DIS?, Innenansichten, Lauf der Dinge, Momente mit Glitzer drin

Ostersonntag

NilgansmitKüken

“Guck ma!”, ihr Blick flitzt zwischen dem Teich in der Morgensonne und dem kalten Dunkel des Innen hin und her. Ihre Rattenschwänze fliegen durch die Luft um ihren kleinen Kopf und sie vergisst die Peinlichkeit ihrer umherflatternden Hände. “Es sinds diese Gänse mit den Küken – guck ma!”.

Dicht unter der Haut springt der Puls, als wolle er den kalten Schweiß auf ihr abstoßen.
Sie klettert aus der Straßenbahn und lässt sich von NakNak* zum Wasser ziehen.

Der Hund setzt sich neben sie und lehnt sich an ihr Bein. “Is noch Zeit zum, dass ich ein Foto machen kann?”, sie wendet sich nach links, wo ein Jemand, das zwischen Erinnern und Schmerz, der Ruhe des Hundeatmens und der Schönheit des Moments steht und nicht weiß, was es fühlt.
“Hmm, ja. Wir werden erst später erwartet.”.
Das Jemand schaut auf Gedanken und wundert sich.

Sie zieht sich den Rucksack vor den Bauch und hebt die Kamera heraus. Ärgert sich über das Zucken im Gesicht, das dumpf dröhnende Rauschen, durch das sie ihre Handlungen hindurchschieben muss. Hält inne, als sie merkt, dass sie den Objektivwechsel nicht schafft.
“Ich kann das nich, wenn das so is! Ihr dürfts mich nich dauernd störn!”. Sie dreht sich um und stampft mit dem Fuß eine Druckwelle von vorne nach hinten, die das Um-Sie-herum lichtet. NakNak* setzt sich auf den Fuß des Körpers und schaut sie an. “Danke.” sagt sie und gibt dem Tier ein Stück Käse.

Sie setzt das Teleobjektiv auf die Kamera und schaltet sie an. Der Drang zum Händeflattern, das Zucken im Gesicht, der springende Puls sind weg.
Sie steht allein am Teich und nur das Rascheln der Pflanzen um sie herum, passiert neben dem Klick Flapp Klack der Kamera in ihrer Hand.

Als sie fertig ist, legt sie den Apparat zurück in den Rucksack und schaut einen Moment lang auf seine Rückseite. “Es ists so komisch, dass – jetzt isses da drin mein Bild und aber man sieht es noch gar nicht. Und dann geb ichs weg, ganz weit weg zu welchen die fremd sind, und dann is aber bald eine Woche vorbei und dann isses da zum Angucken.”. Sie kraust die Stirn und zieht neue Linien in ihr Verständnis von der Mechanik der Welt und ihrem Lauf der Dinge.
Das Jemand neben ihr wendet sich ihr zu. “Ich weiß, was du meinst.”, sagt es.

“Es ist so komisch, dass alles in einem drin ist, aber man es gar nicht sieht. Und dann wird man weggeben, ganz weit zu welchen die fremd sind, und dann sind 13 Jahre um und dann isses da.”. Das Jemand atmet gegen etwas, das sie nicht sehen kann.
“Auch zum Angucken?”, fragt sie und schiebt den Rucksack mit der Kamera zurück auf den Rücken.

“Ich weiß es nicht.”, sagt das Jemand und verdünnt sich zu einem Teil des Inmitten.