Ich habe gestern ein neues Video hochgeladen und hoffe, es gefällt.
Kategorie: Lauf der Dinge
der Feengarten
Er ist reichlich pink, mein Feengarten.
Zwischen einem Einhorn und zwei zierlichen Feen werden Federnelken und Flammenblumen wachsen.
Hoffentlich.
Auf meiner Fensterbank steht außerdem noch ein Plastikgewächshaus mit frisch gesäten Mimosensamen.
Ich bin ein Pflanzenhospiz.
Eigentlich.
Aber vielleicht habe ich mich verändert in den letzten Jahren.
Vielleicht kann doch etwas Gutes, Schönes, Lebendiges von mir ausgehen.
Nach der letzten Therapiestunde ging ich nach Hause und starrte das Gesicht im Spiegel an.
Es ist gewachsen in den letzten zwei Monaten, dellig und irgendwie ölig.
Auch wenn die Verbindung problematisch ist: Ich neige zu Kummerspeck genauso wie zum weniger werden, wenn es mir nicht gut geht. Ist halt so.
Bei mir.
Die Klappe zu halten, bei mir zu bleiben mit dem was mich verletzt, tut mir nicht gut. Ist aber sozialkonform. Und sowieso, was andere von mir wollen.
“Sie wollten den Kontakt doch sowieso beenden…”
Ja, “beenden” – Nicht: “nach einer Aktion, die mich retraumatisiert hat ohne eine ordentliche Klärung (und Ent-Schuld-igung) zerfetzen lassen und dann unbewortet im Nirwana der Ignoranz und Selbstgefälligkeit verschwinden lassen”
Wenn andere Menschen mir vermitteln, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, obwohl eigentlich nur ein gegenseitiges Verständnisproblem da ist, dann ist das auch kein “Kontakt beendet”. Dann ist das: “Ich will nicht mit dir sein. Warum wieso weshalb- nein dieses Verständnis kriegst du nicht von mir erreicht. Geh weg. Ohne Diskussion.”.
Dran bleiben wäre Gewalt. Sich weiter der Hoffnung hingeben, da käme vielleicht doch noch was, sinnlos.
Aber egal.
Macht mal- ich komm klar- Hauptsache euch gehts gut. Hauptsache, ihr fühlt euch bestätigt von weiß G’tt wem oder was. Mir egal.
Nicht.
mampfEgalmampf
Ich hatte am Nachmittag des Therapietages einen Termin beim Betreuungsgericht.
Eine nette Frau erstellte einen Sozialbericht über mich. Uns.
“Und XY unterstützt Sie nicht mehr”, der Kuli glitt zwischen den engen Linien des Vordrucks, “Könnten Ihre Eltern die Betreuung übernehmen? Geschwister?”.
Von jetzt auf gleich wollte ich weinen. Ich setzte dazu an. Alle Kanäle in meinem Gesicht füllten sich. Es wurde eng. Drückte.
Ich atmete die Sachlichkeit der Situation ein und schüttelte ohne Worte den Kopf.
Sie fragte, ob die Gewalt, die meiner “Erkrankung” zu Grunde liegt, mit der Familie zu tun hat.
Ich nickte. Ließ meinen Blick über ihre Ordner schweben.
Draußen knallte es.
Einmal.
Sie fragte, ob es bei der Strafanzeige, von der im Anregungsbogen die Rede ist, darum ginge.
Es knallte draußen.
Ich nickte.
Ein letzter Knall. Ein Kind ließ Luftballons platzen.
“Ist aber schon zu spät jetzt. Für eine Strafanzeige. Ich hatte gedacht, es ginge schneller mit der Betreuung.”.
mampfEgalmampf
Ich habe genug über Strafanzeigen nachgedacht. Ich kann nichts tun und das soll so.
Gestern bin ich mit NakNak* Rad gefahren.
Ich war den ganzen Tag draußen.
Draußen draußen.
Nicht nur: “nicht im Käfig” sondern: “nicht in der Wohnung”.
Der Heuschnupfen macht mich fertig. Die Hitze. Mein Körpergewicht.
In der Therapie ergänzte ich den Begriff des “Hunger”s mit “ich merke meinen Bauch”.
Ich kann ihn im Moment nicht gut ertragen meinen Körper.
Er ist nicht selbst gemacht.
Meine Kontrolle über ihn ist begrenzt.
Ich sehe aus wie die Mutterfrau, als sie eine Krankheitsspitze hatte.
Aufgedunsen.
Bemitleidenswert und abstoßend gleichzeitig.
Für manche Menschen.
Der Fahrtwind war schön.
NakNak* direkt neben mir laufen zu sehen war schön.
Ich habe einen Johannisbeerenstrauch gefunden und ein paar reife Beeren gepflückt.
Bin in einem Bach herumgewatet und dachte ans Meer.
Ich dachte an meine Geschwister. An Verlassenheit.
An Strafanzeigen. An die Therapiestunde.
An das, was ich sagen willwollte und dann doch lieber neben meiner Kehle verstaue und mit jedem geschluckten Bissen weiter ins Nirgendwo presse.
Heute morgen dachte ich, dass ich etwas Schönes möchte.
Fühlen möchte.
Vielleicht auch erschaffen möchte.
Ich dachte daran, dass mein Körper nun 28 Jahre alt wird und ich gerne bald jemanden finden würde, der mit mir sein Leben teilen möchte.
Jemand, der mit mir eine Familie mit Kindern drin gründen möchte. Jemand, den ich aushalten kann.
Dann lachte ich mich aus.
Weil ich mich selbst kaum aushalten kann.
Ich erlebe mich paradox, zerfleddert, durcheinander.
Widersprüchlich.
Hässlich. Irgendwie noch tiefergehend abstoßend.
Und irgendwie denke ich, dass es allen anderen Menschen auf dieser Welt auch so gehen muss mit mir.
Logischerweise.
Gewaltfolgenlogischerweise.
Heute morgen fuhr ich in die Stadt.
Ich säte Samen in einen Feengarten.

Take 1
Manchmal macht sie mir noch kurz Angst mit ihrem großen Auge, diese Videokamera.
Aber im Moment ist es leicht mir Angst zu machen. Mich an den Rand meiner Kraft zu bringen.
Das Wetter, das Leben, die kommenden Termine strengen mich jetzt schon an und zwischendurch fühle ich mich, als würde ich auf einer Nadelspitze Pirouetten tanzen wollen.
Aber ich fühle mich gehalten von diesen Anstrengungen. Die Hitze, die sich zusammen mit NakNak* in meiner Dachwohnung an mich drängt, gibt mir genauso viel Halt, wie Vorbereitungen für Termine und Arbeiten.
Ich denke nicht viel.
Wenn ich anfange zu denken, dann denke ich Neualtes über Vergangenjetziges.
Also machen wir neben den Fotos und der Kunst auch noch Filme.
hier ein Ausruhfilm
und hier einer, in dem jemand von uns erklärt, wie man Zines machen kann
ein Tag
Es begann damit, dass der Wecker um 7 Uhr klingelte. 2 Stunden nachdem die Augenlider wie schwere Vorhänge vor die Glutbröckchen mit denen sie Buchstaben zu erkennen versuchte, rutschten und 2 Stunden bevor der nächste Zahnarzttermin war.
Nur einmal nachpolieren. Am Montag hatte sie eine Panikattacke bei der Zahnärztin. Nur einmal kurz die Panikleiter rauf. Hyperventilieren und dann unter dem Lächeln der Assistentinnen erstarren. Innehalten, den Kiefer einrasten lassen. Warten. Gehen.
Auch mit der scharfen Kante.
Halb 10 in der Innenstadt.
Frühstücksbuffet hier, Kaffeeduft da. Tauben die Bettler anbetteln und Hunde, die in dieser Wüste aus Stein und Grau der Natur ihren Lauf lassen.
Hunger bohrte sich durch sie hindurch. Ihre Schritte schlackerten wie nett gemeinte Gesten unter ihrem Körper daher. Die Sonne versuchte sich in kurzen Stippvisiten.
“Gehts mir wieder gut?”
Mit der Zunge fuhr sie über die Lücke, die noch immer scharf und rau zwischen 5er und 6er klafft.
“Hab ichs jetzt überwunden?”
Da stießen schon wieder Tränen aus den unsichtbaren Grotten neben der Nase.
Sie fuhr nach Hause, streichelte den Hund. Legte sich hin und schlief ein paar Stunden.
“Bin ich jetzt bereit?”, sie schlug die Decke von sich.
Sie stand auf der Wiese und beobachtete die Hände, die die Videokamera umschlossen. Hörte dem Murmeln des Innens zu: “Nicht wackeln. Ausatmen und halten. Langsam- nur halten. Der Rest passiert allein. Ich kann das. Ich übe nur…”
Eine Biene, eine Hummel, eine Fliege, eine Schnecke, Klee, Disteln, Kamillen, Gräser, Luft, Sonne und Himmel.
Stille.
“Ich bin draußen.”
Vielleicht war es zu viel Luft zum Atmen.
Es endet mit dem Fazit:
Versuche eine Krise von sich aus für beendet zu erklären scheiterten erneut.
und einem Wahrnehmen eines Innen, das wächst
mit dem großen Zeh zuerst
Vielleicht brauchte es nur das. Ein einfaches “What the fuck?!” von jemandem, den ich nicht gut kenne, der auf etwas reagiert, was ich so ewig ohne ein Wörtchen an jemanden mit mir rumgeschleppt habe.
Einfach irgendwie eine spontane, ehrliche Mitfühlung eines WHAT THE FUCKING FUCK?!- Moments.
Ich habe wohl gemerkt, dass es mir schwerer als sonst fällt, diese Welt zu berühren und Kontakt mit ihr auszuhalten.
Einfach schon, weil sich in meinem Kopf die Optionen der Reaktionen stapeln. Er/Sie/ * könnte denken dass… könnte finden, dass… denkt bestimmt, dass… findet mich sicher… hasst mich in Wahrheit… sieht mich nicht… hält mich für unfähig… und überhaupt weiß ich doch sowieso, dass ich…
So ein Optionenstapel wächst, schmilzt, wird zu einem Brei in dem ich meine Tage verbringe und schweigend, einhaltend, warte und nur hier und da Dinge äußere, die mir “sicher” erscheinen.
“Dieses und jenes kann man sagen- hatten wir schon zusammen- geht… gerade so/gut/okay/sicher aushaltbar”. In meinem Kopfannahmenbrei ist das wie die Stange vom Bademeister.
Wenn man schon nicht unter Kontrolle hat, wer die Wohnung betritt; wer einen verlässt oder verlassen muss; den Lauf der Welt weder beeinflussen noch anhalten kann, dann ist still-halten im Kopfbrei, der sich immer realer, immer echter, immer wahrhafter anfühlt, je länger man ihn nicht der Überprüfung aussetzt, das, was ich eben kann.
Klappe halten, warten, atmen, so tun, als wäre nichts. Irgendwann ist auch sicher nichts. Irgendwann ist alles gewesen. Eine Episode. Vorbei und vergangen. Tüdelü.
Bis jemand “What the fuck” sagt.
Dann ist es immer noch vergangen und vorbei. Weit weg, vertan, versackt, dreimal verdunstet und als Augenregen in Kissen reingetropft.
Aber es ist dann _gewesen_
Kein Angstfreudealptraum, den man nur von sich weisen _kann_, weil Fähig- Mutig- Kräftigkeiten fehlen. Surrealität, Absurdität, das krass krass krass der potenziellen Eventualitätsoptionen soweit über den Kopf ragen, wie die drei Zauberbohnen.
Weil allein, verlassen, einsam. Weil Angst vor dem Leben. Dem Dann. Dem Wenn. Dem und dann und dann und dann und dann.
Diesem ganzen Lauf der Dinge, den man nur mitmachen oder ohnmächtig, still, stumm anstarren kann. Ohne Kontrolle, ohne Einfluss.
Vorhin ist mir aufgefallen, dass ich mir die ganzen Kontroll- und Sicherheitslosigkeiten in meinem Leben mit Hass, Ablehnung, Dummheit, Opportunismus, Ignoranz, Mitgefühlslosigkeit, Zwang und persönlichen Ohnmachten erkläre.
Die Menschen müssen mich ja hassen, mich verachten, zu dumm sein mich und meine Entscheidungen zu verstehen, nur auf sich selbst bedacht oder einer anderen Instanz unterworfen- sonst würden sie mich ja nicht verletzen, kränken, diskriminieren. Mich so ohnmächtig fühlen lassen.
War ja immer so.
Kann ja gar nicht anders sein.
Hast du das denn schon wieder vergessen Rosenblätterdummchen? Du bist einfach scheiße- was hast du denn gedacht, was sich ändern würde, wenn…?!
Alle sind mächtig und du nicht.
Alle anderen kriegen ihr Leben geschissen und du nicht.
Weil du kaputt bist. Verkorkst. Von Natur aus falsch. Du brauchst dir nichts auf deinen Phänotyp des homo sapiens sapiens einbilden.
Du bist nicht wie sie.
Und dann geht mein ganzer Kopfbreistapel kaputt, weil andere, die, wie ich sie sehe, alles richtig machen, gänzlich okay und in Ordnung sind, nicht mehr als ein “What the fuck” äußern, um dem was war zu begegnen. Genau wie ich, als ich damit konfrontiert war.
Was Gewalt und Überwältigendes kann, ist Trennungen zu verursachen.
Ich habe mich von Menschen abgetrennt, die mich lange und nah begleitet haben. Von Menschen, die mich lieber anschweigen als in die Konfrontation zu gehen.
Ich habe mich von meinem Körper abgetrennt. Von Mutreserven, die die Überprüfung meines Kopfbreis, meines Handelns, meines Seins im Hier und Jetzt ermöglicht hätten.
Ich war außer mir und hab vergessen wieder in mich zu gehen.
So macht man das. So hats klein Rosenblatt doch gelernt.
Wenn man außer sich bleibt, dann ist aller Hass, alle Gewalt, alle Abwertung okay. Man kann ja sowieso nichts daran ändern.
Alles was zu viel, zu nah, zu überwältigend war und in der Folge passierte, hab ich in meinen Brei aus erklärenden Annahmen geworfen und mich an meiner Bademeisterstange aus Äußerungskontrolle festgeklammert.
Ich hab mich räumlich, sozial, emotional getrennt gehalten und es war okay.
Und, weil es für mich okay ist, muss es für andere ja scheiße sein.
Für mich darf ja nichts okay sein.
Also Druck und noch mehr Isolation.
Noch weniger Atem.
Noch mehr Trennung.
Noch mehr Gewalt, die von mir allein ausgeht.
Noch mehr Selbsthass für genau diese Gewaltausübung.
Noch mehr Gedanken zu Sinnlosigkeit, Ohnmacht.
Noch mehr Stille.
Noch mehr um sich kreisen, statt in sich hinein fühlen.
Ich denke, es ist gut, wenn ich das so spüre und für mich ausdifferenziere.
Wenigstens meinem Kopfannahmenbrei wieder mehr Marker für seine Eventualität hinzufüge.
Ja, kann sein, dass mich alle Menschen hassen und das aus gutem Grund – kann aber auch sein, dass XYZ der Fall ist und der einzige echte Fehler von mir ist, meine Ängste zu Annahmen und meine Annahmen zu Wahrheiten werden zu lassen.
Ich kann immer noch Einsiedlerin werden.
Aber ich muss es nicht sein, weil ich Angst davor habe den Gefühlen und Handlungen anderer Menschen auf immer und ewig hilflos ausgeliefert zu sein, die ich dann irgendwie in meiner Kontrollstarre aushalte.
Reicht, wenn ich eine werde, weil mir Menschen sicher sagen, dass sie mich verletzen, kränken, zu Tode ängstigen, weil darum.
bis dahin könnte ich
mit dem großen Zeh zuerst
zurück in mich, an mich heran gehen
Umfrage zur therapeutischen Versorgung von multiplen Menschen und Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung
LARA Krisen – und Beratungszentrum führt in Kooperation mit der Universität Potsdam eine wissenschaftliche Studie zu der therapeutischen Versorgung von Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung und Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung durch. Mit der Studie möchten wir die Erfahrungen auf der Therapeut_innensuche und innerhalb der Therapie erfassen. Es wird auch nach der Zufriedenheit mit der Versorgung und nach eventuellen negativen Erfahrungen im therapeutischen Versorgungssystem gefragt. Unser Ziel ist es, die Missstände in der therapeutischen Versorgung aufzuzeigen und Verbesserungen zu erwirken. Wenn Sie eine der beiden Diagnose erhalten haben, möchten wir Sie gerne zu der Befragung einladen. Falls Sie beide Diagnosen erhalten haben
und an der Befragung teilnehmen möchten, füllen Sie bitten den Fragebogen für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung aus. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich Zeit nehmen und den Fragebogen unter dem folgenden Link aufrufen und ausfüllen:
Die Befragungen sind anonym und freiwillig. Ansprechpartnerin für Fragen ist Anne Roth. Es wäre toll, wenn möglichst Viele an der Befragung teilnehmen, sodass die Aufmerksamkeit für das Thema in der therapeutischen Fachwelt erhöht wird.
Vielen Dank!
LARA Krisen- und Beratungszentrum Fuggerstraße 19 // 10777 – Berlin
Website: lara-berlin.de Telefon: 030/216 88 88
Email: anne.roth@lara-berlin.de
Universität Potsdam Humanwissenschaftliche Fakultät // Beratungspsychologie Karl-Liebknecht-Str. 24-25 // 14476 Potsdam-Golm
Verantwortliche: Anne Roth // Prof. Dr. Petra Warschburger
Telefon: +49/331/977-2678
E-Mail: annroth@uni-potsdam.de // warschb@rz.uni-potsdam.de
Nachtrag zum Tag des Folteropfers
Gestern am 26.6. 2014 war internationaler Tag der Folteropfer.
Das Institut für Menschenrechte trägt immer viele gute Sachinformationen zum Thema zusammen und macht auch in diesem Jahr, wie so ziemlich jede Organisation mit dem Schwerpunkt “Menschenrechte”, darauf aufmerksam, dass die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter bis heute im Grunde ein Ehrenämterposten mit dem Prüfungsauftrag sämtlicher Heime, Kliniken und Verwahrungsanstalten von Deutschland ist.
Es geht um Geld, Verantwortung, Schuld, den Begriff der Folter.
Es geht nicht darum Opferschaft als einen Zustand zu markieren, der vorbei geht und doch so tiefgreifende Spuren hinterlässt, dass das “nach der Folter”; “nach der Opferschaft”; “nach der Täter-Opferschaft”; “nach der Zeuge von Folter – schaft” gleichsam als sowohl Folter-, als auch Gewaltpräventionsraum anzusehen ist.
Folter ist ein Akt der Gewalt, der weit mehr als Symptome einer PTBS entstehen lässt, wie quälende Ängste, Flashbacks und darauf aufbauend Vermeidungsverhalten und Somatisierungen. Das Ziel von Folter ist es, zu Gunsten Dritter, sämtliche Internalisierungen über Werte, Normen, emotionale Bezüge in einem Individuum zu zerstören.
In manchen Kontexten steht am Ende der Folter eine Aufgabe Funktion des Individuums, zum Beispiel als SoldatIn Teil einer (Bürgerkriegs) Armee zu werden, oder als SpionIn, KurierIn oder auch bloßes Objekt zur Benutzung jeder Art eingesetzt zu werden.
In anderen Kontexten steht am Ende der Folter, die Integration in eine Gesellschaft, deren Normierungszwang die Folter erst ermöglichte. So sind geschlossene (Kinder und Jugend- ) Heime und die Psychiatrie als Ort zu betrachten, in denen das Sein der Irren und Ausgeschlossenen nicht nur in Gefahr ist, weil sie exkludiert sind und sich, warum auch immer, selbst- und/oder fremdschädigend verhalten, sondern auch, weil diese Art der Sprache, des Ausdrucks, als “verschwunden”/ “geheilt”/ “kompensiert” gelten muss, um eine Chance auf Reintegration zu erhalten. Das Stigma psychischer Krankheit verhindert jedoch bis heute gründlich die Inklusion von Menschen mit Psychiatrieerfahrung jeder Art.
In diesem Kontext hinterlässt die psychiatrische Folter also nicht nur den Verlust der Integrität über eigene Normen und Werte, sondern auch noch den individuellen Ausdruck dessen, zu Gunsten einer Gesellschaft, die sich selbst nach einem Anpassungsvorgang (selbst wenn das Individuum die totale Selbstentfernung und/oder Verleugnung vorgenommen hat und bereit ist sich neuen Aufgaben zu stellen) nicht dazu entschließen muss, sich diesem Individuum anzunehmen.
In jedem Fall bedeutet das Ende der Folter, den Anfang von einem Leben in dem vorrangig folterbedingte Internalisierungen das Individuum wenn nicht kontrollieren, so doch früher oder später, mehr oder weniger beeinflussen.
Die Möglichkeit selbst zum Folternden oder zum Folter nicht ablehnenden Menschen zu werden bzw. so zu handeln, weil keine Alternativen erlernt/eingeübt wurden und/oder gesellschaftlich akzeptiert und somit gesichert (privilegiert) werden, ist vielleicht nicht in 100% der Fälle zu beobachten, dennoch aber nicht von der Hand zu weisen.
Gewalt gebiert Gewalt – das gilt auch und in manchen Kontexten sogar explizit für Folter (siehe “Kindersoldaten”).
Am Tag des Folteropfers nicht über die Situation der zu Opfer gewordenen Menschen zu sprechen, halte ich persönlich für einen gewaltkulturellen Reflex unserer Zeit und ein Symptom für als selbstverständlich betrachtete Dualismen, die nicht als Gewaltmechanismen anerkannt werden.
Es ist offenbar selbstverständlich, dass zu Opfer gewordene Menschen weder in der Politik noch im ehrenamtlichen Engagement mitmischen dürfen, sondern bestenfalls als Fallgeschichte oder emotionalisierendes Einzelschicksal auftreten dürfen (!). Es ist offenbar nicht möglich, die verschiedenen Instanzen, die mit der Versorgung von Menschen die Folter überlebt haben (überleben mussten) zusammenzubringen und das Wissen über die Entstehung, Ausübung und Folgen von Folter zusammenzutragen, um es zu einem Einfluss für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung, Unterdrückung … Exklusion werden zu lassen.
Es heißt konstruktive Vorschläge wären neben der Formulierung der Problematik, dem Informieren über diesen Tag und sein Thema gern gesehen.
Hier meine Vorschläge und Ideen zur Prävention von Folter und folterähnlicher Zustände in geschlossenen Einrichtungen von Deutschland
1) Jeder/ jedem PatientIn*/ KlientIn*/ HäftlingIn* eine/n FürsprecherIn*
Diese/r muss:
– geschult sein in PatientInnenrechten bzw. in Haftkontexten in Rechten von Gefangenen
– global unabhängig vom Kostenträger der Einrichtung bzw. Anstalt sein
– befugt sein jederzeit Kontakt zu seinem/ seiner KlientIn* aufzunehmen (gleiches gilt für die KlientInnen*)
– befugt sein sofort und auch ohne Zustimmung und Kenntnis der Einrichtung Meldung über Missstände zu machen – im günstigsten Fall an eine kontrollierende Instanz, die, wenn nötig Maßnahmen zur Veränderung der Situation einleiten kann
2) geschlossene Einrichtungen müssen sich (entsprechend Punkt 1) vom Privileg der Selbstorganisation und freiwilligen Selbstkontrolle verabschieden
3) die Personalschlüssel in geschlossenen Einrichtungen werden angehoben
4) das Personal wird in im gewaltfreien Umgang mit ihrer Verantwortung als Definitionsmacht geschult
5) Für KlientInnen* wird ein größeres und besser nutzbares Netz an Alternativen zur Veränderung ihrer Lage geboten
Das bedeutet:
– ein Ausbleiben von Einweisungen auf “freiwilliger Basis, weil Alternativen der (sicheren) Unterbringung fehlen”, was wiederum der Nutzung der Psychiatrie als exkludierende Instanz entgegenwirken kann
– die Förderung von Projekten und Wohn- und Therapiekonzepten, die ambulante wie stationäre Aufenthalte in bisher neuem Umfang und fern psychiatrischer Kontexte zum Ziel haben
– die Finanzierung ambulanter Therapieangebote ist bis zur Heilung* eines Individuums gesichert – auch Erhaltungstherapie wird so lange gesichert, wie es nötig ist*
– die Bedarfsplanung zur Behandlung psychisch erkrankter Menschen orientiert sich an sowohl der angenommenen Dunkelziffer von Gewaltüberlebenden, wie an der Dunkelziffer noch nicht durch MedizinerInnen diagnostizierter Menschen
– stationäre Einrichtungen (wie zum Beispiel traumatherapeutisch arbeitende Kliniken mit offenem Konzept) werden in die Lage versetzt ihre PatientInnen* so lange und so individuell zu behandeln, wie es sowohl den BehandlerInnen, als auch den PatientInnen effektiv erscheint
[Menschen die zu Opfern von Folter wurden, warten derzeit bis zu 2 Jahre auf einen Therapieplatz in Kliniken unter Umständen weit entfernt von ihrem Wohnort, wo es oft genug weder konzeptionelle noch räumliche noch finanzielle Möglichkeiten gibt, sie in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse wie auch der autonomen Gestaltung eines gewaltfreien Lebens zu unterstützen]
6) Traumata und die Behandlung ihrer Folgen für Körper Geist und Seele wird allgemeiner Bestandteil in sowohl der Ausbildung von Menschen, die mit Menschen arbeiten (PsychologInnen/ PsychotherapeutInnen, MedizinerInnen, LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen, PflegerInnen, Hebammen, PolizistInnen, JuristInnen) als auch der zivilen Bevölkerung
7) politische Initiativen, Gremien, Vorstände etc. arbeiten zusammen mit Menschenrechtsorganisationen, Überlebenden von Folter/folter ähnlichen Umständen und BehandlerInnen (sowie VertreterInnen oben genannter Berufsstände) um am Problem bestehender Risikofaktoren in geschlossenen Einrichtungen zu arbeiten und Lösungen zu formulieren bzw zu erarbeiten
8) Menschenrechte werden in den Schulunterricht eingebunden
– jedes Mitglied unserer Gesellschaft sollte wissen wann und wo seine Menschenrechte eingeschränkt und/oder verletzt werden und wo er die Wahrung selbiger einfordern bis einklagen kann
*Heilung meint in diesem Zusammenhang den von BehandlerIn und behandelten Menschen kongruent benannten Zeitpunkt einer solchen
*Erhaltungstherapie muss als Lebenserhaltende Maßnahme anerkannt werden und entsprechend finanziert
_________________
Dieser Text darf sowohl über das Internet, als auch in institutionellen Kontexten verbreitet werden, sowohl um eine Diskussion mit dem Ziel der Verhinderung von Folter und folterähnlichen Umständen entstehen zu lassen, als auch bestehende Diskussionen um Opferhilfen, Gewaltprävention und Wege zu einer inklusiven Gesellschaft zu unterstützen.
“Meine kleine Eule”
… heißt das Bilder- und Vorlesebuch für (Klein)Kinder ab 18 Monaten von Britta Teckentrup.
Ein wundervoll unaufgeregtes Bilderbuch über den Ausflug einer Eulenfamilie durch die Nacht des Waldes, das in der arsEdition erschienen ist.
Auf 100% Recyclingpapier und in angenehm warmen Ökofarben können sich große und kleine Augenpaare ausruhen und in lebendige Szenen eintauchen.
Das Buch ist perfekt zum Entspannen und Sammeln, Träumen und sich treiben lassen. Es kommt ohne Heteronormativität, ohne emotionale Konflikte und ohne Bildungsauftrag daher, und ist trotzdem nicht langweilig. In den 7 unterschiedlichen Szenen finden sich auch nach längerem Anschauen immer wieder neue Details, die zum Zeigen, wie Angucken einladen.
Uns tut es gerade ganz gut, vor dem Schlafengehen noch ein bisschen mit der Eulenfamilie durch den Wald zu fliegen.
nur weil
gestern traf mich ein Schlag
oder zwei oder drei oder vier oder
vielleicht
berührte ich einen Moment ohne Schlag
Eine Sie aus dem jungen Früher hat uns getroffen
eine dieser Sies, die ruhig hätten einen festen Platz hätten haben können
als eine, deren Kopf man hält und deren Haut sich wie Seidenpapier unter den Fingerspitzen anfühlt
aber auch eine Sie aus einer Zeit, in der Gesichter unter Angstpulsen zerfließen und in Abflüsse verschwinden
Ich wollte mich zwingen an Sommerregen zu denken
an lange Küsse, Nähe, Ruhe, Gedankenwanderungen
das Urnormalste, was wir aus uns herausbringen konnten, inmitten dieses Mikrokosmos des sogenannten Wahnsinns
fern von allem
und jedem
Und aus meinem Zwang wurde Druck, der Druck aufstaute
und sich in einem stummen, trockenen, atemlosen Krampfweinen entlud
Wunder der traumatherapeutischen Stabilisierungskunst
Ausklinken ohne Klinke
Ich konnte mich nicht an die guten Gefühle heften
im Laufe der Zeit sind sie glattgeschmirgelt worden
Die Erinnerungen, die mich belasten aber beißen mich, wenn man sie weckt
sie sind rauh und kratzig, halten mich in der 5 Punkt Fixierung und stinken nach Sterilium
Ich werde wütender und wütender,
weil mir wirklich alles von beschissenen Erinnerungen zerfressen wird
Ich hab sie ernsthaft gemocht und ich glaube, wir wären ein Paar geworden, dass sich viel zu geben gehabt hätte. Unsere Zeit war schön für mich. Verrückt, wirr, schwammig, aber schön.
Ich bin wütend, weil es Unrecht ist,
dass mich etwas beißt, nur weil es geweckt wird
Ich schlage doch schließlich auch nicht alles kurz und klein, schreie, brülle die Welt in Scherben
nur weil
darum
ES ist nicht vorbei
Ich weiß noch wie das war.
Die erste eigene Wohnung, in der man in jedem Raum mit den Dachschrägen ins Gehege kam und die gerade klein genug war, um mir räumliches Zerfallen zu ersparen.
Wir mussten ausziehen, weil zwei Mal dort eingebrochen wurde.
Einmal wurden wir da überfallen.
Wir haben immer gesagt, es wäre jemand in unserer Wohnung gewesen und wir hätten das nicht gewollt.
Mehr Worte gab es nicht für diese Episode aus etwa 30 Minuten [… … …]
Damals hatte ich noch die Drogen. Das Tavor und das Zopiclon, die Antidepressiva.
Wir mussten nicht darüber reden, wie das für uns war, woran wir uns erinnern, was eigentlich gewesen ist.
Eigentlich waren da auch nur Schemen, Gefühle, die sich wie Gedanken anfühlen und ach – das Etikett “es gab Täterkontakt” machte den Menschen um mich herum schon genug Fantasien in den Kopf. Wir haben uns durch die Ausstiegsspaltung gedrogenrauscht und versucht nebenbei das eigene Wachsen auszuhalten.
Die “Sache” mit den Polizisten und den Männern* vom Krisendienst
Ich würd lügen, würd ich schreiben, dass wir seitdem auch nur eine Nacht ohne Hilfsmittel hier haben schlafen können.
Ich würd lügen, würd ich schreiben, dass es mich nicht unaushaltbar wütend macht, dass der Mensch, der das alles ausgelöst hat, nicht ein einziges Mal – nicht einmal den kleinsten Hauch von Rückgrat in sich hat, sich mit uns persönlich auseinanderzusetzen.
Egal, denke ich
Ich würde den Menschen verprügeln, würde er vor mir stehen und das ist jetzt keine Rhetorik. Ich würde meine Ohnmacht vor der ganzen egozentrisch rettungsmoralischen Kackscheiße in seinem Kopf nicht ertragen und einfach losschlagen.
In meinem Kopf mache ich das. Immer wieder. So doll, dass ich das selbst kaum aushalte.
Und ja- ganz so blöd bin ich auch nicht- ich weiß, dass ich, wenn ich mir das vorstelle, mich selbst sehe, die Schmerzen zugefügt bekommt.
In meiner ersten eigenen Wohnung, von einem Typen, der sicher nicht einmal meinen echten Namen wusste, aber schon wusste, wieso er tat, was er tat.
Ich weiß, dass das hier das Hamstergrübelrad in Richtung Depressionmoloch nach (Re-) Traumatisierung ist.
Ich fresse und lebe, wie ein Schwein. Fühle mich wie eins. Ich bin überreizt und froh, wenn ich Laute aus der Buchstabensuppe in meinem Gedankenkochtopf gefischt kriege.
All die hübschen positiven Ressourcen liegen in meinem Notfallköfferchen und lächeln mich an. Lassen mich Alltagskomptenz halten und ausüben.
Und währenddessen denke ich an Drogen, Gewalt, Zerstörung, Ohnmacht, Schmerz.
Das ist alles wortlos. Das geht alles ohne Anstrengen, ohne Enttäuschung. Überall. Immer.
Ich hab bis heute keine Wörter in mich reintherapiert bekommen.
Irgendwie ist nur die Zeit vorbei gegangen.
ES nicht.
Keins von all den ES –en.
Keine dieser ganzen Episoden aus [… … …]
Aber,
ich hab einen Hund mit dem ich nicht reden muss, um mich ein bisschen besser zu fühlen.
Daran will ich mich später mal genauso krass erinnern, wie an
ES