Lauf der Dinge

über Suizid, Ohnmacht und Hilfe, die (für mich) keine Hilfe ist

Gibt es ein heißeres Eisen als den Suizid?
All die Verantwortung! All die Schuld!

und niemand sagt: all das Leben- all der Tod, all diese Unkontrolle, all diese Machtlosigkeit, all diese eine letzte Freiheit, die sich nimmt, wer sie sich noch zu nehmen in der Lage ist.

Meine, unsere Lebenssituation entspricht aktuell im Großen und Ganzen der, der 18 Jährigen damals noch nicht einmal C. Rosenblatt, sondern “Fremdbezeichnung die man halt angibt, weil alle ™ (die Mächtigen) sie verwenden”.
Irgendwie war das Einzige, was noch fehlte eine Person, die sich ganz genau so verhält, wie unsere damalige Betreuerin: opportunistisch, fremd, unempathisch, schuldzentriert und – das Schlimmste: der festen Überzeugung, doch nur das Beste zu wollen und zu tun- nämlich “helfen”.
Selbstverständlich über unseren Kopf hinweg. Selbstverständlich, ohne dafür in irgendeiner Form die Verantwortung mir gegenüber anzunehmen. Und – auch das versteht sich von selbst- ohne einen eigenen Anteil von mir wegzunehmen und bei sich allein zu verorten.

Es ist das Schlimmste, in solchen Situationen – in denen ich selbst von meinem Kopf überrascht bin, dass es den Wunsch nach einem “ich will weg sein” gibt und gucken muss, wie ich das regle, wo ich mir welche Hilfe hole und Ressourcen aktiviert bekomme- von “Hilfe” umgeben bin, die nur eines zum Ziel hat: “Unter gar keinen Umständen Schuld entstehen lassen!”.

Es ist jetzt 12 Jahre her, dass ich das erste Mal mit einer pulsenden Schnittwunde am Handgelenk und den Bauch voller Tabletten mitten in der Stadt stand und an einer Telefonzelle auf den Krankenwagen wartete.
Die Sanitäter waren nett und gaben mir ein Brechmittel zu trinken, während sie die leeren Blister abzählten und meine Wunde verbanden.
“Was war der Auslöser?”, hatten sie gefragt.
Und ich?
Ich saß da  mit meinem ganzen Paket auf dem Rücken, das ich spürte, aber nicht benennen konnte, und sie fragten, nach diesem einen Auslöser. Eine Polizistin kam dazu und erzählte mir nach einem Blick auf den anderen Arm, dass sie sich früher ja auch immer mal geritzt hätte, aber dass das wieder vorbeigegangen sei. Später. Dann halt.
Ihr Kollege erzählte mir davon, wie schön das Morgen sein würde. Ganz sicher.

Ich hatte ihn die ganze Nacht im Ohr, nachdem mir in der Notaufnahme zwangsweise ein Schlauch in den Magen eingeführt wurde, um ihn mit Aktivkohle zu füllen. Ich war an dieser Trage fixiert, blutete aus der Nase, heulte wie ein Schlosshund und alles, was ich wollte war:
sterben.

Überraschend, ne?
Ja, auf dieses Morgen, das auf dieser ewig piepsenden und trotzdem totbringend stillen Intensivstation irgendwie mit dem Gestern verschmolz und für mich nicht einen einzigen Unterschied erkennen ließ- auch auf dieses Morgen, hätte ich gerne all die Aktivkohle, die ich noch immer trinken sollte, gekotzt und ihm an den Ostersamstagsfrühstückstisch servieren lassen.
Mein Morgen tat weh, mir war schlecht und seltsam schwindelig und nichts hatte sich verändert.
Ich war immer noch da. Da war immer noch niemand, der mein DAS DA einfach fühlt und aus meinem Päckchen rausholt.
Das Einzige, was sich mit den Menschen an mein Krankenbett gewälzt hatte, waren die Themen “Schuld” und “Verantwortung”.
Selbstverständlich synonym verwendet und als Genesungsgeschenk an mich überreicht.
Wer differenziert denn bitte, wenn es um Leben und Tod geht?

Sie fragten nach dem Auslöser. Suchten in der Schule, zu Hause, in mir selbst drin.
Und ich war so leergekotzt, ausgeblutet und so fremd(wieder)belebt, das beim besten Willen nichts mehr zu finden war.

Ich wurde am Ostersonntag entlassen.
Erste Amtshandlung: die Großeltern besuchen. “Und du sagst nichts darüber, klar?”, raunte meine Mutter, als wir die Station verließen.
– Klar, was hätte ich auch sagen sollen?
Dass ich Hilfe brauche?

Ich war 15 Jahre alt und mein erster ernsthaft gefährlicher Suizidversuch endete mit meiner Entscheidung “Hilfe” zu holen. Und diese Hilfe lieferte mir mehr Gründe mich dem Leben und dem Dasein nicht gewachsen zu fühlen, als alles, was ich mir vorher hätte vorstellen können in meinem klitzekleinen Alltagsbewusstseinskosmos.

Dass ich keinerlei Erinnerung daran hatte, wo oder wann oder womit oder was genau ich da eigentlich geschluckt hatte… niemand hatte daran gedacht, dass es so hätte sein können.
Es dauerte noch x – suizidale Gesten bzw. Versuche bis diese Frage Raum bekam. Bis ich sagen konnte: Ich war das nicht, das war XY- ich bin nur die, die immer für “Hilfe” sorgt.

In den letzten Jahren, war XY nicht mehr oft “da”.
Hier und da schwebt sie ganz dicht an der Oberfläche und alarmiert uns mit ihrem Sirenengeheul über jedes “zu viel”, jede Angst, jeden Bedarf nach Nähe. Wir hören und spüren sie inzwischen sehr genau und agieren entsprechend nach Außen.
Es gibt keine bessere Suizidprävention, als zu äußern, dass man suizidal ist.

Genau dann hat man nämlich noch den Raum zu sagen: “Ich bin überfordert. Ich spüre keine Kraft allen Anforderungen gerecht zu werden. Ich habe Angst vor mir, meinem Sein, meinem Leben, meinem Wünschen, meinem Fühlen, meinem Denken, meinem Erinnern. Ich habe das Gefühl nicht atmen zu können. Ich bin überreizt und heiß gelaufen. Ich kann nicht mehr.” , dann kann man in einen Austausch kommen, wie dies zu verändern sein kann.
Uns hat das immer geholfen und entsprechend rabiat sind wir in der Hinsicht.

Wir wissen, dass es uns hilft, feste Punkte zu haben. Termine von Tag zu Tag, Vorhaben und niederschwellige Tagesziele, Problemlösungsetappen, die nicht in allzu ferner Zukunft liegen. Dazwischen essen wir Schrott mit so vielen Kohlehydraten wie es geht, liegen im Bett, lesen Trullaromane und machen Kunst in Wort, Ton, Farbe oder Bewegung. Das Denken wird auf kleine Schritte reduziert und der Fokus verengt sich auf Themenaspekte.
Wer schon mal in einer Psychiatrie oder Tagesklinik war, wird Parallelen sehen, eine Komponente aber als fehlend markieren: andere Menschen.

Wenn wir in einer suizidalen Krise sind, dann sind Menschen das größte Risiko ever.
Es ist und bleibt unsere Freiheit- unsere ureigene Entscheidung, ob wir uns suizidieren oder nicht. Wir allein sind unsere Richter_innen über unser Dasein und niemand sonst.
WIE wir leben, das bestimmen wir nicht. Wir können unsere Belastungen nicht regulieren, wie wir das wollen, treffen zig Entscheidungen am Tag, die weder uns im Zentrum noch im Ziel haben. Wir können versuchen uns jede Hilfe zu holen, die uns zu so etwas, wie einem “(lebens- _werten_) Leben” kommen lässt bzw. uns unterstützt uns dieses zu erkämpfen.
Aber, das OB, lassen wir uns nicht mehr in Frage stellen.
Genau das tun aber Menschen, die arrogant genug sind zu denken, Menschen müssten für mehr als sich selbst leben oder sein. Müssten irgendwie mehr als nur sie selbst sein, vor allem, wenn sie nicht sind, wie alle anderen ™.

An dieser Stelle beginnt die Gewalt der Hilfe. Die Folter der Psychiatrie.
Jemandem gegen seinen Willen etwas auszusetzen, was diesem (und seien es subjektiv wahrgenommene) Schäden bereitet, ist Gewalt.
Jemanden irgendwo gegen seinen Willen festzuhalten, damit dieser sich nicht tötet und ihn erst wieder frei zu lassen, wenn er überzeugend (Täter_innenloyal bzw. angepasst an Täter_innenwillen) äußert, er würde nicht tun, was er vorher aber eigentlich tun wollte, ist Folter und damit eine Form der Gewalt, die weder mit fundamentalen Menschenrechten noch Respekt vor der Lebensrealität anderer Menschen vereinbar ist.

Heute war ein Tag für mich, an dem ich so viel Gewalt ausgesetzt war, wie zuletzt als Jugendliche.
Allein das triggert in mir so ein übles Grundgefühl von Schwäche und Ohnmacht hoch, dass mir die Anforderungen vor denen ich bereits vorher mit großen Bambiaugen stand, noch größer, noch schwieriger zu bewältigen erscheinen.

Da klingelt es und zwei bewaffnete Männer in blau kommen in meine Wohnung.
In der ich alleine bin.
Unbewaffnet und getriggert bis zum Anschlag.
Ich hätte eine Suiziddrohung gegen jemanden ausgesprochen.
Pling- ein weiteres Bingo auf der IchbinsoeinMonster-Bullshitbingokarte

Sie wären ja nur da um jemanden herzuschicken, der das besser beurteilen kann als sie (und ich muahaha), ob ich nicht doch besser woanders Hilfe bekommen sollte.

Ich rufe an, wer diesen Aufriss verursachte. Doch dieser Mensch will damit nichts mehr zu tun haben.
MenschensindgefährlicheTiere-WerbrauchtMenschen-GucktsosindMenschen- Bingo- Pling

und das Tempo nimmt nicht ab. Genau das, was mich fertig macht- all diese ganze von _Ein_fachheit getragene Ignoranz meiner Lebensrealität, all diese Missachtung vor unserem Rasen auf Hochtouren durch ein Labyrinth auf der Suche nach Aus_Wegen_ , die mich nach Möglichkeit in Richtung “lebenswerte Zukunft” bringen- alles das kommt dann sachlich vorgetragen an einer Kette aufgereiht aus den Polizisten heraus, die sich eigentlich so vielen anderen – größeren, wichtigeren, werteren Dingen, Menschen, Umständen widmen sollten.
“Ja, aber sie müssen doch… ” … “Man muss sich ja auch mal ein bisschen bemühen in diesem Leben” … “Haben sie denn nicht nochmal vor irgendwas aus ihrem Leben zu machen?”

und noch immer ist niemand bei mir

Ich bin wieder 15 Jahre alt und sehe meinen Rechten auf Selbstbestimmung hinterher.
Da ist niemand der mich oder wenigstens meine Hand hält.
Da ist niemand, außer diese stolze Löwin aus Feuer, die aus meiner Asche rausschießt, um uns vor all der Gewalt, die wir schon in Kliniken erlebt haben zu bewahren und verpufft, als alles vorbei ist.

Das Zittern hielt die ganze Nacht. Geschlafen haben wir zwei Stunden.
Unsere Wohnung fühlt sich nicht mehr okay an.
Ich habe Schmerzen.
Ich glaube, ich habe meine Therapeutin angebrüllt.
Ich glaube, ich habe in den letzten 24 Stunden so viele Teenagertränen geweint, wie noch nie.

So ist das halt, wenn Hilfe zur Gewalt wird.
Wenn Helfer_innen zu Täter_innen werden.
So ist es, wenn man Menschen zu nah kommt.

Einfach lassen.
Kommen und gehen lassen.
Nicht halten.

Dann tuts auch nicht so weh, wenn man nach 9 Jahren so etwas wie Abschied macht.

Und nach ganz viel Ausstieg, die Geschichte mit dem Einstieg in ein Leben “danach”
noch einmal ganz neu anfängt.

 

 

P.S. für Angehörige suizidaler Menschen
1) Alle Menschen gehören nur sich selbst!
Mach dir klar, wieso genau du den Suizid deines Angehörigen verhindern möchtest. Geht es um dich, oder um diesen Menschen?
2) Der Auslöser für die Gedanken/ den Wunsch wird nichts sein, was mit einem Fingerschnipsen lösbar ist- es geht um Kraft und Mut, an eine Lösung zu glauben bzw. eine zu entwickeln und umzusetzen. Vermittle die Möglichkeit dazu mit ganz platten Handlungsschritten- ohne jedoch deinem Angehörigen zu sagen er/sie wäre “eine starke Person”- er/sie fühlt sich nicht so und zu hohe Ansprüche Außenstehender sind evtl. nicht hilfreich.
3) Du bist verantwortlich für die Hilfen, die du deinem Angehörigen zukommen lässt, wenn dieser sich nicht darum kümmern kann. Lass ihn nicht alleine mit Polizei/ Krisendienst/ Mediziner_innen – das sind Menschen, die ihren Job machen- kein Grund das Leben als lebbar wahrzunehmen.
4) Es gibt kein “wenn alles vorbei ist”. Auch nach der Krise/ einer Klinikentlassung/ Besuch von Krisendienst und Polizei zu Hause, ist nicht gleich alles gut.
5) Es ist nicht deine Schuld und es ist nicht deine Verantwortung, wenn ein anderer Mensch sich gegen sein Leben entscheidet.
6) Es ist nicht die Schuld der Familie/ der Gesellschaft ™ / des Systems, wenn ein Mensch sich selbst tötet.
7) Gedanken an den Tod bedeuten auch: Gedanken an das Leben Vielleicht findet ihr im Gespräch einen Gedanken, der richtig viel verborgene Kraft in sich trägt
8) Sei ehrlich und bleibe ehrlich. Wenn du dich überfordert fühlst, such dir Hilfe und/ oder Beistand, um diese Situation zu bewältigen.
9) Frage deinen Angehörigen, was ihm helfen könnte.
10) Sprachführung: von Suizid ist wenn überhaupt einzig diese/r Angehörige “bedroht” – Selbstmord gibt es nicht, Mord ist Mord
11) ? Vielleicht will irgendjemand der den Artikel gelesen hat, schreiben, was für ihn/sie einmal von helfenden Menschen gut und hilfreich war.

52 thoughts on “über Suizid, Ohnmacht und Hilfe, die (für mich) keine Hilfe ist”

  1. Mir geht es sehr häufig sehr ähnlich. Gerade das mit dem keine Kraft mehr haben, keinen Mut mehr haben. Ich fühle mich allein gelassen und ich fühle mich verarscht von der Welt. Ich schreie nach Hilfe und keinen Menschen interessiert es. Ich wurde bei allen Kontakten mit entsprechenden Menschen nie gefragt, wie es mir geht. Im Gegenteil, ich durfte mir Monologe anhören und ich wollte das dieser Mensch einfach seinen Mund hält und mich in Ruhe lässt mit dem ganzen Unsinn. Und wenn ich sagte, das mich ja nie jemand fragt, was denn eigentlich los sei mit mir und wie es mir gehen würde, dann bekam ich immer zu hören: na du lässt ja auch niemanden an dich heran!

    ich weiß nicht, ob ich niemanden an mich heran lasse, oder ob sich wirklich keiner für mich interessiert.
    was mir aber wirklich so sehr geholfen hat, das war ein mensch, der mir einfach nur zuhörte und mir die möglichkeit gab mich zuerholen, indem er mit mir alles machte, was mir wichtig war. er hörte einfach nur zu, nahm mich ernst, versuchte sein bestes auf meine verständnislosen fragen zu antworten. er kümmerte sich sehr um mich und das gab mir kraft, das gab mir mut und ich fing wieder an, an mich zu glauben. alles was ich brauchte, das war, das mir die menschen zuhörten und mich ernst nahmen. mir nicht erzählten, das sei doch alles nicht so schlimm und ich sei doch so stark und mich könne doch nichts umhauen und sowieso gibt es immer eine lösung für alles. ich sah keine lösung mehr. ich war einfach nur noch am ende und statt mit zuzuhören wurde ich mit hohlen phrasen bombadiert, die in wirklichkeit mein gegenüber schützen sollten, statt mir zu helfen.

    also: wenn ihr jemanden kennt, dem es nicht gut geht und der keinen sinn mehr sieht. hört ihm zu! nehmt ihn ernst! und versucht an echten lösungen zu arbeiten! unterstützt diesen menschen! Hilfe heißt nicht hohle tröstungsphrasen abzufeuern, nur weil ihr angst habt. das hilft nur euch selbst, dann sagt lieber gar nichts.

    (nur mein persönliches empfinden! sicher ist das auch individuell, aber ich dachte, es ist sinnvoll, wenn ich mein empfinden mal dazu schreibe. danke für den text!)

  2. Hilfreich war für uns jemand, der unseren Abschied, bzw. unsere damalige Entscheidung für einen Suizid ernstgenommen hat. Jemand, der sagte: „Wenn ich euch in eine Klinik einweisen lassen würde, würde sich das für mich so anfühlen, als täte ich euch Gewalt an!“. Jemand, der uns gehen lassen hätte und Tränen mit uns über den Abschied geweint hat. Jemand, der trotz der damaligen Entscheidung „drangeblieben“ ist, sich täglich meldete, sich in Erinnerung rief, mitteilte, dass er/sie an uns denkt und so sehr hofft, uns wiederzusehen. Jemand, der sich von Herzen freute, als wir uns doch für das Leben entschieden und gleichzeitig verstand, dass diese lebensverlängernde Entscheidung nicht bedeutete, dass alles gut ist….

  3. Ich fühle gerade alles wieder, alles wie es bei mir war….vieles was du geschrieben hast hätte auch ich schreiben können, wie es ist aufzuwachen und sich einfach nur wünschen es wäre vorbei gewesen…. alles tut weh, nicht nur körperlich, gerade das was man nicht sehen konnte tat viel mehr weh …. aber was mir geholfen hat war die Person, die mich gefunden hat, die dafür sorgte das ich ins KH kam, die dann bei mir blieb, einfach leise bei mir blieb und ihre Augen, ihre liebevollen Hände mir „sagten“: ich bleibe bei dir! Ich hab dich lieb. Falls diese Person das hier liest: danke das es dich immer noch in meinem Leben gibt, dass du zu mir hältst, auch wenn ich mein Leben mal wieder nicht ertrage, aber ich weiß um deine Augen, deine Hände ….

  4. Mir hilft gerade zur Zeit Jemand, der mir nicht das Gefühl gibt, dass ich nicht weiß oder nicht einschätzen kann, was gut oder richtig für mich ist. Der mir nicht seine eigene Angst oder Hilflosigkeit überstülpt, in dem er mich zu irgend etwas drängt – sondern einfach seine Sorge ehrlich benennt, aber eben bei sich lässt! Jemand, der mir überhaupt erst dadurch ermöglicht nach Worten zu suchen und vielleicht irgendwas nach außen zu benennen (ein wenig Schwere „abzuladen“) – ohne die ständige Angst im Nacken, dass meine Worte eine Kette von nicht mehr von mir bestimmten Reaktionen auslöst. Dafür mit dem kleinen Gefühl von „Ich werde gehört und wahrgenommen.“

    Das löst Vieles nicht. Das macht nicht einfach irgend etwas besser.
    Aber das gibt mir zumindest manchmal überhaupt erstmal die Chance irgend etwas von Innen nach Außen zu tragen – und damit nicht mehr vollkommen einsam und allein damit zu sein.

    (Ist nur mein persönliches Empfinden, und was für mich unter „hilfreich“ fällt. Nichts Allgemeingültiges.
    Danke für den Artikel! Auch, oder gerade weil er für mich gerade so ein „Autsch! Nerv getroffen!“ ist. )

  5. Ich erlebe genau das auch als sehr wichtig und hilfreich, wenn meine eigenen Kompetenzen anerkannt und gewürdigt werden. Auch und vor allem dann wenn ich um Unterstützung bitte.

    Ich danke dir ❤

  6. Es gab jemanden, die uns zugehört hat, ausgehalten hat, das wir zu diesem Zeitpunkt sehr klar waren mit unserer Entscheidung.Sie wollte keine Verträge und Versprechen. Sie hat uns aussprechen lassen. Uns gehen lassen und wiederkommen. Ausgehalten, das wir keine Worte mehr hatten. Sie hat uns entscheiden lassen und trotzdem war sie die ganze Zeit da.

    Wir lesen euch schon sehr lange. Wir kennen euch nicht und doch finden wir immer wieder vertrautes, bekanntes in euren Worten und Gedanken, lesen aufgeschrieben, wofür wir mitunter keine Sprache gefunden haben. Um euch zu wissen ist für uns in manchen Momenten hilfreich. Wir schreiben heute , damit ihr wisst, das ihr gelesen werdet.

  7. es tut mir sehr leid, dass dir soviel hilfsgewalt begegnet ist, und ich wünsche dir, dass es dir bald wieder besser geht. das ist echt scheisse..

  8. So nah am Suizid wie ihr war ich zwar noch nie – das Thema kenne ich aber doch leider auch aus den letzten Jahren. Es gab allerdings bei mir keine suizidalen Handlungen, aber durchaus immer wieder Pläne und ganz, ganz viele Gedanken an dieses Thema bei mir und vor allem einen tiefen Wunsch, endlich zu sterben weil alles zu schwer ist, der immer wieder aufkommt. Ich habe allerdings das große Glück, dass ich einen Arzt habe, mit dem ich genau darüber ohne Druck, Zwang oder Wertung sprechen kann und glaube, dass es auch an dieser Hilfe liegt, dass ich eben doch bisher noch nie versucht habe, mir das Leben zu nehmen. Er ist einfach da, nimmt sich Zeit und spricht mit mir über das, was mich belastet. Hört zu, nimmt wahr, dass ich sage, wenn ich einfach nicht mehr weiter weiß und kann, versucht Perspektiven zu zeigen, Lebens-Pläne für die nächste Zukunft mit mir zu suchen – und wenn ich in der nächsten Woche immer noch keinen Schritt weiter bin und keine Antworten auf seine Fragen und Ansätze geben kann, ist das ok. Reden wir halt weiter drüber. Der Versuch, Perspektiven zu finden oder Pläne zu bauen ist dabei nicht von den üblichen „alles wird gut“-Phrasen geprägt, sondern vorsichtig und bedacht… Wenn ich wirklich nicht mehr kann, nicht mehr weiter weiß und dringend Hilfe brauche, soll ich ihn anrufen – auf seiner Handynummer, nicht in der Praxis und auch Abends, am Wochenende, wann auch immer es mir so schlecht geht, dass ich es nicht aushalte. Brauchte ich bisher nicht – aber zu wissen, dass das geht, dass da eine andere Option ist, als die Polizei zu rufen oder in die Klinik zu fahren, hilft mir immer wieder sehr durch Krisen weil es die Möglichkeit eröffnet, eben vielleicht doch mal ganz schwach zu sein, wenn stärke gar nicht mehr vorhanden ist. Weil ich weiß, dass es Hilfe geben würde, wenn ich sie wirklich brauche, die eben keinen Zwang, keinen Druck, keine Vorwürfe beinhaltet.

    Mein neuster Therapeut verhält sich ähnlich. Er ist ursprünglich Arzt, hat halt die Zusatzausbildung gemacht, und versicherte mir gerade diese Woche ebenfalls wieder, dass ich über alles reden darf, es keinen Zwang gibt, keinen Druck sondern wir dann nach dem Weg suchen würden, die mir hilft. Und erwähnte auch gleich, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zeit zwischen den Therapiesitzungen im ärztlichen Bereitschaftsdienst sei – wenn die Zeit zu lang wäre, solle ich unbedingt einfach dort zu ihm kommen. Zwar kenne ich ihn noch nicht gut genug um zu wissen wie sehr ich mich auf das „kein Zwang“ verlassen kann, aber allein die Aussage und das Angebot zum Kontakt zwischendurch (neben der ebenfalls bekannten Handynummer für Notfälle) tut gut und schafft etwas Vertrauen und Sicherheit.

  9. Mich berührt es sehr, was du schreibst und es tut mir leid, dass es nicht anders ging.
    Es ist ein großes Problem, das HelferInnen oft nicht verstehen, dass sie im Helfen Gewalt antun. Ich bin ein wenig mit einem Polizisten befreundet und bekomme durch ihn hin und wieder mit, wie wenig empathisch dieser Beruf möglicherweise macht, wie sehr das Wissen darüber fehlt, was es bedeutet, wenn Mehrere auf eine einzelne Person treffen, wie überwältigend und ohnmächtig machend das sein kann.
    Als ich mal an diesem Ort aufgewacht bin, der einem mit ständigem Piepen das Hirn zermatscht, hatte ich nicht die Entscheidung getroffen dort sein zu wollen. Ich hatte mich aber auch nicht klar für ein Sterben entschieden. Und obwohl die wenigen Erinnerungsfetzen, die ich an die Zeit auf der Intensivstation und von davor habe, getragen werden von imenser Schuld und Scham, bin ich froh, dass niemand angenommen hat, dass ich die Entscheidung bewusst getroffen habe und mich hat gehen lassen. Ich schließe zwar nicht aus, dass ich die Entscheidung irgendwann nochmal treffen werde, aber damals wäre es für mich ganz individuell ein Fehler gewesen.. Die Hilfe, die ich danach in einer Tagesklinik bekam, war getragen von willkürlichen Entscheidungen, Verallgemeinerungen von PatientInnen mit ganz unterschiedlichen Problemen und Vorgeschichten und dem Zudröhnen mit irgendwelchen Medikamenten. Geholfen hat mir dabei die feste Struktur, die nicht meine verhasste Arbeit war und der freundschaftliche Umgang mit MitpatientInnen. Ich glaube aber, dass jemand anderes als der Tablettenschlucker die Tagesklinik ausbaden musste. Schwer war das erneute Gefühl der Ohnmacht beim Nichtgesehenwerden und bei willkürlichen Therapeutenentscheidungen. Geholfen hat auch, dass ich parallel mein Abi nachgeholt habe und Stück für Stück mehr Licht zurückkam.
    Heute hilft jemand, die mich ernst nimmt. Und zwar immer. Die da ist und fragt, wie es mir geht. Die sich ehrlich und aufrichtig freut, wenn ich wiederkomme, wenn ich es schaffe mir bei ihr Hilfe zu holen, ohne, dass sie die Verantwortung und die Entscheidungsgmacht von mir nimmt. Das finde ich wichtig. Ich möchte niemanden, der meint mir die Verantwortung abnehmen zu müssen.
    Es hilft auch sehr zu lernen, wie man sich Hilfe holt.
    Viel zum Nachdenken vor dem Schlafengehen. Schwieriges Thema, da gerne eine gewisse Sehnsucht angetriggert wird. Danke für diesen erneuten Blogbeitrag. Ich finde es bewundernswert, wofür du alles Worte findest. Mir fehlen sie oft und dann „leihe“ ich mir manchmal welche aus deinem Blog aus, um mich bei anderen zu erklären. Ich hoffe, das ist in Ordnung..

  10. Ich sitze hier schon länger – lese und lese und es gibt so viele Gedanken und Erinnerungen dazu. Es ist schlimm, dass ihr das erleben musstet! Das es so ist wie es ist.

    Wir haben „immer“ schon mit der Frage „weiterleben oder sterben“ zu tun. Mal nah mal weniger – aber nie wirklich weg. Auch mit der Suizidalität anderer und so gestorbenen Menschen. Mit dem zurückbleiben und dem zuschauen, wie andere zurückbleiben. Mit dem „Retten“ und „gerettet“ werden und nicht „retten“ können und wollen. Dem Chaos: Helfen, Gewalt, Macht, Schuld, Ignoranz, Trauer, Distanz, Sog und und und…

    Wir haben nie erlebt, dass ein schuldgefühlfreies Reden darüber wirklich möglich ist. Mit Distanz und gerade nicht mittendrin – ja, bis zu einem gewissen Grad. Aber wirklich reden, so wie es da ist, da war und immer wieder – eher nicht. Es ist ein Thema, wo einige, die uns begleiten wissen, dass es öfter da ist. Wo man es erwähnt – vielleicht mal. Aber mehr nicht.
    Selbst wenn es das Gegenüber mittragen könnte, weiß ich nicht ob wir „das“ loswerden. Das, was sich über viele Jahre entwickelt hat. Die Angst, der Anderen Sorgen zu machen. Die Angst, die Andere könnte es auslegen, wie ihr es erlebt habt. Die Angst, dass jemand denkt, ich würde nur Druck machen wollen. Die Angst, als undankbar erlebt zu werden. Die Angst, die Andere geht über ihre Grenzen und kann uns nicht aushalten. Die Angst vor dahin geschmissenen Sätzen „Das ist ja nichts Neues“ – „das kennt ihr ja“ – die nur bewusst machen, wie oft man schon in solchen Krisen war.

    Dieses alles und sicher noch mehr macht uns schweigend und somit sicher auch alleine mit dem Thema.

    Wenn ich Euch lese und auch was in den Kommentaren geschrieben steht, dann macht das ein bisschen Hoffnung – das es vielleicht doch möglich sein kann damit nicht alleine zu sein. Das es Menschen gibt, die damit wirklich umgehen können. Die einem Monster ins Gesicht sehen können ohne es zu schrumpfen oder selber zu schrumpfen.

    Ja, ich glaube das Reden und damit sichtbar sein, bewirken kann es leichter zu machen – egal welche Entscheidungen letztlich getroffen werden. Und grad habe ich die Hoffnung, dass es vielleicht irgendwann auch kein „Ja, aber…“ ist.

    Danke an Euch und alle die hier geschrieben haben! Es gibt dazu so viel zu schreiben.

    Viele liebe Grüße und ein großes Kraftpaket!

  11. Wir haben richtig Mühe, Worte zu finden, so sehr sind wir entsetzt über die Gewalt und Respektlosigkeit, die euch durch vermeintliche HelferInnen in dieser Situation widerfahren ist. Wir wünschen euch sehr, dass ihr einen Weg findet, zu glauben, dass es auch die anderen Helfer gibt. Die die euch respektieren und wirklich hilfreich sind.

    Eigentlich gibt es eine einfach Antwort darauf, was uns hilft, wenn es in uns diese Ausweglosigkeit gibt. Und doch ist sie nicht wirklich so einfach wie sie scheint.
    Jemand der da ist. Jemand, der einfach mit uns aushält. Der uns aushält, so wie wir sind. Der seine eigene Hilflosigkeit aushält. Und bleibt. Einfach bleibt. Keine Lösung erwartet und auch nicht darauf drängt, nach Lösungen suchen zu müssen. Und ja, noch etwas, was wir als sehr hilfreich erleben. Ruhe. So eine Ruhe, die frei ist von Ungeduld und Hektik. Jemand der uns spüren lässt, dass er an unserer Seite bleibt, ganz egal wie lange wir das brauchen. Auch völlig egal ob wir reden oder schweigen wollen. Einfach jemand der sich zu uns in die Dunkelheit setzt und aushält. Und nicht erwartet, dass es morgen oder übermorgen oder in fünf Tagen „gut“ ist. Denn gut wird es noch lange nicht sein. Aber vielleicht ein bisschen besser aushaltbar.

    Wir wünschen euch dass es jemanden an eurer Seite geben kann, der euch wirklich hilfreich ist, um aushalten zu können. Immer nur eine Minute nach der anderen.

  12. Ja, diese Essenz von Sehnsucht, kenne ich auch.

    Ich freue mich, dass das Blog Worte für dich möglich macht. ❤

    Danke für deinen Kommentar

  13. Ich bin mir nicht sicher ob es auch ok ist, wenn ich hier einen Kommentar hinterlasse… oder ob ich mich damit gerade zu weit aus dem Fenster lehne. Ich möchte wirklich Niemandem zu nahe treten!

    Aber Euer Beitrag hat mich sehr berührt.
    Und ich möchte Euch nur gern ein Dankeschön hier lassen.
    Für diese klaren Worte, die auch so viele meiner eigenen Ängste so deutlich und stark benennen.
    Danke!

  14. Danke, dass ihr uns geschrieben habt, ihr Sterne.
    Ich glaube, dass Einsamkeit etwas ist, das nicht weggeht. Gerade, wenn man viel Gewalt erfahren hat, dann war man auch viel an einem Punkt in dem es nichts und niemanden weit und breit und allen Universen gab. Ich glaube, da gibt es eine Einsamkeit, die so umfassend ist, dass man sie später irgendwie immer in sich drin hat oder mit sich mitnimmt.
    Für mich ist es manchmal schlimm, sie zu spüren, manchmal aber auch nicht. Ich glaube, mein Weg ist mit ihr zu leben und ihr ihren Platz zu lassen bis ich sie verarbeiten kann.
    Vielleicht gibt es aber auch noch andere Wege.

    Viele Grüße!
    (Und- Kraftpaket ❤ danke!)

  15. Was mir half/noch immer hilft?
    Jemand, der mich anschaute und aus tiefstem Herzen heraus sagte: „Ich kann dich so nicht gehen lassen…“ , als ich die Vereinbarung nicht wie sonst unterschreiben konnte bis zum nächsten Termin zu überleben. MIt diesem einen Satz im Kopf, der mich mitten in meinem Nebel gefühlsmäßig erreicht hat, habe ich eine ganz Woche überleben können.

    Jemand, der verstand, dass eine Klinikeinweisung ein Gewaltakt wäre, der Vertrauen zerstört
    und meinen Zustand noch weiter verschlimmert.
    Jemand, der mich dann von einem Tag zum Nächsten überleben ließ, damit ich mich selbst immer wieder für das Weiterleben entscheiden konnte und der nur ein tägliches Lebenszeichen haben wollte.

    Ich habe mich geschämt, dass mein Gegenüber sagte, er/sie mache sich große Sorgen.
    Ich habe mich geschämt, dass sich jemand täglich bei mir in Erinnerung ruft um zu signalisieren „Ich bin da!“ , ohne mir Schuldgefühle zu vermitteln, ohne etwas zu erwarten und ohne zu verharmlosen mit irgendwelchen Plattituden.

    Was mir geholfen hat ist das Vertrauen dieses Menschen in mich, dass ich das schaffen würde, obwohl ich mir selbst nicht mehr vertrauen konnte.
    Mit all dem mich offen mitteilen zu dürfen und das Gefühl zu haben, heute ist es anders, heute darfst du Hilfe bekommen, die dir hilft, ich halte das mit dir aus…

    Ich hoffe, dass sich deine Wohnung irgendwann wieder besser anfühlt und Hilfe nicht mehr zu Gewalt wird…

  16. wie habt ihr solche menschen gefunden? menschen die zuhören und nicht veurteilen? menschen die keine klugen ratschläge geben die eigentlich alle nur das ziel haben, dass sie sich selbst besser fühlen.
    ich suche und suche aber es ist so schwer. so viele verrückte reaktionen die mir nicht weiterhelfen. muss man einfach nur durchhalten und nicht aufgeben, dass vielleicht man irgendeine person trifft die damit umgehen kann?

  17. Manchmal hilft es, wenn man später noch einmal miteinander darüber redet. Manchmal aber auch nicht.
    Mit dem Tod oder dem Leben umgehen zu können, ohne sich oder anderen Menschen zu schaden, ist ja auch ein Prozess.
    Ich glaube, dass es viel mit Glück zu tun hat, ob einem solche Menschen begegnen oder nicht bzw. auch mit der Fähigkeit sich Menschen überhaupt soweit nähern zu können und sich mit ihnen zu umgeben.

    Ich merke, dass mir die Menschen, die selbst schon sehr am Tod waren (egal ob selbst verursacht oder nicht) am wenigsten egozentrisch in solchen Situationen agieren.
    Nicht alle und nicht immer, aber die Wahrscheinlichkeit ist höher.

    Ich wünsche dir viel Glück und Kraft, Luka
    Danke für deinen Kommentar

  18. Ja. Ja, ja, ja, verdammt!
    Die „Helfer“ lehnen sich selbstgerecht, die Hände im Schoß und der Überzeugung, ein „Leben gerettet“ zu haben zurück – aber das Trauma, die Angst, der Akteneintrag bei der Polizei, die Demütigung, die Albträume… Sind nicht deren Problem. Soll das Opfer doch dankbar sein! „Wir wollten dir doch nur helfen“
    http://wp.me/p1knD0-9r

    Danke. Vielen, vielen Dank für diesen Artikel!

  19. deine tipps am ende.. also 1 -10 finde ich toll .. vor allem dieses „Um wen geht es eigentlich? Wen willst du retten?“ dafür alleine schon 10 von 10 Punkten

  20. Ich sitze hier und weine. Weil ich berührt und über manches traurig bin, von dem,was Du schreibst. Weil sich einige meiner Anteile an „Helfer“ und Suizidsituationen erinnern. Weil ich das fühlen kann, wie sie sich erinnern. Weil wir uns weniger allein damit fühlen.Weil ich die Kommentare gelesen habe und davon auch berührt bin. Danke ❤

  21. Wir haben ähnliche Gewalt erlebt in Psychiatrien , Pflegeeltern , Kinderheim .
    Jetzt ist es so , es wäre hilfreich wenn jemand da wäre , erreichbar ohne direkt bei uns zu sein. Jemand der keine Panik und Drohung verbreitet sondern einfach da ist wenn wir um Hilfe bitten , diese Hilfe kann auch sein das jemand einfach nur mit uns schweigt . Für die äußere Umgebung ist es für uns tatsächlich wichtig das es warm ist , Kälte ist etwas was bei uns vieles verschlimmert . Wir haben so viele suizidversuche überlebt . Das wird mir erst jetzt wieder bewusst und macht mich gerade traurig , welche Traurigkeit kann ich nicht benennen .

  22. Naja, ich erlebe HelferInnen in solchen Momenten nicht (mehr) als „selbstgerecht“. Viel mehr total zu mit Angst um sich selbst, die sie bei ihren Verhelfgewaltigten KlientInnen/ PatientInnen/ „FreundInnen“* abladen um sich dem nicht zu widmen.
    Schlimm ist halt, dass die Entscheidung/ der Wunsch/ die Gedanken dann gar nicht mehr konstruktiv angegangen werden können, sondern nur „weggemacht“ bzw. abgeschoben und die Konsequenzen bleiben bei den Betroffenen allein.

    Ich hoffe, deine Lage hat sich inzwischen ein bisschen entspannt und du konntest das Erfahrene etwas verarbeiten.

    Danke für deinen Kommentar hier

  23. Nein, es hat sich kaum gebessert. Es ist anderthalb Jahre her, ich bin zwischenzeitlich umgezogen, aber ich stehe immer noch regelmäßig nachts senkrecht im Bett, wenn Albträume mich wecken. Muss immer noch hin und wieder nachts das Licht anmachen, damit ich wieder ein- oder überhaupt schlafen kann… Bekomme Panikattacken, vor allem, wenn es unangekündigt klingelt. 12h musste ich da „nur“ verbringen, aber die haben gereicht. Diese Nacht hat sich festgezeckt, ist eine blutende, schwärende, eiternde Wunde, die mich jetzt – immer noch – vergiftet.
    Und die Leute, die mir das eingebrockt haben, handelten aus Selbstgerechtigkeit und, im Falle des im Artikel erwähnten C. aus Rache… Er hatte mir während der Beziehung immer wieder zu gerne mit Zwangseinweisung gedroht, wenn ich ihm mal wieder nicht gefügig genug war… Lange nach der Trennung wurde ihm dann die Chance gegeben, seine Drohung wahr zu machen… Dieses großspurige Gerede davon, wie er seiner „Psychoex völlig selbstlos das Leben gerettet hat“, macht diese Demütigung nur noch schlimmer.
    Psychiatrie… Das ist so ein abartiges, menschenverachtendes System :/

  24. Möchtest du auch eine Kätzchenumarmung?
    http://giphy.com/gifs/224NKXmu23A8U

    Ich wünsche dir, dass du das irgendwie verknusert kriegst.
    Mir hilft es meine Erfahrungen aufzuschreiben, wenn sie angetriggert werden und dann mit anderen Psychiatrie- kritischen Menschen darüber zu sprechen und in Austausch zu gehen, wie man das System verändern könnte.
    So dieser ganze Aktivismus in Richtung Selbstbestimmung (und auch Inklusion) wird im Großteil davon genährt, dass wir unsere Erfahrungen mit der Psychiatrie niemandem gönnen würden.

    Viele Grüße!

  25. Woher weiß man denn (wenn man die Person selbst nicht ist, sondern Außenstehender) ob der Wunsch zu Sterben von allen Innenpersonen getragen wird? Ob nicht ein Programm oder eine Krise verantwortlich war? Ob man hinterher nicht Vorwürfe bekommt, wenn man keine „Professionellen“ eingeschaltet hat, weil zb die „Dunklen“ dann mal merken, dass es Grenzen gibt oder „man da schon wieder raus kommt“ oder „alles andere nur reines Helfersyndrom ist, man so egoistisch ist die einzige sein zu wollen, die hilft“ oder was auch immer. Woher weiß man, dass der, mit dem man gerade zu tun hat und seine ganz individuelle GEschichte mitbringt, genauso denkt, wie ihr gerade und hinterher auch noch so denkt?

    Wie verdammt macht mans richtig?

    Hier sind Beispiele, wo Menschen geholfen wurde….was aber, wenn man kein Land sieht? Wenn die Hilfe nicht greifbar ist. Wenn man das GEfühl hat, es wird um Hilfe gerufen, aber es fehlt die Macht und das Geld und was auch immer, um Hilfe zu geben? Was ist, wenn niemand mehr weiß, was helfen könnte, einschließlich der Betroffenen nicht? Was ist, wenn es noch andere Menschen betrifft, kleine Menschen.

    Ich versteh diesen Beitrag….aber ich kann ihn nicht übertragen, denn die Innenansichten bekommt man selten so mitgeliefert…

    Ich habe das Gefühl, ich warte auf den Tod eines Menschen und schaue zu. Und ich fühl mich dreckig dabei.

  26. Und jetzt lebt ihr….und jetzt gibt es immer noch Hartz4 und kranke Kassen und Trigger und und und. Wie wird denn „trotz allem“ das Leben lebenswert? Was braucht ihr…und was braucht jemand, der sagt er braucht nichts mehr?

    Verantwortlich die HIlfe zu bringen, das Leben lebenswert zu machen. WIE?

  27. Liebe Pu,
    DU musst nicht wissen, ob ein Sterbewunsch von allen getragen, ob es ein Programm ist oder sonst irgendwas- nicht DU musst das wissen, sondern der Mensch um den es geht.
    Es ist die Entscheidung dieses Menschen , es ist das Leben dieses Menschen – nicht mehr und nicht weniger. Du stehst rein zufällig daneben, bist aus was weiß der Himmel welchen Fügungen da, was erst einmal nur bedeutet, dass du wahrnimmst was dort ist.
    Nichts weiter.

    Der Anspruch nun unbedingt aktiv zu sein. es „richtig zu machen“ – wo kommt der her und um wen und was genau geht es dabei?
    Es ist nicht deine Verantwortung. Es ist nicht deine Schuld- völlig egal, was moralische (vielleicht auch juristische) oder sonstwie gestützte Stimmen dir antragen!
    Du bist da, du hörst von Not und kannst anbieten diese Not zu lösen (wenn du das denn kannst oder willst oder darfst) und manchmal ist das Einzige, was man tun kann, eben auch den Weg in den Tod zu begleiten.
    Die Entscheidung dazu hängt aber nicht an dir, sondern an dem Menschen, der sie trifft allein.

    Nur weil du da bist, nur weil Hilfegesuche an dich gerichtet werden, wirst du nicht in eine Rettungspflicht genommen. Du bist nicht die einzige Instanz, die zur Hilfe angerufen werden kann. Wir haben 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten und manche Menschen glauben noch an zig Götter und Göttinnen, Kräfte und Mächte außerhalb unserer Wahrnehmung und Macht, die ihnen helfen könnten. Und nicht zuletzt kann sich sehr viel Hilfe auch einem selbst finden!

    Es geht manchmal auch schlicht um Demut vor dem Lauf der Dinge, die wir nicht kontrollieren können und Respekt für alle Entscheidungen, die ohne uns zu fragen getroffen werden.
    Wir sind nur Menschen.

    Und wenn es dir aktuell so schlecht mit der Not eines anderen Menschen geht, dann such dir Hilfe bzw. Begleitung für dich (allein und ganz allein nur dich!) in diesem Prozess.
    Als ich das erste Mal einen Freitod begleitet habe, empfand ich den Austausch in einem Forum für Menschen deren Angehörige im Sterben liegen sehr hilfreich.
    Auch wenn Krebs nochmal ein anderes Arschloch als Depressionen und andere Traumafolgen ist, ist die Belastung der BegleiterInnen sehr ähnlich.

    Der Mensch ist nicht allein auf dich angewiesen.
    Du bist nicht allein auf dich angewiesen.

    Der Tod bingt so viel Einsamkeit mit sich- du und der Mensch- ihr lebt aber noch und im Leben ist niemand jemals so allein, wie er sich fühlt.

  28. Das Leben ist auch mit alle dem wert, gelebt zu werden- worum es geht ist, damit umgehen zu können, diese Belastungen nicht nur aushalten, sondern auch tragen zu können.

    Werte das Leben und die Lebensrealität anderer Menschen bitte nicht als “nicht lebenswert” ab, nur weil es auch anders sein könnte.

    Und nochmal: die Verantwortung ein Leben lebenswert zu gestalten liegt nicht allein in dir, sondern auch in der Gesellschaft und dem Menschen allein.

    Viele Grüße

  29. DANKE für Eure Beiträge, ich habe sie mit Interesse gelesen und bin sehr berührt … DANKE

  30. in echt? *staun* und *freu*
    wir haben für unser „Wörterbuch“ schon viel aus den Beiträgen kopiert, weil wir Worte für uns gefunden haben, für etwas, wofür wir keine Worte hatten
    wir hoffen das ist ok
    und DANKE dafür

  31. Das ist gerade ein sehr wichtiges Thema bei mir. Ihr habt Euren Text genau an dem Tag veröffentlicht, an dem ich eine sehr aufwühlende Diskussion mit einigen Menschen darüber hatte… es ist sehr schwer, mit Leuten, die nie in einer solchen Situation waren und all das nicht von sich selbst kennen, über das Thema zu sprechen – ich wünschte, ich hätte Euren Text und einige der Kommentare dabei gehabt.
    Vielen, vielen Dank für’s Teilen und für Eure Perspektiven.

  32. Hallo Alex_a,
    ich habe im Backend vom Blog auch einen aufwühlenden Kommentar gehabt und noch einmal gemerkt, wie viel einfacher es ist, wenn ich diese Dinge, die mir wichtig sind wie einen Monolog sagen kann, ohne dass ich die Angst (denn nichts anderes steht hinter solchen Diskussionen) direkt mitbekomme.
    Wenn man mit Menschen darüber diskutieren muss, ob es okay ist solche Gedanken zu haben (und nicht: „und was braucht es jetzt?“), dann sind es (zumindest habe ich das bis jetzt immer so erlebt) die falschen Menschen für das Thema.
    Leider.

    Ich hoffe, deine zukünftigen Gespräche dazu werden einfacher, konstruktiver irgendwann.
    Viele Grüße

  33. Danke nochmal für den Artikel. Er hilft nicht nur mich selbst auf dem Boden zu verorten, sondern gibt auch Worte, um Gedanken zu Formen, die es ermöglichen die „Helfergewalt“ ANDERER zu erkennen und sich dagegen zu positionieren.

  34. hallo ihr,
    wir haben vor sehr kurzer Zeit versucht, uns zu töten. jemand hier hat dann aber einer Freundin geschrieben, und die hat den Rettungswagen gerufen, worüber wir auch froh sind, denn es wollten nicht alle hier sterben.

    Was wir dann im KH erfahren ist, dass man vor die „Wahl“ gestellt wird freiwillig in die geschlossene Psychiatrie zu wandern, oder ob ein Beschluss besorgt wird.
    Ich weiß grade nicht, wie ich das schreiben soll. Es triggert viel von früher (und teilweise auch heute) an. Es ist keine Wahl, die man hat. Es wird über einen bestimmt und eine Pseudowahl gelassen: „Sie können ja entscheiden, ob Sie freiwillig gehen.“ Ja… äh…. danke…
    Ich darf also sagen, dass ich gehe und darf dann „entscheiden“, wie ich dahin gehe.

    Also sind wir am nächsten Tag in die Psychiatrie gekommen, mit dem OA gesprochen und gesagt, dass am nächsten Tag gehen wollen, gesagt, dass Therapie haben und da gerne hingehn möchten.
    „Nein, auf keinen Fall.“ Sie müssen nach einem Versuch 5 (5??) Tage dableiben.

    Eingesperrt, mit Menschen, die teilweise sehr stressen (weil sie die ganze Zeit rumschreien auf dem Flur, einfach ins Zimmer kommen usw.) Das soll jetzt kein Angriff auf diese Menschen sein, aber für uns ist das nicht hilfreich. Das stresst extrem. Die Sicherheit (die vermittelt werden soll) ist nicht gegeben. Die Sicherheit für die anderen: ja. Weil man kann ja nicht raus und sich was antun.
    Und so etwas wie ein Überwachungszimmer (mit Kameras) ist, entschuldigung, auch nicht grade das gelbe vom Ei.

    Wir konnten dann, mit Hilfe vom Therapeuten, nach 3 Tagen gehen.
    Für uns war es glaub ich, teilweise hilfreich, es war einerseits, nachdem wir aus dem Überwachungszimmer raus waren, in ein Zimmer kamen, das in einem verzweigten Flur war ganz am Ende, und es da relativ ruhig war und wir da auch etwas zur Ruhe gekommen sind.

    Aber allein dieZeit im Überwachungszimmer… das Badezimmer abgeschlossen usw.
    Trigger hoch zehn.

    Für uns ist hilfreich, wenn wir mit dem Thera darüber reden können, oder auch mit einer Freundin, ohne dass halt gleich diese Panik aufkommt bei dem anderen, und dieser „Zwang, helfen zu müssen“. Weil, man „darf“ ja jemand nicht sterben lassen oder sich umbringen lassen.
    Einfach, dass jemand da ist, das mit uns aushält, und uns eben auch nicht ständig sagt: Du bist so stark, du kannst doch dein Leben nicht einfach so wegwerfen.

    „einfach“… ja, klar.

    Ich hab das gefühl, wir schweifen ab.
    ich schick das jetzt einfach mal so ab. Sonst kommt noch mehr gefühltes durcheinander bei raus.
    Wollten nur noch sagen, dass wir euch sehr gerne lesen, weil wir uns oft darin wiederfinden, und Sachen schreibt, für die wir noch keine Worte gefunden haben.

    Danke dafür!

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