Autismus und DIS, Die Helfer_Innen und die Hilfe, DIS?, Fundstücke, Innenansichten

Fundstücke #19

Das anstrengende Haus ist das neue Zuhause der Praxis. Weil die Praxis einmal zwei Mal umgezogen ist, musste ich noch einmal ganz von vorn anfangen mit meinem Überlegen, was ich für Erwartungen, Ideen zu und Wünsche an die Therapie habe.
Weil die Praxis in ein anstrengendes Haus gezogen ist und vor dem Umzug in einem Haus mit einem Krachmalstrom wohnte und vor dem Umzug in einem Haus mit Krachschallverstärkerdurchgang, habe ich die Therapeutin vor 2 Wochen und drei Tagen zum ersten Mal gesehen.

Das anstrengende Haus ist fast nie gleich. Deshalb ist es anstrengend. Vor zwei Wochen hatte es keine Tür. Es hatte einen Verschluss. Eine Art Deckel für den Flur mit einem Schlüsselloch und einer Linie hellblauer Pfeile, die nach rechts deuteten. Obwohl dort nur der Rand des Flurverschlusses war.
Als wir fertig waren durcheinander zu sein und den Flurverschluss als solchen verstanden hatten, schrieb jemand eine Nachricht an die Therapeutin und ich bewachte die Stelle, an der einmal eine Tür war, die manchmal von einem Kunststoffkreis und manchmal von einem Holzkeil und überwiegend nie daran gehindert wurde holzmetallscheppernd in ihren Rahmen zu knallen.
Andere vergewisserten sich, dass wir vor der richtigen Tür standen. Obwohl der Briefkasten noch der Gleiche war. Aber er hing an einer anderen Stelle. Ich kann schon verstehen, dass sie dachten, wir stünden vor dem falschen Haus.

Ich erinnerte mich an die Werkmenschen, die immer irgendwo im Haus sind und Krach und manchmal auch richtige Arbeit machen. Ich bewachte den Verschluss und spannte meinen Blick auf das Stück, wo man den Flur sähe, wenn jemand herauskäme. Sollte überhaupt jemand jemals aus dem Haus herauskommen. Man kann ja nicht hinein, wenn es keine Klinke gibt, weil nur ein Verschluss ist, wo einst eine Tür war. Mit einer Klinke, wie Türen sie haben. Und Verschlüsse nicht.

Die anderen redeten so viel durcheinander, dass es rauschte und der Körper zu zittern begann.
Da öffnete sich der Verschluss von innen und entließ einen Menschen nach draußen. Hinter ihm flatterte dünne Plastikfolie über Fliesen an der Wand. Die dünne Plastikfolie, die seit ein paar Monaten in immer neuen Knittermusterwellen über Fliesen an der Wand flattert.
Ich stieß mich vom Boden ab und sprang auf den Menschen zu, der mir auswich und so den Zugang zum Flur freimachte.

Ich war drin.
Ohne Scheppern, das sich mir in den Rücken bohrt und mich unter Bohr-Säge-Kirchenglocken-Krankenwagen-Schepper-Klirr-Knackgeräuschen im Flur ausbluten lässt, bis das Summbrummen der Praxistür mich endgültig zerreißt. Und weder ich noch das, was ich zu Erwarten überlegt begonnen habe, in die Praxis hineinkommen können.

Diesmal war ich drin. In einem stillen Flur. Und drin in der Praxis. Und da.
Und wusste nicht, was ich tun könnte. Jemand sagte, sie sei “die Therapeutin” und ich schaute und dachte und ertrank in ihren AntWorten, auf die Nachricht der anderen.
Erstickte an der Fremdheit des Moments. Verbrannte mich an dem Gedanken, dass ich nur Ideen anderer über das Optionenmonstrum “Psychotherapie” habe und nicht weiß, welche die ist, die mit “Ich habe mir die Erwartung überlegt…” beginnt. Ich verschwand in einer Optionenlücke und deckte mich mit dem Geräusch eines Kreisels auf Holz zu. Verlor die Zeit, den Raum, die anderen.

Letzte Woche schepperte der Hausflurverschluss in seinen Rahmen zurück und zerfetzte mich das Summbrummen der Praxistür hinter der die Therapeutin auf den Rest des Mich zu kam und Worte auf meine Asche schüttete. Ich hatte einen Atemzug und verbrachte ihn mit der Überlegung zu der Erwartung eines Jemand wie mich in dieser Praxis. Und zur Therapie.