Wiederholungsmüde

pinkblackI don’t wanna talk
If it makes you feel sad
And I understand
You’ve come to shake my hand
I apologize
If it makes you feel bad
Seeing me so tense
No self-confidence

But you see
The winner takes it all
ABBA

Wie ich es leid bin, um Kontakte zu kämpfen.
Selbst darum zu kämpfen gesehen zu werden und gleichzeitig vor Angst unter Blicken zu vergehen.

Ich bin es so leid, nicht in Austausch zu kommen, um ein Nebeneinander in Respekt und Verständnis zu sichern.
Ich bin es so leid, Zuschreibungen auszuhalten.
Ich bin es so leid, immer dazwischen und mittendrin zu sein und gleichzeitig außen vor.

Immer wieder muss ich mich ohrfeigen, weil ich mich in ein Zentrum stelle, das gar nicht da ist.
Nicht jede kritische Äußerung, nicht jeder Wunsch, nicht jede Aussage, die an mich gerichtet ist, hat ein Gefahrenpotenzial in Bezug auf mein Überleben. Und trotzdem legt sich dieser Schalter immer wieder um.

„Ich muss…“
„Ich bin scheiße…“
„Ich bin ungenügend…“
„Ich sollte…“

und immer läuft es darauf hinaus eine Beziehung bzw. einen Kontakt zu sichern. Immer wieder geht es darum Innens wegzumachen, damit der Rest von uns von jemandem behalten wird. Immer geht es darum zu gewinnen, weil verlieren diesen Schmerz hat, den diese Angst vor dem Sterbeprozess mit sich bringt.

Ich wünsche mir eine Instanz, die das Spiel abpfeift. Und jetzt, wo ich einen Gedanken an so eine Instanz habe, fällt mir auf, dass sich das Spielfeld schon längst in eine Arena, mit ineinander verknoteten und verbissenen SpielerInnen in sich, verwandelt hat.
Egal, wie sehr ich versuche meine Kämpferscharenschaft abzuziehen, die Starre ist da. Irgendwas zwischen Beißkrampf und Schmerzstarre.

Und der Witz- das Ding über das ich mich ausschütten könnte, dass mir das Grinsen im Kreis um den Kopf herum wandert und die Augen aus den Höhlen springen, ist: Es ist scheiß egal, ob ich selbst das direkt mache oder nicht. Ich hab Innenleben, das statt meiner in so eine Arena geht und beißt oder gebissen wird.
Ich spiele immer mit. Egal, ob ich will oder nicht.

Wir sind so gut darin uns immer wieder an Menschen zu heften, die uns zeitgleich das Gefühl von Sicherheit, wie das Gefühl von Todesangst verursachen. Die immer wieder genau das Muster der Familie° an uns heran tragen. Das machen wir parallel nebeneinander her und jede/r auf seinem Gebiet…

Selbstverständlich ist so ein Spiel nie zu gewinnen. Das haben wir in unserer Familie° auch nicht wirklich gewonnen. Da sind wir auch einfach abgehauen, weil uns jede/r gesagt hat, dass man die eigenen Eltern nicht ändern kann.

Und jetzt wollen wir wieder abhauen. Alles ungeschehen machen und neu anfangen.
Dabei wissen wir, was die Verluste bedeuten. Wissen, was beim Abhauen so alles von uns abgeschnitten wird. Wissen das ganz genau. Wenn die Therapiererei in den letzten Jahren eins gezeigt hat, dann wie viel verdammt tiefer Schmerz und wie viele bis heute verletzte Innens den Weg von dort weg gepflastert haben. Wie viel „was wäre gewesen wenn…?“ bis heute immer wieder aufkommt.

Es wäre eine Wiederholung. Nichts weiter.
Ich bins leid zu wiederholen.
Stehe zum x-ten mal vor diesem Loch im Weg und will es anbrüllen, dass es mich vorbei lassen soll, damit ich nicht schon wieder reinfalle.

Ich will kein Gewinner sein.
Ich will nur nicht schon wieder verlieren.
Ich möchte es schaffen, mit Menschen ein Miteinanderspiel zu haben, in dem es weder oben noch unten, weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Nur wie machen, wie gestalten, wie einfädeln…?
Ist es vielleicht nur ein Unwille anzunehmen, dass wir zu unfähig für dieses Ziel sind, der mich hier grad so antreibt einfach alle Kontakte nicht mehr zu erkämpfen, sondern versickern zu lassen?

Oder einfach ein lichter Moment?