Netztipp für das Wochenende

die jährliche Openmind Konferenz zu politischen, netzpolitischen, gesellschaftlichen und visionären Themen findet seit gestern in Kassel statt.

Heute und morgen werden die Vorträge live gestreamt und können HIER angesehen werden.
Das Programm findet sich
HIER.

 

Der Twitter Hashtag ist #om14

Netztipp aktuell: Recht haben – Recht bekommen

 der zweite Berliner Menschenrechtstag ist bereits im Gange und kann live gestreamt werden

„Live übertragen wird vom Beginn der Veranstaltung (10:00 Uhr) bis zum Ende (16:15 Uhr). Von den Foren (ab 13:15 Uhr) wird Forum 1 „Ohne Diskriminierung zum Recht kommen: Diversity in der Justiz“ live übertragen.

Die vor Ort anwesenden Gebärdensprachdolmetscherinnen werden durchgängig im Video gezeigt.

An den Programmpunkten mit Publikumsbeteiligung können Sie sich per Chat beteiligen: ab 11:45 Uhr an der Diskussion mit dem Publikum sowie von 13:15-15:40 Uhr am Forum 1 „Ohne Diskriminierung zum Recht kommen: Diversity in der Justiz“, heißt es auf der Webseite des Menschenrechtsinstituts.

es gibt keine “Mauer des Schweigens”

“Hinter den Mauern des Schweigens, passieren grauenhafte Taten” und das Auge erfasst eine Mauer.

Nein.
Ich mache die Augen zu, weil da keine Mauer ist. Nie war.  Da waren grauenhafte Taten. Da war Schweigen. Ist. Aber da war keine Mauer. Ist keine Mauer.

Wer spricht verhält sich. Wer sich verhält ist wahrnehmbar. Auslösend. Agierend.

Ich wollte verstehen. Will verstehen, was da passierte. Ich will die Dynamik verstehen. Nicht, um sie zu verändern oder eine Schuld genau erfassen zu können.
Es ist vorbei- ich habe nichts vom Schuldbegriff. Nie gehabt.

Ob ich .wir. jemals gesagt habe: “Ich will das nicht. Lass das.”, weiß ich nicht.
Ich erinnere eine Szene, in der ich wählen sollte, wie er mich bestraft. Ich hatte in ein Stück Käse gebissen und es wieder zurück in den Kühlschrank gelegt. Er sagte: “Links oder rechts?” Und ich fing an zu weinen, weil ich “gar nicht” dachte und wusste, dass das nicht seine Frage war. Nicht die Wahl, die ich zu treffen hatte. Ich wusste das. Wusste, dass jedes Wort von mir ein Agieren .Verhalten. gewesen wäre. Mein Weinen und nichts sagen, waren meine einzigen Mittel auszudrücken, dass ich nicht auf dieser Basis mit ihm interagieren wollte.

Schweigen ist keine Mauer. Schweigen ist einfach nichts. Ein Nichts, das da ist und nicht weggeht. Aber auch nichts, das auf nichts zeigt oder eine Hürde darstellt.

Mein .unser. Schweigen war nie absolut. Es gab .gibt. immer Körpersprache, Kunst, Geschichten.
Menschenkörper sind keine luftdichten Gefäße für die Seele, für Schmerz, für die Folgen von Gewalt.

“Das Schweigen der Opfer” gibt es nicht.
Es gibt zu wenig Raum, in dem sich Menschen, die Opfer geworden waren, verhalten dürfen.

Zu wenig Raum, in dem ihre Worte nicht nackt und klamm unter tausend Augen stehen, bereit seziert, analysiert, ausgewertet zu werden.

Zu wenig was neben ihren Worten stehen kann. Um sie zu schützen. Um ihre Anwesenheit zu markieren.

Mein Sprechen und Beworten wurde von je her von einem Werkzeug mich zu verhalten, zu einem Werkzeug mich zu verletzen, mit Schuld zu beladen und in Todesangst zu halten gemacht.
Von Menschen.

Die geschützt werden von der Auffassung mein Schweigen, mein Tatschweigen, sei eine Mauer.
Letztlich ist es diese Auffassung, die eine Mauer bildet, hinter der diese Menschen Grauenhaftes tun können.
Von dieser Mauer kommen die Steine, die mit jedem “Wenn sie nichts sagen…” auf die Menschen, die Opfer waren, geworfen werden.

und Stille

Dass man nie allein ist. War. Das ist mir gerade eingefallen.

Sie nennen es Kraft der Familie°, Stärke der Gemeinschaft, einer für alle. Und deshalb gehen die Missionierenden nie allein. Sie kommen nie alleine und halten mir den Wachtturm hin und fragen, ob ich mal etwas lesen möchte. Sie stehen auch nie wirklich allein in der Stadt und halten die klitzekleinen Heftchen in der Hand. Ein paar Meter weiter stehen die anderen.
Und unterstützen.

Wenn sie nach Hause gehen, fragen sie einander, wie die Gespräche mit den Menschen waren. Worum ging es, was war das für ein Mensch, hat er seine Wohngegend genannt, damit wir ihn mal besuchen können? Was hast du gedacht? Hat dich das Gespräch im Glauben gestärkt oder geschwächt?

Es gibt keine Momente am Tag, in denen sich eigene Gedanken verfestigen können. Wenn man nie allein ist, dann ist Einsamkeit der Tod.
Dann wird Stille zu etwas, dass einem den Kopf von innen nach außen totätzt. Also erzählt man sich, was einem zuerst einfällt.
Man betet. Und merkt nicht, dass man bittet. Irgendwann: bettelt.

Der “Sch…”- Laut ist groß. Schande. Schuld. Scham. “Sch!”.

Das ist der Laut unter dem sich die Mehrsamkeit, die Gruppe, die Unterstützung, zu Kontrolle und Doktrin verwandeln.
Der Punkt, an dem man merkt, das man nicht gehen kann. Nicht unbemerkt. Nicht ohne einen “Sch”-Laut zu provozieren. Es ist eine Angst vor diesem Laut- nicht vor den Menschen, die ihn ausstoßen.

Manchmal ist man ohne sie irgendwo. Dann hat man einen Tinnitus aus “Sch!”-Geräusch.
Man wird hilflos, weil man nicht mehr hören, nicht mehr reagieren kann.
Dann ist es die Gruppe, die Familie°´, die die Last des “Sch!” von einem nimmt. Psalmenweise. Mit Budenzauber. Lichtershow.

Zusammen mit anderen.

Man kann nie bündeln. Man kann niemanden allein lieben oder hassen, ignorieren oder in Gedanken haben.
Wenn man interagiert, dann schließt man die Person, die Macht und die Familie° mit ihrem Auge auf und den Händen in, dem Kontakt, dem Wort, dem Moment zwischenmenschlicher Privatheit, gleich mit ein.

Man lernt das Fasern nach außen und trägt es in sich hinein.

Sie kommen seit Wochen und klingeln bei mir.
Zeugen Jehovas.

Zwei. Es sind immer zwei. Nicht einmal mein “Ich möchte in den nächsten Wochen bitte keinen Besuch bekommen”, kann ich bündeln auf eine Person. Ich muss es abschwächen durch die Aufteilung auf zwei Personen. Ich sage es der Einen und entschuldige mich bei der Zweiten.

Sie wissen nicht, dass ich das “Sch!” in ihrem Kopf hören kann.
Besonders, wenn da Stille ist.

liebes Tagebuch

Aufwachen, Herzrasen, Kloß im Hals, Schwindelgefühle. Irgendwo am Rand kruschelt der Hund und der Welt bekommt Farbe.
Durch die Wohnung taumeln, Kaffee ansetzen, Treppen runter, Hund laufen lassen. Unter den Blicken der Nachbarn auf diesen Klumpen Menschenmasse, der mich umgibt, werd ich schon wieder steif. Treppen rauf, Blick auf den Kaffee, einatmen, in den Waschraum, das erste Mal heulen.
Der Tag hat keine 20 Minuten und ist doch schon längst die Blaupause des Gestern, Vorgestern und Vorvorgesterns.

Ich bin wütend geworden und bin es noch. “Sie müssen lernen, was Ihnen gut tut” hat sie gesagt und in meinem Kopf hat es geantwortet: Fick dich Fick dich Fick dich Fick dich Fick dich
Was genau das sagen soll, weiß ich nicht- vermutlich soll es nur “kaputt” bedeuten. Zerstörung. Mach kaputt, was dich kaputt macht.

Ich bin müde, überreizt, ausgelutscht und leer.
Ich kann was auch immer mir gerade gut tut, weder aufnehmen, noch verarbeiten, weil ich keine Kapazität dafür habe.
Ich will einfach meine Sachen hier fertig kriegen, meine Wohnung aufräumen, saubermachen, meine Fotos sortieren, meine Kunst ordnen. Ich will meine Bürokratie vom Angsthaufen in “das hat jemand im Blick” Ordnern haben. Ich will hier einfach mal Grund und Ruhe drin haben. Ich will Ruhe von diesem Mist, ich hab keine Nerven mehr für “Kür”, für Anstrengung. Vielleicht auch für selber machen.

Ich bin auch wütend, weil ich mich nicht gesehen fühle. Mal wieder.  Und nicht “mal wieder” von der Therapeutin, sondern allgemein “mal wieder von einer außenstehenden Person, der ich sage, dass ich müde bin und das Gefühl habe, dass ich nicht mehr kann und irgendwie eine Pause/ Ruhe/ Grund brauche”.
Ja, nein, ich muss nicht jede Hochzeit mitnehmen, tue ich auch nicht.
Ja, nein, ich muss nicht alles perfekt hinkriegen, davon habe ich mich auch verabschiedet.
Ja, nein, ich muss nicht alles auf einmal schaffen- ich bin wahrscheinlich die letzte Person, die von sich denkt, dass sie irgendwas irgendwann mal zu Ende kriegt.
Aber ich muss diese Phase, diese Zeit von “Viel” doch wohl noch anders überstehen können, als mit einem lauwarmhalbgarem Brigitte online –Spruch, der mir an die Stirn geklatscht wird und da runtertropft.

Vielleicht gehts am Ende nur darum, dass ich das Gefühl brauche, nicht im freien (!) Raum herumzuschweben, sobald ich nicht mehr aktiv nach den Menschen grabsche, die ob nun beruflich, wie die Therapeutin oder privat wie meine Gemögte, Gemochten und Bekannten, wenig bis nichts dagegen haben, wenn ich das tue.

Ich weiß es doch auch nicht.
Ich soll alles bei mir suchen und finden.

Ich ich ich ich ich ich ich

In diesem Textstück kann jeder Satz von einem anderen Ich in mir drin kommen und ich würde es nicht einmal merken. Dagegen ankämpfen frisst Kraft. Äußern, dass es mir Angst macht, mich verunsichert, führt dazu, dass mir gesagt wird, ich soll mal darüber nachdenken mich zu stellen- was ich über “sich den Anderen stellen” denke, schlucke ich mir dann gleich mal wieder runter. Eh schon tausend Mal gesagt alles. Sinnlos sinnlos sinnlos das jetzt nochmal zu versuchen.

Alles sinnlos. Nicht egal. Nicht unwichtig.
Aber sinnlos.

 

Lustig.
Sehen und Hören sind Sinne, ne?

zweitausend

“Kinder spielen
die Riesen sind geduldig
und die Welt flirrt bunt

gewickelt in Zipfeln aus Zeit ist ein Mädchen versteckt
und schläft und träumt- und wird gefunden.
im alten Garten, der keine Grenzen erbaut
von wilden Augen
die Hände tasten Haut, ganz rissig von all den Jahren

aus dem Körper gestoßen, fliegt es in den Himmel

dort tanzt es mit Elfen und träumt und träumt
und vergisst, dass es träumt
und, dass es wachte, als es dachte
es würde schlafen und träumen, wie jetzt”

 

#diaryslam
ca. 2001, Kladde, liniert, verschiedene Schriften, verschiedene Stile in spezifischen Formaten
Diagnose „Anpassungsstörung“

Sonntag im Bett

Ich hatte gedacht, ich würde einen Tag brauchen, um meine Akkus aufzuladen, mich zu sammeln, auszuschlafen, mich zu fokussieren.
Jetzt weiß ich, dass ich ihn brauche und mir nicht selbst machen kann.

Ich habe einen Podcast gehört und gezeichnet. Mir fällt nicht mehr ein, worum es ging.
Ein Umschlag liegt im Regal. Der Name meiner Therapeutin steht drauf.
Heißes Zeug also. Pfoten weg, Nase raus.
Das verschwindet schon von allein.

Mein Herz klopft bis an den hinteren Teil meines Gaumens und nichts ist okay.
Ich merke, dass sich in mir irgendetwas anstrengt mir den Rücken freizuhalten, mich zu halten. Ich fühle diese Anstrengung als Schweißtröpfchen auf meiner Oberlippe.

Ich habe mal eben ein Comixxeblog gemacht und weiß nicht mal wieso.

Im Ofen bäckt Essen. Mir ist schlecht und schwindelig.
Am Freitag habe ich meinen Termin bei der Ärztin vergessen.

Vergessen, weil oder obwohl? ich nach der Therapie am Donnerstag auch noch das Gespräch zum Gutachten mit der Neurologin hatte.
Ich war so müde und zerrieben zwischen dem Therapiefieber, den Bilderresten, die mir im Kopf waberten und dem Austarieren, wie die Neurologogin zu uns steht. Zu uns und diesem Behindertending. Ich war da und sah den Wutmutigen beim Schnellreden und so- tun- als- wäre- alles- gut- tun, zu.

Es macht mich kaputt dieses: “Ja, ich weiß, dass du meine Behinderung nicht sehen kannst- kannst du bitte trotzdem die Behinderungen, an denen ich mich gerade abarbeite, sehen?”.
Und es macht mich nicht kaputt, weil manche Menschen wirklich einfach keinen Blick dafür haben oder ignorant sind, sondern, weil ich mir meine Schwäche, meine Müdigkeit, meine- diese- innere Anstrengungen noch immer nicht zugestehen kann, wenn mir niemand von außen bestätigt, dass sie da sind.

Ich weiß, dass ich das nicht brauche.
Ich weiß, dass mir die ganze Welt egal sein kann, wie sie mir wichtig ist.

Aber.

Blick ins You-(Tube)niversum

YouTube und wir- das ist so eine Sache.
Wir  werden das Ding ja voll rocken mit den Einschlafhilfen im Nature pur-Style- ist ja total klar- also so viel zur Position der Hannah Rosenblatt in diesem You-niversum – aber, andere Frage: Wann sind wir so alt geworden und wie kriegt man das wieder weg?

Vermutlich gar nicht. Trotzdem.
Aber will.
Also Anpassungs-TV. Nadia kennt ja immer die besten Schmink- und Kochtutorials und alles sowas und ich hatte ja zu Anfang diesen Jahres den Plan dieses Schminken auch zu machen und nicht mehr nur cool zu finden.
Ja… und dann hab ich gemerkt, dass ich morgens lieber gerne schlafe (und abends lieber ohne großartigen Sichtkontakt mit der Kopffront ins Bett falle) und es sich eigentlich doch nie lohnt mich zu schminken. Und das mit dem Kochen… ähem… Ja. Genau.

Seitdem schaue ich mir also unterschiedliche Videos an und will ich euch mal ein paar Kanäle empfehlen, die ich mag.

Im Moment schaue ich mir die Videos von Laura Isoke an, weil die noch am langsamsten sind.
Also sie schnasselt schön viel und macht nicht viele Schnitte. Das mag ich. Außerdem macht sie auch manchmal Videos mit ihren FreundInnen*, die gefallen mir auch am Besten.

Ansonsten haben unsere Lieblingsguys ja inzwischen schon einen zweiten YouTubekanal, wo man wunderherrliche Outtakes und sonstigen Killefit, außer ihren Musikvideos anschauen kann, was mir auch richtig gut gefällt.

Dann gibt’s noch den Hasslistenkönig aus Wien: Michael Buchinger, den ich allein schon wegen der Mundart feiere (aber auch wegen des Humors).

Außerdem in diesem YouTube: Coldmirror, die ich halt einfach mal feiere, because of darum halt. Kann man gar nicht so viel zu sagen außer: is halt einfach lustig bis hart an (und manchmal auch über) die Grenze. Guck ich gerne mal.

Jede Menge Denkthemen und so was haben wir zwar eigentlich schon der Uni, aber manchmal ist ein Thema doch mehr so noch Mauschel im Kopf und haben wir schon die einen oder anderen Momente des PING nach so einem Plätschervideo gehabt. Da gibt’s den Thinkingchannel, der noch mal so einen Bogen spannt, wo am Ende richtig was bei rum kommt.

Tjaaa und jetzt landen wir schon bei englischen YouTubekanälen. My jewish learning hat einen YouTube-Kanal, was ich auch cool find, weils mir manchmal leichter fällt zu verstehen, auch wenn ich nicht jedes englische Wort verstehe. Wenn ich auf deren Webseite lese und die ist voll gut und umfangreich, dann stolpere ich öfter über unbekannte Wörter und dann geht mir der Sinn flöten irgendwie.

Auch Horizont erweiternd finde ich feminist frequency, obwohl wir die Art Spiele, die sie oft erwähnt, gar nicht spielen. Aber es geht auch um Popkultur und allgemein Konsumkrams aus feministischer Sicht.

So. Fertig.
Ich dachte, es ist mal wieder ganz gut, was hochzuladen, das nicht wer weiß wie schwer und ächtzig zu lesen ist und ich hoffe natürlich, dass euch das ein bisschen gefallen hat.

Wir haben im August fast gar nichts groß gefilmt und überlegen jetzt noch ein bisschen herum, was wir so in Zukunft machen wollen. Irgendwie geht das eine Auge nicht richtig und das Hören schmiert öfter mal ab, das ist beim Filmen draußen dann voll verunsichernd und nicht mehr cool.
Bastelzeugs geht auch nicht so gut mit nur einem Auge, Redevideos ohne Gesicht auf dem Bildschirm sind bekanntlich auch eher meeh und Follow me around- Videos sind halt auch eher so mittelklug, wenn man nicht will, dass alle wissen, wo genau man wohnt. Wir brauchen also neue Ideen und so lange kann man sich unsere Naturschnarchvideos angucken.