Lauf der Dinge

heute

Und dann ist es Abend und in der Schüssel in meiner Hand ist nur noch eine kleine Lache freier Zeit.
Verrückt kommt mir das vor, denn mitunter taumelte ich durch den Tag wie das große weiße Kaninchen aus “Alice im Wunderland”.

“Zu spät zu spät – keine Zeit keine Zeit – zu spät viel zu spät!”, glaube ich gedacht zu haben, doch je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es nur ein Hetzgefühl war. Ein zu langsam, zu träge, zu lahm zu lahm!, das durch das Ruckeln und Zuckeln des Laufs der Dinge aufgescheucht, zu Tode erschreckt, herausgerissen aus Plan und Selbst, weder denken noch in Worte gebracht werden konnte.

Ich hatte den Wecker überschlafen und durch den spontanen Sprung von der Schlafstelle hoch gegen die Kante des Hochbettgestells mit einem fiesen Schmerz am Kopf dafür bezahlt.
Ich fluchte auf die scheiß Chemie in meinem Blut, griff irgendwelche Kleidung und schrubbte mir die Zähne, während ich die Kaffeemaschine anschaltete. Meine Morgenroutine im Schnelldurchlauf während der Überlegungen, wie wir am Schnellsten zur Schule kommen könnten, purzelten zusammen mit der Seife auf Haut und Haaren an mir herunter und um mich herum.
Mit der Bahn brauchen wir zwischen 47 und 57 Minuten. Unvorhergesehene Hundesperenzchen durch irgendwelche Leute nicht mit eingeplant.

Die Uhr tickte, die Frau in der Taxizentrale fragte komisches Zeugs und irgendwas stimmte mit dem Frühstück nicht.
Erst in der Schule fiel mir auf, dass ich mein Müsli getrunken hatte, statt es zu essen.

Am Schuleingang war mir aufgefallen, das NakNak* noch den Dreck am Ohr kleben hatte, den ich ihr am Morgen in aller Ruhe rauswaschen wollte. Der Dreck entpuppte sich als Scheiße. Als Scheiße, die immun ist gegen Schulkloseife.
Schön.

Es war aber auch wirklich schön. HTML ist schön. Schöne Sprache. Much Logik. Very Liebe. Aber man darf sich nicht in Ruhe damit befassen. Es donnert ein Gong und fetzt alle Gedanken wieder auseinander. Dann gehts zum Basteln in die Werkstatt und in einen Zeitstrom hinein, der alles Denken und Fühlen in sich aufsaugt.
Und zum Alleine-Unterricht wieder auskotzt. Wo wir uns awkward vorkommen, wie wir da mit unseren Karteikarten sitzen und “forget forgot forgotten” sagen und anfangen zu heulen, ohne zu wissen wieso. Das Schultagsende rotzt uns in eine überfüllte Bahn und Herbstregenwetter.

Plötzlich ist es 15 Uhr 10 und ich zwinge mich dazu nicht einzuschlafen. Um 17 Uhr wollten wir doch Dinge tun. In der Stadt. Mit Freunden.

Und jetzt ist es 21 Uhr irgendwas.

Es ist Stasis.
Meine Zeit ist leer.

Wenn man sich verschläft, kann das schon mal vorkommen.

2 thoughts on “heute”

  1. Hallo Hannah,

    das ist ein Erfolg. Schau mal, du hast verschlafen aber alles geregelt. Manch einer ist dabei schon ums Leben gekommen. Aber nicht aufgeben hast du geschafft. Trotzdem aufstehen. Und überlegen was schnell geht. Und sein muss. Und auf die Idee gekommen ein Taxi zu rufen. Das traut sich mancher nicht. Oder kann es gar nicht bezahlen. Und wenn Menschen wissen, dass Hunde sich auch immer selbst den Hintern und den Schniedel lecken. Dann macht bisschen Kacke am Ohr nichts.
    Hast du dann einen guten Schultag gehabt?

    Viele Grüße von Miriam

  2. Hallo Miriam.
    Der Tag war schwierig. Das habe ich dem Text zu beschreiben versucht.
    Die Lösungen hatten alle ihren Preis. So froh ich sein kann sie gefunden zu haben.

    Viele Grüße!

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