Innenansichten, Lauf der Dinge, Momente mit Glitzer drin

“Ich werde Hannah genannt.”

Es ist der erste Schultag und wir sind froh um den Einschulungstermin um 10 Uhr 30. Den Begleitermenschen, der uns 9 Uhr 30 abgeholt hat. NakNak*.
Um den Himmel, der bleibt wo er ist, obwohl er allen Grund hätte, sich auf unseren brummenden Kopf hinabfallen zu lassen.

Es ist, wie Schule ist. Viele Menschen. Viele Geräusche, Gerüche, Bewegungen, Schmerzen, Worte. Es wird informiert, erklärt, erläutert und unsere Augen machen Fotos für die Wörterakte “Schule”.

Wir genießen unsere Beliebigkeit. Tauchen in sie hinein, wenn uns ein Blick, ein Wort, ein Lächeln aus einem fremden Gesicht berührt, ohne dass wir uns darauf vorbereiten konnten. Es ist so schön einer von vielen fremden, neuen, ungewohnten Anblicken zu sein.
So schön.

Draußen bäckt die Welt bei 32 Grad und meine Ränder weichen auf. Mehr und mehr von uns quellen an die Oberfläche, schliddern durch Umgebungsgeräusche und bleiben an Details kleben, ohne den Kontakt zu verlieren.
Die Namen der Schüler_innen werden aufgerufen.

“Kann man Rufnamen anmelden?”, fragt der Mund 2 Zentimeter unter mir.
“Ja, wie ist der denn?”, antwortet die lehrende Person.

“Hannah. Ich werde Hannah genannt.”

Nun auch hier.
Obwohl doch hier das “echte Leben” ist.
“Das echte Leben”, in dem es an so vielen anderen Stellen egal sein muss, wie schlimm es für uns ist, mit dem Ausweisnamen angesprochen zu werden.

“Das echte Leben”, in dem “Hannah” so noch nie einen Platz hatte.

10 thoughts on ““Ich werde Hannah genannt.””

  1. Hallo Hannah,
    alles Gute für den Ausbildungsbeginn!
    Ich hoffe, du wirst Gefallen daran finden und zufrieden sein.
    Was ich jedoch etwas verwunderlich finde ist, dass du schon so lange schreibst, dass du so gerne einmal eine von Vielen sein möchtest. Auch hier schreibst du, dass du eure Beliebigkeit genießt. Eine von vielen sein. Nicht anders sein, dazu zu gehören usw usf. Verständliche Wünsche.
    Nur frage ich mich, ob du es wirklich erstaunlich findest, dass diese Bliebigkeit, die du sicher in vielen Bereichen hättest/haben könntest, nach kurzer Zeit vorbei ist.
    Immerhin gehst du da zum ersten Ausbildungstag mit einem Begleitermensch. Ich habe übrigens noch nicht so richtig verstanden, was das ist. Hast du eine ambulante Betreuung, zusätzlich zur gesetzlichen Betreuung? Vielleicht war aber auch der Beginn der Ausbildung mit einer Feierlichkeit verbunden, zu der andere SchülerInnen Familienmitglieder oder Freunde mitgebracht haben. Dann ist ein Begleitermensch da sicher eine gute Idee und völlig „unauffällig“.
    Aber die Beliebigkeit und „eine von Vielen“ sein, ist doch spätestens dann vorbei, wenn du dort mit einem Hund auftauchst, der auch noch eine Kenndecke trägt (wie machst du das eigentlich bei deinen Vorträgen, ist NakNak* da auch immer dabei?) Dann bittest du darum, dich mit einem anderen Namen, als dem Passnamen, ansprechen zu lassen. Auch nicht gerade sehr beliebig und unauffällig. Zusätzlich wirst du in der ersten vollen Ausbildungswoche scheinbar zwei Tage in der Schule fehlen, um CDs auf einer Tagung zu verkaufen, deren Inhalt jeder im Internet kostenfrei anhören kann.
    Stellt die Ausbildung dich dafür ernsthaft frei? Kann ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen. Ich kenne keine einzige Ausbildung, in der man von dem schulischen Teil für einzelne Tage befreit wird, um einer Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Und Tagung ist, selbst wenn es dein Herzensthema ist für das du dich einsetzen möchtest, eine Freizeitangelegenheit, wenn du nicht beruflich in dem Bereich arbeitest und es als Fortbildung machen kannst. Selbst dann müßtest du aber doch Fortbildungsurlaub beantragen. Und wenn die Schule dich tatsächlich freistellt, wäre auch das nicht gerade etwas, was dazu beiträgt, dass du für lange Zeit „beliebig“ bleibst und unauffällig in der Masse verschwindest.
    Ich kann alles nachvollziehen, wie du es machst und warum es dir wichtig ist oder warum es gar notwendig ist (okay, das Verschwinden aus der Ausbildung für eine Tagung kann ich nicht nachvollziehen).
    Nur verwirrt es mich wirklich, dass du immer wieder einen so großen Wunsch äußerst, etwas zu machen, wie es Menschen ohne Behinderung, ohne soziale Benachteiligung, ohne Armut usw. weiter machen können. Aber wenn du die Chance hast, tust du schon auch direkt am Beginn oft einiges dafür, dass genau das nicht passieren wird.
    Ich wünsche dir, drei Jahre Beliebigkeit und eine schöne Ausbildungszeit.
    Liebe Grüße

  2. Hallo Tanja,
    was ich erstaunlich finde ist, warum du mich nicht fragst, was „Beliebigkeit“ für mich/uns ist.
    Ob ich/wir wirklich bei einer Tagung zum Zwecke des „freizeitlichen Vergnügens“ bin/sind.

    Dein Kommentar liest sich für mich, als würdest du mich das nicht fragen, weil dich das nicht interessiert.
    Was mich wiederum verwirrt und die Frage auftauchen lässt, warum du dann hier liest und kommentierst.
    Zusätzlich auch noch mit einem heftigen Einschlag von „selbst schuld“ aus einer ungeprüften und unreflektierten Annahme über das, was ich meine, tue, „eigentlich will“ etc.

    Liebe Tanja, die mir seit Jahren immer wieder solche Kommentare und Tweets schickt.
    Ich glaube, du hast ein ernsthaftes Problem. Mit mir, mit dem was ich tue, denke, wünsche und manchmal auch einfordere. Aber ich kann dir das nicht lösen.
    Du kannst aufhören mir nachzustellen. Vielleicht brauchst du dabei Hilfe. Hol dir diese Hilfe.

    Alles Gute,
    Hannah

  3. Alles Gute für diesen neuen, spannenden Lebensabschnitt.
    Freut mich sehr hier zu lesen, dass die ersten Eindrücke so positiv sind. So darf es ruhig weiter gehen!

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