sich im Schmerz zu Hause fühlen

Tag 4 mit einem Körper-Gefühl-Flashback, der nicht aufhört.
Wenn ich einschlafe oder zur Ruhe komme, wird es schlimmer. Will ich einen Gedanken konstruieren oder gar festhalten, zerreißt etwas in mir.

Die Sonne scheint, der Wind fährt mal sachte mal ordentlich über die Haut. Die Kätzchen sind zuweilen so aktiv, dass es aus der Scheune rumpelt. Gisela und/oder Bert sitzen mit großer Ausdauer in ihrem Nest. Die Hunde kommen und gehen, zum Schmusen oder zum Spielen. Die Pflanzen wachsen, blühen, tragen Früchte oder Samenkapseln. Eine der Staudenbestellungen im Frühling ist jetzt angekommen. Kleine Babystrubbel, die am Wochenende ihre Füße in unseren Garten stecken können. Heute Nachmittag werden wir zusehen, wie jemand junge Schleiereulen beringt. Alles ist so toll.

Und alles ist so furchtbar, denn mein Körper signalisiert mir akut bedrohlichen Schmerz. Und Schmerz. Und Schmerz. Er ist so durch_dringend, dass es mich verwirrt, wie einfach ich mich gleichzeitig aber bewegen kann. Wie ich doch lebe, wie doch alles geht und niemand da ist, der mir das antut. Wie es keine Quelle für dieses Empfinden gibt, außer meiner Erinnerung bzw. “Erinnerung”. Wohler würde ich mich damit fühlen es “Gedanken” zu nennen, aber ja blabla Vermeidungstanz nein, das machen wir jetzt nicht, aber doch, es fühlt sich stimmiger an.

Ich habe noch nicht viel gemacht, um den Flashback zu beenden, aber das heißt nicht, dass ich es nicht anders will.
Auf eine verwirrend fremde Art fühlt es sich kongruent an, diesen Schmerz zu erleben. In all seiner Furchtbarkeit und in aller Not, die er bedeutet. Ich weiß, dass ich ihn nicht verdient habe, weiß auch, dass stimmt, was die Therapeutin an Tag 0 des Flashbacks sagte: “Schmerz ist Schmerz”.
Er ist eine Konstante.
In all dem, was dieser Flashback mit sich bringt – Bilder, Gedankenfetzen, Impulse, Informationsbrocken, die mir wie zufällig in den Sinn kommen und ab und zu sogar Sinn ergeben – ist er da und ein eindeutiger Ausgangspunkt. Viel eindeutiger als HeuteHierjetzt, obwohl – ja, mega merkwürdig – wir da durchaus einige andere starke Ausgangspunkte haben. Aber die tun nicht weh, die sind nur da.

Andererseits ist genau das die Tücke. Sich im Schmerz zu Hause fühlen, sich darin sicher und klar fühlen, ist so alt. Übersetzt: so früh(kindlich).

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