Die Helfer_Innen und die Hilfe, OEG- ein Drama in X- Akten

der rosenblattsche Weg zur freiwilligen gesetzlichen Betreuung

Heute gabs mal wieder was aus der Serie “Frau Rosenblatt auf der Jagd nach dem goldenen Schnatz im Bereich Unterstützung und Fürsprache”

Kurzer Rückblick: August 2013 – Frau Rosenblatt möchte einen Abzweigungsantrag in Bezug auf das Kindergeld, das sie erhält, weil sie schwerbehindert und erwerbsunfähig ist, stellen, damit nicht jedes Jahr Post von der Herkunftsfamilie in ihre Kniekehlen tritt
– die folgenden 8 Monate verbringt Frau Rosenblatt damit, Menschen, die ihr Unterstützung und Fürsprache in ihren Belangen zugesichert haben, damit zu nerven, dass da was passieren muss, weil sie ohne Weiterbewilligung von 184€ weniger leben muss
– die Menschen versuchen und versuchen – lauschen gespannt Wartezeitenmelodien bis plötzlich … nun ja wahrscheinlich hatte man sich an die Unklärbarkeit und Unlösbarkeit gewöhnt oder das Rauschen, das aus Frau Rosenblatts Mund heraus kam, irgendwie auch einfach nicht mehr wahrgenommen. Kann ja passieren. Passiert ja allen ein “ich brauche Unterstützung- ich kann das nicht allein- es geht mir zu schlecht, ich habe keine Kapazitäten mitzuwirken- ich kann nicht helfen mir zu helfen” einfach irgendwann nicht mehr zu hören. That’s life und so was Frau Rosenblatts‘

Inzwischen schreibt man Mai 2014 – Frau Rosenblatt hat ein Riesenglück mit ihrem Jobcentermenschen: die Kindergelddifferenz wird ausgezahlt bis die Sache geklärt ist (das Jobcenter ist nicht verpflichtet das zu tun!)
– da ihre HelferInnen* taub für ihre Worte geworden und konfliktfähig wie ein Stück Landstraße sind, stellt sie einen Antrag auf eine freiwillige gesetzliche Betreuung

und wartet

meanwhile ist sie eigentlich eher Wrack als irgendetwas anderes und stemmt trotzdem ein Vorhaben nach dem anderen. Niemand soll ihr je nachsagen können, sie würde sich gehen lassen, würde schwach werden unter dem Verlust von Gemögten, Verbündeten und Gemochten, dem Infragestellen von Lebenssinn und Zukunftsperspektive. Sie verbringt viel Zeit damit Menschen zu sagen: Ich kann nicht mehr – ich bin müde – ich bin traurig – ich bin verletzt – ich bin ungerächt – ich bin überfordert , bis es auch in ihren Schädel geht: Es ist scheiß egal, was sie eben nicht kann. So lange sie es nicht für andere Menschen sichtbar nicht kann, kann sie eben doch alles.

Also atmet sie anders und beißt sich vorwärts bis in den Juli, wo ein Sozialbericht erstellt wird.
Man sagt ihr,
sie könnte noch immer eine Strafanzeige erstatten – bis die Gewalt an ihr verjährt ist, hat sie ja noch 4 Wochen.
Sie lacht die Frau fast aus und mariniert sich erneut in Bitterkeit.

“plätscher plätscher” machte die Zeit bis September, als Frau Rosenblatts Konto dann plötzlich leer blieb.
Überraschung. Nicht.
Das Jobcenter möchte selbstverständlich gerne endlich einmal Zettelage über das Kindergeld, die Frau Rosenblatt nicht hat. Aus Gründen.

Frau Rosenblatt hat inzwischen Kompetenzwut aufgebaut und ruft beim Gericht an. “Macht mal bitte schneller – ich habe kein Geld, bin zahlungssäumig und man will Zettel von mir, die ich nur mit eurer Hilfe bekommen kann”, sagt sie sinngemäß (und viel sachlicher, denn eigentlich war sie im September größtenteils tot).
Eine Woche später, bekommt sie Post zur Ansicht, die auch an die Medizinerin gegangen war, die sie begutachten sollte. “Machen sie mal schneller ihr Gutachtendings- Frau Rosenblatt hat Angst”.
Ja, es gab eine klitzekleine Hassexplosion in Frau Rosenblatts Bauch.

Dann die medizinische Begutachtung, die dankenswerterweise weder nervig noch schmerzlich noch sonst wie respektlos oder doof war.

Es folgte Warten bis heute.
9. Oktober: Anhörung bei Gericht. Nun gibt es die Erklärung vor dem Richter, warum Frau Rosenblatt denn gerne diese Betreuung möchte. An dieser Stelle kann ich es nicht lassen, darauf hinzuweisen, dass es immer wieder heißt: “Warum möchten Sie denn die Betreuung?” und nicht “Warum brauchen Sie denn die Betreuung?”.

Frau Rosenblatt braucht ja nie etwas- Frau Rosenblatt ist der wandelnde Imperativ – Frau Rosenblatt WILL immer etwas.
Das ist ja Nervige an ihr – STÄNDIG hat sie kein Geld – IMMER fehlt ihr irgendwas, will sie irgendeine Unterstützung, braucht Zuspruch, will Schutz – G’tt wie anstrengend!
Erst mal weggehen. Eine Rauchen… Kataloge blättern… sich gut fühlen, weil man nicht so ist, wie sie.

Scheibenwischer- Richteranhörung
Frau Rosenblatt erfährt, dass man eigentlich jemanden ausgesucht hatte, aber “in Anbetracht der Komplexität ihres Falls” sei eine volljuristische Betreuung, die sich engagiert, nötig.  Da müsse man jetzt aber nochmal schauen, wer sich das zutraut. Wer die Kapazitäten dafür hat. Kann noch mal 2 – 3 Wochen dauern.

“Ist diese Betreuung von jemandem anfechtbar?” – “Nein”.
”Schönen Tag  noch, ich danke Ihnen für die Zeit, die Sie sich für mich genommen haben”. Falten aus dem Mädchenkostüm gezupft und mit dem üblichen Gefühl nichts weiter als eine Last für sich und eine Belästigung für den Rest der Welt zu sein, stieg sie in die Bahn nach Hause.

Alleine, wie sie in dem Flur aus 50 shades of grey saß, gar nicht so weit weg von dort, wo man ihr alles Unrecht, dass ihr je widerfahren ist, anerkennen und als Unrecht markieren hätte würde wenn können. Hätte sie angezeigt. Würde sie das durchhalten. Wäre alles anders und ganz besonders sie nicht sie.

Als sie nach Hause kommt, erwartet sie eine bombastische Rechnung über säumige Zahlungen.
“Es war nicht Ihre Schuld – Sie haben getan, was Sie konnten”, sagt die Frau bei der Telefonseelsorge.

Schon wieder ihren Gemögten und Gemochten oder der Therapeutin mit ihrem Kummer auf die Nerven gehen, wollte sie nicht.
Also rief sie dort an und freute sich, die eine achte Anruferin zu sein, die dort überhaupt nur durchkommt.