man nennt es

Ich bin das älteste von drei Geschwistern und vielleicht bin ich der misslungene Pfannkuchen. Die vertane Chance, das verschüttete Quäntchen, dass das Fass zum Überlaufen brachte. Ein Unfall, ein Missgeschick.
Auf der ganzen Linie.  Wäre ich nicht gewesen, was für meine Mutter die erste Schwangerschaft bedeutet hatte, dann…

Ich habe mich daran erinnert, dass die Baracken des Asta der Uni Potsdam nach Schluckimpfung, Linolkleister und Plaste gerochen hatte, als ich die letzten Stunden damit verbrachte nach Stipendien, Wettbewerben, Call for papers und participations zu suchen.

Zwischendurch stand ich auf, trank einen Schluck Wasser, weinte ein bisschen.
“Mach doch Pause”, sagen die einen. “Krieg den Arsch hoch”, sagen die anderen. Und ich folge den einen und folge den anderen.
Will, dass es aufhört und kann es doch nicht beeinflussen.

Ich versage. Verliere die Kontrolle und weiß nicht einmal, ob ich das schlimm finde.
Dass ich versage, weiß ja niemand. Denn niemand weiß, was ich leiste.

Lange hielt ich es für ein rein filmisches Element fern der Realität, am Schreibtisch einzuschlafen und deshalb kommt mir mein eigenes frühnachtmorgenliches Aufwachen vor dem Bildschirm surreal vor.
Irgendwann gehe ich doch schlafen und bin froh, wenn ich nichts mehr als den Atem des Hundes an meiner Seite wahrnehme.

2Ich bin so müde von all dem hier. So müde und doch so angestachelt, weil ich weiß, dass es nicht nur mir so geht.
Ich will etwas ändern, doch bin selbst so festgezurrt in Handlungsunfähigkeiten und Optionen, die ich nicht nutzen kann. Egal, wie viele Menschen mich wie schmerzhaft dorthin treten wollen oder auf eine Art auch hämische Freude an meinem Scheitern empfinden, die ich doch verhindern wollen müsste.

Jedes “Mach doch einfach”, ist ein Tritt, ein Stich, eine Ohrfeige.
Weil ich schon mache. Und doch nicht vorzeigbar bin.
Das haben erste Pfannkuchen und verkrachte Existenzen an sich. Egal was sie tun, es ist nicht präsentabel.

Man kann mich nicht mehr vorzeigen, ohne auch zu zeigen, dass auch das größte Potenzial nichts ist, ohne Raum, Zeit, Kraft und Sinn zu wirken.

Man nennt es “depressive Krise”.

0 thoughts on “man nennt es

  1. Oder hochsensibel sein… Bist du ein tiefgründiger Mensch? Denkst du lange über die Dinge nach? Hallen Erlebnisse bei dir noch stunden-/tagelang nach? Bist du nach großen Ereignissen geflasht, überstimuliert und brauchst deine Ruhe? Alleine sein um die Eindrücke zu verarbeiten? Bist du empathisch? Kannst du dich gut in andere einfühlen? Zeigst du größere emotionale Reaktionen als andere in deinem Umfeld? Reagierst du stärker auf äußere Reize als andere? Wie z.B. Geruch, Geschmack, Lärm, Berührungen, Licht, …? Dann könnte es evtl. wertvoll sein, dich mit der Thematik Hochsensibilität auseinanderzusetzen. Es könnten sich viele Gedankenknoten bei dir lösen und du verstehst, warum du momentan fühlst, warum dich die anderen gerade so „herumschubsen“.

    Liebe Grüße,
    Julia

  2. Also ich wäre stolz dich „vorzeigen“ zu können. Zum Beispiel wenn ich euch mal kennenlernen würde und dann sagen könnte „Ich hab mit den Rosenblatts Kaffee getrunken“ und dabei von einem Ohr zum anderen grinsen würde, weil ich wüsste, die anderen wäre neidisch.

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