Die Helfer_Innen und die Hilfe, Lauf der Dinge

Fieberthesen

früchtedings

“Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile euch alle Krankheiten!”
~ Parmenides von Elea, 540- 480 v. Chr.

1927 wurde der Nobelpreis für Medizin an den Psychiater Julius Wagner von Jauregg aus Wien verliehen. Grund dafür war die Entdeckung, dass Fieber positiv auf Depressionen einwirkt.
Etwa zeitgleich entdeckte der New Yorker Internist William Coley, dass manche Tumorerkrankungen zu heilen sind, wenn der Körper mit Fieber auf eine Kleinstmenge abgetöteter Bakterien reagiert.

Ich bin krank. So richtig schön mit sterbend fühlen, Lindenblütentee lecker finden und so.
Das war ich lange nicht mehr.
Um genau zu sein, hatte ich meinen letzten grippalen Infekt vor.. äh.. 4 Jahren? Oder waren es 5?
Und in den letzten Wochen, hoffte ich wirklich darauf, endlich richtig krank zu werden.

Ich habe eine Theorie und will bzw.. kann sie bereits jetzt in Teilen, anhand dieses Infektes überprüfen.

Grundlage für diese Theorie ist Mustererkennung.
Immer, wenn wir einen Schritt von den Tätern und ihrem System weg machen, knallt bei uns etwas durch und eine relativ gleiche Abfolge von Überzeugungen und Gedanken, Handlungszwängen und eben einer richtig fetten Sinnkrise paart sich mit einer allgemeinen Depression.
Im letzten halben Jahr bewegten wir uns weiter, öffneten uns weiter und machten neue Erfahrungen. Da ging es neben vielen neuen Handlungen auch um viele neue Empfindungen und Herangehensweisen bei Lösungsfindung bzw. Problemlösung. Und es ging/ geht um Bindungen.

Der Fakt, dass ich jetzt mit 39°C eigentlich lieber im Bett rumkullern und den Rotz in meinen Nebenhöhlen balancieren möchte, bestätigt mir schon mal Teil 1:
Die Möglichkeit in aller Ruhe krank werden zu dürfen.
Das ist zum Einen sehr gruselig, weil es bedeutet, dass wir uns auf unsere Menschen eingelassen haben. Oder ein Großteil. Oder genug Teil, um eben krank werden zu können.
Zum Anderen ist es aber gut, denn es markiert ein Abflauen von Misstrauen und dem Modus von: “Jetzt bloß keine Schwäche zeigen/ nicht schwach werden.”.

Ich weiß, dass ich meine letzte Erkältung irgendwann vor dem Unfalltod des Welpen, den wir ansehen mussten und irgendwann nach einer Heldinnentat unserer Gemögten hatten. Also irgendwann dann, als wir uns das letzte Mal sicher gebunden und selbstwirksam erlebt hatten.

Natürlich hatte ich zwischenzeitlich auch schon Fieber- ich habe nach jeder Therapiestunde welches.
Meine These sagt aber, dass es sich dabei nicht um ein Viren/Bakterienabtöt- und fressfieber handelt. Vielleicht bilde ich mir das ein- bitte- aber ich stelle mir das immer so vor, dass manche Kackscheiße Nervennetzwerke bildet und mein Posttherapiefieber genau daran herumnagt.

Laut TäterInnenentfernungsmuster kommt nach: Schmerzen, die mich niederstrecken (immerhin- zweiter Durchlauf und ich bin halbwegs mobil geblieben- beim ersten Mal kam ich nicht mal von Bett hoch) und Erinnerungsüberschwemmung (das ist diesmal krasser- ich bin aber heute Benzoclean- also vielleicht kommts mir nur deshalb krasser vor), das dringende Gefühl nur einem bestimmten Menschen glauben zu dürfen. (In derTäter?- Kontakt!- Reihe hatten wir schon darüber geschrieben)
Da ich keinen Kontakt mehr zu dem Menschen habe, gibts nichts, was er mir direkt zum Glauben sagen könnte. Und das ist ein im Moment sehr geiler Fakt, weils beim Enttarnen hilft. Alles was mir grad durch den Kopf kommt, kann nicht von diesem Menschen kommen und ist im Moment zumindest absehbar überprüfbar.

Meine Menschen kümmern sich und halten ihr Wort. Zum Beispiel meine Therapeutin, die heute morgen anrief; meine Rechtsanwältin die gestern Abend anrief und meine Gemögte, die uns jetzt grad mal in Ruhe lässt, wie besprochen. Direkt Reden kann ich zwar nicht mit ihnen- ich weiß aber, dass ichs auch nicht muss, um mich auszudrücken.
Sie sind alle greifbar- wie das gebundene Menschen halt so sind. Damit kriege ich den Großteil dunkelbunter Kopfbereichswahrheiten widerlegt
Wie biegsam die Definitionen um Werte sind, hab ich in den letzten Jahren auch oft genug erlebt. Also an der Stelle der Faktor: Ich bin nicht mehr 21 und hab inzwischen mal mehr erlebt als Kackscheiße classic, Kackscheiße Klinikstyle und Kackscheiße (Heim)Betreuungsverschiebung und alles andere um mich herum- hier und jetzt gerade- hab ich selbst gemacht. Es ist sicher, weil ich mir dabei schon auch immer was gedacht habe.

Kann sein, dass ich hier grad nur fiebrigen Wahn niederschreibe- aber der Rest meiner These baut darauf, dass ich mich mit steigendem körperlichen Wohlbefinden nach dem Infekt, auch seelisch besser fühle.
Im Moment ist es angenehm, dass das Gefühl von langsamen Sterben irgendwie auch mit dem körperlichen Schwächeding kongruiert. Ich muss nicht dagegen ankämpfen, sondern kann mich hinlegen und mir sagen: “Jupp, ist wie Sterben- das ist Fieber immer. Kein Grund Angst zu haben. Das geht vorbei…”. Fieber kennen viele (genug) von uns um auch in der Hinsicht zu wissen: “Das geht vorbei.” wogegen das (angebliche) Sterben bei Täterentfernung endlos ist und genau deshalb so schrecklich.

So.
Sie entschuldigen mich- ich muss mit dem Hund ums Eck und dann ein paar Infekterreger(Innen lol) töten.

P.S. Was ich in meiner These hab, hab ich vergessen aufzuschreiben- wieso hab ich eigentlich ne Kommentarfunktion, wenn ihr* so ne logischen Fehler für euch behaltet? Es geht mir drum zu überprüfen, ob wir die Spaltung, die uns damals im/ nach/ durch den ersten Durchlauf passiert ist, diesmal wiederholen, oder ob die Faktoren, die wir inzwischen angesammelt haben (siehe Lebenserfahrung, Therapieerfolge, aktuelle Beziehungen und auch das Kranksein jetzt) eine Wiederholung dessen verhindern.
Immerhin dokumentiere ich den ganzen Kram ja jetzt- das hab ich damals nicht gekonnt. Ich hatte nicht mal Worte im Kopf- geschweige denn die Kapazität mich zu reflektieren, wie jetzt.
Jetzt bin ich zwar ähnlich spracheingeschränkt- ich hab noch kein Wort rausgekriegt heute- aber ich bin nicht artikulationslos.
Das ist zwar kein hochtrabender Dingsdakrempel, aber ich bin bewusst. Das find ich schon mal wetvoll und wichtig- hat mir damals extrem gefehlt und fehlt mir ob einer Gesamtkontextuierung auch heute noch. Aber wenn ichs aufschreib, komme ich vielleicht irgendwann dahinter.

10 thoughts on “Fieberthesen”

  1. Gute Besserung! Magst ein wenig Ingwer oder Zitrone? Ich hätte auch sonst alles da … *haaatschi* … habs aber nur auf 38° gebracht … hatte ich aber auch schon lange nimma … *hatschiii* … in dem Sinne, geht vorbei 😉

  2. Iiiihihihi Ingwer – nee ihbaba! Ich find das schmeckt voll nach Seife.
    Ich hab Lindenblütentee, Brennnesseltee, Honig, Schokoeis, mit Schokosoße und Schokokeksen und mein Bettchen. Ich glaub den Höhepunkt hab ich auch schon durch- hab gestern viel mehr Schlaf gebraucht und warvöllig vercheckt- heute gehts schon langsam.
    In diesem Sinne- danke für die Wünsche 😀

  3. Zum Thema Fieber .. Wir können Fieber nicht zulassen , hört sich komisch an .. Ich kann’s auch nicht genau erklären , dass ist aber nur bei grippalen Infekten so .
    Es gibt ja diese Ohrthermometer – und da haben wir raus gefunden , immer wenn wir großen Stress haben , in Folge der Traumata haben wir Fieber . Mit den normalen Fieberthermometern aber nicht . Ob das daran liegt das die Temperatur im im ohr halt anders gemessen wird ? Ich weiß es nicht .
    Wünsche euch gute Besserung !

  4. Ohrthermometer messen nur am Trommelfell wirklich korrekt- ist das beschädigt oder nicht ordentlich angepeilt, dann können die Ergebnisse schwanken. Ich bin da altmodisch- Kontaktthermometer, nach Möglichkeit nicht digital. Dauert, ist aber genau.

    Danke!

  5. Ja das weiß ich . Im Krankenhaus wird morgens aber nur noch mit diesen gemessen . Schwankungen sind das nicht . Schwankungen sind bei 0,5 grad . Und Fieber haben wir im Ohr auch nur wenn viel Stress ist . Dachte das kennt vielleicht jemand auch . Danke 🙂

  6. Also “ Kackscheiße classic, Kackscheiße Klinikstyle und Kackscheiße (Heim)Betreuungsverschiebung“ ist mal wieder einfach ne kackscheisse gute neue Wortschöpfung! Glückwunsch und Besserungswunsch!

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