Perspektive 2

“So sieht sie also aus, werden sie denken”, denkt sie.
“So etwas wie einen “neutralen Blick” auf Menschen gibt es nicht”, weiß sie.

Erwartungen hat sie noch nie erfüllt. Haben wir noch nie erfüllt.
”Steht auf meiner Stirn der Opferbegriff? Rahmt er meine Fettdecke ein? Blinkt er auf meiner Kleidung?”, sie steht inmitten des Körpers und versucht sich doppelter Objektivierung an sich selbst.
Es ist einer dieser Momente, in dem allen, außer ihr, auffällt, dass sie einen Körper betrachtet, der ihr nicht gehört, nicht sie ist, aber von ihr belebt wird. Manchmal. Meistens. Den sie sich als “sich selbst” zu betrachten verpflichtet fühlt.

Es gibt Menschen, die denken, nur schöne Menschen würden vergewaltigt, verkauft, verraten, misshandelt, gedemütigt, verletzt, ausgenutzt.
Sogar AnwältInnen und psychologische BeraterInnen denken so etwas. “N Fetisch gibts für alles- aber bei jemand, der so aussieht, fällts mir schwer das zu glauben…”.
In ihr geht jedes Mal etwas kaputt, wenn sie auf solchen Wegen mit der Tiefe der Gewaltkultur unserer Zeit konfrontiert ist.

Kein Opfer werden. Kein Opfer sein. Sich nicht wie ein Opfer verhalten. Nicht wie ein Opfer aussehen.
Sie hört und sieht diese Botschaften überall. Beim Selbstverteidigungskurs; im Gespräch darüber, wer wie zu einem Job kommt; im Gespräch darüber, was andere Menschen attraktiv an anderen Menschen finden; in der Begründung für Anerkennung verschiedener Leistungen.

“Es ist keine Selbstbezeichnung von mir.”, sagt sie ihrem Spiegelbild. “Es ist ein Wort, dass nicht von denen kommt, die es benennt.”.
Sie nickt und atmet den Duft der Mascara ein.

“Ich bin einfach nur M..
Wörtersucherin und zufällig auch Körper der Gewalterlebnisse hatte.
Irgendwie.”

Perspektive 1

Dass das Mädchen sich die Augen zuhält und hart macht, hatte er gemerkt.
Aber er ist ein Junge, den niemand sieht. Ist ja ein Frauenkörper und damit muss man sich abfinden.
In Wahrheit ist er also vom Mädchen eingebildet. Muss man sich mit abfinden.
Hart werden und sich ab- weg- einfach woanders finden. Wer nur eingebildet ist, der merkt nichts was wirklich ist.
Auch wenn alle sehen, dass sie nichts sehen.

Die Dynamik um den Körper, erinnert mich an junge Menschen, die mit Stöckchen auf Quallen einstechen.
Es gibt keinen Laut, kein Blut, keine Bewegung vom Tier. Es wird entweder im Sterben noch gequält oder als Leichnam zerfetzt. Die Handlung hat oft keinen weiteren Sinn als den der Neugierbefriedigung. Wenn man noch nichts über Reizleitung, Tod und Ethik weiß und vielleicht nicht in der Lage oder Willens ist, dies auf eine Qualle zu übertragen, dann sieht man die Brutalität der Handlung nicht. Die Gewalt.
Es wird klar, in welcher Beziehung so abstrakte Überlegungen zu konkreten Situationen oder Lebewesen stehen und von welchem Status aus sie konstruiert wurden.

Für uns gibt es ein neues “normal”, das uns schleichend zerfetzt. Jedes Mal neu durchbohrt und macht, was es eben immer macht: Irgendwo macht sich ein Innen hart, um die Qual einfach irgendwie an sich und um sich ziehen zu lassen, während ein anderes daneben steht und den Wellenbrecher für die FrontgängerInnen* macht.
Manchmal auch ohne es zu wissen und darin anerkannt zu werden.
Manchmal, weil man es  nicht weiß und manchmal, weil viele Teekannen gleichzeitig pfeifen und die Verbindung nicht sichtbar ist.

“Ich bin ein unsichtbarer Kämpfer. In Wahrheit bin ich Batman oder so. “
Er wünscht sich eine Maske und ein Cape.
Jemand schminkt das Gesicht.
”Besser als gar nix”, denkt er.

Würde es weh tun, würde es brennen, stechen, jucken, dann wäre es das normal mit dem wir 28 Jahre gelebt haben.
Es gäbe keinen Grund zu Verunsicherungen, der mit uns zu tun hat. Die ganze Welt kann das für komisch, schlimm, schlecht, falsch halten, es würde nichts daran ändern, dass es für uns üblich ist. Es ist normal für uns, diejenige zu sein, zu der man hinkonstruieren muss. Wir haben uns nicht in Abgrenzung zu anderen Menschen und ihren Empfindungen und Normen entwickelt. Solche Privilegien zu leben, war uns einfach nicht möglich. Wir haben uns erlebt, als wir uns erlebten. Wir haben uns benannt, als wir Namen hatten. Wir haben gefühlt als wir fühlen konnten.
Wir sind nicht, weil andere Menschen sind. Wir sind, weil wir sein durften und haben das, anders als viele andere Menschen, nie vergessen dürfen. Können. Sollen.

Er beobachtet das kleine Auge an der Kamera, während die Frau redet und seinen Augapfel im Kopf bewegt.
Seine Anstrengung fließt in schmalen Rinnen die Schläfen herab.

Wie lange bleibt diese Unüblichkeit bestehen? Wie lange muss man Schmerzfreiheit aushalten bis jemand erlaubt das eigene normal an sich zu nehmen?
Wie lange muss man diese fremde Konstruktion auf sich anwenden, obwohl sie keinen Bezug hat?
Es ist dann doch nicht nur die Abwesenheit von Schmerz an einem Körper, der von niemandem als sein Körper betrachtet wird, sondern auch das Wissen, dass einerseits immer nur über diesen Körper wahrgenommen werden kann und andererseits darüber immer wieder Konstruktionen passieren, die nichts mit dem eigenen, zu  mehreren, gelebt (worden) sein zu tun hat. 

Er spürt, wie sein Rücken warm wird und sich hinter ihm die Konturen des anderen verdichten.
An dem Bein des Mannes hinter ihm stützt er sich ab und atmet durch.
”Alles cool Kleiner. Hat voll gedauert bis ichs gecheckt hab, sorry.”. Sie nehmen einander an die Hand und bilden die Blase, in der die Frau das Normal des Fremden leben kann.

Fortsetzung folgt

und wie war’s?

sonnenstrahlenAm Dienstag hat meine Welt noch aus allen Löchern geblutet. Da war zu Tinnitus, Schwindel und dem fast vollständigen Verlust der Sehkraft, noch ein Tritt in die Kniekehlen von Ex – Verbündeten gekommen.
Ich bin bis zum Donnerstag genebelt und habe mich nicht etwa auf einen möglichst süßen Abschluss eines unfassbar kraftraubenden und von innerglobalen Katastrophen, wie aber auch Wachstumsschüben, geprägten Jahres konzentriert.
Nein- ich hatte eine Therapiestunde, bin nach Hause und habe versucht meinen Vortrag auswendig zu lernen, damit ich nicht auf die Folien angewiesen wäre.

Es war gut, in Ruhe die durchwachte Nacht von der Haut zu schälen  und den Schlafsand von den Augäpfeln zu kratzen.
Es war schlimm, dass ich in Hannover erst drei Menschen ansprechen musste, bis mir jemand die klitzekleine Anzeigentafelschrift vorliest. Es war schlimm mit Menschen sprechen zu müssen. Auf den Punkt dieses Knubbelding in meinem Hals zu Lauten und Worten zu bewegen.

Es war eine Explosion eine freudige Reaktion auf den eigenen Namen zu erfahren.
Wundergut fantastischlimm. Warum sich Menschen freuen mich kennenzulernen und sich nicht bei dem Anblick, den ich nun einmal leider biete, ungeniert auf mich drauf erbrechen, verwundert mich noch immer.

Ich bin komisch unter fremden Menschen.
Wenn ich mit dem Wundern fertig bin, gehe ich nahtlos zum awkward sein über.
Dann twittere ich eben nicht: “Hey Leute tadaa- ich halte heute abend einen Vortrag und ihr könnt zugucken.”
Nein, dann twittere ich darüber, eine Klorolle getragen zu haben und ein awkward Dreihorn zu sein. Ich twittere keine Zitate aus superguten politischen Diskussionen und Vorträgen. Nein, ich sitze im Hof, fotografiere einen “Fleck” auf einer Tasse und lache als ich merke, dass es eine Spinne ist. Ich köchle auf Stufe 5 Zillion in meiner Aura aus “komisch fremd und zu blind für Namensschilder sein” und warte auf die Person, von der ich weiß, dass sie weiß, wie ich aussehe.

Und wenn die Person dann da ist und der gemeinsame Themenkokon anfängt flauschigen Pelz zu kriegen, ist es BÄNG! nur noch eine Stunde und ein Jugendherbergenabendessen bis … high noon oder so ähnlich.

“Du kannst dir überlegen, ob du fotografiert werden möchtest oder nicht oder so…” und “Ich moderiere bei dir- möchtest du, dass ich dich ankündige?”, wurde ich gefragt. Und awkward Rosenblatt spürte die neuronale Implosion, die mit “neu” verbunden ist, wie das Plopp eines Aneurysmas. 

Als der Puls das komisch guckende Essen im Magen boxte, war es auch schon kurz vor 7. In HD- Qualität auf einem Auge. Immerhin. Uff.
Menschen kamen in den Raum. Awkward Rosenblatt schaute sich um und hätte jedes Einhorn, das um einen Keks zu trinken gebeten hätte, für logisch gehalten.

Und dann hab ich das einfach gemacht. Einfach so. Mit all den Huckeln und Kanten, die mich selbst nerven, aber irgendwie dann doch einfach da sind. Die dieses “ich, Hannah C. Rosenblatt” bekörpern und verlauten lassen.

Als jemand, der dieses “anonym aus Schutzgründen” aufgrund so vieler noch gar nicht breit beleuchteten Systemfehler nie wirklich geschafft hat und auch nie schaffen wird, sichtbar zu werden, ist krass.
Dass die Welt, dieses unbeeindruckbare Ding, sich einfach weiterdreht, ist aber noch krasser.

Es kommt fast an die Krassheit der Erkenntnis, dass es, zumindest jetzt für diesen Moment, gar nicht weh tut, ran. Fast.

Fortsetzung folgt

Netztipp für das Wochenende

die jährliche Openmind Konferenz zu politischen, netzpolitischen, gesellschaftlichen und visionären Themen findet seit gestern in Kassel statt.

Heute und morgen werden die Vorträge live gestreamt und können HIER angesehen werden.
Das Programm findet sich
HIER.

 

Der Twitter Hashtag ist #om14

Netztipp aktuell: Recht haben – Recht bekommen

 der zweite Berliner Menschenrechtstag ist bereits im Gange und kann live gestreamt werden

„Live übertragen wird vom Beginn der Veranstaltung (10:00 Uhr) bis zum Ende (16:15 Uhr). Von den Foren (ab 13:15 Uhr) wird Forum 1 „Ohne Diskriminierung zum Recht kommen: Diversity in der Justiz“ live übertragen.

Die vor Ort anwesenden Gebärdensprachdolmetscherinnen werden durchgängig im Video gezeigt.

An den Programmpunkten mit Publikumsbeteiligung können Sie sich per Chat beteiligen: ab 11:45 Uhr an der Diskussion mit dem Publikum sowie von 13:15-15:40 Uhr am Forum 1 „Ohne Diskriminierung zum Recht kommen: Diversity in der Justiz“, heißt es auf der Webseite des Menschenrechtsinstituts.

es gibt keine “Mauer des Schweigens”

“Hinter den Mauern des Schweigens, passieren grauenhafte Taten” und das Auge erfasst eine Mauer.

Nein.
Ich mache die Augen zu, weil da keine Mauer ist. Nie war.  Da waren grauenhafte Taten. Da war Schweigen. Ist. Aber da war keine Mauer. Ist keine Mauer.

Wer spricht verhält sich. Wer sich verhält ist wahrnehmbar. Auslösend. Agierend.

Ich wollte verstehen. Will verstehen, was da passierte. Ich will die Dynamik verstehen. Nicht, um sie zu verändern oder eine Schuld genau erfassen zu können.
Es ist vorbei- ich habe nichts vom Schuldbegriff. Nie gehabt.

Ob ich .wir. jemals gesagt habe: “Ich will das nicht. Lass das.”, weiß ich nicht.
Ich erinnere eine Szene, in der ich wählen sollte, wie er mich bestraft. Ich hatte in ein Stück Käse gebissen und es wieder zurück in den Kühlschrank gelegt. Er sagte: “Links oder rechts?” Und ich fing an zu weinen, weil ich “gar nicht” dachte und wusste, dass das nicht seine Frage war. Nicht die Wahl, die ich zu treffen hatte. Ich wusste das. Wusste, dass jedes Wort von mir ein Agieren .Verhalten. gewesen wäre. Mein Weinen und nichts sagen, waren meine einzigen Mittel auszudrücken, dass ich nicht auf dieser Basis mit ihm interagieren wollte.

Schweigen ist keine Mauer. Schweigen ist einfach nichts. Ein Nichts, das da ist und nicht weggeht. Aber auch nichts, das auf nichts zeigt oder eine Hürde darstellt.

Mein .unser. Schweigen war nie absolut. Es gab .gibt. immer Körpersprache, Kunst, Geschichten.
Menschenkörper sind keine luftdichten Gefäße für die Seele, für Schmerz, für die Folgen von Gewalt.

“Das Schweigen der Opfer” gibt es nicht.
Es gibt zu wenig Raum, in dem sich Menschen, die Opfer geworden waren, verhalten dürfen.

Zu wenig Raum, in dem ihre Worte nicht nackt und klamm unter tausend Augen stehen, bereit seziert, analysiert, ausgewertet zu werden.

Zu wenig was neben ihren Worten stehen kann. Um sie zu schützen. Um ihre Anwesenheit zu markieren.

Mein Sprechen und Beworten wurde von je her von einem Werkzeug mich zu verhalten, zu einem Werkzeug mich zu verletzen, mit Schuld zu beladen und in Todesangst zu halten gemacht.
Von Menschen.

Die geschützt werden von der Auffassung mein Schweigen, mein Tatschweigen, sei eine Mauer.
Letztlich ist es diese Auffassung, die eine Mauer bildet, hinter der diese Menschen Grauenhaftes tun können.
Von dieser Mauer kommen die Steine, die mit jedem “Wenn sie nichts sagen…” auf die Menschen, die Opfer waren, geworfen werden.

und Stille

Dass man nie allein ist. War. Das ist mir gerade eingefallen.

Sie nennen es Kraft der Familie°, Stärke der Gemeinschaft, einer für alle. Und deshalb gehen die Missionierenden nie allein. Sie kommen nie alleine und halten mir den Wachtturm hin und fragen, ob ich mal etwas lesen möchte. Sie stehen auch nie wirklich allein in der Stadt und halten die klitzekleinen Heftchen in der Hand. Ein paar Meter weiter stehen die anderen.
Und unterstützen.

Wenn sie nach Hause gehen, fragen sie einander, wie die Gespräche mit den Menschen waren. Worum ging es, was war das für ein Mensch, hat er seine Wohngegend genannt, damit wir ihn mal besuchen können? Was hast du gedacht? Hat dich das Gespräch im Glauben gestärkt oder geschwächt?

Es gibt keine Momente am Tag, in denen sich eigene Gedanken verfestigen können. Wenn man nie allein ist, dann ist Einsamkeit der Tod.
Dann wird Stille zu etwas, dass einem den Kopf von innen nach außen totätzt. Also erzählt man sich, was einem zuerst einfällt.
Man betet. Und merkt nicht, dass man bittet. Irgendwann: bettelt.

Der “Sch…”- Laut ist groß. Schande. Schuld. Scham. “Sch!”.

Das ist der Laut unter dem sich die Mehrsamkeit, die Gruppe, die Unterstützung, zu Kontrolle und Doktrin verwandeln.
Der Punkt, an dem man merkt, das man nicht gehen kann. Nicht unbemerkt. Nicht ohne einen “Sch”-Laut zu provozieren. Es ist eine Angst vor diesem Laut- nicht vor den Menschen, die ihn ausstoßen.

Manchmal ist man ohne sie irgendwo. Dann hat man einen Tinnitus aus “Sch!”-Geräusch.
Man wird hilflos, weil man nicht mehr hören, nicht mehr reagieren kann.
Dann ist es die Gruppe, die Familie°´, die die Last des “Sch!” von einem nimmt. Psalmenweise. Mit Budenzauber. Lichtershow.

Zusammen mit anderen.

Man kann nie bündeln. Man kann niemanden allein lieben oder hassen, ignorieren oder in Gedanken haben.
Wenn man interagiert, dann schließt man die Person, die Macht und die Familie° mit ihrem Auge auf und den Händen in, dem Kontakt, dem Wort, dem Moment zwischenmenschlicher Privatheit, gleich mit ein.

Man lernt das Fasern nach außen und trägt es in sich hinein.

Sie kommen seit Wochen und klingeln bei mir.
Zeugen Jehovas.

Zwei. Es sind immer zwei. Nicht einmal mein “Ich möchte in den nächsten Wochen bitte keinen Besuch bekommen”, kann ich bündeln auf eine Person. Ich muss es abschwächen durch die Aufteilung auf zwei Personen. Ich sage es der Einen und entschuldige mich bei der Zweiten.

Sie wissen nicht, dass ich das “Sch!” in ihrem Kopf hören kann.
Besonders, wenn da Stille ist.

liebes Tagebuch

Aufwachen, Herzrasen, Kloß im Hals, Schwindelgefühle. Irgendwo am Rand kruschelt der Hund und der Welt bekommt Farbe.
Durch die Wohnung taumeln, Kaffee ansetzen, Treppen runter, Hund laufen lassen. Unter den Blicken der Nachbarn auf diesen Klumpen Menschenmasse, der mich umgibt, werd ich schon wieder steif. Treppen rauf, Blick auf den Kaffee, einatmen, in den Waschraum, das erste Mal heulen.
Der Tag hat keine 20 Minuten und ist doch schon längst die Blaupause des Gestern, Vorgestern und Vorvorgesterns.

Ich bin wütend geworden und bin es noch. “Sie müssen lernen, was Ihnen gut tut” hat sie gesagt und in meinem Kopf hat es geantwortet: Fick dich Fick dich Fick dich Fick dich Fick dich
Was genau das sagen soll, weiß ich nicht- vermutlich soll es nur “kaputt” bedeuten. Zerstörung. Mach kaputt, was dich kaputt macht.

Ich bin müde, überreizt, ausgelutscht und leer.
Ich kann was auch immer mir gerade gut tut, weder aufnehmen, noch verarbeiten, weil ich keine Kapazität dafür habe.
Ich will einfach meine Sachen hier fertig kriegen, meine Wohnung aufräumen, saubermachen, meine Fotos sortieren, meine Kunst ordnen. Ich will meine Bürokratie vom Angsthaufen in “das hat jemand im Blick” Ordnern haben. Ich will hier einfach mal Grund und Ruhe drin haben. Ich will Ruhe von diesem Mist, ich hab keine Nerven mehr für “Kür”, für Anstrengung. Vielleicht auch für selber machen.

Ich bin auch wütend, weil ich mich nicht gesehen fühle. Mal wieder.  Und nicht “mal wieder” von der Therapeutin, sondern allgemein “mal wieder von einer außenstehenden Person, der ich sage, dass ich müde bin und das Gefühl habe, dass ich nicht mehr kann und irgendwie eine Pause/ Ruhe/ Grund brauche”.
Ja, nein, ich muss nicht jede Hochzeit mitnehmen, tue ich auch nicht.
Ja, nein, ich muss nicht alles perfekt hinkriegen, davon habe ich mich auch verabschiedet.
Ja, nein, ich muss nicht alles auf einmal schaffen- ich bin wahrscheinlich die letzte Person, die von sich denkt, dass sie irgendwas irgendwann mal zu Ende kriegt.
Aber ich muss diese Phase, diese Zeit von “Viel” doch wohl noch anders überstehen können, als mit einem lauwarmhalbgarem Brigitte online –Spruch, der mir an die Stirn geklatscht wird und da runtertropft.

Vielleicht gehts am Ende nur darum, dass ich das Gefühl brauche, nicht im freien (!) Raum herumzuschweben, sobald ich nicht mehr aktiv nach den Menschen grabsche, die ob nun beruflich, wie die Therapeutin oder privat wie meine Gemögte, Gemochten und Bekannten, wenig bis nichts dagegen haben, wenn ich das tue.

Ich weiß es doch auch nicht.
Ich soll alles bei mir suchen und finden.

Ich ich ich ich ich ich ich

In diesem Textstück kann jeder Satz von einem anderen Ich in mir drin kommen und ich würde es nicht einmal merken. Dagegen ankämpfen frisst Kraft. Äußern, dass es mir Angst macht, mich verunsichert, führt dazu, dass mir gesagt wird, ich soll mal darüber nachdenken mich zu stellen- was ich über “sich den Anderen stellen” denke, schlucke ich mir dann gleich mal wieder runter. Eh schon tausend Mal gesagt alles. Sinnlos sinnlos sinnlos das jetzt nochmal zu versuchen.

Alles sinnlos. Nicht egal. Nicht unwichtig.
Aber sinnlos.

 

Lustig.
Sehen und Hören sind Sinne, ne?