Lauf der Dinge

gestern

Auf Drogen durch die Welt zu gehen, macht den Alltag zu einer Schmetterlingsjagd.

Heute morgen haben wir nicht verschlafen. Das lag daran, dass wir gar nicht erst aufgewacht sind.
Jedenfalls nicht richtig. Wir sind auferstanden als Ruine und evolutionierten uns zum Zombie auf der Bahnfahrt zum Englischnachschreibetest, während die Klasse im Nebenraum den Unterricht weitermachte.

Wir spannten uns das in den letzten zwei Wochen geknüpfte Seil aus gelernten Vokabeln über das Murmeln aus dem Klassenraum und dem dumpfen Brei im Kopf. Zeile für Zeile runter, einmal quer drüber, Lücken befüllen, Ungewusstes bleibt Ungewusstes – bimm bamm bumm – forget forgot forgotten

Wir gingen zurück und griffen nach dem an-die-Leinwand-Projiziertem. Brauchten nicht abschreiben, aber können. Was jetzt? Wir schrieben ab – die Führung des Grammatikheftes ist doch so wichtig. Die Klasse begann eine Übung im Buch. Wir brauchten nicht mitmachen. Wir sollten uns keinen Stress machen. Aber die Übung brauchen wir doch genauso wie die Klasse? Wir hetzten hinterher. Dann ein Zeitstrahl. Dann ein neues Thema. Neue Übungen.
Ich verschwamm und schmolz. Merkte wie schon längst wieder irgendein Teenagerinnen in die Umgebungsreize griff, um sich zu spüren.

In der Pause baute ich mich an der Kälte wieder zusammen. Teilte mir mit NakNak* eine Birne und dachte an die Wandertour, die ich nächstes Jahr mit ihr machen will. Ich war vollgestopft und beladen mit dieser Matschwatte im Kopf und dem Gefühl dieser hektischen Springerei um mich herum nichts entgegen setzen zu können.
Zwischendurch fragte ich mich, ob meine Mitschüler_innen das Gleiche empfinden, wenn sie auf jedwede Frage mit “Keine Ahnung…” antworten.

Später am Tag fällt mir ein, dass ich Kekse für jemanden backen, ein Paket für jemanden wegschicken, einen prägnanten Satz für jemanden schreiben, dicke Socken und neue Unterwäsche für uns kaufen wollte.

Und dann doch im Käfig unter Decken und Kissen liegen musste.
Weil das gerade wichtig ist.

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