auf wundersame Weise oder: Psychopharmaka- wenn man schluckt was man fühlt- obwohl man gar nichts fühlt

Psychopharmaka

Sag dieses Wort zu mir und in meinem Kopf ploppen die Tabellen, Listen, Berechnungen und halbe Neurologiestudiengänge auf.

Wie bereits berichtet Klick setzten wir in einem Anfall von “Verdammte Hacke 10 Jahre künstliche Stimmung- ich schmeiß die jetzt alle weg”, alle unsere Medikamente ab.

Zu diesem Zeitpunkt schluckten wir etwas gegen Depressionen, tropften uns in den Schlaf mit Neuroleptika und betäubten aufkommende Panik mit chemischen Tranquillanzien. Trautes Trio für inzwischen fast jeden Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Traumafolgestörung.

Die Verordnungen von Medikamenten denen eines gemein ist- nämlich die symptomatische Beeinflussung von psychischen Erkrankungen bzw. Leiden, welches nach psychischer Erkrankung aussehen könnte (eventuell vielleicht…)- ist in den Jahren von 2000 bis 2009 wie folgt angestiegen:

Antidepressiva 419 Mio. DDD – 1058 Mio. DDD

Neuroleptika 219 Mio. DDD – 294 Mio. DDD

Tranquillantien 185 Mio. DDD – 133 Mio. DDD

(DDD=  defined daily dose Quelle: klick  )

Wer ausser mir hört noch dieses Klingeln?  Nein nein- keine Stimmen! Es ist ein lautes überdeutliches Klingeln! Und zwar in den Kassen der pharmazeutischen Unternehmen.  Naja- von irgendwoher muss ja die Rettung kommen. Jemand muss die Pille ja erfinden, produzieren und verkaufen. Ist doch nur gerecht, wenn jemand der dafür sorgt, dass es so vielen Menschen besser geht und dafür dann Geld erhält.

Ja. Richtig.

WENN es den Menschen dann wirklich besser geht! Befindet sich etwa flüssiges Glück in den kleinen Tablettchen, Tröpfchen und Pastillchen? Felix felicis! Ist Harry Potter mit seinem Zaubertrankbuch etwa bei Pfitzer und Eli Lilly angestellt?!

Nein, natürlich nicht. (Wir Unschizophrenen wissen das ja lol )

Warum nehmen dann soviele Menschen diese Mittel ein? Und wieso werden es immer mehr?

Für mich ist die Antwort inzwischen ziemlich klar:

Leidensdruck bei gleichzeitiger Alternativlosigkeit; chemische Gewalt durch Ärzte in der Psychiatrie und inzwischen auch in Altersheimen und: (gezielte) Desinformation zum Zwecke der Wirtschaftlichkeit von künstlicher Befindlichkeit. 

Ich erinnere mich als wäre es gestern an meinen ersten Besuch bei einer Psychiaterin. Wir gerade 15 Jahre alt, bereits zweimal in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Diagnose “Anpassungsstörung, Borderline Syndrom”, selbstverletzendes Verhalten

Nach einem Gespräch von insgesamt 10 Minuten ging ich mit einem Handzettel für meinen nächsten Termin (6 Monate später) und einem Rezept über Antidepressiva in der Hand hinaus. Mein Leidensdruck war riesig. (Wie riesig wusste ich aber damals noch nicht) Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits 6 Suizidversuche überlebt und hatte überhaupt keine Ahnung wieso ich das getan hatte (ICH hatte das ja auch nicht getan…).  Jeder Helfer aussen nahm eine Not war und konnte aber nicht so helfen wie er vielleicht gewollt hätte. Man brauchte eine schnelle effiziente, kurzfristig wirksame Lösung. Sonst hätte es ja beim 7ten Versuch klappen können und man hätte sich der Frage stellen müssen: Wieso wurde nichts unternohmmen?   (So gesehen kommt mir die tägliche Pille fast wie ein Entschuldigungsbonbon vor)

Also Antidepressiva. Aus meinem bereits existierendem “Mittelstimmungsfeld” wurde ein :

“MIttel”= es geht mir gut

“niedrig”= es geht mir nicht so gut

Ich habe mich immer neutral gefühlt vorher. ich war nie traurig- nie obermäßig happy. Ich fühle mich wie ich bin: neutral- alles ist da- alles okay- alles hat seine Seiten und ist eben wie es ist.

Unter diesem Mittel wurde ich: depressiv und latent suizidal. Meine Fähigkeit alle Seiten beleuchten zu können wurde einwattiert und unbrauchbar. Diese Empfindungen sind übrigens sogenannte “paradoxe Nebenwirkungen” wie sie insgesamt recht häufig auftreten (es handelt sich hier also nicht um ein besonders seltenes Phänomen- sondern um etwas, dass man billigend in Kauf nimmt)

Ich konnte das alles damals überhaupt nicht kommunizieren- deshalb sind Verordnungen dieser Mittel an unter 18 jährige Menschen auch eher in einer psychiatrischen Kliniken oder in einem allgemein streng überwachten Setting angesagt. Bei uns war das in der Form gar nicht möglich, weil dann ja schon unser Flipperkugelleben durch die verschiedenen Heime und Kliniken losging. Die Namen der Präparate änderten sich und irgendwann kam es bei uns ja auch zur – so scheints-  unvermeidlichen Diagnose der Schizophrenie (ehrlich- ich werde nie verstehen, wieso jede/r Multiple, den ich bisher (ob virtuell oder real)  traf mindestens einmal als psychotisch oder schizophren diagnostiziert wurde).

Nun kamen noch die Neuroleptika dazu. Ohne Diagnostik, Nennung einer Alternative, ohne Hinweise auf Nebenwirkungen und ohne Hilfe beim Umgang mit selbigen. Da waren wir gerade 16. Von 59 auf 78 Kilogramm in 2 Monaten- und niemand hat was dazu gesagt ausser: “Ja keine Sorge- das ist bei allen so die das Mittel bekommen.” Großartig. Ganz großartig.

Unser Gehirn war zu der Zeit im biologisch bedingtem Umbau. Es bildeten sich noch immer Verbindungen. Wenn man 16 ist dann schreiht der Körper: “Attacke- jippie yeah- auf zur vollständigen Reife!!!”   Ob und wenn ja was genau aus meinem Gehirn noch (mehr als jetzt) hätte werden können, wenn es nicht so tiefgreifend gestört worden wäre, mag ich mir gar nicht so genau ausmalen. Zum Glück ist die Forschung in dem Punkt auch noch nicht so weit, als dass ich anfangen könnte traurig darüber zu werden.

Fakt ist, dass bei unsin unserem speziellen Fall– diese Mittel im Grunde – zu genau diesen Zeitpunkten und unter diesen Umständen ein schlicht falsches Hilfsmittel waren. Uns wäre geholfen gewesen, wenn wir sicher gewesen wären. Angenohmmen, respektiert und nachsozialisiert. Uns hätte viel erspart werden können. Wir wären ein sehr viel billigerer Patient gewesen, wenn wir von vornherein schlicht und einfach einen richtig ordentlichen Traumatherapeuten vor die Nase gesetzt bekommen hätten, statt ein Rezept nach dem anderen.

Später kam die richtig fette PTBS. Natürlich dann als die Gewalt und der Stress von aussen nachliess und Selbstbestimmung wirklich und echt möglich wurde. Es gab Zeiten in denen Schlaf nur alle 3-4 Tage möglich war. Wochen und Monate an denen kaum ein Tag ohne Panik, Angst oder Flashbacks verging. Da bekamen wir dann den nächsten chemischen Freund- nennen wir ihn mal “BENZO”.

Benzo trat in unser Leben und es wurde schön. Schlafen ging mit Benzo, denken ging mit Benzo, leben ging mit Benzo. Angst ging weg mit Benzo. Angst vor Angst ging mit Benzo.

Jaaaa bis dann auf einmal ganz ganz viel Benzo in unserem Leben war. Soviel Benzo, dass man gar nicht mehr ohne konnte!

Der Entzug war kompliziert- aber es hat geklappt. Ein Erfolg den wir mit jeder selbst durchstandenen Krise zementieren müssen, um uns von unseren Fähigkeiten zu überzeugen.

Wir haben inzwischen viel gelernt um Angst vor der Angst, Panik der Innenkinder, Flashbacks, Bildererleben und Intrusionen selbst  und aus uns heraus zu versorgen. Ich schreibe hier ganz konkret nicht: “zu bewältigen” oder zu “überwinden”, weil es darum nicht geht. Angst ist wichtig, Flashbacks erfordern aufmerksames Analysieren und Wahrnehmen der Ursache, Innenkinder brauchen unglaublich viel Fürsorge… (überwinden und bewältigen können nur Medikamente- aber nicht das was das Problem ist- sondern den, der mit dem Problem zu kämpfen hat!)

Nun ist seit unserem eigenmächtigen Absetzen der Medikamente 1 Jahr vergangen.

Wie ich damals bereits beschrieb haben wir seit dem Absetzen des letzten Antidepressivums keine Krampfanfälle mehr gehabt. Inzwischen habe ich viel über das Mittel an sich, die Psychopharmaka allgemein und die Reaktion des Gehirns auf Psychopharmaka im Besonderen gelernt.

Es geht uns gut. Besser als vorher. Jetzt können wir nämlich völlig klaren Geistes wütend über die Nonchalance unserer früheren Ärzte sein. Ich bin wieder in der Lage ganz unwattiert alle Aspekte des Lebens und Miteinanders zu betrachten und Schlüsse zu ziehen.

Ich habe meine Mittelfeldstimmung wieder. Ich kann teilhaben, wenn ein Innens bei uns spontan in der Lage ist zu lachen oder zu weinen- was in den Jahren von 2001 bis 2011 nur sehr selten vorkam.

Ich möchte ermutigen.

Seid kritisch! Wenn euch ein Arzt ein Medikament nach 10 Minuten Konsultation verschreibt so ist das nicht in Ordnung! Ihr habt ein Recht umfassend und neutral über alle Nebenwirkungen und die Wirkungsweise informiert zu werden! Mit “lesen Sie den Beipackzettel” ist es nicht getan- denn den hat in der Regel nicht einmal der Arzt selbst wirklich gelesen. Wenn ihr auf der Suche nach unabhängigen Informationen zum Thema Psychopharmaka seid, so ist ein Gang über die Neurologie absolut empfehlenswert.

Auch das Buch von  Stefan Weimann “Erfolgsmythos Psychopharmaka” ist sein Geld absolut wert!

In diesem Artikel soll es nicht darum gehen Medikamente als unwirksam oder schlecht darzustellen. Es geht mir darum anhand meiner Fallgeschichte (eine mit der weder Ärzte noch Pharmakonzerne werben können) zu zeigen, welche Dimension die Einnahme von Psychopharmaka auch haben (können).

Wir habe von den Mitteln auch profitiert und etwas gewonnen. Aber eine viel größere Kraft hätten wir fast gar nicht entdeckt, wenn wir sie nicht abgesetzt hätten

Uns selbst.

Kopf—>Schreibtisch

Wir sind auf der Suche nach einem ambulanten Psychotherapeuten.

Hach was macht das einen Spaß! Und wie schlau ich mir jedes Mal aufs Neue vorkomme!

Obwohl mein Innenleben zum Zerreißen gespannt ist und, während ich mit dem Therapeuten spreche, eigentlich schon direkt nach 2 Minuten vermeldet, ob wir wieder gehen können oder nicht, kann ich es dann doch nicht lassen meiner Neugier (und ja: inzwischen auch irgendwie meiner Verachtung- die will ja auch gefüttert werden) Freiraum zu gewähren.

So sitzen wir dann also da in einem Erstgespräch.

Vor mir sitzt eine Psychotherapeutin die geschätzt vielleicht 20 Kilogramm wiegt. “Wissen Sie, also mit Traumatisierungen kenne ich mich schon aus- aber mein Schwerpunkt liegt auf Essstörungen”- Jupp- das ist unübersehbar meine Liebe- aber WIESO ZUM GEIER HABEN SIE UNS DANN HIER JETZT 40 MINUTEN QUATSCHEN LASSEN UND UNS DAS GEFÜHL GEGEBEN EIN KLAPSENROUTINIER ZU SEIN?!

Kopf—> Schreibtisch

Die Nächste bitte! (Echt- es fühlt sich an wie “Therapeut to go”: Morgens einen, Mittags einen, abends Einen… kostenlos auf Kranke Kassenkarte)

Letzte Woche saß uns ein vertrocknetes Röslein gegenüber. “Ja, was führt Sie denn zu mir?”

Ich (innen): “Klappe jetzt – ja ich weiß das es defintiv NICHT diese Eiche rustikal Inneneinrichtung ist, die uns her zieht”

Ich (aussen): “Ich leide unter einer Traumafolgestörung, die mich einschränkt und verhindert, dass ich ein lebenwertes, gutes Leben führen kann. Das möchte ich ändern.” (zigmal vorm Spiegel geübt- weils so derartig nach Buch klingt…)

Sie (innen): *Grillenzirpen?

Sie (aussen): Ja hm. Was ist ihnen denn passiert?

Ich (innen): “NEIIIIIIN!!!! Ich verrate nix-ich verrate nix- ich verrate nix- alles gut. Alles okay- alles in Ordnung. Wir haben 2012- ich bin groß. Alles tutti. Ich mach das schon… phu phu… äh ähm… kann mal bitte einer das Geplärre abstellen?!”

Ich (aussen): “Das möchte ich hier so direkt bitte nicht besprechen, weil das hier ja ein Erstgespräch ist und sich durch das Sprechen darüber die dissoziative Symptomatik bemerkbar machen könnte und das Gespräch nicht mehr für mich nachvollziehbar sein könnte.”

Sie (innen): *Fröschequaken???

Sie (aussen): Aber sie haben doch gesagt sie hätten eine Traumafolgestörung? Was hat das denn mit Dissoziation zu tun?!

Kopf —> Schreibtisch

Nunja.

Es gibt ja auch noch welche mit Köpfchen. Mit : “Kopf runter senken und durch die Wand- Köpfchen” Das ist immer fast ein bisschen traurig, weil es solche Leute sind, die eigentlich genug Bockigkeit für die Gutachterschreiberei und für die  “ für den Patienten Kämpferei” in sich haben. Aber neiiiin! Solche Leute werden irgendwie immer grundsätzlich Verhaltentherapeut oder Coach für Sinnkrisen.

Da saß mir mal eine Therapeutin gegenüber (Was ist eigentlich aus dem seitlich halb schräg –nebeneinander Konzept geworden?!- Echt ich bin inzwischen echt zum “gleich erstmal hier alles umrücken”-Trampel mutiert. Stuhl ist schon schlimm genug und provoziert eigentlich schon direkt zu Anfang nen Halb-weg-Schuß- aber dann auch noch direkt gegenüber von jemand der fremd ist… ba! Geht nicht!) <— oh guck mal! Ein Therapieerfolg!!!

Naja- jedenfalls diese Super-knall-peng-mit- dem- Kopf- durch-die- Wand- Frau saß mir gegenüber und erzählte mir die Urschleimgeschichte rund um die ambulante Psychotherapie. “Gut “, dachte ich: “Weniger Platz für die überlange History über unseren Psychowerdegang- dann kanns ja auch gleich weiter gehen mit ihrer Arbeitsweise und ihrem Tätigkeitsschwerpunkt und dann warum ich hier bin”… ja…. 48Minuten später: “Ja- beim nächsten Mal erzählen Sie dann etwas von sich ja?!”

Kopf —> Schreibtisch

Neiin?! Jemand der mich fragt ob ich schon ambulante Therapieerfahrung hab, darf sich die Antwort auch gerne anhören?! (Die da übrigens ganz klar lautete “Ja, ich weiß, wie das Prozedere ist.”) Was ist wenn sie irgendwann mal fragt: “Und wenn ich ihnen zu nahe trete, dann sagen sie Stopp- ja?” und genau gleich reagiert?  Sorry- wir brauchen unsere Energie nicht dafür auf, darauf zu achten, dass der Therapeut seine rhetorischen Fragen nicht mit den ernst gemeinten verwechselt- aber fest davon überzeugt ist, das Richtige zu tun und uns noch das Gefühl gibt schräge Ansprüche zu haben oder übermäßig unangepasst zu sein. (Haha die Punk-Rosenblätter!)

Nett sind auch die kleinen niedlichen Pflänzchen (wo wir grad bei Punkrosenblättern sind…)

Sag mir mal bitte einer wie ernst das zu nehmen ist, wenn es ein Therapeut schafft in einem Gespräch (- in dem es nicht um Schlimmes geht!!!) mehr als 3 “Oh je”s, 2 “Ach G’tt”s und 4 “hmmmm” s unterzubringen!

Kopf —> Schreibtisch

Hach und jetzt komme ich in Fahrt:

“Ich bin in der Hinsicht sehr kompetent. Also ich hab schon viele schwierige Fälle erfolgreich behandeln können.” Fälle?! …. Bin ich etwa der erste MENSCH den sie trifft?!

Kopf —> Schreibtisch

“Ich habe bereits ein bisschen Erfahrung mit DIS machen können, aber ich muss ihnen leider sagen, das waren keine Guten…” Ach NEIN! Meine Erfahrungen mit DIS wollen sie gar nicht haben!

Kopf —> Schreibtisch (bereits mit Delle in Kopfform)

“Es tut mir leid ihnen sagen zu müssen, dass ich keine Menschen mit DIS behandle- das ist mir zu gefährlich mit dem organisierten Verbrechen.” Oh- herzlichen Dank für diese direkte Projektion ihrer Vorurteile auf mich!

Kopf —> Schreibtischplatte durchgebrochen

Heute wurde ich allerdings etwas gefragt, was mich aus dem Tritt brachte. “Können sie bei den ganzen Vorerfahrungen denn überhaupt noch eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen?” (Sie meinte das jetzt zwar als Therapiegrundlage was mich schon wieder —> Kopf —> Schreibtisch .. aber naja)

Tja… keine Ahnung. Und überhaupt- was heißt hier vertrauensvolle Beziehung? Wir vertrauen nicht. Wir trauen –zu! Dem einen mehr- dem anderen weniger. Mir wird ja auch nicht vertraut- ich vertrau mir ja nicht mal selbst! Wir haben noch nicht viel Gelegenheit gehabt zum Vertrauen lernen. Immer wenns kurz davor war in den Bereich des Möglichen zu rücken, mussten die Therapeuten gehen-doof werden- in Ungnade fallen oder die kranke Kasse hat nicht mehr gezahlt.

Bis jetzt gibts auch nur eine Kandiatin in unserem Therapeutencasting von der ich sagen würde, dass sie menschlich super gut zu uns passen würde. Aber diese hockt vermutlich gerade bei sich zu hause und macht

“Bin ich kompetent genug?” Kopf —> Schreibtisch

Für den Fall dass sie das hier mal lesen: Ja sind sie!

Selbst-Werte

Das mit dem Selbstwert ist so eine Sache.

Ob man etwas wertvoll findet, liegt im Auge des Betrachters und selten kann man Augäpfel eröffnen und herausfriemeln was einmal drin war.

Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich einige Webseiten von Coachpsychologen und Psychotherapeuten durchgeblättert, um einen Anfang zu finden. Interessanterweise scheint gerade das Thema der eigenen Werte und des Selbst-Wertes eines zu sein, das viele Selbstfragebögen und Auswertungen erfordert.

Und klar- ich konnte es natürlich nicht lassen und hab schlicht einen gemacht.

Das Ergebnis: Ich halte mich für wertvoll (oder naja- zumindest reflektiert) genug, um mir das Ergebnis nicht anzugucken.

Weshalb ich das Thema aber eigentlich gewählt hatte war der lange Artikel “Security!…”.

Selbstwertgefühl, selbst-wert-er-leben spielen meiner Meinung nach ganz erheblich in den Selbstschutz mit hinein. Wer sich selbst furchtbar findet und es immer wieder gesagt bekommt (von innen oder schlimmer noch: von aussen), der wird sich nie als so wertvoll sehen, dass er es schafft sich nachhaltig gut um sich zu kümmern.

Nun ist das aber so mit den Werten- die bilden sich nicht von allein.Schon gar nicht neu und ersetzend. Man braucht ein Gegenüber zur Reflektion und Verbindung. Einen jemand der etwas als wertvoll vorlebt. Dinge als wertvoll darstellt. Jemand der im günstigsten Fall wertschätzend (und nicht nur wertend in verschiedene Richtungen) mit einem umgeht.

Wie einfach Werte vermittelt werden können sehen wir sehr schön dargestellt im Propagandafernsehen. Es reicht eine geistige Verbindung und Zack! tröpfeln sie von A nach B.

Bei uns ist diese Kiste mit den Werten wie das Schachspiel von Star Trek:

StarTrekSchach

nur was für echte Freaks und Menschen, die den Nerv dazu haben (naja- und die die das halt in sich tragen und entsprechend leider nicht soviel Entscheidungsfreiheit haben…)

Im Inneren gibt es verschiedene Werte und sie alle wollen vereint werden in unserem Leben. Und hier ist ein großer Bereich in dem nicht die Trennung von “früher” und “heute” vorrangig erscheint. Ich habe den Eindruck, dass ein “sich bewusst machen” schon zu einer tiefen Verunsicherung führt (aber hilft). In der Zeit als wir Ebene für Ebene abgedeckt haben bzw. mal ganz flüchtig kurz und auch jaaaa nicht genauer unter das Tuch gelinst haben, kam es teils zu Schockerlebnissen, teils aber auch zu einer Verwunderung und Freude, ob der Großartigkeit dessen was da alles bewahrt wurde.

Es ist schon verwirrend wenn die zarten Bande untereinander zu festen Steingebilden werden und sich heraus stellt, dass sowohl absolute Verachtung als auch totale Idealisierung ein und der selben Sache betreffend ganz gut nebeneinander stehen können. Es ist schräg und natürlich immer wieder Konfliktstoff- aber es geht! Wirklich!

Schwieriger ist es für uns die inneren Werte mit denen der Mehrheitsgesellschaft in Einklang zu bringen. Ich stelle immer wieder an uns fest, dass es einen Teil gibt der einfach fehlt. Oder besser gesagt, dass es einen Konstruktionsfehler gibt den man nicht durch ein paar Dübel links und rechts beheben kann. Wir sind so abgeschlossen aufgewachsen, dass Äusseres schnell als überfordernd (weil nicht in Gänze fassbar) erscheint. In den ersten Jahren… Himmel! Small Talk, Popkultur, Fernsehen, diese schräge Marken und Konsumwelt… Wir waren sowas wie ein Waldkind: völlig geblendet von Werten und Wichtigkeiten die uns sowohl fremd als auch komplett fern lagen (und nachwievor liegen- diese antikapitalistische Macke kommt nicht von ungefähr haha )

Über seine Werte definiert man in der Regel auch Teile seines Selbstes. Wir sind uns gegenüber noch oft so, wie wir es von klein auf angenohmmen (vorgelebt bekommen)  haben und wie sich eben Innens in Folge der Sozialisierung selbst entwickelten. (Deshalb finde ich es immer bescheuert, wenn jemand mir ein “niedriges Selbstwertgefühl” bescheinigen will. Ich bin nichts wert und weiß das auch. Das ist ein Fakt- kein Gefühl. Das kann mit einem Test oder hochpsychologisch wertvollem Fragebogen nicht erfasst werden- innere Wahrheit versus rein- bzw. draufgekipptes Äusseres… )

Was uns aus dieser (Ab)Wertigkeit hilft ist Bewusstsein. Bewusstwerden. Bewusst-gemacht-bekommen. Sprich: Therapie und Leben mit viel geistiger Verbindung und positive Leitung.

Wir haben lange gedacht, dass wir vielleicht irgendwie abartig sind oder so, weil wir zeitweise total gerne mit unserer Therapeutin zusammen waren. Aber inzwischen wissen wir, dass wir, gerade in den ersten Jahren so mit 15-16-17-18 gerade von den tollen Frauen die uns da begleitet haben soviel aufgesaugt haben, was man anders als mit schlichter Gemeinsamkeit gar nicht hätte einbringen können.

Wir hatten mal eine Therapeutin die mit uns zwei Mal durchs halbe Land gefahren ist. Mit dem Zug. Ich weiß gar nicht wie lange wir da unterwegs waren. 6-7 Stunden jeweils? Jedenfalls würd ich heute die Hände überm Kopf zusammenschlagen (“Argh! Es heißt DAS Therapeut! Die wohnen in ihrer Praxis/Klinik und stellen sich um 17.30 Uhr ab, um sich um 8.00Uhr wieder anzuschalten!”), aber damals war es eine super wichtige Erfahrung für ganz viele Impulse zu schauen wie normale Interaktion geht; wie unwichtig der eigene Wert (und für uns ja der vermeintlich “höhere Wert”) sein kann- und wie okay selbiges sein kann!

Man darf (obwohl man ein wertloses Stück Scheiße ist) eine Fahrkarte kaufen, Menschen fragen wo welches Gleis ist, einen Sitzplatz für sich beanspruchen etc etc etc Man darf sogar im Kino sein und laut lachen wenn was witzig ist! (Boooooaaa DIE traut sich ja was O.O … “Darf ich das auch?” –”Ja klar!” )

[Um so abartiger erscheinen mir gerade beim Lesen diese Eingrenzungen von Gewährung von therapeutischer Hilfe unter unmöglichen Vorgaben und die Finanzierungsunmöglichkeiten- wie sehr würden wir zum Beispiel jetzt gerade davon profitieren, wenn uns eine Helferin direkt beim Essen und in der Zeit danach die Hand halten würde? Wie viel leichter würde es uns fallen uns immer wieder unserer Daseinsberechtigung zu versichern, wenn wir jederzeit bzw. jeder-notwendigs-zeit jemanden fragen könnten?

Für uns ist Therapie auch sehr viel Nachsozialisierung- dafür gibts aber keinen Passus in Gesetzgebung oder so… Soviel dann auch zur individuellen Beurteilung der Patienten…]

Unsere Freundin ist nachwievor unser großer Gradmesser  im Aussen und –dem Himmel sei Dank!- unglaublich verständnislos gegenüber unserer gelebten und  (inneren) gegenseitigen Abwertung. Es reicht leider nachwievor nicht um wirklich alle Bereiche mal in einer Perspektive zu sehen und zu probieren, ob noch mehr Dinge “gehen”, obwohl man total wertlos ist (Zum Beispiel das große Ding mit dem “Glauben, dass man als Mensch grundsätzlich nicht wertlos sein kann”- irgendwie gilt das emotional immernoch nur für andere- niemals und unter keinen Umständen für uns. Oder das Ding rund ums Gemocht werden… oder das Ding ums große “Dürfen” … oy vey! still much to learn! )

Ich bin übrigens froh darum, dass wir Menschen überhaupt in der Lage sind uns Werte zu bilden. Es ist eine spannende Sache und bietet viel Möglicheit sich zu positionieren. Im besten Falle dort, wo es am angenehmsten für einen selbst ist.

Dort wo man es wert sein darf zu sein.