sekunden. Ha!

Die Fotos von der Stunde im Park sind, die Schönsten, die wir je gemacht haben, finde ich. Es sind lauter Detailaufnahmen in der Natur. „Nach und nach werde ich sie im Fotoblog veröffentlichen“, verspreche ich dem Innen, das schweigend fotografiert, während Aufnahmen ohne uns gemacht werden.

Worüber wir dann sprechen ist schwieriger.
An den Bereich tasten wir uns gerade selbst erst heran und haben noch nicht die ganz genau passenden Worte gefunden. Wissen noch nicht genau, was wichtig ist, wo das Gewicht liegt und was helfen könnte.
Die Kälte, das aufgelockerte Miteinander, das Sitzen hier unterm Himmel in auch räumlicher Freiheit ist gut.
Ich glaube, drinnen ginge das nicht. All die Innens, die mich beim Reden stützen und mit mir auf Signale der BÄÄÄMs achten; meine Gemögte und das Fünkchen G’tt, das ich um Anwesenheit gebeten habe- wir hätten doch gar nicht alle in den Raum gepasst, wo wir gestern gedreht haben!

Dann sind wir fertig.
Bereit alle zusammen noch etwas Warmes zu uns zu nehmen, bevor meine Gemögte und ich die Heimreise antreten.
Wir gehen in ein italienisches Restaurant, wo es Stoffservietten und Toilettenbeschriftungen mit „Uomo“ und „Donna“ gibt. „Uomo“ bedeutet „Männer“- ich hab das mal für euch erkundet.

Die Filmmenschen schenken uns Berge auf einer DVD  und unser Mensch ein geheimnisvolles Geschenk, worüber ich mich freue
Wirklich schade, dass das Wetter so war, wie es war. Richtige Berge haben wir nicht gesehen. Aber „Hügel“, wie unser Mensch und meine Gemögte die kleinen Bergli’s, die wir sehen konnten nennen, waren das jetzt auch nicht.

Als wir beide im Zug in Richtung Zürich sitzen und so langsam alles von uns abfällt, denke ich immer noch an den Namen des Cafés.
Was wir heute gemacht haben ging alles nur, weil wir frei sind.

P1010183Weil uns niemand mehr abpasst, anspricht und mit Versprechungen in gewaltvolle Situationen bringt.
Weil wir nicht mehr so funktionieren, wie früher.
Weil wir nicht mehr allein sind.

Fortsetzung folgt  

…bis zum Ende des ersten Tages

Inzwischen ist es Mittag. Und immer noch Samstag.
Wir laufen auf glänzendem Steinboden zur Gepäckausgabe auf dessen Laufband der kleine Koffer unserer Gemögten einsam seine letzte Runde dreht.

Der Gedanke, dass mein Magen und meine Gefühle in mir, etwa die gleiche Strecke zurückgelegt haben könnten, wie der Körper als Ganzes, streift mich und geht in einem unwirklichem Flimmergefühl unter.
In den Ohren knistert es und ganz schwach ist da die Erinnerung daran, dass die Trommelfelle nicht so heil sind, wie die anderer Menschen. Vielleicht sind sie etwas in der Fähigkeit zu schwingen eingeschränkt.

In der Halle laufen wir „unserem Menschen“ fast in die Arme.
Und plötzlich eine seltsame Stille. Was soll man jetzt sagen?
Ich habe mir keine Worte überlegt.
Wieso nicht?
Achja- da war ja diese Kleinigkeit des ersten Fliegens, die mich absorbiert hatte.

Der Mensch holt zwei Granatäpfel aus der Tasche.
Ich spüre, dass ich viel ehrfürchtiger oder vielleicht auf eine andere Art dankbar oder anerkennend vor dieser Geste stehen sollte. Meine Fühler sagen mir: „Das bedeutet etwas.“.
Und zwar etwas Anderes als: „Hier hast du eine Frucht von mir.“.

„Eigentlich“, so denke ich, als wir durch einen Abschnitt mit einer Baustelle zur Bahnhaltestelle des Flughafens laufen und ich diese fremde Frucht in den Händen wiege, „weiß ich doch schon so, ohne jede andere Bedeutung, die an diese Frucht geheftet ist, dass es viel zu viel ist. Der Mensch hat an uns gedacht, als der sie in den Händen hielt und sie mir geschenkt. Und jetzt habe ich sie hier und weiß nicht einmal was genau es ist.“.

Irgendwann zwischendrin sage ich zu meiner Gemögten, dass es eine Frucht ist, die komisch guckt.
Wie die Avocado, die mir Frau Shehadistan geschenkt hatte und der kleine Hokaidokürbis, der irgendwann mal von einer anderen Gemögten kam.
Solche Früchte liegen in der Regel vorwurfsvoll schauend im Supermarkt, weil wir sie nie mitnehmen. Meistens, weil schlicht nicht klar ist, was wir damit anfangen sollen.

Wir fahren mit Fahrkarten, die Billets heißen, in einem Zug der schön riecht und gemütlich ist.
Sprechen und lassen unsere Fühler der Reihe nach übereinander gleiten. Ich soll alles sagen und machen, „wie es mir wohl ist.“. Dabei weiß ich doch gerade nicht einmal so wirklich, ob ich überhaupt gerade bin.

Wie schräg die Möglichkeit des Schlafens ausschlagen zu müssen.
Es war die dritte Nacht, mit knapp 3 Stunden Schlaf drin, in Folge. Hätte ich mich hingelegt, wäre ich eingeschlafen und nicht wieder richtig wach geworden. Doch bereits am Nachmittag soll der erste Teil stattfinden.
Wir besprechen also das Mittagessen und schauen auf die schöne Landschaft zwischen Zürich und Brugg, der Stadt, in der wir übernachten und für das Filmprojekt drehen.
Wie schräg übers Essen zu sprechen, Essen auszuwählen, wenn der Magen noch Flügel hat und zwischen den im Wind flatternden Adern unter der Haut, Schweinebammel macht.
Wie schräg durch eine Stadt zu laufen, die fast auch Gütersloh oder Minden sein könnte.
Wie schräg, dass hier keine Einhörner auf der Straße herumlaufen und ihre güldenen Hufe auf den Bonbonboden klicken lassen!

Mit vollen Bäuchen und einem groben Ablaufplan landen wir in unserem Hotelzimmer mit Blick aus den Eisiplatz. Es ist nicht das erste i am Ende eines Wortes, das uns für die nächste Zeit vor Lachkichergiggel die Gesichtsmuskeln und ach überhaupt alles entspannt.

Wir reden lauter Quatsch und stöhnen uns unsere Müdigkeiten vor, als wir nebeneinander auf den Betten liegen und die eisbecherförmigen Wandlampen angucken.
Meine Gemögte sieht aus, als wenn sie jeden Moment einschläft. Das darf sie aber nicht.

Einschlafen, das wäre jetzt wie weggehen.
Nach vorn machen wir Quatsch, aber nach hinten ist wachsende Fassungslosigkeit, dass sie immer noch da ist. Immer noch nicht die Schnauze voll hat von uns, von dem was wir sagen und machen, was das ganze Ding hier ist.
Es ist ein Spannungsfeld sie beim Dösen zu stören, weil es die Kinderinnens beunruhigt, obwohl es die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie wirklich von uns genervt ist und uns dann verlässt.

Um 14 Uhr 30 klopft es an der Tür und wir beginnen mit dem ersten Teil.
Es ist eine erst aufgeregte Atmosphäre, die sich aber nach und nach lockert. Das was ich sage, habe ich so oder so ähnlich schon vor vielen TherapeutInnen gesagt, im Blog geschrieben und sonst wie abgebildet. Alles was stört, ist die Müdigkeit und nach 2 Stunden ist der Kopfofen auch völlig aus.

Es ist okay. „Alles, wie es mir wohl ist.“.
Und an der Stelle merke ich ganz deutlich, dass es mir wohler ist, die letzten beiden großen Fragen auf ein Morgen nach viel Schlaf zu verlegen.
Später sagt mir meine Gemögte, die hinter uns saß, dass meine Konzentration spürbar war und es wie ein Energiestaubsauger gewirkt hatte. Ich glaube ihr das. Irgendwo in mir hatte sich auch etwas an alles und jeden in der Umgebung geheftet, um Kraft in meine Worte zu leiten, ohne welche von Innen abzweigen zu müssen.

P1010015Kurz nach 17 Uhr laufen wir durch die Altstadt von Brugg.
Die Aare ist der größte Nebenfluss des Rheins und wir stehen fast direkt daneben. Im Sommer, so denke ich, kann man hier bestimmt schön sitzen. Vielleicht angeln, schnulzige Gedichte schreiben und Leben essen.
Es rauscht schön, dieses schwarz goldene Strömen.

Dann gehen wir wieder ins Hotel und ziehen uns die Schuhe aus. Uffzen uns auf die Betten und atmen für eine Weile vor uns hin.
Ein bisschen Quatsch machen wir auch.
Ich merke, dass meine Ohren nicht mehr knistern.

Als unser Mensch mit bestelltem Abendessen zu uns kommt und wir im Bett (!) sitzend essen, hat es fast etwas von einem Hanni und Nanni- Mitternachtsfestessen.
Obwohl wir schon zur Seniorenzeit- also irgendwas um 21- 22 Uhr herum- in unsere Hüpfburgmatratzen hineinsinken und von Kirchengeläut begleitet einschlafen.

Fortsetzung folgt

named

vonbisSie hat sie gefragt, ob sie ihren Namen sagen kann.

Und ich, die sich durch das wabernde Ungreifbar kämpfte, stolperte und klatschte der Länge nach auf den Bauch. Sie hat uns noch nie nach unseren Namen gefragt.

Es ist nicht wichtig.
Außer vielleicht in der Therapie.
„Um dem Kind einen Namen zu geben“.

Ich lache

Fortsetzung folgt

Wiederholungsmüde

pinkblackI don’t wanna talk
If it makes you feel sad
And I understand
You’ve come to shake my hand
I apologize
If it makes you feel bad
Seeing me so tense
No self-confidence

But you see
The winner takes it all
– ABBA –

Wie ich es leid bin, um Kontakte zu kämpfen.
Selbst darum zu kämpfen gesehen zu werden und gleichzeitig vor Angst unter Blicken zu vergehen.

Ich bin es so leid, nicht in Austausch zu kommen, um ein Nebeneinander in Respekt und Verständnis zu sichern.
Ich bin es so leid, Zuschreibungen auszuhalten.
Ich bin es so leid, immer dazwischen und mittendrin zu sein und gleichzeitig außen vor.

Immer wieder muss ich mich ohrfeigen, weil ich mich in ein Zentrum stelle, das gar nicht da ist.
Nicht jede kritische Äußerung, nicht jeder Wunsch, nicht jede Aussage, die an mich gerichtet ist, hat ein Gefahrenpotenzial in Bezug auf mein Überleben. Und trotzdem legt sich dieser Schalter immer wieder um.

„Ich muss…“
„Ich bin scheiße…“
„Ich bin ungenügend…“
„Ich sollte…“

und immer läuft es darauf hinaus eine Beziehung bzw. einen Kontakt zu sichern. Immer wieder geht es darum Innens wegzumachen, damit der Rest von uns von jemandem behalten wird. Immer geht es darum zu gewinnen, weil verlieren diesen Schmerz hat, den diese Angst vor dem Sterbeprozess mit sich bringt.

Ich wünsche mir eine Instanz, die das Spiel abpfeift. Und jetzt, wo ich einen Gedanken an so eine Instanz habe, fällt mir auf, dass sich das Spielfeld schon längst in eine Arena, mit ineinander verknoteten und verbissenen SpielerInnen in sich, verwandelt hat.
Egal, wie sehr ich versuche meine Kämpferscharenschaft abzuziehen, die Starre ist da. Irgendwas zwischen Beißkrampf und Schmerzstarre.

Und der Witz- das Ding über das ich mich ausschütten könnte, dass mir das Grinsen im Kreis um den Kopf herum wandert und die Augen aus den Höhlen springen, ist: Es ist scheiß egal, ob ich selbst das direkt mache oder nicht. Ich hab Innenleben, das statt meiner in so eine Arena geht und beißt oder gebissen wird.
Ich spiele immer mit. Egal, ob ich will oder nicht.

Wir sind so gut darin uns immer wieder an Menschen zu heften, die uns zeitgleich das Gefühl von Sicherheit, wie das Gefühl von Todesangst verursachen. Die immer wieder genau das Muster der Familie° an uns heran tragen. Das machen wir parallel nebeneinander her und jede/r auf seinem Gebiet…

Selbstverständlich ist so ein Spiel nie zu gewinnen. Das haben wir in unserer Familie° auch nicht wirklich gewonnen. Da sind wir auch einfach abgehauen, weil uns jede/r gesagt hat, dass man die eigenen Eltern nicht ändern kann.

Und jetzt wollen wir wieder abhauen. Alles ungeschehen machen und neu anfangen.
Dabei wissen wir, was die Verluste bedeuten. Wissen, was beim Abhauen so alles von uns abgeschnitten wird. Wissen das ganz genau. Wenn die Therapiererei in den letzten Jahren eins gezeigt hat, dann wie viel verdammt tiefer Schmerz und wie viele bis heute verletzte Innens den Weg von dort weg gepflastert haben. Wie viel „was wäre gewesen wenn…?“ bis heute immer wieder aufkommt.

Es wäre eine Wiederholung. Nichts weiter.
Ich bins leid zu wiederholen.
Stehe zum x-ten mal vor diesem Loch im Weg und will es anbrüllen, dass es mich vorbei lassen soll, damit ich nicht schon wieder reinfalle.

Ich will kein Gewinner sein.
Ich will nur nicht schon wieder verlieren.
Ich möchte es schaffen, mit Menschen ein Miteinanderspiel zu haben, in dem es weder oben noch unten, weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Nur wie machen, wie gestalten, wie einfädeln…?
Ist es vielleicht nur ein Unwille anzunehmen, dass wir zu unfähig für dieses Ziel sind, der mich hier grad so antreibt einfach alle Kontakte nicht mehr zu erkämpfen, sondern versickern zu lassen?

Oder einfach ein lichter Moment?