Die Helfer_Innen und die Hilfe

was “Objektivität” mit Opferfeindlichkeit zu tun hat oder: Wovon die “false memory syndrome foundation” lebt

“Auch Jennifer Freyd hat ein wichtiges Buch zu diesem Thema geschrieben. Sie ist die Tochter der Eltern, welche die False Memory Syndrome Foundation gegründet haben, eine international sehr mächtige pressure group von angeblich zu Unrecht des Missbrauchs bezichtigten Eltern. Jennifer Freyd hat ihre Eltern nie öffentlich angeklagt. Die Eltern sind in die Offensive gegangen und haben eine Stiftung ins Leben gerufen, die ausschließlich mutmaßliche Täter verteidigt und mit sehr viel Geld eine pseudo-objektive, tatsächlich aber opfer-diffamierende Öffentlichkeitskampange finanziert.”
[aus “Wege der Traumabehandlung” v. Michaela Huber]

Im Blog von Paula und Co gibts heute einen Artikel zur FMSF, den ich wichtig finde, weil er sich an HelferInnen* und UnterstützerInnen* richtet, die sich mit der Frage befassen, ob denn wahr sein kann, was sie von Menschen erfahren, die von Gewalt berichten.

Es gibt wenig klar umrissene Punkte über die sich so offen (salonfähig, gesellschaftlich (heimlich) akzeptiert) opferfeindlich geäußert werden kann, wie mit der Frage nach der Wahrheit der Ereignisse, die jemanden offiziell zum Opfer erklären, denn Wahrheit, ist etwas, das zu definieren sehr schwer ist. Vor allem, weil sie etwas anderes als Fakten ist.

Die meisten Menschen, mit denen ich mich über rituelle und sexualisierte Gewalt unterhalten habe und, die selbst nicht diese Erfahrungen machen mussten, dachten, sie fragten sich: “Ist das denn wahr?”.
Sie würden diese Ereignisgewalten als wahrhaft anerkennen, wenn sie sie selbst (mit)erfahren hätten, oder wenn diese Ereignisse reproduzierbar wie Umstände wäre, die Fakten hervorbringen. Es sich also um etwas wie das Phänomen handelte, das Wasser zu Eis verwandelt, wenn man es in den Froster stellt.
Letzteres ist noch eine sehr junge Art Wahrheit zu betrachten und findet ihre Ursprünge darin, dass Wissenschaftler(Innen* –  es waren erst einmal nur Männer, was mit dem Patriarchat  in dem wir Menschen im Westen leben (bis heute!) zu tun hat ) als Personen gelten, die Wahrheiten erforschen und Glauben(sinhalte) widerlegen bzw. berichtigen. Darauf könne man sich verlassen, denn Wissenschaft sei objektiv.

Nun ist es aber so, das nichts objektiv ist. Objektiviert, ja. Objektifiziert, ja. Aber so etwas wie “die Objektivität” gibt es nicht. Kann es gar nicht geben, weil jeder Mensch auch Subjekt seiner eigenen Wahrheit, Ergebnis seiner eigenen Sozialisierung und gesellschaftlicher, wie auch kultureller Konvention ist.
RichterInnen* sprechen kein Recht, weil sie die Wahrheit objektiv erfasst haben, sondern weil es Gesetze gibt, für das, was die unparteilich richtende Person aus dem, was ihm die klagenden Parteien schildern, gemäß der eigenen Lebensrealität und daraus folgend: seiner eigenen Wahrheit, zu rezeptionieren fähig ist. Gleiches gilt für AnwältInnen* und nicht juristische FürsprecherInnen*.

Wenn ich mit Menschen über die Schilderung von Gewalt anderer Menschen spreche, dann sage ich, dass es sich immer und in jedem Fall um die Wahrheit der Menschen handelt und frage nach, ob sich die Frage nach der Wahrheit bzw. der Wahrhaftigkeit auf Fakten bezieht, oder darauf, vor etwas zu stehen, das nicht mit der eigenen Wahrheit (die sich aus einer bestimmten Lebensrealität speist) in Verbindung zu bringen ist.
Meistens sagen die Menschen dann, dass es tatsächlich mehr darum geht, dass für so furchtbare Ereignisse absolut kein Anknüpfungspunkt in der eigenen Lebensrealität gesehen wird und es deshalb schwierig ist, die Wahrheit anderer Menschen anzuerkennen.
Ich habe aber auch schon mit Menschen gesprochen, die nichts von eigenen Wahrheiten halten. Was für diese Menschen zählt ist “Objektivität”, was in aller Regel Fakten in Form von Studien- und Untersuchungsergebnissen meint und ganz eigentlich sogar nur eine Sicht meint: die es gut situierten, weißen, heterosexuellen Cis-Mannes (mittleren Alters), auf dessen Blick auf die Welt, sämtliche westliche Forschung aufbaut und aus dessen Wahrheit heraus sich die Mähr der Objektivität überhaupt erst hat entwickeln können.
Irgendwann ist es einfach passiert: aus der weißen männlichen Subjektivität, die mittels Wissenschaft hinterfragt und/oder bewertet werden sollte, wurde urmännliche Objektivität, die fortan zur Wahrheit im Gewand des Faktes auftreten sollte.

Es gibt diesen einen global blinden (obwohl heute oftmals schon einmal angeleuchteten) Fleck in der Wissenschaft und zwar Gewalt bzw. Diskriminierungen
Je kleiner und unfähiger zur Bildung einer allgemein wahrnehmbaren Masse, die zu untersuchende Gruppe ist, desto wahrscheinlicher wird diese nicht in den Genuss kommen, ihre Lebensrealität und die daraus entstehenden eigenen Wahrheiten in Form von Fakten abgebildet zu sehen.
So entstehen zum Beispiel gerade im Bereich der rituellen Gewalt, die mit explizit antichristlicher Ideologie durchzogen ist, einerseits Anerkennungsdynamiken in unserem christlich kultivierten Land, gleichzeitig aber genau auch nur daraus resultierende Blindheit für zum Beispiel christlich fundamentalistisch motivierte rituelle Gewalt, oder die Rezeption dieser Art Gewalt, als ein Angriff auf “die Grundwerte” Deutschlands. Da geht es in der Argumentation dann sehr schnell darum zum Beispiel satanistischen Kulten eine antidemokratische Haltung zuzusprechen, auch wenn solche Kulte sich selbst vorgeblich als lediglich antichristlich wahrnehmen und (zu recht) aufgrund der “Trennung” von Kirche und Staat in unserer Demokratie™ als nicht an staatliche (demokratische) Werte gebunden.

Das gleiche Muster ist in Bezug auf sexualisierte Gewalt (an Frauen und Kindern) zu finden.
Einerseits wird anerkannt, dass es Vergewaltigungen und Verletzungen von Personen aufgrund ihres Genitals und das daran geknüpfte soziale Geschlecht gibt- andererseits gebietet es die Abwertung dieses sozialen Geschlechtes “Frau” und der Adultismus, der sich auf Personen unter 14 ergießt, diese Verletzungen nicht selbst beurteilen zu können.
Die Definitionsmacht liegt in Bezug auf Personen, die als Frauen angesprochen werden darauf, das eine der Objektivität (und eben nicht dieser hysterischen Subjektivität) verpflichteten Person (am besten (cis-)männlich, mit Macht und Würde) diese physischen (genitalen) Verletzungen (etwas anderes zählt nicht, weil Psyche individuell und ergo nie mit 100%iger Sicherheit in objektive (wahrhaftige) Kategorien pressbar ist) als existent und ergo geschehen und ergo wahr markiert.
Bei Kindern ist es tendenziell jede Person, die erwachsen ist oder als erwachsen gelesen wird.

Gruppierungen wie die false memory syndrome foundation machen sich genau diese Diskriminierungsdynamiken zu eigen. Und zwar zum Einen, weil sie es (aus Gründen) wollen und zum Anderen, weil sie es können und zwar mit wenig Aufwand und unter Einbeziehung der gesamten westlichen Kultur, die die Wissenschaft als (einzigen) Wahrheitsträger, Wahrheitsfinder und Wahrheitsdefinierer anerkannt hat.
Interessenvertretungen wie die FMSF bilden keine pressure groups, weil sie basierend auf Fakten eine große Gruppe von Personen, die zu Unrecht angeklagt/ angezeigt werden darstellen [vgl. hierzu die polizeiliche Untersuchungskommission von New York, 1974 und die Untersuchungen zu Falschanzeigen von Vergewaltigungen in Deutschland von Volk, Hilgarth und Kolter 1979, die zu dem Schluss kommen, dass nur 2% falsche Anzeigen waren – ergo 98% aller Meldungen Anzeigen sexualisierter Gewalt tatsächlicher Taten sind], sondern, weil sie es schaffen die anzeigende Person nicht offen eine/n/* LügnerIn* zu nennen.

Das false memory syndrome wurde genau dazu erfunden, die Glaubwürdigkeit von Personen, die durch ihr soziales Geschlecht und/ oder ihre gesellschaftliche Position in ebendieser bereits als abhängig von der Definitionsmacht überlegener Personen stehen, herabsetzend darzustellen und zwar über das Mittel der Pathologisierung und/oder dem sehr wirksamen Mittel der Deutung und Bewertung der Kontexte, in denen sich diese abhängigen Personen befinden.
So wird vertreten, das Psychotherapie Misshandlungsideen kreiere und die PatientInnen zu krank/so kognitiv dissonant/ zu ungebildet/ zu verwirrt sind, diese vom eigenen Erleben (und ergo Erinnern) zu trennen oder zu (emotional) abhängig von ihren BehandlerInnen sind, um diese Ideen eben nicht offen von eigenem Erleben (und Erinnern) abzugrenzen.
Ich komme nicht umhin einen Puls durchs Dach und einmal um den Erdball kreisend zu haben, ob dieser Unverschämheit, sich über die Wahrnehmung (und das subjektive Selbst) von Personen zu stellen, die sich in psychotherapeutische Behandlung begeben, und dem Implizit, dass PsychotherapeutInnen sich gezielt, um anderen Menschen (die sie nicht einmal kennen oder von deren Leiden sie selbst in irgendeiner Form profitieren, außer in ihrer Fantasie- was aber auch ohne den Aufwand der PatientInnenmisshandlung funktionieren würde) zu schaden, die Mühe machen, ihren PatientInnen irgendwas einzureden.

Ich vertrete die steile These, dass Menschen, die tatsächlich zu krank/so kognitiv dissonant/zu verwirrt/zu ungebildet sind, um fremde Ideen nicht von sich selbst zu trennen sind, ebenfalls nicht in der Lage sind, das Unrecht an sich zu erkennen, eine juristische Vertretung für sich zu finden, Tathergänge zu schildern, Beweise zu liefern, Anzeigevernehmungen und Klageverfahren durchzustehen. Nicht alleine. Nicht ohne, dass noch eine unbeteiligte Person noch mal und noch mal auf die Beziehung in der Psychotherapie zu schauen wagt.
Vor allem an dieser Stelle zeigt sich die unterschiedliche Wahrnehmung von Vorgängen rund um Lebensrealitäten von diskriminierten Personen, die zu Opfern von Gewalt wurden.

Was für ein einfaches Leben muss jemand haben- wie viele Erfahrungen von “ich sage etwas- dann passiert auch etwas und in aller Regel genau das, was ich will”, eine Person gemacht haben muss, um zu dem Schluss zu kommen: “Es muss nur einziges Mal jemand sagen: “Ich wurde von XY misshandelt” und zack landet XY im Knast (und es hat genau die Auswirkungen, die dieses jemand wollte)” , kann ich mir nur aus der Ferne überlegen.

Einige Kritik an der FMSF wird meiner Ansicht nach auch fehladressiert.
Es ist natürlich zu kritisieren, dass diese Gruppe propagiert, Erinnerungen könnten produziert werden und es gäbe nicht so viele Fälle von sexualisierter Gewalt, wie immer und überall geschildert – andererseits gibt es auch für das öffentliche Bild keinerlei Entsprechung für das Gegenteil. Und es ist nun einmal das öffentliche Bild, welches die Subjekte produziert, die dann “objektiv” richten/werten sollen.

Natürlich taucht mit schöner Regelmäßigkeit eine Studie auf, die uns Alarme schlagen lässt. Selbstverständlich gibt es inzwischen neurophysiologische Belege für die Phänomene um Dissoziation, PTBS und komplexe wie chronische Traumatisierungen, aber welchen Effekt haben diese blitzblank objektivierten Ergebnisse auf die Lebensrealität der Menschen im Alltag?

Wenn ich mich als Opfer von Gewalt mit meiner Expertise als Opfer von Gewalt in Fachkreise einbringen will, gilt diese Expertise nicht. “Zu individuell” heißt es dann. “Wollen wir nicht, brauchen wir nicht. Nicht wissenschaftlich genug”.  Meine Gespräche mit HelferInnen*, JuristInnen*, RichterInnen*, BeraterInnen* und anderen Betroffenen gelten nicht etwa als fachliche Korrespondenz oder gar als Beratung.
Weil ich keine “objektive” Sicht habe, gilt sie nicht.
Sie gilt nur als Opferwahrheit und wird damit mehr oder weniger bewusst, abgewertet.

Als objektiv gilt, wer die Macht hat, seine subjektive Wahrnehmung um ein Objekt, als objektiv zu bezeichnen.

Deshalb ist auch der Anspruch an Menschen, die von anderen Menschen als FürsprecherInnen* oder BegleiterInnen* gewählt wurden, objektiv zu sein so falsch.
Dieser Anspruch zwingt MedizinerInnen*, JuristInnen*, (Psycho-) TherapeutInnen*, BeraterInnen*, Hebammen und überhaupt alle Menschen, die andere Menschen begleiten, in eine Position,in  der sie selbst unter Umständen, Menschen beistehen müssen, die sie aber selbst verachten, ablehnen, abwerten und von ihren zu Begleitenden nicht als verachtend, ablehnend, abwertend handelnd markieren können.

Objektivität ist also auch ein Wegbereiter in das silencing – ins Wort- und Stimmlos machen von Personen, die sich an Personen wenden, um durch ihre Stimme gehört zu werden, weil es die Abhängigkeit der Personen voneinander zementiert und immer wieder zu einem Schauspiel um (Definitions)Macht führt.

Personen, die Gruppen wie die FMSF unterstützen, begründen ihr Engagement damit, dass sie wollen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dass niemand zu Unrecht einer Strafe zu geführt wird.
Das ist toll und etwas, was unser Rechtssystem und auch unsere Gesellschaft wünscht und ergo unterstützt. Zum Beispiel in dem man “False Memory Deutschland” eine Gemeinnützigkeit anerkennt, weil diese keine StraftäterInnen* unterstützt und/oder schützt.

Dass sie dieses aber auf dem Rücken von tausenden Personen, die es aufgrund der von dieser Gruppe verbreiteten Falschinformationen und Ausnutzung bestehender Diskriminierungsstrukturen, nie und nimmer nicht überhaupt jemals auch nur in die Nähe von Sichtbarkeit und Anerkennung ihrer Lebensrealität als zu Opfer von Gewalt gewordenen Menschen schaffen, ist verabscheuungswürdig und ein Skandal, wie er nur in Kulturen passieren kann, denen eben jene Lebensrealitäten mitsamt der damit einhergehenden Subjektivität wertlos sind.

6 thoughts on “was “Objektivität” mit Opferfeindlichkeit zu tun hat oder: Wovon die “false memory syndrome foundation” lebt”

  1. Danke für diesen treffenden Artikel! Ja, genau das.

    Selbstverständlich ist es niemandem zu wünschen, dass er_sie durch falsche Anschuldigungen zu unrecht verurteilt wird. Aber den Handlungsverlauf kenne ich auch eher aus dem Tatort als aus meiner Welterfahrung.

    In meinem eigenen Wahrnehmungsradius gibt es eher unglaublich viele, vielzuviele Menschen, die Gewalt erlebt haben und zeitweise Schwierigkeiten haben, überhaupt diese als solche zu benennen, selbst wenn sie nach deutschem Rechtssystem welche wäre. Die Täter_innen laufen frei herum und niemand hat sie angezeigt. Die meisten Freund_innen und bekannten von mir, die gewalt erlebt haben, versuchen eher einen Frieden mit den (Familien-)Strukturen zu machen, in denen die Gewalt möglich war, als sich von denen zu trennen, geschweige denn durch eine Anzeige Verluste zu riskieren / andere zu belasten / die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

    Ich frage mich oft bei „meinem eigenen“ Täter, was ihm die Sicherheit gegeben hat, das zu tun was er getan hat und so dreist zu manipulieren, wie er manipuliert hat. Schon total früh gesellschaftlich anerkannte Experten(tm) anzuschleppen die bestätigt haben dass nichts passiert ist, aus Eigeninitiative später wieder auf mich zuzukommen und mich damit zuzutexten dass nichts passiert sei. Wenn ich mir die öffentlichen Diskurse um False Memory anschaue, wird es zumindest zu einem Teil verständlich, warum er das konnte.

    Und ich gönne ihm null, dass ich immer noch öfter denke „Was mir passiert ist war doch eigentlich nicht so schlimm dass man jetzt deswegen herumleiden geschweige denn wütend sein und einen armen alten Mann verletzen muss.“ als „Was er getan hat war sogar nach deutschem Recht (mindestens eine) Vergewaltigung, ganz zu schweigen vom hochgradig toxischen Drumherum. das alles für mich mega scheiße und hat meinen gesamten Bezug zu Welt verkompliziert, und deshalb ist mindestens meine Wut mehr als gerechtfertigt.“ Zum Glück ist Quantität nicht alles und so liegt mehr Gewicht auf der zweiten Version.
    Mit einer Anzeige muss auch er nicht rechnen.
    Damit, dass meine Herkunftsfamilie sich auf meine Seite stellt (obwohl meine Mutter damals bemerkt hat dass es „zweideutige Situationen“ gab und sich auch wegen seinem übergriffigen Verhalten ihr gegenüber von dem typ getrennt hat) muss er auch nicht rechnen.
    Seine hoffentlich vorhandene Angst, dass ihn die vergangenheit doch noch irgendwann einholt, und seine Betrübnis dass eins seiner Kinder sich von ihm abgewandt hat, muss Strafe genug sein.

    Ich erzähle das, um mit meinen Erfahrungen euren Artikel zu untermauern und um zu illustrieren, wie wichtig meiner Meinung nach solche Artikel wie die euren sind und wie wichtig es ist, dass Menschen ihnen Gehör schenken und checken, dass es (vielleicht nicht für sie selbst, aber für andere und für eine Gesellschaft die sich zumindest Ansatzweise an sowas wie Gerechtigkeit orientiert) gefährlicher ist Gewalt zu dulden als immer wieder wegzusehen. Alleine die horrenden Kosten die für das Gesundheitswesen dadurch entstehen!!1!!!1 😉
    (Letzteres Argument kennzeichne ich nochmal vorsichtshalber explizit als ironisch, da kaum ein mensch den ich kenne in einer krise die Unterstützung bekommt die er_sie bräuchte/verdient.)

    Es ist skandalöserweise so, dass Menschen zu ihrem eigenen Schutz einfach über Gewalt nicht so viel wissen wollen. Wenn sich eine Möglichkeit bietet zu glauben, dass sie nicht so schlimm ist, oder noch besser dass sie nicht passiert, nehmen sie sie. Wenn sie das Objektiv nennen können, freuen sie sich und schlafen besser. Objektivität ist eine Schutzbehauptung derer, die sich im Istzustand gut einrichten können.

  2. Danke für deinen Kommentar und deine Offenheit, Spunk.

    Ich glaube, ich verstehe den Absatz ab „und ich gönne ihm null…“ nicht ganz – meinst du, dass du ihm deine Gedanken nicht gönnst oder dass du manchmal diese Gefühle hast? Magst du das vielleicht nochmal schreiben?
    Weil das ist sowas wo ich manchmal noch so denke: Ja, ich sitze jetzt hier- wenns nicht so schlimm war, wieso fühle ich dann…? oder auch Ich bin so dumm, das und das zu denken/zu wünschen/zu fühlen, dabei merkt das Person XY gar nicht (mehr)
    Eigentlich ist es dann Verschwendung- aber es ist ja da.

  3. Ich gönne ihm nicht, dass seine Manipulation so erfolgreich war, dass sie sich so in meinem Kopf festgesetzt hat. Dass er bis auf den Kontaktabbruch keinen Stress hat wegen seines damaligen Verhaltens (und wegen dem darf er ohne schlechtes Gewissen rumjammern, dass ich böse und undankbar bin und ihn im Stich gelassen habe, obwohl es ihm so Kacke geht).
    Ich gönne ihm nicht dass er sich auch jetzt der Loyalität des Familiennetzwerkes sicher sein kann, dort viel Unterstützung erhält und von mir nichts befürchten muss. Noch nicht mal dass ich ihn damit konfrontiere dass er ein Scheiß Täter ist.

    (Die Kehrseite ist natürlich dass es auch auch sehr schmerzhaft ist zu sehen wie manipulierbar ich damals war und wie gut er mich – obwohl ich schon viel geblickt habe – aufs Glatteis ziehen konnte bis ich meinem eigenen Erleben nicht mehr geglaubt habe und lieber jahrelang darüber hinaus mich selbst für verrückt gehalten habe als die erlebte Gewalt für wahr zu nehmen. In der Rolle konnte ich den Spagat schaffen aktuelle Misstände in der Familie bis zu einem bestimmten grad anzusprechen, mich ihren Erwartungen bis zu einem bestimmten Grad zu entziehen und sie trotzdem nicht zu verlieren. Bitter formuliert: Mein Weg mich im Ist-Zustand einzurichten.)

    Ich gönne ihm meine Kinderliebe nicht, die all das möglich gemacht hat. Das war ein Geschenk was er nicht verdient hat, weil er es nicht geachtet hat. Weil er es bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet und entstellt hat.

    Ich glaube nicht dass deine_eure Wut und Trauer verschwendet sind. Dass meine es sind. Weil sie auf der emotionalen Ebene machen dass eins mit sich selbst parteiisch sein kann, und das ist verdammt viel wert. Ich wüte und trauere ja nicht für den. Sondern für mich, damit ich in der Welt sein kann.

    Schon wieder lang. Sorry. 🙂
    Lieben Gruß

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