Lauf der Dinge

Tag 12: Dauerregen

Interessant ist, dass es uns Spaß gemacht hat. Im Regen fahren und allein sein auf den Wegen durch die kühle Landschaft mit den dampfenden Wäldern auf dem Weg nach Bad Karlshafen. 

Dort hatte noch kein Café auf, in das wir uns so nass und mit NakNak* hätten setzen können um einen Ausruhkaffee zu trinken. Darum sind wir nach einem Abstecher in die Touristeninformation gleich weitergefahren. Im ersten Abschnitt des Diemelradweges (der den Anfang unserer Route macht) gab es einen Unterstand im Wald. Da haben wir uns den Ausruhkaffee selbst gemacht und ein paar Episoden des Geschichtspodcast „Zeitsprung“ angehört. Sehr interessant. 

Dann haben wir einen Fehler gemacht. Weil wir uns nicht erkälten wollten (Schwitzen in Plastik und dann im Kalten sitzen wäre so ein Rezept dafür) haben wir über unsere Sweatjacke noch die Regenjacke angezogen – aber nicht wieder ausgezogen, als wir weiter fuhren. 

Angekommen in Hofgeismar waren wir nass bis auf die Haut. Und es regnete durch. Und regnet immernoch. 

Ohne trockenes Regenzeug können wir nicht raus in den Ort, geschweige denn weiterfahren.

Aber wir haben Glück. Der Campingplatzbesitzer hat uns eine freie Blockhütte angeboten. Die dient üblicherweise zur Lagerung von Gartenmöbeln, aber wir dürfen drin schlafen und unser Zeug zum Trocknen auslegen. 

Zum Schlafen ist es zu fremd und zu kalt – aber die Kleidung trocknet gut – das Regencape ist jedenfalls schon fast wieder trocken, was heißt, dass wir nacher eine Runde mit NakNak* gehen können. Die übrigens seit gestern mehr oder weniger tief mit uns im Zelt rumdöst und offensichtlich kein Problem damit hat, dass heute so wirklich gar nichts passiert.

Auf dem Weg hier her sind wir durch den Deiseler Tunnel gefahren. Ein alter Tunnel für die Carlsbahn, der heute für Wandernde und Radelnde frei ist. Und von Fledermäusen bewohnt. Und einige Meter zu Beginn stockdunkel. Wir wollten gerade umdrehen, weil wir trotz Radleuchte kaum etwas gesehen haben, aber dann ging in Bodennähe eine Reihe Lampen an. Hell genug für uns und auf den Boden gerichtet – nicht störend für Fledermäuse – total schön gelöst finde ich.

Für den Fall, dass ihr da mal durch wollt: von Bad Karlshafen aus, führt der Weg direkt durch, aber dann kommt ein sehr steiler Abstieg. Mit Rad + Anhänger und alleine ist es eine schwere Nummer runter zu kommen. Rauf aber sicherlich noch schwieriger.

Tja. Und sonst?

Ich merke, dass es irgendwo hinter mir arbeitet und Therapieinhalte bewegt. Ich bin froh um die Podcasts, die wir noch im Handy haben. Sie helfen etwas Abstand zu halten. Nicht, dass ich mich dem Bewegten absolut fernhalten will, aber ich merke, dass das zu viel für mich ist. 

Zumindest jetzt, wo wir vom Dauerregen ins Zelt gebannt sind. 

Hofgeismar ist die Dornröschenstadt, denn hier steht das Schloss zum Märchen. Wir spielen heute Dornröschenblatt und schlafen durch diesen Tag.