Aufzeigen – Was “One Billion Rising” trotz aller Fails kann

Sonnenuntergang “Wieso macht ihr denn sowas?”, fragte meine Bekannte und schüttelte verständnislos den Kopf.
Auf die Straße gehen, tanzen, Präsenz zeigen… und das für Frauen- “kann ja nur was Feministisches sein und da weiß man ja…”. Meine Bekannte hat keine Ahnung von feministischen Theorien und, den Rumms, den sie vom Stuhl machen würde, würde sie begreifen, dass es nicht “den Feminismus” gibt und, dass Alice Schwarzer eher eine Ausverkäuferin unter dem Deckmantel selbigens ist, ach- es wäre zu köstlich.

Nein, bei One Billion Rising geht es nicht um feministische Theorie oder darum, tatsächlich Dinge zu verändern. Es geht, zumindest für mich nach allen Abstrichen, die ich für notwendig halte, darum auf etwas draufzuzeigen.
Nicht mehr und nicht weniger.

Meine Bekannte sagt Dinge wie: “Wenn der sich als richtiger Kerl nicht mit echten Playboybunnys ablichten ließe, da irgendwo im Urlaub- der wär doch blöd!” und lässt mich, ein leises “Zonk!” aushauchend, hinten drüber fallen, ob der Menschenverachtung und des Sexismus ihres Alltags, den sie noch nicht ein Mal hinterfragt hat.

Für sie ist das Drama der Hebammen ein reines Geldproblem- die Folge, nämlich der Verlust der Freiheit von Menschen, die eine Schwangerschaft erleben bzw. begleiten, nicht auch in Frauen*feindlichkeit begründet.
Zur “
Pille danach”, legt sie Maßstäbe, die von “selber schuld, die Schlampe” bis “Ach, Kinder werden doch gebraucht.” reichen.
Lesbisches Leben und Lieben, kennt sie nur aus Pornos- klar, weil sowas gibts ja nicht unter Frauen*. Weiß ja jede/r, dass “homosexuell” ein Synonym für “schwul” ist.
Gewalt gegen Frauen* hat für sie immer etwas mit männlicher Dominanz, begründet in genetischen Anlagen zu tun. Je nachdem, wie die Frau agiert, kann der Mann ja gar nicht anders.

Wenn wir beide aufeinander treffen, streiche ich mein Bullshitbingo an.
Und schweige.

Ich bin nicht stark genug, allein gegen so viel Mist anzukommen. Meine Rhetorik reicht nicht, sie vor den Hass, den sie sowohl internalisiert hat und weiterträgt, als auch perfekt zu ignorieren weiß, zu stellen.

Aber ich kann ihr sagen: “Hey- am Freitag fahre ich nach Bielefeld, treffe die @weirdBielefeld- Weirdas, die das tolle lesbische Stadtmagazin machen und die MädchenmannschaftsNadia und dann unterstütze ich “One Billion Rising” als Kampagne, die zwar viel berechtige Kritik erfährt, aber eine Möglichkeit ist, auf Gewalt an und gegen Frauen* draufzuzeigen.

– Willst du mitkommen?”

und so, Jahr für Jahr auch in ihrem Kopf den Gedanken pflanzen, dass das Eine oder Andere doch auch in Frage gestellt werden kann und zumindest von einigen Menschen da draußen auch wird.

0 thoughts on “Aufzeigen – Was “One Billion Rising” trotz aller Fails kann

    1. Ich denke, dass viele Menschen es für normal halten. „Is halt so…- der Himmel is ja nu auch ma blau, ne?“
      Da kann man, denke ich, auch immer nur so ein bisschen daneben stellen, dass man selbst eine andere Haltung dazu hat. Und dann gucken, ob und wenn ja, wie weit man einander annähern kann.
      Jede/r braucht da seinen „Klickmoment“, glaube ich.

      Viele Grüße

  1. Rosenblatt’sche Inception ^^, hoffentlich fruchtet sie!
    Oft frage ich mich- reagieren Frauen so aus einem gewissen Trotz? Weil sie eigentlich tief im Innern hoffnungslos sind gegen das alles anzukommen? Weil es einfacher ist, wenn die Schwangere eine Schlampe ist, weil dann die eigene Hilflosigkeit nicht so spürbar ist? Da muss es nicht um das schlimmste gehen, sondern da reicht schon ein Aufwachsen in einer Welt, in der die Frau nicht so wertvoll schien, wie der Mann.
    Nicht hinterfragen tut nicht so weh, wie hinschauen und draufzeigen.
    Dafür kanns aber auch nicht verheilen. 😉