Lauf der Dinge

Tag 9: meeh

Am Morgen von Tag 7 regnete es noch immer. Gegen Mittag verzogen sich die Wolken und die Hitze verwandelte die Gegend in den Teutoburger Regenwald, der uns von zu Hause schon so bekannt ist.

Und so gefürchtet. Denn seit letztem Jahr haben wir immer wieder mal Asthmaattacken. Besonders bei feucht-warmer Luft und bei viel Pollenflug. Gerne auch mal in Kombination mit Lebensmitteln auf die wir nicht akut schwer, aber doch genug allergisch reagieren, um das Immunsystem insgesamt nervös zu machen.

Tag 7 begann also nass und träge und mittel motiviert. Über die Mittagszeit zu fahren ist nicht unsers und dann leitete uns die Route in der App auch noch auf einen Berg. Einen steilen Berg. 

Und dann auf eine Wand zu, die man wirklich nur mit dem Auto schaffen kann. Wir also hoch. 

Die letzte Wegmarke hatten wir vor 3 km gesehen und irgendwie konnten wir die Idee nicht loslassen, dass es nach jedem krassen Bergauf ja auch ein schönes Bergab gibt. 

Das Bergab gab es dann in Form von Schleimplasmaschlonz, der uns die Lunge abgedichtet hat. Ein Asthmaanfall. 

Das ist Erstickungsangst, die laut brüllend im Kreis rennen will, gegen das Wissen, dass jede Aufregung alles nur schlimmer macht. Trotzdem hab ich mein Zeug abgeworfen, das Rad und den Anhänger mit NakNak* abrutschsicher in die Böschung gekeilt und gedacht wie scheiße das jetzt wär, so kurz vor oben abzukratzen. 

Prioritäten kann ich Notsituationen nämlich besonders gut.

Wir sind im Moment auf dem D 9 bzw. dem Weserradweg unterwegs. Hier fahren einige Leute lang und ein Pärchen hat uns getroffen und geholfen. 

Die nächste Station war ein sehr deutscher Campingplatz mit Vanilleduft aufm Klo und 0 Internet. Wir haben 10 Kilometer und eine potenziell lebensbedrohliche Situation geschafft. Immerhin.

Tag 8 begann besser. Die Erholung hat gut getan und wir starteten mit dem Tagesziel „Hameln“. Die Rattenfängerstadt. Wir wollten hier Touristensachen machen, aber der Campingplatz hat unser Budget für Touriquatsch gefressen. Total ärgerlich. Auch weil es ein schlechter Platz ist. 0 Internet, 0 Ruhe, Frustpotenzial 500. 

Meeh. 

Morgen fahren wir bis Höxter. 

Ach und wir waren heute in Rinteln. Fahrt da mal hin. Die Altstadt ist schön. Hat einige Fachwerkhäuser, die nach Zillionen Stunden harter Arbeit aussehen. Und verschiedene historische Stadtführungen. Und freies Stadtinternet. 

Ich hätt jetzt auch gerne freies Internet. 

Meeh meeh meeh 

2 thoughts on “Tag 9: meeh”

  1. Hut ab, dass ihr diese Tour macht! Habe so etwas immer schon in Gedanken durchgespielt und auch nähere Informationen eingeholt – aber bisher blieb es leider auch dabei… aber irgendwann, dann… Wirklich toll, dass ihr das umsetzt. Weiterhin viel Freude und Erfolg!

  2. Hab bis hier her schon gelesen und du kommst meiner Heimat immer näher, in der ich aufgewachsen und 20 Jahre gewohnt habe und in die ich unbedingt zurück will 🙂 Niedersachen ist so schön! Ich liebe den Anblick bin Wolken, die aus dem Wald aufsteigen

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