DIS?, Innenansichten, Lauf der Dinge

zu_hören

“Dieses Innen hat eine seltsame Art sich im Körper festzuhalten.”, denke ich und schaue ihm aus den Augenwinkeln bei seinem Tun zu.
Zwischendurch schließe ich das Sehen und höre seinem Denken zu, dass durch das Innen klappert und seine sonoren Schleifen an jede Ecke klebt, an denen es sich weh tut oder dumpfen Widerstand spürt.

“So, und wenn das hier fertig ist, dann …”, schepper schepper, “Das muss aufhören, dann…”, pittsch pattsch, “Das ist dann zu Ende und dann…”
Wenn es inne hält, spielt es durch, wie es die Therapie beendet, Kontakte sein lässt, die Wohnung bereinigt, sich die Haare abschneidet, und vor einem Moment stehen bleibt, in dem es um einen Akt des globalen Umgekrempeltwerdens geht.

Es ist kein Innen, das wie ein Presslufthammer ins Denken donnert.
Es schepperplätschert einfach nur hindurch.
Es ist leicht, daneben die tolle neue Kamera auszuprobieren, glück-selig zu flirren und simmern. Mit dem Hund zu schmusen, die Frühlingswinde in den Handinnenflächen zu streicheln, virtuell miteinander zu sein. Das ist, als wäre diese Planung einfach völlig in Ordnung, logisch und dabei simpel im Sein.

Und daneben ist die Wahrheit: “Es wird nie aufhören”.
Genauso schlicht und simpel. Genauso leicht und unwiderlegbar.

Weil es nie aufhören wird, mit diesem verrückt sein, braucht man keine Therapie mehr machen. Weil man ja nie aufhören kann, mit diesem viele sein, braucht man keine Kontakte mehr haben, die sich deshalb auf eine Art verpflichtet fühlen … wollen.
Weil ja alles schon fertig ist, kann man ja aufhören.

Kann man ja mal machen.
Und zwei drei Wellen weiter nickt jemand und erinnert an das Außen, das schon so oft antrug, man würde in seinem Sein verharren und nichts wirklich tun, um es aufhören zu lassen. pittsch pattsch “Ja, und dann lasse ich das und wenn das vorbei ist, dann…”

Am 3. ist Karfreitag, am 4. beginnt Pessach.
Dass es so bald schon soweit ist, ist völlig an mir vorbei gegangen. Ich habe noch gar nichts vorbereitet, obwohl mir gerade das Putzen zu Pessach sehr gut tut und es überhaupt eines der Feste ist, die mir angenehm global vorkommen. Wir sind zum Sederabend bei der Familie° eingeladen und, weil die Kunstschule Ferien macht, haben wir unseren Frontgängeralltag wieder zurück. Es gibt die Chance, dass damit auch die nächtlichen Intrusionen der Anderen, ein bisschen in die Ferien gehen.

Ich erinnere aber auch den Suizidversuch am Karfreitag vor … hmmmm … 13 Jahren? und merke, wie es dahinter pocht und drückt. Wie dort ein Presslufthammer nur darauf wartet, meinem Kopf von innen heraus zu spalten, um aus Trümmern aufzusteigen.

Und ich merke, wie müde ich davon bin.
Wie schön der Gedanke daran ist, es einfach aufhören zu lassen.
Einfach nicht mehr machen. Einfach loslassen und nicht mehr machen. Einfach so und dann … wird alles anders sein.

tropf tropf
es wird alles anders sein

das ist doch schön
oder etwa nicht?
Naaaaaa?
Wär das nicht schön?

tropf tropf

knarz
raschel

Nebel, der in den Ohren rauscht
Für mich das Signal, die Augen wieder zu öffnen und nach außen zu schauen.

9 thoughts on “zu_hören”

  1. Hatte das Gefühl am Anfang der Zeilen etwas sagen zu wollen. Hatte so sehr das empfinden wie Danke für deine Zeilen weil du da so viel angesprochen hast und das bewegt(e) mich sehr, ist mir so sehr nahe gegangen… mein Herz ist berührt.
    Einfach aufhören, man hat ja irgendwann, irgendwo auch angefangen… dieser Gedanke hält mich gerade fest, oder ich halte ihn fest… ist er doch so oft ausgesprochen von anderen Menschen… wage vertraut… deswegen berühren mich deine Zeilen vielleicht so sehr. Der Wunsch entgegen des manchmal gefühlten Irrsinns einfach mal -Norm-ailtät, wenn das so einfach wäre, wäre es schön….Ja, schön wäre das…

    Manchmal könnte etwas anders werden damit es auch anders wird. Wenn ein manches Anders schon probiert wurde und das nicht gut war ist es vielleicht das Anders das nicht geht… entschuldigt die verwirrenden Gedanken.

    Wir kennen uns nicht, wirklich und ich laufe immer schnell Gefahr jemandem zu nahe zu treten- dennoch möchte ich schreiben, dass ich mir für euch wünsche dass ihr acht gebt auf- euch- aufpasst in den kommenden Tagen …

  2. Ich verstehe wieder nicht alles, hab aber das Gefühl Du sprichst von zweierlei aufhören. Das Aufhören mit dem SO-sein, dem ver-rückt-sein, einfach aufhören und „normal“, zurecht-ge-rückt sein. Oder ganz aufzuhören zu sein, weil das mit dem zurecht zu -rücken- eben doch nicht geht. Aber was ist dann anders, es ist einfach nichts mehr. Ich kann verstehen, dass du müde bist und das das locken kann. Ich kenn das so nicht und weiss nicht wirklich wie sich das anfühlt. Ich kenn das nur von aussen, wenn jemand „einfach“ geht. Das war entsetzlich, für mich, als Tochter, aber vielleicht willst du das nicht hören, und musst dir ja auch keine Gedanken darüber machen. Ich kann es verstehen, dass es unaushaltbar werden kann, aber… . Ach, ich weiss auch nicht was ich dir sagen will…

  3. Ich hab mir schon gedacht, dass es als Suizidalität gelesen wird oder als „ganz und gar weggehen“. Aber darum geht es nicht.
    Es ist ein Innen das einfach so ganz penetrant, wie – kennst du bei Karstadt die Parfümerieabteilung? Wenn man da zuerst durchgeht, weiß man manchmal plötzlich gar nicht mehr, was man eigentlich in dem Laden wollte und weiß nicht, dass es an der Üerreizung durch die Düfte zusätzlich zu den üblichen vielen Reizen des Ladens, liegt – so scheppert dieses Innen durch unser Innen. Einfach so – ich merke da kein „Ich will sterben“ oder sowas. Einfach nur: „So und wenn das dann hier fertig ist, dann…“
    Das Viele sein ist so gestrickt, dass es für mich ganz oft nur ist, was ich auch hier aufschreibe oder in die Kunst bringe.
    Und dieses Locken- dieses „Naaaa?“ – vielleicht hätte ich es in wörtliche Reden setzen sollen fürs Verständnis – ist einer diese sadistischen Brocken (die BÄÄÄMs), von denen ich noch weniger weiß und wahrnehme.

    Ich will dir sagen: Ich glaube nicht, dass wir einfach gehen.
    Aber ich glaube es gibt Innens, deren Gedanken und sein etwas damit zu tun haben, dass man gehen könnte oder müsste oder so. Ich weiß es nur leider nicht. Und ich will nicht spekulieren oder mehr hineinlesen als da ist.

  4. Ja, erst hatte ich das verstanden, nur zu gut, hab da was total wieder erkannt. Aber das mit dem „Locken“ hat mich in die andere Richtung geführt und den ersten Impuls überdeckt. Das ist halt mein Trigger, ich denke immer gleich, jetzt geht wieder eine Welt unter. Aber keine Angst, keine Panikattacken auf meiner Seite. Dafür bin ich dann doch weit genug weg. 🙂

    Ich kenne solche „und dann“ -Gedanken:
    „und dann, wenn ich „geheilt“ bin…“
    „und dann, wenn ich so wie die anderen bin…“
    „und dann, wenn ich dann doch mal erwachsen bin…“
    „und dann, wenn ich mein richtiges Leben lebe…“
    „und dann, wenn ich dann doch noch bedingungslos geliebt werde…“
    „und dann, wenn dann mal auch ich noch eine richtige Mutter habe…“

    Sorry, Output aus 9 Jahren Psychoanalyse…

    (und dann, wenn ich die Psychoanalyse fertig habe und repariert bin…)

    😉

  5. und dann? Was machst du dann, wenn du solche Gedanken hast?
    Bei manchen Dingen kann es ja helfen dran zu bleiben, oder was anzufangen – ich sag mir das in Bezug auf die Kunstschule immer: „Ich mach das jetzt und dabei wird sich dann schon was ergeben, was dann kommt“. Da versuch ich mich zu entspannen und es einfach laufen zu lassen.
    Aber bei manchen Dingen kanns auch nur schmerzlich sein – zum Beispiel bei so Geschichten wie „wenn ich XY richtig toll hinkriege (you know Arbeit, Kunst, Machwerke irgendwas), dann wird mich jemand gern haben“ und am Ende kann ichs dann eh doch nicht aushalten, wenn jemand dann nett zu mir ist und ach ^^

  6. Das sind nicht so konkrete Gedanken, das ist eher so wie der Parfümerieduft, der mich immer umgibt und vom Da-Sein abhält.

    Gute Frage, was dann wäre. Ja, dann… dann fängt halt das Leben an, dann weiss ich was ich will, dann kann ich etwas wagen, ich selbst sein, mich einlassen, glücklich sein, ein besserer Mensch sein, jemanden lieben, da sein, die sein, die ich „eigentlich bin“…

    All das haben, was ich eigentlich schon längst habe, aber nicht sehe oder wieder kaputtmache, weil ich nicht dran glaube und immer Angst habe, es könnte nicht „wirklich/echt“ sein. Ich könnte mich schuldig machen, in dem ich etwas will. Wenn ich es laufen lasse, könnte wieder alles verloren gehen, alles auseinander fallen, eine Katastrophe passieren, schuldig werden ohne zu wissen wie.

    Ja, hach…

  7. ich sag immer „es-gibt-mich-Angst“ dazu
    es ist gefährlich, zu sein und zu leben – hat man jedenfalls gelernt und das muss man neu lernen
    ich find das schwer (und gefährlich)

  8. Ja, ich finde das auch sehr schwer. Sichtbarsein, sich spüren und was wollen.

    Ich habe aber das Gefühl, dass du doch einiges willst. Das ist schon ein Schritt oder? Wer will, ist auch da.

    Ist es wirklich gefährlich? Ist die Gefahr nicht schon vorbei? Ist das für dich reale Gefahr von aussen, in der du immer noch „schwebst“? Oder gefühlte Gefahr?

  9. Etwas wollen dürfen, finde ich auch oft sehr schwer. Sich erst einmal erlauben zu dürfen und das auch machen. Umsetzten. Manchmal wirklich nicht einfach, weil da oft so vieles un(er)klärbares altes mitschwingt aus dem früher und einen hindert den Mut zu finden die (alten Ängste) auszuhalten oder umzulenken weil im heute darf man ja dürfen und auch wollen. Nicht daran glauben das etwas gut sein/ werden könnte und das es sogar sich gut anfühlt und das dann auch nachfühlen…so viel was da neu sein darf im heute Sein. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wie du beschreibst Nicola, m(so wie ich es verstehe) dass einem die alten Blicke die Sicht nehmen auf das was man hat, erreicht und die ddie man ist, für sich ist und die, die sich für einen selbst gut anfühlt und das ok finden von sich und dem nachfühlen ist (ja) auch manchmal noch nicht so einfach.Das positive zulassen können, sehen dürfen empfinden dürfen ist oft auch so schwer weil so fühlt es sich oft für mich an, ist es wie nicht erlernt wurden, auch das wie damit umgehen (mit dem guten/ positiven) schnell wandern oft meine Gedankenstrukturen in alte Muster, weil man die kennt, weil die vertraut sind, weil man da weiß wie sich die anfühlen/ was man da hat da ist dann weniger der Unbekannt Faktor. aber dafür auch weniger der für sich weiter kommen Faktor.

    Dann fängt halt das Leben an schreibst du, ein schöner Gedanke…klingt so einfach… aber es stimmt de denke ich schon, wenn man etwas mehr weiß wo die eigene Richtung ist, wo man hin möchte, wo man steht, was einem wichtig ist, hat man vielleicht mehr halt in der Gegenwart und ist irgendwie stabiler (vielleicht)…

    Ein andere Gedanke der mir kam beim lesen eurer Zeilen und die der Rosenblätter (hoffe es ist ok das ich euch so nenne, da ihr ja einmal geschrieben habt, das ihr nicht angesprochen werden mögt mit dem Accountnamen, so als Anrede) kam, war. dass ich das Gefühl habe bekommen, dass oft vieles auch am Gedanken andere fest gemacht wird. wie z.B. das man ein guter Mensch ist, das kommt ja dann auch über die Meinungen anderer Menschen… oder das man etwas gut macht und dafür dann gemocht wird. Also ich meine ich verstehe diese Zeilen schon, doch auch bei mir selbst komme ich da ins nachdenken. Ich meine ich verstehe das man über die Aussagen anderer Menschen „bestättigung“ ein gutes Gefühl bekommen kann. Dir Gedanke der sich mir dazu noch aufdrängt ist. Kann man das positive das einem andere Menschen entgegenbringen auch so schnell gut annehmen wie so oft das negative- (dem man irgendwie eher und schneller glauben schenkt…) nur so ein gedanke..
    und / oder kann man auch irgendwie lernen, selbst ohne das außen zu empfinden das man sagen kann zu sich, das hast du gut gemacht, sich selbst freuen über das gemachte…

    ok etwas am Thema vorbei…Entschuldigt.

    Was meine Gedanken noch waren zu euren Zeilen Rosenblätter, ich kenne da einen Wunsch von mir, nach Ruhe und Frieden nach einfach mal einfach sein… wollte nur sagen das ich ein wenig euch verstehen kann…

    lg.

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