Die Helfer_Innen und die Hilfe, Innenansichten

Bedeutung verstehen

Und schwupp sind Jahre vergangen und man befindet sich an einer dieser Stellen von denen man denkt, man hätte sie längst hinter sich gelassen. Bis man merkt, dass man sie hinter sich gelassen hat, weil man nicht versteht worum es geht.

In den letzten Jahren floss immer wieder viel Energie  an die Punkte: „Sie müssen begreifen und akzeptieren, dass Sie eine DIS haben“ und „Sie müssen verstehen, was das bedeutet“.

Wir hatten in unserer Geschichte keine Punkte, in denen uns alles überm Kopf zusammenbrach, weil wir erkannten und annahmen, dass wir eine Person sind, die eine dissoziative Identitätsstruktur entwickelte.
Wir haben uns mit der Diagnose beschäftigt. Haben ihre historische und sozio-kulturelle Wandlung studiert, haben Behandlungsoptionen recherchiert und uns mit der neurologischen Basis von Psychotraumatsierungen befasst. Wir haben unser Erleben darin in weiten Teilen dargestellt gesehen und Worte gefunden.
Und fertig.

Mehr brauchte das nicht, um für uns um festzustellen, dass alles „nach einem alles umfassenden Ursprung bohren“ keinerlei Auswirkungen auf unsere Probleme hat.
Es ist erhellend zu wissen, welcher Teil des Gehirns unsere Panik auslöst und was genau dort passiert – die Panik fühlt sich aber immernoch scheiße an und alles Wissen über die Zusammensetzung und Funktion von Neurotransmittern und ihren Wirkmechanismen, hilft herzlich wenig, wenn man mit nasser Unterhose in der Straßenbahn steht und hofft, dass dies nicht der Moment des Ablebens durch Herzstillstand ist.

Inzwischen frage ich mich, warum uns denn eigentlich niemand verrät, welche Einsicht oder Erkenntnis wir denn haben müssen, um denn „zu begreifen, was es bedeutet eine DIS zu haben“.
Es muss ja irgendetwas sein, das völlig an uns vorbei gegangen ist in den letzten 13 Jahren und ich bilde mir ein, dass wir eine gute Zillion Erkenntnisse gesammelt haben, was es bedeutet eine DIS zu haben.

Meine Gemögte sagte gestern, wir hätten den Punkt übersprungen, in dem es um das Begreifen und Akzeptieren der eigenen Opferschaft geht, die der DIS zugrunde liegt.
Ich verstehe nicht, was sie damit meint, denn wenn wir über eines die ganze Zeit sprechen, dann ist es doch wohl, wie viele Aspekte in unserem Leben von einer globalen Ohnmacht bzw. Diskriminierung geprägt sind. Hallo – wer wenn nicht wir seiert das ganze Internet damit voll wie es ist, zum Opfer geworden zu sein?!

Ich verstehe es nicht.
Und es ist kein „ich verstehe es nicht“ wie „ich verstehe diese Formel aus der Quantenphysik nicht“ sondern wie: „waswillstdudennsagenwiesosagstdunichteinfachwaslosistichverstehenicht“ bei dem man am Ende total lächerlich da steht, weil niemand verstehen kann, wie man das denn jetzt nicht hat verstehen können. Wo man doch sonst immer Dinge versteht, die kaum jemand versteht.