DIS?, Innenansichten, Lauf der Dinge

Selbsthass

“Ah – ist nur Selbsthass.”, denke ich und bin erleichtert.

Selbsthass ist okay. Am Ende ist es eigentlich immer das, was die Welt auf so vielen Ebenen in mich reindrückt und reingedrückt hat, dass es mich sehr versichert mich zu hassen, weil es sich konform anfühlt.
Es ist ein Akt der Verlogenheit bis reaktiver Egoismus, sich darüber zu erschrecken oder das zu bedauern. Du kannst niemanden sein Leben lang treten und unterdrücken – egal wie beabsichtigt oder nicht – ohne dieses Jemand von seiner Unerwünschtheit und dem Hass der Welt auf sich mit jedem Mal mehr zu überzeugen.

Manchmal vergesse ich das und wundere mich, warum es mir über Wochen und Monate untergründig schlecht geht und nichts von dem, was ich tue einfach nur genug vor mir selbst ist.
Dann nehme ich schöne Erlebnisse mit, freue mich und fühle Stolz und denke doch keine 5 Minuten später daran, dass es dann doch einfach nicht reicht. Es reicht nicht, wenn ich stolz bin. Es reicht nicht, wenn ich mich freue. Es ist nicht genug. Ich bin nicht der Maßstab.

Und da ist das Muttiweh und das Weh, dass es ein Muttiillusionsweh ist und Selbstbeschiss und, dass es halt einfach ein Loch gibt, das nicht zum Maßstab taugt. Dann ist da Gemögtenweh und das Weh, dass es Löcherstopfillusionsweh ist und genau der gleiche Selbstbeschiss ist, weil es eben ein Loch gibt, das keinen Maßstab hergibt.

Es beruhigt mich, dass ich mich dafür hasse wieder Menschenkontakte verloren zu haben, obwohl ich glaubte – wieder einmal schön naiv glaubte – diesmal würde alles anders, obwohl ich weiß, dass ich halt so bin, dass man es nicht mit mir aushält, weil ich zu hoch zu breit zu viel bin.
Es erdet mich, mich dabei zu beobachten, wie irgendein jemand meine Strafen übernimmt und mich verletzt. Es gibt mir eine Struktur im Weh Weh Weh , das selbst ohne Anfang und Ende ist.

Ich bin so dankbar, wenn das unveränderliche, nie endende, immer mordende Weh, ein Weh mit Anfang und Ende daneben gestellt bekommt.
Wenn da so ein Raum aufgemacht ist, in dem etwas Schmerzliches auch ein Ende hat.

Figur

Ich gehöre nicht in diese Welt und habe es vielleicht noch nie getan.
Es tröstet mich, zu fühlen, dass da ein zwei drei viele jemande in mir in der Lage sind, so mit mir umzugehen, dass ich aufhören kann zu denken, dieses innere Wissen sei vielleicht falsch.
Es ist so schön, im Hass auf mich mit dieser Welt vereint zu sein.

Wirklich.

Ein Gedanke zu „Selbsthass“

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