Innenansichten, Lauf der Dinge

ent.fern.ung

Und wenn ich an dem Punkt bin, in dem ich über alles, was ich wahrnehme denke, ich sollte damit aufhören, weil es schon wieder so opfermäßig, weichpittiartig, krank, scheiße, widerwärtig und peinlich ist, dann frage ich mich, was da in mir angegangen ist.

kleinesUniversum2Da ist so eine Härte drin, die mir mein Außen gar nicht abverlangt. Nicht mehr.
Ich brauche mich nicht zu labeln. Ich kann aufhören mich schlecht zu fühlen. Es ist okay Angst zu haben, verzagt und grundverwirrt zu sein. Inkongruenzgefühle mit der Welt zu haben. Es ist nicht gefährlich sich uneins mit dem Außen zu sehen.
Es ist manchmal so.

Manchmal wird man von etwas aus der Bahn geschleudert und treibt in einem anderen Universum herum.

Es wird einfach schwierig, wenn das Verbinden mit der Welt – das wenigstens einen Faden spinnen und ihn nicht loslassen – so schwer fällt und vielleicht auch weh tut oder als fremd erlebt wird.
Gestern haben wir einen Artikel in der Mädchenmannschaft gehabt. Wo ist dieses kleine Stolzglimmen unter meinem Sternum?
Gestern haben wir die dritte Episode unseres Podcast “Viele-Sein” veröffentlicht – ich wollte, hätte, würde wenn so viel mehr zum Thema Sichtbarkeit geschrieben, aber ich bin sichtbar für Menschen, die mein Schreiben dazu sehen könnten.
Gestern trugen wir H. in die Praxis unserer Therapeutin. Und hätten es sein lassen müssen. Können.

Von einer Krankheit zu erfahren kann aus der Bahn schleudern.
Es kann ja niemand etwas dafür, wenn es unbemerkt bleibt, wie es uns aus der Welt schleudert_e.

Der Lehrer für figürliches Zeichnen gab das Stichwort “Metamorphose” und das Innen zerfloss am Innern seiner Ränder, zur Ursuppe zwischen Raupe und Schmetterling. Wurde geflutet vom Erinnern ohne Bewusstsein an die Verwandlung des eigenen Lebens und ertrank.
Und die Härte ist unerbittlich.
Es gibt keine Gnade vor der Angst, kein Erbarmen vor dem müde, schwach, traurig, verlassen, einsam und allein inmitten eines Universums fern von allem sein. Das gibt es einfach nicht.
Es geht weiter und wir ziehen uns selbst durch den Rest des Tages wie eine Hand durch Dornengestrüpp.

Und gestehen uns kein AUA zu, weil es eigentlich keinen Grund dazu gibt.
Sonnenuntergang fotografieren ist doch toll. Intensives Reden ist doch toll. Nach Hause kommen nach einem vollen Tag ist doch toll.

Am Leben sein ist doch toll toll toll.

Und das Herz schlägt und schlägt und schlägt.
Niemand kann etwas dafür, dass es im Inmitten danach sehnt geschlagen geschlagen geschlagen zu werden.
Für ein bisschen Kongruenz. Für ein bisschen Grund zum Weinen zum opfermäßig, weichpittiartig, krank, scheiße, widerwärtig und peinlich sein.

3 thoughts on “ent.fern.ung”

  1. ach ich glaube das kenne ich auch sehr gut. mööp. es gibt keine verpflichtung sich toll zu fühlen, auch wenn um eine_n rum lauter tolle sachen sind. sage ich mir dann oft. es kann weh tun auch wenn grade alles toll ist und das ist dann eben so. die schwäche nimmt nichts von der stärke, es kann nebeneinander sein. der schmerz macht den glitzer nicht kaputt und vice versa. aber das zu „erlauben“ ist so schwer, weil …. ja warum eigentlich? weil das gute im jetzt ein bollwerk gegen das schlimme früher, gegen das schmerzende im jetzt ist? weil das im innen ein kampf um DIE SICHTWEISE ist, weil das früher verboten gewesen ist einfachso wegen traurigkeit oder innenschmerz zu weinen, weil… vielleicht brauch ich auch manchmal ganz schön viel „toll“ als mohrrübe zum weitermachen. hm ist vielleicht auch egal. vielleicht habe ich mich jetzt verheddert. nur eventuell. ähm ja. ich wünsche euch alles liebe und viel gutes in dieser zeit und „trotzdem“ platz auch zum schmerzig und traurig sein.

  2. Da ich nicht weiß wo und ob man Bilder auch kommentieren kann, möchte ich an der Stelle einfach kurz (einmal) dir sagen. Ich mag deine Bilder/ Photos, sie sind nicht einfach nur schön… (finde kein passendes Wort der Beschreibung)…
    Ich könnte vieler deiner ausgewählten Blogbilder lange ansehen und würde immer wieder etwas NeuEntdecken & das finde ich sehr faszinierend, schön und besonders…

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