Irgendwann in meinem Leben will ich es schaffen, dass Leute sehen, wenn wir mit einer Akku-Ladung zwischen 5 und 10 Prozent versuchen, dieses Ding namens „Alltagsleben“ geschissen zu kriegen.
10% fühlen sich für mich gerade an wie 100%. Weil ich die meiste Zeit mit 2% rummache.
Vielleicht wirke ich deshalb nicht so schlapp. Ich habe keine Ahnung.
Und eh – wie verwirrend ist das alles. Von allen Seiten wird mir angetragen, doch zu machen und zu tun und werden und zu sein, doch was ich tue ist entweder das Falsche machen, nicht zur richtigen Zeit machen oder irgendwie nicht nachvollziehbar oder „Das musst du selber entscheiden, ich kann dir nur sagen, was ich denke“. Uff. Ja was denn nun. Darf ich, was ich will oder soll ich „das Richtige“ machen?
Ich weiß es wirklich nicht. Denke so oft: Du hast keine Ahnung.
Und verkrieche mich hinter der Härte von K., die macht, was wir wollen, wie wir können, so lange bis von 10 noch 0.2% übrig sind. Weil ich nicht weiß und merke, niemand sonst weiß, aber meint oder glaubt oder wünscht oder will oder findet.
Plötzlich sind da wieder Dinge zu sagen wichtig wie: „Du bist nicht, was du tust.“, „Wenn dir jemand irgendetwas sagt, das dich nominalisiert, dann ist es sehr wahrscheinlich emotional übergriffiger Mist“, „Es ist okay, nicht zu entsprechen.“, „Streiche alles, was dir von anderen angetragen wird, auf die wenigen Dinge zusammen, mit denen du konkret etwas anfangen, verändern, beenden kannst.“
Jetzt Abstand machen können, ohne persönlich zu kränken, ohne irgendwelche Dinge zu verkomplizieren. Einfach ein Fenster ins Jetzt ritzen, durchklettern und nahtlos hinter sich verschließen. Ganz leise. Damit es nicht auffällt, kommentiert wird, bewertet oder zu einer Eigenschaft erklärt wird. Das wär gut. Kurz mal weg sein für eine Weile. Nur kurz. Eine Woche vielleicht. Ohne, dass das was bedeutet oder bewirkt oder erklärt oder gerechtfertigt oder irgendwie mit irgendwas aufgeladen werden muss.
Einfach nur so. Eine Woche nicht sprechen. Nicht außen sein müssen. Nur dem Ladebalken nachspüren. Merkwürdig, was das plötzlich für ein Privileg ist.
Fast 7 Stunden durchgehend Sprechen, Reflektieren und Mitgehen. Dann 3 Stunden nach Hause fahren.
Ich hab ein gutes Gespräch aufgenommen, das wars wert. Hoffentlich.
Meine Augen brennen, hinter der Zugfensterscheibe ist es dunkel, der Samstagabend wird von Menschen in Feierlaune beschallt. Ich fühle mich leer und abgefüllt. Spüre die Sorge, um die Podcastaufnahme wie das Kitzeln von Haaren im Nacken. Lasse sie vorbei fliegen, wie die Dörfer und Felder draußen.
Ich bin stolz auf mich, diesen Termin geschafft zu haben. Hoffe, dass die Episode auch gut wird.
Jetzt wo wir schon wieder eine Weile nichts produzieren konnten, habe ich das Gefühl, dass die erste nächste Episode extra supergut sein muss, was auch immer das konkret bedeutet. Mal sehen, wie gut es wird. Mal sehen, mal sehen. Erst einmal schlafen. Ausruhen, die Aufnahme probehören, schlafen, ausruhen, die besten Produktionsbedingungen schaffen. Und dann wieder schlafen und ausruhen und dann starten. Eile, Weile, bliblablö.
Viele Stunden im Zug nach Berlin, wir treffen jemanden für ein Podcastinterview. Ich lese, höre Podcasts und Techno. Lasse mich tragen vorbei an allem, was außerhalb von mir passiert.
In Magdeburg steigen wir um, ich sehe im Bahnhof eine Raucherkneipe, in der schon unter abendlichtgelbem Licht Bier getrunken wird. Da ist es 15 Uhr und ich erinnere mich an Dunst, Rauch und schmodderigem Siff, wie etwas, das sich als klebriger Film auf mich drauf legen will.
In Berlin tropft er mir von den Wimpernspitzen und verliert sich in der warmen S-Bahn.
Wir treffen L. und ihre Familie. Das wird schön und es gibt ein Babykleinkind zu erleben.
Schönes Jetzt.
Heute war der Tag an dem mir klar wurde, dass wir nun Verpflichtungen in drei verschiedenen Städten haben und mit Leuten zusammenarbeiten, die vierte, fünfte und mehr Städte dazu bringen.
War eine schöne Erkenntnis. Wir arbeiten, wir sind verbunden, wir können da etwas aufrechterhalten über längere Zeit und Distanz. Danke Internet, danke Traumatherapie.
Ich wills nicht verklären – es ist auch sauanstrengend, die meiste Zeit habe ich das Gefühl niemandem irgendwo gerecht zu werden, allen Leuten zu viel abzuverlangen, gerade weil es diese Distanzen zu überbrücken gibt und ich glaube auch nicht, dass wir noch erheblich viel länger ertragen können, dass der Regionalbahnverkehr jede Woche, seit inzwischen mehreren Monaten, so eine verfluchte Stückelkacke ist, die mit so viel Warterei für Ministrecken verbunden ist.
Aber es geht nicht anders und anders wollen wir es auch nicht.
Obwohl doch. Ich will mich nächste Woche um den Führerschein kümmern. Ich will mich alleine zum Bahnhof fahren. Es sind 20 Kilometer, die nerven und den Freund einspannen, der sich gerne einspannen lässt und das ja auch vorher schon wusste aber meeh – es nervt mich, dass es potenziell nerven könnte und dann bin ich zu ihm komisch und das macht die Frage nach einer Fahrt komisch und das wird nervig und dann hab ich ihn genervt, obwohl es ihm eigentlich noch gar nicht nervig war.
Außerdem will ich die Verkehrswende. Ich würde diese 20 Kilometer gerne mit dem Rad fahren. Auf der Bundesstraße, wo jetzt die Autos langfahren. Schön schnurgerade und dadurch eben 20 Kilometer und nicht mehr, wie es das mit den Radwegen – immer schön an der lauten Bundesstraße lang oder auf diesen hübschen kleinen Rennstrecken Landstraßen – ist.
Außerdem glaube ich an Bimmelbahnen als das Verkehrsmittel der Zukunft fürs Land. Eine Bimmelbahn, die wie eine Ringbahn die Gemeinden mit mehr als 500 Einwohner_innen untereinander verbindet und ihren Anfang und das Ende am nächsten Bahnhof mit ICE-Halt hat. Wenn die im 2 Stunden-Takt fährt, könnte sie viele Busse ersetzen und den Pendelverkehr auffangen. Wenn es eine schöne Bimmelbahn ist. Einzelsitze, Klimaanlage, Internet, nicht so viel Geruckel, weil sie ja keine Zillionen Jahre alt ist und vernünftig konstruiert wurde. Es gibt einen Fahrradwaggon, das Ding ist von Vornherein barrierefrei, den Fahrbetrieb finanziert man über das, was man als Hundesteuer und andere Quatschluxussteuern vorher abgeschafft hat. So kann man sie kostenlos nutzen und damit vielleicht einige Fahrten mit dem Auto sparen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich das Laufen zum Supermarkt und zurück mal vermissen könnte. Aber ich tus. Warum weiß ich nicht und das, was wir jetzt haben ist auch schön, aber es ist halt nicht mehr der Gangs durchs Bullergeddo und vielleicht trifft man Nachbar_innen mit denen man quatschen kann bis man wieder zu Hause ist.
Uff, Heimweh-Welle.
Wir haben heute schon viel geschrieben. Das kommt morgen. In „Nicht-Twitter“ und vermutlich auch besser, weil nicht frisch angestochen.
Heute ein Video. Fürs Herz.
Gute Nacht
… und Erwachsene, die vorleben, wie man Grenzen anderer erfragt und erspürt. Die zeigen, wie man sie respektvoll und achtsam aufzeigt, schützt und vertritt.
Sie brauchen Erwachsene, die die Grenzen von Kindern als gleichwertig behandeln.
Es war das Wort „Kinderzimmer“.
Erst in einer Therapiestunde, in der es DARUM ging und ich der Therapeutin und einem Innen dabei zugehört habe und dann bei der Anhörung am Freitag nochmal.
In dem Gespräch mit der Therapeutin hatte es mich stutzig gemacht, aber irgendwie Sinn ergeben. Das Innen, das mit ihr gesprochen hat, hatte ein Kinderzimmer. War ja ein Kind. Ist es ja jetzt noch.
Bei der Anhörung fiel das Wort auch und hebelte mich irgendwie neben den Inhalt.
Heute morgen hab ich mich gefragt, wieso und die Antwort kam dann jetzt.
Ich hatte nie ein Kinderzimmer. Ich hatte Wohngruppenzimmer und Klinikzimmer und dann 2-Zimmer-Küche-Bad.
DAS DA ist wo passiert, wo es mich auf mehreren Ebenen nicht gab.
Ich war nie Kind und ich war nie das Kind, dem DAS DA passiert ist. Geschweige denn dort, denn meine Zimmer hießen „die 4“, „im 3er“ oder „das, wo vorher X drin war“. Das entfernt die Gewalt, die da passiert ist, für mich doppelt.
Und da ist es wieder. Das Ding, das dazu verleitet von Vielen zu denken, sie hätten unterschiedliche Realitäten oder Welten in sich. Tatsächlich sind es die verschiedenen Lebensabschnitte, die zu eigenen Er_Lebenswelten werden, weil sie nicht miteinander verbunden und integriert sind.
Ich weiß, dass ich mal ein Kind war. Ich weiß, dass nicht nur den Anderen DAS DA passiert ist.
Aber so habe ich das nicht erlebt. So fühlt sich das nicht an.
Und toll ist das auch nicht für mich.
Man könnte ja denken: „K. die Dancefloorqueen im Vermeidungstanz, ist doch sicher total froh darum“. Aber so ist es nicht. Ich empfinde das als Verlust. Es macht mich traurig, ich habe das Gefühl, dass mir da mehr fehlt als die Erinnerung an eine Gewalterfahrung. Ein Kinderzimmer haben ist ja nicht nur das, was man darin erlebt. Es ist ja auch, was man selbst darin macht und auch, was es für den sozialen Status bedeutet, ein eigenes Zimmer zu haben bzw. ein Zimmer zu haben, in dem man Kinderkram, also eigenen Kram haben kann. Und vielleicht auch irgendwie so etwas wie eine eigene Welt haben kann? Kinderkram ist kleiner als Erwachsenenkram. Bunter. Schriller. Wenn ein Raum damit gefüllt ist bzw. insgesamt an die Bedürfnisse eines Kindes angepasst, dann gibt es nochmal ganz andere Optionen der Selbst_Erfahrung, als in der Welt, in der alles auf Erwachsene (Körper) ausgerichtet ist.
Tja. Dissoziative Amnesie.
Again: Kein ausgestanzter Shit, der ausschließlich das Schlimme wegnimmt.
Nicht das Morgen, das ich mir gestern gewünscht habe. Immerhin: weder die Obst- noch die Salat- oder die Vor-dem-Schlafengehen-Wörter-ins -Blog-tippen-Routine sind daran kaputt gegangen.
Erstens, die Frage der einen Person bei der Anhörung: „Wollen Sie sich eigentlich wirklich daran erinnern? Wie geht man denn damit um?“
Zweitens, die Frage danach, was ich mir denn für meine Zukunft wünsche.
Und Drittens, die Erkenntnis, dass ich, wir Rosenblätter, unerwartet von unserem eigenen Traumading eingeholt wurden.
Zu allem würde ich gerade unheimlich gern alle meine Gedanken aufschreiben, Aber wofür. Ich hab das alles hier schon tausend Mal hingeschrieben. Vielleicht nicht so schmissig wie ich das jetzt, einen halben Liter Cola im Bauch und noch eine Menge Gilmore Girls-Schwung unter der Haut hinfetzen könnte, aber doch eben schon mal gesagt. Und trotzdem schreibe jetzt manches davon auf.
Ich will mich nicht erinnern, ich tus aber dauernd. Und niemals ist es eine Wahl. Eine Wahl ist, die Erinnerung einzuordnen. Sich zu widmen, sie in Bezug zu mir zu setzen.
Es geht mir besser wenn ich zulasse, dass es Erinnerungen sind. Deshalb wähle ich die Arbeit daran, damit, an mir, an meinen Möglichkeiten des Umgangs.
Ich verstehe, wo die Frage herkam. Verstehe auch, dass so einiges im Leben von Vielen so erscheint als gäbe es die Option, dass sich die einen für dies und die anderen für das entscheiden können. Tatsächlich bedeutet Vielesein aber, dass sich immer alle für alles gleichzeitig entscheiden. Selbst dann, wenn die einen etwas machen, was die anderen nicht wollen, so machen die, die es nicht wollen ja eben doch genau das, was die anderen wollen. Weil alle Eine_r sind. Es gibt nie entweder oder. Es gibt immer Leben mit innerem Widerspruch. Mal laut, mal leise, mal mit guten, mal mit unangenehmen Konsequenzen.
Ich will mich nicht erinnern. Aber es erinnert sich. Und mich und die anderen. Ich habe keine Wahl – nur Umgangsmöglichkeiten. Manchmal denke ich, dass das sogar gut ist. Denn wenn es mich zum Umgang bringen kann, dann bringt mein Umgang vielleicht an irgendeiner anderen Stelle irgendwas. Zum Beispiel, dass andere Leute in der gleichen Lage sehen, dass man das überleben kann. Obwohl es sich meistens nicht so anfühlt und der Sache, dem Leben in dieser Zeit, dieser Gesellschaft, auch nicht immer wirklich so richtig doll wert erscheint.
Womit wir beim Zweiten wären. Zukunft.
Sie hat gefragt, was ich mir für mich wünsche und ich hatte meinen ersten Gedanken und dachte, wie scheiße bin ich eigentlich. Was für eine egoistische oberflächliche Person. Ich schreibe das nicht hier auf, werde auch nicht mit jemandem darüber reden, es ist peinlich und bescheuert.
Aber – da war ein Wunsch und er ging über bloßen Überlebenswillen hinaus. Weit hinaus.
Und was bedeutet das? Sind wir im Leben angekommen? Sind wir fertig mit dem Überlebendsein? Bereit für die Phase, in der man nicht mehr permanent am seidenen Faden hängt, weil da einfach endlich mal sowas ist wie Lebens_Raum, in dem man sich selbst an einer Zeitachse entlang verortet und entsprechend irgendwie anfängt sowas wie Visionen für sich zu entwickeln?
Was ist das für eine Zukunft, in die ich uns das reingewünscht hab? Ist das eine, für die sich das alles gelohnt hat? Das ganze Kämpfen ums Über_Leben?
Und schlussendlich: Kämpfen ums Überleben
Es ist spät, gibt jetzt keine Brücke mit Tüll drauf und Schwänen drunter, dieser Aspekt kommt jetzt einfach so. Bumms.
Die Anhörung lief gut, wir haben geredet und wir wurden gehört.
Exakt wie in jedem Hilfeplangespräch, jedem Erstgespräch für eine Therapie, jedem ersten Beratungstermin in den Jahren von 2001 bis 2012.
Wir haben uns eine Über-uns-Reden-Routine antrainiert und wir haben das vergessen. Oder verdisst oder wollten nicht glauben, dass uns das nochmal einholen könnte. Aber es hat und zwar gründlich. Nicht in allen Aspekten, aber es hätte mir früher auffallen können und das ist es nicht.
Ich ärgere mich und jede_r die_r mir hier drunter schreibt oder irgendwann mal sagt, dass ich nicht so einen hohen Anspruch an mich, uns, stellen soll, kriegt von mir Pickel an den Arsch geflucht.
Denn was außer der Anspruch an mich, an uns, soll es denn sein, der uns zu irgendwas hinbringt?
Niemand stellt Ansprüche an uns. Niemand erwartet von uns „gesund“ zu werden. Niemand erwartet so richtig von uns, dass wir „weiter“ kommen. Alle sind immer froh und freuen sich mit uns, wenn wir mal was schaffen. Wenn wir weiter kommen, obwohl nicht so wirklich kommuniziert ist, was das eigentlich konkret bedeuten soll.
Mir kommt es manchmal so vor, als ob der Umstand, dass wir da sind, dass wir noch leben, dass wir in Kontakt gehen und bleiben irgendwie genau das von uns erwartete Optimum ist. Und ja, vielleicht ist das an manchen Tagen und in manchen Aspekten auch alles, was wir erfüllen können und wollen, aber ganz sicher nicht in Bezug auf alles.
An uns werden bestimmte Forderungen einfach nicht gestellt. Niemand erwartet von uns, dass wir bestimmte Dinge einfach mal sagen. Niemand stellt sich hin und sagt: „Ja ja Rosenblatt das ist deine Lebensgeschichte, was ist mit deiner Gewaltgeschichte?“ N I E M A N D und wir sind selber schuld. Beziehungsweise, wir produzieren das selber mit. Seit Jahren. Weil es schützt. Weil es dafür sorgt, dass man neben Erwachsenwerden mit komischer Skandalkrankheit und bizarrer Symptomatik ohne familiäre oder monetäre Sicherheiten inmitten von verantwortungsscheuen und/oder lichterloh brennenden Erwachsenen nicht auch fühlen, „sehen“, spüren muss, was sich da alles mitbewegt, wenn man mehr als „3 Wochen in XY gewohnt, Suizidversuch, Klapse“ sagt.
Wir arbeiten uns seit Jahren daran ab, einerseits unseren Schutz durch unser Rosenblättersein zu behalten und gleichzeitig eben nicht mehr rumzueiern und Dinge auszusprechen. Und gleichzeitig ist da niemand die_r das von uns erwartet. Es ist keine Bedingung in der Therapie, es ist nur klug, es genau hier nicht zu tun, es ist kein Teil irgendeines unserer Kontakte.
Und das ist toll, bitte versteht das nicht als Aufruf, die ihr das lest und ihr wisst, wer ihr seid.
Es ist nur so, dass durch so einen Nichtanspruch auch das Gefühl entsteht, dass es unwichtig ist, was da passiert. Aber das ist es nicht, denn es quält. Es ist da, es will gesagt werden, oft genug ist auch alles dazu da. Wissen, Gedanken, Sicherheit, Vertrauen – das ganze Paket – aber dann fehlt ein Anfang. Oder ein Anfangsatz. Oder Wörter insgesamt. Dann ist da die Dissoziation oder aber – wie jetzt bei dieser Anhörung – einfach keinerlei Alternative zu dem eingeübten Sprechen, von dem man weiß, dass es genug Informationen sind, um einem „keine Anforderungen“-Anspruch gerecht zu werden.
T. hat später am Telefon etwas Gutes gesagt. Nämlich, dass es nicht um Vollständigkeit geht. Ich glaube das ist wirklich gut. Tröstet auch. Nimmt Druck und löst das Gefühl irgendwie nicht gut genug mitgemacht zu haben, weil man andere relevante Aspekte nicht eingebracht hat.
Andererseits ist es auch wieder ein Keine-Erwartungen-Anspruch, der damit erfüllt wird und damit auch wieder etwas, das mir das Gefühl gibt von mir, von uns, sei ja auch nichts zu erwarten. Nicht mal so etwas, wie die eigenen Lebenserfahrungen in wenigstens annähernder Gänze aussprechen zu können. Nicht mal das.
Und das ist knallbitter.
Denn am Ende dieser Gedankenkette sitze ich da und denke: „Okay, niemand erwartet was von mir. Wieso bin ich hier. Was mach ich das hier. Wozu das alles.“ Die ganze Bindungstraumakette einmal rauf und runter. Suizidmambo Nr. 5.
Und gleichzeitig hab ich jetzt diese Idee bewusst, wie es in einer okayen Zukunft sein könnte. Und den Anspruch an mich, an uns, aus uns selbst heraus genau da zu hinzukommen, wo wir dann sein wollen. Obwohl das niemand von uns erwartet.
Damit jetzt ins Bett. Schlafen für morgen, weitermachen für viele weitere Morgens. Morgene. Zukunft.
Es war schön. Vegane Lebkuchen, Fencheltee und das Gebrabbel eines 7 Monate alten Babys.
Und Themen. Das war toll.
S. ist nett. Offen, klar, respektvoll. Einfach so. Wir teilen wohl viele Themen und wie heftig ist das. Was ist das für ein Zufall, was für eine Realität. Wie schön, wie unfassbar traurig.
Wir können ihren Walzenhäcksler haben. Wir treffen uns bald wieder. Ich freu mich.
Das waren schöne 2 einhalb Stunden.
Und der Bus fährt gar nicht mal so selten von mir zu ihr.
Ich hab fast gar nicht an die Anhörung morgen gedacht.