Bindungen Beziehungen und alles was (fest)-bindet

Mein letzter Artikel hier war sehr lang und doch berührte er nicht alle Bereiche, die wichtig im Zusammenhang mit (Selbst)Schutz sind.

Ich versuche also in der nächsten Zeit weitere Bereiche zu beleuchten und so ergänzend zu schreiben.

Sich zu binden heißt, “an Etwas oder Jemandem dran zu sein”. Dran sein ist gut. Nähe ist guuuut! Nähe ist mit Verbundenheit auf einer Stufe. Wir Menschen sind Rudeltiere (ich verwende bewusst nicht den Begriff “Herde”- dazu später mehr) und von der Evolution (auch) zu Gemeinsamkeit und die Fähigkeit zu Bindung und Beziehung hin-entwickelt worden.

Schon das erste “Gutschi Gutschi Atta Atta Knuffi-Baby”-Gebrabbel von Erwachsenen gegenüber einem staunend dreinblickenden Neugeborenen, zeigt uns immer wieder von Neuem wie unwillkürlich- wie ursprünglich der Wunsch nach Beziehung, Bindung, Nähe, Kontakt bei uns Menschen ist. Klare Sache: zum Kindermachen brauchts zwei (die sich im günstigsten Fall nicht nur physisch nah sind), zum Versorgen und “Groß kriegen” sowohl körperlich als auch geistig) alle, die zur Verfügung stehen. Damit das Ganze abgesichert wird und diverse andere positive Nebeneffekte hat, gibts gratis zur Baby-begluckung noch Prolaktin und Oxytozinhöhenflüge, die für Wohlbefinden bei allen Beteiligten sorgen.

Wird die Fähigkeit eines Kindes Beziehungen und (An)Bindungen einzugehen, zu gestalten und zu pflegen empfindlich gestört- etwa durch permanente Nichtbeachtung (des Kindes oder dessen Signale) oder widersprüchliche Reaktionen, ist es möglich dass das Kind als Erwachsener Schwierigkeiten bekommt, überhaupt die grundlegendsten Impulse an sich in Bezug auf andere Menschen erstmal ganz basal zu verstehen, anzunehmen und anzuwenden. Es gibt ganz interessante Bücher zu dem Thema- irgendwie scheint das grad so ne neue (Erziehungs)Trendkiste zu sein. Also man wird auf jeden Fall fündig.

Ich habe an mir bzw. meinem System gelernt, dass Bindungsfähigkeit etwas zu sein scheint, dass Kinder immer zu “können” scheinen. Und, dass sich diese Fähigkeit extrem anzupassen in der Lage ist. So war es bei uns lange nicht einmal ein Mensch der unseren wichtigsten Bezug zu uns, der Welt(sicht bzw. dem Verständnis selbiger), der körperlichen und sozialen Grundversorgung darstellte. Es gab niemanden anderes- also wurde der der am ehesten geeignet war genohmmen. Völlig pragmatisch und lebensrettend. Im Ausnahmezustand eine hervorragende Wahl und wieder hat uns unser genetischer Rucksack ein evolutionär angepasstes schweizer Taschenmesser mitgegeben.

Doch was passiert, wenn die Lage friedlich ist? Wenn da plötzlich Menschen sind, die perfekt in der Lage sind völlig normale Interaktionen zu beginnen? Wenn da auf einmal nicht die Grundfragen: “Hopp oder Top”- “Leben oder Sterben”- “Freiheit oder Gefangenschaft”-  so übergroß vor einem stehen, dass die Tragweite (oder- um Himmels Willen! gar die reale (nicht die angenohmmene) Intension des Gegenübers)  nicht überblickt werden kann?

Wir sind damit bis heute überfordert und neigen dazu zu idealiseren (oder auch: grenzenlos zu ver”wachsen”), wer nett zu uns ist und übermäßig abzulehnen und teils sogar komplett aus dem (Alltags)Bewusstsein zu nehmen, wenn jemand es nicht (mehr) ist. Ganz interessant ist es für mich zu sehen, dass es zwar nachwievor dauert bis eine wirkliche Anbindung an jemanden geschiet- aber dass es überhaupt noch möglich ist, verlangt mir in Anbetacht dessen, was manche von uns ertragen mussten, einen Kniefall ab.

Wir hatten und haben viele HelferInnen, eine Freundin (diese diese Bezeichnung erst jetzt nach einer Beziehung und knapp 7 gemeinsamen Jahren erhalten hat) viele “Bekannte” (was aber bei uns soviel heißt wie: kenn ich- trau ich zu 52,5% übern Weg- darf sogar näher als andere an mich dran treten-aber Vertrauen oder sowas geht irgendwie nie) und die Menschen in meinem winzigen Miniforum mit denen eine ganz besondere (weil rein virtuelle) Beziehung aufzubauen nachwievor spannend ist. Aber dieses ganz freie, unwillkürlich natürliche “Auf andere Menschen zu  gehen” fehlt bei uns.

Die meisten Interaktionen lösen doch immer irgendwo tief innen (Todes)Angst, Unruhe, Misstrauen und Abwehrspannung aus. Wohingegen aber Gesten von Nettigkeit (und das beginnt für manche schon bei: “Von dann bis dann darfst du mir die Schuhe ablecken (anstatt selbige dich tretend zu erleben)”.) oft Anstürme von Dankbarkeit, Errrettungsphantasien, Devotheit und der Bereitsschaft zur Selbstopferung auslösen.

Das ist die erste Instanz. Natürlich muss obendrauf dann noch die Selbstzensur greifen und selbstverständlich darf diese nicht selbst-fürsorglich (nachsichtig) sein. Nein nein- ganz logisch muss sich wie ein Perpetuum Mobile die Gewaltspirale im Inneren fortbewegen:

– Verachtung (weil klar- Mitgefühl für….?! Woher denn?!) für Dauerpanik (weil nichts anderes kennengelernt wurde)

– Verärgerung über diese Verachtung (weil “man ja in der Therapie gehört hat….”),

-Hilflosigkeit über dieses Dilemma (weil diese Variante irgendwie nie besprochen wird in der Therapie oder durch selbige irgendwie (be)handelbarer wird)

und als Reißleine über alles dann das, was immer und zu allen Zeiten wieder Ruhe in den Bau gebracht hat: Aggression/Manipulation am Körper, welche dann nach allen Regeln der Unterwerfung doch wieder HelferInnen “gebeichtet” wird,

was wiederum eine Spirale von diversen “Draufkloppern” braucht…

Um sich sowas zu sparen haben wir irgendwann wohl aufgehört soziale Interaktion wahllos und direkt zu betreiben. (Ich fürchte fast sogar, dass die verschiedenen Pseudotherapieen die die Selbstverletzung als Symptom im Fokus hatten, das sogar noch verstärkt haben.) Ein kurzer Blick über einen normalen Tag (ohne Freundes/Bekanntenkontakt) zeigt eigentlich unübersehbar, dass wir es hinkriegen unter 100 Menschen zu sein- aber mit niemandem direkt in Kontakt zu treten- obwohl jemand von uns gerade spricht und 100 Menschen mit uns in Kontakt sind! So ist es perfekt. So müsste es immer sein. Ist es aber nicht.

Die Menschen kommen. Die Menschen gehen. Manche bleiben länger und selbst bei uns baut sich ein Gefühl von “okay- also sie ist okay- also ich trau der so 60% übern Weg- das geht- steht sie noch an der Stelle wo ich gesagt hab: Nich weiter?- Ja!- Boa!- Okay… ja sie ist okay….”, aber auch die müssen irgendwann gehen. Sie wollen es vielleicht nicht- vielleicht doch. Wir wollen es nie. Aber müssen- wie immer und alle anderen Menschen auch.

Der Halt den man in anderen Personen findet kann der Haken sein, an dem man sich festtackert, wenn das System in eine Richtung zieht und zerrt, die aber die Selbstzerstörung darstellt. So war es für uns im ersten Schritt sehr oft die Freundin die uns als mit der stärkste (und widerhakigste) Haken, dann eine zeitlang ein therapeutischer Kontakt und jetzt ein ganzes Netz von Menschen, Orten und Tieren das sich wie eine Haihaut gegen den Strich aufzustellen vermag und wie ein Reißverschluss in unsere Verzweiflungstatbestrebungen eingreift.

Ganz genau wie es ein Rudel(chef) in der Regel macht. Wer Blödsinn im Sinn hat, kriegt nen Schauschnapper neben die Schnute (denn er könnte alle gefährden). In Herden ist es leider so, dass das dümmste Schaf die erste Mahlzeit wird- der Rest hat sich nämlich derweil verpieselt.

Derzeit ist feststellbar, dass es aber bei aller Verfügbarkeit von Haken ganz erheblich an uns hängt eine wahrhaftige Schlaufe zu bilden und sich dran zu hängen. Eine Schlaufe die komplett und in Gänze jemandem einzig und allein gilt, weil wir demjenigen gehören, ist eine andere als die, die man zeigt, weil man Gefühle nicht verletzen will oder denkt man müsste eine bestimmte Grundhaltung vorschützen, weil man sonst… (namenloses Elend). Und beides hat nichts mit dem zu tun, was langfristig und vernünftig auch haltbar ist.

Wie scheiße ist das bitte?! Wie verstümmelt ist der Instinkt, wenn man nur noch sowas hinkriegt?!

Allen Informationen zum Trotz habe ich keine Literatur darüber gefunden (oder konnte verheißungsvolle Titel dazu nicht bezahlen) ob Bindungsbereitschaft und Beziehungsgestaltungsverhalten/- Empfinden von frühtraumatisierten Menschen komplett und rund wieder hergestellt werden kann.

Werden wir uns damit abfinden müssen alle sozialen Beziehungen immer dem Radar auf “Verkorkstheiten” zu unterziehen? Uns immer wieder “auf die Finger zu hauen”, wenn wir jemanden auf einen Thron heben oder aus dem Bewusstsein stoßen (wollen)? Uns immer wieder in haltlosen Zeiten wie jetzt fragen müssen: “Ist das hier grad “Kontakt” oder Kontakt? Reicht das hier jetzt als Haken oder ist der Sog zu altbekanntem gerade doch wieder hilfreicher/hakiger, weil bekannt und damit sicher und damit wieder eine Art Kontakt die “kontrollierbar” (haha) ist?”

Werden wir also ein “Anti”- der Überlebensstrategie leben müssen, weil sie inzwischen “krank” ist oder lebt sich irgendwann das auch bei uns ein, was man halbwegs spontan und geund nennen kann?

Ich werds mal sehen.

Am Hundhaken hängende Grüße aus dem derzeitigen Chaoswirbel genannt: “das Leben der C.”

Täterkontakte, Selbstschutz, Ausstieg und persönliche Freiheit

Man wird multipel wenn man von Anfang an, immer wieder, massiver Gewalt ausgesetzt wird
– niemand hilft
– niemand tröstet
– niemand schützt
und niemand hilft das Erlebte zu verarbeiten.

Für viele Menschen mit DIS sieht der Weg zur Diagnose so aus:
Man lebt ein normales Leben, hat evtl. eine Familie gegründet, arbeitet gut und gerne in seinem Beruf, steht offenbar mit beiden Beinen im Leben. Bis “plötzlich” erste Symptome auftauchen.
Der Eine kann plötzlich nicht mehr schlafen, der Nächste merkt plötzlich: “Hä? Juli?! Ich saß doch gerade noch unterm Tannenbaum!”, wieder andere erleben von jetzt auf gleich eine Flut von Erinnerungen bzw. Bruchstücke davon.
Es gibt natürlich auch die Variante der “Betriebsirren” (also jemand, der schon sehr lange sehr falsch behandelt in einer Psychiatrie vor sich hin dämmert und nie eine Chance das Erlebte soweit weg zu drücken um ein normales Leben aufzubauen) oder der Frau, die IMMER irgendwas hat und JEDER unbedingt was davon haben muss.

Jedenfalls stellt sich irgendwann (dann endlich irgendwann beim richtigen Therapeuten/ der richtigen Klinik) die Frage nach Täterkontakten bzw allgemein der äusseren Lebensbedingungen in denen sich der schwertraumatisierte Mensch aufhält.

Manch eine Multiple ist mit einem Mann verheiratet der sie im Grunde genauso vergewaltigt und quält, wie es der eigene Vater damals tat. (Und “weil mans ja schon kennt” und entsprechend weiß was man tun muss- etwas, dass widerlicherweise sogar noch beruhigender wirken kann, als die Anwesenheit von einem Partner, der keine Gewalt ausübt- wird dieser Faktor als “normal” betrachtet von der Frau)

Manche Multiplen kommen tatsächlich aus dem organisierten Verbrechen und leben ein Leben zwischen Bankschalter und Sado-Maso-Dienstleistung (und die Alltags”personen” wissen das nicht einmal, denn sie funktionieren nachwievor, wie das Kind, dass sie früher einmal waren- und diejenigen, die die “Dienstleistung” ausführen kennen es nicht anders- haben evtl. noch nicht einmal irgendwann etwas anderes erlebt).

Der Weg dort hinaus- sei es aus einer gewaltätigen Ehe, einer sadistischen Gemeinschaft, einer sexuellen Ausbeutung durch Dritte oder auch schlicht der eigenen Familie ist kompliziert, schmerzhaft, gefährlich und natürlich in jedem Fall eine Belastung für alle Beteiligten. Aber: sie ist nötig um zu heilen. Es gibt keine Heilung, wenn immer und immer wieder die Seele eines Menschen erschüttert wird.

Man muss also a) erstmal merken, was da mit einem passiert.
Was glauben Sie wie schwer es sein kann so etwas zu bemerken, wenn man unter Umtänden nicht einmal sein eigenes Körpergeschlecht bemerken kann? Oder wenn man Schmerzen nicht bemerkt, oder wenn man ausserstande ist seine Umwelt wirklich richtig wahrzunehmen. Oder wenn man schlicht ein Leben führt, in dem die Erkenntnis von weiterführendem (oder auch früherem) Leiden dafür sorgen kann, dass der Mensch einfach nicht mehr leben könnte/ will/ SOLL?

dann muss man b) in der Lage sein (sich selbst so ernstnehmen/ sich selbst gegenüber so fürsorglich sein- bzw sich selbiges überhaupt erst einmal zugestehen/ zu erlauben) dieses Elend  (das man als solches auch erkennen/ anerkennen muss) zu beenden.Ganz für sich und vor sich allein. Jemand der denkt er wäre es nicht wert anders behandelt zu werden, jemand der eine Alternative nie kennenlernen durfte (oder kann, weil er von Psychiatrie zu Psychiatrie gereicht wird), jemand der das was passiert, als richtig, als identitätsstiftend, als Teil einer Arbeit an “Höherem” empfindet und sich über die Gewalt definiert (und damit bestätigt, beruhigt und nährt) wird sich hüten einem Therapeuten, Arzt, Sozialarbeiter und was es nicht alles gibt, um den Hals zu fallen und sofort mit dem Ausstieg/ Abbruch beginnen.

und letztlich muss man c) genau überlegen wie, wann und mit wem der Ausstieg bzw der Kontaktabbruch passieren kann.
Hier ist es fundamental, dass der Klient den Weg bestimmt- nicht der Helfer! Um diese Aufgabe zu schaffen braucht es ein Maß an Selbsttrost, Selbstfürsorge, Mut und innerer Kraft, dass von aussen nicht “reingeschüttet werden kann”. Es braucht ein sicheres, starkes, flexibles, soziales Netz und: Gewaltfreiheit als erstrebenswertes (und auch “den Schmerz wertes”) Ziel.

Wir haben inzwischen einige Therapeuten kennengelernt und damit einige verschiedene Herangehensweisen.

Es gab eine Therapeutin, die sich wie eine Löwin vor uns stellte und Menschen aus unseren Zusammenhängen auf den Kopf zu sagte, dass sie den Kontakt verhindert, weil sie erkannt hat, dass sie Täter an uns geworden sind und wir nicht in der Lage waren uns allein vor ihnen zu schützen. Gut- damals waren wir noch minderjährig und waren allgemein eher überfordert mit dem, was hinter unseren Problemen stand. Aber es gibt auch Therapeuten, die sowas machen, wenn der Klient erwachsen ist. In so einem Fall handelt der Therapeut nur nach aussen hilfreich. Sowas wirkt in der Regel wie ein Stück Brotpapier: durchscheinend und nur einmal nutzbar, denn der Rücken der hier breit gemacht wird ist der der Therapeutin- nicht der des Menschen der sich um seinen Schutz bemühen muss. (Ich lasse hier jetzt einfach mal noch die div. Abhängigkeiten und Übertragungen raus die mit sowas einher gehen- es  gibt nämlich oft genug auch “Innenpersonen”, die so einem Therapeuten derartig dankbar sind, dass sie sich bis aufs Äusserste ans Messer liefern würden um so eine Aktion zu vergelten. Oder diejenigen, die das mal so gar nicht wie die Therapeutin sehen…) Hier will der Therapeut in erster Linie (vielleicht auch nur sich selbst) zeigen, dass er nicht hilflos ist und sich wehren kann und seinen Klienten “retten/schützen/bewahren” kann.

Dann gibts noch die: “Sie müssen da sofort raus, sonst…(Therapieende, Beziehungsende, Lebensende…)”- Leute. Ende Ende Ende “Oh Himmel! Wir werden alle steeeerben!!!! Die Welt wird untergehen und wir werden alle nicht mehr sein.”

Sowas finde ich persönlich immer etwas albern und dumm. Natürlich ist Gewalt schlimm. Gewalt zerstört, prägt und krankt. Aber: sie ist überlebbar. Es fühlt sich nie so an. Es dauert immer endlos (im Gefühl). Es ist immer verheerend und schrecklich. Aber: sie wurde überlebt und sie wird es von vielen in der Phase noch immer überlebt. Manchmal muss man das Geschehen so runterbrechen auf diesen einen Satz, sonst wird man noch verrückt von der Angst dieser Leute. Ich weiß nicht wie sich bei manchen Menschen so eine überschießende Panik entwickelt.  (Obwohl naja: alle Therapeuten/ Helfer, die ich mal kennenlernte und die so waren, hatten selbst teils erhebliche eigene Traumata erlebt oder waren allgemein immer total schnell eine “Einheit mit uns” (hatten also im Punkt der professionellen Distanz komplett versagt). Auf jeden Fall vergessen diese Menschen immer eines: nämlich dass es sich bei ihrem Klienten um ein Wesen mit eigenem Denk- und Handlungspotenzial handelt. Dass es Ressourcen gibt. Dass es eine Eigenverantwortlichkeit gibt. Dass diese Klienten leben und dass sie überhaupt zur Therapie/Begleitung erscheinen! (Ich verstehe nicht wie sowas vergessen werden kann: Wie kann der  wohl größte/ “frevelhafteste”/ mutigste/ schonungsloseste/ eigenverantwortlichste Schritt den der Multiple bis zu dem Zeitpunkt jemals gemacht hat- nämlich den sich Hilfe zu holen, obwohl er nie Hilfe erhalten hat (also ein Verhalten, dass sich bis dato nie als “richtig” oder (mit angenehmer) Konsequenz beladen erwiesen hat), einfach vergessen werden? Wie passiert es, dass diese Tatsache nicht erstmal in aller Ruhe gewürdigt und als positive Ressource “festgetackert” wird?

Meiner Meinung nach, schürt so ein Verhalten von Helfern grundsätzlich die Abhängigkeit des Klienten und untergräbt bzw verhindert von vornherein die Entwicklung des “Für sich selbst eintreten”-Könnens. Wir haben uns phasenweise auch total auf solchen Menschen ausgeruht (teils erwische ich sogar nachwievor “Innenpersonen” die das tun bzw. zu tun gedenken). Aber sowas macht klein (“Ich bin zu klein/ zu schwach/ zu ohnmächtig/ zu hilflos/ zu krank, um XY zu tun”- das ist ein Phrasencocktail von früher: “Ich bin zu klein um mich zu wehren”; “Ich bin zu schwach um zu schreihen”; “Ich bin ohnmächtig und kann gar nichts tun”; “Ich bin hilflos und kann nichts ändern”; “Ich bin zu krank um ein Opfer zu sein (ich bin schon immer so) “ Das sind innere Wahrheiten, die nichts in der Gegenwart zu suchen haben- Helfer ganz allgemein, sollten ihre Klienten in der Trennung von Früher und Heute unterstützen- nicht ihnen das Gefühl geben, dass diese Wahrheiten nachwievor gelten (müssen- sonst wäre es ja nicht so wie es ist).

Die nächste Variante der Ausstiegsbegleitung ist das Vorgehen nach Lehrbuch. (Wobei- ich mir nicht vorstellen kann, dass das was ich gleich beschreibe wirklich irgendwo genau so steht).     Kein Telefon, kein Handy, kein Internet, keine Post, keine eigene Wohnung, kein eigenes Konto, ausschliesslich eigenes Eigentum (also keine Geschenke oder so) keine Kontakte ausser therapeutisch wertvolle; dann klappt das schon mit dem Ausstieg.

Über sowas kann man eigentlich mal herzlich lachen. So ein Vorgehen ist lebensfern und abhängigkeitsschürend. Es kann hilfreich sein abgeschottet zu sein, wenn massives Stalking, offene Bedrohnung und direkte Gefährdung von Leib und Leben vorliegen. Logisch. Als ERSTLÖSUNG kann es wirklich gut sein, sich erstmal zu fangen, zu sortieren (evtl. mit dem Therapeuten) und Boden unter die Füße zu bekommen. Daran gibts nichts zu rütteln. Aber: es gibt Menschen, die meinen für Menschen aus dem organisierten Verbrechen oder sadistischen Gruppierungen sei dies die einzig wahre Möglichkeit einen Abbruch bzw. Ausstieg durchzuhalten und zu schaffen. (Quasi das Eremitendasein als einzige Möglichkeit sich zu befreien)

Wir haben so eine Phase gehabt. Wir lebten bei einer Freundin und hatten nichts eigenes mehr. Weder mussten wir uns um die Lebenssituation noch um die Seelensituation kümmern. Für 2 Wochen war das wirklich gut und hilfreich. Wir hatten keine sichere Alternative woanders- aber gesucht haben wir auch keine. Nach den 2 Wochen kam die große Depression. So umfassend, dass sogar kleinste körperliche Bewegungen Schmerzen auslösten. Eine weitere Fessel an die Abhängigkeit.
Als es aufwärts ging (nach 4 oder 5 Monaten) waren wir soweit, dass wir uns der Freundin in genau der gleichen Art und Weise verpflichtet fühlten wie den Tätern. Und das bedeutet: auf Gedeih und Verderb.

Nun hatten wir das Glück, dass unsere Freundin nicht doof ist und niemals in irgendeiner Form von unserem Leid profitiert hat. Dass sie einfach nur nicht weggucken wollte. Aber wir hätten auch Pech haben können und uns an jemand anderen binden können. Wo würden wir dann heute stehen? Wir wären eine Art Haustier mit nichts anderem als Lebensrealität als dem was in der Wohnung bzw. im direkten Umfeld selbiger möglich ist. Und vermutlich würde unsere Freundin inzwischen ausgebrannt und unglücklich sein.  Der Preis der Freiheit? Mit nichten!

Das Coole an Freiheit ist, dass sie kostenlos sein muss um als solche zu gelten.

Die letzte Möglichkeit für äussere Sicherheit (durch Kontaktabbruch/ Ausstieg) zu sorgen ist auch die, die uns bisher am Besten geholfen hat, da sie umfassend ist.
Langsam, rational begründet, allein auf uns und unsere Fähigkeiten aufbauend und flexibel.

Es gab bei uns eine Zwinge aus äusseren und inneren Faktoren die immer wieder zu Täterkontakten führten. Da wir einige äussere Faktoren nicht ändern konnten (Ämter bzw. die gesetzlichen Regelungen drum rum und die direkte Abhängigkeit von staatlichen Leistungen etwa) war klar, dass der veränderbare Schenkel dieser Zwinge nur wir selbst sein können.

Wir haben nach dem direkten Akt der Verfügbarkeitsverweigerung gegenüber der Täterschaft alles an Stabilierungsangeboten angenohmmen was sich uns bot. Von Klinikaufenthalten bis Beratungs/Stabilisierungsgesprächen in Beratungsstellen, einer psychotherapeutischen Begleitung und natürlich auch der Freundschaft zu zwei Menschen in unserem Umfeld. Wir haben uns versteckt, wurden entdeckt, haben uns versteckt, wurden entdeckt…. etc Bis wir wirtschaftlich am Ende waren und einfach auch klar wurde: Hallo- die bringen uns dazu immer wieder zu ihnen zu kommen- wir verhalten uns wie Marionetten, dabei gibt es keinen Hinweis darauf, dass auch nur eine der Drohungen wahrgemacht wird bzw wahr gemacht werden kann ohne “aufzufliegen”. Irgenwann drang diese Information zu genug von uns durch, dass wir aufhörten uns zu verstecken, zu verkriechen, Verantwortung bzw Versorgung von Schutzbedürfnissen auf andere zu übertragen. Wir hatten endlich bemerkt, dass wir uns durch die Angst anderer (“Die könnten euch überall kriegen”), völlig irrational zu verhalten begannen. Natürlich fuhren wir auch folgende Schleife: “Ja wenn sie uns überall kriegen können, dann gibt es gar keine Sicherheit- wir sind ausgeliefert für immer!”

Quatsch! Ja: es gibt nie 100%ige Sicherheit. Ja: Man kann immer gefunden werden aber Nein: Deshalb ist man aber nicht (schutzlos) ausgeliefert (wie früher)!

Wir sind inzwischen an einem Punkt an dem wir sagen: Es ist egal wie oft und in welcher Form Täter mit uns Kontakt aufnehmen- wichtig für unseren Schutz ist nicht, wie wir uns fühlen, sondern wie wir uns verhalten! Egal wie verunsichert wir sind, egal wie groß der Drang (eingefolterte Zwang), der Wunsch oder die Liebe zu den Tätern ist: das was zählt ist, wie wir handeln. (Natürlich spielt hier eins ins andere rein und so strikt wie die Trennung nun bei uns ist, war sie früher auch nie. Und ganz sicher ist das nicht der Topf am Ende des Regenbogens!). Wir haben noch nie mit täterloyalen Anteilen arbeiten können. Das war bisher nicht möglich und ich denke im Moment ist es auch genau gut so. Mit diesen Impulsen umzugehen erfordert denke ich sehr viel mehr inneren Zusammenhalt und der hat sich bei uns erst in den letzten paar Jahren entwickelt. Irgendwann werden wir es sicher aushalten können zu sehen, was geschehen ist und irgendwann werden wir sicher auch aus dem rational wahrgenohmmenen “XY ist ein Täter” ein gefühltes und angenohmmenes “XY ist ein Täter- ganz echt und wirklich” machen können.

Aber das steht für uns nicht an erster Stelle (was manche Therapeuten ganz fürchterlich finden- doch wie gesagt: Der Klient muss bestimmen was wieso und wann angegangen wird. Es bringt nichts wenn der Therapeut sehr viel (naürlich verständliche, nachvollziehbare und berechtigte) Angst hat, diese auf seinen Klienten überträgt und dieser versucht eine (aber nicht seine!) empfundene Angst zu beschwichtigen (zum Beispiel mit div. “Ausstiegsmanövern”)- aber mit den Folgen (z.B. massiven Suizidimpulsen, Panikattacken, Schlaflosigkeit etc.) nicht auch allein zurecht kommen kann. Die Therapie der Wahl bei Multiplen ist die ambulante Psychotherapie- wenn der Klient aber von Krise zu Krise taumelt, kann der Therapeut ihn nicht mehr auffangen. Die Arbeitsbeziehung leidet (“Meine Klientin saugt mich aus”; “Mein Therapeut hilft mir gar nicht“ (mehr)” ) und wo endet so eine Schose im Allgemeinen? Für beide nicht im Bereich des Befriedigenden. (Wir haben uns am Ende von sowas in der Intensivstation wiedergefunden- die Helferin musste sich wegen Burn Out in Behandlung begeben).

Anerkennen, nachdenken, hinfühlen und dann geplant und kleinschrittig handeln (lassen)- das war das was geholfen hat. Wir haben Freunde, die auch die Täter anerkennen- sich aber nicht einschüchtern lassen, haben therapeutischen Kontakt, der das genauso handhabt und haben so die Möglichkeit genau diese Einstellung bei uns selbst zu verfestigen.

Wir hatten immer als grundsätzliches Ziel, dass wir wissen wollen wie “Leben geht”. Nicht: “endlich Ruhe (vor Symptomen, Ängsten, der eigenen Geschichte) haben”. Entsprechend waren die Therapieziele eher die Integration von Alltags”personen” um am Leben mit anderen (unbelasteten) Menschen überhaupt erstmal teilnehmen zu können (und nicht permanent wie ein Kaninchen vor der Schlange zu hocken z.B. wenn einfach nur ein Passant nach der Uhrzeit fragt, die Kassiererin im Supermarkt den Lebensmittelpreis sagt, die Straßenbahn voll ist, der Lehrer jemanden an die Tafel bittet…).

Dieses Ziel hätten wir auch mit noch bestehendem Täterkontakt erreichen können. Aber so wie wir es jetzt gelöst haben ist es perfekt- für uns! Es ist innen klar, dass es kein Zurück mehr gibt- das warum, wieso, weshalb; das tiefe Gefühls-Identitätschaos dazu wird seinen Platz bekommen- aber erst wenn wir es auch komplett (er)tragen können.
Bei all dem haben uns immer mehr die Helfer und Therapeuten geholfen, die nicht retten wollen, sondern begleiten und damit helfen.

Ein paar Hinweise für Betroffene, die sich durch Ämterdschungel, emotionale Abhängigkeit, ökonomische Abhängigkeit, physische und psychische Abhängigkeiten nicht in der Lage sehen “einfach zu gehen”:

Es gibt den “weißen Ring e.V.” der Opfern von Kriminalität hilft- auf verschiedene Art und Weise. Dazu gibt es in fast jeder Stadt eine (psychologische) Frauenberatungsstelle. Hilfreich kann ein Gespräch mit einem Mitarbeiter schon allein deshalb sein, weil man sich schon damit signalisiert: “Ich kümmere mich jetzt um mich.” Völlig gleich ob dann direkt eine lebensverändernde Wende erreicht werden kann oder nicht: Irgendwo innen bemerkt irgendjemand oder irgendwas, dass sich gekümmert wird.

Anrufen, hingehen, gucken wie es sich anfühlt.
Erwarte keine Retter- erwarte Begleiter!

Weiterhin kann es hilfreich sein sich mit den Statuten rund um Hartz4, Integrations- und Eingliederungshilfen auseinander zu setzen. Oft genug wird der Datenschutz verletzt, Antragssteller beim Jobcenter auf Abläufe verwiesen, die in akuten Notsituationen nicht angezeigt sind (z.B. kann ein Antrag auf Hartz4 bzw. die Gründung einer eigenen Bedarfsgemeinschaft nach Trennung vom gewaltätigen Ehemann mündlich bzw. formlos und sogar ohne Termin erfolgen und entsprechend auch zügig eine Einmalzahlung zur Sicherung des Lebensunterhaltes) oder auch Hilfen nur gezahlt wenn eine Bindung zu dem Ort in dem man zur Zeit des Antrags lebt bestehen bleibt. Man braucht für diese Dinge wirklich starke Nerven und die hat man schlicht nicht immer. Ein Gang über eine gesetzliche Betreuung oder die Zusammenarbeit mit einem SozialARBEITER (keine Sozialpädagogen!) oder auch einem Sozialverband lohnt sich also immer. (Wir kennen sogar jemanden der mal sagte: „Teils war ich richtig dankbar einen Widerspruch nach dem anderen verfassen zu müssen und dem Amt so richtig in den Arsch treten zu müssen- es war ein guter Einstieg erstmal gegen das Amt zu rebellieren. Statt gleich mit den Tätern zu beginnen“)

Ich wünsche allen die heute noch Gewalt erleben müssen ihren persönlichen Moment. Den Moment in dem die Erkenntnis: “Das will ich nicht mehr!”, das erste Mal aufblinken und sich aufmachen kann von etwas in ihnen genährt zu werden. Um letztlich zu einer Kraft zu werden, die über viele emotionale Täler hinwegtragen kann.

Bis zu diesem super coolen Sonderangebot, dass es kostenlos und überall auf dieser Welt geben kann:

Freiheit

das erste Mal einen Film zum Thema geschaut- über Medien zum Thema DIS

Hm….

Also, ich hab mir vor ein paar Tagen einem Film zum Thema DIS angesehen. Es handelt sich um die Verfilmung des Buches “Sybil”.

Erstmal scheint es wohl zwei FIlme zu geben. Einen mit Sally Field als Sybil und einen mit Jessica Lange als Dr. Wilbur. Bis ich das gemerkt und verstanden hatte… naja lassen wir das- ich bin im Stress Zwinkerndes Smiley

Ja, wie finde ich den Film?  Schon gut, rund.. aber auch ein bisschen hm-ig. Ich hab ihn mir gestern abend nochmal angesehen und versucht mir vorzustellen, wie er auf Menschen wirkt, die nicht so viel über DIS wissen. Das Ergebnis war: Aaaaargh! Wieso fängt er so gut an und endet so … <— Platz für ein Wort, dass mir nicht einfällt.

Also in der ersten Szene in der sie ein Glas fallen lässt hab ich mich 1:1 wieder erkannt- aber in den letzten 10 Minuten dachte ich nur:  Nein Nein Nein- so geht das gar nicht >_<

Zwischendrin gibts auch noch eine Szene in der die Frau mit zwei Händen gleichzeitig malt und ich weiß nicht-5? 6? Innenpersonen nacheinander der Frau Doktor sagen, wer sie sind. Ääääh  HM?!? Auf welchem Planeten?

Ich hab mir überlegt ob heute noch mit Hypnose gearbeitet wird. Ich weiß es nicht genau- aber ich kanns mir ncht vorstellen. Bei mir reicht schon autogenes Training oder diverse andere Entspannungstechniken um mich abzuschießen- das ist dann aber keine Hypnose- das wär dann einfach nur: Guten Tag (Hr./Fr. TherapeutIn) ich bin Innen XY und ich bin hier, weils zuviel ist hier so ungeschützt rumzuliegen und womöglich sein Denken auszuschalten, damit sie weiß der Himmel was mit Körper und Geist anstellen können”

Zu der Zeit damals- als Frauen allesamt hysterisch wegen ihres Hormonhaushaltes waren (Boa ich könnt schreihen wenn ich drüber nachdenke!) war Hypnose glaube ich noch irgendwie das Mittel für alles. Das war das, was wir heute in Pillenform anhimmeln: auf verborgen wundersame Weise wird man geheilt- keiner weiß genau wieso- aber es wirkt… ha    ha  -.-

Ich weiß jetzt jedenfalls wieder wieso ich mir Bücher von Multiplen oder Filme über selbige ungern ansehe bzw.lese: Sie regen mich auf. Und bei manchen entzieht sich mir der Sinn oder die Botschaft auch völlig. Das gibts zum Beispiel ein Buch von Barbara Nepeis mit dem Titel “Mein Leben als Multiple oder Ein endloser Kampf”.  Ich fand es sehr schwer zu lesen und verstanden habe ich (hoffentlich- weil sonst wäre es echt nichts) nur die Hälfte. Dann gibts noch den Skandalkracher: “Vater unser in der Hölle”. Ja… äh Sinn? Ich hab mir das Buch ausgeliehen und schon nach ein paar Seiten und ein bisschen durchblättern gedacht, dass ich eigentlich auch grad mit dem Hund rausgehen könnte… wäre halt auch verbrauchte Zeit. Sogar ohne Trigger.

Ich verstehe nicht, wieso sich manche Menschen so zur Kuriosität machen. Und wieso die, die es nicht tun, zu einer gemacht werden. Und- und das ist ja etwas dass mich zur Zeit sehr umtreibt: wieso gibt es nur Medien zu Multiplen, die sie in einem Zustand zeigen, in dem sie nicht wissen wo oben und unten ist? Wieso gibt es noch keine Medien die aufzeigen wie eine Entwicklung sein kann? Ich hab gemerkt, dass zwar überall auf eine lange Behandlungsdauer hingewiesen wird, aber mit genauen Angaben wird sich zurück gehalten. (Was an sich schon nicht schlimm ist- es ist eben bei jedem anders und nicht vorhersehbar- aber es wird sich ja oft vorher auch nicht mit Angaben darüber zurückgehalten wieviel Gewalt und Qual nötig war um jemanden zerbrechen zu lassen).

Wieso gibt es keine Medien darüber wie sich ein multipler Mensch durch die Krise der- ja irgendwo: Selbst- Erkenntnis beißt und allen Einschränkungen (hier fänd ichs gut, mal ein paar der anmaßenden Gutachterberichte für die Krankenkassen, die unmöglichen Praktiken der Versorgungsbürokratie und die ständigen Existenzängste die damit einher gehen zu zeigen) zum Trotz zur Arbeit und zur Therapie geht. Wie normal ein Leben sein kann,  auch wenn im Inneren die Hölle tobt. Wie trivial und schlicht nötig und logisch es vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte ist eben multipel zu sein.

Irgendwie muss diese Notwendigkeit doch einsehbar sein. Doch woran scheitert das immer wieder? Ist es das Geld? Wieso gibts zu jeder Katastrophe einen ewig langen Beitrag, zusammengeschnitten aus Archivmaterial und 5 Sätzen die ständig wiederholt werden- aber Geschichten von unsichbaren Kämpfen und individuellen Siegen nicht?  Das ist doch der Sinn hinter Journalismusund Dokumentarimus: Sichtbarmachen, was verborgen ist. (Oder hab ich da was falsch verstanden? Ich erinnere mich nicht in der Berufsbeschreibung gesehen zu haben, dass man mithelfen soll eine Meinung in die Massen zu stampfen die von der aktuellen Realität maximal entfernt ist.)

Oder liegts am Interesse? Bei über 83.000 Zugriffen auf den Sybil-Film, über  747.000 Suchergebnissen im Internet auf den Begriff “multiple Persönlichkeit” fällts mir schwer zu glauben.

Es gibt viele Komponenten die mir noch mehr einfallen. Aber entweder ist mein Fokus zu eng oder es gibt schlicht nur noch niemanden der das auch so sieht und ändern kann.

Soll man echt darauf warten?

Das Gehirn ist keine Entschuldigung

Die Menschen, die mich (auch als uns) kennen, wissen, dass ich mich sehr für die Bewältigungs- und allgemeinen Verarbeitungsmethoden des menschlichen Gehirns interessiere.

Es gibt inzwischen viele (populär)wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema und obwohl diese Herangehensweise vergleichsweise neu und ganz extrem reichhaltig an Möglichkeiten ist Erklärungen zu finden und Schlüsse zu ziehen erlebe ich es immer mehr so, als würde dieser Wissensschatz der sich hier vor uns Menschen zeigt als Blanko-Entschuldigung missbraucht werden.

Gewalt erlaubt keine Entschuldigung.

Opfersein erlaubt keine Entschuldigung.

Keine unserer Möglichkeiten zwingt Menschen dazu

a) Gewalt auszuüben

b) Gewalt zu negieren oder zu bagatellisieren

c) weiter zutragen

Ich frage mich, wenn die Folgen von Gewalt in der Öffenltichkeit, teils sogar vom Staat gefördert (z. B. durch direkte Gesetze, die Täter schützen und Opfer in Beweispflicht zwingen oder schlicht durch Schweigen und Nichtstun) immer wieder umerklärt werden, immer wieder neu entschuldigt werden, wie soll sich jemals etwas ändern?

Und wo kommt es her dieser Drang das Tun der Anderen immer wieder zu erklären mit etwas was scheinbar ausserhalb der Verantwortung und dem direkten Einfluss desjenigen liegt?

Warum wird auf die simple Frage: Warum hast du mir Gewalt angetan?  immer wieder ausgewichen?

Wieso müssen wir uns alles was uns Menschen in irgendeiner Form verletzt, einschränkt, bis zum Tod zeichnet so weit von weg abstrahieren, dass der Ursprung nicht mehr zu sehen ist? So sehr, dass einem jede Antwort wie nichtiges BLABLA erscheint.

Sind wir so feige geworden?

Es doch noch nicht lange her, da die Köpfe der Feinde weithin sichtbar an den Stadtmauern aufgespießt wurden. So eine Botschaft ist grausam, wie der Mord selbst. Sie ist unmissverständlich- sowohl was den Grund angeht (“die sind in unsere Stadt gekommen und waren nicht willkommen”) als auch die Strafe (“wir haben sie umgebracht und ihre Gesichter verkünden, dass ihre Freunde nicht willkommen sind”).

Wieso hat sich aber ausgerechnet die Perversität der Hexenverfolgung (oder wie sie nenne “die erste öffentliche Folter aus Frauenhass, genannt “Inquitision”) diese Option des Folterns und Quälens und des auferlegten Schweigens darüber, erhalten?

Die Antwort auf solche Fragen gibt uns unser Gehirn nicht.

Solche Antworten müssen wir (Opfer)  in uns selbst finden. Und das meistens noch wie jemand der auf Schatzsuche ist und dies geheim halten muss.

Es gibt Verbündete- ja: Die Therapeutin die einen begleiten und die wie ein gelehrter Professor gelten kann bis zum (in dieser Methaper) Tode (ausserhalb dieser Methaper: bis die Krankenkasse nicht mehr zahlt und auch nicht mehr zahlen muss weil der Gesetzgeber dieser miese gemeine Sack, dass so bestimmt hat).

Diese Suche tut ziemlich weh. Manchmal stößt man auf einen kleinen “Subwissens”-Schatz ( zum Beispiel Frauenverachtung und seine Geschichte) aber sehr viel häufiger stößt man doch wieder auf einen Sumpf. Einen Sumpf aus pseudowissenschaftlicher Erklärungswut und dem Märchenerzähler, der Geschichten erzählt  vom Gehirn welches Böses tut und dabei Spaß hat und welches aber auch nur so ist, weil es früher Opfer war.

Es macht mich unglaublich wütend.
Was soll dieser Hohn über die Opfer?! (Wieder: schön abstrahiert, damit ihn niemand als solchen erkennt, sondern voller Lob jenem Märchenerzähler zujubelt und noch mehr Geld für weitere Forschungen dieser Art zuschustert.)

Wo bleibt der Widerspruch?

Wer Tiere kennt

… kommt besser mit Menschen zurecht.
Zumindest wenn er es schafft, dem Menschen eine bestimmte Art „Tiersein“ zuzugestehen.
Das ist mein Schluss aus einer sehr epischen Diskussion in der letzten Nacht bzw. heute morgen.
Es begann mit der Frage: „Was habt ihr heute gemacht?“
Alle erzählen so ein bisschen und eine Person- nennen wir sie mal Misantroph- erzählte sie hätte sich damit befasst der Gesellschaft ihre Masken abzureißen und ihre Werte- alle menschlichen Werte zu zerpflücken.
Ja.
Diese Phase hatten wir auch mal – in Form von M.´s und A.´s „Anarchie vs. Sozialimus vs. Kommunismus vs. Punk vs. allgemeines Assi-tum im großen Kampf gegen die Gesellschaft die anscheinend gar nichts sieht/hört/sagt“ -Bestrebungen/Wirren im großen Rahmen der Selbstdefinition (und vielleicht auch Selbstberuhigung? Vielleicht Trost?)
Naja- man hätte das jetzt auch Pubertät nennen können- aber das allein war es nicht. Und M. und A. waren zum dem Zeitpunkt zwar in einem pubertierenden Körper doch sowohl geistig und sozial zu dem Zeitpunkt schon über den Punkt schierer Hormonumstellungs-begründeter Gedanken hinweg.
Jedenfalls entspann sich eine schöne Diskussion über den Wert menschlicher Werte, über den Wert von Psychologie und Naturwissenschaften bei der Definition selbiger.
Misantroph ist der Meinung, das kein Mensch ohne Grund Achtung und Respekt verdient hat.
Das traf mich tief. Im Inneren begann es fast sofort zu brodeln.
Die eine Seite: Jajajajaaa! Stimmt!,
die Nächste: Nein- Schnauze da drüben!,
die andere Seite: Wir hatten uns doch geeinigt keine Schimpfworte…,
eine andere Seite: Wieso ist der so gemein?,
eine andere Seite: Oh man, der muss das doch erstmal fertig denken- vermutlich hat er sine Kontrukt grad erst aufgebaut,
wieder eine andere Seite: Vielleicht wurde er mal verletzt und ist deshalb so abwehrend-
und vieles mehr. Immer schön garniert mit Bildern, weiterführenden Erinnerungsfetzen. Das Übliche eben.
Ich hatte den Eindruck ich müsste nun wieder in den einstudierten „Doch ich bin es wirklich auch ohne Beweis wert geachtet zu werden“- Sermon verfallen zu müssen. Doch mit einem Mal spürte ich dass ich es gar nicht mehr brauchte. Der Grund?
NakNak*
und das Wissen darum wie Menschen funkionieren. Im „mechanischen“ Sinn. Im neurologischen Sinn.
Wir wissen inzwischen wie Menschen lernen, wie sich Menschheit entwickelt hat. Und wo der Ursprung liegt.Und warum Menschen tun was sie tun.
Durch dieses Wissen haben Wertungen eine andere Bedeutung bekommen.
NakNak* ist völlig egal wie wir über sie denken. Ob wir ihre Rasse, ihre Art, ihre Tierheit kategorisieren, schätzen, werten. Sie lebt einzig um ihre Grundbedürfnisse zu stillen und ihre Gene weiterzugeben.
„Schrecklich öd! Das kann doch nicht alles sein! Tiere können ja Dinge empfinden- dann kann das doch nichts alles sein! Und überhaupt wir Menschen sind doch viel weiter entwickelt!“
– Na und? Das hindert uns Menschen aber nicht daran von der ersten Lebensstunde einzig und allein unsere Grundbedürfnisse stillen zu wollen. Und zu sterben, wenn sie nicht erfüllt werden. Wir leben um zu lernen wie wir sie effektiv, schnell und langfristig stillen können und dann unsere Gene weiterzugeben.
Der Rest ist eine Art evolutionäres Sahnehäubchen. Wir haben unsere Werte und Ansprüche nur entwickeln können, weil es uns so gut geht und wir unser Wissen nachhaltig weitergeben können.
Wir schliessen Mörder und Schänder aus unserer Gesellschaft aus, weil sie eine Gefahr für den Fortbestand ( wie wir ihn kennen) der Gruppe bedeuten. Dieses Verhalten (dieser Lerninhalt) hat sich über tausende von Jahren bewährt- aber nicht weil das Morden so eine schändliche Sache ist- sondern weil es eine Existenz beendet.
Alles Leben auf diesem Planeten will leben!
Wir Menschen sind die Einzigen, die das in einem großen Bramborium aufschreiben und bewerten müssen. Obwohl das als Tatsache allein völliger Blödsinn ist.
Natürlich habe ich in diesem Modell jetzt nicht alle Faktoren aufgeschlüsselt. Ich fürchte hier stoße ich wieder auf etwas wozu mehr „Buchbildung“ nötig ist.
Aber im Grunde kann ich so vieles erklären.
Es hilft uns weil uns kaltes Wissen schon immer mehr geholfen hat, als das undurchsichtige Gefühls- einbezogene Erklärungsmodell von Sozialwissenschaft oder Psychologie.
Wenn ich in den Medien lese, dass Täter XY das Opfer AB auf diese und jene Art getötet hat, trifft es mich natürlich. Die Frage nach dem Warum ist wahnsinnig groß.
Aber eigentlich ist sie unnötig. Jede Antwort mit Schnörkel und großer Gefühlsbegründung darauf verletzt.
Und mindert den Wert der Empfindungen jener, die diese Antwort erhalten.
Wenn die Antwort allerdings lautet: Täter XY hat getötet weil er es KONNTE, so ist es für mich sachlich, logisch und klar. Es bewertet weder die Tat, noch den Täter, noch das Opfer.
Der Täter kommt ja auch nur deshalb ins Gefängnis, weil eine Gruppe von Menschen das KANN ohne von anderen daran gehindert zu werden.
Naja. Leider gab es in der Diskussion keinen Schluss, weil sich Misantroph dann in die Ecke gedrängt fühlte. Wie gesagt, es war halt noch nicht zu Ende gedacht. Nur weil man meint eine großartige Idee zu haben in dem man schlicht alles und jeden verachtet der seine Werte noch nicht unter Beweis gestellt hat, heißt es nicht, dass es nicht doch jemanden gibt der einem sagt, dass man sich damit auf dünnes Eis begibt und einen auffordert selbige zu definieren.
Ich bin wirklich froh, das wir NakNak* in unser Leben gelassen haben. Ihr bedingungslose Anwesenheit und ihre besondere Art uns zu achten sind Biologie, Evolution und Liebe in einem.
Wenn wir Menschen es nur schafften so miteinander umzugehen…

Monotrauma bei Menschen mit DIS

Ob es nun am Trauma um Edna liegt oder eine blöde Konstellation von Zufällen ist: unsere Kraft neigt sich dem Ende zu.
Heute morgen wurde NakNak* von der ausgewachsenen Boxerhündin der Nachbarin angegriffen. Nun sind wir fertig.
Vor ein paar Tagen war NakNak* bei dem Pferd, dass Edna getötet hat. Wir waren ausser uns.
Heute spürte ich zum ersten Mal ganz genau, wie Dissoziation bei uns funktioniert.
Das Ereignis passiert die anderen Innens sind von mir abgetrennt- was sich irgendwie, wie ein schnelles Garagentor anfühlte
und meine Gefühle sind weg
Ich frage mich, ob es doch stimmt, was mir vor langer Zeit geschrieben wurde. Ich habe keine eigenen Gefühle. Meine Emotionen werden von jemandem innen „freigegeben“ oder eben auch nicht. Ist es das, was mich jetzt gerade nichts hat fühlen lassen, als NakNak* schreihend am Boden lag?
Ich spüre, dass der Körper heftig reagiert. Dies ist schon der zweite Tag an dem ich nicht zur alten Dame kann, weil ich mit Übelkeit und Durchfall zu kämpfen habe.
Die Essstörung freut sich natürlich und nimmt wieder mehr Platz ein.
Was für mich enttäuschend ist: es gibt keine Informationen zum Thema des Monotrauma bei Menschen mit DIS.
Führt mich der Weg der Erkenntnis wieder nur durch das Innenleben? Ist das wieder etwas, das bei jedem anders ist?
Ich habe den Kontakt zu D. eingeschränkt. Ich bin auf dem Weg mich von ihm abzukapseln.
Er weiß nicht, was er machen kann. Ich weiß es auch nicht. Ich werde ihm gegenüber immer gleichgültiger und gereizt. Kommt es von mir oder von innen?
Ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher, was ich bin.
War ich von Anfang an nur eine neutrale „Scheinperson“? Nein- dazu kann ich zuviel denken.
Draussen ist meine Nachbarin mit den beiden Hunden im Garten.
Wir wollten heute das Erbsenbeet umhacken. Es wäre schön gewesen, wenn NakNak* dabei auch hätte draussen sein können.

Menschsein


„Jeder individuelle Mensch trägt der Anlage und Bestimmung nach einen reinen idealischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechslungen übereinzustimmen, die große Aufgabe seines Daseins ist“ (Schiller)

„In der natürlichen Ordnung sind alle Menschen gleich; ihre gemeinsame Berufung ist: Mensch zu sein. Wer dafür gut erzogen ist, kann jeden Beruf, der damit in Beziehung steht, nicht schlecht versehen. Ob mein Schüler Soldat, Priester oder Anwalt wird, ist mir einerlei. Vor der Berufswahl der Eltern bestimmt ihn die Natur zum Menschen. Leben ist ein Beruf, den ich ihn lehren will. Ich gebe zu, dass er, wenn er aus meinen Händen kommt, weder Anwalt noch Soldat noch Priester sein wird, sondern in erster Linie Mensch. Alles, was ein Mensch zu sein hat, wird er genau so sein wie jeder andere auch; und wenn das Schicksal ihn zwingt, seinen Platz zu wechseln, er wird immer an seinem Platz sein.“
(Aus: Jean-Jacques Rousseau: Émile oder Über die Erziehung, ‚Reclams Universal – Bibliothek‘)

Zum Menschsein gehört so viel.
Ich habe mich in der letzten Zeit oft damit befasst. Und musste feststellen, dass wir kein vernünftiges Selbstverständnis von uns als Mensch haben.
Wir sehen uns als „Anwesend“.
Tatsächlich sehen sich die meisten von uns eher adjektivisch, vielleicht noch partizipiell.
Einfach „da“ mit diversen Eigenschaften. Doch als Mensch in all seinen Facetten nicht.
Zu dem Thema kamen wir als wir uns einer Gruppe im System anzunähern versuchten.
Es ist eine Gruppe von traumatragenden Innenpersonen, die, wenn sie den Körper übernehmen (müssen bzw. früher mussten) in hundisches Verhalten verfallen. Wir bedienen uns der These, dass dies ihr Weg war, sich den Lebensumständen und den Anforderungen von Aussen anzupassen um unser Überleben zu sichern.
Im Innern „sehen“ wir sie als Tiere. Ob sie sich selbst so wahrnehmen wissen wir nicht.
Es ist doch die Frage, ob sie es können.
Kann ein Mensch sein Selbstverständnis verlieren?
Ist die Überzeugung Mensch zu sein ein Teil dessen, dass uns mit dem Aufwachsen mitgegeben wird? Oder sollte man von Wissen sprechen?
Wenn wir die Worte Menschenwürde, Menschenrechte, Menschlichkeit lesen, beziehen wir sie nicht auf uns. Wir haben keine Würde, keine Rechte und was Menschlichkeit ist, können wir für uns nur schwer definieren.
Betrachten wir die Körperbiologie so spricht man von der Gattung „Mensch“, Homo sapiens, mit den Primaten verwandt.
Da wir in diesem Körper- der uns, obwohl wir in ihm sind, so fremd vorkommt wie eine Kostümierung, durch das Leben trägt- stecken, erfüllen wir anscheinend schon alle Kriterien Mensch zu sein.
Doch betrachtet am Selbstverständnis sind wir lediglich existent. Genauso wie alles was uns umgibt.
Ich schrieb schon, dass wir versuchen U. das Leben nahe zubringen.
Unser Leben- das was wir als schlicht „hinnehmend“ annehmen und lediglich „anwesend“, „da“ zu meistern versuchen.
Die Frage stellt sich, ob es ein richtiges Selbstbild braucht, um das Leben als Mensch zu leben.
Wie dieses Selbstbild sein sollte bzw. in unserem Fall sein kann.
Wir haben viele verschiedene Arten zu leben überlebt.
Eingesperrt wie ein Tier unter Tieren.
In einem Haus mit allem Komfort doch mit Seelenmördern im Nebenzimmer.
In Psychiatrien, in denen Autonomie und eigenes Denken unterdrückt wurden.
Umgeben von wechselnden Ideologien und Machtdemonstrationen.
Und nun das hier.
Selbstständig, verantwortlich für Haustiere, mit Kontakten zu Menschen, die uns zur Seite stehen, uns nicht verletzen möchten und denen wir so gut wir können die Hand reichen.
Letztlich habe ich viel geschrieben, obwohl ich lediglich einen Punkt formulieren wollte:
Sind wir ein Mensch, obwohl wir uns nicht als einer verstehen?
Wenn es nach unserem Selbstverständnis geht, so sind wir nur existent.
Im Grunde die letzten pulsierenden Fasern einer Seele, die zerrissen und in alle Winde geworfen wurden.
Wieviel Mensch können wir noch sein?