Die Helfer_Innen und die Hilfe, DIS?, Innenansichten

nach der Operation

Ich wachte auf, sah einen Blitz, schaute einem durch mich hindurch schießendem Innen in die Gefühle und hörte das Rütteln des Bettes unter mir.

Da war ein Impuls, auf den ich mit einer reflexhaften NEINhärte reagierte.

Und als ich das nächste Mal die Augen öffnete, sah ich die Gemögte vor uns sitzen. Ich dachte darüber nach, wie okay es wäre zu weinen. Wusste aber, dass ich, wenn ich darüber nachdenke, den Punkt verpasst habe.
Ich verpasse eigentlich immer diesen Punkt und weiß doch, dass mein Ich genau diesen Punkt markiert.

Es ist einfach das vor Schmerzen nichts mehr zu fühlen, der Durst, der geschwollene Mund, der raue Hals. Das Wimmern und das dumpfe Stumpfsinnen, die eine Armlänge hinter mir sieden. Das Gefühl der Schwäche, die überwunden werden muss, wenn man  et_Wasser haben will.
Das bin ich. Auch.
Für die Gemögte bin ich das nicht. Ich weiß nicht, wer ich für sie bin. Vielleicht findet sie mich auch monströs und beängstigend.

Es irritiert mich, dass sie da so sitzt und okay mit mir ist. Und ich fühle mich unterlegen, weil sie Wasser hat und ich nicht. Sie gibt mir ein nasses Tuch. Würde sie da nicht sitzen, würde ich es mir in den Mund stecken und aussaugen, um das Doppelbild vor meinen Augen wegzuwischen.
Ich weiß, dass ich erinnere. Aber das Wimmern, das Ängstigen und dieses klebrig schwitzige Hautgescheuer, weiß das noch nicht und wird mir auch kein einziges Kraftwort glauben können, wenn ich nicht mindestens eine Feuchtigkeit fühle.
Sie sehen durch meine Augen das Früher und ich bin so benebelt und unscharf, dass es mir schwer fällt in einer Richtung auf dem Zeitgefühl zu bleiben.

Ich weiß, dass niemand da ist. Ich weiß, dass niemand kommt.
Ich weiß, dass das alles vorbei ist. Aber was ich da erinnere, weiß ich nicht.
Ich weiß so etwas immer erst, wenn ich den Punkt erwischt habe und aussprechen kann, was ich sehe.

“Seegang”, denke ich, als ich ein Kühlpack an der Wange und ein feuchtes Tuch an den Lippen habe. “Ich möchte ans Meer.”, sage ich ins Innen hinein.
“Ich möchte nach Hause”, antwortet es verträumt aus einer Blase im Federkleid des Inmitten.
“Sie hat ein Herz geschickt. Du könntest fragen, ob wir noch fahren.”, sagt ein Jemand und stelzt ohne Blick nach draußen an mir vorbei.

”Hatte ich einen Krampfanfall?”, frage ich die Gemögte neben unserem Bett. “Ja. Einen längeren und einen kurzen.” antwortet sie. Ich kann keinen einzigen Gedanken dazu in ihr lesen.

Die Kunststoffschiene, dieses Blutdruckmessgerät, der Schleuderspritzer Blut an der Decke über meinem Krankenhausbett, der Durst, der Schwindel, der Schmerz im Kopf und Mund … und Schwäche vor einer Gemögten, die weiß, dass wir viele sind, unsere Probleme kennt, aber nie miterleben musste. Nie so.
“Ich muss weg. Ich will jetzt weg. Ich will alleine sein. Ich will…” – kurz ist da diese Klippe ins durchdringend weiße NEINhart mit dem BITTENICHT – Schrei, von dem ich gar nicht weiß, ob ich den überhaupt je gesagt oder nur gedacht habe.
Und dann bitte ich sie das Auto und die Medikamente abzuholen.

Sie geht aus dem Zimmer und ich träume mich auf ein Hängemattenboot am Strand.
In meinen Ohren rauscht der Wind und trifft sich mit dem Plätschern der Wellen.
“Wir bringen dich ans Meer, K.”, flüstert mir jemand ins Gefühl und lässt mich ins Nirgends treiben.

Ostsee